Auf Cernunnos‘ Insel…

Council of Cernunnos - Emily Balivet

Emily Balivet, „The Council of Cernunnos“ (Ausschnitt)

…findet man vieles, was Männer interessiert und das ihnen in einem Meer aus Feminismus, Genderwahn, „Queers-Glorifizierung“, Klimapanikmache, Pazifismus, Hoplophobie und anderen Formen der Political Correctness vermiest werden soll und das wir uns nicht vermiesen lassen werden.

In diesem Sinne also!

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Was ist falsch an der Vielfalt?

MORGENWACHT

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What’s Wrong with Diversity? erschien am 25. Juli 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Es gibt Zusammenhänge, in denen Vielfalt etwas Gutes ist. Zum Beispiel Vielfalt von Waren auf dem Markt, Vielfalt von Optionen im Leben, Meinungsvielfalt in der Politik und in der akademischen Welt, und eine Vielfalt von Standpunkten in Jurys für die Vergabe von Auszeichnungen oder für die Entscheidung von Gerichtsfällen.

Aber im Kontext der zeitgenössischen Politik bedeutet Vielfalt etwas sehr Spezifisches, nämlich die Integration einer Vielzahl verschiedener Rassen und Volksgruppen in dieselbe Gesellschaft oder Institution. Vielfalt bezieht sich auch auf die Integration von Frauen und sexuellen Minderheiten in Institutionen, die sie traditionell ausgeschlossen haben, wie das Militär. Offensichtlich kann man sich eine Gesellschaft ohne rassische und ethnische Vielfalt vorstellen, aber man kann sich keine Gesellschaft vorstellen, in der es nicht sowohl Männer als auch Frauen gibt. Man kann sich…

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Ace of Swords: Alles auf eine Karte (Teil 4)

Eine Science-Fiction-Geschichte von Deep Roots alias Lucifex. (Original hier)

Zuvor erschienen: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und das Glossar

Der Braune Zwerg Luhman 16B hatte seine Bewegung am Horizont seines zweiten Planeten umgekehrt und kroch langsam wieder nach Osten. So nahe am Bahnpunkt des geringsten Abstands war die Umlaufbewegung dieser öden kleinen Welt vorübergehend schneller als ihre Umdrehung in 3:2-Spin-Orbit-Resonanz, sodaß die Quasi-Sonne erst nach einer Weile erneut zum Stillstand kommen und ihren Weg nach Westen fortsetzen würde. Die Bewegung des innersten Planeten war deutlich sichtbar, als dieser vor dem riesigen roten Glutball vorbeizog. Bei dieser scheinbaren Größe bestrahlte Luhman 16B den zweiten Planeten trotz der viel geringeren Oberflächentemperatur mit der doppelten Intensität von Sol auf der Erde. An dieser Stelle nahe dem Nordpol war die Temperatur aber dennoch mäßig, und die Gewässer waren erst vor Kurzem aufgetaut. Wenn der Planet in gut fünfzehn Stunden seinen fernsten Bahnpunkt erreichte, wo er dreimal so weit entfernt war, würden sie wieder zuzufrieren beginnen.

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Ace of Swords: Alles auf eine Karte (Teil 3)

Eine Science-Fiction-Geschichte von Deep Roots alias Lucifex. (Original hier)

Zuvor erschienen: Teil 1, Teil 2 und das Glossar

8) Im Zeichen der Waage

In den Frontscheiben der Ace of Swords wuchs der kleine Planet von Gliese 570D, in dessen Orbit die Queen of Altavor aus der Ferne geortet worden war. Ronald Brugger hatte den Warpantrieb in einer Entfernung ausgeschaltet, über die seine militärische Sensorenausrüstung das viel größere Passagierschiff gerade noch würde aufspüren können, während dessen zivile Ortungsanlage ihn noch nicht entdecken konnte. Sobald die Queen hinter dem Planeten verschwunden war, hatte er sich diesem im Sublichtwarp-Sprint genähert, so weit es möglich war, und sein Schiff dann mit den MET-Antrieben in eine Übergangsbahn zu einem sehr engen Orbit hineingebremst, der es in geringerer Höhe allmählich an das andere Fahrzeug heranführen sollte. Eine Sensordrohne flog voraus; da sie später mit der Bremsung begonnen hatte und auf eine noch tiefere Umlaufbahn programmiert war, würde sie das Ziel noch vor der Ace of Swords in Sicht bekommen. Aufgrund ihrer Kleinheit und geringen Flughöhe würde sie auch weniger leicht entdeckt werden. Diese Vorsichtsmaßnahmen hatte Ron für den Fall ergriffen, daß Kaundas Leute eine Wachmannschaft an Bord zurückgelassen hatten.

Nikos Lourákis und Alcyone Poledouris befanden sich bei ihm im Kontrollraum; die Lysithea war weiter draußen im System zurückgelassen worden, versteckt hinter einem größeren Asteroiden. Alle drei trugen sie noch ihre Normalkleidung, denn ob sie mit der Ace of Swords direkt an der Queen andocken oder sich ihr mit dem Raumgleiter nähern würden, der mangels Andockschleuse die Verwendung von Raumanzügen erforderte, würde erst entschieden werden, wenn festgestellt war, ob das andere Schiff unbemannt war oder nicht.

An dem Punkt, wo die Übergangsbahn in die gewählte Kreisbahn überging, rollte Ron das Schiff herum, sodaß sie die zerkraterte, in mattem Kupferrot beleuchtete Wölbung des Planeten über ihren Köpfen hinwegrollen sahen. Da sie noch einen deutlichen Geschwindigkeitsüberschuß gegenüber der Orbitalgeschwindigkeit in dieser Höhe hatten, glich er die überschüssige Fliehkraft mit den senkrecht zur Flugbahn wirkenden MET-Antrieben aus. Die restliche Abbremsung würde erst so zeitig erfolgen, daß die Orbitalgeschwindigkeit erreicht war, bevor die Queen of Altavor über dem Horizont erschien. So würde das Aufholen, das ansonsten etwa dreizehn Stunden gedauert hätte, auf eine knappe Stunde verringert werden.

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Ace of Swords: Alles auf eine Karte (Teil 2)

Eine Science-Fiction-Geschichte von Deep Roots alias Lucifex. (Original hier)

Zuvor erschienen: Teil 1 und das Glossar

6) Zu dunklen Ufern

Die Queen of Altavor schwebte antriebslos in der Umlaufbahn von Krelang, dem dritten Planeten der sechsunddreißig Lichtjahre von Sol entfernt im Sternbild Vela gelegenen K5-Sonne Gliese 370. Das Schiff hatte gerade einen dreitägigen Aufenthalt auf dieser kühlen Welt beendet, wo es in einem Kratersee auf dem Kontinent Quatarn in den nördlichen Subtropen gewassert hatte, um seinen Passagieren die Besichtigung der um jenen See herumgebauten Ruinenanlage zu ermöglichen. Niemand wußte, wer die Schöpfer dieser überwucherten, aus Natursteinblöcken, Metallen und Synthetikmaterialien errichteten Bauten waren; auch die Lwaong hatten sie bereits als Ruinen vorgefunden. Es gab weitere, kleinere Anlagen solcher Art auf dem unbewohnten Planeten, aber es deutete nichts darauf hin, daß ihre Erbauer sich hier auch entwickelt hatten. Von dem im Wasser schwimmenden Raumschiff aus waren mitgeführte Gleiter gestartet, um die Passagiere bei den Ruinen abzusetzen oder sie zu entfernteren Plätzen zu bringen, wo sie Wanderungen zur Beobachtung der heimischen Natur unternommen hatten. Schließlich war die Queen of Altavor wieder gestartet, und nun zog sie in kaum hundertdreißig Kilometer Höhe über der vom flach einfallenden Sonnenlicht gelb beschienenen Wolkendecke dahin und wartete hilflos auf das nahende Verhängnis.

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Ace of Swords: Alles auf eine Karte (Teil 1)

Eine Science-Fiction-Geschichte von Deep Roots alias Lucifex. (Original hier)

Vorbemerkung des Verfassers: Dies ist eine Geschichte, deren dreieinhalb Jahrzehnte lange „Entstehungshistorie“ damit begonnen hat, daß ich irgendwann Anfang der 1980er den amerikanischen Fernsehfilm „Raubvögel“ („Birds of Prey“) von 1973 gesehen habe. Zu der Zeit kannte ich schon das damals noch recht neue Musikalbum „The Turn of a Friendly Card“ von Alan Parsons Project, und irgendwie haben sich einige Lieder daraus zusammen mit „Raubvögel“ in meinem Kopf zur Grundidee eines SF-Films entwickelt, der im Kern eine Art futuristisches „Raubvögel“ sein sollte, mit „The Turn of a Friendly Card“ als Filmmusik (ich hegte damals den Traum bzw. die Illusion, irgendwann einmal Profi-Filme machen zu können).

Später, nach Aufgabe des Filmertraums, hatte ich die Geschichte irgendwann einmal zu einem Buch verarbeiten wollen, und im Oktober 2017 habe ich mich dazu entschlossen, sie nun endlich in Form eines Blogbeitrags zu verwirklichen, was auch die Integration von „The Turn of a Friendly Card“ und anderer Lieder als eine Art „Filmmusik“ ermöglicht. Im Kern ist die Geschichte immer noch das ursprüngliche Projekt, aber sie ist im Laufe der Jahre doch in mancher Weise zu etwas ganz anderem mutiert.

Dies ist Teil 1 von 4, und es gibt zur Begriffs- und Hintergrunderläuterung auch ein Glossar.

Zur Einstimmung vor dem Lesen gibt’s hier das Instrumentalstück The Ace of Swords“ aus The Turn of a Friendly Card“ (jedoch in einem Stück mit „Nothing left to lose“; gesamt 7:10 min.):

 

A C E   O F   S W O R D S :   A L L E S   A U F   E I N E   K A R T E

Prolog

Der Große Galaktische Krieg war beendet. So hatten ihn die Menschen genannt, für die es der erste große interstellare Konflikt war, den sie erlebten. Für die anderen Spezies, die im Rahmen der Galaktischen Zivilisation daran teilgenommen hatten, war er bloß ein Maßregelungskrieg gegen die Xhankh gewesen, die sich geweigert hatten, alle Regeln jener lose verbundenen Multispezies-Zivilisation einzuhalten, gegen die sie sich schließlich in einem offenen Krieg gewandt hatten. Wie ihn die Xhankh nannten, für die er mit der schwersten Niederlage ihrer Geschichte und dem Verlust der meisten ihrer Welten geendet hatte, verrieten sie niemandem. Nun sammelten sich die Schiffe der Sieger zur Rückkehr in ihre Heimatsysteme, die Kreuzer der Menschen ebenso wie die gigantischen Kriegsschiffe der älteren Galciv-Mächte, vor denen sie beinahe zwergenhaft wirkten.

Begonnen hatte der Krieg mit einem Streit um das Recht der Nachbarspezies der Xhankh, im von diesen beanspruchten Raumgebiet um den Kohlensack-Dunkelnebel Welten zu besiedeln, die von ihrer Natur her für sie am besten geeignet waren, während die Xhankh sie als neue Heimatwelten uninteressant fanden. Dies war gängige Praxis und entsprach einer der fundamentalsten Regeln der Galaktischen Zivilisation: Nachdem für jede Spezies nur ein Bruchteil aller für Leben bewohnbaren Welten hinsichtlich Schwerkraft, Spektraltyp der Sonne, Jahreslänge und Rotationsdauer sowie chemischer Beschaffenheit ideal war und andererseits die überlichtschnellen Raumschiffe eine weiträumige Erschließung ermöglichten, ließen die raumfahrenden Spezies die für sie suboptimalen Welten ungenutzt, auch wenn sie näher an ihrem Ursprungssystem lagen. Stattdessen kolonisierten sie nur optimale, auch wenn sie weiter entfernt und zwischen die Welten anderer Spezies mit anderen Bedürfnissen eingestreut lagen. Exklusive Hoheitsansprüche auf ein bestimmtes Raumgebiet wurden von der Galciv nur im näheren stellaren Bereich um das Ursprungssystem einer Spezies toleriert. Die Xhankh wollten jedoch aus strategischen Gründen keine Kolonien fremder Wesen zwischen ihren Welten dulden, und weil sie eine der bedeutendsten Mächte in jenem Raumsektor waren, glaubten sie sich in der Position, diesen Standpunkt durchsetzen zu können.

Außerdem hatten die Xhankh sechs Jahrtausende zuvor eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung und schließlichen Ausrottung der Lwaong gespielt, deren Machtbereich einen Großteil der sechshundert Lichtjahre zwischen Sol und dem Kohlensack eingenommen und sich noch ein Stück über Sol hinaus in Richtung des galaktischen Randes erstreckt hatte. Die Lwaong hatten sich überhaupt geweigert, der Galaktischen Zivilisation beizutreten, und weiterhin interstellare Expansion betrieben, wenngleich nicht auf Kosten von Galciv-Mitgliedsmächten. Schließlich war es zum totalen Krieg gekommen, und weil die Xhankh diesen entscheidend zu gewinnen geholfen und dabei nicht nur militärische Stärke gezeigt hatten, sondern seitdem auch einen Teil des ehemaligen Lwaong-Raumes besaßen, der ihnen zusätzliche strategische Tiefe und Ressourcen gab, verhielten sie sich unnachgiebig, schüchterten ihre Nachbarn mit ihren Kampfschiffen ein und setzten auf die Kriegsunwilligkeit der alten Galciv-Spezies.

Nach einer Reihe eskalierender feindseliger Zwischenfälle hatte die Galciv ihre Mitgliedsspezies dann doch zum Krieg gegen die Xhankh aufgerufen, die zunächst nur gemaßregelt, in ihrer Stärke beschnitten und zur vollen Akzeptanz aller Galciv-Prinzipien samt Abtretung aller zuvor umstrittenen Welten in ihrem Raumbereich gezwungen werden sollten. Diesem Aufruf waren anfänglich nur die unmittelbaren Nachbarn der Xhankh nachgekommen, sodaß letztere zunächst bedeutende Anfangserfolge erzielen konnten. Als dann in entfernteren Randbereichen der Galciv-Sphäre auch noch dritte Mächte – eigensinnige Halbmitglieder, widerstrebende Eingliederungskandidaten und offene Feinde – begonnen hatten, alte Rechnungen wieder aufzumachen, hatte es für die Xhankh noch besser auszusehen begonnen. Über diese letzteren Aspekte des frühen Xhankh-Krieges war für die Menschen nur wenig und teils Widersprüchliches zu erfahren gewesen, aber soviel war klar: Die Galaktische Zivilisation sah sich nun in diesem Raumsektor ernstlich in Bedrängnis.

Sie hatte darauf reagiert, indem sie nun doch eine Anzahl weiterer Mitglieder zu einem wenigstens begrenzten Engagement mobilisierte, um zunächst jene zusätzlich aufgeflammten Grenzkonflikte zu bereinigen. Danach hatte sie sich verstärkt gegen die Xhankh wenden und deren Vordringen stoppen können. Der nächste Schritt hatte in der Gewinnung des jüngsten Mitglieds, der Solaren Föderation, für einen Kriegseintritt bestanden.

Die Solare Föderation, ein loser Zusammenschluß aus Euro-Afrikanischer Föderation, Eurasien, Pazifischer Föderation und Panamerikanischer Union, war in der Mitte des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts nach dem Erstkontakt mit den Arrinyi gebildet worden, denen die Menschen als ersten Vertretern der Galciv und als ersten Außerirdischen überhaupt begegnet waren. Zu dieser Zeit hatten die irdischen Mächte gerade mit der Erforschung von Sols Nachbarsternen mittels erster Warpraumschiffe begonnen und dabei auch auf zwei Exoplaneten halbprimitive Menschenpopulationen gefunden, wofür sie keine Erklärung hatten, denn von den Aktivitäten der Lwaong in der Prähistorie wußten sie noch nichts. Die neu eröffnete galaktopolitische Perspektive hatte den Befürwortern einer engeren globalen Integration unter den irdischen Eliten zur Durchsetzung gegenüber den Anhängern der multipolaren Version einer transnationalen Weltordnung verholfen. Danach hatte die Verlockung einer allmählichen Einführung in den technisch-wissenschaftlichen Stand der Galaktischen Zivilisation, die von den Arrinyi und Vertretern der älteren Mächte aus dem geheimnisvollen Inneren der Galciv-Sphäre in Aussicht gestellt worden war, dazu geführt, daß ab 2155 mit der schrittweisen Aufnahme der Menschheit in den uralten interstellaren Zivilisationsverband begonnen wurde.

Als vier Jahrzehnte später Nachrichten über Kämpfe im Raum um den Kohlensack die Menschenwelten zu erreichen begonnen hatten, war man dort zunächst auf Heraushaltung bedacht gewesen, aber die Galciv hatte den Menschen für den Fall einer Kriegsteilnahme auf ihrer Seite einen beschleunigten Technologietransfer versprochen, und dann hatte es mehrere mysteriöse Überfälle auf Erdaußenposten gegeben, die den Xhankh zugeschrieben worden waren.

Darauf war eine massive Kriegspropagandawelle in allen Medien gefolgt, die die Vision vom heroischen Einsatz der Solaren Streitkräfte für Frieden und Sophontenrechte beschworen hatte. Besonders die Arrinyi, die bei den Menschen wegen ihres am ehesten noch einigermaßen humanoiden Äußeren die beliebtesten aller Außerirdischen waren (auch weil man ihnen wegen ihrer andersartigen Lebensbedürfnisse als Bewohner langsam rotierender Welten von K-Typ-Sonnen keinen Appetit auf Menschenwelten zutraute) und die als nächste Nachbarn der Xhankh am meisten von deren Übergriffen betroffen waren, wurden als Opfer präsentiert. Es gab sogenannte Hilfseinsätze irdischer Schiffe, die prompt mit den Xhankh aneinandergerieten, und als 2200 das nächste Jahrhundert eingeläutet wurde, war auch die Solare Föderation voll in den Krieg verwickelt.

Für die Xhankh hatte sich nun das Blatt zu wenden begonnen, aber im Wissen um das Schicksal, das den Lwaong sechs Jahrtausende zuvor unter ihrer maßgeblichen Mitwirkung zugefügt worden war, hatten sie sich mit immer verbissenerer Verzweiflung gewehrt und dabei Kraftreserven mobilisiert, mit denen ihre Gegner nicht gerechnet hatten. So wurde es ein langer, kostspieliger und verlustreicher Krieg, der erst 2247 endete, nachdem den Xhankh ihr Überleben als Spezies auf ihrer Ursprungswelt und im ältesten Drittel ihrer Kolonien zugesichert worden war. Überall sonst in ihrem Imperium wurden sie zur Strafe vertrieben oder ausgelöscht.

In den Nachkriegsjahren hatte es dann große Umwälzungen gegeben. Viele militärische Raumschiffe waren auf dem zivilen Gebrauchtmarkt günstig verkauft worden, und Händler, Forscher und Glücksritter aller Art schwärmten in die stellare Nachbarschaft aus, deren Erdstandard-Welten den Menschen zugesprochen worden waren. Die irdischen Behörden hatte große Mühe, Recht und Ordnung in dem rasch erweiterten menschlichen Aktionsraum durchzusetzen, in dem es auf vielen Menschenwelten mehr oder weniger unabhängige Staaten gab. Denn unter den vielen individuellen Verlierern des Krieges – darunter auch Veteranen, die nicht mehr zurück ins Zivilleben fanden und oft keinen passablen Job angeboten bekamen – gab es auch etliche, die auf neue, alte Art am aufkommenden interstellaren Boom mitnaschen wollten: durch Piraterie. Mit billig gekauften, alten Militärtransportern und Kurierbooten voller Surplus-Ersatzteile durchstreiften sie die ehemaligen Kampfgebiete auf der Suche nach Wracks, aus denen sie noch brauchbare Waffen und Teile ausbauten, um ihre Schiffe aufzurüsten. Oft gelang es ihnen sogar, aufgegebene Kriegsschiffe wieder zu reparieren oder aus den Teilen mehrerer davon neue aufzubauen – Langstreckenraumjäger, Korvetten, Spähkreuzer. So ausgestattet, kaperten sie Schiffe, forderten Schutzgeld von Reedereien und überfielen Siedlungen auf Koloniewelten. Einige der Piraten waren auch Xhankh oder gehörten anderen nichtmenschlichen Spezies an, mit denen die Menschen Kontakt hatten.

Als die Raumpiraterie über ein gewisses Maß hinauswuchs, sannen die irdischen Behörden auf Abhilfe. Da sie nach dem teuren Krieg zu wenig Mittel für ausreichende eigene Anstrengungen hatten, engagierten sie zum einen Kopfgeldjäger, die auf den rauheren Koloniewelten kriminellen Abschaum bekämpfen sollten. Zum anderen stellten sie aber auch Jagdlizenzen für zuverlässige ehemalige Raumjägerpiloten aus, denen man ausgemusterte Überlicht-Langstreckenjäger zu günstigen Preisen überließ und die im Raum Jagd auf die Piraten machen sollten. Ihren Unterhalt sollten sie sich durch Prämien verdienen, welche die Raumfluggesellschaften und die Interessensverbände privater Schiffseigner für beglaubigte Abschüsse ausgesetzt hatten. Außerdem sollten sie von der Solaren Raumflotte für militärisch nutzbare Informationen über die Piraten durch Ersatzteile, Wartungsleistungen, Munition und Geld entlohnt werden. Ein weiterer Nebenverdienst sollte durch private Kurierflüge und andere Transportleistungen erzielt werden, für welche diese schnellen, gut bewaffneten Kampfschiffe, die meist für mehrere Personen eingerichtet waren, sehr gefragt sein würden. Etliche Piloten ergriffen diese Chance und versuchten ihr Glück – mit unterschiedlichem Erfolg.

1) Ace of Swords

Sein Schiff schwebte bereits unter Eigenantrieb über dem Vorfeld der Raumflottenbasis von Syrtis Major, als Ronald Brugger dort eintraf. Der Wachroboter, der seinen Identitäts- und Eigentumsnachweis verlangte, kam in der schwachen Marsschwerkraft mittels seiner MET-Antriebe auf ihn zugeschwebt, während im Hintergrund der riesige Wartungsroboter gerade die letzten Einstellungen vornahm. Nachdem er sich als Schiffseigner legitimiert hatte, flog Brugger seinen Gleiter neben den rechten Lufteinlauf des Schiffs und stieg über die Einlaufoberseite in den geräumigen Kontrollraum, wo er sich auf dem rechten Vordersitz niederließ. Den Gleiter schickte er weg. Auch wenn er sein Raumschiff durch die Bodenluke hätte betreten und durch den Steigschacht hinter dem Besatzungsteil nach oben klettern können, zog er es in diesem Moment vor, die Umstände zu nutzen und seinen neuen Einsatz auf diese Weise zu beginnen.

Der Wartungsroboter war fertig und hatte seine Arme zurückgezogen, und so schloß Brugger das Kanzeldach und löste die Startsequenz der Bordsysteme aus. Bildschirme hellten sich auf, und die Bereitschaft des Schiffsgehirns wurde angezeigt. Der kleinere der beiden Hilfs-Massekonverter sprang an und steigerte seine Leistung auf das Niveau hin, wo er damit den größeren starten konnte. Zur Schonung der Treibstoffvorräte arbeitete er noch mit angesaugter Marsluft, wie es die Konverter auch während des Steigflugs tun würden. Der Wartungsroboter löste sich nun auch vom PCC-Anschluß am Vorderrumpf, über den er bis dahin die Schiffsantriebe gesteuert und mit Strom versorgt hatte.

„Hallo, Acey“, begrüßte Brugger die Schiffs-KI.

„Grüß dich, Ron“, antwortete eine freundliche Altstimme. „Schön, dich wieder an Bord zu haben. Geht’s wieder auf die Jagd?“

„Ja“, sagte er. „zuerst nach Delta Pavonis, dort hör‘ ich mich um und entscheide dann Weiteres. Erstelle schon mal das Flugprogramm dorthin.“

„Du sagst mir, wie ich tun muß, und ich füg‘ mich nach dir“, antwortete die KI. „Fliegst du bis in den Marsorbit wieder manuell?“

„Ja. Los geht’s.“ Mittlerweile liefen beide Hilfs-Massekonverter, und Brugger hob das Schiff ab, richtete es nach Süden aus und stieg mit zunehmender Beschleunigung in den Marshimmel. Er genoß den Anblick des sich stetig weitenden Horizonts, der rotbraunen Landschaft unter ihm, wo schon immer mehr Ergebnisse der langen Terraformierungsbemühungen zu sehen waren: das grüngeäderte Muster vegetationsgesäumter Flußläufe, stellenweise grüne Niederungen und glänzende Gewässerspiegel. Über dem Hellas-Becken, dessen Sohle schon von einem seichten Meer bedeckt war, rollte er das Schiff um neunzig Grad nach steuerbord, um die Rundung des Mars wie eine gewölbte Wand neben sich zu haben und dieses neugeschaffene Meer zu bewundern, an dessen grünen Ufern Menschen sich bereits ohne Sauerstoffmasken aufhalten konnten. Die Orbitalgeschwindigkeit war fast schon erreicht.

Die Ace of Swords war ein hervorragendes Schiff, ein interstellares Jagd- und Bodenangriffsschiff vom Typ Orion II, gut hundert Meter lang, über dreitausend Tonnen Startmasse. Dieses Modell war bei Kriegsende das fortschrittlichste Produkt seiner Art aus irdischer Herstellung gewesen, und Brugger hatte es geschafft, genau jenes Exemplar zu erwerben, das er im Krieg geflogen hatte, eben Acey.

Nun war die Umlaufbahn erreicht, und er schaltete auf automatische Flugsteuerung. Bis Delta Pavonis würde er ab jetzt normalerweise nichts mehr damit zu tun haben, und so hatte er Muße, um sein traditionelles Flugbeginnsritual zu pflegen, das er bisher noch bei keinem Aufbruch zu einem Jagdeinsatz ausgelassen hatte, seit er zufällig an eine Digitalaufzeichnung des uralten Musikalbums The Turn Of A Friendly Card von Alan Parsons Project aus dem späten zwanzigsten Jahrhundert gekommen war. Während das Schiff weiter aus dem Marsorbit herausbeschleunigte und in steilem Winkel zur Ekliptik dem Sternbild Pavo am Südhimmel zustrebte, um sich weit genug für den Start des Warpantriebs im Sublichtbetrieb aus dem störenden Gravitationseinfluß des Mars zu entfernen, rief Brugger dieses Musikprogramm auf und spielte es beginnend mit dem Instrumentalstück The Ace of Swords ab, um sich zu den Klängen seinen Gedanken hinzugeben.

Am Xhankh-Krieg hatte er erst ab dessen Spätphase aktiv teilgenommen. Begonnen hatte es 2232, als er als Programmentwickler einer relativ kleinen Softwarefirma, die die Mensch-Maschine-Schnittstellen für die damals brandneuen Orion-II-Raumjäger entwickelt hatte, bei Routineeinsätzen der Vorserienschiffe mitgeflogen war, um die Praxiserfordernisse in der Realität kennenzulernen und die Interfaces auf deren Grundlage zur Serienreife zu bringen. Er war damals gerade fünfundzwanzig gewesen, und diese Tätigkeit wurde ihm als Ableistung der Wehrpflicht angerechnet, die damals bereits eingeführt worden war, nachdem der Krieg sich zu einer ungeahnten Intensität aufgeheizt hatte. Man hatte ihm auch eine provisorische Pilotengrundausbildung gegeben, damit er die Orions selbst als Copilot fliegen konnte, und als eine dieser Testmissionen nach einem Feindkontakt unerwartet dramatisch verlaufen war, hatte er sich dabei sehr bewährt und sein Talent als Kampfpilot entdeckt. Nach dem Abschluß der Softwareentwicklung war er Raumflottenoffizier geworden und hatte bis Kriegsende Kampfeinsätze und Patrouillen geflogen.

Im Laufe seiner Kriegskarriere hatte er mehrere brenzlige Situationen überstanden, die dazu beigetragen hatten, daß sein Haar nun graumeliert war, und einige tragische Ereignisse miterlebt. Und in all diesen Jahren war die Ace of Swords sein Schiff gewesen. Schon in alten Zeiten waren Seeleute davon überzeugt gewesen, daß jedes Schiff gewissermaßen eine Seele besaß und daß selbst innerhalb einer Baureihe keines gleich wie das andere war. Piloten in der Luftfahrt hatten oft ähnlich gedacht, und die Besatzungen der hochkomplexen modernen Raumschiffe mit ihren KI-Zentralcomputern waren davon überzeugt, daß es sich bei diesen genauso verhielt.

Zwar war klar, daß die Künstliche Intelligenz der Schiffsgehirne ihre Grenzen hatte und daß es sich dabei nicht wirklich um bewußte Wesenheiten handelte. Dennoch war es aufgrund der hohen Komplexität und der Selbstlernfähigkeit der Schiffs-KIs unvermeidlich und auch objektiv feststellbar, daß jede davon aufgrund ihrer Einsatzerfahrungen und ihres Umgangs mit den jeweiligen Besatzungen ihre eigene Quasi-Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten entwickelte, sodaß es schwerfiel, sie nicht tatsächlich als Persönlichkeiten zu empfinden. Daß Brugger Acey die Stimme, die Sprachmuster und die Ausdrucksweise seiner von ihm immer auf Distanz verehrten ehemaligen Chefin gegeben und ihr hierfür Mitschnitte seiner Ferngespräche mit dieser eingespeichert hatte, trug zusätzlich dazu bei. Von anderen Piloten wußte er, daß sie aus vergleichbaren Gründen ähnlich persönliche Verhältnisse zu ihren Schiffen entwickelt hatten. In den fünfzehn Jahren Kriegseinsatz war ihm auch keine Zeit für Familiäres geblieben, und als der Krieg zu Ende war, war er vierzig Jahre alt, stand mit trüben Berufsaussichten da und fragte sich, ob er nicht im Leben falsch abgebogen war.

Mittlerweile war The Ace of Swords verklungen, und das Lied Games People Play setzte ein:

Where do we go from here
now that all other children are growin‘ up
And how do we spend our lives
if there’s no-one to lend us a hand?

I don’t wanna live here no more, I don’t wanna stay
Ain’t gonna spend the rest of my life, quietly fading away.

Ah, games people play, you take it or you leave it
Things that they say, Honor Brite
If I promise you the Moon and the Stars, would you believe it
Games people play in the middle of the night.

Where do we go from here
Now that all other children have grown up
And how do we spend our time
Knowin‘ nobody gives us a damn?

I don’t wanna live here no more, I don’t wanna stay
Ain’t gonna spend the rest of my life, quietly fading away.

Games people play, you take it or you leave it
Things that they say just don’t make it right
If I’m telling you the truth right now, do you believe it
Games people play in the middle of the night.

Die Raumflotte hatte keine Verwendung mehr für ihn gehabt; die zivilen Raumfluggesellschaften waren zum einen noch nicht in der Expansionsphase der folgenden Jahre gewesen, hatten ihre Postenbesetzungen zum anderen vorwiegend nach ethnisch-rassischen und Geschlechterquoten vorgenommen und außerdem eher jüngere Bewerber bevorzugt, und in seinem früheren Beruf hatte er den fachlichen Anschluß verloren. Seine ehemalige Chefin, mit der er immer ein sehr freundschaftliches Verhältnis gehabt hatte, hätte ihm zwar dennoch eine Chance auf einen Wiedereinstieg gegeben, jedoch war sie schon sieben Jahre zuvor aus ihrer Firma gedrängt worden, die dann ein Konzern übernommen hatte. So war Ronald Brugger ohne Erwerbsbeschäftigung dagestanden, abgesehen von gelegentlichen Pilotenjobs bei Billigbetreibern, hatte deshalb noch immer keine Familie gründen können und war ohne Zukunftsperspektiven durchs Leben gegangen. Erst durch die aufkommende Raumpiraterie hatten sich ihm neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet, zunächst als Kopfgeldjäger auf den Koloniewelten, wobei er auch zu seinem ersten Schiff Lysithea gekommen war, das er immer noch besaß, und dann durch den Erwerb der Ace of Swords, mit der er nun Piraten im Raum jagte.

In diesen Jahren hatte er auch immer mehr an dem System zu zweifeln begonnen, in dem er lebte. Ein gewisses Unbehagen hatte er schon früher empfunden, das jedoch in der Kriegszeit durch seinen Erdpatriotismus überdeckt worden war und für das er auch keine klaren Gründe hatte nennen können. Bereits in der Schlußphase des Krieges war ihm bei rückwärtigen Stellen eine zunehmende Tendenz zu Korruption und Tolerierung von Inkompetenz aus politkorrekten Rücksichten aufgefallen, wenngleich man dies wegen der Kriegssituation in engen Grenzen halten mußte, und soweit er es mitbekam, war es im zivilen Bereich ähnlich. Nach dem Sieg aber sah man offenbar keine Notwendigkeit mehr für solche Zurückhaltung, und die zunehmende Galaktisierung trug ebenfalls zu dem bei, was Brugger als entfremdende Zersetzung und als Verlust von Heimatgefühl empfand. Eine weitere Grundregel der Galaktischen Zivilisation bestand nämlich in der Migrationsfreiheit für alle Bewohner der ihr angehörenden Welten: Jedes Intelligenzwesen konnte sich überall niederlassen, wo es die Schwerkraft, das Licht, die Atmosphäre und Tageslänge vertrug, sofern es sich an die örtlichen Gesetze hielt. Zwar wurde dies auf den Menschenwelten noch nicht von vielen Außerirdischen in Anspruch genommen, weil die unmittelbaren Nachbarspezies abweichende Lebensbedürfnisse hatten, aber es gab doch schon eine kleine Population von vorübergehend aufhältigen Arrinyi, und von den entfernteren Spezies, die weiter im Inneren der Galciv lebten, fanden immer wieder welche in den Menschenraum. Dies wurde unter Verweis auf das andersartige Fähigkeitsspektrum jener Wesen, das eine vorteilhafte Ergänzung zum menschlichen sein sollte, als wünschenswerte Bereicherung propagiert. Dissidenten wurden als rückwärtsgewandte Speziesisten und erbärmliche Modernisierungsverlierer verunglimpft und weitestmöglich aus dem öffentlichen Diskurs verdrängt.

Der Mars war auf Bruggers Rückwärtsbildschirm bereits stark geschrumpft, und die Geschwindigkeit nahm weiter zu. Acey schwieg, weil sie wußte, daß er nicht gestört werden wollte. Nun klang Maybe A Price To Pay aus den Lautsprechern:

Something’s wrong in this house today
While the Master was riding the servants devided to play
Something’s wrong in this house today
Something’s been going on, there may be a price to pay.

There’s evil brewing, getting out of control
And I’m helpless, I can’t put it right
Something unrighteous is possessing my soul
And it’s cold in the heat of the night!

Something’s wrong in this house today
While the Sorcerer slept the Apprentice decided to play.
While the Master was hiding the servants decided to play
Might be too much sun, or too much of something in the air
Whatever’s happening, nobody else is aware.

Als Minuten später The Turn Of A Friendly Card begann, aktivierte das Schiff den Warpantrieb in minimalster Sublichtstufe, und der Mars entschwand immer rascher achteraus.

Eine Viertelstunde später verschwanden die Sterne, und der Überlichtflug hatte begonnen.

2) Queen of Altavor

In der großen Halle des menschlichen Raumhafens auf Sanorr befaßten Kapitän Naveen Agbaye und seine Erste Pilotin Catriona Gerling sich mit den letzten Details ihres aktualisierten Flugplans für die Weiterreise entlang des arrinyischen Teils der Centaurus-Achse ins Raumgebiet der Arrinyi. Agbayes Raumhelm, den er auf einem Nebentisch abgelegt hatte, trug das Emblem seines Schiffes, die Silhouette der geflügelten Dämonenkönigin Kirray von Altavor aus der populären Roman- und Filmreihe, nach der sein Schiff benannt war. Diese Raumhelme samt der dazugehörigen Monturen wurden zwar an Bord tatsächlich in bestimmten Situationen verwendet, aber daß er und seine Pilotin sie in dieser Halle vor dem Start trugen, war bloß Show für das Publikum.

Über der kahlen, vom milden gelben Licht der K1-Sonne Harann beschienenen Hochplateaulandschaft, die durch das riesige Fenster zu sehen war, setzte gerade ein Transporter der Transolar Corporation zur Landung an. Jenseits des Horizonts wölbte sich der Planet Cerron, der mit seinem Ringsystem dem Saturn ähnelte, wenngleich er viel kleiner war als dieser, sogar kleiner als der Neptun. Sein venusgroßer Mond Sanorr, der ihn in etwa drei Erdentagen umkreiste, war eine Koloniewelt der Arrinyi, die den Menschen dort neben ihrem Raumhafen am fünfundvierzigsten nördlichen Breitengrad eine territoriale Exklave für die Errichtung eines eigenen Raumhafentraktes abgetreten hatten. Daneben besaß die Solare Föderation in diesem System nur einen kleinen Mond, den äußersten von Cerron. Diesen hatte sie ebenfalls von den Arrinyi bekommen; dort befand sich aber nur eine Basis der Solaren Raumstreitkräfte samt Nachschublager.

In der Halle hielten sich gerade nur Menschen auf. Arrinyi waren keine zu sehen, obwohl sie die Erdstandard-Atmosphäre des Raumhafens durchaus vertrugen. Umgekehrt mußten Menschen im benachbarten Arrinyi-Raumhafen ebenso wie im Freien Atemmasken tragen, da sie von dem hohen Kohlendioxidgehalt einer Atmosphäre nach Arrin-Standard Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, erhöhte Herzfrequenz und Blutdruckerhöhung bekamen. Die wenigen Besucher, die Ausflüge in die trockene Sand- und Felslandschaft draußen unternahmen, mußten wegen der eisigen Temperaturen, die dort jetzt im Winter der Nordhalbkugel vorherrschten, zusätzlich Thermokleidung tragen.

Eine Stunde später saßen Agbaye und Gerling in der Steuerzentrale der Queen of Altavor und leiteten den Start ein. Als die drei kleinereren Hilfskonverter stabil liefen, hob das riesige Passagierschiff gemächlich ab, stieg zunächst senkrecht auf und wandte sich dabei nach Südost, um ab zwei Kilometer Höhe seinen Steigflug schräg aufwärts ins All fortzusetzen. Der beschneite Südostabfall des Hochplateaus kam in Sicht, an den sich das klimatisch begünstigte Tiefland anschloß, das vom typischen dunklen Blaugrau der Arrin-Vegetation überzogen war. Dahinter erstreckte sich ein von Inseln durchsetzter Ozean.

Nachdem das Schiff die Atmosphäre verlassen hatte, beschleunigte es noch stärker und nahm Kurs auf den nächstäußeren Mond, an dessen Nordpol sich das große Wurmlochportal befand, das dieses Sonnensystem mit dem nächsten entlang der Route in Richtung der arrinyischen Zentralwelten verband. Ein zweites Wurmlochportal am Südpol, durch das die Queen of Altavor gekommen war, war das eine Ende der in menschlichem Besitz befindlichen Wurmlochkette, die nach Sol führte. Für diese waren der Solaren Föderation eine Anzahl alter Wurmlochportale der Lwaong zur Verfügung gestellt worden, die seit dem Ende dieser Spezies unbenutzt auf atmosphärelosen Himmelskörpern überdauert hatten. Auf diese Art hatte noch vor dem Krieg relativ rasch und mit tragbarem Aufwand eine derartige Schnellverkehrsverbindung zwischen Sol und dieser knapp hundert Lichtjahre entfernten Kopfstation ihres arrinyischen Gegenstückes geschaffen werden können, denn die Herstellung von Wurmlochgeneratoren war extrem aufwendig, und die irdische Industrie war erst nach dem Krieg so weit gewesen, selber welche zu bauen.

Wurmlochverbindungen wurden nur auf den wichtigsten Strecken geschaffen, wo die Auslastung den Aufwand rechtfertigte, der sich nicht nur auf den Bau der Generatoren beschränkte, sondern auch die Schaffung der Verbindungen und den Energieaufwand für deren dauernden Erhalt umfaßte. Denn die Dimensionstunnelverbindung konnte nicht auf Distanz von einer Station zur anderen aufgebaut werden, sondern mußte zwischen den beiden beieinander befindlichen Generatorportalen geschaffen werden, welche im Ganzen oder zerlegt mittels Warpraumschiffen in die Mitte einer interstellaren Route verfrachtet und dort nach Herstellung des Wurmlochs auseinanderbewegt und zu den Zielorten geflogen wurden. Dies konnte jedoch nur mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit erfolgen, da Wurmlöcher und Warp-Blasen sich sofort gegenseitig destabilisierten, weshalb die Schaffung einer Verbindung zwischen zwei Sonnensystemen Jahrzehnte in Anspruch nahm. Der passierbare Querschnitt von Wurmlöchern war innerhalb der bauartbedingten Grenzen der Portale sehr variabel; im maximal aufgeweiten Zustand wurden enorme Energiemengen verbraucht, obwohl ein Wurmloch-Korridor die zu seiner Stabilisierung zusätzlich zu Magnetfeldern nötige exotische Materie selbst erzeugt. Selbst der Standby-Modus des kleinstmöglichen Querschnitts brauchte noch viel an Energie, mußte aber trotz dieses Aufwandes zumindest als Minimalverbindung erhalten bleiben.

Neben den größten Wurmlochportalen, die für die Durchquerung mit Raumschiffen geschaffen wurden, gab es kleinere Ausführungen, die man je nach Bedeutung einer Strecke verwendete. Manche waren für die Durchschleusung von Fahrzeugen oder Maschinen dimensioniert, andere konnten bei maximaler Aufweitung gerade von Personen und Stückgut passiert werden, und bei Minimalquerschnitt wurden alle Versionen immer noch für ständig hindurchführende Strom- und Datenkabel, teils auch für Rohrleitungen verwendet. Die kleinsten Varianten reichten gerade für Kommunikationsleitungen, und es war vorgesehen, wenigstens mit solchen nach und nach die meisten ständig bewohnten Menschenwelten mit der Zivilisation zu verbinden.

Eine Gefahr mußte bei solchen Dimensionsportalen allerdings berücksichtigt werden: wenn zuviel Materie auf einmal hindurchging oder sich ihre negative Energie zerstreute, ohne daß vorher auf Standby-Modus heruntergefahren wurde, konnten die Korridore rasch zu kleinen Schwarzen Löchern kollabieren, die normalerweise nahe derjenigen Portalstation entstanden, die um einen winzigen Sekundenbruchteil länger als die andere aktiv blieb. Solch ein Schwarzes Mini-Loch würde zunächst alle Materie in der Nähe der Portale an sich reißen, dann ins Innere des jeweiligen Himmelskörpers sinken und diesen über Jahre oder Jahrzente hinweg von innen auffressen und dabei weiterwachsen. Aus diesem Grund wurden Wurmlochportale nicht auf bewohnten Welten installiert, sondern auf unbewohnten Monden oder Planetoiden in der Nähe der eigentlichen Reiseziele.

All dies war Catriona Gerling, die sich inzwischen allein im Kontrollraum der Queen of Altavor befand, bekannt, wenngleich sie nicht bewußt daran dachte, während sie den Anflug des Schiffes auf das bereits voll aktivierte Wurmlochportal überwachte. Ihr Kapitän hatte sich in den Bereich der Passagiere begeben, um mit diesen Smalltalk zu betreiben und, wie sie vermutete, um den Schiffshostessen nachzustellen. Bei Catriona war ihm mittlerweile klar, daß er bei ihr kein Glück haben würde. Sie seufzte. Nun ja, wenn er meint… Mittlerweile konnte sie bereits in das Wurmloch schauen und sah die dichten Sternballungen des galaktischen Zentrums auf der anderen Seite. Langsam und exakt axial manövrierte das Schiff in das Portal und durch den Korridor und kam auf der anderen Seite im Mondsystem eines jupiterähnlichen Gasriesen heraus, der einen roten Zwergstern gerade außerhalb von dessen potentieller habitabler Zone umkreiste. In diesem Sonnensystem gab es für raumfahrende Zivilisationen nichts Besonderes von Interesse, und so diente es nur als Zwischenstation, um die einzelnen Wurmlochetappen energiesparend kurz halten zu können.

Catriona nahm Kontakt mit der örtlichen Kontrollstation der Arrinyi auf und vereinbarte den Zeitpunkt des nächsten Transits. Anschließend rief sie die Leitstelle des menschlichen Forschungsstützpunkts auf dem Kleinmond vor ihnen an und veranlaßte die Abholung der neuen Besatzungsmitglieder, die bis hierher mitgereist waren. Für die Überwachung des Shuttle-Andockmanövers bestellte sie den Zweiten Piloten Winchell Chang in den Kontrollraum. Nachdem dieser übernommen hatte, machte sie sich auf, um sich mit ihrer Freundin Giulia Rossini vom Sicherheitsdienst zu treffen, die gerade dienstfrei hatte.

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Solo: A Star Wars Story

Von Trevor Lynch (Greg Johnson), übersetzt von Lucifex. Das Original Solo: A Star Wars Story erschien am 25. Mai 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Ich hatte ein schlechtes Gefühl bei dieser Sache.

Es war nicht bloß die verfluchte Produktionsgeschichte von Solo; die ursprünglichen Regisseure wurden nahe dem Ende des Drehs gefeuert, und Ron Howard wurde hinzugeholt, um den Film fertigzustellen, wofür er 70 Prozent davon neu drehte. Es waren nicht bloß die Gerüchte, daß Alden Ehrenreich der Rolle des Han Solo nicht gewachsen war. Es waren nicht bloß die lauwarmen Rezensionen.

Das wahre Problem besteht darin, überhaupt einen Film über den jungen Han Solo zu machen. Denn das, was Star Wars fesselnd macht, sind nicht Raumschlachten und Kantinen voller exotischer Außerirdischer. Es ist die Präsenz von großer Politik – das Imperium und die Rebellion – und des Numinosen: die Macht und die in sie Eingeweihten, die guten und bösen. Han Solo vor seiner Verwicklung in das eine und das andere ist bloß der zynische Schmuggler, dem wir auf Tatooine begegneten.

Nun gab es nicht, das Disney davon abhielt, einen großartigen Film über einen zynischen Schmuggler mit einem guten Herzen zu machen, der seinen Lebensunterhalt in einem brutalen Universum zu bestreiten versucht. Aber solch ein Film wäre anders als jeder andere Star-Wars-Film, und das würde ein Problem für den Autor und den Regisseur darstellen. Sie konnten sich nicht bei der großen Politik und beim Numinosen bedienen. Bestenfalls konnten diese nur am Rande und in einer Weise erscheinen, in der Han ihre volle Bedeutung nicht begreifen konnte. Stattdessen würden sie einen schlichten Abenteuerfilm machen müssen, der im Star-Wars-Universum spielt, aber ohne sich auf die Faktoren zu stützen, die das Franchise einzigartig und fesselnd machen. (Ganz zu schweigen von sicheren Hits, selbst wenn sie schlecht sind.)

Aber es gibt zwei Arten von Abenteuerfilmen: Schundfilme mit Pappkartoncharakteren, die beliebigen Explosionen ausweichen – und gute Filme, die drei Dinge haben müssen: Charakterentwicklung, dramatische Konflikte in Verbindung mit tiefen moralischen und metaphysischen Themen, und eine Geschichte, die nicht bloß ein Zufall nach dem anderen ist. Eine gute Handlung braucht ein Element der Notwendigkeit. Die Geschichte muß in irgendeiner Weise von den Charakteren und den moralischen und metaphysischen Themen erzeugt werden. Großartige Geschichten, die einen in ihren Bann ziehen, sind Begegnungen zwischen dem, was tief in uns ist, und dem, was tief im Universum ist.

Solo hätte ein guter Film sein können, sogar ein großartiger. Aber die Autoren und Regisseure mußten sich bei jedem Schritt fragen: Wäre dies immer noch ein guter Film, wenn wir all den Star-Wars-Scheiß fallenließen und ihn in irgendeinem anderen Universum oder in einer anderen Zeit spielen ließen? Die Antwort ist leider nein. Ich fand Solo als von Anfang bis Ende leblosen Film, an dem man keinen Anteil nimmt.

Solo ist keine kalkulierte, abgekupferte Farce wie Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi. Diese Filme sind böse und ungeschickt. Solo ist nichts davon. Er hat eine originelle Handlung. Die Regie ist gut. Er ist kompetent gespielt. Er ist oft großartig anzusehen. Aber er ist im Grunde bloß ein Gaunerfilm auf Schundniveau, wo die Helden von einer gekünstelten Krise zur anderen eilen und immer gerade noch rechtzeitig die Situation retten.

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Die große Aussperrung der Sexarbeiterinnen

MORGENWACHT

Von Travis LeBlanc, übersetzt von Lucifex. Das Original The Great Sex Worker Shuttening erschien am 13. April 2018 auf Counter-Currents Publishing.

In den letzten Jahren sind weiße Nationalisten und Identitäre die meistzensierten Menschen der Welt gewesen. Aber neuerdings hat eine andere Gruppe versucht, uns als Märtyrer der Redefreiheit die Schau zu stehlen: Sexarbeiterinnen.

Die Prostitution hat seit vielen Jahren im Internet ziemlich offen auf Dating-Webseiten für Erwachsene und sogar in den Kontaktanzeigenbereichen ansonsten respektabler Webseiten operiert. Es wurde seit langem gewitzelt, daß es „keine wirklichen Frauen auf Craigslist gibt“, was heißen soll, daß in den Kontaktanzeigen von Craigslist jede „Frau, die einen Mann sucht“ entweder ein Bot, ein Spammer oder eine Prostituierte ist. Prostituierte inserieren in codierter Sprache wie „nur großzügige Gentlemen“ oder EXZE$$IVEM EIN$ATZ VON DOLLARZEICHEN, um anzuzeigen, daß die junge Maid für ihre Gesellschaft finanziell entschädigt zu werden erwartet. Das Internet hat das Finden einer Prostituierten…

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