Hannus Bootswerft – Holz als Bootsbaumaterial (2): Die „richtige” Konstruktion eines hölzernen Bootes

Von Hannu Vartiala, übersetzt von Cernunnos. Das Original The „correct“ construction of a wooden boat erschien am 18. Oktober 2005 auf Hannu’s Boatyard.

Oben: Nachgebautes Wikinger-Langschiff „Havhingsten fra Glendalough“ („Seehengst von Glendalough“) im Museumshafen von Roskilde, Dänemark. (Bild vom Übersetzer aufgenommen und eingefügt)

Die Konstruktion eines typischen Holzbootes ist nicht so „falsch“ daß sie bei ordentlicher Oberflächenbehandlung und Pflege nicht Jahrzehnte hält. Aber es könnte fruchtbar sein, über Möglichkeiten nachzudenken, wie man es besser machen könnte. Es sollte möglich sein, ein Boot zu bauen, das Feuchtigkeitsveränderungen tolerieren und ohne irgendwelche Oberflächenbehandlung unbeschädigt bleiben würde.

Oder vielleicht ist das nur unbegründeter Optimismus

Holzboote werden auf zwei prinzipiell verschiedene Arten gebaut, Kraweel und Klinker. Die Leute neigen dazu, die Unterschiede nur in den Arbeitsweisen zu sehen, oder im Erscheinungsbild. Aber der Unterschied reicht tiefer.

Kraweel- und Klinkerbau sind zwei verschiedene Ansätze zum Bau eines Bootes, das das Quellen und Schwinden des Holzes toleriert, ohne kaputtzugehen oder Lecks zu entwickeln.

Beide Typen können so gebaut werden, daß sie von Feuchtigkeit verursachte Dimensionsänderungen tolerieren. Aber der Bootsbauer muß den prinzipiellen Unterschieden der beiden verschiedenen Techniken gerecht werden:

● Bei einem Kraweelboot führt jede Planke ihr eigenes Leben. Es gibt eine Fuge zwischen den Planken. Die Breite der Fuge ändert sich mit der Breite der Planken, wegen Feuchtigkeitsänderungen. Es muß irgendeine flexible Abdichtung der Plankenstöße geben. Die Abdichtung muß so flexibel sein, daß sie den Spalt in seinem schmalsten und breitesten Zustand füllt.

● Bei einem Klinkerboot bildet die gesamte Rumpfhaut ein einziges Stück, es gibt keine Spalten zwischen Planken, wie sehr die Außenhaut auch quillt oder schwindet. Die anderen Strukturen (Spanten, Steven…) müssen sich in solcher Weise biegen, daß die Rumpfhaut frei aufquellen und schrumpfen kann.

Ein Kraweelboot

Die Plankengänge und die Spalten zwischen ihnen müssen so dimensioniert werden, daß die Planken, wenn sie am stärksten aufgequollen sind, nicht gegeneinander pressen (einander quetschen), sondern die flexible Abdichtung zwischen ihnen auf ihr dünnstes Maß zusammengepreßt wird.

Jeder Plankengang kann an jedem Spant und Steven mit nur einem Befestigungselement befestigt werden. Die Planken sollten radial gesägt sein, um das Quellen und Aufwölben zu minimieren.

Wenn die Planken am schmalsten sind, wenn sie trocken sind, muß die flexible Abdichtung sich immer noch ausdehnen, um den Spalt zwischen den Planken zu füllen. Planken sollen schmal sein, um mit nur einem Befestigungselement pro Spant auszukommen, und um die Spaltveränderungen innerhalb der Elastizitätsgrenzen der Abdichtung zu halten.

Und die Befestigungselemente sollen flexibler sein als Nägel oder Nieten, um zu verhindern, daß das Holz unter dem Kopf des Befestigungselements gequetscht wird. Möglicherweise ein flexibler „Polster“ unter jeder Planke zum Spant. Boote werden in der Praxis nicht so konstruiert.

Ein Klinkerboot

Das goldene Zeitalter des Baus von Klinkerbooten im Einklang mit der Natur des Holzes war das Wikingerzeitalter, etwa um die Jahre 800 bis 1000.

Eine Menge Details von vergrabenen und gesunkenen Wikingerschiffen sind dokumentiert worden. Die Konstruktionsweisen unterscheiden sich von modernen Booten. Manche erscheinen seltsam, manche sogar fehlgeleitet.

Warum die Boote so konstruiert wurden, wie sie konstruiert waren, darüber ist erstaunlich wenig nachgedacht worden. Es scheint, daß es in der Wissenschaft der Archäologie nur üblich ist zu fragen: „was?“, aber nicht: „warum?“

Aber nachdem ich kein Archäologe bin, darf ich fragen: „warum?“ und an einer Antwort arbeiten. Hier ist eine:

Der Zweck der besonderen Konstruktionsdetails an Wikingerschiffen war zu verhindern, daß die Schiffe kaputtgingen, indem sie dem Holz das freie Quellen und Schwinden ermöglichten.

Mindestens drei besondere Konstruktionsdetails, die an Wikingerschiffen gefunden wurden, könnten mit gutem Verständnis des Feuchtigkeitsverhaltens von Holz erklärt werden:

● Spanten, oder vielmehr deren Fehlen.

● Die Art, wie die Rumpfplanken auf die Steven treffen.

● Die Art, wie die Planken an den Spanten verzurrt sind.

Es sind jedoch nicht alle Details an allen Schiffen zu finden.

Spanten:

Die Spanten vieler Wikingerschiffe erstrecken sich nicht in einem Stück von Schergang zu Kiel zu Schergang. Die Spanten sind mehr wie eine Anzahl von Spantenstücken, die von einem sternförmigen Gitterwerk gestützt werden. Die Spanten der Schiffe Skuldelev 3 und Skuldelev 5 waren so konstruiert.

Das sternförmige Stützgitter (rot) besteht aus der Sitzbank, einem Bodentragbalken, zwei senkrechten Stützen dazwischen und einer einzelnen senkrechten Stütze zwischen dem Decksbalken und dem Kielspantstück (gelb).

Es gibt ein Spantenstück an jedem Punkt des Sterns. Am Sitzbankende (hellblau), an den Enden des Decksbalkens (hellgrün) und am unteren Ende der unteren senkrechten Stütze (gelb). Der Kiel (violett) ist ÜBERHAUPT NICHT am untersten Spantenstück befestigt. Die anderen Spantenstücke sind durch Laschings oder einen einzelnen Nagel und Laschings an der Beplankung befestigt. Aber die Spantenstücke sind nicht aneinander befestigt.

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Hannus Bootswerft – Holz als Bootsbaumaterial (1): Grundlagen

Von Hannu Vartiala, übersetzt von Cernunnos. Das Original: „Wood as Boatbuilding Material“, bestehend aus mehreren Unterkapiteln, erschien am 18. Oktober 2005 auf Hannu’s Boatyard. Die Links zu den einzelnen Unterkapiteln stehen jeweils neben meinen Zwischenüberschriften.

Vorwort (Preface)

Die Einstellung gegenüber Holzbooten ist oft eine fast abergläubische. Als ob das Verhalten und der Gebrauch von Holzbooten eine Art Magie wäre, die nur von den Auserwählten ausgeübt werden kann.

So ist es nicht! Ein hölzernes Boot beruht auf Biologie, Chemie und Physik, genauso wie alles andere in der Natur.

Selbst die Schönheit eines hölzernen Bootes ist kaum magisch. Menschliche Wesen sind daran gewöhnt, von der Natur geschaffene Kurven als „schön“ zu sehen. Holz biegt sich auf natürliche Weise. Kurven eines Holzbootes kommen hauptsächlich von der Art, wie Holz sich natürlich biegt, deshalb sind jene Kurven schön.

Andere Arten von Booten erhalten ihre Form von Linien, die von Konstrukteuren gezeichnet wurden. Es ist ziemlich leicht, hässliche Linien zu zeichnen.

Natürlich kann es Hässlichkeit auch bei einem hölzernen Boot geben, aber für gewöhnlich ist es die schreckliche, unproportionierte Kabine, nicht der Rumpf selbst.

Das Verständnis von ein paar grundlegenden Tatsachen zu erfassen, eröffnet das Verständnis von Holzbooten. Bevor diese Fakten klar sind, ist es nicht wert, mit dem Bau eines einzigen hölzernen Bootes zu beginnen.

Schauen wir also…

Was ist ein „hölzernes Boot“? (What is a „wooden boat“?)

Seit ich anfing, „Sperrholzkisten“ zu bauen und mit Epoxy herumzukleckern, sind mir ab und zu Fragen gestellt worden wie „ist ein Sperrholzboot ein Holzboot?“ Oder „ist ein Holzboot immer noch ein Holzboot, wenn es mit Epoxy beschichtet worden ist?“

Fangen wir mit der universalen Antwort auf alle Fragen wie diese an, um zu wissen, worüber wir in den nächsten Abschnitten sprechen.

Pflanzen in der Natur werden systematisch klassifiziert. Bäume sind Pflanzen, daher ist es nicht weit hergeholt, auch hölzerne Boote systematisch zu klassifizieren .

Hier ist also „die vollständige systematische Klassifizierung hölzerner Boote“ (wird ergänzt, falls nötig):

1. Holzboot

1.1 Echtes Holzboot

Bei einem echten Holzboot bestehen alle Teile aus natürlichem Holz, und alle Teile sind aneinander mit mechanischen Befestigungsmitteln befestigt (Dübel, Nägel, Schrauben, Binden, Laschings etc.).

1.1.1 Natürliches echtes Holzboot

Jedes separate Stück Holz stammt von einem Teil eines Baumes. Möglicherweise gebogen. Möglicherweise von Natur aus krumm gewachsen.

Wenn man ein natürliches echtes Holzboot zerlegt (die mechanischen Befestigungsmittel entfernt), erhält man einen Haufen von Holzteilen, von denen jeder ein Teil eines lebenden Baumes gewesen ist.

Zum Beispiel ein Einbaum, ein Floß aus Baumstämmen, ein Wikingerschiff, fast jedes Boot vor dem 20. Jahrhundert.

1.1.2 Naturähnliches echtes Holzboot

Separate Holzteile können aus mehreren Stücken zusammengeleimt sein, aber immer mit in dieselbe Richtung verlaufender Maserung, was „echtes” Holz imitiert.

Zum Beispiel Boote mit Schichtholzspanten, Schichtholzsteven, aus mehreren Latten zusammengeleimten Planken.

1.1.3 Unnatürliches echtes Holzboot

Separate Holzteile können aus mehreren Stücken in solcher Weise zusammengeleimt sein, daß die Maserrichtungen nichts entsprechen, was in der Natur vorkommt. Die Stärke und andere Eigenschaften des Holzes sind durch Einsatz überkreuzender Maserrichtungen manipuliert worden.

Zum Beispiel ein echtes Holzboot mit Plankengängen aus Sperrholz oder mit Sperrholzspanten.

1.2 Laminiertes Holzboot

Stärke und andere Eigenschaften des Holzes sind manipuliert worden, indem andere als nur separate Teile mit überkreuzender Maserrichtung verleimt wurden.

1.2.1 Voll laminiertes Holzboot

Die Schichtverleimung findet während des Baus des Bootes statt.

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Hannus Bootswerft: Holz biegen im Schlafzimmer

Von Hannu Vartiala, übersetzt von Cernunnos. Das Original Woodbending in the bedroom (ein Unterkapitel von Materials, Methods and Accessories) erschien am 18. März 2004 auf seiner Webseite Hannu’s Boatyard.

Ab und zu wäre es schön, Holz biegen zu können. Jemand, der kleine Boote im Wohnzimmer baut, braucht für gewöhnlich weder Spanten noch Vorsteven zu biegen. Aber selbst kleine Boote können Dollborde haben, die so gekrümmt sind, daß es zweifelhaft ist, ob eine Latte 2,5 x 2,5 cm die Krümmung akzeptieren wird, ohne irgendeine Art von Beschädigung aufzuweisen.

Die beiden gebräuchlichen Methoden zum Biegen von Holz sind:

–          Biegen unter Dampf

–          Laminieren.

Biegen unter Dampf macht es möglich, „einen Knoten ins Holz zu machen“, sodaß es die ultimative Antwort ist. Aber ich möchte es nicht in meinem Wohnzimmer machen. Wie sorgfältig ich auch wäre, so gäbe es immer die Möglichkeit von tropfendem Wasser und Dampflecks. Auch ist die Ausrüstung fürs Dampfbiegen nicht wirklich für mein Wohnzimmer geschaffen.

Schichtholzverleimen (Laminieren) wäre fein, aber es ist zu schwierig. Der Holzplatz liefert keine dünnen Streifen, sodaß sie zuerst mit einer Kreissäge gesägt werden müßten. Dann in eine Bauvorrichtung geklebt, was wahrscheinlich ein schmutziger Prozeß ist. Dann sauber und eben gehobelt.

Aber es gibt eine einfache dritte Lösung! Das exzellente „Wood Handbook“ des Forest Products Laboratory sagt in Kapitel 19 (in viel mehr Worten):

– Holz wird um 170 ° Celsius plastisch.

– Oberhalb dieser Temperatur kann Holz geformt werden, und die neue Form bleibt nach dem Abkühlen erhalten.

– Plastisches Holz kann um bis zu 25 – 30 % komprimiert, aber nur um 1 -2 % gedehnt werden. (Deshalb ist das Aufheizen der Innenseite der Kurve am wichtigsten.)

– Das Anfeuchten von Holz senkt die Plastifizierungstemperatur unter den Siedepunkt von Wasser. (Deshalb funktioniert das Biegen unter Dampf.)

Holz kann also ohne Dampf gebogen werden, bei einer höheren Temperatur (das „Wood Handbook“ warnt vor einer Gefahr von „Faserzersetzung“, das heißt, vor einem Verbrennen des Holzes).

Eigentlich ist das nichts Neues im Bootsbau. Venezianische Gondelbauer haben offenes Feuer für das Holzbiegen verwendet, genauso traditionelle japanische Bootsbauer. Und überall in Skandinavien sind Einbäume aus Espenholz durch Anwendung von Feuer an der Außenseite und Wasser im Inneren in die Breite gespreizt worden.

Die Methode kann so sauber und einfach sein, daß ihr sie in eurem Schlafzimmer anwenden könnt.

Sucht euch ein schweres Möbelstück, in diesem Fall ein Bett, oder etwas dergleichen. Verkeilt die Latte, die ihr biegen wollt, fest zwischen diesem und dem Boden.

Heizt die Latte an der Innenseite der Krümmung mit einer Heißluftpistole auf. Meine Heißluftpistole ist mit 1500 W angegeben. Eine typische billige, wie sie fürs Entfernen von Farbe etc. verkauft wird.

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Feuerfall (16): Feuerfall

Ein Science-Fiction-Roman aus dem Galciv-Universum, von Deep Roots alias LucifexDies ist Kapitel 16 von 17, und es gibt zur Begriffs- und Hintergrunderläuterung auch das Glossar zum „Galciv“-Kosmos.

Zuvor erschienen: (1) Reiter auf dem Sturm(2) Babylon 6(3) Puffy & Jack(4) Nesträuber, (5) Nach Thumbnail Gulch(6) Zur Welt der hundert Meere(7) Höllenkurtisane(8) Ungestutzte Flügel, (9) Im Trident Sietch(10) Über das Meer(11) Glasscherben am Strand(12) Zwischen Abend- und Morgendämmerung(13) Caravanserai, (14) Spuren (Gimme Shelter) und (15): Unter den Friedhofsmonden.

Kapitel 16:   F E U E R F A L L

Als wir uns Aker’shai von außen näherten, war der Großteil des hochgeschleuderten Schutts schon wieder in die Atmosphäre zurückgefallen und hatte sie dabei zusätzlich aufgeheizt. Sechzehntausend Kilometer unterhalb des Mondes wurde die weichende Nacht von der Glut eines Lavameeres erhellt, über dem eine riesige Wolke aus Dampf und Rauch viele Kilometer hoch in die Stratosphäre stieg. Was wie ein Geäder von Lavaströmen aussah, war in Wirklichkeit ein Netzwerk von Gewässern, die in diesem flachen Land zwischen verkohlten Waldflächen mäandrierten und das rote Glühen reflektierten, das von der Wolke zurückgestrahlt wurde. Dem Osten zu spiegelte sich zunehmend das goldene Licht des Morgenhimmels auf den Wasserflächen.

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Flintenvideos von Ian McCollum

Nach der Zusammenstellung von Pistolenvideos von Ian McCollum bringe ich hier eine Sammlung von Videos über Flinten, ebenfalls von Ian McCollum von Forgotten Weapons.

Zunächst einmal etwas Jux und Tollerei – in „Gun Jesus with a Chiappa Holy Trinity!“ (11:25 min.) tritt Ian McCollum seinem Spitznamen entsprechend im Jesus-Outfit mit einer Chiappa Triple Crown (einem Kipplauf-Flintendrilling) bei einem Halloween Shotgun Match an („Ich bin der Weg und das Licht – nur daß das Licht manchmal Mündungsfeuer ist.“). Das mit „Vera“ ist eine Anspielung auf die gleichnamige Waffe des Söldners Jayne Cobb in Firefly, die aus einer Saiga-12 entstanden ist. An dem Wald aus Pepper-Poppern würde ich mich auch gern austoben!

Dieses Flintenmodell führt Ian in „Chiappa Triple Threat at the Range“ (8:17 min.) in der Schießpraxis vor:

Im 37 Minuten langen Video „The Pistol Grip Only Shotgun – The Perfect Home Defense Tool?“ vergleichen Ian McCollum und Karl Kasarda den Heimverteidigungswert einer Mossberg-Pumpgun „Persuader“ PGO nur mit Pistolengriff, einer Pumpflinte mit Kolben und einer doppelläufigen Hahnflinte (Coach Gun) ohne Ejektoren:

Dabei bestätigte sich die auch vom mir schon vermuteten Unsinnigkeit reiner Pistolengriff-Flinten, deren Kürze nicht einmal für das Hantieren unter beengten Verhältnissen Vorteile bringt. Interessant war auch, um wieviel schneller die beiden bei der Abwehr von nur zwei Gegnern mit der Doppelflinte gegenüber der Pumpe waren, bei der es unter Streß auch die Gefahr gibt, zu kurz zu repetieren und Zuführstörungen zu produzieren. Bei drei „Gegnern“ waren sie aber mit der Doppelflinte wegen des Nachladens im Nachteil, was aber bei einer Flinte mit Ejektoren schneller geht, weil das Herausfummeln der leeren Hülsen entfällt.

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Pistolenvideos von Ian McCollum

Hier präsentiere ich euch eine Zusammenstellung von Pistolenvideos von „Gun Jesus“ Ian McCollum, dem Präsentator von Forgotten Weapons:

Walther PPKs on the Range: Comparing the .32 to the .380

A Walther copied by Hungary for Egypt: the WALAM 48

Project Ultra: Germany Wants a Stronger Compact Pistol

Belgian GP35: The First Military Browning High Power

H&K P7 Family: Pistols for Gun Cognoscenti

H&K P8A1: The Bundeswehr’s USP

Bren Ten: The Most Tactical Pistol!

10mm is the Best Millimeter: the Colt Delta Elite

The Original Pasadena Auto Mag 180

Evolution of the Military Mauser HSc Pistol

Mauser „Schnellfeuer“ Model 712 (hier wird auch damit geschossen)

Shooting the Stechkin: How Does It Measure Up?

Stechkin APS: The Soviet Machine Pistol

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Test: Ruger-Kleinkaliber-Repetierer 77/22

Der Autor mit dem Ruger 77/22 im Anschlag.

Von Anton Steiner, aus Heft 2-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“. (Wie aus dem englischen Wikipedia-Artikel Ruger Model 77 rotary magazine hervorgeht, wird dieses 1983 erstmals vorgestellte Gewehr immer noch erzeugt, und zwar in den Kalibern .22 long rifle, .22 Winchester Magnum Rimfire und .22 Hornet.)

Die amerikanische Firma Sturm, Ruger & Company hat schon oft ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Marktes bewiesen. Sie beweist es auch jetzt mit der Lancierung des neuen zehnschüssigen Kleinkaliber-Repetierers Modell 77/22.

Wer den Ruger-Repetierer Model 77/22 erstmals zu Gesicht bekommt, erkennt wahrscheinlich nicht auf Anhieb, dass es sich hier um ein Kleinkaliber-Gewehr handelt. Die Ähnlichkeit mit dem Jagdrepetierer Modell 77 ist frappant.

Der Ruger-Kleinkaliber-Repetierer 77/22 ähnelt äußerlich dem Jagdrepetierer Modell 77.

Die Schäftung, deren Linienführung, die Anordnung der Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff sind sozusagen identisch ausgeführt. Selbst die Riemenbügelbolzen fehlen nicht. Anstatt der braun-roten Gummikolbenkappe des Modells 77 hat die 77/22 dagegen eine schwarze Kunststoffkolbenplatte, und das Pistolengriffkäppchen besteht aus demselben Material.

Üblicherweise sind Kleinkaliber-Büchsen mit einer Schwalbenschwanzführung versehen, wenn überhaupt eine Zielfernrohrmontage vorgesehen ist. Nicht so bei der Ruger 77/22. Sie weist die originale Montagevorrichtung des 77-Systems auf, und zwar erweitert und dadurch verbessert. Auf der hinteren Gehäusebrücke sind nämlich zwei Montageausfräsungen vorhanden. Der Spielraum bei der Positionierung des Zielfernrohrs wird dadurch erheblich erweitert. Mit den Ruger-Montageringen können somit Büchsen-Zielfernrohre von 1 Zoll Rohrdurchmesser montiert werden.

Natürlich hat die 77/22 auch eine offene Visierung. Sie besteht aus einem Perlkorn und einem höhenverstellbaren Klappvisier. Beide Elemente sitzen in einer seitlichen Schwalbenschwanzführung.

Die Bezeichnung „22“ bezieht sich auf das Kaliber .22 Long Rifle, lässt jedoch auch die Erinnerung an das seit Jahren bestehende halbautomatische 10/22-System anklingen, das (wie übrigens auch die .44-Magnum-Selbstlader) mit dem ausgezeichneten Ruger-Trommelmagazin ausgestattet ist. Dieses zehn Patronen fassende Magazin ist ein Bijou, und noch niemals ließen sich bei den Schießversuchen zehn .22er auf derart problemlose Weise in ein Magazin laden.

Das zehn Patronen fassende Trommelmagazin hat sich bereits im Halbautomaten Modell 10/22 bewährt.

Die KK-Büchse 77/22 ist jedoch keinesfalls ein bloßes Puzzle aus Vorgängermodellen der Firma Ruger.

Attraktive Technik

Der Zylinderverschluss, die Sicherung und die Verschlussarretierung des Kleinkaliber-Repetierers sind völlig eigenständige Konstruktionen.

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Was man alles aus .38 Special-Revolvern verschießen kann…

Die getesteten Patronen von links nach rechts: .38 Special (HP), .38 Special (Blei-Rundkopf), .38 Special (Wadcutter), .38 Long Colt, .38 Short Colt, .380 C.F., .38 Smith & Wesson, .38 Automatic, .38 Super Auto. (Die Patrone .38 Super Auto wurde wegen des hohen Gasdrucks aus einem .357-Magnum-Revolver statt aus dem .38 Special verschossen.)

Von Thomas Hartl, aus Heft 6/1985 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Hatten wir in SWM 3/85 untersucht, welche „Ersatzpatronen“ aus gängigen 9 mm Para-Pistolen verschossen werden können, so wollen wir uns diesmal mit der Verwendung von Ersatzmunition anderer Nennkaliber in .38 Special-Revolvern befassen.

Revolver im Kaliber .38 Special gehören bei uns zu den beliebtesten und deshalb am meisten verbreiteten Privatwaffen. Für unsere Untersuchungen wählten wir einen Smith & Wesson-Revolver Modell 10-6 mit einer Lauflänge von 4“ (ca. 100 mm). Diese Lauflänge wird von den Käufern am öftesten gewählt.

Der für unsere Schießversuche hauptsächlich verwendete Smith & Wesson-Revolver Modell 10-6.

Selbstverständlich hätten wir vom ebenfalls beliebten Kaliber .357 Magnum oder gar vom Kaliber .357 Maximum ausgehen können; diese Waffen sind jedoch weniger verbreitet als solche im Kaliber .38 Special.* Und Waffen im Kaliber .357 Maximum sind bis heute nur wenige verkauft worden.

Alle nachstehend untersuchten Patronen können selbstverständlich auch in Waffen der beiden letztgenannten Kaliber geladen werden. Eine freizügige Verwendung ohne Einschränkungen und Funktionsstörungen ist jedoch nur in den Revolvern und Einzelschusswaffen (Pistolen und Gewehren) gewährleistet.

Als Vorteil des Revolvers gegenüber der Selbstladepistole kann die gute „Verdauung“ der Ersatzmunition verbucht werden. Funktionsstörungen wie bei den Selbstladern sind kaum zu erwarten, es sei denn, man lade eine etwas zu lange Patrone in die Kammern. Die einzige Störung resultiert darin, dass die Trommel nicht eingeschwenkt werden kann. Ein großer Vorteil des Revolvers gegenüber der Pistole wird hier ersichtlich.

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Feuerfall (15): Unter den Friedhofsmonden

Ein Science-Fiction-Roman aus dem Galciv-Universum, von Deep Roots alias LucifexDies ist Kapitel 15 von 17, und es gibt zur Begriffs- und Hintergrunderläuterung auch das Glossar zum „Galciv“-Kosmos.

Zuvor erschienen: (1) Reiter auf dem Sturm(2) Babylon 6(3) Puffy & Jack(4) Nesträuber, (5) Nach Thumbnail Gulch(6) Zur Welt der hundert Meere(7) Höllenkurtisane(8) Ungestutzte Flügel, (9) Im Trident Sietch(10) Über das Meer(11) Glasscherben am Strand(12) Zwischen Abend- und Morgendämmerung(13) Caravanserai und (14) Spuren (Gimme Shelter).

Kapitel 15:   U N T E R   D E N    F R I E D H O F S M O N D E N

Bei unserer Ankunft wartete die Arduinna schon im Orbit über Thrian’shai, langsam um ihren Schwerpunkt rotierend wie ein Bumerang. Ihr Besitzer hatte also die Bordschwerkraft schon abgeschaltet und begnügte sich mit dem Viertel der Erdschwere, das durch die Fliehkraft erzeugt wurde – eine Option, auf die er bei dem Entwurf Wert gelegt hatte. Das war auch ein Grund für die gewählte Länge von hundertvierzig Metern gewesen; ein weiterer waren die vier um die Längsachse eingebauten langen Ionenstrahler, von denen die Galciv-Behörden nichts wissen durften, nachdem die kurzen schwenkbaren Exemplare beiderseits des Vorderrumpfs gerade noch genehmigt worden waren.

Als wir auf ein paar hundert Meter herangekommen waren, ließen sich zwei Gestalten aus dem Heck der Arduinna fallen und kamen mit dessen Tangentialgeschwindigkeit auf uns zu. Die größere im grauen Raumanzug war natürlich Merton Wiener, aber die zweite in Blau war ein Überraschungsbesuch. Innerhalb einer knappen Minute schwebten sie über die Kluft zwischen den Schiffen, bremsten mit ihren Anzugantrieben ab und steuerten auf unsere Hauptluftschleuse zu. Sobald sie drin waren, ließ ich die Lyensai aus dem Orbit beschleunigen und ging zur Schleuse, um die Gäste in Empfang zu nehmen.

Der Druckausgleich war schon beendet, als ich hinkam, und die beiden öffneten gerade die innere Luke. Während die blaue Gestalt die Schleuse hinter sich schloß, stellte die graue einen mitgebrachten Vakuumkoffer hin und nahm den Helm ab. Wie erwartet, war es Merton Wiener, der mich mit einem kurzen „Hallo Drac“ begrüßte und danach seinen Raumanzug abzulegen begann. Die zweite Person – den Körperformen nach eine Frau – hatte währenddessen gewartet, bis ich meine Aufmerksamkeit ihr zuwandte, und hob nun mit einem „Ta-dah!“ ebenfalls ihren Helm vom Kopf.

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Ersatzpatronen für 9 mm Para-Pistolen: Welche verdauen sie?

Die fünf von uns untersuchten 9-mm-Patronen; von links nach rechts: 9 mm Parabellum, 9 mm Glisenti, 9 mm Makarov, 9 mm Police und 9 mm kurz.

Von Thomas Hartl, aus Heft 3-1985 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Kann man aus einer 9 mm Para-Pistole andere als 9 mm Para-Patronen verschießen? Und wenn ja: Welche Leistungseinbußen sind dabei zu erwarten, welche Funktionsstörungen in Kauf zu nehmen? Wir probierten es aus.

Auch wer kein Munitionskenner ist, weiß, dass es im Nominalkaliber 9 Millimeter eine ganze Reihe verschiedener Pistolenpatronen gibt. Ausgesprochene Experimentalpatronen ausgenommen, reicht diese Reihe von der 9 mm kurz (maximale Hülsenlänge 17,35 mm) über die 9 mm Makarov (18,05 mm), 9 mm Police (18,55), 9 mm Glisenti (19,00 mm), 9 mm Parabellum (19,20 mm), 9 mm Browning long (20,30 mm), .38 Super Auto (22,90 mm), .38 Auto (23,00 mm), 9 mm Bayard (23,00 mm), 9 mm Steyr (23,20 mm) und 9 mm Mauser (25,10 mm) bis zur 9 mm Winchester Magnum (29,50 mm).

Aus ersichtlichen Gründen kamen für unsere Versuche nur 9-mm-Patronen in Frage, deren Hülsen kürzer als die der 9 mm Para-Patronen sind. So beschränkte sich die Auswahl auf die Patronen 9 mm kurz, 9 mm Makarov, 9 mm Police und 9 mm Glisenti.

Als Testwaffen dienten eine Walther P 38 (Lauflänge 125 mm), eine FN High Power (122 mm), eine SIG-Sauer P 220 (112 mm), eine Colt Combat Commander (108 mm) und eine Smith & Wesson Modell 59 (105 mm).

Die Makarov-Patronen konnten in diese Waffen gar nicht geladen werden. Waffen im Kaliber 9 mm Para sind für Geschosse von maximal 9,02 mm Durchmesser eingerichtet. Die Makarov-Patronen verwenden Geschosse von 9,25 mm Durchmesser. Noch mehr fällt aber ins Gewicht, dass der Hülsenmund der sowjetischen Makarov-Patronen, die uns zur Verfügung standen, beinahe 0,25 mm breiter als der der 9 mm Para-Patronen war: Die 9 mm Makarov-Patronen konnten nur bis etwa zur Hälfte ihrer Länge in die Patronenlager der 9 mm Para-Pistolen geladen werden. Für unseren Test war das kein allzu großer Rückschlag: 9 mm Makarov-Patronen sind im Westen ohnehin nur als (recht teure) Sammlerpatronen erhältlich.

Für unsere Versuche blieben also die Patronen 9 mm kurz (.380 ACP), 9 mm Police und 9 mm Glisenti übrig. Letztere Patrone, im Grunde eine schwächer geladene 9 mm Para-Patrone mit Kegelstumpfgeschoss, die zwischen 1910 und 1938 italienische Ordonnanzpatrone war, ist heute nur noch sporadisch erhältlich. Die beiden übrigen Patronen sind handelsüblich, wenn auch die 9 mm Police weniger populär als die 9 mm kurz ist.

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