„Ich weiß das!“ – Mediale Manipulation und ihre Wirkung

MORGENWACHT

Von Dunkler Phönix

Ich weiß das!“ Einführung

(Bild gefunden auf "Volksbetrug") (Bild gefunden auf „Volksbetrug“)

Mit dem dümmlichen „ich weiß das!“ möchte ich gleich zu Beginn auf das Hauptproblem hinweisen:

Alles, was wir von der Welt wahrnehmen, bis auf den winzig kleinen Ausschnitt unseres privaten Umfelds, nehmen wir medial wahr.

Wobei „medial“ zunächst einmal jedwedes Medium vom Telefon über Internet bis zum Fernseher beschreibt.

Was wir dabei fast immer vergessen, verdrängen oder einfach nicht bedenken, ist, dass jedwede medial gewonnene Erkenntnis eine Erkenntnis aus „zweiter Hand“ ist.

Fast immer affirmieren wir medial gewonnene Erkenntnisse aus zweiter Hand so, als wären es von uns selbst gemachte Erfahrungen.

  • Der weit weg lebende Freund erzählt uns am Telefon, dies und jenes sei bei ihm zu Hause passiert
  • Wir lesen im Internet über bestimmte Ereignisse
  • Wir schauen uns eine Fernsehsendung an, die über Geschehnisse beliebiger Art berichtet

und wenn wir diese medial gewonnenen Erkenntnisse nun…

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Wann gab es den Roten Baron?

Von Brett Holman, übersetzt von Lucifex. Das Original When was the Red Baron? erschien am 20. August 2018 auf Airminded.

Vorbemerkung des Übersetzers: Der Autor dieses Essays ist der von ihm lange gehegten Vorstellung (die wohl auch die von uns allen ist) nachgegangen, daß Manfred von Richthofen schon zu Lebzeiten auf beiden Seiten der Front als „Roter Baron“ bezeichnet wurde, und hat Überraschendes herausgefunden. Auch wenn es für sich genommen nicht wichtig ist, ab wann die Bezeichnung „Roter Baron“ wirklich gängig geworden ist, zeigt dieses Beispiel doch auf, wie unrichtige historische Wahrnehmungen durch mediale Präsentation zustande kommen können, auch ganz ohne irgendeine Böswilligkeit oder politische/metapolitische Agenda.

Manfred von Richthofen ist unzweifelhaft der berühmteste Flieger des Ersten Weltkriegs, möglicherweise aller Zeiten. Aber er ist nicht so sehr unter seinem Namen berühmt wie unter seinem Spitznamen: er ist der Rote Baron, ein Verweis auf sein rotes Flugzeug und seine aristokratische Geburt. [Anm. d. Ü.: wie die meisten von euch wissen werden, war er aber ein Freiherr und kein Baron.] Er beschwört sofort Bilder von Rittern am Himmel herauf, die in der Luft miteinander kämpfen, bis einer zu Fall gebracht wird und dem Boden weit unten entgegentaumelt. Als Beispiel ist hier ein Bericht aus der britischen Presse über „The end of the Red Baron“ (mit Joseph Simpsons obiger Illustration):

Kavalleriehauptmann Baron von Richthofen wurde an dem Tag im Luftkampf abgeschossen, an dem die deutschen Zeitungen seinen 79. und 80. Sieg verkündeten. Boyd Cable schreibt: „Der Rote Baron mit seinem berühmten ‚Zirkus‘ entdeckte zwei unserer Artilleriebeobachtungsmaschinen, und als ein paar nachfolgende angriffen, zog der größere Teil des ‚Zirkus‘ sich zurück, um es dem Baron zu ermöglichen, ranzugehen und die beiden abzuschießen. Sie lieferten einen Kampf, und während der Baron sich in Position manövrierte, erschien eine Anzahl unserer Lightning-Scoutmaschinen und griff den ‚Zirkus‘ an. Der Baron schloß sich dem Kampfgetümmel an, das sich in Gruppen zerstreute und zu etwas wurde, das unsere Männer einen ‚dog fight‘ nennen. In dessen Verlauf hängte der Baron sich an das Heck eines Kampfaufklärers, der in den Sturzflug ging, mit dem Baron dicht dahinter. Ein weiterer unserer Aufklärer sah das, stürzte dem Deutschen hinterher und eröffnete das Feuer auf ihn. Alle drei Maschinen kamen dem Boden nahe genug, um von Infanterie-Maschinengewehren beschossen zu werden, und man sah, wie der Baron schlingerte, seinen Sturzflug fortsetzte und in unsere Linien krachte. Seine Leiche und der berühmte blutrote Fokker-Dreidecker wurden danach von der Infanterie hereingebracht, und der Baron wurde mit vollen militärischen Ehren begraben. Er war von einer Kugel getroffen worden, und die Wunde zeigte deutlich, daß er von dem Piloten getötet worden war, der ihm hinterhergestürzt war.“

Das Seltsame ist, daß dies die einzige Verwendung der Phrase „Red Baron“ im British Newspaper Archive in Bezug auf Richthofen für den gesamten Krieg war – und selbst da erst nach seinem Tod. Genauso wenig habe ich sie in den anderen größeren englischsprachigen Zeitungsarchiven finden können: Gale NewsVault, ukpressonline, Welsh Newspapers Online, Trove, PapersPast oder Chronicling America. (Ich kann tatsächlich etliche Erwähnungen von „red Baron“ im BNA während des Krieges finden, aber die haben nichts mit dem „Roten Baron“ oder überhaupt mit einer Person zu tun: es war der Name eines Preisträgers in der Show der Royal Ulster Agricultural Society von 1912, der 1916 als „Red Baron“ bezeichnet wurde, „der Zuchtbulle in der Herde des ehrenwerten Frederick Wrench, Killacoona, Ballybrack, der sich für ihn als solch eine veritable Goldgrube erwiesen hat“. Genauso wenig erscheint „red Baron“ im Magazin Flight während des Krieges, noch in der englischen Übersetzung von Richthofens Autobiographie Der Rote Kampfflieger, die bezeichnenderweise als „The Red Battle Flyer“ übersetzt wurde.

Falls Richthofen während des Krieges „Roter Baron“ genannt worden war, wie ich angenommen hatte und wie anscheinend verbreitet geglaubt wird, so scheint diese Praxis nicht ihren Weg in die Presse gefunden zu haben und kann daher nicht sehr verbreitet gewesen sein. Vielleicht war es ein Spitzname, der ihm von alliierten Fliegern verpaßt worden war, auch wenn etwas weniger Höfliches als wahrscheinlicher erscheint. Aber auf jeden Fall muß Wikipedias Behauptung:

Richthofen malte sein Flugzeug rot an, und dies kombiniert mit seinem Titel führte dazu, daß er in Deutschland und außerhalb davon „der Rote Baron“ genannt wurde

eingeschränkt werden, und zwar sehr.

Wenn es den Roten Baron im Großen Krieg faktisch nicht gab, wann gab es ihn dann? Die Richthofen-Biographien, die ich konsultieren konnte, befassen sich mit dieser Frage nicht sehr klar. Peter Kilduff zum Beispiel zählt „The Red Baron“ bloß als einen von Richthofens Spitznamen auf, ohne zu sagen, wer ihn so nannte und wann. In einem Text von 1969 behauptet William Burroughs:

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Labyrinth zwischen den Sternen – Epilog: Die Seraph II

Von John Morressy. Originaltitel: „Under a Calculating Star“ (1975); deutsche Fassung (Übersetzung: Karl H. Schulz) 1980 als Ullstein-Buch Nr. 31018 (ISBN 3 548 31018 4). Bildauswahl von Lichtschwert.

Zuvor erschienene Teile:
Prolog: Die Seraph
Erster Teil: Zur Zitadelle
Zweiter Teil: Zu den Pyramiden
Dritter Teil: Zum Thron

EPILOG: DIE SERAPH II

Auf den Sichtschirmen der Seraph II zeichnete sich die nahe Landung ab. Von der Kommandobrücke aus betrachtete Axxal die bleich und stumm vor ihm treibende Planetenscheibe und verspürte augenblicklich Angst vor dem, was kommen mochte. Doch er unterdrückte seine Schwäche, gab die nötigen Befehle und leitete die Landung ein. Er und seine Mannschaft hatten bereits manche Hindernisse überwunden. Auch mit diesem würden sie fertig werden.

Seine Leute waren ein schwer zu führender Haufen, und die lange Zeit in der engen Eingeschlossenheit eines Raumschiffes machte sie nicht gefügiger. Vaxxt tat sein Bestes, ihm die Last zu erleichtern, doch für die Quespodonen war nur Axxal der Chef. Vor einem Stellvertreter hatten sie keinen Respekt.

Was ihn beinahe um den Verstand brachte, war ihre Art, ständig von ihm Entscheidungen zu verlangen und diese dann beiseite zu schieben, um nach irgendwelchen eigenen schwachsinnigen Ideen zu handeln, zum Schaden aller Beteiligten. Unter Schmerzen lernte er, was Führerschaft für eine Belastung sein kann.

Die ständigen Meinungsverschiedenheiten, seine vielen Aufmunterungsversuche stiegen in seiner Erinnerung auf. Vom Start an hatte er bittere Kämpfe mit den Quespodonen auszufechten gehabt. Kaum hatte das Schiff abgehoben, da mußte er ihnen den nahezu einstimmigen Beschluß ausreden, auf die Heimatwelt zurückzukehren. Das war sein erster und schwerster Sieg gewesen. Dann kam die unvermeidliche Forderung, daß sie eine Zeitlang auf irgendeinem Planeten bleiben sollten, wo sie nach der langen Sklaverei und der Raumreise mit Frauen zusammensein könnten.

Sein Befehl war klar und eindeutig: ein Quespodon nimmt sich nur eine Quespodonin, und nie eine von der Heimatwelt. Sie brüllten und drohten, riefen wütend, er sei ein schlimmerer Tyrann als die Xhanchilion – aber sie gehorchten. Sie murrten, aber sie gehorchten. Er hatte wiederum gesiegt.

Immer wieder redete er ihnen gut zu, brachte ihnen seine Botschaft des Stolzes. Bei jeder Gelegenheit redete er zu ihnen – zu Einzelnen, zu Gruppen, zu großen Ansammlungen, und immer waren seine Schlußworte: „Wir waren die Ersten. Wir waren die Besten. Vergeßt das nie.“

Er spürte, daß er ihr Vertrauen gewann, wie er ihren Gehorsam erkämpft hatte. Sie begannen, ihm zu vertrauen und ihm zu glauben. Es kam die Zeit, wo seine Botschaft nicht mehr auf Einwände stieß. Nun hörten sie auf seine Worte und nahmen sie in sich auf. Doch selbst dann, als er ihr Vertrauen hatte, schwieg Axxal über den endgültigen Bestimmungsort.

Seit jenen hektischen Tagen auf dem Xhanchos hatte er methodisch vorgebaut. Zuerst landeten sie auf dem Wyttyp, wo eine kleine Gruppe Quespodonen seit drei Jahrhunderten siedeln sollte. Als sie wieder abhoben, hatte sich jeder Quespodon dieser isolierten kleinen Welt ihnen angeschlossen. Noch zweimal landeten sie, um Vorräte zu ergänzen. Jetzt war die Zeit der endgültigen Landung gekommen.

Die Stimme eines Mannes der Besatzung riß Axxal aus seinen Träumen. Die manuelle Landung stand unmittelbar bevor. Er bestätigte die Meldung und trat ans Steuergerät.

Drei Wachen vorher hatte Axxal alle an Bord Befindlichen zusammengerufen und ihnen den Bestimmungsort bekanntgegeben. Quespodonen waren eine leichtgläubige Rasse. Sie mochten ihren erwählten Führern mißtrauen, aber sie glaubten blindlings jedes Gerücht, jede Legende, jede Flüstergeschichte. Ihre Reaktion war so, wie Axxal erwartet hatte.

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Labyrinth zwischen den Sternen – Dritter Teil: Zum Thron

Von John Morressy. Originaltitel: „Under a Calculating Star“ (1975); deutsche Fassung (Übersetzung: Karl H. Schulz) 1980 als Ullstein-Buch Nr. 31018 (ISBN 3 548 31018 4). Bildauswahl von Lucifex / Deep Roots.

Zuvor erschienene Teile:
Prolog: Die Seraph
Erster Teil: Zur Zitadelle
Zweiter Teil: Zu den Pyramiden

DRITTER TEIL: ZUM THRON

  1. Der Flüchtling

Zwei volle galaktische Jahre nach seinem Abflug vom Xhanchos befand sich Kian Jorry auf dem Tricaps, der geschäftigen kleinen Handelswelt. Seine Lage war nicht sehr ermutigend. Er war allein, der einzige Überlebende einer unglücklichen Expedition; der letzte seiner Edelsteine war verkauft, die Seraph trieb im Raum mit vier Toten an Bord. Und was das Schlimmste war: Ein Jagdkommando der Sternverein-Sicherheitstruppe war ihm dicht auf den Fersen.

Die Schwarzjacken waren hartnäckig. Jorry war ihnen zu oft entwischt, und diesmal waren sie fest entschlossen, ihn zu fangen. Er war gleichermaßen fest entschlossen, ihnen nochmals zu entschlüpfen, aber ohne Raumschiff und mit fast leeren Taschen waren seine Aussichten trübe.

Doch Jorry hatte trotz allem nicht den Mut verloren. Die Schwarzjacken mochten nahe sein, aber sie waren noch nicht auf dem Tricaps. Er lebte noch und war gewarnt. Immer noch bestand Hoffnung.

Nichtsdestoweniger traf Jorry gewisse Vorsichtsmaßnahmen. Er ließ sich das Haar lang wachsen und kaufte sich eine getragene Uniform von der Ersten Rinn-Expedition. Auf dem Tricaps kannte niemand seinen wahren Namen. Selbst ein scharfäugiger Sternverein-Sicherheitsmann würde Schwierigkeiten haben, ihn auch nur als k’Turalp’Pa zu erkennen, noch weniger als den Flüchtling Kian Jorry. Er sah jetzt ziemlich wie ein Skorat aus, und der kühne, kriegerisch wiegende Gang der Skoraten, den er sich angewöhnt hatte, wirkte durchaus überzeugend.

Im Moment war er sicher, aber das reichte nicht aus. Er brauchte einen Ort, wo er untertauchen konnte, bis die Schwarzjacken die Suche aufgaben. Doch er wünschte sich einen halbwegs gemütlichen Hafen; irgendein kahler Fels, weit weg von allem, mochte Sicherheit bieten, aber der Preis wäre zu hoch.

Es war Zeit, Pläne zu machen und sich an sie zu halten. Ursprünglich hatte er geplant, direkt zum Boroq-Thaddoi zurückzufliegen. Hätte er sich nicht von diesem Plan abbringen lassen, so wäre er jetzt nicht in dieser schwierigen Situation. Er wäre reich. Gewiß, den anderen war es noch schlimmer ergangen. Ein Teil seiner Expeditionsmitglieder hatte vor der Q-Welt Angst bekommen und es durchgesetzt, daß statt dessen ein Überfall auf die Kauffahrteiflotte des Sternvereins unternommen wurde. Und nun waren sie alle tot. Jorry allein war noch am Leben, und da er lebte, konnte er denken, und solange er denken konnte, konnte er auch jeden Verfolger überlisten. Daher blieb er ruhig auf dem Tricaps und überdachte seine Lage. Aber die Erinnerung an das Vergangene ließ ihn nicht los, und hundertmal verfluchte er Garivs Andenken. Wenn dieser blöde Skorat nicht dazwischengekommen wäre, dann säße Jorry jetzt mit Santrhara auf einer netten, ruhigen Welt, erfreute sich der Gegenwart, vergäße die Vergangenheit und sähe den Triumphen der Zukunft entgegen. Und jetzt, nur durch Garivs Schuld, war er ein zerlumpter Flüchtling mit fast leeren Taschen.

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Labyrinth zwischen den Sternen – Zweiter Teil: Zu den Pyramiden

Von John Morressy. Originaltitel: „Under a Calculating Star“ (1975); deutsche Fassung (Übersetzung: Karl H. Schulz) 1980 als Ullstein-Buch Nr. 31018 (ISBN 3 548 31018 4). Bildauswahl von Lichtschwert.

Zuvor erschienene Teile:
Prolog: Die Seraph
Erster Teil: Zur Zitadelle

ZWEITER TEIL: ZU DEN PYRAMIDEN

  1. Die Geschichte des Täuschers

An Bord der Seraph kam Jorry wieder zu sich. Der Kopf schmerzte ihm, und er hatte furchtbaren Durst, wie immer, wenn man zum Schlafen Zaff genommen hat. Er wollte sich aufrichten, doch das ging nicht, weil er einen festen Verband um die Rippen hatte. Er erinnerte sich an das dunkle Gewölbe, an den Angriff der bleichen Bestien, an das Dröhnen – aber an nichts sonst. Und jetzt war er wieder auf seinem Schiff. Mühsam und unter Schmerzen arbeitete er sich in halb sitzende Stellung hoch und rief heiser nach Axxal, der auch sofort erschien.

„Hol mir was zu trinken, aber schnell“, krächzte Jorry. Als er das Wasser hinuntergestürzt hatte, das Axxal brachte, wischte er sich die Lippen ab und befahl: „Jetzt erzähl mir, was passiert ist. Los, erzähl mir alles. Ich will Bescheid wissen.“

„Das Gewölbe stürzte ein. Wahrscheinlich war das Getöse des Feuers die Ursache. Dolul hat mir einmal erzählt, auf dem Hraggellon lösen sie in den Bergen Schnee- und Eislawinen aus, indem sie großen Lärm machen, und in diesem Gewölbe -“

„Ja, ich weiß. Ich muß für einen Moment den Kopf verloren haben. Dieses Biest, auf Armeslänge von mir –“ Jorry schauderte und schwieg ein paar Sekunden. Dann fragte er weiter: „Aber wie sind wir da herausgekommen?“

„Ich fand den Weg zurück zum Schlitten und gab dir die ganze Zaff-Lösung, die noch da war. Sie hat dich beruhigt und die Schmerzen gelindert. Den Schlitten habe ich dortgelassen. In einem einzigen Tag habe ich dich auf dem Rücken hergetragen. Deine Rippen sahen sehr schlimm aus, und ich glaube nicht, daß du es noch einen Tag ohne richtige Versorgung ausgehalten hättest.“

„Die tun immer noch ganz hübsch weh“, räumte Jorry ein. „Hast du einen Druckverband angelegt?“

Axxal nickte stolz.

„Gut gemacht. Du hast mehr Talent, als ich dachte, Axxal. Und wie hast du uns aus der Zitadelle herausgebracht, wo doch der Schacht blockiert war und uns das ganze Gewölbe über den Köpfen zusammengekracht ist?“

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Labyrinth zwischen den Sternen – Erster Teil: Zur Zitadelle

Titelbild von Tim White für eine englische Ausgabe von „Under a Calculating Star“; es stellt vermutlich einen Kiir-Vogel dar.

Von John Morressy. Originaltitel: „Under a Calculating Star“ (1975); deutsche Fassung (Übersetzung: Karl H. Schulz) 1980 als Ullstein-Buch Nr. 31018 (ISBN 3 548 31018 4). Bildauswahl von Lucifex / Deep Roots.

Zuvor erschienen:
Prolog: Die Seraph

ERSTER TEIL: ZUR ZITADELLE

1. Die Ebene der Schnittpunkte

Als Erster setzte Jorry den Fuß auf den Boden des Boroq-Thaddoi. Er bewegte sich sehr langsam und mit ungewohnter Schwerfälligkeit, weil ihn der dicke Pelzanzug hinderte. Auch die anderen, mit Ausnahme von Dolul, waren durch ähnliche Kleidung behindert. Für den Hraggellon war extreme Kälte nichts Neues; sein Körper paßte sich schnell an. Schon hatte seine Haut den rötlichen Ton verloren, den sie an Bord bekommen hatte, und wurde bleicher; bald würde sie so bläulich-weiß sein wie auf dem Hraggellon.

Jorry stellte seinen Augenschild ein und warf einen ersten klaren Blick auf die Umgebung. Unter dem trübsinnig kalten Frühlicht einer bleichen Sonne waren Schwarz, Braun, Grau und schmutziges Weiß die einzigen Farben, und der Boroq-Thaddoi wirkte schon vom bloßen Anblick her so unwirtlich und lebensfeindlich, daß seine Quarantäne-Sperrung gerechtfertigt schien.

Ein unaufhörlicher gnadenloser Sturm raste über die offene Tundra, schliff die scharfen Kanten der Felsbrocken rund und wetzte die hohen Klippen wie Messerschneiden. Der Horizont markierte sich scharf, doch der Boden zu ihren Füßen war durch den peitschenden Staub des aufgewehten Sandes nur wie hinter einem Schleier zu sehen. Die Luft biß mit eisiger Kraft, die den Körper ansprang, das ungeschützte Fleisch suchte, die Ohren mit Heulen und Jaulen füllte und die Augen tränen machte. Nur Dolul hielt es aus, unberührt, ohne auch nur zu blinzeln. Bei seinem Anblick hüllten sich die anderen fester in ihre dicken Pelze.

Über ihren Köpfen ragte turmhoch die Seraph auf. Sie stand auf ihren Landeständern, bereit, beim Druck auf die Kontrollhebel wieder in den Raum zu springen. Jorry hatte sie manuell landen müssen; die Raumpioniere der Frühzeit setzten auf den Planeten, über die sie Quarantäne verhängt hatten, keine Landeringe. Auf diesem unebenen Terrain war die Landung schwierig, weit schwieriger, als er angenommen hatte oder der Besatzung gegenüber zugegeben hätte – doch er hatte sie erfolgreich durchgeführt. Das erste Treffen mit der Quarantäne-Welt war zu seinen Gunsten entschieden worden. Es war ein bedeutsamer Anfang, und Jorry fühlte sich den kommenden Gefahren besser gewachsen. Immerhin zitterte in ihm noch die Spannung des Landens nach, und als Bral ihn beglückwünschte: „Erstklassige Schiffsführung, Kapitän!“ hatte er wütend geknurrt: „Denkst du, ich bin den ganzen Weg hergekommen, um die Seraph auf einer Q-Welt kaputtzufahren?“

„Nein, Kapitän, wir wußten doch, daß du es schaffst“, hatte Bral verlegen geantwortet, „aber der bloße Gedanke – eine manuelle Landung ist immer schwierig, und noch dazu auf so einem Boden – wenn da was schiefgeht –“

„Ist denn was schiefgegangen?“

„Nein, Kapitän. Alles in Ordnung.“

„Also – machen wir die Ausrüstung klar und gehen wir los, ehe wir hier anfrieren. Noch eine letzte Überprüfung vor dem Aufbruch“, hatte Jorry gesagt und sich dem kleinen Stapel Proviant und Material zugewandt.

Sie machten sich auf den Weg über die offene Fläche des ungastlichen Planeten, um die geheimnisvolle, nicht geheure Zitadelle zu finden und in sie einzudringen und ihr den Schatz, den sie barg, zu entreißen. Sie wußten nur undeutlich die Richtung, hatten nur unbestimmte Kenntnis davon, was vor ihnen lag. Ihr Überleben hing von den Vorbereitungen ab. Es war nicht damit zu rechnen, daß der Boden des Boroq-Thaddoi etwas hergab; also war der niedrige, breite Lastschlitten mit Proviant und Wasser für zwanzig Wachzyklen beladen. Kletter- und Grabegeräte, Brennstoffblöcke zum Abkochen und fürs Lagerfeuer, Zelte und zwei verdeckte Käfige mit Kiir-Vögeln wurden noch aufgeladen, und als das geschehen war, traten die anderen zurück, während Axxal, der Achte in der kleinen Gesellschaft, die Lasten festschnürte und sich den Zugriemen so einstellte, daß er über seine breite Brust paßte.

Axxal war der persönliche Betreuer des Kapitäns und überhaupt das Faktotum der Seraph. Wie alle Quespodonen war er haarlos; sein Körper war hoch, breit und kompakt, und er war ungeheuer stark. Doch er hatte nicht die fleckige Haut, die für die meisten seiner Rasse charakteristisch war. Axxal tat sein Teil und mehr der Schiffsarbeit, und er tat sie gut. Er war Jorry treu ergeben, der ihn viel verständnisvoller behandelte, als es die Quespodonen von anderen sternfahrenden Rassen gewohnt waren. Fimm und Jimm bewunderten ihn. Von den übrigen wurde er geduldet. Sogar Bral, der Axxals Rasse verachtete, hatte Respekt vor seiner Kraft.

Während Axxal den Schlitten fertigmachte, verteilte Jorry die Waffen. Jedes Besatzungsmitglied trug bereits die gewohnten Waffen seines Volkes, doch Jorry ergänzte diese. Auf einer solchen Expedition mußte seine Mannschaft mit den besten Waffen der Galaxis ausgerüstet sein. Axxal und Dolul bekamen jeder ein Paar Pistolen. Während sie die Halfter umschnallten und sich die Taschen mit Patronen füllten, öffnete Jorry eine lange Kiste und nahm drei Nahkampfgewehre heraus.

Das waren die wirkungsvollsten Waffen der Raumfahrt. Die meisten kriegerischen Rassen mißtrauten den schlechtgearbeiteten zeitgenössischen Feuerwaffen und benutzten lieber Klingen. Ihr Mißtrauen war durchaus berechtigt. Die gewöhnlichen Feuerwaffen des siebenundzwanzigsten Jahrhunderts taugten nicht viel; sie klemmten oder versagten im kritischen Moment, und wer ihnen sein Leben anvertraute, war ein Narr. Doch diese Waffen hier, die von den Handwerkern des Rugatcz V nach authentischen Modellen von der Alten Erde gefertigt waren, kamen der Perfektion so nahe, wie es für Produkte menschlicher Arbeit nur irgend möglich war. Jorry konnte sich auf sie verlassen. Eins der Gewehre hing er sich selbst um, das zweite gab er Bral, das dritte Collen. Bral wog seine Waffe in der Hand und sah den Kapitän zweifelnd an.

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Labyrinth zwischen den Sternen – Prolog: Die Seraph

Von John Morressy. Originaltitel: „Under a Calculating Star“ (1975); deutsche Fassung (Übersetzung: Karl H. Schulz) 1980 als Ullstein-Buch Nr. 31018 (ISBN 3 548 31018 4). Bildauswahl von Lucifex / Deep Roots.

Prolog: Die Seraph

Das Eigenantriebsschiff Seraph befand sich auf der Reise zu irgendeinem Ziel jenseits des „Verbotenen Gürtels“. Drei Wachen hinter dem Dus’sh’kor drosselte es auf Unterlichtgeschwindigkeit. Dann öffnete sich die atmosphärische Schleuse. Eine Zeitlang hatte das Raumschiff zwei kleine Satelliten bei sich. Sie trudelten neben ihm durch den Raum, die Spanne zwischen ihnen und dem Mutterschiff wurde immer breiter, dann glitten sie ab und begannen als Doppel-Orbit ihre eigene Reise durch die Leere. Nun verschwand die Seraph in die unsichtbare Dimension der Superlichtgeschwindigkeit und nahm Kurs auf den Rand der Galaxis. Gegen Ende der nächsten Wache wurde auf Befehl Kian Jorrys, des Kommandanten, ein Schiffsrat einberufen. Jorry hatte den einzelnen Platz an einer Seite des dreieckigen Messetisches inne; dort saß er bequem zurückgelehnt und fuhr sich mit der Hand durch das graumelierte, kurzgeschorene Haar. Die Mannschaft wartete darauf, daß er zu sprechen beginnen würde.

Sie waren ein buntscheckiger Haufen, Humaniden und Humanoiden verschiedener Größe, Körperform und Hautfarbe. Bis auf einen hatten sich alle zum Schiffsrat eingefunden.

Gleich zur Rechten Jorrys waren zwei Quipliden; sie hockten auf der Tischplatte, um in Augenhöhe der anderen zu sein. Sie waren Brüder, Fimm und Jimm genannt. Keiner an Bord der Seraph wußte ganz genau, wer Fimm und wer Jimm war, und so wurden sie ständig miteinander verwechselt. Doch das schien sie nicht sonderlich zu stören.

Neben ihnen saß ein großer Mann mit wetterrotem Gesicht, Kopfhaar und Bart waren hellblond, beinahe weiß, obwohl er zweifellos noch jung war. Sein Haar war lang, und er trug es zu Zöpfen geflochten, wie es bei den Skeggjatt-Kampfschulen Brauch war. Sein muskelbepackter Körper war zusammengesunken; das Kinn in die mächtige Hand gestützt, starrte er vor sich hin. Bral hieß der Skeggjatt.

Neben ihm saß Collen, die Verteidigungsexpertin. Sie war Thorumbianerin, schlank, blauäugig, ihre glatte Haut war schwarzblau wie vergossenes Öl.

An der dritten Seite des Tisches, von Jorry am weitesten entfernt, saß Dolul, ein Angehöriger des Stammes der Onhla, von der Eiswelt Hraggellon. Er war ein großer Mann mit ausdruckslosem Gesicht und sprach selten. Neben ihm saß einer, der überhaupt nicht sprach, ein Thanist namens Rull-Lamat. Er trug eine Haube, und der untere Teil seines Gesichts war verdeckt.

Jorry räusperte sich und rückte mit seinem Stuhl vor. Erwartungsvoll blickten seine Leute ihn an. Bedeutsam sah er auf die Tischplatte hinunter, dann stand er auf und begann: „Meine guten Freunde und Kameraden, wir haben viel zu besprechen. Doch wie ihr wißt, bin ich ein alter Sternfahrer, dem die Traditionen des Kosmos heilig sind; und so möchte ich diese Versammlung eröffnen mit einer Schweigeminute zum Gedenken an unsere Schiffsgenossen, die sich von uns getrennt haben.“

Er faltete die Hände und neigte den Kopf. Bral warf einen raschen Blick auf die anderen und einen längeren, prüfenden auf Jorry, doch in der Miene des Kapitäns war kein Fünkchen Ironie zu entdecken. Endlich blickte Jorry auf, lächelte und setzte sich wieder. „Und nun, nachdem wir diesem Verräterpaar die letzte Ehre erwiesen haben – zum Dienstlichen“, sagte er munter.

„Ohne das Urteil unseres Kapitäns anzweifeln zu wollen – aber bist du sicher, daß sie Verräter waren?“ fragte der Skeggjatt. „Mir ist Saston eigentlich nie so vorgekommen… es fällt mir schwer zu denken, daß er uns alle betrogen hat.“

„Und Verdniak schien mir auch nicht der Typ zu sein“, fügte die Thorumbianerin hinzu. „Er war ein guter Kämpfer.“

Kian Jorry lächelte väterlich. „Ihr beiden seid vertrauensvolle Naturen“, sagte er, „und ich mag euch deswegen umso lieber. Ich war auch einmal so. Doch über Saston und Vedniak habe ich nicht mehr die geringsten Zweifel. Ich glaube meinen eigenen Augen. Als wir auf dem Dush’k’kor waren, habe ich gesehen, wie sie Bestechungsgelder von einem Sternverein-Agenten genommen haben. Sie wollten uns an die Schwarzjacken verkaufen.“

„Und das ist noch nicht das Schlimmste“, schrillte einer der beiden Quipliden, und der andere fügte hinzu: „Erzähle doch, was sich in deiner Kabine zugetragen hat.“

„In der dritten Wache habe sich sie in meine Kabine gerufen und es ihnen klipp und klar vorgehalten; Fimm und Jimm waren Zeugen. Erst haben sie alles geleugnet. Dann haben sie versucht, uns zu bestechen, damit wir uns ihnen anschließen. Dann zogen sie ihre Waffen, und wenn meine kleinen Freunde hier nicht gewesen wären, dann wäre ich jetzt draußen im leeren Raum, und Saston und Vedniak würden euch in den Hinterhalt der Schwarzjacken führen – in den Tod.“

Der eine Quiplide sagte: „Verräter verdienen, was sie bekommen“, und der andere bestätigte: „So ist es.“

„Ich kann also annehmen, daß ihr alle befriedigt seid, und wir können somit zu anderen Dingen übergehen“, begann Jorry wieder. Er blickte sich um, ob jemand etwas dagegen hätte, doch das war nicht der Fall.

„Wie ist es mit Ersatz, Kapitän?“ fragte Bral. „Nun sind wir doch unterbesetzt.“

„Wir sind genau richtig besetzt. Diese Beiden waren für das, was vor uns liegt, überhaupt nicht geeignet. Gut, daß wir sie los sind. Wir sind jetzt aktionsbereit, Bral, und haben genau die richtige Kampfstärke. Wir haben die Mannschaft, die Waffen, komplette Sonderausrüstung -“

„Tatsächlich?“ fragten die beiden Quipliden gleichzeitig, „und was haben wir vor?“

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Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß

Rekonstruktion: Gefreiter der Artillerie patrouilliert 1944 an der Ostfront in der Umgebung seiner Batterie, bewaffnet mit der Maschinenpistole MP 40/I.

Von Robert Bruce, übersetzt von Cernunnos. Dies ist meine Übersetzung des Kapitels über die Maschinenpistole MP 40/I aus dem Buch „German Automatic Weapons of World War II – Live Firing Military Weapons in Colour Photographs“ von Robert Bruce (ISBN I-85915-043-8). Sämtliche Bilder stammen ebenfalls aus diesem Buch, wie auch die von mir übersetzten Bildunterschriften (am Schluß gibt es eine mit Fotos illustrierte Zerlegeanleitung). Ganz zum Schluß habe ich noch Videos von John Hickok und Ian McCollum angehängt.

*    *    *

Die mängelbehaftete Mauser R713 war nur eine Nebenveranstaltung im deutschen Arsenal. Es waren seit langem Arbeiten im Gange an einer wahren Maschinenpistole, um eine taktische Rolle auszufüllen, die sich allmählich entwickelt hatte, beruhend auf Erfahrungen aus dem Großen Krieg und vorausschauend auf die neue „Blitzkriegs“-Doktrin der hohen Beweglichkeit und maximalen örtlichen Überlegenheit. 1938 eingeführt, zu einer Zeit, als alle Maschinenpistolen der Welt unnötig schwer und teuer waren – nach den traditionell engen Toleranzen der Büchsenmacherei aus solidem Stahl gearbeitet und mit Hartholzschäften ausgestattet – revolutionierte die neue Maschinenpistole MP 38 aus der deutschen Firma Erfurter Maschinenfabrik (Erma) konventionelle Vorstellungen von dem, was eine Maschinenpistole sein sollte. Mit klappbarem Skelettschaft, Plastikgriff und vielen Blechprägeteilen boten sich die MP 38 und die nachfolgende MP 40-Familie von Maschinenpistolen für die effiziente Massenproduktion an und waren im Nahkampf sehr wirksam. Sie dienten dem deutschen Soldaten gut, von der Invasion Polens im September 1939 bis zum Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ im Mai 1945.

Entwicklung

Obwohl Hugo Schmeissers MP 18/I von Bergmann – die erste wahre Maschinenpistole der Welt – zu spät gekommen war, um den Ausgang des Ersten Weltkrieges zu beeinflussen, spielte sie eine prominente Rolle in den sozialen Unruhen, die örtlich auf Bürgerkrieg hinausliefen, die auf Deutschlands Niederlage folgten. Anderswo in der unruhigen Nachkriegswelt befeuerten interne Rebellionen und Grenzkriege eine Nachfrage nach Maschinenpistolen, die von verschiedenen europäischen Waffenherstellern befriedigt wurde. Deutsche Firmen gehörten zu den stärksten Mitbewerbern und produzierten die von Schmeisser konstruierte Haenel-MP 28, die Bergmann-MP 34 und MP 35 und eine innovative Waffenserie von Erma.

1927 erhielt Heinrich Vollmer, ein Waffenkonstrukteur bei Erma, ein Patent für ein raffiniert konstruiertes Verschlußsystem. Ein mehr oder weniger gewöhnlicher gefräster Stahlverschluß wurde von einer Röhre getrieben, die sich teleskopartig in drei zunehmend kleineren Abschnitten zusammenschob. Darin befand sich eine Schraubenfeder, die sich um einen langen Stab wand, der aus der Rückseite eines nagelartigen Schlagbolzens hervorstand. Die Hauptvorteile dieser Anordnung waren Zuverlässigkeit und glatte Funktion. Die Abschnitte der Teleskopröhre schützten die Schließfeder vor Schmutz und verhinderten, daß sie bei hartem Gebrauch und häufigem Zerlegen zur Reinigung geknickt wurde.

Frühe Produktionsmuster der Vollmer/Erma-Maschinenpistole – 1928 vorgestellt und nach Frankreich und Lateinamerika exportiert – kamen in zwei Versionen: mit einem langen konisch verjüngten Lauf und einer Einbein-Teleskopstütze, und mit einem kürzeren Lauf und ohne Einbeinstütze. Die davon abgeleiteten Erma-EMPs ab 1930 waren, auch wenn sie in drei verschiedenen Versionen erschienen, der MP18 äußerlich sehr ähnlich, mit einer Menge traditionell verarbeitetem Stahl, geschlitzten Laufmänteln und schweren Hartholzschäften. Ein leicht identifizierbares Merkmal vieler EMPs war der senkrechte hölzerne Vordergriff, der vielleicht von jenem der amerikanischen Thompson-Maschinenpistole inspiriert war. Der Spanische Bürgerkrieg brach im Sommer 1936 aus, und deutsche Militärbeobachter und Spezialistenpersonal der „Legion Condor“ wurden fast sofort ausgesandt, um die Nationalisten zu unterstützen; hier hatten sie zahlreiche Gelegenheiten, aus erster Hand den praktischen Wert von Maschinenpistolen im Nahkampf zu beobachten. Wieder in Deutschland, verlangten Pioniere der Panzerkriegführung nach Maschinenpistolen, um die neuen Panzergrenadiereinheiten der motorisierten Infanterie zu bewaffnen.

Als Reaktion auf eine Heeresanforderung, die Erma 1936 informell überbracht wurde, begann Vollmer an einer Reihe von Maschinenpistolen-Prototypen zu arbeiten, die viele der etablierten Konzepte fallenließen. Von seinem patentierten Teleskopverschlußsystem ausgehend, begann Vollmer mit Möglichkeiten zu experimentieren, wie man die neue Waffe kompakter machen und besser an schnelle Massenproduktion anpassen konnte.

Die Rote Armee war großzügig mit der Maschinenpistole PPSh-41 ausgerüstet, die eine 7,62mm-Flaschenhalspatrone mit hoher Geschwindigkeit verwendete, welche seit 1930 ausgegeben wurde. Diese war fast identisch mit der standardmäßigen deutschen Pistolenpatrone 7,63 mm Mauser. Obwohl sie nur etwas stärker war als die MP 38-Serie, wurden erbeutete PPSh-41 wegen ihres 71-Schuß-Magazins sehr geschätzt, und wegen ihrer Fähigkeit, unter den schlimmsten Bedingungen von Wetter, schlechter Behandlung und Vernachlässigung zu funktionieren.

Früh im Jahr 1938, so lautet die Geschichte, wurde Berthold Geipel, Ermas Direktor, vom Militär nach Berlin berufen und erhielt einen formellen Satz Richtlinien für eine neue Maschinenpistole, die von den sich schnell erweiternden mechanisierten Kräften und den brandneuen Fallschirmjägern benutzt werden sollte. In Widerspiegelung von Spezifikationen, die zwei Jahre zuvor weniger dringend übergeben worden waren, paßten sie sauber zu Vollmers neuestem Waffenprototyp, der sich dem Produktionsstadium näherte, um einen Auftrag der Grenzpolizei zu erfüllen. Zweifellos von der Gewißheit des unmittelbar bevorstehenden Krieges getrieben, erprobte und akzeptierte das OKW (Oberkommando der Wehrmacht) die neue Erma-Waffe innerhalb von nur ein paar Monaten, die es nach dem Jahr ihrer Einführung formell als Maschinenpistole 38 (MP38) bezeichnete. Verglichen mit anderen Waffen der Zeit war die MP 38 eine Tour de force funktioneller Entwurfsarbeit, und verdient als Einführung zu unserer Erprobung ihrer Nachfolgerin, der MP 40, im scharfen Schuß unsere nähere Aufmerksamkeit.

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Wer da? (Das Ding aus einer anderen Welt)

Von John W. Campbell Jr.; deutsche Übersetzung von Uwe Anton. Das Original „Who Goes There?“ erschien 1938. Die Illustration im Text stammt vom SF-Künstler Wayne Barlowe.

1

Es stank. Die schneeüberschütteten Hütten des Antarktis-Lagers strömten einen seltsamen, undefinierbaren Geruch aus, zusammengesetzt aus dem beißenden Schweiß der Menschen und dem durchdringenden, nach verwesendem Fisch stinkenden Tran der Robben. Über den modrigen Ausströmungen der schweiß- und schneegetränkten Felle lag der Geruch der Futtermittel. Der scharfe Gestank verbrannten Fetts und die nicht unangenehme Ausdünstung der Hunde, vom Wind schon fast verweht, hingen in der Luft.

Die durchdringenden Gerüche des Maschinenöls kontrastierten scharf mit denen der ledernen Geschirre und der Kleidung. Aber über all diesen Gerüchen der Menschen und ihrer Mitbringsel – Hunde, Maschinen und Nahrungsmittel – lag noch eine weitere Duftnote. Obwohl sie so schwach war, daß man sie kaum unter den gewohnten Gerüchen der Station ausmachen konnte, war sie dennoch so seltsam, daß den Männern wegen ihr eine Gänsehaut über den Rücken lief. Es war ein Geruch, wie ihn nur Leben ausstrahlen konnte, aber dennoch kam er von einem Etwas, das sorgfältig mit Stricken und wasserdichten Folien auf dem Tisch verschnürt lag. Unter dem hellen Glanz der unbeschirmten Glühbirne wartete es dort, massig und dunkel, und in monotonem Rhythmus lösten sich Wassertropfen davon und klatschten auf die schweren Holzplanken des Fußbodens.

Blair, der kleine kahlköpfige Biologe der Expedition, zerrte nervös an den Folien und legte dabei klares, dunkles Eis bloß, nur um sie dann sofort wieder ruhelos zurückzuschieben. Seine abgehackten, von unterdrücktem Eifer zeugenden Bewegungen verursachten tanzende Schatten auf der ausgefransten, schmutziggrauen Unterwäsche, die unter der niedrigen Decke auf der Leine hing, und sein übriggebliebener, dichter Haarstreifen, der sich um den Kopf zog, wirkte auf den Schattenbildern wie ein verzerrter Halo, der sich um den nackten Schädel des Mannes gelegt hatte.

Kommandant Garry wischte die schlaff herabhängenden Beine einer langen Unterhose beiseite und trat auf den Tisch zu. Aufmerksam glitt sein Blick über die Gruppen der Männer, die in dem Verwaltungsgebäude eingepfercht waren. Sein großer, steifer Körper streckte sich schließlich, und er nickte. „Siebenunddreißig“, sagte er. „Es sind alle hier.“ Seine Stimme war tief und zeugte von der deutlichen Autorität eines Mannes, der sowohl von Natur aus als auch vom Titel her Kommandant war.

„In Umrissen kennt ihr die Geschichte dieses Fundes der Zweiten Polarexpedition. Ich habe mit dem stellvertretenden Kommandanten McReady, mit Norris und auch mit Blair und Dr. Copper gesprochen. Wir haben eine Meinungsverschiedenheit, und da sie die ganze Gruppe betrifft, ist es nur recht und billig, daß sich alle Teilnehmer der Expedition persönlich hier befinden. Ich werde McReady bitten, euch die Details des Fundes mitzuteilen, da ihr mit eurer eigenen Arbeit zu beschäftigt seid, um euch noch darum zu kümmern, was die anderen unternehmen. McReady, bitte.“

McReadys Gestalt – sie schien einem alten, vergessenen Mythos zu entstammen, eine vor Leben nur so strotzende bronzene Skulptur – hob sich undeutlich unter dem blauen Tabaksdunst hervor. Der über einen Meter und neunzig große Mann kam zum Tisch. Mit einer fast schon charakteristischen Bewegung schaute er zu den niedrig hängenden Gebälkverstrebungen und richtete sich dann erst zur vollen Größe auf. Er trug noch seinen groben, grellgelben Anorak, aber selbst hier, einen Meter und zwanzig unter den Stürmen, die über die antarktische Eiswüste fegten und auch vor der Hütte keinen Halt machten, schien das nicht unangebracht, denn auch hier war die Kälte des vereisten Kontinents noch deutlich zu spüren und erklärte auch das verhärmte Aussehen des Mannes. Er war in der Tat bronzefarben – sogar sein kupferroter Bart und sein dichtes Haar, die knotigen, zerfurchten Hände, die sich öffneten und wieder schlossen und dann endlich auf den hölzernen Brettern des Tisches zur Ruhe kamen. Sogar seine tiefliegenden Augen hinter den dichten Brauen waren bronzefarben.

Die der Zeit widerstehende Ausdauer von Metall spiegelte sich in seinen tief zerfurchten Gesichtszügen und in seiner dunklen Stimme.

„Norris und Blair stimmen in einem überein“, sagte er. „Das Tier, das wir gefunden haben, ist nicht – irdischen Ursprungs. Norris fürchtet, daß es Gefahr in sich birgt, Blair aber nicht. Aber zurück dazu, wie und warum wir es gefunden haben. Bevor wir hierher kamen, glaubte man, daß das Lager genau über dem magnetischen Südpol der Erde läge. Ihr alle wißt, daß der Kompaß hier genau nach unten deutet. Die genaueren Instrumente der Physiker, Instrumente, die speziell für eine Expedition und die Erforschung des magnetischen Pols gefertigt wurden, entdeckten einen weiteren, weniger starken magnetischen Ausschlag in etwa achtzig Meilen südwestlicher Richtung vom Lager.

Die zweite Expedition wurde ausgeschickt, um diesen Ausschlag näher zu untersuchen. Details dazu sind überflüssig. Wir fanden den Quell der magnetischen Strahlung, aber er bestand nicht aus einem riesigen Meteoriten oder einem magnetischen Berg, wie Norris es vermutet hatte. Eisenerz ist natürlich magnetisch, reines Eisen sogar in stärkerem Ausmaß, und gewisse spezielle Stahllegierungen noch mehr. Die Oberflächenuntersuchungen ergaben, daß dieser Pol etwa dreißig Meter unter dem Eis lag, am Fuße eines Gletschers.

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Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski

Mündungsbremsen oder Kompensatoren sind nutzlose Gimmicks an langläufigen Maschinenpistolen wie der KP/-31. Der Druck der Mündungsgase ist zu gering, um eine ausreichend starke Gegenkraft zum „Mündungssteigen“ zu erzeugen. Ein geübter MPi-Schütze kann leicht den Rückstoß kontrollieren und die Waffe ruhig halten, indem er den Daumen der Abzughand hinter der Gehäuseabschlußkappe hält. Dieser Daumen muß die gesamte Rückstoßkraft aufnehmen. Der Kolben der Waffe darf nicht gegen die Schulter des Schützen stoßen bzw. sie nicht einmal berühren. Eine weitere Methode zur Rückstoßkontrolle ist es, die Waffe mit steifen Händen zu halten, wiederum ohne festen Kontakt zur Schulter.

Von P. T. Kekkonen, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für As der Schwerter). Fotos von J. Hartikka, Korrekturlesung des englischen Originals von Eero Juhola (siehe auch Homepage Finnish Weapons). Das Original Suomi History, part 1+2 erschien auf der Webseite Gunwriters.

[Vorbemerkung des Übersetzers: Im Unterschied zu meinen bisherigen Waffenbeiträgen ist es bei diesem Artikel nicht sehr wahrscheinlich, daß sein Gegenstand einmal in den Besitz von Lesern gelangt oder sich dort gar schon befindet. Deshalb hätte ich ihn bestimmt nicht eigens für „As der Schwerter“ übersetzt, aber nachdem ich ihn sowieso schon vor Jahren aus Interesse an Waffentechnik und –geschichte für mich und zur Weitergabe an gleichgesinnte Freunde übersetzt habe und er überdies interessante Einblicke in die Geschichte des Russisch-Finnischen Winterkrieges und des Zweiten Weltkrieges in dieser Gegend bietet, bringe ich ihn hier doch. Er enthält auch allgemein bezüglich taktischen Schußwaffengebrauchs interessante Informationen, außerdem ist nicht auszuschließen, daß Gegner in einer eventuellen Krisenzeit mit Maschinenpistolen ausgerüstet sind, weshalb es gut ist, über deren Leistungen und Grenzen etwas Bescheid zu wissen. Auch gefällt mir der patriotische Ton des Autors („Männer hinter Waffen und Waffen in den Händen von Männern erfüllten ihre Pflicht…!“). Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder andere von euch mal so ein Ding im Nachlaß des verstorbenen Opas, und ehe er dazukommt, es als gesetzestreuer Bundesbürger bei der Behörde abzugeben, bricht Ragnarök los…]

MÄHMASCHINE VON TIKKAKOSKI

Die berühmte Suomi-Maschinenpistole oder Maschinenkarabiner war als „für die Ewigkeit gemachtes“ Ausrüstungsstück konstruiert. Gebrochene oder abgenutzte Teile wie Auszieher, Läufe, Verschlüsse, Schließfedern und Holzschäfte waren einfach zu ersetzen. Gehäuse und Laufmantel waren wahrlich dauerhafte Teile, und – mit Aus-nahme einiger Federn und Stifte – nutzten sich die Kleinteile des Abzugsmechanismus nicht leicht ab. Der allererste Prototyp der Suomi-MPi wurde von einem jungen finnischen Waffenmeister, AIMO JOHANNES LAHTI (1896-1970) 1920 oder 1921 gebaut. Das Kaliber war .32 A.C.P. oder 7.65 mm Browning. Die Waffe war 30 cm  (11.8 Zoll) lang. Diese „Maschinenpistole“ war eine sehr zuverlässige Waffe, aber die Patrone .32 Auto war zu schwach für „ernsthaften militärischen Gebrauch“, und die Feuerrate war angeblich zu hoch.

Es ist nicht bekannt, ob Lahti diesen Mangel aller „Ratterpistolen“ mit einer Art pneumatischem Feuerratenreduzierer zu beseitigen versuchte. Die Prototypwaffe und ihre Zeichnungen sind unglücklicherweise für immer verloren. Der nächste Prototyp der Suomi im Kaliber 7.65 x 21 mm Parabellum oder Luger wurde von der Maschinen- und Werkzeugfabrik Leskinen & Kari, aus Tampere, Finland, 1922 gebaut. Ein einzelnes Muster der Konepistooli (Maschinenpistole) Modell 1922 überlebt in einem deutschen Museum, der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz.

Das erste finnische Patent auf eine Maschinenpistole wurde 1922 beantragt und gewährt. Die Erfinder waren der Oberwaffenmeister A. Lahti, Leutnant Y.Koskinen und L. Boyer-Spoof, auch Leutnant der finnischen Armee und kommandierender Offizier von Aimo J. Lahti. Das Patent wurde am 11. September 1922 gewährt und schützte eine neue Art der Laufbefestigung und den Abzugsmechanismus mit einem einfachen Selektor für halbautomatisches Feuer. Der Verschluß des frühen Modells M/22 war ähnlich dem der deutschen Bergmann, der britischen  STEN und der australischen Owen, aber es gab einige besondere Konstruktionsmerkmale, um die ansonsten exzessiv hohe Feuerrate ab dem Modell M/22 zu reduzieren. Die Verringerung der Feuerrate basierte auf Luftkompression oder Vakuum hinter dem Verschluß, der fast hermetisch dicht im röhrenfömigen Gehäuse saß.

Gemäß den Patentzeichnungen waren die meisten Bauteile zu filigran und schwierig korrekt einzustellen. Die am wenigsten komplizierte Kadenzreduziervorrichtung, ein simples Vakuumventil, wurde in jeder Suomi-MPi seit 1930 bis ca. 1986 verwendet, als die letzten Exemplare dieses großartigen Ausrüstungsstückes zusammengebaut wurden. Die Konstrukteure der „Prä-Suomi“, A. Lahti, Y. Koskinen, L. Boyer-Spoof und ihr kommandierender Offizier Hauptmann V. Korpela gründeten die Firma „Konepistooli Oy“ („Maschinenpistolen-GmbH“) für die Maschinenpistolenproduktion.

Die Firma Leskinen & Kari war nur in der Lage, ein winziges Los von Prototypwaffen (weniger als fünf handgemachte Stücke) zu fertigen, aber die Werkzeugfabrik Tool Oy in Helsinki konnte all die notwendige Ausstattung für die Produktion von Maschinenpistolen herstellen. Eine große Werkshalle wurde mit einer anderen Maschinen- und Werkzeugfabrik, Leonard Lindelöf Oy, geteilt, die auch Maschinenpistolen herstellte – Lizenzkopien der deutschen Bergmann-MP 18-1 von 1923 bis 1932. Während dieser Zeit konnte Lindelöf Oy nur sechzig (mehr oder weniger miserable) Kopien der MPi-18 montieren, während Tool Oy in den ersten Produktionsjahren von 1922 bis 1925 mehr als hundert Waffen erzeugte.

Die Läufe dieser „Prä-Suomis“ wurden in England gekauft. Alle anderen Teile mit Ausnahme der in der Schweiz erzeugten Schließfeder der Bergmann MP 18-1, wurden in Finnland hergestellt. Fast alle wesentlichen Merkmale der Suomi waren in Konepistooli Osakeyhtiös Modell KP/-26 vorhanden. Das Vorderende des Verschlusses war verjüngt, wie in der Villar-Perosa und der Thompson, um eine zuverlässige Zuführung sicherzustellen. Der Spanngriff ging nicht hin und her. Das Hinterende des Gehäuses war fast hermetisch abgedichtet, und seine Endkappe beinhaltete eine Kadenzreduziereinrichtung mit Schraubverstellung, die mittels Vakuum funktionierte.

Von der „Prä-Suomi“ zur KP/-31

Eine Reduzierung der Feuerrate war notwendig wegen der Vorbereitung zur Anpassung an das Kaliber 7.63 x 25 mm Mauser für Exportausführungen. Die Länge des Verschlußweges war nur ein bißchen größer als die Gesamtlänge der Patronen 7.63 mm Mauser oder 9 x 25 mm Mauser „Export“. Die Finnische Armee, Grenzwachen und Bürgergarde waren mit der weniger kräftigen, aber sehr präzisen Patrone 7.65 x 21 mm Parabellum ausgerüstet, die seit 1923 ein offizielles Pistolenkaliber der bewaffneten Streitkräfte gewesen war.

Das Magazin der „Prä-Suomi“ war ein gebogenes Stangenmagazin für 36 Patronen, das durch einen ziemlich engen Magazinschacht ins Gehäuse führte. Es war unmöglich, ein gutkonstruiertes großes Trommelmagazin für eine Waffe wie die KP/26 zu entwickeln. Die Russen lernten diese Tatsache auf die harte Tour – die Finnen mit weniger Schwierigkeiten.

Der Konstrukteur Aimo J. Lahti perfektionierte seine Erfindung in den Jahren 1930 – 1931. Seine Absicht war, die Herstellungsrechte dieser Suomi-Maschinenpistole an den finnischen Staat zu verkaufen, aber die finnische Regierung hatte keine Produktionskapazitäten im staatseigenen Valtion Kivääritehdas (VKT, seit 1946 VMT, seit 1950 bis 1988 Valmet Oy/ Tourula Works).

Die in Privatbesitz befindliche Eisen- und Holzindustrie von Tikkakoski, oder seit 1929 einfach Tikkakoski Oy, kaufte die Herstellungslizenz der weitgehend verbesserten Maschinenpistole, die jetzt als Suomi-KP Modell 1931 bezeichnet wurde. Der Lizenzinhaber für die Maschinenpistolenproduktion war natürlich der Patentinhaber mehrerer Verbesserungen der KP Modell -26, welche die „Prä-Suomi“ zur wahren Suomi-MPi wandelten.

Das Patentansuchen vom 4. Juli 1930 behandelte eine „vollautomatische Feuerwaffe mit Masseverschluß und einem Vakuumventil in der Gehäusekappe“. Ein weiteres Patentansuchen vom 5. Juli behandelte eine schräge Vorderseite des Laufmantels als Kompensator gegen das Hochspringen und einen kombinierten Wählhebel für Dauerfeuer, Einzelfeuer und Sicherung vor dem Abzug. Ein drittes Patent, auch am 5. Juli eingereicht, umfaßte eine Bajonetthalterung am Laufmantel und einen verbesserten, positiv verriegelnden Verschluß.

Eine Schnittzeichnung der Maschinenpistole Suomi KP/-31. Eine originale Illustration aus der Broschüre „SUOMI-KONEPISTOOLI“ von OY TIKKAKOSKI AB (1942).

Bemerkenswerte Innovationen

Einige nicht patentierte, aber bedeutende Verbesserungen waren die Anpassung an die Patrone 9 x 19 mm Parabellum oder Luger und ein weit geöffneter Magazinschacht, der die Verwendung von Trommelmagazinen zusammen mit einem Magazin in Doppel-Zickzack-Anordnung nach schwedischem Muster („Sarg-Magazin“) sowie des üblichen Zickzack-Magazin für 20 Schuß ermöglicht.

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Veröffentlicht unter P. T. Kekkonen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 3 Kommentare