SWM-Serie „Sturmgewehre“ (4): US M14

US M14 links + rechts

Von  Max Meinrad Krieg, aus der  des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 7-1984.

Der Zweite Weltkrieg hatte eine neue Generation der Infanteriegewehre, die Sturmgewehre, gebracht, die den bisherigen Repetierern weit überlegen waren. Begreiflich, dass in vielen Staaten deshalb die Suche nach einer neuen Waffe dieser Art begann. So auch bei den Siegermächten des Westens.

Die Engländer gingen dabei sehr zielstrebig ans Werk. Auf Grund einer großangelegten Untersuchung, wobei im voraus festgelegt wurde, dass eine Einsatzdistanz von 600 m den modernen infanteristischen Bedingungen absolut genüge (der Einfluss des Stgw 44 ist offensichtlich!), wurde das Kaliber .280 (= 7 mm) als Ideallösung befunden. Auf Grund dieser Erkenntnis wurde 1947 die Entwicklung einer entsprechenden Waffe eingeleitet, die zum EM2 (EM = experimental model) führte, welches 1951zur neuen britischen Ordonnanz führte.

In den USA stellte sich die Problematik anders. Die US-Army hatte den Krieg mit einem guten Halbautomaten, dem US M1 Rifle (Garand), bestritten und hatte deshalb andere Vorstellungen. Insbesondere war der Bedarf nicht so dringend, und vor allem beharrten die Amerikaner auf einer vollwertigen, starken Gewehrpatrone.

Schon 1944/45 hatten die USA ihre bisherige Patrone .30-06 Springfield (7,62 x 63) versuchsweise modernisiert, indem sie die Hülse etwas kürzten; diese Versuchspatrone mit den Maßen 7,62 x 51 mm trug die Bezeichnung T 65 (T = trial oder test).

Auf dieser Patrone aufbauend, wurden verschiedene Sturmgewehr-Prototypen hergestellt, teils Neuentwicklungen, teils Abänderungen des Garand. Die Anforderungen waren mit 3,2 kg Gewicht, Kaliber .30 und halb- und vollautomatisch schießend, festgelegt worden.

Schlussendlich wurden vier Waffen eingehender getestet, wobei das britische EM2 und das T25 aus Konzeptionsgründen aus dem Rennen fielen. Als Sieger aus dieser ersten Runde ging das T48 hervor, welches nichts anderes als das FAL-Sturmgewehr der belgischen Fabrique Nationale war; mit deutlichem Abstand auf Platz zwei lag das T44, eine Weiterentwicklung des Garand durch die Springfield Armory.

Das FAL war ohne Zweifel die ausgereiftere und erprobtere Waffe… aber kein Amerikaner! Das T44 war noch nicht fertig entwickelt. Und nun wurde getestet und getestet und… und das T44 konnte entsprechend verbessert werden; am 1. Mai 1957 wurde es als US M14 offiziell als Ordonnanz in der amerikanischen Armee eingeführt.

Die Briten mussten sich der wirtschaftlichen und militärischen Überlegenheit der USA beugen, ihren ursprünglichen Beschluss zurücknehmen und ebenfalls die Patrone 7,62 x 51 einführen, die bald die Bezeichnung 7,62 NATO erhielt. Doch darüber mehr in unserer nächsten Folge.

Das M14 ist, wie oben schon erwähnt, eine Weiterentwicklung des M1-Garand und im Grundkonzept somit der gleiche Gasdrucklader mit Drehverschluss. Die Hauptunterschiede sind:

● Kaliber 7,62 NATO statt .30-06,

● 20schüssiges, auswechselbares Magazin statt 8-Patronen-Clip,

● statt nur Halbautomat auf Seriefeuer umstellbar,

● geringeres Gewicht.

Auch andere, mechanische Verbesserungen wurden eingebaut. So ermöglichte eine modifizierte Gasabnahme mit Verzögerung einen weicheren Rückstoß; der Entriegelungsnocken am Verschluss wurde mit einer Rolle versehen, um die Reibung zu vermindern. Der Lauf wurde jetzt verchromt, und eine Mündungsbremse sollte den Rückstoß herabsetzen.

Nach Betätigung des Abzuges wird die Patrone gezündet und das Geschoss durch den Gasdruck nach vorne getrieben. Ein Teil dieser Gase tritt durch eine Bohrung im Lauf nach unten in eine Expansionskammer. Dadurch schiebt der Gasdruck die Gasgestänge-Verschlusshebel-Einheit progressiv gegen den Druck der Schließfeder nach hinten. (Die Schließfeder wirkt auf diese Einheit und nicht direkt auf den Verschluss.) Nach knapp 1 cm dreht eine Nut im Verschlusshebel via einen Nocken den Verschluss aus seiner Verriegelung und stößt ihn weiter nach hinten, wobei die leere Hülse ausgezogen und ausgeworfen und zudem noch der Hammer gespannt wird. Anschließend kehrt sich der Bewegungsvorgang unter dem Druck der Schließfeder um, eine Patrone wird zugeführt, und der Verschluss verriegelt wieder.

US M14 zerlegt + mit Zubehör

Zur Zerlegung, die sich nicht ganz einfach gestaltet, muss wie üblich zuerst die Waffe entladen werden. Dann wird die Abzugsgruppe herausgenommen, indem der Abzugsbügel kräftig nach hinten unten gezogen wird. Anschließend kann das ganze System mit Lauf aus dem Schaft gehoben werden. Als nächstes wird der Verbindungssteg, der im Seriefeuer den Hammer auslöst, nach vorne gedrückt, weggeschwenkt und entfernt. Die Schließfederstange kann nach Lösen der Sperre unten am Verschlussgehäuse mit der Feder herausgenommen werden. Hierauf wird der Verschlusshebel nach hinten und rechts aus dem Gehäuse gezogen, worauf sich auch der Verschluss entnehmen lässt.

US M14 Verschlusspartie

Das Schießen mit dem M14 hinterläßt zwiespältige Gefühle. Im Einzelfeuer verhält es sich angenehm, der Rückstoß ist schiebend kräftig, aber nicht hart; auch steigt die Waffe nur in Grenzen. Im Seriefeuer hingegen lässt es sich nicht mehr vernünftig schießen, die Waffe liegt viel zu unruhig; aus diesem Grunde wurden die M14 meist mit einer Seriefeuersperre ausgegeben! Mit dem Zweibein und der Schulterklappe hingegen können Feuerstöße gezielt und kontrolliert abgegeben werden.

Was die Präzision betrifft, so kann Positives berichtet werden, das M14 liegt im oberen Bereich seiner Klasse. Zehner lassen sich auf 300 m problemlos erzielen.

Das M14 wurde in einer Vielzahl von Varianten gebaut, die aber meist nie über das Prototypenstadium hinauskamen oder nur in Kleinmengen produziert wurden; so z. B. das M14A1 als leichtes Maschinengewehr mit Kolben und mit Pistolengriff.

Das M14 wurde zuerst mit Holzoberschaft gefertigt; später wurde dieser durch einen solchen aus braunem Kunststoff ersetzt. Mit Zweibein versehen, wurde es (und wird z. T. noch) als Gruppenunterstützungswaffe, d. h. als LMG, und mit Zielfernrohr als Scharfschützenwaffe eingesetzt.

Neben dem bereits erwähnten Zubehör finden sich u. a. noch Bajonett und Blindschießapparat. Eine Aushöhlung im Schaft, verdeckt durch eine Klappe, kann Werk- und Putzzeug aufnehmen.

Total wurden rund 1,4 Millionen M14 von den vier Firmen Springfield Armory, Harrington & Richardson, Thompson Products und Winchester hergestellt. Die Militärproduktion wurde bereits 1964 eingestellt. Eine streng halbautomatische Zivilausführung mit der Bezeichnung M1 wird von Springfield Armory in verschiedenen Matchausführungen heute noch gefertigt und angeboten.

Eingeführt war das M14 offiziell nur in der amerikanischen Armee, fand aber auch bei verschiedenen befreundeten Nationen des Fernen Ostens Verwendung.

Das M14 ist eine schwere Waffe mit einer starken Patrone. Im Vietnamkrieg zeigte sich, dass nicht nur die schwächer gebauten Vietnamesen, sondern auch die Amerikaner im Dschungel mit dem schweren M14 Mühe bekundeten, wenn seine Zuverlässigkeit, Wirkung und Präzision auch unbestritten blieben. Dies führte zur Entwicklung des AR15/M16, welches das M14 ablöste.

Daten US M14:
Kaliber:   7,62 x 51 NATO (.308 Winchester)
System:  Gasdrucklader mit Drehverschluss
V0:    853 m/s
E0:   361 mkg / 3540 Joule
Kadenz:  750 Schuss pro Minute
Lauflänge:  560 mm plus Mündungsbremse
Länge:  1120 mm
Gewicht:  3,9 kg
Magazinkapazität:  20 Schuss

*     *     *

Siehe auch Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31 von Deep Roots

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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