SWM-Serie „Sturmgewehre“ (5): Das „Fusil Automatique Léger“ der FN

FAL 1 links + rechts

Das Fusil Automatique Léger der belgischen Fabrique Nationale, ein Gasdrucklader mit abkippendem Verschluss.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der  des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 9-1984.

Das FAL-Sturmgewehr ist die im Westen zur Zeit noch weitverbreitetste Infanteriewaffe; mit ihm setzte sich das Kaliber 7,62 x 51 als NATO-Standard weltweit durch.

Als in den dreißiger Jahren der Halbautomat M-1 Garand in der amerikanischen Armee eingeführt wurde, begann auch die belgische Fabrique Nationale (FN), eine der größten Waffenfabriken der Welt, mit der Entwicklung eines halbautomatischen Gewehres. Als die von Ingenieur Saive entwickelte Waffe vor der Serienreife stand, verunmöglichte der Zweite Weltkrieg eine Produktionsaufnahme. Nach Kriegsende wurde das Projekt wieder aufgenommen, und das SAFN wurde in einigen Staaten eingeführt.

Unter dem Eindruck des Erfolges des deutschen Sturmgewehres 44 entwickelte FN ihren Halbautomaten zu einem halb- und vollautomatisch schießenden Sturmgewehr weiter: das FAL (fusil automatique léger = leichtes automatisches Gewehr) war geboren. Entsprechend der ursprünglichen Konzeption war dieses Gewehr anfänglich für die Verwendung von Mittelpatronen gedacht; die ersten Prototypen wurden deshalb für die Patrone 7,92 x 33, die Munition des Stgw 44, gebaut (!).

Als in den westlichen Siegerstaaten, der späteren NATO, der Wunsch nach neuen Gewehren aufkam, paßte FN das FAL den jeweiligen Forderungen an. In England war es der stärkste, und ganz am Schluss erfolgreiche, Konkurrent zur britischen Eigenentwicklung, dem EM-2 und wurde für die britische Mittelpatrone .280 und zudem auch in einer Bullpup-Version (ohne Schaft) angeboten. Als sich zeigte, dass sich die amerikanische vollstarke Patrone T 65 = 7,62 x 51 als NATO-Standard durchsetzen würde, paßte FN ihr Gewehr sofort an – und das FAL im Kaliber 7,62 NATO wurde zu einem der größten kommerziellen Erfolge der Fabrique Nationale.

Das FAL ist wie sein Vorgänger, das SAFN, ein Gasdrucklader mit abkippendem Verschluss. D. h. der sich hinter dem Geschoss im Lauf aufbauende Gasdruck schiebt über ein Ventil (welches je nach Verschmutzung einstellbar ist) ein Gestänge nach hinten, welches seinerseits den Verschlussträger nach hinten stößt. Der bisher oben im Träger anstehende und so verriegelte Verschluss kann nun nach unten gleiten. Beim weiteren Zurückgehen zieht er die abgeschossene Hülse aus und wirft sie aus. Unter dem Druck der dabei zusammengepressten Schließfeder kehrt sich anschließend der Bewegungsvorgang um.

Das FAL wurde in den verschiedensten Versionen angeboten, genau auf die jeweiligen Kundenwünsche zugeschnitten. Bei praktisch allen Typen finden sich jedoch die gleichen Baugruppen: Im Systemkasten aus gefrästem Stahl, der oben durch einen Blechdeckel geschlossen ist, gleitet der Verschlussträger mit innenliegendem Verschluss. Eine angelenkte Stange verbindet die Verschlussgruppe mit der Schließfeder, welche fest im Schaft untergebracht ist. Schaft und Abzugsgruppe mit Pistolengriff und Magazinzuführung bilden eine Einheit, die am Verschlussgehäuse abschwenkbar befestigt ist. Am Verschlusskasten angeschraubt ist der Lauf, der durch einen Handschutz geschützt wird. Im Oberteil des Handschutzes liegt das Gasgestänge.

FAL 4 zerlegt

Fusil Automatique Léger, zum Reinigen zerlegt.

Die kleine Zerlegung kann schnell vollzogen werden. Zuerst wird das Magazin entfernt, die Waffe durchgeladen und entspannt. Nach Betätigung des Verriegelungshebels oberhalb des Pistolengriffes läßt sich die Abzugsgruppe mit Schaft nach unten klappen. Der Verschlusskomplex kann dann an der Stange aus dem geöffneten Gehäuse gezogen werden, worauf sich der eigentliche Verschluss dem Träger entnehmen läßt. Abschließend wird noch der Gehäusedeckel vom Systemkasten gezogen.

FAL 2 Bedienungselemente

Die Bedienungselemente und das 20schüssige Magazin des FAL. Direkt hinter dem Magazin der Verschlussfanghebel, dahinter und oberhalb die Splintschraube zum Abnehmen des Griffteils, über dem Pistolengriff der Sicherungs- und Feuerwahlhebel (hier in der gesicherten Stellung) und unter der Lochkimme der Entriegelungshebel zum Abklappen des Griffteils.

Das FAL ist keine schwere Waffe und liegt gut im Anschlag. Der Verschlusshebel fndet sich auf der linken Seite, so dass die (rechte) Schießhand nie vom Pistolengriff genommen zu werden braucht. Die Sicherung oberhalb des Griffes und vor dem Verriegelungsschieber läßt sich gut mit dem Daumen der Schießhand bedienen. Beim letzten Schuss bleibt der Verschluss in geöffneter Stellung stehen und läßt sich mit dem Schlittenfanghebel bei der Magazinzuführung wieder schließen.

Auch mit diesem Sturmgewehr haben wir geschossen. Im Einzelfeuer läßt es sich gut halten, der Rückstoß ist zwar kräftig, aber nicht unangenehm. Auf 300 m ergeben sich Schussbilder um die 15 bis 20 cm. Im Seriefeuer allerdings wird das FAL schnell unkontrollierbar: für ein Sturmgewehr von bloß 4 kg Gewicht ist die Patrone 7,62 NATO zu stark. Ganz kurze Feuerstöße sind gerade noch sinnvoll.

Das FAL wurde und wird als Sturmgewehr und mit schwerem Lauf als leichtes Maschinengewehr in einer Vielzahl von Varianten hergestellt. Schaft und Handschutz finden sich in Holz, Metall oder Kunststoff; manchmal gehört ein Zweibein dazu. Meist wurde das FAL mit einer der verschiedenen Mündungsbremsen und einem Granatschießbecher angeboten. Eine technisch interessante Version ist die Klappschaftausführung, denn die Schließfeder musste dazu aus dem Schaft in den Verschlussdeckel verlegt werden.

FAL 3 4 Versionen

Von oben nach unten: Die noch heute hergestellte FAL-Version; das von den belgischen Truppen in Kongo (Zaire) verwendete FAL; das im österreichischen Bundesheer eingeführte StG 58, ein FAL in Steyr-Lizenzbau; Scharfschützenversion des deutschen G1 (FAL) mit 4×24-Zielfernrohr.

Auch das angebotene Zubehör ist sehr reihhaltig; es gibt:

● Bajonette (diverse Varianten),

● Mündungsbremsen und Granatwerferaufsatz,

● Zweibein,

● Zielfernrohr (diverse Varianten),

● Blindschießgerät,

● Kleinkalibereinsatz.

Unter den über zwanzig Staaten in der ganzen Welt, die das FAL einführten und größtenteils heute noch führen, seien speziell England (L1 A1), Kanada (C1 und C2 als LMG), Deutschland (G1) und Österreich (Stg 58) erwähnt. Gefertigt wurde und wird das FAL z. T. bei FN selber und in Lizenz in England, Kanada, Australien, Indien, Argentinien und Österreich.

Das FAL war wohl das weitverbreitetste NATO-Sturmgewehr, aber nicht das einzige. Vor allem „nationale“ Gründe verunmöglichten eine wirkliche Vereinheitlichung. So führten die USA das M 14 und Deutschland und andere Staaten schlussendlich das G3 ein. Heute wird das FAL zwar noch hergestellt und angeboten, doch seine Zeit ist um, und es wird langsam von moderneren Waffen im kleinen Hochrasanzkaliber 5,56 mm verdrängt.

Daten FN FAL:
Kaliber:   7,62 x 51 mm NATO (.308 Winchester)
System:  Gasdrucklader mit Kippverschluss
V0:      853 m/s
E0:     361 mkg / 3540 Joule
Lauflänge:  530 mm + Mündungsbremse
Züge:   4 Züge, Rechtsdrall
Länge:  1050 mm
Gewicht:  4,3 kg
Magazinkapazität:  20 Schuss

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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