Test: Sturmgewehr Ruger AC 556 F

Ruger AC 556 F 1 Spinnler schießt Ruger

H. G. Spinnler beim Probeschießen mit dem Ruger-Sturmgewehr in Stainless-Ausführung.

Von H. G. Spinnler, aus Heft 10-1984 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Im Jahre 1973 brachte die amerikanische Firma Sturm, Ruger & Co. unter der Bezeichnung Mini-14 ein neues halbautomatisches Gewehr im Kaliber .223 Remington (5,56 x 45 mm) auf den Markt. Das Ruger Mini-14-Gewehr ist eine Verkleinerung des US M-14-Sturmgewehres im Kaliber 7,62 x 51 NATO, welches zwischen 1957 und 1965 Ordonnanzwaffe der amerikanischen Armee war. Innert kürzester Zeit stellten Sturm, Ruger & Co eine große Anzahl dieser Waffen her, welche sich auf dem amerikanischen und europäischen Markt großer Beliebtheit erfreuten.

Die Waffe ist ein Gasdrucklader und in der Funktion mit dem M-14 identisch. Sie hat einen nussbaumfarbigen Buchenschaft und ist brüniert oder in rostfreier Ausführung lieferbar. Es werden für sie 5-, 20-, 30- und 40-Schuss-Magazine hergestellt.

Kaum war das Ruger Mini-14 auf dem Markt, schossen Firmen wie Pilze aus dem Boden, welche Spezialzubehörteile für dieses Gewehr anboten. Das Zubehör reichte von der Bajonetthalterung über verschiedene Versionen von umlegbaren Schulterstützen, Feuerscheindämpfern aller Ausführungen und Längen bis zu Metallhandschutzen und Zweibeinstützen. Das große Angebot an Spezialzubehör zeigt, wie beliebt dieses Gewehr in Amerika ist.

GG 09 Blondine mit Ruger Mini-14

Unbekannte Schöne mit einer zivilen Stainless-Version des Ruger Mini-14 mit Kunststoff-Klappschaft. (Bild von Cernunnos eingefügt)

Besonders in Survivalisten-Kreisen ist das Ruger Mini-14 sehr gefragt, da es zu den preisgünstigsten Halbautomaten im Kaliber .223 Rem. gehört. In den USA gibt es auf dem Markt sogar genaue Anleitungen, wie man diese Waffe zu einem vollautomatischen Sturmgewehr umbaut. Es werden sogar Umbausätze angeboten, obwohl eine solche Abänderung in den USA streng verboten ist und dementsprechend geahndet wird. Trotzdem wird diese Abänderung von vielen Leuten in der Heimwerkstatt durchgeführt. Das scheint die Firma Sturm, Ruger & Co. dazu angeregt zu haben, die bestehende halbautomatische Ausführung ihres Mini-14-Gewehres selbst in ein für Armeen und Sondereinheiten brauchbares Sturmgewehr umzubauen.

Als die französischen paramilitärischen Polizeieinheiten CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité) eine Waffe im Kaliber .223 Rem. suchten, die halb- und vollautomatisch schießt und wenn möglich einen Holzschaft hat, um auch als Schlaginstrument dienen zu können, bot die Firma Sturm, Ruger & Co. eine dem Pflichtenheft angepasste Waffe an. Da diese Polizeieinheiten dem Innenministerium unterstellt sind und der französische Staat sparen musste, sollte die Waffe auch billig sein. Das Ruger Mini-14-Gewehr entsprach diesen Eigenschaften, während sich das neue französische FAMAS-Sturmgewehr nicht für die CRS eignete und auch viel zu teuer war. Das neue Ruger-Sturmgewehr erhielt die Modellbezeichung AC 556. Die Franzosen haben einige tausend davon angeschafft.

Anfangs der 80er-Jahre ging die Firma Ruger daran, diese Waffe noch weiter auszubauen. Hatte das französische Modell lediglich einen Feuerscheindämpfer, Bajonetthalterung und die Umschaltmöglichkeit auf Einzel-, Dreischuss- und vollautomatisches Feuer, so baute man nun unter der Bezeichnung KAC 556 F eine neue Version. Diese Version ist mit einer seitlich umklappbaren Schulterstütze und einem Pistolengriff aus Kunststoff ausgerüstet.

Ruger AC 556 F 2 Schaft ausgeklappt

Ruger-Sturmgewehr KAC-556 F mit ausgeschwenkter Schulterstütze.

Ruger AC 556 F 3 Schaft eingeklappt

Ruger-Sturmgewehr KAC-556 F, mit umgelegter Schulterstütze nur 606 mm lang. Die Waffe besteht aus rostträgem Stahl, kombiniert mit Holz und Kunststoff.

Die Waffe ist aus rostträgem Stahl gefertigt und kann in zwei Lauflängen geliefert werden. Die Kurzausführung hat einen 13“-Lauf (330 mm), der längere Lauf misst 18,5“ (470 mm). Insgesamt stellt nun Sturm, Ruger & Co. sechs verschiedene Modelle her:

Ruger Mini-14, halbautomatische Zivilausfhrung, brüniert oder rostfrei;

Ruger Mini-14/20 GB, halbautomatische Militärversion mit Bajonetthalterung und Feuerscheindämpfer;

Ruger AC-556, vollautomatische Ausführung mit Holzschaft, 18,5“-Lauf;

Mit KAC 556 und KAC 556 F sind Waffen aus rostträgem Stahl gemeint.

Das Ruger-Sturmgewehr Modell KAC-556 F ist die neueste Ausführung. Ruger bietet dieses Modell speziell für den militärischen Bereich, Fallschirmjäger, Sonder-Polizeieinheiten, SWAT-Teams etc. an, wo eine kompakte Waffe mit großer Magazinkapazität gewünscht wird.

Wir haben das neue KAC 556 F eingehend getestet. Bei über 800 verschossenen Patronen trat nie eine Ladestörung auf. Das Prinzip des Gasdruckladers á la US M 14 mit Verriegelung unmittelbar hinter dem Patronenlager hat große Vorteile. Die Waffe wird im Bereich des Verschlusses fast nicht verschmutzt, und es wird eine hohe Präzision mit wenig Rückstoß erreicht. Einzig mit dem Seriefeuerwahlhebel-System ist Ruger ein wenig vom M-14 abgewichen, musste doch die Dreischuss-Automatik eingebaut werden.

Ruger AC 556 F 4 Verschlussgehäuse

An der rechten Seite des Verschlussgehäuses befindet sich der Feuerwahlhebel mit den Positionen Einzelschuss, Dreischuss-Automatik und Seriefeuer.

Im Einzelschuss auf 50 m konnten wir Streukreise von 50 mm halten. Viele normale Mini-14-Waffen mit Zielfernrohr schießen nicht besser.

Wir haben die Waffe auch im Seriefeuer getestet. Mit der Dreischuss-Automatik lässt sie sich sehr gut beherrschen, und auf 25 m sind alle drei Treffer auf der Scheibe. Bedingt durch den kurzen Lauf und die hohe Anfangsgeschwindigkeit der Patrone .223 Rem. wird es, wie bei fast jedem Sturmgewehr, schwierig, die Waffe beim Seriefeuer richtig im Ziel zu halten. Doch wer würde schon 40 Patronen auf dasselbe Ziel schießen? Mit richtigem Einsatz der Dreischuss-Automatik schießt man viel genauer und gleich schnell.

Die Waffe wird schon nach wenigen Schüssen sehr heiß, und nach mehreren Dauerfeuergarben kann man sie im vorderen Bereich kaum noch anfassen. Ein zusätzlicher vorderer Pistolengriff würde hier Abhilfe schaffen.

Die ganze Waffe ist aus dem bekannten rostträgen Stahl gefertigt, den Ruger bei all seinen Waffen verwendet. Ihr vorderer oberer Handschutz ist ventiliert und aus hitzebeständiger Glasfaser. Der Pistolengriff ist aus schlagfestem Kunststoff. Die Waffe ist sehr gut verarbeitet.

Ein wenig mühsam ist das Zerlegen der Waffe. Der Abzugsbügel, mit dem die ganze Abzugsgruppe entfernt wird, kann nur schwer herausgezogen werden. Zum weiteren Zerlegen müssen vorn am Schaftende die zwei Schrauben des Laufbandes gelöst werden. Nachdem der Schaft demontiert und die Vorholfeder herausgenommen worden ist, kann man mit Hilfe von mindestens drei Händen und zwei Schraubenziehern den Verschluss nach hinten herausnehmen. Diese komplizierte Art der Zerlegung dürfte allfälligen militärischen Interessenten nicht sehr gefallen. Ansonsten kann man die Waffe als sehr gut bezeichnen.

In der Schweiz darf der Ruger KAC 556 F nur an Besitzer einer Seriefeuerwaffe-Bewilligung vermittelt werden.

Ruger AC 556 F 5 Daten

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter H. G. Spinnler abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s