SWM-Serie „Sturmgewehre“ (7): Heckler & Koch G 3

G3 1 MMK mit G3

Der Autor beim Probeschießen mit einem Sturmgewehr der deutschen Firma Heckler & Koch.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 11-1984.

Das deutsche Sturmgewehr G 3, welches heute in rund 45 Staaten eingeführt ist, findet seinen Ursprung im Zweiten Weltkrieg. Seine Entwicklungsgeschichte ist es wert, hier kurz aufgezeichnet zu werden.

G3 2 links + rechts

Deutsches Sturmgewehr G 3 A 3 im Kaliber 7,62 x 51 NAZO, mit 20-Schuss-Magazin und festem Schaft.

Die deutsche Wehrmacht hatte mit dem Sturmgewehr 44 beste Erfahrungen gemacht, suchte aber nach weiteren Vereinfachungen. Das Gerät 06 H von Mauser in Oberndorf zeigte dabei die besten Voraussetzungen und wurde noch kurz vor Ende des Krieges als Stgw 45 (M) klassifiziert. Aber es wurden nur einige wenige Prototypen hergestellt, dann beendete die Kapitulation des Deutschen Reiches auch diese Entwicklung.

Die Mauser-Werke lagen in der französischen Besatzungszone, was dazu führte, dass der ehemalige Mauser-Ingenieur Ludwig Vorgrimmler zur französischen Waffenfirma Manurhin stieß, wo er am Sturmgewehr 45 weiterarbeitete. Vorgrimmler reiste jedoch bald nach Spanien aus und schloss sich dort dem Entwicklungsteam des staatlichen „Centro de Estudios Tecnicos de Materiales Especiales“ (CETME) an. Dieses Büro nahm die Entwicklung eines leichten automatischen Gewehres in Angriff, dessen Ursprung offensichtlich war.

Inzwischen hatte sich die Welt in die beiden bekannten Machtblöcke getrennt, und die verschiedenen Armeen begannen sich neu auszurüsten. U. a. wurde nach einer neuen Infanteriewaffe, einem Sturmgewehr, gesucht. CETME erkannte die Chancen seiner Entwicklung, verfügte aber damals über fast keine Fabrikationsmöglchkeiten und keinen Vertriebsapparat. Deshalb vergab es eine Lizenz an die Nederlandsche Wappen en Munitiefabrieck, die in der Folge eine rege Vorführtätigkeit entfaltete.

So wurde das CETME-Gewehr auch den Instanzen der jungen Bundesrepublik Deutschland vorgeführt. Die Deutsche Bundeswehr hatte zwar das FAL von FN als G1 eingeführt, hatte aber große Schwierigkeiten bei der Abschließung eines Lizenzvertrages, weshalb man nach anderen Möglichkeiten Ausschau hielt. Die Deutschen verlangten vor allem eine Umstellung des bisher für eine Spezialpatrone eingerichteten CETME-Gewehrs auf die neue Einheitspatrone 7,62 x 51 NATO. In Zusammenarbeit mit Heckler & Koch präsentierte CETME nach kurzem das Gewünschte, und das Sturmgewehr wurde als G 3 in Deutschland eingeführt.

Das deutsche Verteidigungsministerium kaufte CETME die bisher von der holländischen NWM gehaltenen Lizenzrechte ab und vergab die Fabrikation an Heckler & Koch und Rheinmetall (wobei sich letztere aber bald aus diesem Geschäft zurückzog). Das Gerät 06 H war somit an seinen Ursprungsort in Oberndorf zurückgekehrt.

Bei Gewehrpatronen in Automatwaffen bedarf es einer speziellen Verzögerung, damit das Geschoss den Lauf verlassen kann, bevor sich der Verschluss öffnet. Meist bedient man sich entweder des Gasdruckladers mit festem Lauf und einem Gasgestänge oder des Rückstoßladers mit zurückgleitendem Lauf. Beim Verschluss des CETME-G 3 spricht man von einem verzögerten Masseverschluss, der einen feststehenden Lauf, aber kein Gasgestänge hat. Der Verschluss besteht dabei aus zwei Teilen, dem Verschlusskopf und dem Verschlussträger, die durch zwei Rollen miteinander verbunden sind. Im verriegelten Zustand drückt der Verschlussträger über ein Steuerstück die beiden Rollen nach außen in die Widerlager des Verschlussgehäuses. Wenn nun der Schuss ausgelöst wird, drückt die Hülse massiv auf den Verschlusskopf. Durch die Hebelwirkung der Rollen muss der Verschlussträger zu Beginn gegen den Druck der Schließfeder einen viermal längeren Weg als der Verschlusskopf zurücklegen – dadurch wird die benötigte Verzögerung erreicht. Entlastungsrillen im Patronenlager unterstützen in der Folge das Ausziehen der Hülse.

Das G 3 wird vornehmlich aus Stanzteilen gefertigt, wobei alle kritischen Stellen entsprechend massiv gehalten sind. Schaft und Handschutz finden sich in vielen Varianten aus Holz, Metall und Kunststoff. Am Verschlussgehäuse ist mit einem Bolzen die Abzugsgruppe angelenkt, von hinten ist der Schaft, in dem die Schließfeder festgeschraubt ist, aufgeschoben und mit zwei Bolzen befestigt. Der Lauf mit aufgeschraubtem Feuerdämpfer/Granatwerfer ist fest mit dem Verschlussgehäuse verbunden und durch den Handschutz geschützt.

Im Gehäuse gleitet der Verschluss, der – wie schon erwähnt – aus den Hauptteilen Kopf und Träger besteht. Der Verschlussträger hat vorn eine rohrartige Verlängerung, die oberhalb des Laufes in ein Rohr hineinragt und die Verschlussführung unterstützt.

G3 4 zerlegt

Sturmgewehr G 3 A 3, zerlegt.

Die Zerlegung in die Hauptgruppen erfolgt ohne Werkzeuge vor allem durch Herausdrücken der entsprechenden Bolzen. Zuerst wird so der Schaft mit der Schließfeder abgezogen, dann die Abzugsgruppe nach unten geschwenkt und entfernt. Darauf lässt sich der Verschluss nach hinten aus dem Gehäuse ziehen und durch Drehen des Kopfes in seine Einzelteile zerlegen.

Bei der praktischen Erprobung fiel uns auf, wie leicht alle Bedienungselemente erreicht werden können. Die Hand ab Abzug bedient mit dem Daumen den Feuerwahl-/Sicherungshebel: mit der anderen Hand am Handschutz wird der Verschlussriegel im Führungsrohr betätigt.

G3 5 Nahaufnahme

Durchladen des Sturmgewehrs Heckler & Koch G 3.

Die Visierung ist als Diopter aufgebaut; die drehbare Visiertrommel trägt entsprechende Löcher – einzig für die Kurzdistanz ist ein offener Einschnitt vorhanden. Das Korn hat einen runden Kornschutz.

Da auch das G 3 den physikalischen Gesetzen unterworfen ist, wirken sich das relativ geringe Gewicht und die doch starke Patrone in einem kräftigen Rückstoß aus. Im Einzelfeuer bietet das G 3 keine Probleme; auf 300 m lassen sich Schussgruppen um 20 cm erreichen. Im Seriefeuer jedoch sind nur kurze Feuerstöße vernünftig. Von reinem Dauerfeuer ist übrigens wie bei allen Sturmgewehren abzuraten.

G3 3 drei Versionen

Drei von Heckler & Koch hergestellte Versionen des G3-Sturmgewehrs, von oben nach unten: G 3 A 3 (mit festem Schaft), G 3 A 4 (mit einschiebbarer Schulterstütze), Scharfschützengewehr G 3 SG 1.

Heckler & Koch hat das G 3 weiterentwickelt und bietet heute folgende Haupttypen an: G 3 A 3 mit festem Schaft; G 3 A 4 mit einschiebbarer Schulterstütze.

Eine Vielzahl von Zubehör wird angeboten, so unter anderem:

● Bajonett mit Halterung,
● Kleinkaliber-Einsteckgerät,
● Blindschießapparat,
● Zielfernrohr mit Mongage,
● Gewehrgranaten.

Vom G 3 ausgehend baute Heckler & Koch ganze Waffenfamilien auf; es seien hier die Maschinenpistole MP 5, die Scharfschützengewehre G 3 SG1, HK 33 SG 1 und PSG 1 und die Waffenlinien im Kaliber .223 HK 33 und neuestens G 41 erwähnt, die in vielen Staaten bei Polizei und Armee eingeführt sind.

G3 6 Daten

Über Cernunnos

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