Die menschliche Leistungsfähigkeit erreichte vor 1975 ihren Höhepunkt und ist seitdem zurückgegangen

Apollo11-01-Start

Von Bruce Charlton, übersetzt von Deep Roots.

Das Original Human capability peaked before 1975 and has since declined erschien am 22. Juni 2010 auf dem Blog von Bruce Charlton, der in der Anglo-Blogosphäre auch als Kommentator „bgc“ in Erscheinung tritt.

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Ich vermute, daß die menschliche Leistungsfähigkeit ihren Gipfel oder ihr Plateau um 1965-75 erreichte – zur Zeit der Apollo-Mondlandungen – und seitdem ständig zurückgegangen ist.

Dies mag bizarr oder schlicht falsch klingen, aber das Argument ist simpel. Menschen auf dem Mond zu landen und lebend zurückzubringen, war die höchste Errungenschaft menschlicher Leistungsfähigkeit, das schwierigste Problem, das jemals von Menschen gelöst wurde. Vor 40 Jahren konnten wir es tun – mehrmals – aber seit damals sind wir nicht auf dem Mond gewesen, und ich vermute, der wahre Grund, warum wir seit 1972 nicht mehr auf dem Mond gewesen sind, ist der, daß wir es nicht mehr können. Die Menschen haben die Fähigkeit dazu verloren.

Die Standardlinie ist natürlich die, daß die Menschen aufgehört hätten, zum Mond zu fliegen, weil wir nicht mehr zum Mond fliegen „wollten“, oder es uns nicht mehr leisten konnten, oder so etwas…– aber ich meine, daß das alles Bockmist ist, bloße Ausreden dafür, daß wir etwas nicht mehr tun, das wir nicht mehr tun können.

Es ist, als würde ein achtzigjähriger ehemaliger Profi-Radrennfahrer behaupten, daß er nicht mehr bei der Tour de France mitfahre, weil er bessere Wege gefunden hätte, seine Zeit und sein Geld zu verwenden. Es mag stimmen; aber es verhüllt nicht die Tatsache, daß ein Achtzigjähriger nicht mehr bei internationalen Radrennen mithalten könnte, selbst wenn er es wollte.

Die menschliche Leistungsfähigkeit hängt teilweise von Technologie ab. Eine große Aufgabe erfordert eine Vielfalt geeigneter und ineinandergreifender Technologien – das Fehlen von einer wichtigen Technologie würde das Gelingen verhindern. Ich nehme an, daß sich die Technologie seit 1975 weiter verbessert hat – also ist es nicht wahrscheinlich, daß technologischer Niedergang der Grund für den Leistungsausfall ist.

Aber wie gut auch immer geplant, hängt die menschliche Leistungsfähigkeit bei komplexen Aufgaben auch von Problemlösung im laufenden Verfahren ab – der Fähigkeit, Expertise und Kreativität zu kombinieren, um mit unvorhergesehenen Situationen fertig zu werden.

Problemlösung im laufenden Verfahren bedeutet, daß man die besten Leute die wichtigsten Jobs machen läßt. Wenn zum Beispiel nicht Neil Armstrong an den Kontrollen des ersten Mondlanders Apollo 11 gewesen wäre, sondern irgend jemand von geringerer Befähigung, Entschlußkraft, Mut und Kreativität, dann wäre die Mission entweder gescheitert oder abgebrochen worden. Wenn sowohl die Astronauten als auch das NASA-Bodenpersonal nur etwas weniger als superb gewesen wären, dann hätte die Mission Apollo 13 zu einem Verlust von Menschenleben geführt.

Aber seit den 1970ern hat es einen Niedergang der Qualität von Leuten in Schlüsseljobs bei der NASA und anderswo gegeben – weil Organisationen nicht länger danach trachten, die besten Leute zu finden und einzusetzen, sondern statt dessen versuchen, in vielfältiger Weise ‚divers’ zu sein (Alter, Geschlecht, Rasse, Nationalität etc). Und die Leute in den Schlüsseljobs sind auch nicht länger fähig zu entscheiden und zu befehlen, aufgrund der Ausbreitung von Komitees und der Erosion individueller Verantwortlichkeit und Autonomie.

Bis 1986 und der Challenger-Shuttlekatastrope war es klar, daß die Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit nachgelassen hatten – nachdem das Desaster im Grunde dadurch verursacht wurde, daß die NASA von Managern und Komitees kontrolliert wurde anstatt von individuellen Experten.

Es geschah um die 1970er herum, daß der menschliche Geist anfing, von der Bürokratie überwältigt zu werden (obwohl der Trend seit vielen Jahrzehnten gewachsen war).

Seit der Mitte der 1970er ist die Rate des Fortschritts in Physik, Biologie und Medizinwissenschaften zurückgegangen – und einige davon befinden sich wohl im Rückwärtsgang, sodaß die Anwendung der Wissenschaft in einigen Bereichen allgemein zurückgegangen ist, gesichertes Wissen verlorenging und durch falsche, modische Trivialitäten und unehrlichen Hype ersetzt wurde. Einige der größten Wissenschaftsgebiete – medizinische Forschung, Molekularbiologie, Neurowissenschaften, Epidemiologie, Klimaforschung – sind fast gänzlich trivial oder Schwindel. Dies wird von den paar Inseln des Fortschritts nicht kompensiert, z. B. die Computerisierung und die Erfindung des Internet. Leistungsfähigkeit muß alle Grundlagen abdecken und hängt nicht von einem einzelnen fortgeschrittenen Bereich ab, sondern von allgemeiner Weiterentwicklung.

Tatsache ist, daß die Menschen viele Dinge nicht mehr können, zu denen wir früher fähig waren: auf dem Mond landen, Kriege gegen schwache Gegner schnell gewinnen und dann die besiegten Nationen kontrollieren, die nationalen Grenzen sichern, ‚bahnbrechende’ medizinische Behandlungen entdecken, Verbrechen verhindern, nach knapper Terminvorgabe konstruieren und bauen, Menschen ausbilden, sodaß sie vor dem Alter von 22 Jahren arbeiten konnten, ein unterseeisches Ölleck abdichten…

Vor 50 Jahren hätten wir die klügsten, bestausgebildeten, erfahrensten und kreativsten Leute, die wir finden konnten (angesichts menschlicher Unvollkommenheit) in Positionen eingesetzt, wo sie Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und in Verfolgung eines positiven Ziels danach handeln sollen.

Jetzt haben wir fade und fügsame Komiteemitglieder, die teilweise mit einem Auge auf Affirmative Action ausgewählt wurden und teilweise um eine positive Medienberichterstattung zu erhalten, deren Hauptpriorität nicht die Erledigung des Jobs ist, sondern die Vermeidung persönlicher Verantwortung und Verhinderung von Nebenwirkungen; an jeder Ecke sekkiert von verantwortungslosen und aggressiven Medien und wichtigtuerischen Politikern, die darauf aus sind, Popularitätspunkte zu sammeln; alle solcherart gehemmt von Vorschriften, daß sie – was immer sie tun oder nicht tun – immer die eine oder andere davon verletzen.

Wir sollten uns also ehrlich eingestehen, daß die Menschen nicht mehr zum Mond fliegen, weil Menschen nicht mehr zum Mond fliegen können. Den Menschen ist es nicht gelungen, die lecke Ölleitung im Golf von Mexiko zu schließen, weil wir es heutzutage nicht können (obwohl die Menschen das Problem vor 40 Jahren sicherlich gelöst hätten, aber auf eine Art, die wir uns nicht mehr vorstellen können, nachdem die Experten damals sowohl klüger als auch kreativer waren als wir heute, und diese Experten wären damals in einer Position gewesen, wo sie das Nötige tun konnten).

Es hat einen bedeutenden Niedergang der menschlichen Leistungsfähigkeit gegeben. Und es gibt noch kein Anzeichen für eine Umkehrung dieses Niedergangs, obwohl Umkehr und Erholung in der Tat möglich sind.

Aber glaubt keinen Ausreden dafür, warum etwas nicht getan wird. Etwas zu tun ist der einzige Beweis dafür, daß etwas tatsächlich getan werden kann.

Erst wenn regelmäßige und erfolgreiche Mondflüge wieder aufgenommen werden, können wir zu Recht behaupten, daß wir annähernd die gleiche Befähigung erreicht haben, wie Menschen sie vor 40 Jahren besaßen.

Nachwort des Übersetzers:

Für diejenigen unter euch, die wie ich den Verlust des zukunftsoptimistischen Pioniergeists betrauern, der das drittel Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts kennzeichnete, habe ich hier einen Link zu „Tales of Future Past“, einer sehr umfangreichen Webseite, die sich der Retrospektive einstiger Zukunftsvisionen widmet. Ein passender Alternativtitel wäre:

„Als die Zukunft noch Düsen hatte, oder Das Morgen von gestern ist unser Heute nicht“.

Aus David Szondys Vorwort zu Tales of Future Past“:

It wasn’t that long ago that we had a future. I mean, we have one now; the world isn’t going to crash into the Sun or anything like that. What I mean is that we had a future that we could clearly imagine. The future wasn’t tomorrow, next week, next year, or next century. It was a place with a form, a structure, a style. True, we didn’t know exactly what the future would be like, but we knew that it had to be one of a few alternatives; some good, some very bad. The future was a world with a distinct architecture. It had its own way of speaking. It had its own technology. It was for all intents and purposes a different land where people dressed differently, talked differently, ate differently, and even thought differently. It was where scientists were wizards, where machines were magically effective and efficient, where tyrants were at least romantically evil rather than banal, and where the heavens were fairyland where dreams could literally come true.

A few years ago, people talked about building a bridge to the 21st century. Now that we’re there, the phrase seems as odd as building a causeway to five o’clock. As Midnight brought in the year 2000 (or 2001 if you prefer), something odd began to sink in. For people of my generation, who had lived through the tarnished promises of the Atomic Age, the Space Age, the Computer Age, and the This That and Another Age, the year 2001 was a gateway. We waited twenty, thirty, forty years and some longer to pass though that gate into a time when spaceships the size of ocean liners plied between colonised planets, where cities were colourful collections of brand new towers without a single old building or blade of grass, where people wore jumpsuits like they were the togas of a technocratic Rome, where robots were our powerful and obedient servants, and where jetpacks were as common as galoshes.

Boy, were we off base. It isn’t simply that the predictions were wrong. No one with half a brain really expected that sort of accuracy. And true, though some marvels did not come to pass, others that were and weren’t predicted did. We certainly live very different lives from that of our fathers and grandfathers. That is not in dispute. But what did not happen is what many expected, though never talked about much. Assuming that we dodged the 1984, Brave New World bullet, our future was supposed to be a sort of technocratic, atomic-powered, computer-controlled, antiseptic, space-travelling Jerusalem that would at last free us from the curse of Eden and original sin. We expected some how, some way that we would be on the road to being freed from the human condition. We expected a sort of bloodless, benign French Revolution with Hugo Gernsback as our Voltaire and Carl Sagan as our Robespierre. And what did we get? The City of Man with Tivo. The fact is, science fiction and popular science had set the bar so high that only the Second Coming with ray guns would have satisfied.

Still, there was a romantic innocence about the 20th century’s view of the future. It was a sort of plastic Camelot; in both senses of the term. So, settle on your jetpack, hitch up your blaster, and tune in the videotron as we tour Future Past!

http://davidszondy.com/future/futurepast.htm

Und hier noch eine Bildstrecke in diesem Sinne:

50s Moonliner_Concept

Kurt Röschl Lukian

Kurt Röschl Station auf Enceladus

Peter Elson Alshain Derelict

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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