Spacewreck: Einführung

Colin Hay Ceres Disaster

Bild zur Geschichte „The Ceres Disaster“; Bildtext von dort: „Das erste Anzeichen der Tragödie, die die tapfere Besatzung der Ceres ereilt hatte, war ein von dem toten Schiff wegtreibender Wartungsscooter mit seinen grausigen Passagieren.“ (Illustration: Colin Hay.)

Übersetzung: Cernunnos.  Dies ist das Einleitungskapitel zum Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, eine Sammlung kürzerer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis, woraus ich in loser Folge etliche Episoden übersetzen und hier veröffentlichen möchte. (Siehe auch Zu den Sternen von Kevin Alfred Strom. See also Toward the Stars by Kevin Alfred Strom.)

*   *   *

In einem äußeren Arm unserer Spiralgalaxie liegt ein gelber Stern vom Typ G2, der von einer Vielzahl planetarer Körper umkreist wird, deren dritter die Wiege unserer Spezies war. Hier reiften unsere Vorfahren und vermehrten sich und zogen über die Oberfläche einer von Wasser umgrenzten Welt. Die großen Ozeane und Meere der Erde stellten die erste fremde Umwelt dar, die zu meistern sich der Mensch aufmachte, und der Preis des Unternehmens kann in den Tausenden Fahrzeugen aus fast jeder Periode seiner Geschichte gezählt werden, die über den Meeresgrund verstreut liegen. Ob Opfer des niemals endenden Kampfes gegen die Elemente oder Verluste im Krieg, die Gebeine der Schiffe des Menschen legen stummes Zeugnis für seine Entschlossenheit ab, frei zu sein zu reisen, wohin immer er zu gehen wünscht. In den dunklen, stillen Tiefen liegen kretische Galeeren neben Ostindienfahrern, spanische Galeonen neben großen stählernen Schlachtschiffen des 20. Jahrhunderts, und die Meere fordern weiter ihren Tribut.

Zeit verstrich, und während die Welt kleiner wurde, wurden die Sterne heller und lockten den Menschen zu einem weiteren Horizont mit einer weiteren feindlichen Umwelt, der er sich stellen mußte. Erneut begann er Schiffe zu bauen, die ihn über geheimnisvolle, unerforschte Öden tragen sollten. Zuerst waren die Schiffe leer und wurden hinaus ins Unbekannte gestartet, stießen immer tiefer in die Leere vor, ehe sie zur Oberfläche zurückfielen. Stück um Stück wuchs der Fundus des Wissens, und die Erde wurde von den Utensilien der Weltraumforschung umkreist: Datensammler, Satelliten und ausgebrannte Startraketen. Das Tröpfeln der Information wuchs zu einer Flut, bis sich eines Tages das erste menschliche Wesen in die Nase einer riesigen Rakete quetschte und in den Himmel donnerte, um als Held zurückzukehren. Wohin ein Mensch gegangen war, folgten viele, in zunehmend ausgereiften Fahrzeugen, und um den Beginn des 21. Jahrhunderts umkreiste eine breite Vielfalt von Konstruktionen den Planeten, von Laboratorien bis zu massiven industriellen Forschungseinheiten. Der Mond war zur Heimat einer Schar von Wissenschaftlern und Technikern geworden, und Schiffe fuhren zwischen diesen Einrichtungen und dem Mutterplaneten.

Die nächsten einhundert Jahre sahen die wachsende Industrialisierung des Weltraums und der benachbarten Planeten, begleitet von einer dramatischen Zunahme des Verkehrsvolumens. Chemische Raketen wurden durch eine Anzahl nuklear betriebener Systeme ersetzt, die ihrerseits zu neuen Generationen von ionen- und plasmagetriebenen Fahrzeugen führten, die immer tiefer in den interstellaren Raum reisten.

Dann fand ein Ereignis statt, das den Beginn eines weiteren großen Fortschritts in der Evolution der Raumfahrt markieren sollte. Wenige Jahre nach der Jahrhundertwende war eine unbemannte Erkundungssonde zu Barnards Stern gestartet worden, der unserem System nächsten Sonne, von der man wußte, daß sie einen nichtleuchtenden Begleiter besitzt, und nach sicherer Ankunft befand sie sich in einer Umlaufbahn um diesen öden Planeten. Ihre Entfernung von der Erde betrug 6,2 Lichtjahre. Fünfzehn Jahre nachdem die Barnard-Sonde flammend in die Schwärze geflogen war, wurde ein einzigartiges Fahrzeug in einer Startanlage im freien Fall im Orbit um Jupiter seinen letzten Vorbereitungen unterzogen.

Am 19. April 2021 erreichte der Countdown, der es zum Rendezvous mit der fernen Sonde schicken sollte, Null, und das Schiff verschwand sofort. Im einen Moment lag es noch in seiner Startvorrichtung, ins sinistre Licht von Jupiter getaucht; im nächsten war es verschwunden. Ein wenig mehr als achtzehn Monate später zeichnete die Barnard-Sonde die intakte Ankunft am Ziel auf. Dieses unscheinbare kleine Fahrzeug hatte die Reise mit dem Äquivalent der vierfachen Lichtgeschwindigkeit oder nahezu 670 Millionen Meilen pro Stunde erfolgreich beendet, und das Geheimnis lag in dem Apparat, um den es herumgebaut worden war. Dieses außergewöhnliche Gerät, der Raum-Zeit-Energiepotentialisator (Space-Time Energy Potentializer, STEP), war in der Lage, das Raumzeitkontinuum unter Verwendung eines Massebeschleunigers zu verzerren, um die Widersprüche zu den akzeptierten Gesetzen der Physik zu erzeugen, die auftreten, wenn ein Objekt sich der Lichtgeschwindigkeit nähert. Es manipulierte dann diese Charakteristika, um sich im Raum und in gewissem Grade in der Zeit neu zu positionieren. Der Weg zu den Sternen war nun wahrhaft offen, und die Suche nach anderen Welten, die in der Lage waren, menschliches Leben zu tragen, begann nun ernsthaft.

Wie es in der Geschichte verzeichnet ist, wurden solche Planeten über die ganze Galaxis verstreut gefunden, und Kolonisationsschiffe zogen aus unserem Sonnensystem hinaus, um neue Welten zu besiedeln. Dem Menschen stand es nun frei, die Sterne zu durchstreifen, und indem er das tat, erweiterte er beträchtlich das Verzeichnis von Triumphen und Katastrophen, von Hoffnung und Verzweiflung, das sein Streben stets begleitet hat.

Als der Mensch die Elemente in seinen Versuchen zur Eroberung der Ozeane der Erde herausforderte, wurden seine Erfolge durch Tragödien eingeschränkt. In ähnlicher Weise sind die grimmigen Andenken an seine Fehlschläge im gesamten Weltraum verstreut; die öden, unschönen Formen der Schiffe, die im unerbittlichen Vakuum scheiterten. Jedes hat eine Geschichte zu erzählen. Manche waren die Opfer der Umstände und von Naturkatastrophen, manche von menschlicher Schwäche und menschlichem Ehrgeiz, und andere waren die unvermeidlichen Verluste des Krieges.

Zusammen stellen sie ein Protokoll des Raumfluges und der Härten dar, denen man auf einer schwierigen Reise begegnet, die erst noch enden muß. Dieses Buch beschreibt einige der aufschlußreichsten und faszinierendsten dieser verlorenen Schiffe und die Kette der Ereignisse, die sie schaurig durch die Stille des Raumes treiben ließen. Aber die Schiffe, die die Menschen der Erde trugen, waren nicht die einzigen Fahrzeuge, die durch die Leere navigierten, und es gibt viele treibende oder auf den Oberflächen ferner Welten verstreut liegende Wracks, die uns daran erinnern, daß wir niemals allein in der Galaxis gewesen sind. Manche dieser fremdartigen Schiffe werden hier ebenfalls untersucht, obwohl Fakten nur zu oft durch Mutmaßungen und Annahmen ersetzt werden müssen.

Was immer ihr Ursprungsort war, die Überreste all der beschriebenen Fahrzeuge weisen darauf hin, daß die Gefahren und Risiken all jenen gemeinsam sind, die zwischen den Sternen reisen, und als solche ein gemeinsames Band zwischen all jenen Reisenden schmieden, die die Götter herausfordern, seien sie bekannt oder nicht.

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Nächster Teil: Spacewreck: Todesschiff von Alkahera

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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2 Antworten zu Spacewreck: Einführung

  1. Cernunnos schreibt:

    Diese Übersetzungsreihe habe ich als eine nostalgische Reminiszenz an jene Zeiten begonnen, als der Zukunftsoptimismus der 1960er und 1970er noch lebendig war. Es soll auch ein Kontrapunkt zu Bruce Charltons Artikel Die menschliche Leistungsfähigkeit erreichte vor 1975 ihren Höhepunkt und ist seitdem zurückgegangen sein, und ich möchte gerne etwas von der Faszination für den Vorstoß des Menschen zu fremden Welten weitergeben, die dieses Buch mir seit meiner Jugendzeit vermittelt hat.

    Angeregt wurde ich zu diesem Übersetzungsprojekt durch Deep Roots’ Verwendung von Peter Elsons Bild „Derelict II“ am Schluß seines Nachworts zu seiner Übersetzung von Charltons Artikel. Dieses Bild kommt auch in „Spacewreck“ in der Geschichte „The Warworld of Alshain“ vor, weshalb ich vermute, daß Deep Roots dieses Buch ebenfalls besitzt.

    Kevin Stroms Zu den Sternen setzt dieses Thema würdig fort.

  2. Cernunnos schreibt:

    Von Stewart Cowleys Büchern über die Terranische Föderation und die Terran Trade Authority (TTA) hat es seinerzeit auch eine 8-teilige Heftreihe auf Deutsch mit dem Sammeltitel „Der große galaktische Krieg“ gegeben – siehe hier auf dieser Seite etwas weiter unten unter „German versions exist…“, wo die Titelseiten alle abgebildet sind. Hier meine Übersetzung des Textabsatzes dazu:

    Am interessantesten daran ist, daß sie nicht nur jedes der vier Bücher in zwei Teile geteilt haben, um acht Bände daraus zu machen, sondern auch die Veröffentlichungsreihenfolge geändert haben. Die Hefte 1 & 2 sind „Great Space Battles“, 3 & 4 sind „Spacecraft 2000-2100 AD“, 5 & 6 sind „Spacewreck“ und 7 & 8 waren „Starliners: Commercial Travel in 2200 AD“. Um die Verwirrung zu vermehren, gaben sie dann neben diesen halben Ausgaben auch noch volle Versionen der Bücher heraus – von denen Gunther mir sagt, daß sie in einem dreimonatigen Veröffentlichungsrhythmus gemacht wurden und einen verlockenden Verweis auf einen zukünftigen Band 9 enthielten. Ebenfalls erwähnenswert ist, daß das Titelbild für Band 8 ein Bild ist, das für die deutsche Ausgabe einzigartig ist und sicherlich nicht in den englischen Büchern enthalten ist.

    Von diesen drei Heften kenne ich (aus dem Besitz meines Bruders) Heft 1 „Die Schlacht im Weltraum“, Heft 2 „Der Kampf zwischen den Sternen“ und Heft 4 „Der Vorstoss in die Galaxis“. Von „Spacewreck“ kenne ich also nur die englische Buchausgabe, die ich besitze und aus der ich die hier veröffentlichten Teile übersetzt habe.

    Trotz meines Gefallens an diesen Geschichten sagt mir die darin geschilderte politische Zukunftsvision nicht zu (wie auch aus dem einen oder anderen meiner Kommentare zu dieser Reihe ersichtlich ist). Cowleys Terranische Föderation ist ein zentristisches Imperium, eine kosmoglobalistische New Space Order, deren Dirigismus sich auch in ihren Behörden wie der Terran Trade Authority (TTA) widerspiegelt und mit der ich mich nicht identifizieren kann.

    Das Wesen der Föderation und der TTA wird in zwei Kapiteln aus Cowleys Buch „Great Space Battles“ verdeutlicht, die im deutschen Heft 2 „Der Kampf zwischen den Sternen“ enthalten sind. Das erste davon, die Einleitung von Heft 2, gebe ich nachfolgend in voller Länge wieder:

    DER MENSCH UND DER KOSMOS

    Obwohl es unvermeidlich ist, daß der Kampf der Terranischen Föderation gegen die Bewohner des Laguna-Systems, der in diesem Band der galaktischen Geschichte sein Schlußkapitel findet, in der Reihenfolge menschlicher Auseinandersetzungen mit dem Unbekannten den Hauptteil einnimmt, sah diese Epoche der Eroberung des Alls durch den Menschen sich auch mit vielen kleineren Konflikten konfrontiert, von denen jeder seine eigene Bedeutsamkeit hatte. Die terranischen Kolonisten wurden nicht nur im All selbst ständigen, ihren ganzen Scharfsinn herausfordernden Prüfungen ausgesetzt, sondern die schlimmsten Gefahren, denen sie sich unerwartet gegenübersahen, tauchten meist erst auf den jungfräulichen Welten auf, die sie zu besiedeln beabsichtigten. Die Schrecken, denen sich die Pioniere von Drakons Folly ausgesetzt sahen, waren in ihrer alptraumhaften Wirklichkeit keineswegs einmalig, sondern für das, was man auf Dutzenden von abseits gelegenen Kolonialwelten in den Randgebieten des bekannten Weltraums hinnehmen mußte, repräsentativ.

    Der Kampf von Ordnung und Gerechtigkeit gegen Chaos und Rebellion ist so alt wie die menschliche Geschichte. Nun fanden die Auseinandersetzungen lediglich auf einer kosmischen Ebene statt. Da es in einer Zivilisation von der Größe und Ausdehnung der Terranischen Föderation besonders schwierig war, für die Einhaltung der gegebenen Gesetze zu sorgen, bedurfte es auch einer besonderen Art von Menschen, um auf lichtjahreweit entfernten Planeten Polizeiaktionen durchzuführen und die Sicherheit der Flug- und Handelsrouten zu gewährleisten. Über die einsamen Patrouillenflüge dieser Männer und ihre oft tödlichen Begegnungen mit Piraten und anderen Weltraumgangstern wurde meist nur sehr wenig berichtet. Darum zeichnen sich die hier dokumentierten Fälle hauptsächlich dadurch aus, daß sie keine Einzelereignisse, sondern lediglich einzelne Etappen in einem pausenlos geführten Kleinkrieg darstellen. Für jeden Helden, der im Triumphzug auf seinen Heimatplaneten zurückkehrte, blieben viele, die in ihren Raumanzügen wie bizarr geformte Meteoriten durch die Unendlichkeit kreisen, im Weltraum zurück.

    Die Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb einer interstellaren Zivilisation erfordert ein Maß an Kontrolle, das viele Menschen unerträglich finden. Und je mehr man sich dem Verwaltungszentrum einer solchen Gemeinschaft nähert, desto deutlicher bekommt man deren Zwänge zu spüren. Schon deswegen war es unausweichlich: Eines Tages würde jemand den Versuch unternehmen, die Führer der Föderation auszuschalten. Obwohl sämtliche im Planungsstadium befindlichen Verschwörungen dieser Art mit äußerster Genauigkeit beobachtet und registriert wurden, erwiesen sich, als dieser Tag schließlich kam, beinahe alle der peinlichst genau formulierten Gegenmaßnahmen als undurchführbar.

    Hier also die Aufzeichnungen der bemerkenswertesten Schlachten, die in der Geschichte der Erdenmenschen ausgetragen wurden. Sie decken ein breites Spektrum menschlicher Konflikte und Leidenschaften ab. Ein Großteil an menschlichem Unternehmungsgeist, Mut, Ausdauer und Entschlossenheit findet sich auf diesen Seiten wieder.

    Der zweite Absatz daraus könnte einer selbstglorifizierenden Historiographie der TTA entnommen sein; im dritten Absatz werden schon die unangenehmen Seiten eines interstellaren Imperiums wie der Terranischen Föderation angesprochen, und die darin erwähnte Auflehnung gegen die Föderationsführung wird in einer eigenen Geschichte im selben Heft – „Die große Rebellion“ – geschildert, in der auch das in Erscheinung tritt, was ich weiter oben mit „dirigistisch“ gemeint habe. Nachfolgend gebe ich den Anfangsteil davon wieder (bitte über gewisse historische Überholtheiten dieser Ende der 1970er Jahre geschriebenen Geschichte hinwegzusehen):

    DIE GROSSE REBELLION

    Vom Tage ihrer Gründung als Unterabteilung des Weltrates im Jahre 1999 entwickelte sich die Terranische Handelsbehörde rasch zur mächtigsten Körperschaft im bekannten Weltraum. War ihr Aufgabengebiet anfangs auf die Koordination und Verwaltung des irdischen Handels begrenzt, wuchsen die Pflichten und Aufgaben dieser Behörde mit der zunehmenden Eroberung des Weltraums. Die TTA dehnte sich zunächst über die Planeten des Sonnensystems und später – nachdem diese sich etabliert hatten – auch über die neuen Kolonialwelten aus. Je größer die Nachfrage nach neuen Rohstoffquellen wurde, desto komplexer wurden auch die Versorgungs- und Kontrollaufgaben der TTA (engl. = Terran Trade Authority).

    Die Verwüstungen des Proxima-Krieges im mittleren einundzwanzigsten Jahrhundert hatten der industriellen und technologischen Reserve der Erde natürlich einen deutlich sichtbaren Stempel aufgedrückt. Deswegen war es ein Gebot der Stunde, nach der Beendigung des immens teuren, zwanzig Jahre währenden Krieges mit dem, was man hatte, hauszuhalten. Der TTA wurden alle nötigen Vollmachten erteilt, die sie brauchte, um Waren und Rohstoffe vernünftig zu verteilen, während andererseits alle Fertigungszahlen der Industrie von ihr gebilligt werden mußten. Der Bedarf an verschiedenen hochwertigen militärischen Gerätschaften führte dazu, daß die TTA eigene Produktionsstätten aufbaute, womit ein neuer Abschnitt in ihrer Entwicklungsgeschichte begann.

    Gegen Ende des 25. Jahrhunderts wurden die meisten militärischen Schiffe in den Werften der TTA produziert, während die noch auf Kriegsproduktion eingestellten privaten Rüstungsbetriebe sich auf die Konstruktion ziviler Raumschiffe umstellen mußten. An zwei der größten Schiffsbauer wurden Lizenzen erteilt: Avery Astronautics und Consolidated Aerospace. Es dauerte nicht lange, bis jedes der in der expandierenden Terranischen Föderation gebauten Schiffe der Zustimmungspflicht der Behörde unterlag.

    Den gigantischen Komplex, das Hauptquartier der Terranischen Handelsbehörde, hatte man dort erbaut, wo einst die alten nordafrikanischen Werften Raumschiffe produziert hatten. Der TTA standen alle hochentwickelten Gerätschaften zur Verfügung, die lebenswichtig waren, wenn man der schwierigen Aufgabe gerecht werden wollte, ein derart weitverzweigtes und verwickeltes Netz von sowohl im Imperium als auch auf den alliierten Planeten Alpha und Proxima Centauri verstreuten Unternehmen zu koordinieren. Von hier aus wurden Verwaltungszentren, in die Hunderte gehende Exekutivbasen und Tausende von Filialen gesteuert. Im Hauptquartier waren ferner alle Dateien und die gesamte Regierungsmaschinerie untergebracht. Das Zentrum hatte alles in allem das Format einer von kultivierten Wäldern umgebenen Großstadt.

    Es gab natürlich viele Menschen, die der TTA den hohen Grad an Kontrollmöglichkeiten und die Macht, mit der sie diese auf gewisse Leute und deren kommerzielle Aktivitäten ausübte, verübelten. In den Augen dieser Leute war die TTA ein Staat im Staate, dessen Versuche, im interstellaren Handelsnetz ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, auf die Kosten von Minderheiten ging und gegen deren Interessen verstieß. Dies war teilweise der Fall in der Raumschiffindustrie, einer Branche, die lange Jahre – vor und während des Proxima-Krieges – die mächtigste gewesen war, die sich in Privathand befand. Und nun hatte das Heraufdämmern des Zeitalters der menschlichen Expansion in den Weltraum die Möglichkeiten dieser und angrenzender Industrien beschnitten. Die Bedeutsamkeit des wachsenden Widerwillens dieser Bevölkerungsgruppe, zu den regierungsorientierten Programmen etwas beizutragen, paarte sich mit dem Drang, aus der Erforschung des Weltraums Kapital zu schlagen. Aber auch in dieser Beziehung war man mit der Erteilung von Lizenzen äußerst zurückhaltend.

    Damit mußten sich die großen Schiffbauer, von denen der größte Consolidated Aerospace hieß, abfinden. Die Gesellschaft, die die größten privaten Werften des Sonnensystems besaß und einen beträchtlichen Teil der von ihr abhängigen Zulieferindustrie für Elektronik und Nuklearprodukte kontrollierte, war denn auch offensichtlich äußerst unzufrieden mit der Tatsache, daß ihr Einfluß auf die Expansion in den Weltraum praktisch nicht vorhanden war und die Kontrolle darüber in die Hände einer branchenfremden Behörde gelegt wurde. Obwohl die Consolidated sich bitter widersetzte, war sie nicht in der Lage, das Unvermeidliche abzuwehren. Sie wurde schlußendlich auch noch dem TTA-Komplex angegliedert. Nach beträchtlichen Anfangsschwierigkeiten kam man aber schließlich zu einer arbeitsmäßigen Beziehung. Dennoch: Es gab einen Mann, der diesen Kurswechsel niemals akzeptierte.

    Im Rest der Geschichte wird der Aufstieg dieses Mannes, Harcourt Apseley, von seinem Berufseinstieg im Triebwerkszweig von Consolidated Aerospace zum Leiter des gesamten Konzerns sowie seine Reibereien mit der TTA und seine schließliche Rebellion gegen diese geschildert. Bei dieser Rebellion hatten Teile seines Firmenpersonals mit bewaffneten Zivilschiffen überall im Sonnensystem Einrichtungen und Raumschiffe der TTA angegriffen, bis sie doch der Übermacht der Regierungsstreitkräfte unterlagen und Apseleys Raumschiff beim Versuch, die Erde zu verlassen, wegen Reaktorüberlastung explodierte.

    Bei zwei Punkten des hier zitierten Teils bin ich mir nicht sicher, ob sie dem englischen Original entsprechen oder auf Abschreibfehlern beruhen: „Gegen Ende des 25. Jahrhunderts“ scheint mir nicht zu stimmen, nachdem diese Entwicklungen sich ja an den Proxima-Krieg anschließen sollen, der laut Cowleys Chronologie im mittleren 21. Jahrhundert stattgefunden hat (also müßte es wohl „Gegen Ende des 21. Jahrhunderts…“ heißen), und „die alten nordafrikanischen Werften“ könnten im Original nordamerikanische Werften gewesen sein, worauf auch „umgeben von kultivierten Wäldern“ hindeuten könnte. Falls jemand das Original „Great Space Battles“ besitzt, könnte er hier mitteilen, ob ich mit diesen Vermutungen recht habe.

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