SWM-Serie „Sturmgewehre“ (8): Samopal Vzor 58

Samopal Vzor 58 1 von rechts

Samopal Vzor 58 P, die Version mit festem Schaft.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 12-1984.

Der Kalaschnikov ist mit einer Ausnahme Standardwaffe aller Armeen des Ostblockes. Diese Ausnahme ist das tschechische Sturmgewehr Modell 58 – Samopal Vzor 58.

Die tschechische Waffenindustrie verfügt über eine lange Tradition, die schon während der österreichisch-ungarischen Monarchie begann. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten die nun selbständigen Werke in und um Brno (Brünn) verschiedene bekannte Waffen, so das weltweit verkaufte leichte Maschinengewehr ZB 26/30, aus welchem das britische Bren (BRno-ENfield) hervorging. Bereits 1929 wurde ein Selbstladegewehr gefertigt, dem aber der richtige Erfolg versagt blieb. Während des Zweiten Weltkrieges produzierten die tschechoslowakischen Waffenfabriken unter deutscher Besatzung weiter.

Auch als nach einer kurzen Zeit der Unabhängigkeit die Tschechoslowakei Teil des Ostblocks geworden war, behielt die tschechische Waffenindustrie eine relative Unabhängigkeit und brachte/bringt eigenständige Waffen nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für den Export auf den Markt. Erwähnt seien hier z. B. die Pistolen Vz 52 und Vz 75, aber auch die Kleinmaschinenpistole Vz 61 (Skorpion).

In der tschechischen Armee wurde vorerst das Selbstladegewehr Modell 52 im eigenständigen Kaliber 7,62 x 45 eingeführt, welches dann unter dem Drucke der Bruderstaaten auf die Einheitsmunition des Warschauer Pakts 7,62 x 39 (M 43) umgerüstet wurde. Analog dem SKS in der Sowjetunion war diese Waffe jedoch noch kein Sturmgewehr.

Samopal Vzor 58 2 von links

Samopal Vzor 58 V mit umschwenkbarem Klappschaft.

Mit dem Samopal Vzor 58 wurde dann von der staatlichen Waffenindustrie der Tschechoslowakei ein sehr gutes und zuverlässiges Sturmgewehr geschaffen. Wenn es auch die gleiche Patrone wie der Kalaschnikov verschießt und diesem in der äußeren Form gleicht, ist es konstruktiv eine ganz andere Waffe. Während die Kalaschnikov-Familie über einen Drehwarzenverschluss verfügt, bedient sich die tschechische Waffe eines vertikalen Verriegelungsstückes; ähnlich demjenigen in der Pistole P 38.

Gehäuse, Verschluss(träger) und weitere Teile sind aus vergütetem Poldi-Stahl aus dem Vollen gearbeitet und somit sehr robust; der Verschlussdeckel ist ein Stahlblechteil. Das Laufinnere, der Verschluss und das Gasgestänge sind, da den aggressiven Pulvergasen direkt ausgesetzt, hartverchromt. Alle äußeren Waffenteile sind phosphatiert und anschließend mit einem harten Einbrennlack überzogen und somit sehr gut gegen Korrosion geschützt. Schaft und Vorderschaft bestanden ursprünglich aus Buchenholz, werden heute aber aus einem resistenten Holz-Kunststoff-Gemisch gefertigt.

Samopal Vzor 58 5 Verschluß

Verschluss mit Verriegelungsstück.

Zum Funktionsablauf: Durch den Druck der Pulvergase schlägt der Gaskolben oberhalb des Laufes den Verschlussträger nach hinten. Der eigentliche Verschluss war bisher durch ein vertikal bewegliches Verriegelungsstück fest mit dem Verschlussgehäuse verbunden. Nach einer kurzen Rückwärtsbewegung schiebt der Verschlussträger das Verriegelungsstück nach oben, verbindet sich dadurch mit dem Verschluss und nimmt ihn dabei mit, wobei die leere Hülse ausgezogen und ausgeworfen wird. Die inzwischen zusammengepresste Schließfeder kehrt anschließend den Bewegungsvorgang um.

Sobald der Verschluss wieder verriegelt ist, kann ein Schuss ausgelöst werden. Das Sturmgewehr Vz 58 verfügt dabei über ein konstruktiv einfaches Schlagbolzenschloss. Ein Schlagstück wird bei der Verschlussbewegung in hinterer Stellung gefangen und schlägt unter dem Druck einer Feder nach Betätigung des Abzuges horizontal nach vorne auf den eigentlichen Schlagbolzen.

Samopal Vzor 58 3 zerlegt

Das tschechoslowakische Sturmgewehr Vzor 58 P im Kaliber 7,62 x 39, zerlegt.

Die Zerlegung erfolgt ohne Werkzeuge und schnell. Wie immer wird zuerst das Magazin entfernt, die Waffe durchgeladen und entspannt. Nachdem der Querbolzen hinten am Verschlussgehäuse nach rechts herausgedrückt worden ist, kann der Verschlussdeckel mit Schließ- und Schlagstückfeder nach oben weggehoben werden. Der Verschlussträger mit Verschluss und Schlagstück wird nach hinten gezogen und aus dem Verschlussgehäuse entfernt. Der Gaskolben kann nach Wegheben der Abdeckung – der Hebel beim Visier gibt ihn frei – durch leichtes Zurückziehen ebenfalls aus der Waffe genommen werden.

Wer dieses Sturmgewehr das erste Mal in der Hand hält, dem fällt sofort das trotz der Verwendung hochwertiger Stähle niedrige Gewicht auf. Das Vz 58 weist klare, schlichte Formen auf, was es eher zierlich erscheinen lässt. Die Sicherung befindet sich oberhalb des Abzuges. In gesicherter Stellung steht der Hebel senkrecht nach unten und lässt dies die Schießhand deutlich spüren; ein kleines, aber praktisches Detail!

Die Visierung ist einfach gehalten: eine U-Stellung dient als allgemeine Kampfentfernung. Das Korn bei der Laufmündung ist durch seitliche Balken geschützt.

Als Besonderheit kann das Magazin des Vz 58 auch an der Waffe direkt mit Ladestreifen geladen werden. Bei leerem Magazin bleibt der Verschluss offen, und der Verschlussträger hat an seiner Stirnseite Einfräsungen zur Führung der Ladestreifen.

Im halbautomatischen Feuer liegt das Vz 58, vor allem die Variante mit festem Schaft, angenehm im Anschlag. Die Präzision ist mit 20 bis 25 cm Streukreisen  auf 300 m etwas besser als diejenige des Kalaschnikovs. Im Dauerfeuer allerdings wirkt sich das niedrige Gewicht negativ aus, denn es braucht eine gewisse Übung, die Waffe dann noch relativ ruhig halten zu können; nur kurze Feuerstöße sind sinnvoll.

Das Sturmgewehr Vz 58 wird in zwei Ausführungen hergestellt:

Vz 58 P mit festem Schaft;

Vz 58 V mit seitlich umschwenkbarem Klappschaft.

Samopal Vzor 58 4 eingeklappt

Samopal Vzor 58 V mit beigeklappter Schulterstütze.

An Zubehör sind ein Bajonett mit Scheide, eine Ledertasche für vier Magazine, ein Blindschießapparat sowie Werkzeuge erhältlich. Eine Zeitlang wurde auch ein Zweibein mit integriertem Mündungsfeuerdämpfer angeboten; das Sturmgewehr konnte dann beschränkt auch als leichtes Maschinengewehr eingesetzt werden.

In erster Linie wird das Vz 58 für die eigene Armee gefertigt. Es wird jedoch auch exportiert. So findet man es unter anderem auch in Krisengebieten wie dem Libanon, wenn auch nie in so großen Stückzahlen wie das Kalaschnikov-Sturmgewehr [siehe SWM-Serie „Sturmgewehre“ (6): Avtomat Kalaschnikova – AK 47].

Samopal Vzor 58
Kaliber:   7,62 x 39 mm (M 43)
System:  Gasdrucklader mit Verriegelungsstück
V0:   705 m/s
E0:   260 mkg / 2400 Joule
Kadenz:  800 Schuss pro Minute
Lauflänge:  390 mm (4 Züge, Rechtsdrall)
Länge:   845 mm (Klappschaft eingeschwenkt: 636 mm)
Gewicht:  3,1 kg (geladen: 3,75 kg)
Magazin:  30 Schuss

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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