Spacewreck: Todesschiff von Alkahera

Robin Hiddon Lorac One Spacewreck 07

Ein bizarrer Anblick bot sich den Augen der Besatzung des Patrouillenschiffes, das ausgesandt worden war, um das stumme Schiff zu untersuchen, das aus dem Hyperraum aufgetaucht war. Jeder Zoll seines Innenraums wurde von seiner mutierten Nahrungsversorgung eingenommen. (Illustration: Robin Hiddon)

Original: „Death Ships from Alkahera“; Übersetzung: Cernunnos. Dies ist Teil 2 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, eine Sammlung kürzerer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung.

*   *   *

Die Lorac One ruhte auf dem Startplatz nahe dem Bergbaulager auf Gentleman’s Dig, einer kleinen, aber produktiven Gruppe von Asteroiden in den Menkalinan-Feldern. Sie war vor zwei Tagen von Alpha Centauri eingetroffen, mit einer Ablösungsmannschaft, die den Großteil der Reise damit verbracht hatte, trübsinnig über die Aussicht auf ihren achtzehnmonatigen Einsatz an diesem ziemlich trostlosen Ort nachzudenken. Während sie auftankte und Proviant für die Rückreise an Bord nahm, vollendeten die Männer, die jubelnd ihre Ankunft beobachtet hatten, die Übergabe an ihre Ersatzleute und sammelten ihre Sachen für die Reise zurück zu den Spielplätzen des Centauri-Systems zusammen. Das ausgelassene Geschwätz drehte sich fast gänzlich darum, wie viele Credits ihnen zustanden, und um die relativen Vorzüge der anrüchigeren Unterhaltungsmöglichkeiten, die auf sie warteten.

Schließlich war das Schiff bereit zum Abheben, und sie sammelten sich lärmend an Bord, beobachtet von der gedämpfteren Gruppe, die sie zurückließen. Das Heulen der Antigrav-Generatoren stieg ins Unhörbare, und dann schrumpfte zuerst die Basis und dann der Felsenschwarm zu Fleckchen unter ihnen. Die Koordinaten für den Warpantrieb wurden eingegeben, der Flugrechner aktiviert, und das Fahrzeug begann sich in den Hyperraum aufzulösen.

Es war ein Zufall von zehn Millionen zu eins, daß ein außerplanmäßiger Erzfrachter auf dem Weg nach Gentleman’s Dig in genau dem Moment aus dem Warp auftauchte, in dem die Lorac One in ihn eintrat. Das Warpfeld, das um ein Schiff erzeugt wird, wenn es in den Hyperraum eintritt, ist nicht auf die Außenhaut des Rumpfes beschränkt, sondern erstreckt sich bis in einige Entfernung davon. Der Grund, warum Schiffe sich unter konventionellem Antrieb zu ausgewiesenen Sprungzonen bewegen müssen, ist die Sicherstellung, daß keine anderen Objekte unabsichtlich mit dem Schiff in den Warp gezogen werden. Der außergewöhnliche Zufall, den die Lorac One erlebte, beendete die Reise beinahe, ehe sie wirklich begonnen hatte. Sie bockte und trudelte wie verrückt, während ihr Feld sich mühte, den Frachter ebenfalls in den Warp zu ziehen, und der Atomreaktor und die Generatoren gerieten gefährlich nahe an die Überlastung. Aber die kombinierte Masse war zu groß, und nach einem hektischen Moment schlüpfte die Lorac One in den Hyperraum und überließ es dem Skipper des Frachters, sein eigenes Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Erlebnis muß für ihn erschreckend gewesen sein, nachdem seine Detektoren keine Chance gehabt hätten, das hinausgehende Fahrzeug im Moment des Auftauchens aus dem Warp zu erfassen, daher dürfte er keine Ahnung gehabt haben, was ihn so plötzlich im anscheinend leeren Raum herumgeschleudert hatte.

Drei Monate später registrierte eine Verkehrsleitstation nahe Centauri die planmäßige Ankunft des zurückkehrenden Versorgungsschiffes und sandte ein routinemäßiges Überprüfungssignal. Aber es gab keine Antwort von dem stationären Fahrzeug, das in Sichtweite seines Reiseziels hing. Das Signal wurde erfolglos auf einer Anzahl von Frequenzen wiederholt, daher wurde die Kontrollzentrale verständigt, und ein Aufklärungsschiff wurde zur Untersuchung entsandt.

Es dauerte nicht lange, bis die Lorac One durch die Sichtfenster des kleinen Fahrzeugs zu sehen war, und seine Besatzung untersuchte das wachsende Bild sorgenvoll nach irgendwelchen Anzeichen für Schäden. Ihr Rumpf schien intakt zu sein, und man konnte Lichter durch die Fenster glühen sehen, die entlang des unregelmäßigen Rumpfes verstreut waren, einschließlich der größeren im Bereich des Hauptkontrolldecks, aber es gab keine anderen Anzeichen irgendeiner lebenden Präsenz an Bord.

Mit unguter Vorahnung begannen zwei Besatzungsmitglieder in ihre unförmigen Anzüge zu klettern, während sich das Aufklärungsschiff der stummen Form des größeren Fahrzeugs näherte und ein weiteres Besatzungsmitglied das Lasergerät und die Druckabdichtung hervorholte, damit ein Zugang erzwungen werden konnte, falls nötig. Innerhalb von Sekunden ragte der Rumpf der Lorac One über ihnen auf, und der Kapitän manövrierte das Schiff vorsichtig zu dem grünlichen Licht der Kontrollkabine über ihnen hinauf. Plötzlich ächzte er vor Erstaunen, als das kleine Fahrzeug auf einer Höhe mit den riesigen Sichtluken war. Die gesamte Kabine war von einem dichten, pilzartigen Gewächs ausgefüllt, das ein eigenes trübes Glühen auszusenden schien. Verblüfft bewegte er sein Schiff an der Außenhaut entlang weiter nach unten zu einem der kleineren Sichtfenster, aber dort bot sich seinen Augen derselbe Anblick.

Seine Sensoren zeigten an, daß praktisch jeder Quadratzoll des Abteils dieselbe Dichte wie die Kontrollkabine aufwies, zusätzlich zu der ein hohes inneres Strahlungsniveau entdeckt wurde.

Er befahl den beiden Männern, ihre Anzüge gegen schwerere, strahlensichere auszutauschen, bevor sie in die Luftschleuse verschwanden und wieder im Fenster erschienen, während sie die Abdichtung um sich herum errichteten. Bald glühte die kleine Blase unheimlich, als sie sich ihren Weg durch die Außenhaut des Schiffes schnitten. Die Situation wurde klar, als sie sich auf der Suche nach den Männern, die es bewohnt hatten, durch die seltsamen Gewächse hackten. Die Strahlung wurde zu einem größeren Reaktorleck zurückverfolgt, das offenkundig durch die plötzliche und starke Belastung beim Absprung verursacht worden war. Die intensive Strahlung hatte einige der Pflanzen in den Hydroponikbänken auf seltsame Weise mutieren lassen und auch die unglücklichen Passagiere getötet, und das unkontrollierte Gewächs hatte sich über das gesamte Fahrzeug ausgebreitet.

*    *    *

Nächster Teil: Spacewreck: Das Wrack der Jancis Jo

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Stewart Cowley abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Spacewreck: Todesschiff von Alkahera

  1. Cernunnos schreibt:

    Was mir bei Science-Fiction-Geschichten immer wieder auffällt, ist, daß darin die Währung oft „Credits“ genannt wird und dann häufig nicht einmal als Geld zum Anfassen existiert, sondern bloß ein elektronisch verrechnetes „Buchgeld“ ist. Als ob wir damit zum einen daran gewöhnt werden sollen, daß Geld eben eine Schuldenwährung ist, und zum anderen auch an die Vorstellung, gar kein physisches Geld mehr zu haben, sondern jeglichen Zahlungsverkehr nur mehr elektronisch abzuwickeln.

    Zu diesem Themenbereich sind folgende Essays lesenswert:

    Kleingeld von Baron Bodissey
    Die Geschichte des Geldes, Teil 1 und Teil 2 von Xat.org sowie Die Geschichte des Geldes, Teil 3 von Ellen Brown
    An alle Europäer – To all Europeans – A todos los europeos – À tous les européens vom „As der Schwerter“-Team
    Merkel und der €uro dienen beide der internationalen Hochfinanz – Was Sie über den €urobetrug wissen müssen von Sternbald
    Der geplante Verfassungsputsch im Mai von Friedrich Romig
    Was ist Reichtum? von Kevin Alfred Strom
    Heute „Mobilgeld“ in Afrika, morgen Bargeldabschaffung in Europa von Lucifex
    Massendiebstahl – im Namen der Euro-Rettung von Nigel Farage

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s