SWM-Serie „Sturmgewehre“ (9): SIG-Sturmgewehr 510

SIG 510 1 Max Meinrad Krieg mit SIG 510

Der Autor beim Probeschießen mit einem SG 510-4 im Kaliber 7,62×51 NATO.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 2-1985.

Die Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhausen am Rheinfall produziert Waffen seit bald 125 Jahren. Auch ihr war nach dem Zweiten Weltkrieg klar, dass das Sturmgewehr die Infanteriewaffe der Zukunft sein wird. Deshalb widmete sie sich intensiv dieser Waffengattung und entwickelte verschiedene Prototypen. Mit dem AM 55, welches später in SG 510 umbenannt wurde, stellte sich dann auch der kommerzielle Erfolg ein.

Offensichtlich stand auch bei dieser Waffe das deutsche Sturmgewehr 45 (Mauser) Pate, welches auf anderen Umwegen zum G3 (siehe hier) führte. So ist das SG 510 ebenfalls ein verzögerter Rückstosslader mit festem Lauf und halbstarr verriegeltem Rollenverschluss. Die Verzögerung in der Verschlussöffnung wird durch den verschieden langen Weg, den Kopf und Verschlusskörper gegeneinander zurücklegen müssen, bewirkt. Der Verschluss geht dabei geradlinig nach hinten und presst die Schließfeder, die in den Schaft hineinragt, zusammen.

Beim SG 510 handelt es sich um ein robustes und relativ gewichtiges Sturmgewehr. Wohl wurden im Hinblick auf eine rationelle Fertigung verschiedene Teile in Bleckprägetechnik gefertigt, so das Verschlussgehäuse und der Abzugskasten. Da aber im Interesse einer größtmöglichen Stabilität viele Verstärkungsrippen integriert wurden, war die Fertigung doch recht aufwendig. Zudem wurden andere Teile, vor allem solche, die einer speziellen Belastung ausgesetzt sind, weiterhin in klassischer Art hergestellt: der Gehäusekopf, in welchen der Verschluss verriegelt, wurde etwa aus einem massiven Schmiedestück gefräst.

SIG 510 2 Chile-Sturmgewehr 510-4

Das sogenannte „Chile-Sturmgewehr“ der SIG, Modell 510-4, ein verriegelter Rückstoßlader mit festem Lauf und halbstarrem Rollenverschluss im NATO-Kaliber (7,62 x 51 gleich .308 Winchester).

Jede Waffe ist mit einem Zweibein und einer im Lauf integrierten Mündungsbremse/Granatwerfer-Kombination versehen. Schaft und Handschutz bestehen je nach Ausführung aus Holz oder Gummi.

Die kleine Zerlegung geschieht ohne Werkzeuge. Zuerst wird jeweils der Schaft durch Lösen einer Sperrklinke ausgedreht und entfernt. Das Griffstück kann nach Herausdrücken des Querbolzens abgezogen werden. Hierauf lässt sich der Verschluss mit Hilfe des Spannhebels dem Gehäuse entnehmen. Eine Zerlegung des Verschlusses ist selbstverständlich auch möglich, da jedoch ziemlich kompliziert, für den kleinen Parkdienst nicht erforderlich.

SIG 510 3 SIG 510-4 zerlegt

SIG-Sturmgewehr 510-4 mit Bajonett, Bajonettscheide und Trageriemen, zerlegt.

Der Feuerwahlhebel befindet sich auf der linken Seite des Griffstückes, wobei die Seriefeuerstellung mit Hilfe eines kleinen Plättchens auf der rechten Seite blockiert werden kann. Ein ausschwenkbarer Winterabzug ermöglicht die Bedienung auch mit Handschuhen. Gespannt wird die Waffe mit einem rechts liegenden Ladehebel; offenbar soll dies aus Sicherheitsgründen von der Schießhand vorgenommen werden.

SIG 510 7 Mittelteil SIG 510-4

Mittelteil des SIG-Sturmgewehrs 510-4 mit bereitstehendem Winterabzug. (Der Spanngriff oberhalb des Magazins erinnert an den Geradzugkarabiner 31.)

Im Einzelfeuer ist die Präzision für eine militärische Automatwaffe hervorragend. Auf 300 m konnten wir alle Treffer immer in einem Kreis von 30 cm unterbringen! Auch wenn die SIG-Sturmgewehre relativ schwer sind und der Rückstoß im Einzelfeuer deshalb sehr moderat ausfällt, bestätigte sich für uns die Tatsache, dass so starke Patronen wie die 7,62 NATO und die 7,5 mm GP 11 im echten Seriefeuer von Sturmgewehren nicht mehr voll kontrolliert verschossen werden können. Nur kurze Feuerstöße sind sinnvoll.

Die Sturmgewehre SG 510 wurden in einer Vielzahl von Varianten angeboten, so auch in den Kalibern .30-06, 7,62 x 39 und .223. In Serie gingen folgende vier Typen:

SG 510-4: Diese Version im Kaliber 7,62 x 51 NATO wurde nach Chile exportiert, wobei aus Kapazitätsgründen gewisse Waffenteile bei Beretta gefertigt wurden. Total wurden 48.483 Waffen produziert.

AMT: Von dieser halbautomatischen Version des SG 510-4, welche vor allem für den US-Markt bestimmt war, wurden nur 1440 Stück hergestellt.

SIG 510 4 AMT-Halbautomat

AMT, die halbautomatische Version des SG 510-4, die hauptsächlich für den amerikanischen Zivilmarkt bestimmt war.

Stgw 57: Das Sturmgewehr der Schweizer Armee im Kaliber 7,5 x 55 (GP 11) ging aus dem AM 55 respektive 510-1 hervor. Die Anforderungen an diese Waffe waren sehr hoch. So sollte sie die Maschinenpistole, das Repetiergewehr, das leichte Maschinengewehr und den leichten Granatwerfer ersetzen! Des weiteren hatte sie auch dem außerdienstlichen, sportlichen Schießwesen zu genügen. Dementsprechend ist das Stgw 57 eine ziemlich schwere Waffe und verfügt über eine aufwendige Visierung. Eine spezielle Ausführung mit Zielfernrohr dient als Scharfschützengewehr. Anzahl der produzierten Stgw 57: ca. 740.000.

SIG 510 5 Stgw 57

Stgw 57, die Ordonnanzwaffe des Schweizer Wehrmannes im Kaliber 7,5 x 55. Hier mit aufgesetztem Zielfernrohr als Scharfschützen-Variante.

PE 57: Bei dieser halbautomatischen Version des Stgw 57 wurde darauf geachtet, dass es nicht durch den Austausch von gewissen Teilen zu einem Vollautomaten umgebaut werden kann. Bis jetzt wurden 3200 PE 57 hergestellt.

SIG 510 6 PE 57

PE 57 („Privat-Einzelschuss“), die halbautomatische Version des Stgw 57, das „Privat-Sturmgewehr“ für Sportschützen.

Mit Ausnahme des PE 57, dessen Produktion noch in kleinen Stückzahlen aus Lagerbeständen weiterläuft, ist die Fertigung der Serie der Sturmgewehre SG 510 eingestellt. SIG hat mit den Sturmgewehren der SG-540-Familie modernere und vor allem in der Herstellung günstigere Produkte im Angebot.

 SIG 510 8 Daten Stgw 57 und SG 510-4

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In erweitertem Zusammenhang mit dem Stgw 57 interessant ist Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31 von Deep Roots; der Geradzug-Repetierkarabiner K 31 ist ebenfalls eine für die Schweizer Gewehrpatrone 11 (7,5 x 55 mm) eingerichtete Waffe.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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