Spacewreck: Die Kriegswelt Alshain

1 Bob Layzell Missile Battery on Alshain IV

Daß die öde Welt Alshain IV einst die Heimat einer technologisch fortgeschrittenen Spezies gewesen war, war aus den vielen verfallenden Relikten ersichtlich, die dort entdeckt wurden. Die kriegerische Natur dieser verschwundenen Spezies wurde durch solche Artefakte wie diese primitive Raketenbatterie veranschaulicht. (Bild von Bob Layzell.)

Original: „The Warworld of Alshain“; Übersetzung: Cernunnos. Dies ist Teil 4 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kürzerer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung, Spacewreck: Todesschiff von Alkahera und Spacewreck: Das Wrack der Jancis Jo.

*   *   *

Das Sternbild Aquila oder Adler liegt in der Milchstraße unterhalb jenes des Schwans. Der markanteste Stern in dieser Gruppe ist Altair, der bloße sechzehn Lichtjahre entfernt liegt. Von größerem Interesse für die Terranische Föderation war jedoch der gelbe G8-Zwergstern Alshain, der zweiundvierzig Lichtjahre von der Erde entfernt liegt und sehr ähnliche Eigenschaften wie unsere eigene Sonne hat. Im Jahr 2355 wurde herausgefunden, daß er ein Planetensystem von sechs größeren Körpern besitzt, und eine Expedition wurde zusammengestellt, um diese Welten zu untersuchen.

Drei der umlaufenden Kugeln kreisten zu nahe um Alshain selbst, um bewohnbar zu sein, und zeigten keine Anzeichen von Leben. Die fünfte und sechste waren eng miteinander verbunden und schwangen auf ihren unregelmäßigen Bahnen weit in die Dunkelheit hinaus. Sie waren ebenfalls unbewohnbar, aber aus dem gegenteiligen Grund. Alshain IV war ein ganz anderes Angebot und, obwohl es eine heißere und rauhere Welt als die Erde war, sicherlich in der Lage, menschliches Leben zu tragen.

Sie war gewiß eines näheren Blickes wert, und die Expeditionsflotte drang in das System ein und bezog Station nahe dessen Grenze und im Schatten von Alshain V, während zwei der mitgeführten Aufklärungsschiffe sich in den Orbit begaben, um festzustellen, ob dort intelligentes Leben existierte. Nach einem oder zwei unglücklichen Vorfällen in den frühen Tagen der Weltraumforschung war nun anerkannt, daß Vorsicht unter diesen Umständen bei weitem die beste Politik war. Das plötzliche Erscheinen unerwarteter und unbekannter Schiffe im Territorium einer Rasse mit einer fortgeschrittenen Technologie konnte leicht eine unerwünschte Wirkung haben. Während einer der Aufklärer für den Fall von Schwierigkeiten Position auf halbem Weg bezog, flog der andere näher heran, um die großen Kontinentalmassen abzusuchen, die von warmen, seichten Meeren umgeben waren.

Der größere Teil der Oberfläche schien aus riesigen Wüstengebieten zu bestehen, die von trockenen und schroffen Bergketten umringt und bar jeglicher größerer Formen von Vegetation waren. In den gemäßigteren Breiten bestand das Gelände hauptsächlich aus Buschland, das von Bändern reicheren Bewuchses durchzogen war, die den Weg einer Anzahl träger, schlammbeladener Flüsse markierten. Die Polargebiete waren von extrem dichtem Wald bedeckt, der von vielen großen Gipfeln durchbrochen war, und dort wurden die ersten Anzeichen einer bedeuteten Lebensform entdeckt.

Die verschiedenen Sensoren, die von dem Aufklärer eingesetzt wurden, machten seltsame Unterschiede in der Formation und Zusammensetzung einer Anzahl der isolierten Gipfel aus, während eine nähere Untersuchung darauf hindeutete, daß sie künstliche Bauwerke sein könnten. Zusätzlich schienen die Berge, die diese Phänomene aufwiesen, der Mittelpunkt von etwas zu sein, das nur als irgendeine Art von Straßen bezeichnet werden konnte.

Das Schiff blieb mehrere Tage lang in einer engen Umlaufbahn und hielt eine ständige Beobachtung aufrecht, aber es gab kein Lebenszeichen an diesen seltsamen Orten. Schließlich wurde entschieden, in die dünne Atmosphäre einzufliegen, und nach Auswahl eines der Gipfel flog das Schiff heran. Während es sich näherte, wurde offensichtlich, daß dies tatsächlich das Werk einer sehr kunstfertigen Intelligenz war…

Aus einer Vielzahl von Materialien zusammengesetzt, war ein zusammenhängender Komplex erbaut worden, der den Großteil des steilen Felsens bedeckte, aber von seinen Bewohnern gab es kein Anzeichen. Als das Schiff näherkam, wurde ersichtlich, daß die Siedlung seit langer Zeit nicht instand gehalten worden war und die Elemente ihren Tribut gefordert hatten. Manche Bauten waren völlig zusammengestürzt, und andere würden ihnen trotz ihrer massiven Bauweise folgen. Es gab wenige Öffnungen in den Oberflächen der vielen Gebäude, und der allgemeine Eindruck war der irgendeiner Art Festung. Die Straßen, die strahlenförmig von der Basis ausgingen, wurden von den dichten Wäldern zurückgefordert, und ihre Oberflächen waren von sprießender Vegetation durchsetzt.

Die Informationen wurden dem Rest der Gruppe  zurückübermittelt, und der Aufklärer erhielt Anweisung, weiter nach Süden zu fliegen. Zwei ähnliche Formationen wurden gesichtet, bevor der Dschungel sich auszudünnen begann, aber beide waren im selben Zustand wie die erste, und die ursprünglichen Bewohner schienen wiederum verschwunden zu sein. Der Teppich aus Grün machte allmählich der zähen, gelblichen Vegetation des Buschlandes Platz. Die Landschaft hier wurde von einer Reihe von Plateaus und Bergrücken gebildet, zwischen denen sich vereinzelt Flüsse dahinwanden. Aus dieser Höhe waren mehrere andere Bauwerke zu sehen, die vom umgebenden Land aus kaum auszumachen gewesen wären und alle von niedriger und massiver Bauweise waren, was auf einen Verteidigungszweck hindeutete.

Der Kapitän entschied, eine Landung zu riskieren, und setzte das Schiff nahe einem dieser eindrucksvollen Artefakte auf. Während der Rest der Besatzung die leichte Bewaffnung des Schiffes auf das Ziel richtete, brachen der Kapitän und zwei Männer in einem Landscooter auf. Als sie am Boden neben dem Gebäude hielten, bemerkten die Männer, daß es in der glatten Oberfläche seiner Wände keine Fugen oder Verbindungsstellen gab. Als sie eine kleine Öffnung in der Seitenwand ausmachten, stiegen sie aus und gingen zu etwas hinüber, das eindeutig eine Schießscharte war, aus der die Schnauze eines Waffenlaufs in fortgeschrittenem Zustand der Korrosion hervorstand. Große Flocken von Material fielen davon ab, als der Lauf berührt wurde, aber es war unmöglich, die Natur der Waffe zu bestimmen.

Man fand, daß eine Seite des Gebäudes fast zur Gänze von einer großen Metallplatte ausgefüllt wurde, die in das steinartige Material eingesenkt war. Der Kapitän sprach in seinen Kommunikator, das Aufklärungsschiff hob ab und schwang zu der Seite herum, wo sie standen, und nachdem die drei Männer beiseite gegangen waren, schlug ein kräftiger Laserstrahl zu und verdampfte einen Teil der Platte. Die Männer spähten in die Dunkelheit dahinter, während sie darauf warteten, daß das Metall abkühlte, aber es war nichts zu sehen außer dem verblassenden Glühen der gegenüberliegenden Wand, wo der Laserstrahl aufgetroffen war. Sobald sie jedoch drin waren, fanden sie einen großen Raum, der mit verrotteten und korrodierten Apparaturen und einer riesigen Maschine ausgefüllt war, die einer Art von Projektilwerfer ähnelte. Mehrere kreisrunde Türen führten in kleinere Räume, die alle genauso leer und verfallen waren wie der erste. Wer immer für die Schaffung dieses grimmigen Bauwerks verantwortlich gewesen war, hatte es, nach den Türen und Durchgängen zu urteilen, für Kreaturen von beträchtlicher Größe gemacht.

Sie kehrten zum Schiff zurück, um Bericht zu erstatten, und wurden angewiesen, die Ankunft des anderen Aufklärungsschiffes abzuwarten, das acht Stunden später über ihnen erschien. Zusammen machten die beiden Schiffe sich weiter nach Süden in Richtung der großen Wüstenebenen auf und suchten nach irgendwelchen Anzeichen von Bewegung auf dem Boden unter ihnen. Plötzlich schrie ein Scanneroperator auf. In Lee eines voraus liegenden Bergrückens stand eine Gruppe außergewöhnlicher Bauwerke, die anders waren als alle, die sie bisher gesehen hatten. Jedes war anders, aber alle hatten einen gemeinsamen Stil, und der allgemeine Eindruck war der einer Gruppe riesiger Pflanzen. Einer der Aufklärer landete in der Nähe, während der andere darüber schwebte, und während einige der Besatzungsmitglieder zurückblieben, um die Waffensysteme zu bedienen, brach der Rest in den Scootern zu den vor ihnen liegenden öden, dunklen Türmen auf. Als sie näherkamen, sahen sie, daß der gesamte Komplex aus Metall bestand, wobei die schlanken Stengel der Bauwerke eine viel größere Masse von Kuppeln und Kugeln trugen. Trotz der allgemeinen Atmosphäre der Verlassenheit schimmerten Lichter aus vielen der Hunderten winziger Öffnungen, und eine dünne Rauchfahne stieg aus einer Spalte auf, die in die Flanke einer der größeren Kuppeln gerissen war.

2 Tony Roberts Alshain towers

Der erste Anblick, auf den die Männer bei der Erforschung der weiten Wüstenebenen von Alshain IV stießen, war diese seltsame Gruppe von Behausungen. (Illustration von Tony Roberts.)

Die Männer schwärmten aus, während das Schiff über ihnen eine Reihe von Signalen in dem Versuch aussandte, Kontakt mit irgendwelchen Bewohnern herzustellen, die es dort geben könnte. Falls irgend etwas dort drin war, so antwortete es nicht, und es war nichts zu sehen, das sich hinter den vielen Fenstern bewegte. Vorsichtig rückten die Männer am Boden näher zwischen die hohen Säulen und versuchten, einen Weg in die seltsamen Gebäude zu entdecken, die in weit schlimmerem Zustand des Verfalls waren, als es aus der Ferne erschienen war. Einer aus dem Team fand schließlich eine Stelle, wo ein Wandabschnitt völlig weggefallen war, und eine Gruppe kletterte ins Innere, ihre Strahler fest umklammernd. Eine spiralförmige Rampe verlief in Stufen den kreisrunden Schacht empor und verschwand durch eine weit oben liegende Decke. Sie bahnten sich ihren Weg nach oben und gaben einander Deckung, während sie sich vorwärtsbewegten, bis sie im ersten Stockwerk ankamen. Hier teilte sich das Bauwerk in eine Anzahl von Durchgängen und Abteilen auf.

Obwohl ziemlich viele Lichter in Betrieb waren, begann es als wahrscheinlich zu erscheinen, daß sie ihre Energie von einer selbsterneuernden Kraftquelle erhielten, denn die allgemeine Atmosphäre war eine der Leere und Verwahrlosung. Nahezu alle Abteile waren ohne jegliche Anzeichen der Bewohntheit und enthielten keine Armaturen oder Einrichtungen irgendwelcher Art. Manche waren jedoch mit Bänken von Gerätschaften gefüllt, aber deren Funktion war unklar, insbesondere angesichts ihres fortgeschrittenen Verfallszustandes.

Einer aus dem Team bemerkte plötzlich, daß der Sand, der durch die vielen Risse im Bauwerk eingedrungen war und nun als dicker Teppich auf dem Boden der Räume lag, an manchen Stellen aufgewühlt worden war. Die Männer packten ihre Waffen und schauten besorgt um sich auf die Dutzenden leerer Korridore und Räume. Während sie dort standen, wurden sie sich einer Anzahl kleiner Geräusche bewußt, die zuvor vor dem Hintergrund des gedämpften Summens der unsichtbaren Energiequelle unbemerkt geblieben waren. Vorsichtig und schweigend bewegten sie sich schneller durch das Labyrinth der Korridore und stiegen von Stockwerk zu Stockwerk hoch. Die unregelmäßigen Geräusche waren nun hörbarer, und an manchen Stellen hing dünner Staub in den Lichtstrahlen, die durch Bruchstellen in der Außenhaut drangen. Einer der Männer erblickte eine plötzliche Bewegung im Eingang eines Raumes und schrie auf, als ein großer metallischer Gegenstand auf sie zuwirbelte und mit widerhallendem Klirren von einer Wand abprallte, bevor er auf den staubigen Boden plumpste. In instinktiver Reaktion warf sich die gesamte Gruppe zu Boden und feuerte eine Salve von Schüssen in den Raum. Drinnen war das Geräusch eines fallenden Körpers zu hören, und zwei Männer rannten zu dem Durchgang. Als sie um die Ecke spähten, sahen sie eine große Kreatur mit sandfarbenem Pelz zusammengesackt auf dem Boden liegen. Ein Strahl hatte ein Loch in ihre Seite gerissen, aus der eine dünne, rosige Flüssigkeit in den Staub sickerte.

Knapp zweieinhalb Meter groß und kräftig gebaut, schien der massige Körper von einer ledrigen, schuppigen Haut bedeckt zu sein, bei der ein drahtiger Pelz aus den Fugen zwischen den großen Schuppen wuchs. Die Vordergliedmaßen waren seltsam schlank und endeten in einer Anzahl feiner, fingerartiger Fortsätze, während der Kopf groß war und dicht auf den schweren Schultern saß. Die Vorderseite des Kopfes wurde von einem breiten Schlitz beherrscht, der von feinen Daunen umrandet war, und ein Hautlappen bedeckte einen Mund, der mit einem Arsenal dreieckiger, rasiermesserscharfer Zähne ausgestattet war. Die Augen saßen weit auseinander im Schädel und schienen von einer durchsichtigen Membran bedeckt zu sein.

Die Männer hatten sich versammelt, um die zusammengesunkene Gestalt anzustarren, als es einen schrillen Pfiff gab und die riesige Masse einer weiteren der Kreaturen durch die Tür schoß und eine schwere Metallstange schwang, die den Schädel des nächststehenden Mannes zerschmetterte und ihn der Länge nach gegen eine Wand schleuderte. Drei Strahler blitzten auf, und die enorme Gestalt löste sich auf, ihre Überreste krachten in die Gruppe und warfen sie wie Kegel um. Als sie sich aufrappelten, sprach der Anführer schnell in seinen Kommunikator, und sie schwärmten aus, um den Rest des Turmes zu durchsuchen. Es wurde in den oberen Abschnitten nichts weiter gefunden außer Anzeichen dafür, daß die beiden Wesen dort gewohnt hatten. Ihre Ausscheidungen waren in den Korridoren verstreut, und Haufen großer Knochen deuteten auf eine fleischliche Ernährung hin. Mit beträchtlicher Erleichterung kehrte die Gruppe in das helle, heiße Licht draußen zurück, und es wurde entschieden, daß der Rest der Türme mit anderen Mitteln untersucht werden sollte.

Geräte für Infrarot- und Schallanalyse wurden aus einem der Schiffe geholt, und die Techniker begannen mit der langsamen und mühsamen Aufgabe, sie einzurichten, um die hohen Bauwerke nach Anzeichen anderer Lebensformen abzusuchen. Der lange Zweiundzwanzig-Stunden-Tag begann sich seinem Ende zu nähern, bis die verschiedenen Ablesungen das Fehlen weiterer Bewohner bestätigt hatten.

Inzwischen schwand das Licht bereits, und die Schiffe zogen sich für die Nacht nach Norden zurück, unter vielen Spekulationen über den Verbleib der Spezies, die für alle bisher entdeckten Artefakte verantwortlich war. Ein Kraftfeld wurde um die beiden Schiffe errichtet, die sich zwischen den Steinen eines Felsvorsprungs zusammendrängten, und es wurde Kontakt zu der immer noch weit draußen im Raum befindlichen Flotte hergestellt, die sich sofort aufmachte, um sich der Vorausgruppe anzuschließen. Während die anderen damit beschäftigt waren, die Verteidigungseinrichtungen bereitzumachen und Essen zuzubereiten, spazierten einige davon, um sich die zerschmetterten Überreste eines weiteren der gedrungenen Bunker anzusehen, die man früher am Tag gesehen hatte. Er war kaputt und ausgeweidet, und es war außer den Außenwänden wenig übrig, aber von bedeutendem Interesse waren mehrere intakte Raketenwerfer, die in einem Bogen um die Ruine angeordnet waren. Diese waren intakt, wenngleich stark korrodiert und mit zähen, faserigen Pflanzen überwachsen, und sie waren eindeutig das Produkt einer fortgeschrittenen militärischen Technologie. Falls die Spezies, die sie konstruiert hatte, immer noch existierte, so würde sie ein viel größeres Problem darstellen als die Kreaturen, denen sie bereits begegnet waren.

Am nächsten Tag wurden die Aufklärer darüber informiert, daß die Hauptgruppe sich im örtlichen Orbit befand und daß eines der großen Forschungsschiffe auf dem Weg nach unten war, um zu ihnen zu stoßen. Bei dessen Ankunft machte die gesamte Gruppe sich zu einem langsamen Suchflug nach Süden auf und suchte die Landschaft unter sich ab, während sie darüber hinwegzog. Sobald sie über die markanten Formen der am Vortag gesichteten Siedlung hinaus war, wurde sie noch langsamer und sank auf eine Höhe von ein paar hundert Metern über der Oberfläche herab. Als die Schiffe ein Vorgebirge aus spitzen Hügeln umrundeten, sahen sie eine weite, flache Wüstenlandschaft, die sich bis zum Horizont ausbreitete. So weit das Auge sehen konnte, lagen dort Hunderte skeletthafter Formen verstreut, schwarz vor dem in der Morgenhitze flimmernden Sand und Schiefergestein. Es gab keinen Zweifel, daß sie auf den Schauplatz irgendeiner uralten und verheerenden Schlacht gestoßen waren, von der die Wüste mit den Wracks von Kriegsfahrzeugen jeder Art und Größe übersät geblieben war. Die Schiffe ließen sich auf den Sand nieder, und sobald das Heulen der Energieaggregate erstorben war, gab es keinen Laut außer dem Lied des Windes zwischen den geisterhaften Gestalten und niedrigen Dünen. Staubfahnen wirbelten zwischen den verdrehten und zerbrochenen Formen, die halb vergraben im sandigen Boden lagen.

3a Peter Elson Derelict 2

3b Peter Elson Alshain 1a

3c Peter Elson Alshain 1c

Nach mehreren tonlosen Minuten schüttelten die Männer ihre vorübergehende Lähmung ab und machten sich zu einem näheren Studium der schaurigen Szenerie bereit. Während die beiden Aufklärer abhoben, um Deckung zu geben, bestieg eine große Gruppe aus dem Forschungsschiff ihre Raupenfahrzeuge und Scooter, die einander durch die Luftschleusen hinaus folgten, um aufzuklären. Eines der ersten Wracks, auf das sie stießen, war das eines kleinen Flugzeugs, dessen Nase verloren zum Himmel zeigte.

4 Tony Roberts Alshain Aircraft

Eines der ersten Wracks, die im Treibsand verstreut gefunden wurden, war dieses kleine Flugzeug. Es war atomgetrieben und jünger als manche der später entdeckten Ausrüstungsstücke. (Illustration von Tony Roberts.)

Als sie an dem einst bunten Rumpf emporkletterten, fanden sie die Knochen einer großen Kreatur inmitten einer Anzahl von Instrumenten und Kontrollen im geräumigen Cockpit verstreut. Pulverige Fetzen eines Kleidungsstückes irgendeiner Art waren in den grimmigen Überresten verheddert, und eine gelbliche Form war durch das Visier des in Flocken zerfallenden Helms zu sehen. Inzwischen zogen einige der Techniker Bruchstücke des Rumpfes weg und spähten hinein auf die darin eingebettete Maschinerie. Trotz eines gewissen Schutzes, den das, was vom Rumpf übrig war, geboten hatte, war das Innere ebenfalls in einem traurigen Zustand, obwohl eine nukleargetriebene Turbine identifiziert wurde. Das Wrack gab nur eine Reststrahlung ab, deutlich innerhalb der menschlichen Toleranzgrenze, und es wurde bald Ausrüstung aufgebaut, um zu versuchen, das Alter des Flugzeugs zu bestimmen.

Während dies vor sich ging, machte sich eine weitere Gruppe auf, und die Brise zerstreute schnell die Staubwolken, die ihre Fahrzeuge aufwirbelten. Die meisten der verfallenen Maschinen, die sie sahen, waren von gewaltiger Größe und ließen die winzigen Fahrzeuge auf dem Wüstenboden zwergenhaft erscheinen, und sie hätten im dichteren Schwerefeld der Erde nicht operieren können.

5a Fred Gambino Alshain 2a

Die scheinbar endlose Wüste war mit den verrottenden Rümpfen unzähliger Wracks und Trümmerstücken übersät. Sie war offenkundig der Schauplatz irgendeines monumentalen Kampfes in der mysteriösen Vergangenheit des Planeten gewesen. Zwei Raupenfahrzeuge der Terranischen Föderation sind im Schatten eines der riesigen Rümpfe zu sehen. (Illustration von Fred Gambino)

5b Fred Gambino Alshain 2b

Die Raupenfahrzeuge kamen unter dem nächsten dieser Giganten zum Stehen, und die ameisengroßen Gestalten ihrer Besatzungen stiegen aus, während die tröstliche Präsenz eines Aufklärungsschiffes über ihnen schwebte. Die fleckige und zernarbte Wand der sinistren Maschine ragte auf und füllte den Himmel, helles Sonnenlicht funkelte durch die vielen Risse und Löcher in dem zusammenfallenden Metall. Zugang wurde leicht durch eine der Spalten auf Bodenniveau erlangt, und sobald man sich im Inneren befand, war der Eindruck von Größe beinahe überwältigend. Die Decke war in der Düsternis fast unsichtbar, und das gesamte Innere hatte die Atmosphäre einer Kathedrale, wobei die düstere Stimmung durch helle Lichtstrahlen erhöht wurde, die sich schräg in den Boden bohrten. Die meisten der vielen Decks hatten vor langer Zeit vor der Schwerkraft kapituliert, und Schutt und Wrackteile lagen in berghohen Haufen bis zu einem Drittel der Höhe der Maschine, wobei die Zerklüftung der Bruchstücke durch Sandverwehungen gemildert wurde. Es war beinahe unmöglich, die Antriebsmittel der Maschine aus dem Wirrwarr aus Metall zu ihren Füßen zu bestimmen, und sie kehrten zu den Fahrzeugen zurück, um sich anderswo umzusehen.

In diesem Moment trampelten mehrere große, plumpe Gestalten aus den Schatten am anderen Ende des Rumpfes und verschwanden in ein anderes in der Nähe liegendes Wrack. Sie waren von derselben Spezies wie jene, denen man zuvor begegnet war, und mit bereitgehaltenen Waffen strebte die Gruppe der Stelle zu, wo sie hineingegangen waren. Knapp außerhalb der höhlenartigen Ruine haltend, spielten die Außenlautsprecher der Raupenfahrzeuge ein standardmäßiges nichtverbales Kommunikationsband ab, das spezifisch für einen Erstkontakt mit einer fremden Intelligenz entwickelt war, aber es gab keine Reaktion. Nach einer Diskussion mit dem Hauptschiff wurden holographische Projektoren durch das Aufklärungsschiff herbeigebracht und dazu verwendet, das Bild nackter, unbewaffneter Menschen mit ausgestreckten Händen vor die Bresche zu projizieren, wo sie hineingegangen waren.

Die Kreaturen brachen plötzlich aus der Dunkelheit hervor, strebten auf die Holographie zu und schwangen ihre Behelfswaffen wild gegen die Bilder. Verwirrt und frustriert hielten sie inne und starrten um sich, dann rannten sie wild auf das Raupenfahrzeug zu. Da keine Alternative blieb, wurden die Strahler auf Minimalenergie eingestellt und auf die Angreifer gerichtet. Als sie abgefeuert wurden, purzelten die Kreaturen der Länge nach in den Sand. Wenige Augenblicke später kam die Besatzung hervor und ging zu den regungslosen Gestalten hinüber, die Handwaffen zur Deckung erhoben. Von den fünfen waren drei unter dem Einschlag der Strahlen gestorben, die eigentlich für härteren Gebrauch bestimmt waren, aber zwei waren immer noch am Leben. Das medizinische Team wurde eilig hinzugeholt, und während es sich daranmachte, die biologische Natur der Kreaturen festzustellen, wurde hastig ein vorübergehender Forschungsunterstand um sie herum errichtet. So schnell, wie die Ausrüstung herbeigeschafft werden konnte, wurde sie an die Körper angeschlossen, und während ein Computer damit beschäftigt war, ihre physische Beschaffenheit zu ermitteln, wurde der Boden an Ort und Stelle geschoben, der Sand und Staub abgesaugt und die gesamte luftdichte Einheit versiegelt. Wachen standen für den Fall bereit, daß die Kreaturen sich erholten, bevor der Computer die nötigen Drogenformeln ausarbeiten konnte, um sie sediert zu halten, aber sie wurden nicht benötigt. Zu der Zeit, als die Antworten kamen, war bereits klar, daß beide Wesen umfangreiche innere Verletzungen erlitten hatten und daß es unwahrscheinlich war, daß sie lange überleben würden.

Sobald dies bekannt war, wurden telepathische Aufzeichnungen mit den Gehirnen der Kreaturen verbunden. Durch Einspielung tausender visueller Bilder in ihre Gehirne und Aufzeichnung der resultierenden Nervenreaktionsmuster konnte eine elektroskopische „Sprache“ geschaffen werden. Nachdem dies zur Gänze eine computerisierte Funktion war, konnte innerhalb von zwei oder drei Stunden ein einfaches Neuralvokabular erstellt werden. Es war dann eine Sache der Eingabe geeigneter Gruppen von Stimuli, um bestimmte Fragen zu formulieren und die Antwort dann in Begriffen des erstellten visuellen Vokabulars zu entschlüsseln. Obwohl es extrem schwierig ist, komplexe oder spezialisierte Informationen mit diesen Mitteln zu formulieren oder zu interpretieren, ist die Methode völlig geeignet für die Gewinnung eines allgemeinen Einblicks in den Hintergrund und wird weithin für den Abbau linguistischer Barrieren zwischen fremden Rassen verwendet.

Sobald die „Sprache“ erstellt worden war, begann der langwierige Prozeß der Befragung, und Stück für Stück kam ein bemerkenswertes Bild zum Vorschein. Eingedenk dessen, daß diese Kreaturen wahrscheinlich nur örtliches Wissen besitzen würden, schienen sie von Tatsachen zu wissen, bei denen es unwahrscheinlich ist, daß sie sie aus persönlicher Erfahrung kennen. Dies deutete darauf hin, daß sie entweder sehr starke rassische Erinnerungen gehabt haben oder die Empfänger von Wissen gewesen sein mußten, das von früheren Generationen weitergegeben worden war. Auf jeden Fall war das erstellte Bild eines, das eine beträchtliche Zeit zurückreichte.

6 Bob Layzell Alshain IV spaceport

Eine der größten und eindrucksvollsten Ruinen war dieser verfallene Raumhafen. Mehrere Schiffe lagen inmitten der wirren Trümmer, aber seltsamerweise war keines der untersuchten Wracks dafür konstruiert worden, außerhalb des Planeten und seiner Atmosphäre zu operieren. (Illustration von Bob Layzell.)

Es scheint, daß diese Kreaturen die direkten Nachfahren einer intelligenten und fortgeschrittenen Spezies waren, welche die höchste evolutionäre Form dargestellt hatte, die auf dieser Welt existierte. Sie waren Fleischfresser, und die rauhe Umwelt hatte zur Entwicklung einer aggressiven und konkurrenzorientierten Rasse geführt. Die geringe Zahl anderer Lebensformen und die beschränkten Nahrungsketten, verbunden mit einer hohen Fortpflanzungsrate, hatten zur Folge gehabt, daß die Spezies hauptsächlich kannibalisch wurde. Obwohl das Niveau der technologischen Fähigkeiten fortgeschritten genug war, um es der Rasse zu ermöglichen, die geophysischen Ressourcen des Planeten auszubeuten, konnte sie keine Lösung für den Ausgleich der äußerst begrenzten biologischen Ressourcen schaffen. Die Wissenschaft wurde daher für das Ziel eingespannt, die Vorherrschaft einer Stammesgruppe über die andere zu erlangen. Die einzelnen Gesellschaften hatten sich unvermeidlicherweise polarisiert, bis buchstäblich alle Stammesgruppen sich mit dem einen oder anderen Lager verbündet hatten.

7 Bob Layzell Alshain IV submarine

Sogar die seichten Meere dieser trostlosen Welt enthielten Relikte des kataklysmischen Krieges, der die Zivilisation der ursprünglichen Bewohner von Alshain IV ausgelöscht hatte. Dieses stark bewaffnete Unterseeboot wurde während der Forschungen des Föderationsteams auf einem sandigen Kontinentalschelf gefunden. (Illustration: Bob Layzell)

Der Planet war schließlich zum Schlachtfeld für einen immer hochentwickelteren und anscheinend unbeendbaren Krieg geworden. Die verstreuten Wracks und Ruinen, die auf dem gesamten Planeten zu finden sind, stammen aus vielen Perioden dieses Krieges, dessen Ende erst kam, als es den Protagonisten gelungen war, einander buchstäblich auszulöschen.

Nuklearwaffen waren schließlich entwickelt worden, und diese beendeten letztendlich die Eskalation. Sogar jetzt noch waren sie für die unbewohnbaren und immer noch stark radioaktiven Gürtel in den Äquatorgebieten verantwortlich. Die wenigen Überlebenden waren verstreut worden und hatten sich mit der Zeit zurückentwickelt. Ihre bereits begrenzten Ressourcen waren nun noch erschöpfter, und der Kampf ums Überleben war noch intensiver geworden. Als Folge davon gelang es nicht einmal Familieneinheiten, sich zufriedenstellend zu entwickeln, und eine so große Gruppe von Kreaturen wie die, der man begegnet war, stellte sich als Seltenheit heraus.

Nicht alle diese Informationen wurden aus den Überlebenden herausgeholt, die recht bald nach dem Beginn der Befragung starben. Aber es war genug für nachfolgende Forschungen und Studien gelernt worden, um den Rest auszufüllen. Obwohl eine Anzahl terranischer Wirtschaftskonzerne nun dazu lizenziert sind, auf dieser unglücklichen Welt zu operieren, arbeiten viele soziologische Teams mit Gruppen der eingeborenen Bewohner, um ihnen zu helfen, mit von der Föderation gelieferter technologischer Unterstützung eine neue Gesellschaft zu entwickeln. Man hofft, daß sie in der Zukunft in der Lage sein werden, aktiv an den Angelegenheiten der Föderation teilzuhaben. In der Zwischenzeit stehen die grimmigen Trümmer eines früheren Zeitalters als Warnung vor dem geschlossenen Kreis, der nur allzu leicht eine Zivilisation einschließen kann.

*     *     *

Nächster Teil:  Spacewreck: Kinder der Götter

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Spacewreck: Die Kriegswelt Alshain

  1. Cernunnos schreibt:

    Im Schlußabsatz dieser Geschichte ist leider ein kosmisches Sozialarbeiter-Ethos in der Art von „Star Trek“ eingerissen: Da haben sie eine intelligente und hochaggressive Spezies, die sich zu geborenen Kannibalen entwickelt hat und schließlich ihre Zivilisation in einem unbeendbaren globalen Krieg vernichtete – und was tut die Terranische Föderation? (Schon wieder eine „Föderation“!)
    Sie schickt Entwicklungshelfer, um diesen außerirdischen Wüstenkriegern bei der Entwicklung einer neuen Gesellschaft zu helfen, in der Hoffnung, sie irgendwann „aktiv an den Angelegenheiten der Föderation teilhaben“ lassen zu können!

    Das ist genauso eine „New Space Order“-Philosophie wie beim klassischen Fernsehvorbild und dessen Ablegern und Epigonen.

    A propos Star Trek: Siehe auch Star Trek und die multirassische Zukunft von Jonathan Pyle.

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