SWM-Serie „Sturmgewehre“ (11): Galil-Sturmgewehr

Galil 1 MMK mit Galil

Der Autor beim Probeschießen mit einem israelischen Galil ARM-Sturmgewehr.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 4-1985.

Die israelische Armee war seit Ende der fünfziger Jahre mit dem Sturmgewehr FAL von FN ausgerüstet, welches weitgehend in Israel selber gefertigt wurde. Im Sechs-Tage-Krieg vom Juni 1967 mussten die Israelis die Erfahrung machen, dass das FAL gegenüber dem in dieser Gegend recht häufig anzutreffenden Sand eine erhebliche Störungsanfälligkeit zeigte, während  ihre Gegner mit den Kalaschnikovs keine solchen Probleme hatten. Jeder Israeli, der eines AK-47 habhaft werden konnte, bediente sich in der Folge bevorzugt dieser Waffe.

Als Konsequenz wurde nach einem neuen Sturmgewehr gesucht. Verschiedene Typen im Kaliber .223 Remington wurden erprobt, wobei das Kalashnikov als Vorgabe diente. Als sich zeigte, dass keines dieser Modelle an die Zuverlässigkeit der Referenzwaffe herankam, baute Israel Galil einen AK-47 auf das gewünschte Kaliber .223 um: der Prototyp des Galil-Sturmgewehres war geboren.

Galil 2 - Valmet M 62

Das finnische Valmet-Sturmgewehr M-62, ein leicht abgeändertes Kalashnikov-Modell, Vorbild des Galil-Sturmgewehrs.

Für eine erste Probeserie beschafften sich die IMI (Israel Military Industries) via Interarms Teile des finnischen Sturmgewehres Valmet M-62, welches nichts anderes als eine minim veränderte Kopie des Kalaschnikovs ist. Diese wurden in verschiedenen Punkten (Kaliberwechsel!) abgeändert und mit Läufen des AR 15, der als Übergangswaffe ebenfalls verwendet wurde, zusammengebaut.

Als diese ersten Galils die hierauf durchgeführten anspruchsvollen Tests mit Bravour bestanden, wurde die Fabrikation des neuen Sturmgewehres in den Werken von IMI aufgenommen. Im Mai 1973 konnten die ersten Waffen an die Truppe abgegeben werden.

Im Grundkonzept und auch im Aussehen folgt somit das Galil seinen Vorbildern. Es ist ein Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss. Auf dem aus einem massiven Stahlstück gefrästen Verschlusskasten sitzt der Gehäusedeckel. Im Gegensatz zum AK-47 lässt sich der massive und gut geformte Klappschaft seitlich einschwenken.

Galil 3 ausgeklappt

Galil ARM-Sturmgewehr mit ausgeklappter Schulterstütze.

Galil 4 eingeklappt

Galil ARM-Sturmgewehr mit angeklappter Schulterstütze.

Der Lauf, im hinteren Teil durch einen kräftigen Handschutz aus Holz geschützt, trägt einen kombinierten Mündungsfeuerdämpfer/Granatbecher. Die Normalwaffe verfügt über ein robustes Zweibein mit integrierter Drahtschere; das Galil kann somit auch als leichtes Maschinengewehr eingesetzt werden.

Dank der beidseitigen Sicherung, einerseits mit dem großen Hebel analog dem Kalashnikov auf der rechten und einem kleinen Hebel oberhalb des Pistolengriffes auf der linken Seite und dem stark nach oben ragenden Verschlusshebel ist das Galil auch für Linkshänder geeignet.

Galil 5 Verschluß

Verschluss mit senkrecht stehendem Ladehebel.

Das Visier liegt wie beim Valmet auf dem Gehäusedeckel; sowohl Visier als auch Korn verfügen über eine aufklappbare Nachtvisierung.

Galil 6 Kornträger

Das Korn (mit aufklappbarer Nachtvisierung) sitzt relativ hoch über dem Lauf.

Zur kleinen Zerlegung wird zuerst der Gehäusedeckel durch Hineindrücken der hervorstehenden Schließfederführungsstange abgehoben. Hierauf lassen sich die Schließfeder mit ihrer Stange und der Verschlusskomplex aus der Waffe ziehen. Als letztes kann der Verschlusskopf aus seinem Träger gedreht und der Gaszylinder abgezogen werden.

Galil 7 zerlegt

Der Galil-Gasdrucklader, Kaliber .223, zerlegt.

Das Galil ist mit vollem Magazin rund 5 kg schwer und somit in seiner Klasse keine leichte Waffe. Dafür verhält es sich beim Schießen sehr angenehm. Im Einzelfeuer liegt es ruhig und wandert auch bei rasch hintereinander abgegebenen Schüssen nicht aus. Sogar im Seriefeuer lässt es sich auch dank seines Zweibeines noch gut kontrollieren. Die von uns erzielten Trefferbilder auf 100 m lagen um 10 cm, sind somit besser als die Leistungen des AK-47.

Das Galil wird in drei Varianten hergestellt:

● ARM: Sturmgewehr und leichtes Maschinengewehr mit Zweibein und Haltegriff,

● AR: Sturmgewehr ohne Zweibein/Haltegriff,

● SAR: Kurzausführung mit kürzerem Lauf und geändertem Handschutz.

Neuerdings wird es bei nur 100 g Mehrgewicht auch für die Patrone 7,62 x 51 NATO angeboten, wobei in diesem Kaliber eine Scharfschützenversion mit Speziallauf erhältlich ist.

An Zubehör finden sich feste Schäfte aus Holz oder Kunststoff, ein Bajonett mit Scheide, ein Blindschießgerät und ein Zielfernrohrträger mit verschiedener Optik.

Das Galil ist eine geschickte Kombination der Zuverlässigkeit der Kalashnikov-Technik mit der Wirksamkeit und Präzision der Patrone .223 Remington. Außer der israelischen Armee ist es auch in verschiedenen Staaten Mittelamerikas und in Südafrika eingeführt. Lizenzen wurden offensichtlich nach Südafrika und an die FFV in Schweden vergeben.

Galil ARM:

Kaliber:  .223 Remington (5,56 x 45 NATO)
System:  Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss
V0:      980 m/s
E0:      180 mkg / 1750 Joule
Kadenz:   650 Schuss / min.
Lauflänge:   460 mm
Züge:     6, Rechtsdrall
Gesamtlänge:  980 mm (740 mm eingeklappt)
Gewicht:  4,3 kg (5 kg geladen)
Magazin:  35 und 50 Schuss

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Max Meinrad Krieg abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s