TV und Legalwaffen: Zweierlei Maß

William Seward Burroughs mit Flinte

William Seward Burroughs mit Flinte vor zwei seiner „Shotgun art“-Bilder.

Aus der aktuellen Ausgabe 3/2014 (S. 120) der Waffenzeitschrift „VISIER“, von Autor „MSR“, wahrscheinlich Matthias S. Recktenwald. (Bilder von mir [Cernunnos] eingefügt.)

Legalwaffen = hundepfui, aber Kanonen und Künstler = okay?

Längst gehen viele Legalwaffenbesitzer davon aus, dass vor allem ein Bereich der Berichterstattung in Deutschland so gut wie gleichgeschaltet sei – derjenige zum Thema Waffen. Da walte nahezu stets die Ansicht, alle Waffen in Privathand seien de facto Mordwerkzeuge. So auch Ende Januar, als eine SWR-Sendung über die Beschlagnahme einer großen Menge illegaler Waffen mit unheilsschwangerer Musik untermalt wurde und man das Menetekel von der durch die Verfügbarkeit von Legalwaffen erhöhten Gefahr an die Wand warf. Etwaige Gegen-Argumente von Legalwaffenbesitzern? Die wurden erst gar nicht gehört.

Also Waffen immer ganz böse? Kommt auf den Besitzer an. Am Tag vor dem SWR-Beitrag gab es bei arte eine TV-Doku über den US-Schriftsteller William Seward Burroughs (1914 – 1997), unter anderem berühmt für das kultisch verehrte Buch „Naked Lunch“ von 1959. In Missouri geboren, verbrachte er ein Leben, für das aus Sicht braver Normalbürger der Begriff Skandal wohl extra erfunden worden war: Viele seinerzeit noch strafbewehrte homosexuelle Eskapaden und jahrzehntelange Experimente mit Drogen jedweder Art bildeten das eine, sein künstlerischer Output das nächste – und das dritte etwas ganz anderes: Burroughs erschoß im Jahr 1951 in Mexiko-Stadt seine damalige Frau Joan Vollmer Adams, als sie im Rausch die Apfelschuss-Szene aus „Wilhelm Tell“ nachstellten.

William Seward Burroughs mit Revolver

William S. Burroughs mit Revolver

Was geschah dann? Burroughs verbrachte gut zwei Wochen in einem mexikanischen Gefängnis und musste das Land verlassen. Die Umstände des tragischen Vorfalls ließen sich bis heute nicht restlos aufklären. Jedoch erlebte W. S. Burroughs danach seinen Aufstieg zu einem der gefeiertsten Schriftsteller der „Beat Generation“; zeitweilig hieß es, er sei der wichtigste US-Autor aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und Waffen? Die besaß Burroughs auch danach – und nicht gerade wenige. Bis ins hohe Alter blieb er ein leidenschaftlicher, geübter Schütze, der sagte, er wolle nicht in einem Land leben, in dem nur Polizei und Militär Waffen haben dürfen. Auch entwickelte er etwas, das er als „shotgun art“ bezeichnete: Er zerschoß mit der Flinte vor Sperrholzplatten aufgehängte Farbdosen – die so entstandenen Ergebnisse werden zum Teil teuer gehandelt: Vor einigen Jahren landete eins dieser Burroughs’schen Flinten-Kunstwerke aus dem Besitz des Psychologen und „Hippie-Gurus“ Dr. Timothy Leary bei Ebay für ein Startgebot von sage und schreibe 85.000 Dollar.

William Seward Burroughs Shotgun Art

„Shotgun art“ von William S. Burroughs

Nun, die Quintessenz aus alldem: In Portraits über Burroughs wird seine Begeisterung für Waffen stets als Facette seiner schillernden Persönlichkeit dargestellt und der zum Tod seiner Frau führende Vorfall als tragisches Geschehnis, vorgefallen im Drogenrausch. Also das, was es wohl auch war.

Aber müßten nicht alle Hoplophoben mit links-alternativem Touch und der auch in diesen Kreisen oft anzutreffenden Vorliebe für die Literatur von Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. Burroughs letzteren wegen seines entschiedenen Eintretens für das Recht auf Waffenbesitz verdammen? Ihn und auch einen anderen für seinen ausschweifenden Lebenswandel bekannten, brillanten US-Schriftsteller, Journalisten und Waffenliebhaber – den 2005 verstorbenen Hunter S. Thompson? Hm. Wird wohl eher nicht passieren. Und das kommt mir dann heuchlerisch vor.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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