SWM-Serie „Sturmgewehre“ (12): FNC-Sturmgewehr

FNC 1 MMK

Der Autor beim Probeschießen mit dem belgischen Sturmgewehr FNC.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 5-1985.

Die Fabrique Nationale (FN) in Lüttich, Belgien, hatte mit ihrem Sturmgewehr FAL im Kaliber 7,62 x 51 NATO einen weltweiten Erfolg erzielt. Als nun nach dem Vietnamkrieg die Amerikaner das Kaliber .223 (5,56 x 45) als neues NATO-Kaliber propagierten, glaubte die FN zwar nicht an einen raschen Wechsel, befaßte sich aber ab 1967 trotzdem mit der Entwicklung einer Waffe für diese Patrone.

FNC 2 CAL

CAL (carabine automatique legère), das Vorgängermodell des FNC-Sturmgewehrs.

Aufbauend auf den Fertigungsprinzipien des FAL entstand als erstes das Sturmgewehr CAL (carabine automatique legère), welches jedoch abweichend von seinem Vorgänger über einen Drehwarzenverschluss verfügte. Wohl konnte FN eine Anzahl dieser Waffen verkaufen, stellte jedoch 1978 deren Fertigung ein, unter anderem weil der CAL etwas schmutzempfindlich und vor allem in der Herstellung zu teuer war.

Parallel zur Sturmgewehrentwicklung befasste sich FN auch mit der Verbesserung der Patrone .223, dies sowohl in Bezug auf eine Erhöhung ihrer ballistischen Leistung, als auch im Bestreben, die umstrittenen Verletzungsfolgen zu mindern. Die neue Patrone SS 109 mit einem Geschoßgewicht von 4 g fliegt stabiler, zerlegt sich nicht so rasch, durchschlägt Hartziele besser und kann über weitere Distanzen eingesetzt werden; Voraussetzung ist jedoch eine andere Drallänge des Laufes.

Als 1975 in der NATO ausgedehnte Versuche begannen, die zu einem neuen Einheitskaliber führen sollte, beteiligte sich FN mit seiner neuen Munition gegen die starke amerikanische Konkurrenz. Gleichzeitig präsentierte FN den Prototyp ihrer Sturmgewehr-Neuerung FNC, die aber nicht ausgereift war.

Der am 28. Oktober 1980 gefällte Kaliberentscheid war ein „sowohl als auch“: Neben dem bisherigen Kaliber 7,62 x 51 wurde das neue 5,56 mm zum zweiten Standardkaliber der NATO erklärt, wobei die SS 109 von FN als Grundlage zu dienen habe. Somit hatte FN zumindest auf dem Munitionssektor einen Durchbruch erzielt – inzwischen beginnen selbst die Amerikaner mit der Umrüstung auf die FN-Patrone!

1975 hatte FN sein neues Sturmgewehr zurückziehen müssen. Da jedoch nur ein Munitions- und kein Waffenentscheid gefallen war, spielte dies keine so große Rolle. Da zudem das Prinzip des FNC gesund war, entwickelte und verbesserte FN die Waffe weiter, so dass Mitte 1979 mit deren Serienproduktion begonnen werden konnte.

FNC 3 ausgeklappt

FNC-Sturmgewehr im Kaliber 5,56 x 45 (.223 Remington) mit dem serienmäßigen Klappschaft.

Das FNC ist ein klassischer Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss, wobei das verchromte Gasgestänge fest mit dem Verschlussträger verbunden ist. Als Besonderheit ist der direkt mit dem Verschlussträger verbundene Schlagbolzen zu nennen. Dadurch wird die gelegentliche Neigung frei beweglicher Schlagstifte, abzubrechen oder sich festzuklemmen, vermieden.

FNC 4 eingeklappt

FNC-Sturmgewehr mit eingeklappter Schulterstütze.

Das FNC ist nach modernen Gesichtspunkten gefertigt. Das Abzugsgehäuse besteht aus massivem Leichtmetall, die übrigen Metallteile meist aus gepreßtem Stahlblech. Nur die am stärksten beanspruchten Teile wie Lauf, Verschlusskomplex und Kleinteile sind aus gefrästem Stahl. Kunststoff findet am Pistolengriff, am Schaft und am Handschutz Verwendung.

Das FNC ist eine leichte, aber kräftige Waffe. Der Klappschaft wurde gut ausgeformt, so dass sich in jeder Stellung angenehm schießen lässt. Der Feuerwahlhebel, der auch eine 3-Schuss-Stellung einschließt, liegt auf der daumengünstigen linken Seite. Der rechts liegende Spannhebel kann dank seiner hohen Plazierung auch mit der linken Hand erreicht werden. Unmittelbar vor dem Verschlussgehäuse befindet sich auf dem Lauf ein kräftiger Hebel, mit dessen Hilfe bei verschmutzter Waffe der Gasdruck verstärkt werden kann. Interessant ist, dass Magazine des Typs AR 15 Verwendung finden, dieser Typ scheint sich als Standard durchzusetzen.

FNC 5 zerlegt

FNC-Sturmgewehr, zerlegt.

Die Zerlegung erfolgt ohne Werkzeuge. Nach Herausdrücken eines Bolzens in der Abzugsgruppe kann diese nach unten geschwenkt werden. Hierauf kann die Verschlussgruppe mit dem Spannhebel nach hinten geschoben und letzterer nach rechts herausgezogen werden, worauf sich der Verschluss entnehmen lässt. Der Verschlusskopf wird durch eine Drehung von seinem Träger abgenommen.

Das Schießen mit dem FNC ist problemlos. Die Waffe liegt im Einzelfeuer sehr ruhig und die Präzision liegt um 10 cm auf 100 Meter. 3-Schuss-Feuerstöße wandern praktisch nicht aus, und Dauerfeuer lässt sich durch kräftiges Zupacken ebenfalls recht kontrolliert schießen. Das FNC ist eine führige Waffe und zudem sehr zuverlässig, wie die ausgedehnten Versuche der schwedischen Armee zeigten.

Angeboten wird das FNC in erster Linie mit einem Lauf mit 7“-Drall (178 mm Drallänge), kann jedoch auf Wunsch auch mit 12“-Drall für die alte Patrone geliefert werden.

Eingeführt ist das FNC in Belgien, Schweden und Ländern des Fernen Ostens. Hergestellt wird es zurzeit im Mutterhaus in Belgien und in Lizenz in Schweden.

Daten des FNC:

Kaliber:   5,56 x 45 mm (.223 Remington)
System:  Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss
V0:   930 m/s (SS 109!)
E0:   176 mkg / 1705 Joule
Kadenz:  700 Schuss pro Minute
Lauflänge:  450 mm
Züge:   6, Rechtsdrall
Gesamtlänge:  990 mm (760 mm eingeklappt)
Gewicht:  3,8 kg  (4,36 kg geladen)
Magazin:  30 Patronen

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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