Was man alles aus .38 Special-Revolvern verschießen kann…

Getestete Ersatzpatronen für 38 Special

Die getesteten Patronen von links nach rechts: .38 Special (HP), .38 Special (Blei-Rundkopf), .38 Special (Wadcutter), .38 Long Colt, .38 Short Colt, .380 C.F., .38 Smith & Wesson, .38 Automatic, .38 Super Auto. (Die Patrone .38 Super Auto wurde wegen des hohen Gasdrucks aus einem .357-Magnum-Revolver statt aus dem .38 Special verschossen.)

Von Thomas Hartl, aus Heft 6/1985 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Hatten wir in SWM 3/85 untersucht, welche „Ersatzpatronen“ aus gängigen 9 mm Para-Pistolen verschossen werden können, so wollen wir uns diesmal mit der Verwendung von Ersatzmunition anderer Nennkaliber in .38 Special-Revolvern befassen.

Revolver im Kaliber .38 Special gehören bei uns zu den beliebtesten und deshalb am meisten verbreiteten Privatwaffen. Für unsere Untersuchungen wählten wir einen Smith & Wesson-Revolver Modell 10-6 mit einer Lauflänge von 4“ (ca. 100 mm). Diese Lauflänge wird von den Käufern am öftesten gewählt.

Smith & Wesson Modell 10-6

Der für unsere Schießversuche hauptsächlich verwendete Smith & Wesson-Revolver Modell 10-6.

Selbstverständlich hätten wir vom ebenfalls beliebten Kaliber .357 Magnum oder gar vom Kaliber .357 Maximum ausgehen können; diese Waffen sind jedoch weniger verbreitet als solche im Kaliber .38 Special.* Und Waffen im Kaliber .357 Maximum sind bis heute nur wenige verkauft worden.

Alle nachstehend untersuchten Patronen können selbstverständlich auch in Waffen der beiden letztgenannten Kaliber geladen werden. Eine freizügige Verwendung ohne Einschränkungen und Funktionsstörungen ist jedoch nur in den Revolvern und Einzelschusswaffen (Pistolen und Gewehren) gewährleistet.

Als Vorteil des Revolvers gegenüber der Selbstladepistole kann die gute „Verdauung“ der Ersatzmunition verbucht werden. Funktionsstörungen wie bei den Selbstladern sind kaum zu erwarten, es sei denn, man lade eine etwas zu lange Patrone in die Kammern. Die einzige Störung resultiert darin, dass die Trommel nicht eingeschwenkt werden kann. Ein großer Vorteil des Revolvers gegenüber der Pistole wird hier ersichtlich.

Die Größe des Gasdruckes nimmt beim Revolver keinen Einfluß auf die Funktion, vorausgesetzt, er hält sich in vernünftigen Grenzen. Auch die Geschossform kann frei und ohne Einschränkungen gewählt werden. Ein flacher Geschosskopf kann bei den Selbstladern für Zuführstörungen sorgen, dem Revolver ist die Geschosskopfform egal.

Kurz zusammengefasst: Was in die Kammern hineingeht, kann zum Schießen verwendet werden, sofern Hülsen- und Geschossdurchmesser nicht allzuviel vom Solldurchmesser abfallen oder der Gasdruck nicht 1600 bar beträchtlich übersteigt. Sonst sind unpräzise Schüsse, Hülsenreißer oder gar Waffensprengungen zu erwarten.

Von den Abmessungen her können folgende Patronen in alle Revolver und Einzellader im Kaliber .38 Special geladen werden – sofern vom Hersteller die Patronenlager- und/oder Hülsen- bzw. Geschoßmaß-Toleranzen nicht unter- oder überschritten werden:

.360 No. 5-Revolver,
.380 C.F.,
.380 Extra Short,
.38 Colt Special,
.38 Long Colt,
.38 Short Colt,
.38 S & W Long,
.38 AMU (Pistolen-Scheibenpatrone),
9 mm Gasser-Kropatschek,
9 mm dänische Armee.

Folgende Patronen sind wegen der etwas größeren Abmessungen nur in manchen Waffen verwendbar (die Aufzählung ist nicht vollständig – sie enthält nur Patronen, die wir ausprobieren konnten):

.38 S & W,
.38 Colt New Police,
.38 Auto (Pistolenpatrone),
.38 Merwin & Hulbert,
.38-44 S & W,
.380 Mk I und Mk II,
9 mm Mauser (Revolverpatrone).

.38 Super Auto-Patronen (max. Gasdruck 2500 bar) können in manche .38 Special-Waffen geladen werden, sollten des hohen Gasdrucks wegen jedoch höchstens aus .357 Magnum- oder .357 Maximum-Waffen verschossen werden. Wir konnten sie – je nach Fabrikat – zwar in einen Colt Diamondback laden, nicht jedoch in unseren S & W 10-6. Zwecks Messung verschossen haben wir sie jedoch aus einem Smith & Wesson Modell 13 im Kaliber .357 Magnum (mit 4“-Lauf).

Patronen der Kaliber 9 mm Steyr und 9 mm kurz können zwar auch in .38 Special-Revolver geladen werden, rutschen jedoch zu weit in die Trommelbohrungen hinein und entziehen sich der Zündung.

9 mm Para-, 9 mm Police- und 9 mm Browning long-Patronen (letztere sind wieder auf dem Markt) können wegen ihres Hülsendurchmessers nicht in .38 Special-Revolver geladen werden.

Gemessen haben wir nur die zur Zeit in der Schweiz erhältlichen Munitionssorten, das heißt, neben den .38 Special-Patronen (als Vergleichsmaterial) Patronen der Kaliber:

.38 long Colt,
.38 Short Colt,
.380 C.F.,
.38 S & W,
.38 Auto und
.38 Super Auto.

V2– und E2-Messdaten & PIR-Werte

Die Daten sind Mittel aus je 6 Schüssen mit einem Smith & Wesson-Revolver Modell 10-6 im Kaliber .38 Special, Lauflänge 4“. (Die PIR-Werte idealer Waffen/Munition-Kombinationen bewegen sich zwischen 100 und 150.)

.38 Special-Munition

Remington, 95 grs. Hohlspitz (HP):
V2:  383 m/s
E2:  46 mkg / 452 Joule
PIR:  124

Remington, 158 grs Blei-Rundkopf:
V2:  233 m/s
E2:  28 mkg / 278 Joule
PIR:  57

GECO, 146 grs Wadcutter (WC):
V2:  198 m/s
E2:  19 mkg / 186 Joule
PIR:  43

.38 Long Colt-Munition

Remington, 150 grs Blei-Rundkopf:
V2:  190 m/s
E2:  18 mkg / 176 Joule
PIR:  36

.38 Short Colt-Munition:

Winchester, 130 grs Blei-Rundkopf:
V2:  205 m/s
E2:  18 mkg / 177 Joule
PIR:  36

.380 C.F.-Munition:

Fiocchi, 125 grs. Blei-Rundkopf:
V2:  224 m/s
E2:  21 mkg / 204 Joule
PIR:  42

.38 S & W-Munition:

Remington, 146 grs Blei-Rundkopf:
V2:  206 m/s
E2:  20 mkg / 201 Joule
PIR:  41

.38 Auto-Munition (Pistolenpatrone):

Winchester, 130 grs Vollmantel-Rundkopf:
V2:  287 m/s
E2:  35 mkg / 347 Joule
PIR:  71

.38 Super Auto-Munition (Pistolenpatrone):

Winchester, 130 grs Vollmantel-Rundkopf,
aus .357 Magnum-Revolver verschossen (Gasdruck!):
V2:  344 m/s
E2:  51 mkg / 499 Joule
PIR:  103

*     *     *

Siehe auch Hülsenfrüchte 1: Schrotpatronen für Faustfeuerwaffen von Deep Roots.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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3 Antworten zu Was man alles aus .38 Special-Revolvern verschießen kann…

  1. Cernunnos schreibt:

    * Das stimmt heutzutage nicht mehr: auf Schießständen trifft man nur mehr selten reine .38-Special-Revolver an; die meisten Schützen, die einen Revolver in diesem Kaliberbereich haben, besitzen einen .357er und schießen damit allenfalls auch Patronen in .38 Special.

    Eine interessante Waffe ist der Medusa-Revolver Model 47 von Phillips & Rodgers, ein .357er, der von seiner Rahmengröße ungefähr den K-Frame-Modellen von Smith & Wesson entspricht und 25 verschiedene Patronen im Kaliberbereich .38/9mm/.357 verschießen kann.

    Ermöglicht wurde das einerseits durch eine Trommel aus Vanadiumstahl, die doppelt so stark wie vergleichbare Revolvertrommeln ist und dadurch auch sehr starke Ladungen verträgt, und durch gefederte Klinken am Auszieherstern, wodurch auch untermaßige Pistolenpatronen sicher erfaßt werden und weder in der Kammer herumeiern noch zu tief in diese hineinrutschen können.

    Zu den Patronen, die aus dem Medusa 47 verschossen werden können, zählt auch die 7,63 mm Mauser bzw. 7,62 mm Tokarew (trotz ihrer flaschenförmigen Hülse), deren Geschosse im Freiflug aus dem Lauf sausen, wobei natürlich mangels Geschoßdrall nur auf kurze Entfernung getroffen werden kann und auch durch den enormen Gasschlupf viel von der Energie der Treibladung verlorengeht.

  2. Ich besitze den S & W Revolver 38 spez. 3 Zoll Lauf. Ich würde gern erfahren welche Patronen ich verschießen kann, ich meine damit die höchste Eo Joul. Die Belastbarkeit des
    Revolvers , Trommel und etc., ist maßgebend?: Oder?:
    Danke.

  3. Cernunnos schreibt:

    Maßgeblich dafür, welche Patronen man verschießen kann, ist nicht die Mündungsenergie (E0), sondern (neben den Hülsenabmessungen und dem Geschoßdurchmesser) der maximale Gebrauchsgasdruck, den eine Patrone entwickelt.

    Patronen in .38 Spec. kann man aus einem Revolver dieses Kalibers alle verschießen, ohne daß einem die Waffe um die Ohren fliegt; allerdings sollte man aus Revolvern mit Leichtmetallrahmen nicht allzu oft besonders stark geladene Patronensorten (+P oder gar +P+) verschießen, weil sonst nicht auszuschließen ist, daß der Rahmen sich auf Dauer etwas dehnt.

    Bezüglich der Verwendung anderer Kaliber als .38 Spec. sollte man beherzigen, was oben im Artikel steht:

    Kurz zusammengefasst: Was in die Kammern hineingeht, kann zum Schießen verwendet werden, sofern Hülsen- und Geschossdurchmesser nicht allzuviel vom Solldurchmesser abfallen oder der Gasdruck nicht 1600 bar beträchtlich übersteigt. Sonst sind unpräzise Schüsse, Hülsenreißer oder gar Waffensprengungen zu erwarten.

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