Das geborstene Schwert (4): Schwerttanz

Ryan Church-e

Dies ist Poul Andersons allererster Roman, der 1954 erstmals veröffentlicht wurde und hier in der von ihm 1971 überarbeiteten Fassung, in der 1987 erschienenen deutschen Übersetzung von Rosemarie Hundertmarck vorliegt. Siehe dazu „Der Zauber des Nordens“: Einleitungen zu „Das geborstene Schwert“! Das diesmal von mir gewählte Titelbild stammt von Ryan Church.

Zuvor erschienen:

Das geborstene Schwert (1): Skaflocs Geburt und Jugend

Das geborstene Schwert (2): Valgard

Das geborstene Schwert (3): Nach Trollheim

XII

Einige Tage später ging Skafloc allein auf die Jagd. Er reiste auf Zauber-Skiern, die ihn wie der Wind bergauf und bergab trugen, über zugefrorene Flüsse und im Schnee erstickte Wälder, und bei Sonnenuntergang war er schon weit im schottischen Hochland. Er machte sich mit einem Reh über der Schulter auf den Heimweg, als er von weitem den Schein eines Lagerfeuers erblickte. Wer oder was mochte sich in dieser unwirtlichen Gegend aufhalten? Mit dem Speer in der Hand huschte er über den Schnee.

Nähergekommen entdeckte er im Zwielicht eine gewaltige Gestalt, die auf dem Schnee hockte und sich über den Flammen Pferdefleisch briet. Trotz des kalten Windes trug der Mann nur einen Kilt aus Wolfsfell, und die Axt, die neben ihm lag, leuchtete in unirdischem Glanz.

Skafloc spürte eine große, fremde Macht, und als er sah, daß der andere nur eine Hand hatte, erschauderte er. Es war nicht gut, Tyr, den Asen, allein im Dunkeln zu treffen. Aber es war zu spät, zu fliehen. Der Gott hatte ihn bereits gesehen. Kühn schritt Skafloc in den Lichtkreis und begegnete Tyrs schwermütigen dunklen Augen.

„Sei gegrüßt, Skafloc“, sprach der Ase. Seine Stimme klang wie ein langsamer Sturm, der durch einen metallenen Himmel zieht. Er ließ sich nicht dabei stören, den Spieß über dem Feuer zu drehen.

„Sei gegrüßt, Herr.“ Skafloc beruhigte sich ein wenig. Die Elfen, die keine Seelen hatten, beteten die Götter nicht an, aber es bestand auch kein Unfrieden zwischen ihnen und den Asen, ja, einige Elfen taten sogar Dienst in Asgard.

Tyr nickte Skafloc kurz zu und deutete damit an, er solle seine Last ablegen und sich ans Feuer setzen. Lange Zeit herrschte Schweigen, bis Tyr bemerkte: „Ich habe Krieg gerochen. Die Trolle wollen gegen Alfheim ziehen.“

„Das wissen wir, Herr“, antwortete Skafloc. „Die Elfen sind vorbereitet.“

„Der Kampf wird härter werden, als ihr denkt. Diesmal haben die Trolle Verbündete.“ Tyr blickte ernst in die Flammen. „Es steht mehr auf dem Spiel, als Elfen oder Trolle wissen. Die Nornen spinnen in diesen Tagen viele Fäden zu Ende.“

Wieder war es still, bis Tyr von neuem anhub: „Aye, die Raben fliegen niedrig, und die Götter beugen sich über die Welt, die unter dem Hufschlag der Zeit erzittert. Skafloc, ich sage dir: Du wirst des Namensgeschenkes der Asen dringend bedürfen. Die Götter selbst sind in Unruhe. Deshalb bin ich, der Wäger des Krieges, auf der Erde.“

Ein Windstoß fuhr durch seine schwarzen Locken. Seine Augen brannten in die Skaflocs. „Ich will dir eine Warnung geben“, fuhr er fort, „obwohl ich fürchte, sie wird gegen den Willen der Nornen nichts helfen. Wer war dein Vater, Skafloc?“

„Ich weiß es nicht und habe es auch nie zu wissen begehrt, Herr. Aber ich kann Imric fragen…“

„Tu es nicht. Im Gegenteil, bitte Imric darum, das, was er weiß, niemandem zu sagen, und dir erst recht nicht. Denn der Tag, an dem du erfährst, wer dein Vater war, wird ein dunkler Tag sein, Skafloc, und er wird nicht nur über dich, sondern über die ganze Welt Unheil bringen.“

Er entließ Skafloc mit einer Kopfbewegung, und Skafloc machte sich eilends davon. Er ließ das Reh als Gegengeschenk für den Rat zurück. Aber als er schnell wie der Wind nach Hause fuhr, fragte er sich, ob es wirklich gut war, daß Tyr ihn gewarnt hatte – denn jetzt mußte er immerzu darüber nachdenken, wer er eigentlich war, und die Nacht schien ihm voller Dämonen zu sein.

Schneller und schneller sauste er dahin, er achtete nicht des Windes, der ihm ins Gesicht schnitt, und doch konnte er dem, was sich an seinen Rücken geklammert hatte, nicht entrinnen. Nur Frida, dachte er, nach Atem ringend, nur Frida konnte seine Furcht bannen.

Nicht vor Sonnenaufgang kamen die Wälle und Türme von Elfenhöhe in Sicht. Ein Elfenwächter blies ins Horn und gab damit den Torhütern das Zeichen. Durch die geöffneten Portale schoß Skafloc in den Hof. Er warf seine Skier ab und rannte hinein.

Imric, der am frühen Abend nach Hause gekommen war, hatte unter vier Augen mit Lia gesprochen. „Also hat Skafloc sich in ein sterbliches Mädchen verliebt. Nun – was soll’s?“ Er zuckte die Schultern. „Es ist seine Angelegenheit, und noch dazu keine wichtige. Bist du eifersüchtig?“

„Ja“, gestand seine Schwester offen. „Aber es ist mehr als das. Sieh dir selbst das Mädchen an. Vielleicht wirst du erkennen, daß sie auf irgendeine Art eine gegen uns gerichtete Waffe darstellt.“

„Hm… so.“ Der Elfengraf strich sich über das Kinn und zog ein finsteres Gesicht. „Was weißt du über sie?“

„Nun, sie heißt Frida Ormstochter und stammt aus einer ausgerotteten Familie im Süden des Danelaw…“

Frida – Ormstochter…“ Imric verschlug es die Sprache. „Das – das heißt…“

Skafloc stürmte herein. Sie erschraken über sein hohlwangiges Aussehen. Es dauerte einige Zeit, bis er sprechen konnte, doch dann überstürzten seine Worte sich. „Was hat Tyr gemeint?“ rief er zum Schluß. „Wer bin ich, Imric?“

„Ich weiß, was er gemeint hat“, antwortete der Elfengraf grimmig, „und daher wird deine Herkunft allein mein Geheimnis bleiben, Skafloc. Ich will nur soviel sagen: Du bist von guter Rasse, und es liegt keine Schande auf deinem Blut.“ Dann wechselte er zu seinem liebenswürdigen Verhalten über und sprach viele schöne Worte, so daß Skafloc und Lia schließlich beruhigt weggingen.

Aber sobald er allein war, schritt er in seinem Gemach hin und her und murmelte vor sich hin. „Irgendwer hat uns irgendwie auf einen Weg gelockt, der dunkel und gefährlich ist.“ Er biß die Zähne aufeinander. „Am besten wäre es, das Mädchen loszuwerden – aber nein, Skafloc beschützt sie mit seiner ganzen Macht, und wenn ich etwas gegen sie unternähme, würde er sofort Bescheid wissen und – das Geheimnis muß bewahrt werden. Skafloc würde die Enthüllung keine Kopfschmerzen machen; in dieser Beziehung denkt er wie ein Elf. Aber wenn er es weiß, wird es auch das Mädchen bald herausfinden, und es ist eins der strengsten menschlichen Gesetze, das sie gebrochen haben. Sie wäre so verzweifelt, daß ihr alles zuzutrauen wäre. Und wir brauchen Skafloc.“

Plan auf Plan entstand in seinem listenreichen Gehirn. Er dachte daran, Skafloc andere Frauen zuzuführen. Doch nein, sein Pflegesohn würde jeden Liebestrank als das erkennen, was er war, und über eine Liebe, die ohne Zwang zustandegekommen war, hatten selbst die Götter keine Macht. Wenn diese Liebe von selbst starb, war es gleichgültig, ob das Geheimnis an den Tag kam. Aber auf eine so geringe Chance wollte Imric nicht setzen. Er kam zu dem Schluß, daß die Wahrheit über Skaflocs Abstammung begraben werden mußte, und das schnell.

Der Elfengraf forschte in seinen Erinnerungen. Soviel er wußte – es ist nicht leicht, die Geschehnisse aus Tausenden von Jahren wohlgeordnet im Gedächtnis zu behalten – gab es außer ihm nur eine Person, die die ganze Geschichte kannte.

Er ließ Feuerspeer holen, einen zuverlässigen Krieger, mit seinen zweihundert Jahren immer noch ein Jüngling, aber schlau und in der Zauberei sehr begabt. „In einem Wald südwestlich von hier hat vor ungefähr zwanzig Jahren einmal eine Hexe gelebt“, sagte Imric zu ihm. „Sie kann gestorben oder weggezogen sein, aber ich möchte, daß du sie aufspürst – und wenn sie noch lebt, töte sie an Ort und Stelle.“

„Aye, Herr“, nickte Feuerspeer. „Darf ich ein paar Jäger und Hunde mitnehmen? Wir werden noch heute abend aufbrechen.“

Imric gab ihm seine Weisungen. „Nimm mit, wen und was du willst, und mach dich so schnell wie möglich auf den Weg. Frag nicht nach meinen Gründen, und sprich hinterher nicht über diese Sache.“

Frida begrüßte Skafloc in ihren Räumen mit Jubel. Auch wenn die Wunder von Elfenhöhe sie bezauberten, hatte sie vor Angst gezittert, als ihn die Ruhelosigkeit von ihr wegtrieb. Aber sie hatte sich nichts anmerken lassen. Alles hier in der Burg war ihr fremd: die hochgewachsenen, geschmeidigen Elfen und ihre schönen Frauen, ihre Sklaven, Zwerge und Kobolde und noch weit unheimlichere Wesen, die Drachen, mit denen sie auf die Jagd gingen, die Löwen und Panther, die sie als Haustiere hielten, die stolze, quecksilberne Anmut der Pferde und Hunde. Die Haut der Elfen war kühl, die Elfengesichter waren unbewegt wie die von Steinbildern, und trotzdem gleichzeitig von einer unmenschlichen Veränderlichkeit. Die Sprache, die Kleidung, die jahrhundertealten Sitten, alles trennte Frida von ihnen. Die zwielichtige Pracht der Burg, die ebenso ein kahler Felsen war, die Zauberei, die in der immer warmen Luft hing, die Wesen, die in Feld und Wald und Wasser spukten – es bedrückte sie.

Aber wenn Skafloc bei ihr war, schien ihr Alfheim der Vorhof zum Himmel zu sein. (Gott verzeihe mir diese Gedanken, sprach sie zu sich selbst. Ich sollte aus diesem Heidenland in die heilige Kühle und Dunkelheit eines Klosters fliehen!) Er war immer lebhaft und fröhlich und voller Ideen, und er brachte sie zum Lachen, ob sie wollte oder nicht; er sprudelte über vor Stabreimen, und die alle ihr Lob sangen; seine Arme und seine Lippen schenkten ihr die höchste Seligkeit. Sie hatte ihn im Kampf gesehen und wußte, daß es im Land der Menschen wie im Feenreich nur wenige Krieger gab, die vor ihm bestehen konnten, und darauf war sie stolz. Schließlich stammte auch sie von Kriegern ab. Aber mit ihr war er immer sanft. Und sie war keine unnatürliche Tochter und Schwester, denn ein Zauber, gegen den sie hilflos war, hatte jeden Kummer vertrieben und sie mit Glücksgefühlen erfüllt. Sie hatte keine andere Wahl gehabt. Nie hätte Skafloc ein Trauerjahr lang auf sie gewartet, und konnte es einen besseren Vater für die Enkelkinder von Orm und Älfrida geben?

Sie war sicher, er liebte sie. Es konnte gar nicht anders sein, denn warum würde er sonst bei ihr liegen und beinahe seine ganze Zeit mit ihr verbringen, wo er doch Elfenfrauen haben konnte? Sie wußte nicht warum, wußte nicht, wie sehr ihre Wärme die Seele des Mannes erfüllte, der nie etwas Ähnliches gekannt hatte. Skafloc war sich seiner Einsamkeit nicht bewußt gewesen, bevor er Frida fand. Er wußte wohl, daß er – wenn er nicht einen bestimmten Preis bezahlte, wozu er nicht bereit war – irgendwann sterben mußte und daß sein Leben für die Elfen nur ein Augenblick war. Wie gut schien es, jemanden von seiner eigenen Art bei sich zu haben!

In den wenigen Tagen, die sie zusammen waren, hatten sie viel unternommen. Sie ritten auf den schnellen Pferden und segelten mit den schlanken Booten und wanderten weite Strecken über die Hügel und durch die Wälder. Frida war eine gute Bogenschützin; Orm hatte Wert darauf gelegt, daß auch seine Töchter sich verteidigen konnten. Wenn sie mit ihrem leuchtenden Bronzehaar und dem Bogen in der Hand unter den Bäumen stand, schien sie eine junge Göttin der Jagd zu sein. Sie sahen den Zauberern und Possenreißern zu, sie lauschten den Musikern und Skalden, deren Künste für die Elfen Kurzweil waren, über menschliches Verständnis jedoch oft hinausgingen. Sie besuchten Skaflocs Freunde, Gnomen, die unter Baumwurzeln hausten, zarte, weiße Wassergeister, einen alten Faun mit traurigen Augen, Tiere der Wildnis. Frida konnte zwar nicht mit ihnen sprechen, aber sie machte große Augen und lächelte bei ihrem Anblick.

Auf die Zukunft hatte sie kaum noch einen Gedanken verschwendet. Natürlich mußte sie Skafloc eines Tages in das Land der Menschen bringen und sorgen, daß er sich taufen ließ, und dafür würden ihr die Sünden, die sie augenblicklich beging, zweifellos vergeben werden. Aber nicht jetzt, nicht gleich. Burg Elfenhöhe war zeitlos, sie hatte das Gefühl für das Vorüberziehen von Tagen und Nächten verloren, und es gab soviel anderes zu tun –

Sie flog in seine Arme. Skafloc vergaß alle Sorgen, als er sie sah: jung, schlank, geschmeidig, langbeinig, mehr Mädchen als Frau und doch seine Frau. Er faßte sie um die Mitte, warf sie in die Luft und fing sie wieder auf, und sie lachten beide laut.

„Laß mich los“, rief sie außer Atem. „Laß mich los, damit ich dich küssen kann.“

„Gleich.“ Skafloc warf sie noch einmal hoch und machte ein Zeichen. Da blieb sie schwerelos mitten in der Luft hängen, strampelte und lachte und schrie. Skafloc zog sie zu sich herunter, und sie umschlang ihn mit ihrem Mund auf dem seinen.

„Halt, halt, dreh mir nicht den Hals um!“ Skafloc machte sich selbst auch schwerelos und zauberte eine Wolke herbei, auf der sie liegen konnten, und sie war nicht naß, sondern wie weiße Federn. Aus ihrer Mitte wuchs ein Baum, an dem Früchte verschiedener Art hingen. Ein Regenbogen umkränzte ihn.

„Eines Tages, du Verrückter, wirst du ein Wort von deinen Sprüchen auslassen und hinunterfallen und in kleine Stücke zerbrechen“, sagte sie.

Er drückte sie an sich und sah ihr in die grauen Augen. Dann zählte er die Sommersprossen auf ihrem Nasenrücken und gab ihr für jede einzelne einen Kuß. „Am besten wäre es, ich machte dich gefleckt wie einen Leopard“, meinte er.

„Brauchst du Vorwände?“ fragte sie leise. „Ich habe mich nach dir gesehnt, mein Liebster. Wie war die Jagd?“

Sein Gesicht verfinsterte sich, als er daran erinnert wurde. „Recht gut.“

„Du hast Sorgen, Liebling. Was ist? Die ganze Nacht hörte ich Hörner blasen und Füße laufen und Hufe stampfen. Jeden Tag sehe ich in der Burg mehr bewaffnete Männer. Was hat das zu bedeuten, Skafloc?“

„Du weißt doch, daß wir im Krieg mit den Trollen sind“, antwortete er. „Wir wollen sie hier empfangen, weil es schwer wäre, ihre Bergfestungen zu überrennen, solange sie ihre volle Stärke haben.“

Sie erschauerte in seinen Armen. „Diese Trolle…“

„Hab’ keine Angst.“ Skafloc warf alle trüben Gedanken beiseite. „Wir werden sie zur See treffen und vernichtend schlagen. Und wer von ihnen an Land kommt, wird genug Erde erhalten, daß er sich damit zudecken kann. Wenn dann ihre Stärke gebrochen ist, wird es ein Kinderspiel sein, Trollheim zu erobern. Das wird ein lustiger Kampf.“

„Ich habe Angst um dich, Skafloc.“

Da sang er:

Meine Liebste, glücklich machst du
mich durch deine Angst.
Wisse, sie beweist mir
daß du mich liebst.
Doch laß die Sorgen, süßes Mädchen,
der Sieg ist unser.
Glücklich nehm ich deine Gabe,
goldhelle Frau.

Dabei löste er ihren Gürtel. Frida errötete. „Schamlos bist du“, schalt sie.

Skafloc hob die Augenbrauen. „Warum? Weswegen soll ich mich denn schämen?“

Kurz nach Sonnenuntergang ritt Feuerspeer weg. Noch glühte im Westen das Abendrot. Er und ein Dutzend Gefährten trugen die grünen Jagdröcke, über die sie schwarze Kapuzenmäntel geworfen hatten. Die Spitzen ihrer Speere und Pfeile bestanden aus einer Silberlegierung. Um die tänzelnden Pferde bellten die Elfenhunde, große wilde Tiere mit rotem oder schwarzem Fell, glühenden Augen und dolchartigen Fängen, von denen der Geifer rann. Sie hatten das Blut von Garm und Fenris und den Hunden der Wilden Jagd in sich.

Feuerspeers Horn ertönte, und sie brausten davon. Das Donnern der Hufe und das Gekläff der Meute verklang in den Hügeln. Wie der Wind ging es in der bald pechschwarzen Nacht unter eisbedeckten Bäumen dahin. Nicht mehr als ein Aufblitzen von Silber, das Funkeln eines juwelenbesetzten Heftes, ein blutroter Schimmer wurde in den dahinstürmenden Schatten sichtbar, aber das Getöse, das sie veranstalteten, erfüllte den Wald von einem Ende bis zum anderen. Jäger, Köhler, Ausgestoßene, die es hörten, erschauerten und machten ein Zeichen – ob das des Kreuzes oder das des Hammers -, und die wilden Tiere verkrochen sich.

Die Hexe, die nirgendwo anders leben konnte, weil sie ihre Macht vor allem aus den Dingen dieser Umgebung bezog, hatte sich an der Stelle, wo ihre Hütte niedergebrannt war, einen Unterschlupf gebaut. Sie hörte die Truppe schon von weitem kommen, beugte sich über ihr kleines Feuer und murmelte: „Die Elfen jagen heute nacht.“

„Ja“, quiekte der Rattenmann. Und als der Lärm näherkam, setzte er hinzu: „Und ich glaube, sie jagen uns.“

„Uns?“ Die Hexe erschrak. „Warum glaubst du das?“

„Sie halten genau auf uns zu, und du bist weder Skafloc noch Imric eine Freundin.“ Die Ratte klapperte vor Angst mit den Zähnen und kroch an ihre Brust. „Schnell, Mutter, schnell! Rufe Hilfe herbei, oder wir sind verloren!“

Die Hexe hatte keine Zeit mehr für Riten und Opfergaben, aber sie heulte den Ruf, den man sie gelehrt hatte, und vor dem Feuer erschien eine Schwärze, die tiefer war als die Nacht.

Sie warf sich zu Boden. Kleine, kalte blaue Flammen umsprangen ihn. „Hilfe“, wimmerte sie. „Hilfe, die Elfen kommen!“

Die Augen betrachteten sie ohne Zorn und ohne Mitgefühl. Das Geräusch der Jagd wurde lauter. „Hilfe!“ jammerte die Hexe.

Mit einer Stimme, die eins wurde mit dem Wind, aber aus unermeßlichen Fernen zu kommen schien, fragte er: „Warum bittest du mich um Hilfe?“

„Sie… wollen… mein Leben.“

„Und? Ich habe dich einmal sagen gehört, daß dir dein Leben gleichgültig sei.“

„Meine Rache ist noch nicht beendet“, schluchzte sie. „Ich kann jetzt nicht sterben, wo ich doch nicht weiß, ob der Preis, den ich bezahlt habe, und alle meine Arbeit vielleicht umsonst gewesen sind. Meister, hilf deiner Dienerin!“

Die Jäger waren schon so nahe, daß sie den Boden unter den galoppierenden Hufen erbeben fühlte.

„Du bist nicht meine Dienerin, du bist meine Sklavin“, raschelte die Stimme. „Was bedeutet es mir, ob du deinen Zweck erreicht hast? Ich bin der Fürst des Bösen, und das bedeutet Nichtigkeit jeder Verabredung. Glaubst du, du habest mich beschworen und mit mir einen Handel abgeschlossen? Nein, du bist in die Irre geführt worden. Es war ein anderer, der dir erschien. Sterbliche verkaufen mir ihre Seelen nicht, sie geben sie mir hin.“

Und damit war der Dunkle verschwunden.

Die Hexe lief kreischend fort. Die Hunde, die von dem Geruch dessen, der soeben noch hier gewesen war, verwirrt wurden, bellten und sprangen hin und her. Die Hexe verwandelte sich in eine Ratte und kroch in ein Loch unter der alten Druiden-Eiche.

„Sie ist in der Nähe!“ rief Feuerspeer. „Ha! Die Hunde haben die Spur aufgenommen!“

Erdschollen flogen, Zweige brachen, als die Hunde nach ihrer Beute gruben. Die Hexe stürzte heraus, verwandelte sich in eine Krähe und schwang sich in die Lüfte. Feuerspeer sandte ihr einen Pfeil nach. Die Krähe sank zu Boden und wurde wieder zur Hexe. Aus ihrem Busen sprang die Ratte.

Ein Pferd hob den silberbeschlagenen Huf und zerstampfte sie.

Die Hexe wurde von den Hunden zerrissen. Sie konnte noch schreien: „Ich verfluche euch! Alles Üble wünsche ich auf Alfheim herab! Und sagt Imric, daß Valgard, der Wechselbalg, lebt und alles weiß…“

Sie war zum Schweigen gebracht. „Das war eine leichte Jagd“, sagte Feuerspeer. „Ich fürchtete schon, wir müßten die Spuren jahrelanger Wanderungen – vielleicht bis in fremde Länder – durch Zauberei auffinden.“ Er sog den Geruch des Windes ein. „Jetzt können wir für den Rest der Nacht nach besserem Wild jagen.“

Imric belohnte seine Jäger gut, aber als sie ihm mit einiger Verlegenheit berichteten, was ihr Opfer gesagt hatte, verfinsterte sich sein Gesicht.

XIII

Valgard als Enkel Illredes und starker Krieger, der zudem mit Eisen umgehen konnte, bekam eine hohe Stellung am Hof. Ein Zauber lehrte ihn die Sprache der Trolle. Aber die Trollherren betrachteten ihn mit Mißtrauen, denn er hatte auch Elfenblut in seinen Adern und kam aus dem Land der Menschen. Auch waren sie neidisch auf einen Fremden, der sofort mit ihnen gleichgestellt wurde. So fand Valgard in Trollheim keine Freunde. Er suchte auch keine, denn wie dieses Volk aussah und roch und sich betrug, war nicht nach seinem Geschmack.

Doch mußte er den Trollen zugestehen, daß sie furchtlos und von schrecklicher Stärke waren. Ihre Zauberer verfügten über eine Macht, wie Valgard sie keinem Menschen zutraute. Ihr Volk war im Feenreich das stärkste, außer – vielleicht – Alfheim. Das paßte Valgard gut, denn hier fand er die Mittel, seine Rache zu befriedigen und sein Erbteil zurückzugewinnen.

Illrede erzählte ihm, welche Pläne er hatte. „Während der ganzen Zeit, die Frieden herrschte, haben wir uns auf den Krieg vorbereitet“, sagte der König. „Die Elfen haben dagegen gefaulenzt und sich vergnügt und Intrigen untereinander gesponnen. Wir sind nicht ganz so viele wie sie, aber mit denen, die mit uns marschieren, werden wir ihnen diesmal zahlenmäßig überlegen sein.“

„Wer sind sie?“ fragte Valgard.

„Die meisten der Kobold-Stämme, die wir entweder besiegt oder zu Verbündeten gemacht haben“, berichtete Illrede. „Sie hegen von altersher Groll sowohl gegen die Trolle als auch gegen die Elfen, aber ich habe ihnen Beute und die Freilassung unserer Sklaven von ihrer Rasse und einen Platz auf der nächsten Stufe unter uns versprochen, wenn wir das ganze Feenreich beherrschen. Sie sind tüchtige Kämpfer und nicht wenige.

Dann bekommen wir Mitstreiter aus fernen Landen, Dämonen von Baikal, Shen von Cathay, Oni von Cipangu, Dschinns aus den Wüsten der Mohren, und insgesamt ist das auch eine ganz hübsche Zahl. Sie machen nur der Beute wegen mit, und wir können uns nicht ganz auf sie verlassen, aber ich werde sie in der Schlacht entsprechend ihren Fähigkeiten einsetzen. Dann sind da noch ein paar Einzelgänger, die allein oder in kleinen Banden gekommen sind – Werwölfe, Vampire, Golems, diese Art. Und wir haben eine Menge Zwergenknechte, von denen einige für den Preis ihrer Freiheit kämpfen werden, und sie können Eisen anfassen.

Gegen dieses ganze Heer stehen die Elfen allein. Vielleicht können sie ein paar wenige Kobolde und Zwerge und dergleichen zusammenbringen, aber die zählen kaum. Das beste, worauf sie hoffen können, ist die Hilfe der Sidhe. Doch habe ich durch meine Spione erfahren, daß diese sich abseits halten wollen, solange ihre Insel nicht angegriffen wird, und wir werden uns hüten, das zu tun… in diesem Krieg jedenfalls.

Es ist wahr, die Anführer der Elfen sind listig und in der Zauberei wohlerfahren – aber das sind ich und meine Häuptlinge auch.“ Illrede lachte hustend. „Oh, wir werden Alfheim wie einen dürren Zweig über dem Knie zerbrechen!“

„Kannst du nicht auch die Jötunen zu Hilfe rufen?“ Valgard wußte längst noch nicht alles über die Gegebenheiten der Welt, die nun die seine war. „Sie sind doch verwandt mit den Trollen, nicht wahr?“

„Sei vorsichtig“, mahnte Illrede. „Wir wagen es ebensowenig, die Eisriesen zu rufen, wie sich die Elfen an die Asen wenden. Asen und Jötunen sind die in ewigem Widerstreit liegenden Mächte unter dem Mond. Sollte eine von beiden Seiten offen auf Midgard erscheinen, würde die andere sofort gegen sie vorgehen, und das wäre dann für alle die letzte Schlacht.“

„Wie paßt das mit dem zusammen, was man mich… über den neuen Gott gelehrt hat?“

„Wir sprechen am besten nicht von Geheimnissen, die wir nicht begreifen können.“ Illrede stampfte hin und her in der Höhle, wo sie sich bei rauchigem Fackellicht unterhielten. „Aber die Götter sind der Grund, daß kein Bewohner des Feenreichs es wagt, viel gegen die Menschen zu unternehmen, besonders nicht gegen die, die getauft sind. Ein paar Zaubereien, ein über Nacht ausgeliehenes Pferd, das Stehlen eines Kindes oder einer Frau – das alles geschieht nur selten und kaum einmal etwas, das darüber hinausgeht. Es wäre von Übel, wenn die Furcht der Menschen vor uns so groß würde, daß sie sich mit einer Bitte um Hilfe an die Götter richteten. Den Göttern bliebe nichts anderes übrig, als diese Bitte zu erfüllen. Das Schlimmste wäre, wenn sie sich alle zusammen an den neuen Weißen Gott wendeten, denn das wäre das Ende des Feenreichs.“

Valgard zuckte zusammen. Und in dieser Nacht ging er zu Asgerds flachem Grab und grub sie aus und brachte sie auf ein kleines Trollboot. Vor einem Wind, den zu rufen er inzwischen von Illrede gelernt hatte, segelte er nach Südwesten, bis er ein Dorf am Moray Firth in Schottland erreichte.

In Dunkelheit und Schnee trug er die verhüllte Last bis zur Kirche, schlich sich auf den Friedhof, grub in eine abgelegene Ecke ein Loch, legte sie hinein und schüttete das Grab so zu, daß niemand etwas merken konnte.

„Jetzt schläfst du in geweihter Erde, Schwester, wie du es dir gewünscht hättest“, flüsterte er. „Böses habe ich getan, aber vielleicht wirst du nun für meine Seele beten…“ Und dann sah er sich wild in der Finsternis um, und er, der sich noch nie gefürchtet hatte, wurde von Angst geschüttelt. „Warum bin ich hier? Was tue ich? Sie ist nicht meine Schwester. Ich bin ein durch Zauberei geschaffenes Wesen. Ich habe keine Seele…“

Er rannte zu seinem Boot zurück und segelte nordostwärts, als sei der Teufel hinter ihm her.

Die Zeit kam, daß die Trolle aufbrachen. Illrede war zu klug, um alle seine Truppen auf einem Fleck zusammenzuziehen. Dann hätten die Kundschafter der Elfen feststellen können, wie stark er tatsächlich war. Nein, jeder Teil seiner Flotte segelte vom eigenen Hafen ab, und an Bord jedes Flaggschiffes war ein Zauberer, der dafür sorgen mußte, daß sie alle gleichzeitig am verabredeten Treffpunkt ankamen. Dieser lag nördlich des englischen Elfenlandes, so daß die Trolle an unbewachten Ufern landen konnten. Illrede hatte vor, die Seemacht der Elfen zu brechen und danach auf dem Wasser- wie auf dem Landweg südwärts zu ziehen, bis er die ganze Insel überrannt hatte.  Eine Abteilung sollte dableiben und jeden Elf, der noch nicht tot war oder sich noch nicht ergeben hatte, ausrotten, während die Hauptflotte über den Kanal in die übrigen Provinzen Alfheims weiterzog. Zur gleichen Zeit sollte ein Teil seiner Armee über Land von Finnmark, Wendland und den Trollgebieten östlich dieser Länder nach Süden marschieren. So würden die Trolle den Erlkönig von Westen und Osten – und, sobald England ganz erobert war, auch von Norden – angreifen und bezwingen.

„Schnell sind die Elfenkrieger“, meinte Illrede, „aber ich glaube, dieses eine Mal werden die Trolle schneller sein.“

„Gib mir den Befehl in England“, bat Valgard, „und ich werde dafür sorgen, daß kein männlicher Elf am Leben bleibt.“

„Das habe ich Grum versprochen“, antwortete Illrede. „Aber du, Valgard, sollst mit mir segeln, und in England soll niemand anders über dir sein als Grum.“

Valgard versicherte, das sei er zufrieden. Seine kalten Augen musterten den Trollherrn Grum, und er dachte bei sich, ihm könne wohl leicht ein Unfall zustoßen – und das würde ihn, Valgard, zum Grafen machen, wie die Hexe es gesagt hatte.

Mit Illrede und der königlichen Leibgarde ging er an Bord des Flaggschiffes. Das war ein großes Fahrzeug mit hohem Bord und einem von Zwergen hergestellten eisernen Rammsporn, schwarz bis auf den Pferdeschädel am Bug. Die Waffen und Rüstungen der Trolle bestanden aus Metallegierungen, obwohl die meisten auch Steinwaffen führten, deren Gewicht ihnen zusagte. Illrede trug auf dem schwarzen Helm eine goldene Krone und Pelze über der Drachenhaut, die nicht einmal Stahl durchdringen konnte. Ebenso reich gekleidet waren die anderen. Es war eine überhebliche, geräuschvolle Mannschaft. Valgard allein trug nichts, was nur der Zierde diente, und sein Gesicht war grimmig. Aber wegen seiner eisernen Axt und seiner eisernen Rüstung hatten die Trolle Angst vor ihm.

Dem königlichen Flaggschiff folgten viele andere Schiffe, die meisten von ungewöhnlicher Größe, und die Nacht war erfüllt von Rufen und Hörnerklang und trampelnden Füßen. Die großen Trollschiffe bewegten sich langsamer als die der Elfen, da sie breiter und schwerer und mit weniger Geschick gebaut waren, und als es Morgen wurde, waren sie immer noch auf dem Wasser. Die Trolle suchten Schutz unter Planen, die das verhaßte Sonnenlicht abhielten, und ließen die Schiffe, die für sterbliche Augen unsichtbar waren, weitertreiben.

Am nächsten Abend fand die ganze Flotte zusammen. Valgard konnte sich nicht fassen vor Staunen. Sie schien das Meer bis zum Horizont zu bedecken, und jedes Fahrzeug war gedrängt voll von Männern, ausgenommen die Schiffe, die die großen, zottigen Trollpferde beförderten. Illredes Plan bewährte sich ausgezeichnet. Jeder Kapitän brachte sein Schiff genau an den richtigen Platz.

Es gab große Unterschiede bei den Schiffen und Mannschaften, die gegen Alfheim zogen. Im Mittelpunkt formten die langen, hohen, schwarzen Trollschiffe mit Illredes eigenem an der Spitze einen stumpfen Keil. An Steuerbord und Backbord waren die Kobolde, von denen einige von Trollen gebaute Schiffe benutzten und andere auf ihren eigenen schlanken roten Schiffen mit Schlangenbug fuhren. Sie waren lustiger als die Trolle, trugen über ihren silberglänzenden Rüstungen phantastische Gewänder und führten leichte Schwerter, Speere und Bogen. Die Flügel der Flotte waren sehr fremdländisch anzusehen: große, pikentragende Shen und Oni in bemalten Dschunken mit Katanas als Waffen, flinke Dschinns in von Sklaven geruderten Galeeren, auf deren Decks Kriegsmaschinen angebracht waren. Ferner gab es Barken der geflügelten Dämonen aus Baikal und eisenbedeckte Zwerge und Ungeheuer aus den Wäldern und Menschen zu sehen, die keine anderen Waffen brauchten als ihre Zähne und Klauen. Sie alle wurden von Trollen befehligt, und nur die allerzuverlässigsten waren in der vordersten Linie, die überdies zu beiden Seiten von Trollschiffen gesichert war. Ein zweiter Keil formierte sich hinter dem ersten, und danach kamen Reserven, die überall da eingesetzt werden sollten, wo es nötig war.

Hörner erklangen von den Trollschiffen, und Kobold-Pfeifen, Shen-Gongs und Dschinn-Trommeln antworteten ihnen. Niedrige Wolken ballten sich um die Masten, und die See wurde von Ruderblättern zu weißem Schaum aufgerührt. Elmsfeuer tanzten in der Takelage und warfen blaue Lichter auf die Gesichter. Seufzend fuhr der Wind über ihre Köpfe dahin, und durch die mondfleckigen, schneeträchtigen Wolken flogen geisterhafte Wesenheiten.

„Bald sind wir in der Schlacht“, sagte Illrede zu Valgard. „Dann kannst du die Rache finden, die du suchst.“

Der Berserker antwortete nicht. Er starrte nur geradeaus in die Dunkelheit.

XIV

Nach dem Überfall der Elfen auf Trollheim arbeitete Imric einen ganzen Monat lang schwer. Er fand nur wenig über den Feind heraus, denn Illrede und seine Zauberer hatten ihre Lande dicht mit Zauber abgeschirmt, aber er wußte, daß eine aus vielen Völkern bestehende Streitmacht zusammengezogen wurde und wahrscheinlich zuerst in England zuschlagen würde. Daher versuchte Imric die Schiffe und Krieger seines Reichs zu versammeln und schickte Boten ins Ausland, um womöglich Beistand zu bekommen.

Nur wenige Krieger kamen von außerhalb. Jede Provinz Alfheims traf eigene Vorbereitungen; die Elfen waren zu hochmütig für eine gute Zusammenarbeit. Außerdem hatte es den Anschein, als seien so gut wie alle im Feenreich vorhandenen Söldner schon von Illrede angeworben worden. Imric schickte zu den Sidhe von Irland und versprach reiche Beute bei der Eroberung von Trollheim. In der kalten Antwort hieß es, die Straßen von Tir-nan-Og und die Höhlen der Leprechaune schimmerten schon von genug Reichtümern. Der Elfengraf mußte einsehen, daß er allein stand.

Nichtsdestotrotz war seine Streitmacht groß, und jede Nacht trafen weitere kampfeslustige Elfenkrieger ein. Sie konnten sich nicht erinnern, daß schon einmal ein so großes Heer in Alfheim zusammengekommen war. Auch wenn der Feind zweifellos in der Überzahl anrückte, war doch jeder Mann und jedes Schiff der Elfen unendlich viel besser, und sie würden nahe der Heimat, in Gewässern und auf Stränden, die sie kannten, kämpfen. Einige der jüngeren Krieger waren überzeugt, Englands Elfen könnten nicht nur die Trollflotte zurückschlagen, sondern auch ohne jede Hilfe den Krieg nach Trollheim tragen und es unterwerfen.

Von Orkney und Shetland kam Flam, der Sohn jenes Flam, der bei Skaflocs Überfall in Trollheim gefallen war, und er brannte darauf, seinen Vater zu rächen. Er und seine Brüder waren die berühmtesten Seefahrer im Feenreich, und als ihre Drachenflotte nach Süden segelte, verdunkelte sie das Wasser. Schilde blinkten entlang den Bordleisten, der Wind sang in den Tauen, und das Zischen der gespaltenen Wogen an den Bügen klang wie das von Schlangen.

Aus den Hügeln und Mooren des Piktenlandes rückten die wilden Häuptlinge mit ihren Feuersteinwaffen und ledernen Brustpanzern an. Sie waren kleiner und schwerer als die echten Elfen, dunkelhäutig , mit langen schwarzen Locken und Bärten, die ihnen um die Gesichter flatterten, denn in ihren Adern rann auch das Blut von Trollen und Kobolden und noch älteren Rassen sowie von Piktenfrauen, die ihre Ahnen in grauer Vorzeit gestohlen hatten. Mit ihnen zogen einige der geringeren Sidhe, die mit den Scoten vor Jahrhunderten ins Land gekommen waren, starke, knorrige Leprechaune, die wie Ziegen sprangen, und große schöne Krieger in schimmernden Rüstungen. Einige fuhren auf ratternden Streitwagen, die zum Niedermähen der Feinde Schwertklingen an den Naben trugen.

Aus dem Süden, von den Hügeln und den von Höhlen durchzogenen Küsten Cornwalls und Wales’ kam eine Schar der ältesten Elfen auf der Insel: Reiter in Rüstungen und Streitwagenfahrer, deren Banner von vergessenen Ruhmestaten kündeten, grünhaariges, weißhäutiges Seevolk, das einen nach Salz schmeckenden grauen Nebel mit sich führte, um auch an Land mit der notwendigen Feuchtigkeit versorgt zu werden, dazu ein paar heruntergekommene Halbgötter, die die Römer mitgebracht und nachher im Stich gelassen hatten, scheue, verstohlene Waldelfen, Clan für Clan.

Aus den Ländern der Angeln und Sachsen kamen nicht viele, denn die meisten ihrer Bewohner waren geflohen oder durch Exorzismen vertrieben worden, aber wer noch dort war, folgte Imrics Ruf. Diese Elfen waren, mochten sie auch arm und zurückgeblieben sein, in einem Krieg durchaus nicht zu verachten, denn nicht wenige von ihnen konnten ihre Abstammung bis auf Wieland den Schmied oder bis auf Odin selbst zurückführen. Sie waren die Meisterschmiede der Grafschaft, da sie auch etwas Zwergenblut hatten, und viele von ihnen kämpften am liebsten mit ihren großen Hämmern.

Aber die mächtigsten und stolzesten Krieger waren die von Burg Elfenhöhe und Umgebung. Nicht nur wegen ihrer Herkunft, sondern auch durch ihre Schönheit, ihre Weisheit und ihren Reichtum übertrafen die Herren, die Imric um sich versammelt hatte, alle anderen. Kampfesmutig waren sie, zogen in die Schlacht wie zu einer Hochzeit gekleidet, und sie küßten ihre Speere, als seien es Bräute. Ihre Zauberkünste waren groß; sie konnten dem Feind die Kraft nehmen und ihre Freunde beschützen. Die neu angekommenen Elfen empfanden scheue Bewunderung. Allerdings hinderte sie das nicht daran, Speisen und Getränke, die ihnen in ihre Lager geschickt wurden, oder die Frauen, die zum Vergnügen mitkamen, von ganzem Herzen zu genießen.

Frida kam aus dem Staunen nicht heraus. Der Anblick der nichtmenschlichen Krieger, die geräuschlos durch Dämmerung und Nacht glitten und deren Gesichter – was recht unheimlich war – ihren Augen nur halb sichtbar wurden, erfüllte sie mit Schreck und Entzücken, mit Furcht und Stolz. Und Skafloc, ihr Mann, hielt in der hohen Stellung, die er unter ihnen hatte, mehr Macht in Händen als jeder sterbliche König.

Aber seine Herrschaft erstreckte sich auf seelenlose Wesen. Und sie dachte an die Bärenstärke der Trolle. Was war, wenn er fiel?

Auch er hatte an diese Möglichkeit gedacht. „Vielleicht sollte ich dich zu irgendwelchen Freunden von dir im Land der Menschen bringen“, überlegte er. „Es kann sein, obwohl ich es nicht glaube, daß die Elfen verlieren. Die Wahrheit ist, daß jedes Omen, das uns wurde, nicht gut war. Und sollte es so kommen, ist dies nicht der richtige Ort für dich.“

„Nein – nein…“ Sie richtete ihre ängstlichen grauen Augen auf ihn, und gleich darauf versteckte sie ihr Gesicht an seiner Brust. „Ich will nicht – ich kann dich nicht verlassen.“

Er fuhr ihr durch das glänzende Haar. „Ich kann dich doch nach dem Krieg wieder abholen.“

„Nein… es könnte geschehen, daß mich irgendwer irgendwie überredete oder zwänge zu bleiben – ich weiß nicht, wer so etwas fertigbrächte, wenn nicht ein Priester, aber ich habe von solchen Dingen schon gehört…“ Sie dachte daran, auf welche Weise die schönen Elfenfrauen Skafloc betrachteten. Er fühlte, wie sie in seinen Armen steif wurde. Ihre Stimme war fest: „Ich werde dich auf gar keinen Fall verlassen. Ich bleibe hier.“

Er drückte sie freudig an sich.

Jetzt kam die Nachricht, die Trolle seien in See gestochen.

In der letzten Nacht, bevor sie sich selbst einschifften, feierten die Elfen in der Burg ein Fest. Gewaltig war Imrics Trinkhalle. Frida, die neben Skafloc in der Nähe des Hochsitzes saß, konnte die geschnitzten Dachsparren kaum und die gegenüberliegende Wand gar nicht erkennen. Das kühle blaue Zwielicht, das die Elfen so liebten, schien wie Rauch durch die Halle zu ziehen, obwohl die Luft selbst rein war und nach Blumen duftete. Licht kam von zahllosen Wachskerzen in schweren Bronzeleuchtern, und ihre Flammen brannten silbrig und stetig. Sie wurden von den an den Wänden hängenden Schilden und kunstvollen Goldschmiedearbeiten zurückgeworfen.

Frida hatte sich an raffinierte Speisen in Elfenhöhe gewöhnt, aber jetzt schwamm ihr der Kopf angesichts so vieler Sorten von Fleisch, Geflügel, Fisch, Obst, Gewürzen, Süßigkeiten, Bier und Met und Wein.

Reich gekleidet waren die Elfen. Skafloc trug ein Hemd aus weißer Seide über leinenen Hosen, ein Wams, dessen farbenprächtige Stickereien das Auge verwirrten, einen goldenen Gürtel mit einem juwelenbesetzten Dolch in einer Elektron-Scheide, Schuhe aus Einhorn-Leder und einen kurzen, hermelinbesetzten Umhang, der rot wie Blut von seinen Schultern fiel. Frida hatte ein dünnes Gewand aus Spinnenseide an, über das alle Farben des Regenbogens spielten, eine Kette aus Diamanten fiel über ihre festen, kleinen Brüste, ein schwerer Goldgürtel umschloß ihre Mitte, goldene Ringe schmückten ihre bloßen Arme, und ihre Schuhe waren aus Samt. Beide hatten edelsteinbesetzte Kronen auf dem Kopf, wie es einem Herrn von Alfheim und seiner derzeitigen Dame zukam. Die hochgestellten Elfen waren nicht weniger prunkvoll angetan, und selbst die ärmeren Häuptlinge aus dem Hinterland funkelten vor unbearbeitetem Gold.

Musik erklang, nicht nur die Elfenmelodien, die Imric bevorzugte, sondern auch Harfenspiel der Sidhe und Pfeifen der Leute aus dem Westen. Die Unterhaltung bestand aus den schnellen, grausamen, brillanten Diskussionen der Elfen, subtilem Spott und Wortgefechten, und süßes Lachen lief die Tische hinauf und hinunter.

Doch als diese abgeräumt waren und die Spaßmacher hätten auftreten sollen, wurde nach einem Schwerttanz gerufen. Imric verzog das Gesicht. Ihm war es nicht recht, daß die ungünstigen Omina jedermann vor Augen geführt werden sollten, aber da es der Wunsch der Mehrheit seiner Gäste war, konnte er sich nicht gut weigern.

Die Elfen verließen die Tische. Die Männer legten die sie behindernden und die Frauen alle Kleidungsstücke ab. Knechte holten für jeden Mann ein Schwert. „Was tun sie da?“ fragte Frida.

„Das ist der alte Kriegstanz“, erklärte Skafloc. „Ich muß wohl den Skalden dabei machen, denn kein Mensch kann ihn unbeschadet überstehen, selbst wenn er die Schritte genau kennt. Sie tanzen zu neunundneunzig Versen, die der Skalde während des Tanzes dichten muß, und wenn niemand verletzt wird, ist es ein gutes Omen und bedeutet Sieg, aber wird jemand getötet, heißt das Niederlage und Untergang, und schon ein Kratzer sagt Übel voraus. Mir gefällt das nicht.“

Bald standen sich die Elfenmänner in zwei langen Reihen gegenüber und kreuzten die Schwerter hoch in der Luft, und hinter jedem Mann duckte sich eine Frau. Die Reihen bildeten einen Gang mit einem Dach aus schimmernden Klingen, und ihre Enden verloren sich im Zwielicht der Halle. Skafloc stand vor dem Hochsitz des Grafen und sang:

Schnell geht das Schwertspiel,
schwemmt den Gegner zurück.
Schild und Helm erschütternd
schallt der Männer Kriegsruf.

Sobald er einsetzte, tanzten die Männer vorwärts, und bei jeder Hebung der Stabreime klirrten die Schwerter zusammen. Die Frauen tanzten ebenfalls nach vorn, und jeder Mann faßte mit der linken Hand eine Frau bei der rechten und wirbelte sie in den enger werdenden Zwischenraum, wo die Schwerter blitzten und klangen. Skafloc sang:

Luren brüllen ihr Lachen,
laden zum Kampf die Feinde.
Besser war’s, im Bett
bei der Buhle zu liegen.

Durch und zwischen den schwirrenden, zischenden Klingen schwebten die Elfenfrauen hin und zurück und umeinander, wie Schaumstreifen auf den Wellen. Die Männer tanzten hinter den Frauen auf ihr Gegenüber zu und drehten sich, und jeder warf sein Schwert in einem glitzernden Bogen seinem Partner zu und fing dessen Waffe auf, und die scharfen Klingen verfehlten nur gerade eben die geschmeidigen weißen Körper. Skafloc fuhr fort:

Schnell geht das Schwertspiel!
Die schwirrenden Waffen
tanzen. Manch Tapferem
Tod sie bringen
.

Schneller als ein sterbliches Auge es verfolgen konnte, drehten sich die Elfen im Tanz, und zwischen den springenden und jauchzenden Frauen hindurch sausten die Schwerter. Sie flogen jetzt in geringer Höhe vorbei, und wenn zwei mit den Spitzen knapp über dem Fußboden zusammenstießen, sprang eine Elfendame über sie hinweg. Gleich hinter ihr fuhren die Klingen wieder in die Höhe. Darauf wählte sich jeder Mann eine Partnerin und wob ein Netz aus glitzerndem Metall um ihren sich drehenden Körper. Dann setzten die Männer ihre Fechtbewegungen fort, und die Frauen sprangen und hüpften in den Bruchteilen von Sekunden dazwischen, in denen die Waffen zurückgezogen wurden.

Lia, die wie ein flatternder weißer Nebelstreifen in dem Getöse umherwirbelte, rief: „Skafloc, dein Mädchen tut doch ständig so, als ob ihr wer weiß wie viel an dir liegt. Warum tanzt sie dann nicht mit uns für unser Glück?“

Skafloc fuhr fort, ohne sich im Rhythmus unterbrechen zu lassen:

Spottet nicht der sterblichen Frau,
die nicht springt im Reigen.
Mehr Kriegsglück kündet mir
ihr Kuß als Zauber
.

Ein Schauder des Entsetzens durchlief in diesem Augenblick die Elfen. Lia, die mehr auf Skaflocs Worte als auf ihre Schritte geachtet hatte, war zu nahe an eine der Klingen geraten. Über ihre seidigen Schultern zog sich ein roter Riß. Sie hielt nicht inne mit Tanzen, und ihr Blut bespritzte die Elfen in ihrer Nähe. Skafloc zwang sich, munter weiterzusingen:

Schnell geht das Schwertspiel!
Schilde triefen von Blut.
Nur die Nornen wissen
nun, wer Sieger bleibt.
Uns ist keine Kunde,
wie der Kampf wird enden.
Doch der Feind wird finden
furchtbaren Streit in Alfheim
.

Andere Frauen, erschreckt über den Zwischenfall, gerieten aus dem Takt und wurden ebenfalls verletzt. Imric machte dem Tanz ein Ende, bevor noch jemand getötet wurde, was das größte Unglück heraufbeschworen hätte. Das Fest endete in mißmutigem Schweigen und verstohlenem Geflüster.

Skafloc führte Frida beunruhigt in ihre Gemächer. Dort ließ er sie eine Weile allein. Er kam mit einem breiten, silberbeschlagenen Gürtel zurück. Auf seiner Innenseite war eine flache Phiole, ebenfalls aus Silber, befestigt.

Er reichte Frida den Gürtel. „Das soll mein Abschiedsgeschenk für dich sein“, sagte er ruhig. „Ich habe es von Imric bekommen, aber ich möchte, daß du es trägst. Denn wenn ich auch immer noch glaube, daß wir siegen werden, bin ich mir nach diesem verfluchten Schwerttanz doch nicht mehr ganz sicher.“

Sie nahm das Schmuckstück wortlos entgegen. Skafloc erklärte: „In der Phiole ist ein seltenes und sehr wirksames Gift. Solltest du das Unglück haben, in die Hände der Feinde zu fallen, trink es. Du wirst dann mehrere Tage lang wie eine Tote liegen, und jeder, der dich sieht, wird dich einfach liegenlassen oder schlimmstenfalls nach draußen werfen – das ist die Art der Trolle mit den Leichen von Fremden. Wenn du erwachst, magst du eine Chance haben, davonzukommen.“

„Was nützt mir die Flucht, wenn du tot bist?“ fragte Frida traurig. „Dann wäre es besser, ich stürbe auch.“

„Mag sein. Aber die Trolle würden dich nicht sofort töten, und euch Christen ist der Selbstmord doch verboten, nicht wahr?“ Skafloc lächelte müde. „Das ist kein Abschiedsgeschenk, das Freude bereitet, meine Liebste, und doch ist es das beste, das ich für dich habe.“

„Und ich nehme es an und danke dir dafür“, hauchte Frida. „Aber wir haben ein besseres Geschenk, das wir uns gegenseitig machen können.“

„So ist es!“ rief er, und bald darauf waren sie – für eine Weile – wieder glücklich.

XV

Die Flotten der Elfen und der Trolle trafen sich auf hoher See, ein gutes Stück nördlich von Elfenhöhe. Es war kurz nach Einbruch der Dunkelheit am nächsten Abend. Als Imric, der neben Skafloc im Bug des Flaggschiffes stand, den Feind in seiner ganzen Stärke erblickte, zog er entsetzt die Luft ein.

„Wir englischen Elfen stellen die größte Anzahl in der Flotte Alfheims“, sagte er, „aber die da haben mehr als zweimal soviel. Hätten die anderen doch nur auf mich gehört, als Illrede uns den Waffenstillstand anbot! Ich wußte, er würde ihn nur dazu benutzen, einen neuen Krieg vorzubereiten, und habe sie angefleht, ihn ein für allemal zu vernichten.“

Skafloc wußte in groben Zügen darüber Bescheid, wie damals Rivalitäten und Eitelkeiten, Trägheit und Wunschdenken dazu geführt hatten, daß der Kampf eingestellt wurde. Auch Imric selbst war nicht ganz schuldlos daran. Doch jetzt war es zu spät. „Das können nicht alles Trolle sein“, meinte Skafloc, „und Kobolde und dergleichen Gelichter stellen doch keine ernsthafte Gefahr für uns dar.“

„Du darfst die Kobolde nicht geringschätzen“, mahnte Imric. „Sie sind gute Krieger, wenn sie die nötigen Waffen zur Verfügung haben.“ Ein vorbeihuschender Mondstrahl ließ Imrics angespanntes Gesicht kurz aus der Dunkelheit auftauchen. Ein paar Schneeflocken, von einem rauhen Wind herangetrieben, tanzten in diesem Strahl. „Magie wird keiner von beiden Seiten viel nützen“, fuhr Imric fort, „denn in dieser Beziehung ist das Kräfteverhältnis mehr oder weniger ausgeglichen. Also läuft es auf die Stärke der Streitmacht hinaus, und da sind wir die Schwächeren.“

Er schüttelte sein silberlockiges Haupt. Die Augen glitzerten mondblau. „Ich habe im Rat beim Erlkönig das letztemal den Vorschlag gemacht, Alfheim sollte sich zusammenziehen und den Trollen die äußeren Provinzen, ja, sogar England überlassen, während wir gemeinsam einen Gegenangriff vorbereiten. Aber davon wollten die anderen Herren nichts hören. Jetzt werden wir sehen, wer recht hatte.“

„Die anderen Herren hatten recht“, erklärte Feuerspeer kühn, „denn wir werden diese Schweine abschlachten. Was! Wir sollen es zulassen, daß sie sich auf Elfenhöhe suhlen? Der Gedanke war deiner unwürdig, Herr.“ Er faßte seine Pike fester und sah angestrengt nach vorn.

Auch Skafloc, der sich der Größe der Gefahr bewußt war, wollte den Kampf. Mutige Männer hatten schon oft einem stärkeren Feind den Sieg abgerungen. Er brannte vor Verlangen, Valgard wiederzusehen, Fridas wahnsinnigen Bruder, der ihr so Schlimmes angetan hatte, und ihm den Schädel zu spalten.

Und doch, dachte Skafloc, ich hätte Frida nie gefunden, wenn Valgard sie nicht nach Trollheim entführt hätte. Daher schuldete er dem Berserker etwas – ein schneller, sauberer Tod sollte sein Lohn sein.

Auf beiden Seiten riefen die Kriegshörner. Segel und Masten senkten sich, und die Flotten ruderten in die Schlacht. Die Schiffe waren untereinander durch Taue verbunden. Als sie in Schußweite gekommen waren, begannen die Pfeile zu fliegen, verdunkelten den Mond, zischten über die Wellen und bohrten sich in Holz oder Fleisch. Drei sprangen von Skaflocs Rüstung ab; ein vierter verfehlte nur knapp seinen Arm und blieb im Drachenkopf stecken. Mit seinen nachtsichtigen Augen sah er, daß andere an Bord nicht so glücklich waren. Unter dem Hagel der Trollgeschosse sanken sie tot oder verwundet nieder.

Der Mond zeigte sich immer seltener durch die rasenden Wolken, aber das Elmsfeuer tanzte, und die Wellen schäumten weiß. Es war hell genug zum Töten.

Dann kreuzten sich zwischen den beiden Schiffen die Speere, Wurfspieße und Schleudersteine. Der von Skafloc geworfene Speer nagelte die rechte Hand eines Trolls an den Mast seines Flaggschiffs. Zurück kam ein Stein, der dröhnend von Skaflocs Helm absprang. Für kurze Zeit benommen lehnte Skafloc sich an die Reling, und die See schwappte Salzwasser über seinen brummenden Kopf. Beinahe Mund zu Mund brüllten die Hörner, und die Linien trafen aufeinander.

Imrics Schiff begegnete dem Illredes. Die im Bug stehenden Krieger schleuderten ihre Wurfgeschosse. Skaflocs Schwert pfiff an der Axt eines Trolls vorbei und trennte einen Arm ab. Er lehnte sich an die Reihe von Schilden an der feindlichen Reling. Seinen eigenen bewegte er nur soviel, daß er die niederhämmernden Schläge auffangen konnte. Seine Stahlklinge blitzte über den Rand. Links von ihm stieß und hackte Feuerspeer mit seiner Pike, schrie im Kampfesrausch und achtete der Spitzen nicht, die nach ihm zielten. Rechts von ihm kämpfte Angor vom Piktenland unerschütterlich mit seiner langen Axt. Eine Zeitlang tauschten beide Seiten Hieb und Stich aus, und wenn ein Mann fiel, drängte sich ein anderer an seine Stelle.

Skafloc grub sein Schwert in den Hals eines Trolls. Als dieser fiel, durchbohrte Feuerspeer die Brust des hinter ihm Stehenden. Skafloc sprang über die Reling, hinein in die Bresche und fällte den Troll zu seiner Linken. Als der Krieger rechts von ihm nach ihm hackte, fuhr Angors Axt nieder, und der Kopf des Feindes rollte ins Meer.

„Vorwärts!“ schrie Skafloc. Die Elfen in seiner Nähe schwärmten ihm nach. Sie standen Rücken an Rücken, hieben und hieben auf die rings um sie knurrenden, grunzenden Trolle ein. Und in diesem Aufruhr gelang es weiteren Elfen, schnell und geräuschlos die Enterhaken einzusetzen und ebenfalls auf das feindliche Schiff zu gelangen.

Schwerter blitzten, Blut sprudelte. Das Klirren von Metall auf Metall übertönte Wind und Meer. Über alle Kämpfer ragte Skafloc hervor, und seine blauen Augen leuchteten wie Höllenflammen. Er mußte zwischen sich und den Elfen einen bestimmten Abstand lassen, um sie mit seiner eisernen Rüstung nicht zu verletzen, aber sie deckten ihm den Rücken, und während er mit seinem Schild die ungeschlachten Angriffe der Trolle von vorn abwehrte, schoß sein Schwert hin und her mit der Schnelligkeit einer Viper. Es dauerte nicht lange, und die Feinde wichen vor ihm zurück. Der Bug war geräumt.

„Nach achtern!“ brüllte er.

Wie ein Wetterleuchten, das über eine Bergwand steigt, stürmten die Elfen vor. Die Trolle verteidigten sich verbissen. Elfen sanken mit zerschmetterten Schädeln nieder, blieben mit gesplitterten Knochen und klaffenden Wunden zurück. Trotzdem wurden die Trolle immer weiter zurückgedrängt, und nur ihre zertrampelten Toten behaupteten das Feld.

„Valgard!“ schrie Skafloc. „Valgard, wo bist du?“

Der Trollsohn trat vor. Blut strömte ihm von der Schläfe. „Ein Schleuderstein hat mich bewußtlos gemacht“, sagte er, „aber jetzt bin ich bereit zum Kampf.“

Skafloc stieß einen Ruf aus und rannte auf ihn zu. Zwischen den feindlichen Mannschaften war ein freier Raum entstanden. Die Elfen hielten das Schiff bis zum Mast, die Trolle hatten sich im Heck zusammengedrängt, und alle waren sie im Augenblick außer Atem. Aber immer mehr Elfen kletterten über die Reling, und von ihrem Schiff versandten die Bogenschützen ununterbrochen einen Regen von graubefiedertem Tod.

Skaflocs Schwert und Valgards Axt trafen sich. Stahl kreischte, Funken sprühten. Diesmal blieb Valgard frei vom Berserkerwahnsinn; er focht mit grimmiger Kälte und stand wie ein Fels auf dem rollenden Deck. Skaflocs Schwert fing den Schaft der Axt ab, schnitt aber nur leicht in das zähe, lederbedeckte Holz ein. Die Klinge wurde zur Seite gedrängt, und der Schild auch – sofort hackte Valgard in die ungedeckte Stelle.

Da es ihm an Platz und Zeit mangelte, konnte er nicht weit ausholen, und so wurden weder Panzerringe noch Knochen verletzt. Aber Skaflocs Schildarm fiel betäubt herab. Valgard zielte auf den Hals. Skafloc ließ sich auf ein Knie fallen, so daß der fürchterliche Hieb nur den Helm traf, und währenddessen schlug er nach Valgards Bein.

Halb bewußtlos von dem Schlag, der ihm den Helm einbeulte, sank Skafloc zur Seite. Valgard taumelte mit verwundetem Bein zurück. Sie rollten unter die Ruderbänke, und die Schlacht tobte über ihnen weiter.

Denn Grum, der Trollgraf, hatte vom Heck her einen Ausfall gemacht. Seine mächtige Steinkeule zermalmte links und rechts Schädel. Gegen ihn ging Angor vom Piktenland vor, und er schlug dem Troll den rechten Arm ab. Grum fing seine fallende Keule mit der linken Hand auf und führte mit ihr einen Schlag, der Angor den Hals brach. Aber dann mußte der Troll in Deckung kriechen, um über seine furchtbar blutende Wunde heilende Runen zeichnen zu können.

Skafloc und Valgard kamen wieder zum Vorschein, fanden sich in dem Chaos und nahmen den Kampf von neuem auf. Skafloc konnte seinen linken Arm wieder benutzen, während Valgard immer noch blutete. Imrics Pflegesohn schlug mit solcher Gewalt zu, daß sein Schwert die Rüstung des Berserkers zerschnitt und bis auf die Rippen niederfuhr. „Das ist für Frida!“ rief er. „Übles hast du ihr angetan.“

„Nicht so Übles, wie du ihr antust“, keuchte Valgard. Obwohl er vor Schwäche taumelte, fing er Skaflocs nächsten Streich mit seiner Axt auf. Und das Schwert brach entzwei.

„Ha!“ brüllte der Berserker, aber ehe er die Gelegenheit wahrnehmen konnte, war Feuerspeer wie eine wütende Katze über ihm, und mit ihm kamen andere Krieger aus Alfheim. Die Elfen waren Herren des Schiffes.

„Du gibst mir keinen Grund, hierzubleiben“, sprach Valgard, „obwohl ich hoffe, dich wiederzusehen, Stiefbruder.“ Und er sprang über Bord.

Seine Absicht war gewesen, sich von der Rüstung zu befreien, bevor sie ihn zu weit unter Wasser ziehen konnte, aber das war gar nicht nötig. Viele Schiffe waren gerammt oder zerdrückt worden. Ein Mast trieb vorbei, und er faßte ihn mit der linken Hand. Seine rechte hielt immer noch die Axt Bruderschlächter umklammert, und er fragte sich, ob er sie fahrenlassen sollte.

Aber nein – verflucht oder nicht, es war eine gute Waffe.

Andere, die einen Augenblick Zeit gehabt hatten, ihre Last zu erleichtern, bevor sie vom Schiff flohen, klammerten sich ebenfalls an den Mast. „Stoßt mit den Füßen aus, Brüder!“ rief Valgard. „Wir können eines unserer Schiffe erreichen und die Schlacht immer noch gewinnen.“

Auf dem Flaggschiff der Trolle stießen die Elfen ihren Siegesruf aus. Skafloc fragte: „Wo ist Illrede? Er sollte an Bord sein, aber ich habe ihn nicht gesehen.“

„Vielleicht fliegt er über uns und besichtigt seine Flotte, wie Imric es in Gestalt einer Seemöwe tut“, antwortete Feuerspeer. „Laßt uns dieses verdammte Schiff leckschlagen und auf unser eigenes zurückkehren.“

Dort wartete Imric auf sie. „Wie steht die Schlacht, Pflegevater?“ erkundigte Skafloc sich fröhlich.

Die Antwort des Elfengrafen ernüchterte ihn. „Schlecht steht sie, denn so gut die Elfen sich auch halten, die Trolle werfen zwei Krieger gegen jeden einzelnen von ihnen. Und Scharen des Feindes landen ungehindert.“

„Das sind wahrlich schlechte Nachrichten“, meinte Golric von Cornwall. „Wir müssen wie Dämonen fechten, oder wir sind verloren.“

„Ich fürchte, wir sind jetzt schon verloren“, sagte Imric.

Skafloc konnte es nicht sofort fassen. Er blickte ringsum und erkannte, daß das Flaggschiff allein auf den Wellen trieb. Auf beiden Seiten brachen die Schiffe auseinander, da die Feinde die verbindenden Taue durchschnitten, aber die Trolle hatten weniger darunter zu leiden. Und zu oft griffen die Trolle ein Elfenschiff von beiden Seiten an.

„An die Ruder!“ schrie Skafloc. „Sie brauchen Hilfe! An die Ruder!“

„Gut gesprochen“, spottete Imric.

Das Langschiff näherte sich dem nächsten Getümmel. Pfeile zischten nieder. „Schießt zurück!“ rief Skafloc. „Im Namen der Hölle, warum schießt ihr nicht zurück?“

„Unsere Köcher sind beinahe leer, Herr“ antwortete ein Elf.

Tief unter ihre Schilde geduckt, ruderten die Elfen in den Kampf. Zwei Schiffe ihrer Mitstreiter waren zwischen drei Söldner-Fahrzeugen und einem Trollschiff eingeklemmt. Als Imrics Drachenschiff sich näherte, stürzten die mit Fledermausschwingen versehenen Dämonen vom Baikal darüberher.

Die Elfen verteidigten sich mannhaft, aber es war schwer, gegen einen Feind zu kämpfen, der von oben mit Lanzen zustach. Sie verbrauchten ihre letzten Pfeile, und doch gelang es ihnen nicht, den fliegenden Tod zu vertreiben.

Trotz allem kamen sie längsseits eines Koboldschiffes, und von hier waren die Pfeile geflogen. Skafloc sprang über die Reling und schlug mit dem Elfenschwert, das er jetzt trug, um sich. Diese kleinen Geschöpfe konnten einem Nahkampf nicht standhalten. Einen hackte er in zwei Teile, einem zweiten schlitzte er den Bauch auf, der Kopf eines dritten sprang von den Schultern. Feuerspeers Pike nagelte zwei fest, während er einem weiteren gegen das Brustbein trat. Mehr Elfen kamen an Bord. Die Kobolde fielen zurück.

Skafloc erreichte ihre Pfeiltruhen und warf die schweren Kästen auf sein Schiff hinüber. Statt die im Heck zusammengedrängten Kobolde abzuschlachten, blies er zum Rückzug. Von diesem Schiff hier drohte keine Gefahr mehr. Von neuem wurden Elfenbogen gespannt, und die schwebenden Dämonen purzelten vom Himmel.

Die Trolle schlossen auf. Skafloc sah, daß die anderen beiden Elfenschiffe gegen Kobolde, Oni und Dschinns kämpften. „Wenn sie mit denen fertig werden“, sagte er, „können wir uns um die Trolle kümmern.“

Die grünhäutigen Krieger warfen die Enterhaken, brüllten ihren Kriegsruf und sprangen über die Reling des Elfenschiffs. Skafloc rannte ihnen entgegen, rutschte auf dem blutigen Holzrost aus und fiel zwischen die Ruderbänke. Ein Speer fuhr mit einer Gewalt, die einen Kettenpanzer durchschlagen konnte, an der Stelle nieder, wo eben noch seine Brust gewesen war. Golric von Cornwall, die Spitze in seinem Herzen, fiel.

„Danke“, murmelte Skafloc und erhob sich. Die Trolle waren über ihm. Ihre Keulen trommelten von oben auf seinen Schild und seinen Helm. Er hieb nach ihren Knöcheln, und ein Feind ging zu Boden. Bevor Skafloc mit seinem Schwert von neuem ausholen konnte, beugte sich ein anderer Troll vor und schlug nach seinem Gesicht. Skafloc hob seinen eisenbeschlagenen Schild. Schreiend taumelte der Troll zurück. Die Hälfte seines Gesichts war verbrannt. Skafloc gelangte zurück auf den Gang und fand Anschluß an seine Elfen.

Der Waffenlärm hallte durch immer dichter treibenden Schnee. Auch der Wind wurde stärker und ließ die aneinandergebundenen Schiffe rollen und stampfen und Rumpf gegen Rumpf donnern. Kämpfer stolperten, fielen von Oberdecks, Gängen und Bänken auf das untere Deck und fochten dort weiter. Nicht lange, und Skaflocs Schild war bist zur Nutzlosigkeit zerhauen. Er warf ihn auf den Troll, mit dem er gerade im Handgemenge war, und stieß ihm sein schartig gewordenes Schwert ins Herz.

Dann wurde er von hinten gepackt. Er stieß mit seinem Stahlhelm zurück. Nichts geschah, außer daß die eichenfesten Arme ihren Griff verstärkten. Skafloc drehte den Kopf und sah einen Troll, der vollständig in Leder gekleidet war, sogar einen Lederhelm und Lederhandschuhe trug er. Skafloc wandte einen elfischen Kunstgriff an und rang sich frei, indem er seine Hände durch Daumen und Zeigefinger des Feindes stieß. Aber sofort wurde er in eine Bärenumarmung gezogen. Das Schiff schaukelte und warf sie beide zwischen die Bänke.

Skafloc kam nicht los. Er erkannte, daß dieses Geschöpf seine Rippen wie Pfeilschäfte zerbrechen konnte. Er stemmte seine Knie gegen den Bauch des Trolls, schloß die Hände um den dicken Hals und spannte die Muskeln an.

Wahrscheinlich hätte das Rückgrat keines anderen Sterblichen den furchtbaren Druck ausgehalten. Skafloc fühlte, wie die Stärke aus ihm rann wie aus einem lecken Weinfaß. Alles, was er an Kraft, an Willen und an Mut besaß, pumpte er in Rücken und Beine und in die Hände, mit denen er dem Troll die Luft abschnürte. Es schien eine Ewigkeit zu sein, die sie mit dem Schiff umherrollten, und er wußte, viel länger konnte er es nicht mehr aushalten.

Dann ließ der Troll los und faßte, heftig nach Luft ringend, Skaflocs Handgelenke. Skafloc rammte den Kopf seines Feindes gegen den Mast, einmal, zweimal, dreimal. Die Wucht ließ das Holz singen und den mit Leder bekleideten Schädel zersplittern.

Keuchend lag Skafloc über der Leiche. Sein Herz sprang ihm beinahe aus der Brust, und das Blut rauschte ihm in den Ohren. Nach einer Weile sah er verschwommen, daß Feuerspeer sich über ihn beugte, und hörte ihn in ehrfürchtigem Staunen sagen:

„Noch nie wurde davon berichtet, ein Elf oder ein Mensch habe einen Troll mit bloßen Händen getötet. Deine Tat ist eines Beowulf würdig und wird nicht vergessen werden, solange die Erde steht. Und jetzt haben wir gesiegt.“

Er half Skafloc auf das Vorderdeck. Durch das Schneetreiben erkannte sie, daß die fremdländischen Schiffe der Söldner alle von den Elfen eingenommen worden waren.

Aber um welchen Preis – weder auf ihrem noch auf den beiden in der Nähe befindlichen Schiffen waren mehr als zwanzig Elfen am Leben, und von diesen waren die meisten schwer verwundet. Die Schiffe trieben auf die Küste zu, bemannt mit Leichen und ein paar Kriegern, die zu müde waren, um ein Schwert zu heben. Und durch die Dunkelheit schoß ein neues, voll bemanntes Langschiff der Trolle auf sie zu.

„Ich fürchte, wir haben verloren“, ächzte Skafloc. „Uns bleibt nichts übrig, als zu retten, was wir können.“

Die Schiffe rollten hilflos in der wilden Brandung. Und auf dem Strand wartete eine Reihe von Trollen auf ihren großen schwarzen Pferden.

Eine Seemöwe tauchte aus der schneerfüllten Luft, schüttelte sich und wurde zu Imric. „Wir haben gut gekämpft“, erklärte der Elfengraf grimmig. „Beinahe die Hälfte der feindlichen Schiffe wird nie wieder in See stechen. Aber diese Hälfte gehörte zum größten Teil den Verbündeten der Trolle, und wir – wir sind am Ende. Was von unseren Schiffen noch seetüchtig ist, befindet sich auf der Flucht, und andere – wie auch das unsrige – erwarten ihre Vernichtung.“ Tränen, vielleicht seit Jahrhunderten die ersten, schimmerten in den kühlen Augen. „England ist verloren. Ich fürchte, Alfheim ist verloren.“

Feuerspeer faßte seine Pike fester. „Wir werden kämpfend sterben“, schwor er, und seine Stimme klang hohl vor Erschöpfung.

Skafloc schüttelte den Kopf, doch als er an Frida dachte, die in Elfenhöhe auf ihn wartete, kehrte ein bißchen Stärke in seinen Körper zurück. „Wir werden weiterkämpfen“, sagte er, „aber zuerst müssen wir unser Leben retten.“

„Ein guter Gedanke – wenn wir es schaffen“, meinte Feuerspeer zweifelnd.

Skafloc nahm seinen Helm ab. Die Locken darunter waren schweißdurchtränkt. „Wir beginnen damit, daß wir unsere Rüstungen abnehmen.“

Die Elfen schafften es kaum, ihre Schiffe bis auf Reichweite der Bootshaken zu rudern. Sie versammelten sich in einem Schiff, stellten den Mast auf und setzten Segel. Immer noch sahen ihre Chancen schlecht aus, denn das sich nähernde Trollschiff kam mit dem Wind, und beide Fahrzeuge waren dem leewärts gelegenen Ufer ganz nahe.

Skafloc kämpfte mit dem Steuerruder, einige seiner Leute richteten das Segel, und sie fuhren mit Backstagswind auf das Land zu. Die Trolle nahmen die Ruder zu Hilfe. Sie versuchten, das Elfenschiff entweder abzufangen oder es auf eine voraus liegende Felseninsel zuzutreiben.

„Das wird knapp“, sagte Imric.

„Knapper als sie denken“, grinste Skafloc und spähte in die treibenden Schneeflocken. Er sah die Brandung auf dem Riff, hörte ihr Rauschen durch das Heulen des Windes. Dahinter lag seichtes Wasser. Die Trolle näherten sich steuerbords. Skafloc rief einen Befehl, das Segel loszulassen, und setzte seinen Helm wieder auf. Das Schiff schwang herum und sprang vor dem Wind davon. Zu spät merkten die Trolle, was ihr Gegner vorhatte, und versuchten, ihm aus dem Weg zu kommen. Skafloc rammte sie mittschiffs. Das Holz ächzte unter der Wucht des Aufpralls. Das Trollschiff wurde in die Brandung und auf die Felseninsel zu geschleudert – und zerschellte!

Skaflocs Elfen arbeiteten nach seinen Befehlen wie die Wahnsinnigen. Trollruder zerbrachen, als sie an dem Rumpf des feindlichen Schiffes vorbeischrammten. Skafloc konnte nicht hoffen, sein eigenes Schiff zu retten, aber indem er das des Gegners als Fender wie als Drehzapfen benutzte, stieß er weniger heftig und am anderen Ende des Riffs auf, wo die See nicht so wild war. Als sein Schiff festhing, lag zwischen ihm und den Untiefen nur ein schmaler Felsengrat.

„Rette sich, wer kann!“ rief Skafloc. Er sprang auf die schlüpfrigen Steine und hinein in das ihm bis zum Hals reichende Wasser. Schnell wie ein Seehund schwamm er auf den Strand zu. Seine Kameraden kamen mit ihm, bis auf die, die zu schwer verwundet waren. Sie mußten in dem auseinanderbrechenden Schiff zurückbleiben, und, das Land vor Augen, ertrinken.

Die übrigen wateten an Land, und sie waren von den Trollen zu Pferde ein gutes Stück entfernt. Einige bemerkten sie und galoppierten auf sie zu.

„Verteilt euch!“ brüllte Skafloc. „Die meisten können entkommen!“

Während er durch den Schneesturm rannte, sah er, wie Elfen von Lanzen aufgespießt oder unter Pferdehufen zerstampft wurden. Aber die meisten seiner kleinen Schar kamen davon. Hoch hinauf stieg die Seemöwe.

Und auf den Vogel herunter stieß ein mächtiger Seeadler. Skafloc stöhnte auf. In Deckung hinter einem Felsen sah er, wie der Seeadler die Möwe nach unten drückte, und dort wurden sie zu Illrede und Imric.

Trollkeulen fielen auf den Elfengraf nieder. Er lag bewegungslos in einer Lache seines Blutes, und sie banden ihn.

Wenn Imric tot war, hatte Alfheim einen seiner besten Führer verloren. Wenn er noch lebte – um so schlimmer für ihn! Skafloc glitt durch das schneebedeckte Heidekraut. Kaum fühlte er die Müdigkeit oder die Kälte oder seine verwundeten, steifwerdenden Glieder. Die Elfen waren geschlagen, und nun hatte er nur noch ein Ziel: Er mußte Elfenhöhe und Frida vor den Trollen erreichen.

XVI

Illredes Männer verbargen sich vor der Sonne und blieben mehrere Tage in ihrem Unterschlupf, denn auch sie hatte der Kampf schwer mitgenommen. Danach zogen sie, teils zur See und teils auf dem Land, nach Süden. Die Schiffe erreichten noch in der gleichen Nacht den Hafen von Elfenhöhe. Die Mannschaften gingen an Land, plünderten die Häuser, die sie unterwegs fanden, und warteten rings um die Burg auf ihre Gefährten.

Die Landtruppen, Grum und Valgard an der Spitze, kamen langsamer voran. Reiter durchkämmten die Gegend, und wo immer kleine Scharen von Elfenkriegern sich ihnen entgegenstellten, wurden sie erschlagen – nicht ohne Verluste für die Trolle. Einsam liegende Gehöfte wurden geplündert und verbrannt. Ihre Bewohner fesselte man mit gebundenen Händen an eine Kette, die von Hals zu Hals ging, und als erster hing Imric daran. Die Trolle vergnügten sich mit den Speisen und Getränken und Frauen von Alfheim und beeilten sich nicht sonderlich, Elfenhöhe zu erreichen.

Aber die Burgbewohner wußten – sei es durch ihre Künste, sei es durch das Ausbleiben jeder Nachricht von ihren Männern – schon im Morgengrauen nach der Schlacht, daß Imric verloren hatte. Später, als sie von hohen Brustwehren die sie umgebenden Lagerfeuer und die schwarzen Schiffe sahen, die auf den Strand gezogen waren oder in der Bucht vor Anker lagen, wurde ihnen klar, daß sich nicht beide Seiten gegenseitig vernichtet, sondern daß die Angreifer einen klaren Sieg errungen hatten.

Frida stand am Fenster ihres Schlafzimmers. Sie hörte ein ganz leises Rascheln von seidenen Gewändern hinter sich, drehte sich um und erblickte Lia. In der Hand der Elfenfrau schimmerte ein Messer.

Schmerz und Bosheit kämpften auf Lias Gesicht um die Vorherrschaft, und es sah gar nicht mehr wie das aus Elfenbein geschnitzte Bild einer Göttin aus. In menschlicher Sprache sagte sie:

„Deine Augen sind sehr trocken für jemanden, dessen Liebe zu Rabenfutter geworden ist.“

„Ich werde um ihn weinen, wenn ich weiß, daß er tot ist“, antwortete Frida tonlos. „Aber es war zuviel Leben in ihm, als daß ich glauben könnte, er liege jetzt für immer verstummt.“

„Wo mag er dann sein, und was nützt dir ein umherirrender Flüchtling?“ Lias blasse, volle Lippen verzogen sich. „Siehst du diesen Dolch, Frida? Die Trolle lagern rings um Elfenhöhe, und dein Gesetz verbietet dir, dich selbst zu töten. Aber wenn du ihnen zu entkommen wünschst, werde ich ihn dir gern geben.“

„Nein. Ich will auf Skafloc warten“, antwortete Frida. „Und haben wir keine Speere und Pfeile und Kriegsmaschinen? Haben wir nicht reichlich zu essen und zu trinken, sind die Mauern nicht hoch und die Tore stark? Wir in der Burg können sie für jene, die hinausgezogen sind, halten.“

Lias Messer sank hinab. Lange sah sie das schlanke, grauäugige Mädchen an. „Du hast Mut“, sagte sie schließlich, „und mich dünkt, ich fange an zu begreifen, was Skafloc in dir gesehen hat. Aber dein Rat ist der einer Sterblichen – und er zeugt von Torheit und Ungeduld. Können Frauen eine Festung gegen einen Sturmangriff halten, wenn die Männer gefallen sind?“

„Sie können es versuchen – oder wie ihre Männer fallen.“

„O nein. Sie haben andere Waffen.“ Grausame Lust flackerte über Lias Gesicht. „Die Waffen der Frauen – aber um sie einsetzen zu können, müssen wir die Tore öffnen. Willst du deinen Liebhaber rächen?“

„Aye – mit Pfeil und Dolch und, wenn es sein muß, mit Gift.“

„Dann gib den Trollen deine Küsse. Sie sind schnell wie Pfeile, scharf wie Messer, bitter und tödlich wie Gift im Weinbecher. Das ist die Art der Elfenfrauen.“

„Lieber will ich das große Gesetz von Ihm da oben brechen und mir selbst zum Mörder werden, als zur Hure der Schlächter meines Mannes!“ flammte das Mädchen auf.

„Geschwätz von Sterblichen“, spottete Lia. Sie lächelte ihr Katzenlächeln. „Ich werde die Liebkosungen der Trolle interessant finden – für eine Weile. Wenigstens sind sie etwas Neues, und nach vielen Jahrhunderten ist es schwer, überhaupt einmal etwas Neues zu finden. Wir öffnen die Tore von Elfenhöhe, wenn unser neuer Graf eintrifft.“

Frida sank auf ihr Bett und vergrub das Gesicht in den Händen. Lia fuhr fort: „Wenn du deinen hirnlosen menschlichen Einfällen folgen willst, werde ich nur froh sein, dich loszuwerden. Morgen früh nach Tagesanbruch, wenn die Trolle schlafen, lasse ich dich mit allem, was du mitnehmen willst, aus der Burg gehen. Danach kannst du tun, was dir beliebt. Ich vermute, du wirst in das Land der Menschen fliehen und deine Stimme dem schrillen Winseln von Nonnen zugesellen, deren himmlischer Bräutigam aus irgendeinem Grund niemals zu ihnen kommt. Ich wünsche dir dabei viel Vergnügen!“

Sie ging.

Frida blieb auf dem Bett liegen. Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit überwältigten sie. Weinen konnte sie nicht, und die unvergossenen Tränen schnürten ihr die Kehle zusammen. Nun hatte sie alles verloren, ihre Familie, ihre Liebe…

Nein!

Sie setzte sich auf und ballte die Fäuste. Skafloc war nicht tot!

Das würde sie erst glauben, wenn sie seine blutlosen Lippen geküßt hatte – und wenn Gott barmherzig war, brach dann ihr Herz und sie blieb neben ihm liegen. Aber wenn er lebte… Vielleicht lag er irgendwo schwer verwundet, und die Feinde umringten sein Versteck, und er brauchte ihre Hilfe…

Schnell suchte sie alles zusammen, was sie für nützlich hielt. Einen Helm und eine Rüstung, die ihm gehörten, und die Kleidung, die darunter zu tragen war (ohne daß sein Körper darin steckte, sah sie seltsam leer aus, viel leerer als irgendwelche anderen weggelegten Männersachen), Axt und Schwert und Schild, Speer und Bogen und viele Pfeile.

Auch für sich selbst nahm sie einen leichten Brustharnisch, wie ihn die Schildjungfrauen unter den Elfen zu tragen pflegten. Er paßte ihrer schlanken Gestalt gut, und sie konnte sich eines Lächelns nicht erwehren, als sie vor dem Spiegel Kappe und goldgeflügelten Helm auf ihre rötlichen Locken setzte. Sie wirkte in diesem Aufzug nicht wie ein Knappe, eher wie ein spielendes Kind, und er hatte sie gern darin gesehen.

Es ging nicht anders, als daß sie eine Ausrüstung aus Elfenmetall zusammenstellte, denn die Elfenpferde würden Eisen nicht tragen, aber sie glaubte doch, daß sie Skafloc von gutem Nutzen sein würde. Frida fügte dem Stapel noch Stockfisch und andere Nahrungsmittel hinzu, auch Pelze und Decken und Nähzeug und was sie für wichtig hielt. „Ich werde zu einer Hausfrau“, sagte sie und lächelte von neuem. Das heimatliche Wort machte sie froh wie der Anblick eines alten Freundes. Dann trug sie bestimmte Dinge herbei, von denen sie nicht wußte, wozu sie gebraucht wurden, auf die Skafloc aber immer großen Wert gelegt hatte: Felle vom Wolf und vom Otter und Adlerschwingen, mit Runen versehene Stäbe aus Eschen- und Buchenholz sowie einen merkwürdig geschmiedeten Ring.

Als alles gepackt war, suchte sie Lia auf. Die Elfenfrau sah erstaunt auf die Walkürengestalt vor ihr. „Was willst du jetzt?“ fragte sie.

„Ich möchte vier Pferde“, antwortete Frida, „und Hilfe dabei, das eine mit dem, was ich mitnehme, zu beladen. Dann laß mich heraus.“

„Es ist noch Nacht, und die Trolle sind wach und streifen umher. Und bei Tag können Elfenpferde nicht draußen sein.“

„Das macht nichts. Sie sind schneller als alle anderen, und Schnelligkeit ist, was ich vor allem brauche.“

„Ja, du wirst wohl vor dem Morgengrauen eine Kirche erreichen, wenn du durch die feindlichen Linien kommst“, spöttelte Lia, „ und unterwegs mögen dir die Waffen, die du bei dir hast, einigen Schutz gewähren. Aber du kannst nicht darauf hoffen, daß das Gold des Feenreichs dir lange bleibt.“

„Ich habe kein Gold, das der Rede wert ist, und ich will auch nicht in das Land der Menschen. Es ist das nördliche Tor, das du mir öffnen sollst.“

Lias Augen wurden groß. Sie zuckte die Schultern. „Die reine Dummheit! Was soll dir Skaflocs Leichnam nützen? Aber es soll geschehen, wie du willst.“ Ihr Mund wurde weicher, und sie sagte mit leiser, nicht ganz sicherer Stimme: „Küß ihn einmal für Lia, ich bitte dich.“

Frida antwortete nicht, aber sie dachte, daß Skafloc lebend oder tot diesen Kuß niemals bekommen sollte.

Der Schnee fiel dicht, als sie aufbrach. Geräuschlos schwang das Tor auf, und die Koboldwachen, denen für ihren Dienst die Freiheit versprochen worden war, winkten ihr zum Abschied. Frida ritt mit ihren vier Pferden davon. Sie blickte nicht mehr zurück. Ohne Skafloc war die Pracht von Elfenhöhe nur Asche für sie.

Der Wind pfiff ihr ums Gesicht und biß durch die übereinandergezogenen Pelze. Sie beugte sich vor und flüsterte ihrem Reitpferd ins Ohr: „Jetzt schnell, schnell, bestes aller Streitrösser, galoppiere! Schnell nach Norden zu Skafloc! Finde ihn mit deinen unsterblichen Sinnen, und du sollst in all deinen Jahrhunderten in goldenen Ställen schlafen und ohne Sattel auf Sommerwiesen springen!“

Da hörte sie Gebrüll. Frida fuhr im Sattel hoch. Entsetzen erfaßte sie. Nichts war fürchterlicher als die Trolle, und sie hatten sie gesehen… „Oh, schnell, mein Pferd!“

Der vorbeisausende Wind riß sie fast vom Sattel und zwang sie, einen Arm schützend vor die Augen zu halten. Sie konnte durch Nacht und Schnee kaum noch etwas sehen, nicht einmal mit ihrer Hexensicht, aber sie hörte das Donnern von Hufen hinter sich.

Schneller und schneller, nach Norden, immer nach Norden, durch die eisige Kälte! Die Verfolger schrien, die Erde bebte unter dem Hufschlag. Als sie einen Blick zurückwarf, sah sie die Trolle als dunkle Schatten durch die Finsternis rasen. Könnte sie doch anhalten und ihnen im Namen Jesu befehlen, umzukehren! Aber die Reichweite ihrer Pfeile übertraf bei weitem ihre Hörweite.

Immer dichter tanzten die Schneeflocken. Dann fielen die Trolle zurück, aber Frida wußte, sie würden ihrer Spur weiter folgen. Und auf ihrem Weg kam sie der nach Süden marschierenden Armee von Trollheim immer näher.

Die Zeit flog ebenso wie der Wind. Von einem fernen Hügel glomm der Schein eines Feuers – vielleicht eine brennende Elfenbehausung. Die Truppen mußten ganz nahe sein, und sie würden ihre Kundschafter weit ausschwärmen lassen. Wie als Antwort auf ihre Gedanken brach ein Geheul rechts von ihr aus der Dunkelheit. Sie hörte Hufe klappern. Wenn sie sie abschnitten…

Eine abschreckende Gestalt ragte vor ihr auf, ein riesiges Pferd, schwärzer als die Nacht, mit wie Kohlen glühenden Augen, auf seinem Rücken ein Reiter mit einem schwarzen Kettenpanzer, stark von Körper und grauenhaft von Gesicht – ein Troll! Die Elfenpferde brachen zur Seite aus, aber nicht schnell genug. Er faßte nach dem Zügel und hielt Fridas Reitpferd an.

Frida schrie. Ehe sie einen heiligen Namen aussprechen konnte, hatte er sie aus dem Sattel gerissen. Mit dem einen Arm preßte er sie an sich, die freie Hand legte er ihr über den Mund. Sie war kalt und roch wie ein Schlangenknäuel. „Ho, ho, ho!“ schrie der Troll.

Aus der Nacht, durch den Wind, gerufen durch ihren stummen Hilfeschrei, sprang Skafloc. Er setzte einen Fuß in den Steigbügel des Trolls, schwang sich empor und stieß ihm den Dolch in die Kehle.

Und er fing Frida in seinen Armen auf.

XVII

Als die über Land marschierenden Trolle Elfenhöhe erreicht hatten, tönte ein Horn vom Wachtturm, und die großen Bronzetore öffneten sich weit. Valgard zog die Zügel an und kniff die Augen zusammen. „Ein Trick!“ murmelte er.

„Nein, das glaube ich nicht“, antwortete Grum. „Außer den Frauen sind nur noch wenige in der Burg, und sie rechnen damit, daß wir sie verschonen.“ Er schüttelte sich vor Gelächter. „Und das werden wir! Das werden wir!“

Die Hufe der starkknochigen Pferde klangen laut auf den Pflastersteinen des Hofes. Hier war es warm und ruhig, kühles Halblicht ruhte blau auf Mauern und himmelstürmenden Türmen. Blumen versandten süße Düfte, Springbrunnen plätscherten, und klare Bäche rieselten durch Gärtchen, die nur für zwei gedacht waren.

Die Frauen von Elfenhöhe hatten sich vor dem Eingang versammelt, um ihre Eroberer zu grüßen. Valgard hatte zwar auf seinem Zug nach Süden schon Elfenmädchen gehabt, aber jetzt, als er diese hier sah, stieß er einen halblauten Ausruf aus.

Eine trat vor. Dünne Gewänder schmiegten sich an ihren Körper und zeigten jede Rundung, und verglichen mit ihr waren alle anderen wie die Sterne neben dem Mond. Sie verneigte sich tief vor Grum, und das kühle Geheimnis ihrer Augen verbarg sich unter gesenkten Wimpern. „Sei gegrüßt, Herr.“ Es war mehr ein Singen als ein Sprechen. „Elfenhöhe unterwirft sich dir.“

Der Graf stieß den Atem aus. „Lange hat diese Burg gestanden“, sagte er, „und nicht wenige Angriffe hat sie abgeschlagen. Aber ihr, die ihr euch entschlossen habt, die Macht von Trollheim anzuerkennen, habt am klügsten gehandelt. Schrecklich sind wir unseren Feinden, aber unsere Freunde bekommen Geschenke von uns.“ Er grinste. „Bald werde ich auch dir ein Geschenk machen. Wie ist dein Name?“

„Ich heiße Lia, Herr, und ich bin die Schwester von Imric, dem Elfengrafen.“

„Nenne ihn nicht Graf, denn jetzt bin ich, Grum, Graf auf dieser Insel, und Imric ist der letzte meiner Sklaven. Bringt die Gefangenen herein!“

Langsam, mit gesenkten Köpfen und schlurfenden Füßen, kamen die Edlen Alfheims in ihren Fesseln näher. Bitter waren ihre beschmutzten Gesichter, und ihre Schultern beugten sich unter einer Last, die schwerer war als die Ketten. Imric, dessen Haar mit seinem eigenen verkrusteten Blut verklebt war und dessen nackte Füße Blutspuren zurückließen, ging an der Spitze. Die Elfen sprachen nicht, sie warfen nicht einmal einen Blick auf ihre Frauen, als sie nach unten in die Verliese geführt wurden. Die gewöhnlichen Gefangenen folgten, ein Zug des Elends.

Illrede kam von den Schiffen. „Elfenhöhe ist unser“, erklärte er, „und wir übertragen dir, Grum, den Befehl, während wir anderen das restliche Alfheim unterwerfen. Es gibt immer noch englische, schottische, walisische Elfenfestungen einzunehmen, und viele Elfen verbergen sich in den Hügeln und Wäldern. So wirst du Arbeit genug haben.“

Als erster betrat er das Gebäude. „Wir haben hier etwas zu erledigen, bevor wir aufbrechen. Vor neunhundert Jahren hat Imric unsere Tochter Gora gefangengenommen. Ihr soll nun die Freiheit werden.“

Als die Männer dem König folgten, zupfte Lia Valgard am Ärmel und zog ihn beiseite. Sie sah ihn forschend an. „Zuerst habe ich dich für Skafloc gehalten, einen Sterblichen, der bei uns gelebt hat“, flüsterte sie. „Aber ich kann spüren, daß du kein Mensch bist…“

„Nein.“ Er verzog einen Mundwinkel. „Ich bin Valgard, der Berserker von Trollheim. Trotzdem sind Skafloc und ich in gewisser Beziehung Brüder. Denn ich bin ein Wechselbalg, den die Trollfrau Gora von Imric geboren hat, und ich wurde gegen das Kind, das ihr Skafloc genannt habt, ausgetauscht.“

„Dann…“ Lias Hand schloß sich fester um seinen Arm. Sie zischte: „Dann bist du der Valgard, von dem Frida gesprochen hat? Ihr Bruder?“

„Der bin ich.“ Seine Stimme wurde rauh. „Wo ist sie?“ Er schüttelte sie. „Und wo ist Skafloc?“

„Ich… weiß es nicht… Frida ist aus der Burg entflohen, sie sagte, sie wollte ihn suchen…“

„Dann ist sie jetzt bei ihm, falls sie nicht unterwegs abgefangen wurde, und davon habe ich nichts gehört. Das ist schlecht.“

Lia lächelte mit geschlossenen Lippen und gesenkten Augen. „Endlich verstehe ich, was der Ase Tyr gemeint hat“, flüsterte sie vor sich hin, „und warum Imric es geheimgehalten hat…“ Kühn wandte sie sich an Valgard: „Warum hältst du das für schlecht? Du hast den Samen Orms bis auf die beiden getötet, und du bist die Ursache gewesen, daß ihnen ein schlimmeres Schicksal zuteil geworden ist. Wenn du diese Sippe haßt, welch bessere Rache könntest du dir wünschen?“

Valgard schüttelte den Kopf. „Ich hatte nichts gegen Orm oder seine Sippe“, murmelte er. Er blickte ringsum, als sei er plötzlich aus quälenden Träumen erwacht. „Aber ich muß sie gehaßt haben, weil ich ihnen soviel Leid zugefügt habe – meinen eigenen Verwandten…“ Er legte eine Hand über die Augen. „Nein, sie sind – sie waren ja gar nicht von meinem Blut… oder?“

Er riß sich von ihr los und eilte dem König nach. Lia, immer noch lächelnd, ging langsamer hinterher.

Illrede saß auf Imrics Hochsitz. Sein Blick hing unverwandt an der Innentür, und er lachte leise, als er die Schritte seiner Leibwache hörte. „Sie bringen Gora“, brummte er. „Mein kleines Mädchen, das einmal an meinen Knien gelacht und gespielt hat.“ Er legte eine schwere Hand auf die Schulter des Berserkers. „Deine Mutter, Valgard.“

Sie taumelte in die Halle, abgemagert, verrunzelt, zusammengekrümmt von den Jahrhunderten,  die sie in der Dunkelheit gekauert hatte. Aus ihrem totenschädelähnlichen Gesicht starrten Augen, die bis auf die in ihren Tiefen schwimmenden Geister leer waren.

„Gora…“ Illrede wollte sich erheben und sank wieder zurück.

Ihre beinahe erblindeten Augen blinzelten. „Wer ruft Gora?“ lallte sie. „Wer Gora ruft, ruft eine Tote. Gora ist tot, Herr. Sie ist vor neunhundert Jahren gestorben. Sie haben sie unter einer Burg vergraben; ihre weißen Knochen haben die zu den Sternen aufragenden Türme dieser Burg gestützt. Kannst du die arme tote Trollfrau nicht ruhen lassen?“

Valgard wich vor ihr zurück und hob eine Hand, als wolle er das auf ihn zuschwankende Wesen abwehren. Illrede streckte beide Arme aus. „Gora!“ rief er. „Gora, kennst du mich nicht mehr, mich, deinen Vater? Kennst du deinen Sohn nicht?“

Ihre leblose Stimme klang durch die Halle. „Wie kann die Tote irgend jemanden kennen? Wie kann die Tote gebären? In dem Gehirn, das Träume geboren hat, werden Würmer ausgebrütet. Ameisen kriechen durch den hohlen Raum, wo früher einmal mein Herz schlug. Oh, gib mir meine Kette zurück! Gib mir den Liebhaber zurück, der mich im Dunkeln festgehalten hat!“ Sie wimmerte. „Erwecke die arme, geängstigte Tote nicht, Herr, erwecke nicht die Wahnsinnige, denn Leben und Vernunft sind Ungeheuer, die die verschlingen, die sie geboren haben…“

Sie wandte lauschend den Kopf. „Ich höre Hufschläge. Ich höre ein Pferd, das zum Rand der Welt galoppiert. Das ist die Zeit, und von der Mähne ihres Pferdes fällt Schnee, und von seinen Hufen züngeln Blitze. Wenn die Zeit vorbeigeritten ist, dann bleiben auf ihrem Weg nur welke Blätter zurück, die der Sturm verweht. Sie kommt näher, ich höre die Welt erbeben – gib mir meinen Tod zurück!“ kreischte sie. „Laß mich zurückkriechen in mein Grab und mich vor der Zeit verstecken!“

Schluchzend krümmte sie sich auf dem Fußboden zusammen. Illrede winkte seiner Leibwache. „Führt sie nach draußen und tötet sie.“ Grum befahl er: „Hänge Imric an den Daumen über glühenden Kohlen auf, bis wir Alfheim erobert haben und darüber nachdenken können, welche Belohnung ihm zuteil werden soll.“ Er stand auf und schrie: „Ho, Männer, macht euch bereit zum Aufbruch! Wir segeln sofort!“

Obwohl die Trolle einen Festschmaus auf Elfenhöhe erwartet hatten, wagte keiner, der das Gesicht des Königs sah, zu widersprechen, und kurze Zeit darauf verschwanden die meisten der schwarzen Schiffe nach Süden.

„Um so mehr bleibt für uns“, lachte Grum. Er bemerkte, wie blaß Valgard war, und setzte hinzu: „Mich dünkt, tu tust gut daran, heute schwer zu trinken.“

„Das werde ich tun“; antwortete der Berserker. „Und sobald ich eine Truppe beisammen habe, reite ich in den Kampf.“

Nun trieben die Anführer der Trolle die Frauen der Burg zusammen und nahmen sich die, die sie wollten, und die übrigen überließen sie ihren Männern. Grum faßte mit seiner verbliebenen Hand Lia um die Mitte. „Du warst klug, daß du dich unterworfen hast“, grinste er, „und deshalb kann ich es nicht zulassen, daß du deinen Rang verlierst. Du sollst auch weiterhin die Dame eines Grafen sein.“

Sie folgte ihm demütig, aber im Vorbeigehen lächelte sie Valgard verstohlen an. Der Berserker konnte den Blick nicht von ihr wenden. Noch nie hatte er eine Frau wie sie gesehen – aye, bei ihr mochte er sogar die schwarzhaarige Hexe vergessen, die seine Träume vergiftete.

Die Trolle schlugen sich ein paar Tage lang die Bäuche voll, und dann führte Valgard eine Schar gegen eine andere Burg, bis zu der eine Reihe von Elfen hatte fliehen können. Sie war nicht groß, hatte aber hohe, feste Mauern, und die Pfeile der Verteidiger hielten die Trolle in gehöriger Entfernung.

Solange es Tag war, wartete Valgard. Kurz vor Sonnenuntergang schlich er sich durch Buschwerk und Gestein bis beinahe an die Mauern, ohne daß die lichtempfindlichen Elfen ihn sahen. Als es dunkel wurde, bliesen die Hörner zum Angriff, und die Trolle stürzten vor. Valgard erhob sich und warf mit gewaltigem Schwung einen Haken über eine Mauerzinne. An dem daran befestigten Seil kletterte er hoch, und oben auf der Brustwehr stieß er ins Horn.

Die Elfenschildwachen griffen ihn an. Trotz des Eisens, das er trug, lieferten sie ihm einen verzweifelten Kampf. Aber die Trolle hatten das Seil schnell gefunden und folgten ihm. Als sie Raum geschaffen hatten, legten andere von unten Leitern an. Bald waren die Trolle zahlreich genug, daß sie sich zu den Toren durchschlagen und sie für die übrigen von innen öffnen konnten.

Die Elfen wurden reihenweise abgeschlachtet. Viele wurden auch gefangengenommen und in Ketten zurück nach Elfenhöhe geschickt. Valgard plünderte und brannte im ganzen Land ringsumher und kehrte mit reicher Beute zurück.

Grum begrüßte ihn mißmutig, denn für seinen Geschmack machte sich Valgard unter den Trollen einen zu guten Namen. „Du hättest bei der Besatzung bleiben können, die du zurückgelassen hast“, brummte er. „Diese Burg hat kaum Platz für uns beide.“

„Das stimmt“, entgegnete Valgard und maß den Grafen mit seinen kalten, hellen Augen.

Grum konnte jedoch nicht umhin, ein Fest für ihn zu geben und ihm einen Platz zur Rechten des Hochsitzes anzuweisen. Die Elfenfrauen bedienten die Trolle, und Lia reichte Valgard ein Horn nach dem anderen mit starkem Wein.

„Auf unseren Helden, den ersten Krieger im Land der Menschen wie im Feenreich“, trank sie ihm zu. Das silberne Licht ließ ihre schlanken Glieder unter der dünnen Seide durchschimmern, und Valgard drehte sich der Kopf nicht allein vom Wein.

„Du kannst mir einen besseren Dank geben“, rief er und zog sie auf seinen Schoß. Er küßte sie leidenschaftlich, und sie gab ihm seine Küsse eifrig zurück.

Grum, der sich auf seinem Hochsitz zurückgelehnt und ohne ein Wort sein Horn geleert hatte, fuhr ärgerlich hoch. „Zurück an deine Arbeit, treulose Schlampe!“ schimpfte er, und Valgard warnte er: „Laß meine Frau in Ruhe. Du hast deine eigenen.“

„Aber die hier gefällt mir besser“, gab Valgard zurück. „Ich gebe dir drei andere für sie.“

„Ha, ich kann mir deine drei nehmen, wenn ich will – ich, dein Graf. Was ich mir aussuche, gehört mir. Laß sie los.“

„Die Beute soll dem gehören, der den besten Gebrauch davon machen kann“, stichelte Lia. Sie dachte gar nicht daran, von Valgards Schoß aufzustehen. „Und du hast nur eine Hand.“

Vor Wut sprang der Troll auf und langte blindlings nach seinem Schwert, denn die Trolle aßen, ohne ihre Waffen abzulegen. „Hilf mir!“ schrie Lia.

Valgards Axt schien ihm von selbst in die Faust zu springen. Bevor Grum, der mit seiner linken Hand unbeholfen war, die Klinge ziehen konnte, fuhr ihm die Axt in den Hals. Das Blut sprudelte hervor, und Grum fiel zu Valgards Füßen um. „Du bist ein schlechter Mann“, sagte er, „aber sie ist noch schlechter.“ Damit starb er.

In der Halle entstand ein Aufruhr. Metall blitzte auf, und die Trolle drängten sich zum Hochsitz vor. Einige verlangten brüllend Valgards Tod, andere schworen, sie würden ihn verteidigen. Einen Augenblick lang sah es aus, als werde es zum Kampf kommen.

Dann ergriff Valgard die von Grums Kopf gefallene blutbespritzte Krone, die einstmals Imric gehört hatte, und setzte sie auf. Er sprang auf den Hochsitz und brüllte über den Lärm hinweg nach Ruhe.

Nach und nach trat Stille ein, und schließlich war nichts mehr zu hören als schweres Atmen. Die blanken Waffen schimmerten, es roch nach Angst, und alle Augen ruhten auf Valgard, der stark und hochmütig dastand.

Seine Stimme hatte einen ehernen Klang: „Das ist etwas eher gekommen, als ich es erwartet hatte, aber kommen mußte es. Denn von welchem Nutzen konnte ein Krüppel wie Grum Trollheim noch sein? Für die Schlacht taugte er nicht mehr, nur noch zum Fressen und Saufen und zum Schlafen mit Frauen, die besseren Männern zugestanden hätten! Ich, der ich von so guter Herkunft bin wie irgendwer in Trollheim, ich, der ich gezeigt habe, daß ich Siege erringen kann, ich bin besser geeignet, euer Graf zu sein. Außerdem bin ich jetzt Graf durch den Willen meines Vaters, des Königs Illrede. Alle Trolle, und besonders die in England, werden ihren Vorteil davon haben. Ich verspreche euch Siege, Reichtum, gutes Leben und Ruhm, wenn ihr mich anerkennt!“

Er zog die Axt aus Grums Körper und hob sie empor. „Wer mir mein Recht streitig machen will, soll auf der Stelle gegen mich kämpfen. Wer aber mir treu ist, wird tausendfältig belohnt werden.“

Hier brachen die Männer, die mit ihm die andere Burg erobert hatten, in Heilrufe aus. Diejenigen, die keinen Kampf wollten, stimmten einer nach dem anderen mit ein, und das Ende war, daß Valgard auf dem Hochsitz Platz nahm und der Schmaus weiterging. Grum war nicht sehr beliebt gewesen, er hatte nur wenige und keine sehr engen Verwandten, und diese waren bereit, das Wergeld anzunehmen.

Später, als er im Schlafzimmer mit Lia allein war, betrachtete der Berserker sie mit finsterem Blick. „Das ist das zweitemal, daß eine Frau mich zu einem Mord getrieben hat. Wäre ich klug, würde ich deinen Körper in drei Teile hacken.“

„Ich kann dich nicht daran hindern, Herr“, gurrte sie und legte die weißen Arme um seinen Hals.

„Du weißt, daß ich es nicht fertigbringe“, stieß er heiser hervor. „Dies ist müßiges Geschwätz. Mein Leben ist so schwarz, daß ich den Frieden, den ich bei dir finden kann, mehr als alles andere brauche.“

Noch später fragte er sie. „Hast du dies auch mit den Elfen – auch mit Skafloc getan?“

Sie hob den Kopf, so daß die süß duftende Masse ihrer Haare sie beide bedeckte. „Laß es dir genügen, daß ich es mit dir getan habe, Herr“, flüsterte sie und küßte ihn.

Jetzt herrschte Valgard einige Zeit auf Elfenhöhe. Im frühen Winter war er oft im Feld, nahm Festungen der Elfen ein und jagte die Flüchtlinge mit Hunden und Männern. Wenige Behausungen blieben unverbrannt, und wenn die Elfen ihm standzuhalten versuchten, schlug er sie mit einer überlegenen Truppe. Einige Männer, die er lebend gefangengenommen hatte, warf er in die Verliese oder ließ sie Sklavenarbeit tun, aber die meisten tötete er, und ihre Frauen verteilte er unter seinen Trollen. Er selbst nahm sich keine, denn es verlangte ihn allein nach Lia.

Aus dem Süden kam die Nachricht, daß Illredes Armee die Elfen vor sich hertrieb. Ganz Valland und Flandern war in der Hand der Trolle. Im Norden waren nur die Elfen von Schonen noch frei, und sie waren eingekreist und wurden nach und nach vernichtet, so schnell es ihre tiefen Wälder zuließen. Nicht mehr lange, und die Trolle hatten das Mittelland erreicht, wo der Erlkönig wohnte.

Auch die Menschen hatten eine Ahnung von dem, was sich abspielte. Sie sahen Feuer in der Ferne und vorbeigaloppierende Schatten, und sie hörten vom Sturmwind herbeigetragenes Waffengetöse. Und die losgelassene Magie verursachte manche Verwüstung, Viehseuchen und Mißernten und Unglück in den Familien. Manchmal kam ein Jäger auf ein zerstampftes, blutiges Feld und erhaschte einen Blick auf Raben, die nichtmenschliche Leichen zerrissen. Wer in einsamen Häusern wohnte, legte Eisen auf die Schwelle und rief diesen oder jenen Gott um Hilfe an.

Aber als mehrere Wochen verstrichen waren, blieb Valgard mehr und mehr auf Elfenhöhe. Denn er war in jeder Burg und jeder Hügelstadt gewesen, die er finden konnte, er hatte von Orkney bis Cornwall geheert, und die Elfen, die ihm doch noch entkommen waren, hatten sich gut versteckt. Aber diese unternahmen ständig heimliche Überfälle, so daß nicht wenige Trolle nie nach Hause kamen; sie schmuggelten Gift ins Essen oder Wasser, schnitten Pferden die Flechsen durch, verätzten Waffen und Rüstungen, riefen Schneestürme hervor. Es war, als ob sich das Land selbst gegen die Eindringlinge erhebe.

Die Trolle waren trotzdem die Herren Englands, daran ließ sich nicht zweifeln, und täglich wurde ihr Griff fester. Und doch hatte sich Valgard noch nie so sehr nach dem Frühling gesehnt wie in diesem Winter.

(Online-Quelle:  Das geborstene Schwert (4): Schwerttanz)

Fortsetzung:  Das geborstene Schwert (5): Tyrfing

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Poul Anderson abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s