Colt Peacekeeper

Colt Peacekeeper-Revolver im Kaliber .357 Magnum, eine Variante des Trooper Mk V mit matten Oberflächen und Pachmayr-Griffschalen.

Colt Peacekeeper-Revolver im Kaliber .357 Magnum, eine Variante des Trooper Mk V mit matten Oberflächen und Pachmayr-Griffschalen.

Von Max Meinrad Krieg, aus Heft 8-1985 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Die Firma Colt Firearms scheint es sich zur Gewohnheit gemacht zu haben, zu den Nobelausführungen mancher Modelle eine preisgünstigere Variante nachzuschieben, mehr für den praktischen Gebrauch als fürs Auge. Angefangen hat es vor zwei Jahren mit den Billigversionen des Detective Special; der Peacekeeper ist das neueste Modell dieser Alternativlinie.

Obschon der Name „Peacekeeper“ (Friedensbewahrer) offensichtlich dem berühmten „Peacemaker“ (Friedensstifter) nachempfunden ist, hat die neue Waffe nichts mit dem klassischen Single Action Army-Revolver zu tun. Sie ist im Grunde nichts anderes als ein Trooper Mk V mit matter Oberfläche und Neopren-Griffschalen von Pachmayr.

Vergleich: neuer Colt Peacekeeper (oben), Colt Trooper Mk V (untern), beide Revolver mit 4“-Läufen. Es gibt auch Peacekeeper mit 6“-Lauf.

Vergleich: neuer Colt Peacekeeper (oben), Colt Trooper Mk V (unten), beide Revolver mit 4“-Läufen. Es gibt auch Peacekeeper mit 6“-Lauf.

Ein bisschen Trooper-Geschichte

Der Colt Trooper, ein mittelschwerer Gebrauchsrevolver mit verstellbarer Visierung, wurde 1953 in den Kalibern .38 Special und .22 Long Rifle eingeführt. Sein Pendant im Kaliber .357 Magnum war der im gleichen Jahr lancierte Colt Three Fifty Seven, dessen Produktion 1961 aufgegeben wurde, um einige Monate später wieder unter der Bezeichnung Trooper aufgenommen zu werden. So gibt es denn seit Januar 1962 den Trooper im heutigen Kaliber .357 Magnum.

Zu Beginn seiner Karriere wurde der Trooper mit rundem Lauf und freiliegender Ausstoßerstange gefertigt. 1969 wurde er nicht nur äußerlich verändert und bekam eine Ausstoßerstangenhülse und eine volle Visierschiene auf dem Lauf, sondern er wurde auch mit einem neuen Schloßmechanismus ausgestattet, der anstelle der traditionellen Schenkelfeder eine rostfreie Schraubenfeder als Schlagfeder verwendete. Das geänderte Modell wurde mit der Bezeichnung Trooper Mk III versehen. Seine Version mit starrer Visierung hieß Lawman Mk III.

Seine bislang letzte Ausführung, der Trooper Mk V, ist seit 1982 mit einer ventilierten Laufschiene und einem verbesserten Abzugsmechanismus ausgestattet. Diesem Trooper-Typ entspricht der neue Peacekeeper in seinen technischen Belangen.

Die Trooper-Revolver wurden preislich klar gegenüber dem teureren Spitzenmodell aus dem gleichen Haus, dem 1955 eingeführten Python, abgesetzt. Sie repräsentieren somit die „Mittelklasse“ der Colt-Revolver.

Peacekeeper mit ausgeschwenkter Trommel von hinten.

Peacekeeper mit ausgeschwenkter Trommel von hinten.

Die Peacekeeper-Variante

Im Gegensatz zum Trooper, der in poliertem Blue oder Nickel erhältlich ist, wird die Oberfläche des Peacekeepers erst sandgestrahlt und dann brüniert. Er wird zur Zeit mit Lauflängen von 4“ und 6“ (10 und 15 cm) angeboten. Er erreicht somit eine Gesamtlänge von 232 respektive 282 Millimetern. Ungeladen wiegt dieser sechsschüssige Magnumrevolver je nach Lauflänge 1,19 kg oder 1,304 kg und ist damit sogar ein klein bisschen schwerer als der Trooper. Grund: Die mit Fingermulden und einem goldfarbenen Colt-Emblem ausgestatteten „Gripper“-Griffschalen von Pachmayr aus stahlverstärktem Neopren wiegen ein wenig mehr als die Holzgriffschalen des Trooper.

Um sich ein Urteil über eine Waffe zu bilden, werden natürlich in erster Linie objektive Kriterien wie z. B. die Verarbeitungsqualität und die Schusspräzision berücksichtigt. Subjektive Eindrücke spielen bei der Beurteilung zweifellos auch eine Rolle. So wird beispielsweise die Bewertung des Aussehens einer Waffe auch von den persönlichen Vorlieben des Testers abhängen.

Das matte Äußere des Peacekeepers wird jemandem, der schöne Waffen mit poliertem Finish bevorzugt, kaum gefallen. Wer jedoch den reinen Gebrauchswert in den Vordergrund stellt, wird diese Oberflächenbehandlung eher zu schätzen wissen: sie reflektiert kein Licht, und Kratzer fallen weniger auf. (Ich möchte jedoch gern wissen, wie viele Käufer dieser Waffe damit bei uns im Mondschein durch feindliche Gefilde streifen werden…)

Peacekeeper mit 4“-Lauf, rechte Seite der Waffe.

Peacekeeper mit 4“-Lauf, rechte Seite der Waffe.

Unsere Testwaffe: Ein 4“-Peacekeeper

Colts werden von Petitpierre & Grisel in die Schweiz importiert, und von da stammte auch unsere Testwaffe, ein Peacekeeper mit 4“-Lauf. Er lag ausgezeichnet in der Hand, ohne Zweifel trugen dazu die Pachmayr-Griffschalen bei. So kann man den Peacekeeper auch noch mit schweißnassen Händen gut halten.

Die verstellbare Kimme des Peacekeepers hat einen weißumrandeten Kimmenausschnitt.

Die verstellbare Kimme des Peacekeepers hat einen weißumrandeten Kimmenausschnitt.

Die Peacekeeper-Visierung besteht aus einem rot eingelegten Korn und der standardmäßigen höhen- und seitenverstellbaren Kimme, deren Ausschnitt weiß umrandet ist. Sie gewährt ein klares Zielbild, sofern man mit der roten Einlage zurecht kommt. (Ich komme damit gut zurecht, andere SWM-Mitglieder pflegen darüber zu wettern.) Die Visierlinie beträgt beim 4“-Lauf 146 mm.

Das Korn mit roter Einlage ist auswechselbar auf der ventilierten Laufschiene plaziert. Im Gegensatz zum Colt Python reicht die Ausstoßerstangenhülse der Trooper-Modelle nicht bis zur Mündung.

Das Korn mit roter Einlage ist auswechselbar auf der ventilierten Laufschiene plaziert. Im Gegensatz zum Colt Python reicht die Ausstoßerstangenhülse der Trooper-Modelle nicht bis zur Mündung.

Der Abzug unserer Testwaffe löste sich beim Single-Action-Schießen bei 1,45 kg. Und das bei einer Waffe ohne jede Überarbeitung, im Zustand direkt aus der Schachtel. Der Abzug löst sich auch sehr trocken und fällt dank dem Triggerstop anschließend nur minim durch. Auch der Spannabzug ist mit 6,2 kg noch positiv zu werten.

Das Timing der Waffe stimmte hundertprozentig, Lauf und Trommel fluchteten genau, der Luftspalt war mit seinen 0,15 mm akzeptabel.

Wie der Trooper Mk V verwendet auch der Peacekeeper eine Schraubenfeder als Schlagfeder (links). Er ist serienmäßig mit Pachmayr-Neopren-Griffschalen des Typs „Gripper“ (mit Fingermulden) ausgestattet, die ein Colt-Medaillon tragen.

Wie der Trooper Mk V verwendet auch der Peacekeeper eine Schraubenfeder als Schlagfeder (links). Er ist serienmäßig mit Pachmayr-Neopren-Griffschalen des Typs „Gripper“ (mit Fingermulden) ausgestattet, die ein Colt-Medaillon tragen.

Der Schießtest

Der Peacekeeper schießt sich auch mit starken .357-Magnum-Patronen angenehm. Die Pachmayr-Griffschalen tragen auch hier das ihre dazu bei.

Da wir bereits ausführliche Geschossgeschwindigkeitsmessungen mit dem baugleichen Trooper (SWM Nr. 6) durchgeführt hatten, beschränkten wir uns diesmal auf drei aus dem 4“-Peacekeeper verschossene Munitionssorten:

Colt Peacekeeper ballistische Daten

Zur Beurteilung der Präzision hielten wir uns an die beiden Geco-Patronen. Bei idealen Verhältnissen – windstill, Temperatur um die 21°C – erzielten wir interessante Ergebnisse: Mit der .38 Special, aufgelegt auf 25 Meter, lagen die besten 6-Schuss-Trefferbilder bei 48 mm. Eine spätere Nachprüfung (bei nicht so guten Wetterverhältnissen) brachte als Mittel von drei 10-Schuss-Gruppen, eingespannt auf 25 Meter, eine 56-mm-Streuung.

Mit der .357-Magnum-Patrone wurde gar ein bestes 6-Schuss-Trefferbild von 18 mm geschossen (wieder aufgelegt auf 25 Meter). Aus der Maschine brachten drei 10-Schuss-Gruppen einen durchschnittlichen Streukreis von 52 mm.

Das sind Ergebnisse aus einem ungetunten Gebrauchsrevolver mit Fabrikmunition, die sich sicher sehen lassen können. Soweit sich die Schlüsse auf die gesamte Peacekeeper-Produktion ausdehnen lassen, kann man behaupten, dass mit dem Colt Peacekeeper eine Gebrauchswaffe auf den Markt kommt, die sich vom „schöneren“ Trooper wirklich nur durch die praxisnähere, fürs Auge ein bisschen weniger attraktive äußerliche Aufmachung unterscheidet. Und das wäre gut so, denn eine eigentliche Billigvariante des Trooper Mk V ist der Peacekeeper nicht unbedingt: Der Preisunterschied zwischen dem Trooper (Fr. 1005,– [1985! Cernunnos]) und dem Peacekeeper (Fr. 900,–) beträgt ganze 105 Franken…

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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