Infanteriegewehre des Zweiten Weltkrieges

SS-Mann mit Karabiner 98k (Bild nicht aus dem vorliegenden SWM-Artikel, sondern aus der Deutschen Militärzeitschrift).

SS-Mann mit Karabiner 98k (Bild nicht aus dem vorliegenden SWM-Artikel, sondern aus der Deutschen Militärzeitschrift).

Von Max Meinrad Krieg, aus Heft 8-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Mittellanges deutsches Einheitsgewehr Karabiner 98k im Kaliber 8 x 57 IS.

Mittellanges deutsches Einheitsgewehr Karabiner 98k im Kaliber 8 x 57 IS.

Als vor vierzig Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, war das bereits am Mitte des letzten Jahrhunderts eingeführte Repetiergewehr noch immer die hauptsächliche persönliche Waffe des Infanteristen, obwohl es bereits gegen Ende des Ersten Weltkrieges Halbautomaten gegeben hatte.

Der Zweite Weltkrieg war wirklich weltumfassend. Er fand nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika und Asien statt, und Amerika und Ozeanien waren ebenfalls beteiligt. Gegen Schluss des Krieges erklärten noch viele Staaten, vor allem in Mittel- und Südamerika, Deutschland pro forma den Krieg, ohne jedoch je aktiv mitzumachen. Aus diesen Gründen sprengt eine umfassende Zusammenstellung aller in diesem Krieg verwendeten Infanteriegewehre den Rahmen unseres Beitrags bei weitem. Wir beschränken uns deshalb auf die persönliche Waffe des Infanteristen der Hauptkriegsteilnehmer, die da sind:

Achsenmächte:
● Deutschland
● Italien
● Japan

Alliierte:
● Vereinigte Staaten
● Sowjetunion
● Großbritannien
● Frankreich

Bei einer solchen Beschränkung lassen sich zudem der Stand der Dinge und die Entwicklungstendenzen übersichtlicher aufzeichnen.

Deutschland

Das deutsche Reich hatte Ende des letzten Jahrhunderts das (lange) Gewehr 98 der Mauser-Werke in Oberndorf im Kaliber 8 x 57 J als Ordonnanzwaffe eingeführt, es jedoch während des Ersten Weltkrieges durch den (kurzen) Karabiner 98a für die 1908 eingeführte Patrone 8 x 57 S mit Spitzgeschoss in weiten Teilen abgelöst. 1935 führte die deutsche Wehrmacht den (mittellangen) Karabiner 98k als Einheitsgewehr ein. Es ersetzte sowohl das Gewehr wie auch den Karabiner.

Die Patrone 8 x 57 ist übrigens auch unter der Bezeichung 7,92 mm Mauser bekannt. [Anm. Cernunnos: In Amerika wird es auch als 8 mm Mauser bezeichnet; das steht auch oft auf den Patronenschachteln amerikanischer Fabrikate.]

Geöffneter Mauser-Drehverschluss des 5schüssigen deutschen Karabiners 98k.

Geöffneter Mauser-Drehverschluss des 5schüssigen deutschen Karabiners 98k.

Der Karabiner 98k hat wie seine Vorgänger einen Drehverschluss mit zwei Verriegelungswarzen an der Stirnseite und wird mit einem nach unten gebogenen Kammerstengel geöffnet und, unter gleichzeitigem Spannen des Schlagbolzens, wieder geschlossen und verriegelt.
[Korrekturanmerkung von Cernunnos: Hier irrt Meister Krieg – das System Mauser 98 ist ein Öffnungsspanner, d. h., der Schlagbolzen wird bereits beim Hochschwenken des Kammerstengels mittels Steuerkurve gespannt. Das 96er Mauser-System, wie es bei den Schwedenmausern verwendet wird, war aber noch ein Schließspanner.]
Der 98k verfügt über ein fest eingebautes Kastenmagazin für 5 Patronen, welche mit einem Streifenlader nachgeladen werden.

Mit einer Gesamtlänge von 111 cm und einem Gewicht von 4 kg bietet der 98k einen guten Kompromiß zwischen Handlichkeit und Präzision. Wie die meisten Gewehre seiner Zeit verfügt er über ein Schiebevisier und eine Halterung für die Aufnahme eines Bajonettes. Für den Riemen ist am Schaft kein entsprechender Bügel, sondern ein Loch vorgesehen.

Hergestellt wurde der 98k nicht nur bei Mauser, sondern in verschiedenen Fabriken des In- und (besetzten) Auslandes. Konstruktiv brachte diese Waffe, die den deutschen Landser den ganzen Krieg hindurch begleitete, nichts Neues; sie war aber ein grundsolides und präzises Repetiergewehr.

Neben dem 98k fanden aber bei der Wehrmacht auch andere Repetiergewehre recht ausgedehnte Verwendung. So das ursprünglich tschechische Gewehr 33/40, welches als leichte Waffe den Gebirgsjägern zugeteilt und teilweise mit einem Klappschaft versehen wurde.

Während des Krieges wurden auch halbautomatische Gewehre entwickelt. So entstand aus dem Gewehr 41 von Walther das Gewehr/Karabiner 43, welche beide jedoch nur in beschränkten Stückzahlen produziert wurden. Doch auch erste Sturmgewehre kamen zum Einsatz, so das Fallschirmjägergewehr 42 und das Stgw 44, wobei das letztere gegen Ende des Krieges in großer Zahl produziert wurde.

Österreich war zu Kriegsbeginn mit dem Geradzüger Mannlicher Mod. 95 im Kaliber 8 x 56R ausgerüstet, welcher als Langgewehr und Karabiner existierte. Nach dem Anschluß wurde der Mannlicher-Repetierer im Zuge der Vereinheitlichung auf die deutsche Patrone umgerüstet, und die Steyr-Werke produzierten den Karabiner 98k.

Italien

Auch Italien hatte Ende des letzten Jahrhunderts ein Repetiergewehr mit Drehwarzenverschluss, den Mannlicher-Carcano Mod. 91, eingeführt und anschließend in einer Vielzahl von Varianten hergestellt, alle im Kaliber 6,5 x 52.

Auf Grund der Erfahrungen im Abessinienkrieg wurde eine stärkere Patrone – die 7,35 x 51 – entwickelt und ihre Einführung beschlossen. Ein entsprechendes Gewehr, das Modell 38 lag bald vor, und man begann zudem, ältere Typen umzurüsten. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zeigte sich bald, dass das Nebeneinander beider Kaliber große Schwierigkeiten mit sich brachte und zudem die Industrie nicht in der Lage war, genügend neue Waffen zu fertigen. Deshalb beschloß man, den umgekehrten Weg zu gehen und das alte Kaliber 6,5 x 52, für das es bedeutend mehr Gewehre gab, wieder einzuführen. Neue Waffen wurden in großem Stil rückgeändert.

Italienischer Mannlicher-Carcano-Karabiner Modell 38, hier im Kaliber 6,5 x 52.

Italienischer Mannlicher-Carcano-Karabiner Modell 38, hier im Kaliber 6,5 x 52.

Die Mannlicher-Carcano sind leichte Repetiergewehre, das meistverbreitete Karabiner-Modell 38 ist z. B. nur 3,1 kg schwer und 92 cm lang. Sein Verschluss ist für starke Patronen nicht geeignet, insbesondere, da die hintere Verschlussbrücke oben offen belassen ist. Das fest eingebaute Kastenmagazin faßt 6 Patronen und wird per Streifen nachgeladen. (Eine traurige Berühmtheit erhielt das Modell 38 übrigens als die Waffe, mit welcher der amerikanische Präsident J. F. Kennedy ermordet wurde.)

Geöffneter Drehwarzenverschluss des italienischen Mannlicher-Carcano.

Geöffneter Drehwarzenverschluss des italienischen Mannlicher-Carcano.

Neben verschiedenen Mannlicher-Carcano-Typen setzte die italienische Armee noch viele andere Repetiergewehre ein, so das Steyr Mod. 95, welches Italien nach dem Ersten Weltkrieg als Reparationszahlung von Österreich erhalten und auf das italienische Kaliber umgerüstet hatte.

Japan

Japanisches Arisaka 38, neben dem Arisaka 99 Hauptwaffe der Infanterie.

Japanisches Arisaka 38, neben dem Arisaka 99 Hauptwaffe der Infanterie.

Die kaiserliche Armee beendete den Zweiten Weltkrieg mit Arisaka-Gewehren, vor allem mit dem 1905 eingeführten Typ 38 im Kaliber 6,5 x 50 sowie mit dem 1939 beschlossenen Modell 99 im Kaliber 7,7 x 58, welche beide als Lang- und Kurzvariante existieren. Die Umstellung des Kalibers erfolgte während des Krieges, konnte aber nicht abgeschlossen werden, so dass beide Patronen die ganze Zeit nebeneinander geführt werden mussten.

Geöffneter Verschluss des japanischen Arisaka 38 im Kaliber 6,5 x 50.

Geöffneter Verschluss des japanischen Arisaka 38 im Kaliber 6,5 x 50.

Das lange Repetiergewehr des Typs 38 weist mit 127 cm beachtliche Maße auf, liegt jedoch mit 4,2 kg Gewicht im Rahmen ähnlicher Waffen und hat ein festes Kastenmagazin für 5 Patronen. Diese lange Waffe wurde häufig auch mit aufgepflanztem Bajonett zum Kampf Mann gegen Mann eingesetzt. Gegen Ende des Krieges nahm die Qualität der japanischen Waffen stark ab, was den Stahl, das Holz und vor allem die Bearbeitung betraf.

Infanteriepatronen des Zweiten Weltkriegs – von links nach rechts: 8 x 57 (Deutschland), 6,5 x 52 (Italien), 7,35 x 51 (Italien), 6,5 x 50 (Japan), 7,7 x 58 (Japan), .30-06 (USA), 7,62 x 54R (Sowjetunion), .303 British (Großbritannien), 7,5 x 54 (Frankreich).

Infanteriepatronen des Zweiten Weltkriegs – von links nach rechts: 8 x 57 (Deutschland), 6,5 x 52 (Italien), 7,35 x 51 (Italien), 6,5 x 50 (Japan), 7,7 x 58 (Japan), .30-06 (USA), 7,62 x 54R (Sowjetunion), .303 British (Großbritannien), 7,5 x 54 (Frankreich).

Vereinigte Staaten

Als einzige Großmacht hatten die Amerikaner sich bereits 1932 zur Einführung eines halbautomatischen Gewehres, des .30 M1 Rifle im Kaliber .30-06 entschlossen. Und als Amerika 1941 in den Krieg eintrat, war der größte Teil der damals noch recht kleinen Armee damit ausgerüstet. Der allgemein „Garand“ genannte Halbautomat blieb die Hauptwaffe des G.I. während des ganzen Zweiten Weltkrieges.

Amerikanisches halbautomatisches Infanteriegewehr .30 M1 Rifle (Garand). Nur die Amerikaner führten einen Halbautomaten als Hauptwaffe der Infanterie.

Amerikanisches halbautomatisches Infanteriegewehr .30 M1 Rifle (Garand). Nur die Amerikaner führten einen Halbautomaten als Hauptwaffe der Infanterie.

Der Garand ist ein Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss. Der Gasdruck, der sich hinter dem Geschoss aufgebaut hat, schiebt durch ein Loch kurz vor der Laufmündung ein Gestänge nach hinten, welches dann den Verschluss aufdreht und öffnet.

Mit einer Länge von 111 cm entspricht der Garand den Repetiergewehren seiner Zeit, ist jedoch mit 4,3 kg etwas schwerer als diese. Das integrierte Magazin bedarf zu seiner Funktion eines 8 Patronen fassenden Ladeclips; Einzelpatronen können nur äußerst mühsam nachgeladen werden, ja ohne Clip kann mit dem Garand praktisch nicht geschossen werden; ohne Zweifel ein erheblicher Nachteil.

Die recht starke Patrone .30-06 übernahm der Garand von seinem Vorgänger, dem Repetiergewehr Springfield Mod. 1903, welches im Zweiten Weltkrieg zum Teil auch noch geführt wurde.

Verschluss des amerikanischen Halbautomaten .30 M1 Rifle im Kaliber .30-06.

Verschluss des amerikanischen Halbautomaten .30 M1 Rifle im Kaliber .30-06.

Der Garand verfügt über ein in der Höhe und Seite verstellbares Lochvisier und eine Bajonetthalterung.

Die U.S. Marines, neben der Army Air Force und der Navy die vierte Waffengattung, hatten gerade offiziell den Garand angenommen, als der Krieg ausbrach. Da in der Folge die Soldaten in großer Zahl ausgehoben und ausgerüstet werden mußten, herrschte ein akuter Mangel an Garands. Deshalb kauften die Marines eine größere Menge eines anderen Halbautomaten, des Johnson Mod. 1941.

Der Johnson ist technisch interessant, da er sich des Systems des verriegelten Rückstoßladers bedient, d. h. Verschluss und Lauf gehen ein Stück weit zusammen verriegelt nach hinten. Dieses bei Pistolen und Maschinengewehren häufig verwendete Prinzip ist bei halbautomatischen Gewehren sonst nicht zu finden. Ebenfalls interessant ist die Verwendung eines fest eingebauten Trommelmagazins für 10 Patronen.

Eine weitere Waffe, die der ähnlichen Bezeichnung wegen häufig mit dem Garand verwechselt wird und eigentlich nicht in diese Aufstellung gehörte, bedarf trotzdem noch der Erwähnung: der U.S. Carbine, Cal. .30 M1. Dieser nur 2,5 kg schwere Halbautomat, wie der Garand ein Gasdrucklader und ihm in vielem ähnlich, ist kein vollwertiges Gewehr. Er wurde als Ersatz für Pistole und Maschinenpistole konzipiert und verschießt mit der .30 Carbine eine erheblich schwächere Patrone. Er ist mit 15- und 30schüssigen Magazinen ausgerüstet und existiert auch mit Klappschaft (M1A1) und in einer auf Seriefeuer umschaltbaren Variante (M2). Näheres über diese Waffe ist im SWM 5 nachzulesen.

Sowjetunion

Als Weiterentwicklung des noch zur Zarenzeit konstruierten Repetiergewehres Mosin-Nagant Mod. 1891 führte die Sowjetunion 1930 das Modell 1891/30 und 1938 eine entsprechende Karabinerversion ein. Mit diesen beiden Gewehren trat Russland in den Zweiten Weltkrieg ein. 1944 wurde als Einheitswaffe ein neuer Karabinertyp beschlossen, welcher rasch in riesigen Stückzahlen produziert wurde und gegen Kriegsende die Vorgänger zahlenmäßig überflügelte.

Sowjetischer Mosin-Nagant-Karabiner Modell 44.

Sowjetischer Mosin-Nagant-Karabiner Modell 44.

Der Karabiner Mod. 44 ist ebenfalls für die alte Patrone 7,62 x 54R eingerichtet. Mit seinen Maßen von 102 cm Länge und 4 kg Gewicht entspricht er anderen Vertretern der Klasse der Infanterierepetierer seiner Art.

Auch er verfügt über einen Drehwarzenverschluss und ein fest eingebautes Kastenmagazin für 5 Patronen, die mit einem Lader nachgeladen werden, sowie ein Schiebevisier. Als Besonderheit ist festzustellen, dass sein Bajonett fest mit der Waffe verbunden und beiklappbar ist. Wie alle russischen Waffen dieser Zeit ist der Mosin-Nagant Mod. 44 recht rauh gefertigt, aber von großer Robustheit und Zuverlässigkeit.

Geöffneter Verschluss des sowjetischen Mosin-Nagant-Repetierers Modell 44 im Kaliber 7,62 x 54R.

Geöffneter Verschluss des sowjetischen Mosin-Nagant-Repetierers Modell 44 im Kaliber 7,62 x 54R.

Die sowjetische Armee führte als weitere Gewehre auch noch eine Familie von Halbautomaten, das Simonov-Modell 1936 und die Tokarev-Modelle 38 und 40, letzteres sogar in einer Seriefeuervariante, Dieser 3,9 kg schwere Gasdrucklader zeigte aber vor allem im Winter nicht die gewünschte Zuverlässigkeit. Die Fabrikation des Tokarev 40 wurde deshalb nie in vollem Umfang aufgenommen.

Nicht nur die sowjetische Armee, aber diese ganz speziell, gab in großen Mengen Maschinenpistolen an die Truppe ab, so dass diese zeitweise fast zur persönlichen Waffe des Soldaten wurden. Näheres darüber in SWM 6.

Großbritannien

Auch der britische Infanterist bestritt den Zweiten Weltkrieg mit einem Repetiergewehr, welches aus einer bereits im 19. Jahrhundert eingeführten Waffe weiterentwickelt wurde.

Nach dem Lee-Metford von 1888 und dem Lee-Enfield von 1895 für rauchloses Pulver im Kaliber .303 British wurden eine Vielzahl von verschiedensten Varianten produziert, die alle im Zweiten Weltkrieg noch Verwendung fanden, denn nach dem Desaster von Dünkirchen herrschte in England ein großer Mangel an Waffen aller Art.

Britisches Rifle No. 4 Mk I mit abnehmbarem 10-Schuss-Magazin. Das hier aufgepflanzte Bajonett mit Bowie-Klinge ist ein No. 9 Mark I, das 1948 als Nachfolger für die in der Kriegszeit produzierten Spike-Bajonette eingeführt wurde.

Britisches Rifle No. 4 Mk I mit abnehmbarem 10-Schuss-Magazin. Das hier aufgepflanzte Bajonett mit Bowie-Klinge ist ein No. 9 Mark I, das 1948 als Nachfolger für die in der Kriegszeit produzierten Spike-Bajonette eingeführt wurde.

Als wichtigstes Gewehr ist jedoch klar der Repetierer „Rifle No. 4 Mk I“ anzusehen, welcher ab 1931 eingeführt wurde. Auch dieser Lee-Enfield-Repetierer liegt mit 113 cm Länge und 4,1 kg Gewicht im Klassendurchschnitt. Wohl hat er auch einen Drehwarzenverschluss, spannt den Schlagbolzen jedoch beim Öffnen des Verschlusses, während dies beim klassischen Mausersystem beim Schließen erfolgt. [Korrekturanmerkung von Cernunnos: Wie schon zuvor angemerkt, irrt MMK hier. Die 98er-Mauser sind Öffnungsspanner, wogegen die Enfields erst beim Schließen des Verschlusses gespannt werden!]

Geöffneter Verschluss des britischen Lee-Enfield-Repetierers Rifle No. 4 Mk I im Kaliber .303 British. Diese Waffe hat die vereinfachte Klappdioptervisierung der späteren Kriegsproduktion anstelle des unten erwähnten Spindeldiopter-Leitervisiers, welches beim Nachkriegsmodell No. 4 Mk 2 wieder Standard war.

Geöffneter Verschluss des britischen Lee-Enfield-Repetierers Rifle No. 4 Mk I im Kaliber .303 British. Diese Waffe hat die vereinfachte Klappdioptervisierung der späteren Kriegsproduktion anstelle des unten erwähnten Spindeldiopter-Leitervisiers, welches beim Nachkriegsmodell No. 4 Mk 2 wieder Standard war.

Die Visierung ist als senkrecht stehendes Leitervisier ausgebildet, wobei im umgelegten Zustand eine Kampfkimme sichtbar bleibt. Der Lee-Enfield verfügt über eine Bajonetthalterung und ein 10schüssiges, abnehmbares Kastenmagazin. Er wurde nicht nur in England, sondern auch in Kanada und den USA für die britische Armee hergestellt.

Eine interessante Kurzausführung ist das No. 5 Mk1*, meist „Jungle Carbine“ genannt. Mit 100 cm Länge und nur 3,2 kg ist dieser Karabiner eine führige, für die recht starke britische .303-Patrone eher zu leichte Waffe.

Aus Gründen des bereits erwähnten großen Waffenmangels verwendeten die Briten im Zweiten Weltkrieg neben Uraltgewehren eigener Fabrikation auch das U.S. Enfield 1917, eine Waffe aus dem Ersten Weltkrieg, die sie in einer Stückzahl von 785.000 aus amerikanischen Reserven kauften.

Frankreich

Nachdem die französische Armee Ende der zwanziger Jahre für ihre Maschinengewehre die modernere Patrone 7,5 x 54 eingeführt hatte – die ursprüngliche französische Ordonnanzpatrone war die 8 mm Lebel-Randpatrone -, wurde nach einem entsprechenden Repetiergewehr gesucht. Es entstand das MAS 36.

Französischer MAS 36-Karabiner im Kaliber 7,5 x 54.

Französischer MAS 36-Karabiner im Kaliber 7,5 x 54.

Dieser Repetierer hat ebenfalls einen modifizierten Mauserverschluss, verriegelt jedoch nicht vorn, sondern hinter dem Magazin ins Verschlussgehäuse. Dadurch kann der Verschluss kurz gehalten werden, ist jedoch etwas weniger robust. Zudem muss der Kammerstengel nach vorn gekröpft werden, um noch griffgünstig zu liegen.

Geöffneter Verschluss des französischen MAS 36 mit nach vorn gekröpftem Kammerstengel.

Geöffneter Verschluss des französischen MAS 36 mit nach vorn gekröpftem Kammerstengel.

Das MAS 36 ist 102 cm lang und 3,8 kg schwer. Es hat ein 5schüssiges Kastenmagazin. Ein Schiebevisier und eine Bajonetthalterung ergänzen die obligate Ausstattung. [Anm. Cernunnos: Dieses Schiebevisier hat eine Lochkimme (Diopter); seine kürzeste Einstellung beginnt bei 200 m.]

Neben dem MAS war die französische Armee bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch mit modifizierten Lebel-Gewehren (z. B. dem Modell 07/15/34) und Mannlicher-Berthier-Karabinern ausgerüstet, sowie mit verschiedenen Varianten unmodifizierter Repetierer und dem zu Ende des Ersten Weltkriegs eingeführten Halbautomaten R. S. C. im alten 8 mm Lebel-Kaliber.

Frankreich wurde bekanntlich im Juni 1940 zum Teil von den Deutschen besetzt. Bei der Befreiung 1944 waren die an den Kämpfen teilnehmenden französischen Truppen vornehmlich mit amerikanischen und britischen Waffen ausgerüstet.

Wie klar erkennbar, war im Zweiten Weltkrieg mit wenigen Ausnahmen noch immer das Repetiergewehr die „Braut“ des Soldaten. Warum waren die Entwicklungen des Ersten Weltkriegs – Frankreich hatte 1917 den Halbautomaten Ribeyrolle, Sutter & Chauchat (R. S. C.) eingeführt, auf deutscher Seite wurde etwa das mexikanisch/schweizerische Mondragon-Gewehr (SWM 8) eingesetzt – nicht weiterverfolgt worden?

Die Gründe sind bestimmt mannigfaltig. Man wollte oder konnte keine Weiterentwicklung betreiben. So ließ die begreifliche Kriegsmüdigkeit, ja Friedenssehnsucht, die Amerikaner ihre Armee weitgehend abrüsten, und den Deutschen waren Waffenentwicklungen durch den Frieden von Versailles strikt verboten. Auch der Konservatismus des Militärs mag entscheidend mitgespielt haben: Das Repetiergewehr hatte sich bewährt, und im Ersten Weltkrieg zeigte sich das Maschinengewehr als überlegene Waffe – wozu also noch ein (halb)automatisches Gewehr für den Soldaten, der damit dann nur Munition verschwenden würde? Zudem hatten sich die ersten Halbautomaten als recht störungsanfällig gezeigt.

Und so kämpfte, mit Ausnahme der USA, der Infanterist des Zweiten Weltkrieges im Grunde genommen mit dem gleichen Gewehr, welches sein Vater vor einem Vierteljahrhundert getragen hatte.

Die Entwicklungen des Zweiten Weltkrieges aber beeinflussten, ja bestimmten die Entwicklung der Infanteriewaffen der Nachkriegszeit nachhaltig. Das deutsche Sturmgewehr 44 ist offensichtlich das Vorbild aller modernen Sturmgewehre.

16 Daten Infanteriegewehre WK 2

* * *

Weiterführende Artikel aus der Reihe „Büchsen-Licht“ von Deep Roots:

Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre
Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre
Büchsen-Licht (6): Mosin-Nagant-Gewehre
Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31
Büchsen-Licht (9): Praxistest Kurzkarabiner FR 8

 

Im Anschluß bringe ich noch eine kleine Bildstrecke von klassischen Infanteriegewehren:

 

Karabiner 98k

Karabiner 98k

Gewehr 33/40 (Gebirgsjägerkarabiner)

Gewehr 33/40 (Gebirgsjägerkarabiner)

Lee-Enfield-Sammlung

Lee-Enfield-Sammlung

Frühes Lee-Enfield SMLE, noch mit Magazinabschaltung

Frühes Lee-Enfield SMLE, noch mit Magazinabschaltung

Amerikanisches Enfield M 1917, Winchester-Fertigung

Amerikanisches Enfield M 1917, Winchester-Fertigung

Lee-Enfield No. 4 Mk 1, Baujahr 1943

Lee-Enfield No. 4 Mk 1, Baujahr 1943

Lee-Enfield No. 5 "Jungle Carbine" mit angestecktem Ladestreifen

Lee-Enfield No. 5 „Jungle Carbine“ mit angestecktem Ladestreifen

Noch einmal der "Jungle Carbine"

Noch einmal der „Jungle Carbine“

Nachkriegsmodell Lee-Enfield No. 4 Mk 2 mit aufgestelltem Spindeldioptervisier

Nachkriegsmodell Lee-Enfield No. 4 Mk 2 mit aufgestelltem Spindeldioptervisier

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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