Spacewreck: Der Friedhof von Beta Pavonis

Der Friedhof von Beta Pavonis ist ein wahrhaft ehrfurchtgebietender Anblick. Unzählige tausende verlassener Schiffe kreisen endlos um den leblosen Globus des einzigen Planeten in dem System. Fast alle Fahrzeuge stammen von jenseits der bekannten Galaxis, und diejenigen, die identifiziert worden sind, kommen aus vielen Perioden unserer Geschichte. Eines der bemerkenswertesten davon ist der uralte und beinahe intakte Space Shuttle, der in den ersten Tagen des Raumfluges operieerte, noch bevor überhaupt die Föderation gebildet worden war. (Bild von Peter Elson.)

Der Friedhof von Beta Pavonis ist ein wahrhaft ehrfurchtgebietender Anblick. Unzählige tausende verlassener Schiffe kreisen endlos um den leblosen Globus des einzigen Planeten in dem System. Fast alle Fahrzeuge stammen von jenseits der bekannten Galaxis, und diejenigen, die identifiziert worden sind, kommen aus vielen Perioden unserer Geschichte. Eines der bemerkenswertesten davon ist der uralte und beinahe intakte Space Shuttle, der in den ersten Tagen des Raumfluges operierte, noch bevor überhaupt die Föderation gebildet worden war. (Bild von Peter Elson.)

Original: „The Graveyard of Beta Pavonis“; Übersetzung: Cernunnos (Bilder von Peter Elson, Fred Gambino, Tony Roberts und Robin Hiddon). Dies ist Teil 7 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kürzerer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung
Todesschiff von Alkahera
Das Wrack der Jancis Jo
Die Kriegswelt Alshain
Kinder der Götter
Ein tödliches Eden

* * *

Die fernsten Teile jedes großen Reiches haben in der ganzen Geschichte immer ein größeres Maß an Freiheit und Unabhängigkeit erfahren als jene Regionen, die näher an der Zentralregierung liegen. Das Gesetz ist schwerer durchzusetzen, und die Kommunikation ist auf das Wesentliche beschränkt. Obwohl es viele Vorteile für die Bewohner jener abgelegenen Gebiete geben mag, gibt es auch Nachteile. Es ist beträchtlich schwerer für sie, am gemeinsamen Netzwerk des Handels und der Wirtschaft mit ihren offenkundigen Vorteilen teilzunehmen, und sie sind zu einem hohen Maß an Autarkie gezwungen, um zu existieren. Wichtige Materialien und Versorgungsgüter sind Mangelware und oft von einer Art, die unmöglich zu improvisieren ist.

Die Raumregion, die von Alpha Indi dominiert wird, einer Sonne sehr ähnlich unserer eigenen, war ein typisches Beispiel. 102 Lichtjahre vom Zentrum der Terranischen Föderation entfernt liegend, besaß sie mehrere Planeten, von denen zwei in der jüngeren Vergangenheit kolonisiert worden waren. Obwohl beide Welten recht groß waren, war ein Großteil ihrer Oberfläche dürr und unwirtlich, und die Kolonisation nahm die Form zahlreicher isolierter Siedlungen an, die über die ganzen Enklaven fruchtbaren Landes verteilt waren. Aber diese Welten waren für sich nicht der Grund, warum Menschen durch die Leere gereist waren. Über das ganze System verstreut gab es mehrere erzreiche Asteroidenschwärme, von denen jeder aus Tausenden einzelner Objekte bestand. Das Problem war, an sie heranzukommen. Versorgungsschiffe von den Industriewelten näher am Kern der Föderation kamen selten vorbei, und wenn einmal Händler bei Alpha Indi aus dem Warp auftauchten, beförderten sie üblicherweise wichtige medizinische Nachschubgüter oder Haushaltsgeräte statt Raumschiffbaugruppen oder Bergbauausrüstung, die zu bezahlen den Siedern schwerfallen würde. Die großen Bergbaukonzerne waren in diesem Stadium mehr an den Feldern näher der Heimat mit ihren bedeutend niedrigeren Transportkosten interessiert. Es war für die Kolonisten sehr frustrierend, die Chance zu sehen, die riesigen Konzerne mit diesen reichen Feldern zu schlagen, und doch unfähig zu ihrer Ausbeutung zu bleiben. Ihr Problem war nicht einzigartig, und die Konzerne waren damit zufrieden zu warten, bis die Nachfrage die neuen Felder rentabel machen würde, bevor sie ihre Ausrüstung heranschafften. Auf jeden Fall waren viele von ihnen auch Raumschiffhersteller und begrenzten in gegenseitigem Einvernehmen die Lieferung von Raumfahrzeugen und Ausrüstung an solche Welten.

Daher bemerkten sie mit einiger Überraschung einen Zuwachs des Angebots bestimmter wichtiger Minerale auf dem Markt, einen Zuwachs, für den sie nicht verantwortlich waren. Zuerst war das Volumen nicht bedeutend genug, um die allgemeinen Preise zu drücken, und sie achteten wenig darauf. Aber allmählich nahm das Rieseln zu, und es begann eine deutliche Wirkung auf ihre Preise zu haben. Die Lieferungen wurden bald nach Alpha Indi zurückverfolgt, und Kundschafter wurden ausgeschickt, um herauszufinden, wie die Siedler an die Quelle gelangten und die Materialien abbauten. Es war offenkundig, daß die Menschen von Alpha Indi Schiffe hatten, aber es gelang den Kundschaftern nicht herauszufinden, wie man sie erhalten hatte, insbesondere nachdem sie keinen existierenden Typen entsprachen. Die Kolonisten beharrten darauf, daß sie sie selbst gebaut hätten, aber dies erschien unmöglich. Sie hatten weder die beträchtliche Expertise, die nötig war, um solche Fahrzeuge von Grund auf zu konstruieren und zu bauen, noch die hochentwickelten Einrichtungen, die solch ein Unterfangen erfordern würde. Die Fabriken, die es gab, waren nicht mehr als ziemlich primitive Montagewerkstätten. Der Bau fertiger Schiffe wäre nur mit einem hohen Grad an Vorfabrikation möglich gewesen, und kein registrierter Anbieter hatte solche Baugruppen angeliefert.

Dennoch wurden die Erze in ständig wachsenden Mengen gefördert, wobei die Siedler selbst die Schiffe in die Heimatsysteme flogen. Die Bergbaufirmen ersuchten schließlich die Terran Trade Authority um Ermittlung, mit der Begründung, daß die neue Kolonie vielleicht ihre Produktionsquote überschreiten könnte, aber die TTA konnte nichts ausrichten. Produktionsquoten wurden vorab vor jeder Bergbauoperation festgesetzt, und in diesem Fall war keine festgelegt worden, weil erwartet wurde, daß diese Felder erst in vielen Jahren in Betrieb sein würden. Was die Schiffe betraf, so waren sie von einzigartiger Konstruktion, aber sie entsprachen alle den standardmäßigen Sicherheitsvorschriften und waren ordnungsgemäß registriert worden.

Daß es genug Schiffe gab, um einen Bergbaubetrieb von beträchtlicher Größe zu ermöglichen, war außergewöhnlich genug, aber daß es auch eine große Zahl von Fahrzeugen gab, die als private Verkehrsmittel zwischen den beiden Schwesterwelten benutzt wurden, viel mehr, als mit dem gewachsenen Wohlstand der Bergbauleute erklärt werden konnte, war ganz unerklärlich. Die TTA war offensichtlich sehr interessiert daran, wie eine isolierte und etwas verarmte Kolonie es geschafft hatte, fast über Nacht eine blühende und individuelle Schiffbauindustrie zu schaffen, ohne die teuren und raffinierten Ressourcen, die für ein Unternehmen dieser Art für notwendig erachtet wurden. Ihre Ermittler wurden offen und warmherzig empfangen und sofort zu den betreffenden Fabriken geführt, wo bald offensichtlich wurde, daß die Bewohner mit den Grundbaugruppen in vorfabrizierter Form beliefert wurden.

Die Antworten auf die von den Ermittlern gestellten Fragen vertieften das Mysterium nur, aber sie beharrten darauf, daß die Teile von einer Gruppe unabhängiger „Jacker“ angeliefert worden waren, Männern ohne festen Beruf, die die Sterne durchstreiften und ihren Lebensunterhalt mit allem bestritten, was sich so ergab. Eines Tages hatte ein Jacker-Schiff auf Alpha Indi II aufgesetzt, um Versorgungsgüter an Bord zu nehmen; die Jacker hatten vom Dilemma der Kolonisten erfahren und eine Lösung versprochen.

Mehrere Monate waren vergangen, bevor man das Schiff wiedersah, aber als es mit einem anderen seiner Art eintraf, beförderten die beiden eine Anzahl großer Rumpfsektionen einschließlich einer großen Nuklearantriebseinheit. Ohne auf Bezahlung zu warten, verschwanden sie wieder, um Wochen später wieder mit weiteren Teilen zu erscheinen, die alle von einer Vielzahl von Fahrzeugen zu stammen schienen, als ob sie einen himmlischen Schrottplatz geplündert hätten.

Es war genug Krempel da, um ein ganzes Schiff zu bauen und eine Anzahl Teile übrigzubehalten. Der Großteil der Elektronik wurde leicht mit Geräten adaptiert, die die Kolonisten bereits hatten, und ihre allgemeinen Fertigkeiten genügten, um das ziemlich einfache Kontrollsystem aufzubauen, das für den örtlichen Betrieb in den Asteroidengürteln nötig war. Die Jacker einigten sich gerne auf einen Anteil an den Einnahmen, sobald das Erz in den Lagersilos einzutreffen begann, die von den hocherfreuten Bergleuten hastig gebaut wurden. Sobald das erste Schiff einsatzbereit war, war es nur eine Sache von Wochen, bevor die Kolonisten die Jacker um weitere Fahrzeuge ersuchten, und wiederum verschwanden die fleckigen und ramponierten Schiffe in den tiefen Raum. Bald füllte ein stetiger Strom von Rumpfsektionen und Energiesystemen die Schuppen, die frisch von den Teams auf Alpha Indi II errichtet worden waren, welche sich dafür entschieden, die Quelle der Maschinenteile nicht zu hinterfragen. In der Zwischenzeit hatten immer mehr Jacker, begierig auf die Ausbeutung dieses lukrativen Handels, sich angeschlossen.

Die Jacker fabrizierten eine Anzahl austauschbarer Kontroll- und Wohnmodule, die an ein breites Spektrum improvisierter Rümpfe angepaßt werden konnten, wie der Erztransporter und das Abbauschiff, die hier gezeigt werden. (A = Seienansicht; B = Vorderansicht.)

Die Jacker fabrizierten eine Anzahl austauschbarer Kontroll- und Wohnmodule, die an ein breites Spektrum improvisierter Rümpfe angepaßt werden konnten, wie der Erztransporter und das Abbauschiff, die hier gezeigt werden. (A = Seitenansicht; B = Vorderansicht.)

Inzwischen hatte der Reichtum, der sich aus den Erzlieferungen anzusammeln begann, es den Kolonisten ermöglicht, Expertenhilfe beim Zusammenbau der kunterbunten Mischung von Fahrzeugen einzukaufen, und die Schiffe wurden zunehmend ausgereifter. Einige der Bergleute begannen kleine private Fahrzeuge in Auftrag zu geben, um zwischen den verstreuten Siedlungen beider Indi-Welten zu reisen, wobei keine zwei Schiffe gleich waren. Es war eine verwirrende Situation für die Ermittler der TTA, und alles, was sie tun konnten, war auf die Ankunft des nächsten Jacker-Schiffes zu warten.

Manche der improvisierten Raumfahrzeuge, die von den Jackern gebaut wurden, erwiesen sich als extrem effizient, und Schiffe wie dieser Erztransporter sind offiziell zugelassen und lizenziert worden.

Manche der improvisierten Raumfahrzeuge, die von den Jackern gebaut wurden, erwiesen sich als extrem effizient, und Schiffe wie dieser Erztransporter sind offiziell zugelassen und lizenziert worden.

Es landete ein paar Tage später mit einer Fracht aus Spezialteilen, und die Besatzung begann mit dem Ausladen, ohne von der Anwesenheit der TTA-Offiziere zu wissen, die sie sogleich konfrontierten, um ihre Recherchen durchzuführen. Die Reaktion der Jacker war schnell und unerwartet. Drei Offiziere starben im grellen Strahlerfeuer, als die Besatzung des Frachters zu ihrem Schiff rannte und in den Himmel startete. Sie waren in den Warp gegangen, bevor ihre Koordinaten bestimmt werden konnten, und die Offiziere blieben im leeren Raum treibend zurück und übermittelten verlegen ihren Bericht.

Etwas war offenkundig faul, und Schiffe der Federal Law Enforcement Authority wurden ausgesandt, um alle Schiffe der Kolonisten zu beschlagnahmen, bis eine zufriedenstellende Erklärung ihrer Herkunft gegeben werden konnte. Für die Siedler war das fast schon katastrophal, und ihre Träume vom Reichtum verflüchtigten sich und ließen sie bitter und voller Groll zurück. Ärger war unvermeidlich, und gemurrte Beschwerden explodierten plötzlich in einer offenen Rebellion mit einem schnellen und wilden Angriff auf die von den Bundestruppen errichtete Basis. Der Kampf war kurz, und die Offiziere waren gezwungen, sich unter der Wucht des Ansturms der Rebellen zurückzuziehen, wobei sie die Leichen von beinahe zwei Dritteln ihrer Zahl in den Trümmern ihres Lagers niedergestreckt zurückließen. Ihre verzweifelten Signale um Hilfe wurden bestätigt, und Militäreinheiten wurden sofort mobilisiert. Währenddessen kurvte die kleine Gruppe von Föderationsmännern ausweichend zwischen den Asteroidenschwärmen herum und versuchten, nicht ins Visier der Rebellenwaffen zu geraten, bis Verstärkungen eintrafen. Es war ein langes und tödliches Versteckspiel, aber zum Glück war die Bewaffnung des Feindes so improvisiert wie seine Schiffe, denn mit der Notwendigkeit für Offensivausrüstung war nicht gerechnet worden, und die schnellen, manövrierfähigen Fahrzeuge der Föderationsoffiziere erwiesen sich als schwierige Ziele zwischen den wirbelnden Felsen der Asteroidenschwärme.

Die Schiffe der Jacker mit ihrer improvisierten Bewaffnung waren in der wilden Schlacht zwischen den Asteroiden von Alpha Indi II kein Gegner für die Föderationsfahrzeuge.

Die Schiffe der Jacker mit ihrer improvisierten Bewaffnung waren in der wilden Schlacht zwischen den Asteroiden von Alpha Indi II kein Gegner für die Föderationsfahrzeuge.

Sie waren dennoch stark in der Minderzahl und wurden allmählich in einen kleineren Kreis gezwungen, aber gerade als die Hoffnung schwand, erschien eine frische Welle von Objekten auf ihren Scannern. Die schnittigen Abfangjäger der Terran Defence Authority rasten aus der Schwärze jenseits der gelben Sonne heran und schlugen hart gegen die improvisierten Schiffe der rebellierenden Kolonisten zu. Drei Rebellenschiffe explodierten sofort, und ein viertes wirbelte, sich mit weggesprengtem Heck wie verrückt überschlagend, in den tiefen Raum, während sein lebenswichtiger Luftdruck in das Vakuum entwich. Die Siedler konnten nicht darauf hoffen, sich mit den schnellen und schwerbewaffneten Abfangjägern messen zu können, signalisierten ihre Kapitulation und kehrten kleinlaut unter enger Eskorte auf die Oberfläche zurück.

Ihr Schicksal lag nun bei der Law Enforcement Authority, die bereits weitere Kräfte entsandt hatte. Von unmittelbarerer Bedeutung war der Verbleib der Jacker und die Lage ihrer mysteriösen Quelle von Raumschiffteilen. Es würde keine leichte Aufgabe sein, sie aufzuspüren, nachdem keine Zielbestimmung des flüchtenden Fahrzeugs vorgenommen worden war. Nur das mühsame Zusammenstückeln von Informationen konnte zu einem Hinweis führen, und dies würde die völlige Kooperation der Kolonisten erfordern. Zuerst noch mürrisch, erkannten sie schnell, daß sie nichts zu verlieren hatten, nachdem ihr privates Schiffbauunternehmen nun eindeutig zu Ende war. Jedenfalls wurde ihnen klargemacht, daß jede Unterstützung, die sie zu geben bereit waren, sehr viel dazu beitragen würde, den Ernst ihrer Lage auszugleichen: offene Rebellion und die Ermordung von Föderationsoffizieren in Ausübung ihrer Pflicht war ein extrem schwerwiegendes Vergehen.

Obwohl sie keine Vorstellung bezüglich der Nachschubquelle der Jacker hatten und sich nie zu Nachforschungen imstande gefühlt hatten, begannen gründliche Vernehmungen durch die Gesetzeshüter einige Hinweise zu erbringen. Bruchstücke erinnerter Konversationen, gelegentliche Erwähnungen navigatorischer Besonderheiten und die Richtung von Ankunft und Abflug der Jacker-Schiffe engten zumindest die Möglichkeiten auf eine allgemeine Flugrichtung in den Bereich des Sternbilds Pavo (Pfau) ein. Jedoch stellte dies ein unmöglich riesiges Weltraumgebiet dar, in dem eine Suche Hunderte, wenn nicht Tausende von Jahren dauern konnte, bevor die Basis entdeckt wurde. Die Antwort fand man in der Häufigkeit der Besuche der Jacker. Unter der Annahme, daß sie wegen des Wertes ihrer Fracht nicht lange dort geblieben sein würden, deuteten die Zeitabstände zwischen den Lieferungen auf eine Reise unter Warpantrieb von etwa zehn Lichtjahren hin oder zurück hin, und der diesem Punkt nächste Stern war der Heliumstern Beta Pavonis, 112 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Niemand war sich ganz sicher, wie viele der Jacker an dieser lukrativen und höchst illegalen Operation beteiligt waren. Sie waren üblicherweise entschieden unabhängige Charaktere, die nicht nur die Gesellschaft von Planetenbewohnern mieden, oder „Groundies“, wie sie sie verächtlich nannten, sondern auch jene anderer Jacker. Es gab keinen Zweifel, daß eine Anzahl von Jacker-Schiffen in den Schmuggel von Gerät nach Alpha Indi verwickelt waren, da vier oder fünf verschiedene Besatzungen an der Überführung der Ausrüstung zu den Kolonisten beteiligt waren. Sie mußten das Gefühl gehabt haben, daß es dabei genug Profit gab, um eine Kooperation lohnenswert zu machen. Noch bedeutsamer war, daß es für jedes Team, das am Transport der Teile durch den Weltraum beteiligt war, andere gegeben haben mußte, die das Gerät bargen und für die Verschiffung vorbereiteten. Aber woher bargen sie es?

Die Raumfahrt ist immer ein teures Geschäft gewesen, selbst im Zeitalter der Massenproduktion, und sehr wenig wird jemals verschwendet. Selbst veraltete und beschädigte Schiffe sind viel wert und werden von ihren Besitzern zu Wiederverwertungszentren der TTA gebracht, wo sie Rümpfe und Einrichtungen zur Wiederverwertung verkaufen können. Die Einnahmen decken immer viel vom Kauf von Ersatzfahrzeugen ab, daher wird kein Schiff jemals absichtlich im Raum aufgegeben. Es gibt natürlich Zeiten, wo dies unvermeidlich ist. Manchmal ist ein Schiff so schwer beschädigt, daß wenig zu bergen übrig ist; oder das Unglück geschieht so weit von einem Wiederverwertungszentrum entfernt, daß die Bergungskosten den Wert des Wracks übersteigen. Aber solche Fälle sind extrem selten und würden sicherlich nicht die massive Menge verwendbarer Teile erklären, die von den Jackern für Alpha Indi geholt wurden. Jedenfalls war es den Föderationsoffizieren bei praktisch allen Bauteilen, aus denen die Schiffe der Siedler gebaut worden waren, nicht gelungen, sie zu identifizieren. Manche Teile bestanden sogar aus Materialien, die der TTA unbekannt waren. Je mehr die Behörden über die Sache nachdachten, desto tiefer wurde das Mysterium, und desto begieriger wurden sie, die Jacker-Bande und ihre anscheinend endlose Teilequelle aufzuspüren.

Die wenigen nun auf Alpha Indi stationierten Abfangjäger würden für eine größere Expedition nach Beta Pavonis nicht genügen, da sie nicht für ausgedehnte Einsätze konstruiert waren. Ein Truppentransportschiff und Unterstützungs- und Versorgungsfahrzeuge wurden von der nächsten Militärbasis entsandt, um die für eine solche Expedition notwendigen Mittel zu stellen. Eine Woche später beobachteten die Kolonisten mürrisch die Ankunft der riesigen Schiffe auf ihrer unwirtlichen Welt, während die Kommandanten sich versammelten, um den Einsatz zu planen. Ein paar Stunden später wurden die Abfangjäger und zwei der Patrouillenschiffe der Federal Law Enforcement Authority in die riesigen Laderäume von zweien der Versorgungsschiffe verladen, und die Expeditionsstreitmacht hob ab und stieg flammend in den Abendhimmel Richtung Pavonis.

Die Flotte wurde von TTA-Colonel „Badger“ Brock befehligt, und als er seine Offiziere zur Haupteinsatzbesprechung versammelte, fand er sich mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Wenig war über das System Beta Pavonis bekannt, falls es dort überhaupt ein System gab, und noch weniger war über die Natur der Jacker-Basis bekannt. Auf jeden Fall war es sehr wahrscheinlich, daß ihr nomadisches Jagdwild bereits in die Tiefen der Galaxis verschwunden war, im Wissen, daß ihr gesetzwidriger Handel entdeckt worden war. Andererseits würden sie, falls sie auf eine Quelle potentieller Reichtümer gestoßen waren, diese nur sehr ungern völlig aufgeben und könnten das Vorüberziehen des Sturmes abwarten, bevor sie eine neue Verkaufsmöglichkeit suchten. Es gab reichlich andere Welten um den Randbereich der Föderation, die über die Gelegenheit zum Erwerb billiger Schiffe erfreut wären, ob illegal oder nicht. Sie mußten sich bereits ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet haben, und diese Nachricht würde sich fast sicher zu anderen Jacker-Banden verbreitet haben, die vielleicht bereits begonnen hatten, sich bei der ursprünglichen Gruppe zu sammeln. Es konnte jetzt bereits eine große Armee von ihnen geben, und falls sie beschlossen hatten zu bleiben, würden sie auf Ärger vorbereitet sein.

Bei so wenig Ahnung von dem, was bevorstehen könnte, war es von geringem Vorteil, ausgeklügelte Pläne zu machen, und Colonel Brock konnte wenig mehr tun als die Arten der Schiffe zu beschreiben, denen sie wahrscheinlich begegnen würden, und seine Offiziere an die standardmäßigen TTA-Taktiken für Eventualfälle zu erinnern. Es gab dann nichts zu tun als zu warten. Nach einer scheinbaren Ewigkeit verlagerte sich der markante Stern Beta Pavonis von den Langstrecken- zu den Nahbereichsscannern und nahm stetig an Größe zu. Innerhalb von Stunden hatten die Scanner eine Anzahl von Begleitkörpern entdeckt, die um die Heliumsonne kreisten, von denen alle außer einem deutlich unterhalb planetarer Masse waren, was auf umlaufende Asteroiden hindeutete. Die Ausnahme war ein einzelner rötlicher Planet von etwa Erdgröße, umkreist von einer großen Zahl kleiner Körper, die die Überreste von einem oder mehreren Monden sein konnten, die in einer früheren Epoche zerbrochen waren.

Es gab kein Anzeichen von den Jackern, aber Colonel Brock war ein vorsichtiger Mann, und seine kleine Flotte schwärmte aus, um sich dem Planeten aus unterschiedlichen Richtungen zu nähern, wenn auch nahe genug beisammen, um einander unterstützen zu können. Sobald sie in Position waren, begannen sie gemeinsam auf die unbekannte Welt zuzufliegen, während die Scanneroperatoren an ihren Bildschirmen klebten und Ausschau nach der kleinsten verdächtigen Bewegung unter der Vielzahl von Signalen aus dem Asteroidengürtel hielten.

In jedem Schiff ließen sie fast zum selben Zeitpunkt plötzlich einen Chor erstaunter Ausrufe los. Die stummen Kommunikatorrelais brachen in Geschwätz aus, bevor die Kommandanten die Ordnung unter ihren Besatzungen wiederherstellten. Sobald sie selbst die Scanner erreicht hatten, war der Grund für deren Bruch klar. Das weite Feld von Objekten, die stumm um den roten Glanz des Planeten kreisten, bestand nicht aus Asteroiden. Die Scanner- und Spektrometeranzeigen zeigten sie als riesige Flotte von Raumfahrzeugen unterschiedlicher Formen und Größen, aber noch seltsamer war, daß keines davon unter Antrieb war oder auch nur irgendeine Energiequelle oder Gerätschaft betrieb.

Den Schiffen wurde befohlen, heranzufliegen und Gefechtsstationen beizubehalten und zum sofortigen Rückzug bereit zu sein. Falls diese enorme Flotte anzugreifen beschloß, würde es selbstmörderisch sein, sie auf Schußweite herankommen zu lassen. Brock beschloß darauf zu warten, daß sie den nächsten Zug machen würden. Sie war zu groß, um eine Jacker-Flotte zu sein, was nur bedeuten konnte, daß es eine fremde Flotte von außerhalb des Grenzbereichs sein konnte. Die Implikationen waren alarmierend, da dies auf die Existenz einer großen und mächtigen Zivilisation hindeutete, über die nichts bekannt war, mit der Fähigkeit, in einer der größten je versammelten Flotten bis ins Herz der Terranischen Föderation zu fliegen.

Aber es gab immer noch kein Anzeichen irgendeiner unnatürlichen Bewegung in der kreisenden Masse. Es lag eindeutig bei den Männern der Föderation, das Patt zu beenden, und widerwillig befahl Colonel Brock seinen Schiffen, sich langsam der seltsamen Armada zu nähern. Fast unwahrnehmbar rückten die TDA-Schiffe näher, mit geschäftig piependen und zwitschernden Waffenkontrollcomputern, die ständig die Daten anglichen, und nervös zappelnden Ingenieuren und Navigatoren, die auf den Befehl warteten, wieder in den Weltraum hinauszurasen. Aber es kam keiner. Innerhalb von Minuten waren sie in Sichtweite, und wiederum brach erstauntes Ächzen die Stille, als die Sichtschirme keine riesige und mysteriöse außerirdische Flotte zeigte, die zum Gefecht bereit war, sondern eine riesige und mysteriöse fremde Flotte, die aus nichts als verlassenen Schiffen bestand. So weit das Auge reichte, wirbelten und trieben Tausende kaputter und beschädigter Schiffe in einem großen Bogen um den roten Planeten, inmitten von Strähnen von Bruchstücken und Trümmern.

Langsam schoben sich die schnittigen Föderationsschiffe in das bizarre Meer leerer Schiffe vor, mit an die Sichtluken gedrückten Gesichtern der Besatzungsmitglieder, die ungläubig die Vielzahl von Schiffen anstarrten. Es gab unzählige Tausende davon, von Schiffen, die selbst für einen einzigen Mann zu klein waren, bis zu gigantischen Konstruktionen, die selbst eines der Kolonisationsschiffe der Föderation zwergenhaft erscheinen lassen würden. Es war ein verblüffender Anblick, und sie kreuzten mehrere Stunden lang entlang der Umlaufbahn der Wracks und versuchten, vertraute Formen unter den Tausenden unidentifizierbarer Hulks auszumachen.

Schließlich zeigte einer aus der Besatzung auf den zerrissenen Rumpf einer Proxima K9 Goblin, eines Schiffes, das über vierhundert Jahre zuvor im Proxima-Centauri-System eingesetzt worden war. In der Nähe hing die ramponierte Form einer Colonial IV, die aus ungefähr derselben Zeit stammte, und allmählich kamen weitere bekannte Fahrzeuge ans Licht, von denen das jüngste die vordere Sektion eines Vermessungsschiffes der TTA war, das auf einer routinemäßigen Tiefraumtour verschwunden war. Aber diese vertrauten Objekte stellten nicht mehr als eine Handvoll des unzählbaren Gewirrs von Schiffen dar, von denen manche überhaupt keine Ähnlichkeit mit Raumfahrzeugen hatten und über deren Funktion man nur raten konnte.

Die Besatzungen waren so von dem spektakulären Anblick in Anspruch genommen, daß die Salve von Laser- und Disruptorfeuer sie im Kreuzfeuer erwischte. Die aktivierten Verteidigungssysteme der Patrouille schleuderten die Schiffe auf Abstand und warfen dabei Offiziere und Mannschaften der Länge nach auf die Decks. Hektisch versuchten sie sich voneinander zu entwirren und eilig auf ihre richtigen Stationen zu kommen. Die Jacker hatten den größten Schrottplatz des bekannten Weltraums offensichtlich nicht verlassen, und da es hier genug Rohmaterial gab, um genug Schiffe zur Versorgung der halben Föderation zu bauen, hätte das keine Überraschung sein sollen. Colonel Brock trat sich in Gedanken in den Hintern, weil er das nicht vorhergesehen hatte, sobald das riesige Meer von Wracks als das erkannt worden war, was es war.

Die Scanner durchsuchten das verwirrende Durcheinander von Signalen nach der Position der Jacker-Schiffe, während die schnittigen TDA-Fahrzeuge auswichen und schlingerten, um dem feindlichen Feuer zu entgehen. Die Spektren der hitzeabstrahlenden Jacker-Fahrzeuge wurden bald isoliert, und Brock formierte seine Streitmacht neu; der außergewöhnliche Friedhof von Wracks war vergessen, während er sich auf die vertrautere Aufgabe konzentrierte, die anstand. Obwohl gegenüber den Jackern marginal in der Minderzahl, waren die TDA-Fahrzeuge zweckgebaute Kampfschiffe mit überlegener Bewaffnung und spezialisierten Elektroniksystemen, was ihnen inmitten des Gewirrs von Signalen, das von der dichten Masse von Wracks verursacht wurde, einen beträchtlichen Vorteil verschaffte. Brocks Taktik war einfach und wirksam. Seine Schiffe schossen durch die Trümmer, arbeiteten paarweise, um einzelne Jacker-Besatzungen zu isolieren, und während eines das Feuer der Feindes auf sich zog, fegte das andere heran, um dessen Rumpf in Fetzen zu reißen.

Das Gefecht war in weniger als zwanzig Minuten vorbei und ließ die zerrissenen Kadaver von sechs Jacker-Schiffen zurück, die sich rotierend den kreisenden Geisterschiffen anschlossen. Die verbliebenen drei gaben den ungleichen Kampf auf und kapitulierten, und die Gesamtkosten für die TDA waren ein schwer beschädigtes Schiff und ein paar Laserlöcher in den anderen, die leicht mit mitgeführter Reparaturausrüstung abgedichtet wurden. Unter Zurücklassung von zwei Abfangjägern und einem Versorgungsschiff als Wache über der schaurigen Szene flog der Rest der Flotte ab, um der Föderation von dem außergewöhnlichen Friedhof von Beta Pavonis zu berichten.

Sobald die Nachrichten das Hauptquartier erreichten, wurde eine Expedition zusammengestellt, um einen vollen Bericht zu erstellen. Wahrscheinlich neun Zehntel der kaputten Schiffe, die um den leblosen Planeten kreisten, gehörten zu keiner bekannten Rasse, und manche waren anscheinend länger dort gewesen, als die aufgezeichnete Geschichte gedauert hatte. Die Herkunft mancher dieser Fahrzeuge ist ans Licht gekommen, so wie die Ränder des bekannten Weltraums weiter in die Galaxis hinausgekrochen sind und man neuen intelligenten Spezies begegnet war, aber man hat kaum an der Oberfläche gekratzt. Warum so viele Schiffe, von denen manche aus dem tiefen Inneren der Galaxis oder von jenseits derselben stammen müssen, sich an diesem Ort versammelt haben sollten, muß erst noch voll erklärt werden. Ein teilweiser Grund könnten die unregelmäßigen Ausbrüche starker Magnetpulse von Beta Pavonis selbst sein, aber diese Aktivität allein könnte nicht die riesige Vielzahl von Schiffen und die extremen Entfernungen erklären, die manche zurückgelegt haben müssen. Es gibt einige Hinweise darauf, daß es ein kaum aufspürbares System von Teilchenbewegungen gibt, das ziemlich regelmäßigen Mustern durch einen Großteil der Galaxis folgt. Obwohl diese Theorie erst noch untermauert werden muß, würde sie viel dazu beitragen, die Objekte zu erklären, die von der nun Sargasso genannten Welt festgehalten werden, welche vielleicht eine Art Stauwasserzone frei von jeglicher Bewegung sein könnte.

Der Friedhof ist immer noch eine reiche Quelle technologischer Informationen und wird das noch einige Zeit bleiben, da viele der Fahrzeuge dort ein Technologieniveau verkörpern, das sich so sehr von unserem eigenen unterscheidet oder so fortschrittlich ist, daß wir es nicht einmal interpretieren können. Obwohl es möglich ist, sich einer Exkursion zum Besuch dieses einzigartigen Wunders anzuschließen, liegt es weitab von den üblichen Schiffahrtslinien, und nur ein kleiner Bereich ist frei zugänglich und für öffentliche Besichtigung offen. Dennoch ist es ein verblüffender Anblick und muß als eines der eindrucksvollsten Wunder der Galaxis gelten.

Die umherziehenden Jacker verwendeten einige der größeren Trümmerstücke (wie das hier gzeigte) als Basen,

Die umherziehenden Jacker verwendeten einige der größeren Trümmerstücke (wie das hier gezeigte) als Basen, um von ihnen aus ihre lukrativen und höchst illegalen Bergungsoperationen durchzuführen.

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Nächster Teil:  Spacewreck: Opfer von Arachnidia

Über Cernunnos

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3 Antworten zu Spacewreck: Der Friedhof von Beta Pavonis

  1. Cernunnos schreibt:

    Bei dieser Geschichte liegen meine Sympathien natürlich klar bei den Siedlern und den Jackern.
    Für globalistische, transnationale Föderationen habe ich sowieso nichts übrig, und deshalb gefällt mir auch dieser Beitrag von Graham Dawson alias Archonix so gut.

  2. Guido schreibt:

    Klasse deine Übersetzung. Vielen Dank. Freue mich immer wieder, was neues zu lesen.

  3. Cernunnos schreibt:

    Danke, Guido! Freut mich, daß Dir die Geschichten so gut gefallen. Ich habe vorhin noch ein paar Flüchtigkeitsfehler in den letzten paar Absätzen ausgebessert.

    „Spacewreck“ war schon seit meiner Jugend immer eines der Bücher, die meine Faszination für die Raumfahrt und kosmische Abenteuer beflügelt und wachgehalten haben. Mittlerweile habe ich die meisten der Geschichten, die ich daraus übersetzen wollte, bereits übersetzt. „The Graveyard of Beta Pavonis“ ist eine meiner Lieblingsgeschichten davon; „The Warworld of Alshain“ ist eine weitere. Mal sehen, vielleicht übersetze ich die eine oder andere der restlichen kürzeren Geschichten auch noch.

    Aber das Material im Bereich der Science Fiction wird mir sowieso nicht so schnell ausgehen. Ich kann ja auch wieder Geschichten von anderen Blogs nachveröffentlichen, und ich weiß mir auch schon ein paar. Es wird sich auf alle Fälle auszahlen, immer wieder auf meiner „Insel“ vorbeizuschauen.

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