ČZ 83 in 9 mm kurz

Die 14schüssige tschechoslowakische Spannabzug-Pistole ČZ 83 im Kaliber 9 mm kurz: eine Aufwertung des bisher nur in 7,65 mm Browning erhältlichen Modells.

Die 14schüssige tschechoslowakische Spannabzug-Pistole ČZ 83 im Kaliber 9 mm kurz: eine Aufwertung des bisher nur in 7,65 mm Browning erhältlichen Modells.

Von Peter Ernst Grimm, aus Heft 9-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Die vom tschechoslowakischen Konzernunternehmen Agrozet in Uherský Brod hergestellte Selbstladepistole ČZ 83 wird im Kaliber 7,65 mm Browning mit 15-Schuss-Magazin bereits seit etwa zwei Jahren auf westlichen Märkten angeboten. Jetzt gibt es sie neu auch im leistungsstärkeren Kaliber 9 mm kurz, jedoch mit einer um zwei Patronen geringeren Magazinkapazität.

Die ČZ 83 im Kaliber 9 mm kurz / .380 Automatic, eine 14schüssige (13 + 1) Waffe mit unverriegeltem Feder/Masse-Verschluss, gehört mit ihrer Gesamtlänge von 172 mm, ihrer Höhe von 127 mm, ihrer maximalen Breite von 36 mm und ihrem Kampfgewicht von ca. 890 g zu den größeren Verteidigungspistolen in diesem Kaliber. Sie ist mit einem Spannabzug, Schlittenfang, auswechselbarem Korn und (durch Klopfen) seitenverstellbarer Kimme, doppelseitigem Sicherungshebel und Magazinhalterknopf sowie mit einem außenliegenden Rückspringhammer ausgestattet. (Über den interessanten Schlossmechanismus dieser Pistole siehe Walter E. Wimmels Anhang am Schluss dieses Artikels.)

Die Ganzstahlwaffe ist schwarz brüniert, wobei der ganze Schlitten matt gehalten wurde, sie trägt schwarze Kunststoff-Griffschalen, die einzigen von außen sichtbaren metallfarbenen (gelblich angelassenen) Teile sind der Auszieher und der durch den Kunststoff-Magazinboden ragende (zur Magazinzerlegung einzudrückende) Teil der Magazinfederstütze.

Rechte Seite der ČZ 83: Sicherungshebel und Magazinhalterknopf sind beidseitig geführt.

Rechte Seite der ČZ 83: Sicherungshebel und Magazinhalterknopf sind beidseitig geführt.

Die ČZ 83 ist eine eher robust denn elegant aussehende Waffe. Das mag an einer gewissen Disharmonie der Proportionen von Griffstück und Schlitten liegen. Das Griffstück ist wegen des 13 Schuss fassenden doppelreihigen Magazins recht massiv ausgefallen und wurde außerdem mit einem sehr großzügig dimensionierten Abzugbügel versehen. Der feststehende Lauf mit der ihn umgebenden Schließfeder gestattete dagegen einen eher niedrigen Schlittenbau. Vom Ästhetischen her gesehen ist die ČZ 83 kein Hit. In der Verarbeitung ist die Waffe in den äußeren Partien recht ordentlich, im Inneren wurden kosmetische Bearbeitungsvorgänge eingespart.

Die ČZ 83 ist keine schöne, aber eine funktionelle Waffe. Sie hat eine ausgezeichnete Handlage. Dazu tragen die ergonomisch vorzüglich gestalteten Plastik-Griffschalen (obwohl sie leider nicht sehr kratzfest sind), die geschwungene Griff-Form und der 105°-Griffwinkel gleichermaßen bei. Die Waffe hat ausgesprochen gute Deuteigenschaften, ihr Gewicht ist so verteilt, dass sie auch noch mit vollem Magazin angenehm vorderlastig erscheint. Schlittenfang- und Sicherungshebel sind auch mit einem kürzeren Daumen gut zu erreichen. Der doppelseitige Magazinhalterknopf ist dagegen mit dem Daumen wegen einer Wölbung der Griffschale kaum zu drücken, er kann jedoch problemlos auf der anderen Waffenseite mit dem Zeigefinger betätigt werden – ein Vorteil der doppelt geführten Anordnung, die, eigentlich für Linkshänder gedacht, so auch Rechtshändern dienlich ist.

ČZ 83 mit Verschluss in hinterer Position fixiert.

ČZ 83 mit Verschluss in hinterer Position fixiert.

Wenn schon von doppelseitig angeordneten Bedienungselementen die Rede ist: Schade, dass die ČZ 83 nicht auch einen rechtsliegenden Schlittenfanghebel hat – bei der Waffe sind die Bedienungselemente so griffgünstig gestaltet und plaziert, dass sie auch ein zusätzlicher rechter Schlittenfanghebel nicht sperriger gemacht hätte.

Die ČZ 83 hat trotz Spannabzug nur einen Sicherungs- und keinen Entspannhebel (was das nie ganz risikolose Entspannen über den Abzug notwendig macht; es wird in diesem Fall durch einen gut zugänglichen und griffigen Hahnsporn erleichtert) und keine Magazinsicherung.

Im Schießkeller zeigte sich die ČZ 83 von einer sympathischen Seite. Sie hatte einen Abzug, der zwar etwas Kriechweg aufwies, dafür jedoch nicht durchfallen kann, weil es im Augenblick auslöst, als die Abzugzunge an die hintere Wand des Abzugsbügels anstößt. Der Abzugswiderstand betrug beim Single-Action-Abziehen 2,3 kg, beim Schießen mit dem Spannabzug 5,5 kg – es fühlte sich nach weniger an.

Der Autor beim Probeschießen mit der ČZ 83.

Der Autor beim Probeschießen mit der ČZ 83.

Die Visierung – die Waffe hat eine längsgerillte Visierschiene auf dem Schlittenoberteil und eine Visierlinie von 124 mm Länge – leidet ein wenig an der schlecht aufeinander abgestimmten Breite des Korns (2,7 mm) und des Kimmenausschnitts (3,5 mm). Weiße Dämmerungsmarken auf Kimme (zwei Punkte) und Korn (Strich) sollen eine schnellere Zielerfassung bei schlechten Sichtverhältnissen ermöglichen.

Der Hersteller behauptet, dass die Waffe zum Schießen bis auf 5o Meter Distanz geeignet ist. Auf 25 Meter waren jedenfalls mit allen verwendeten Patronensorten – zweihändig, aufgestützt – Streukreise zwischen 50 und 75 Millimetern zu erreichen.

Die ČZ 83 im Kaliber 9 mm kurz ist natürlich keine Scheibenpistole, und wir testeten sie hauptsächlich auf ihre Funktionssicherheit und Verwendbarkeit für schnelles instinktives Schießen auf Verteidigungs-, also Nahdistanzen.

Geschossen wurde mit allen zur Zeit des Tests im Juli dieses Jahres in der Schweiz erhältlichen 9 mm kurz /.380 Auto-Patronen: vier Sorten mit Vollmantelgeschossen. Die aus dem 96-mm-Lauf der ČZ 83 (6 Züge, Rechtsdrall) erreichten Geschossgeschwindigkeiten, -energien und PIR-Werte sind in der beigefügten Tabelle festgehalten.

5 CZ 83 9 mm kurz Munitionsdaten

Während des 300 Schuss umfassenden Probeschießens kam es zu insgesamt drei Zuführstörungen, interessanterweise immer mit Volmantelgeschossen (2 x Hirtenberger, 1 x Remington). In Anbetracht der eher rauhen Zuführrampe war die niedrige Zahl der Störungen eher überraschend.

Dank dem guten Spannabzug und den ausgezeichneten Deuteigenschaften sowie der – von den drei Störungen abgesehen – zuverlässigen Funktion waren die Durchgänge, die immer mit vollgeladenem Magazin plus einer Patrone im Lauf begonnen wurden, der erste Schuss jeder Doublette oder Dreierserie mit Spannabzug, ein wahres Vergnügen. Die ČZ 83 mag keine Schönheit sein, als Gebrauchsgegenstand erfüllt sie ihre Aufgabe jedoch ausgezeichnet.

Dank ihrem geringen Rückstoß von ca. 2,3 Joule (SIG 220/9 mm Para ca. 5,2 Joule, Colt Government .45 ACP ca. 6,3 J) ist sie problemlos zu beherrschen. Die große Feuerkraft, die gute Beherrschbarkeit und die fortschrittliche Technik, die ihr zu Grunde liegt, sind die Pluspunkte dieser Waffe.

Ihre Größe und ihr Gewicht tragen sicher zu den guten Schießeigenschaften bei, gleichzeitig stellen sie jedoch ein gewisses Problem dar. Für eine ideale verdeckt zu tragende Selbstverteidigungswaffe, wofür das Kaliber 9 mm kurz gut geeignet wäre, ist die ČZ 83 fast ein wenig zu groß und zu schwer. Für eine Polizei- oder gar Militärpistole wären die Abmessungen eher annehmbar, dafür ist das Kaliber zu schwach, der Trend geht hier eindeutig in Richtung 9 mm Para. Insofern bringt mich die Frage nach der Zweckmäßigkeit dieser Waffe ein wenig in Verlegenheit. Das soll jedoch kein spezifisch gegen die ČZ 83 gerichteter Vorwurf sein, ich habe mir in Bezug auf andere so große „Taschenpistolen“ ähnliche Gedanken gemacht.

Die ČZ 83 im Kaliber 9 mm kurz (die Waffe wurde uns vom Schweizer Importeur Petitpierre & Grisel, Neuchâtel, für den Bericht zur Verfügung gestellt) kostet Fr 570,–, Reservemagazin und Putzzeug unbegriffen.

Teildemontierte ČZ 83.

Teildemontierte ČZ 83.

Abzugs- und Schlageinrichtungen der ČZ 83
Von Walter E. Wimmel

Die Schlosskonstruktion zeigt etliche Fortschritte gegenüber dem Brünner Modell 75; z. B. gibt es bei der ČZ 83 eine automatische Sicherung. Ein konstruktives Schlüsselelement ist die Abzugsstange, die in stabiler Steigbügelform das Magazin umgreift. Sie wirkt als Druckstange und ist (nach unten ausbiegend) so geformt, dass sie den Magazinschacht des Rahmens nicht noch verbreitert: eine gute Lösung für Waffen mit doppelreihigem Magazin. Mit ihrem hinteren Quersteg betätigt die Abzugsstange zunächst die Klinke, die bei Single Action den Hammer auslöst.

Unter dem Magazintunnel des Rahmens die Abzugsstange mit Unterbrecher. Links ihre Steuerkulisse.

Unter dem Magazintunnel des Rahmens die Abzugsstange mit Unterbrecher. Links ihre Steuerkulisse.

Außerdem befinden sich noch zwei Betätigungsansätze oben am Quersteg. Der rechtsliegende Ansatz greift in einen Spannschieber ein, durch den der Hammer bei Double Action gespannt wird (ähnlich dem Mod. 75). Eine Hammerspannung direkt durch die Abzugsstange, wie man sie heute oft sieht, ist damit vermieden. Der zwischengeschaltete Spannschieber ermöglicht weniger Reibung und ein gleichmäßiges Abziehen. Der zweite (mittlere) Ansatz betätigt in ähnlicher Weise die automatische Sicherung. Das ist ein Blöckchen, welches verhindert, dass der Hammer den Schlagstift erreicht, solange der Abzug nicht durchgezogen ist. Erst bei durhgezogenem Abzug wird das Blöckchen durch eine entsprechende Aussparung im Hammer neutralisiert.

Hinter dem Magazinschacht der Auswerferblock, dahinter das Blöckchen der automatischen Hammersicherung. Rechts der Unterbrecher.

Hinter dem Magazinschacht der Auswerferblock, dahinter das Blöckchen der automatischen Hammersicherung. Rechts der Unterbrecher.

Von allen mir bekannten automatischen Sicherungen ist dies diejenige, welche den Abzugsvorgang am wenigsten beeinträchtigt. Dabei ist wichtig, dass das Sperrblöckchen nicht als Schieber fungiert, sondern um eine Achse schwenkt.

Die drei genannten Funktionsträger (DA-Spannschieber – automatische Sicherung – Klinke) sind in dieser Reihenfolge von rechts nach links der Abzugsstange zugeordnet. Über dem Ganzen befindet sich dachartig ein fest im Rahmen verstifteter Block, welcher z. T. als Halterung und Widerlager der Schlossteile dient und sich oben in einem massiven Auszieher fortsetzt.

Die Konstruktion ist ingeniös, aber aufwendig. Die Teile sind nicht durchweg einfach zu fertigen, manche sogar recht verzwickt geformt. Es wurde sichtlich darauf geachtet, jede Doppelaufgabe von Teilen, die auf Kosten eines exakten Ablaufs gehen könnte, zu vermeiden. Dem Kunden kann das nur recht sein, solange der Preis im bisherigen Rahmen bleibt. Jede Funktion hat ihren eigenen Funktionsträger. So kommt u. a. ein gleichgutes SA- und DA-Abziehen zustande. Erstaunlich, dass auch für die Steuerkante, welche der Abzugsstange am Ende den nötigen Dreh nach unten gibt, ein eigenes Teil vorgesehen ist. Es handelt sich um eine auswechselbare gestanzte Kulisse, die rechts als helle Fläche sichtbar ist. Rechts liegt auch der Unterbrecher, der (anders als beim Modell 75) als selbständiger Rundstift auf die Abzugsstange wirkt.

Zum Auseinandernehmen des Schlosses muss ein ganzes System von Stiften herausgetrieben werden; dies ein leichter Nachteil der im übrigen schraubenlosen Konstruktion. Einer der Stifte hält die Hammerfeder, die mit ihrem Führungsblock (aus Leichtmetall) von der Federstange ab- und nach unten herausgezogen werden kann.

Außer der automatischen gibt es eine Daumen-Sicherung, welche die Auslöseklinke blockiert, jedoch durch einen Links-Rechts-Doppelhebel betätigt wird, der sich in U-Form hinten um die Hammerbucht herumlegt.

Auf einen fliegend gelagerten Schlagstift ist (wohl in Anbetracht der automatischen Sicherung) verzichtet worden. Das kommt einer zuverlässigen Zündung zugute. Der Schlagstift wird (in Colt-1911-Manier) durch einen Demontageschieber im Schlitten gehalten und verlässt, wenn man nicht aufpaßt, geschossartig den Hohlraum. Der Auszieher ist, wie bei den meisten Pistolen, extra verstiftet.

Normalposition des Rückspringhammers.

Normalposition des Rückspringhammers.

Einiges Pfiffige bietet noch der Abzugsbügel. Er dient zugleich, wie bei Walther PP, Stechkin usw., zur Feld-Demontage. Man zieht ihn leicht nach vorn und unten, so klappt er auf. Das geht aber nur bei entferntem Magazin. Mit Magazin in der Waffe ist der Schlitten nicht zu demontieren. Nimmt man die Griffschalen ab, so fällt der Haltestift des Abzugsbügels leicht heraus, und der Bügel kann ganz entfernt werden. Er enthält zugleich die Magazinhaltevorrichtung, einen Links-Rechts-Querschieber (mit Rücksicht auf die Mode der beidseitigen Bedienbarkeit).

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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