Die Verteidigungsindustrie von innen gesehen

F-22 Raptor 01

Von Fred Reed, übersetzt von Deep Roots. Das Original An Inside Look at the Defense Industry erschien am 27. September 2013 in Taki’s Magazine. (Statt des vom Autor im Original verwendeten kleinen Bildes der F-22 Raptor habe ich ein anderes eingefügt.)

Anfang 2035, im fünfunddreißigsten Jahr des Krieges gegen Al Kaida, gab das Pentagon ein Diskussionspapier heraus, in dem es hieß, daß die F-22 Raptor, das Front-Kampfflugzeug der Vereinigten Staaten, sich dem Ende ihrer Nutzungsdauer näherte und ersetzt werden müßte. Nicht jeder stimmte zu. Verschiedene Budgetkürzungsorganisationen argumentierten, daß die Raptor nie eingesetzt worden sei und daher niemand sagen könne, ob sie eine Nutzungsdauer gehabt hatte.

Ohnehin sei der Job der Air Force – Bauern in der Dritten Welt und ihre Familien zu töten – von Drohnen vereinnahmt worden. Amerika brauche keinen neuen Jäger, sagten die Kritiker.

Die Air Force konterte, daß das neue Flugzeug wild aussehen und laute, aufregende Geräusche machen würde. Darauf konnten die Kritiker keine Erwiderung finden. Entwurfsstudien begannen.

Eine frühe Frage war, wie man den neuen Jäger nennen sollte. Traditionsgemäß wurden Flugzeuge nach aggressiven, aber unintelligenten Vögeln (F-15 Eagle, F-16 Fighting Falcon), unangenehmen Tieren (AH-1 Cobra, F-18 Hornet), Geistern (F-4 Phantom, AC-130 Spectre) oder Steinzeitnomaden benannt (AH-64 Apache). Jedoch wurde etwas mit mehr Pep gebraucht, um die Finanzierung im Kongreß durchzubringen.

Es folgten Diskussionen. Vorschläge wurden von „The Building“, wie das Pentagon sich nennt, angefordert. Diese reichten von „F-40 Screaming Kerblam“ [„Kreischendes Kabumm“] bis zur politisch marginalen „Horrendous Dyke“ [„Fürchterliche Lesbe“], deren Urheber glaubte, daß es feindliche Flieger deprimieren würde. Der zoologischen Tradition folgend wollte die Air Force das Flugzeug „Rabid Bat“ [„Rabiate Fledermaus“] nennen. Ein Witzbold im Kongreß, der die militärischen Preisschilder satt hatte, schlug „Priscilla“ vor, weil dann kein Pilot in seine Nähe gehen würde und dem Land die Kosten von Kriegen erspart blieben. (Seine Idee, es mit Blumenmustern zu bemalen, wurde nicht ernstgenommen.)

Eine nationale Gruppe, die sich für Transsexuelle einsetzte, bevorzugte „Susan B. Anthony“, aber das wurde für respektlos gegenüber Ebonics gehalten, und Anthony könnte in jedem Fall Susan sein. So etwas sei schwer zu sagen.

Die Air Force setzte sich durch. Die Rabiate Fledermaus wurde geboren.

Sofort begann das Gezänk um Spezifikationen. Lockheed-Martin und Boeing Military Aircraft, von denen erwartet wurde, daß sie anbieten würden, wollten eine Marschgeschwindigkeit von Mach 13, da dies technisch unmöglich war und es ihnen ermöglichen würde, bis zum Entropietod des Sonnensystems lukrative Entwurfsarbeiten zu machen. Ein bewährtes Prinzip bei Vertragsarbeiten für die Regierung lautet: wenn man dafür bezahlt wird, ein Problem zu lösen, dann ist das letzte, was man will, Erfolg zu haben, weil man dann nicht mehr bezahlt wird. Dies erklärt das Raketenabwehrprogramm, die Rassenpolitik und den Kongreß.

Das Thema des gesellschaftlichen Bewußtseins kam auf. Die Hälfte der Kampfpiloten waren Frauen, wie es 2016 gesetzlich vorgeschrieben worden war. Um Geschlechtergleichheit zu ermöglichen, wurde eine Klammer am Pilotensitz vorgeschrieben, die ein Telefonbuch halten sollte, auf das die Fliegerin sich setzen konnte, um durch die Frontscheibe schauen zu können. Nachdem viele Pilotinnen alleinerziehende Mütter waren, enthielt der Entwurf einen ausklappbaren Wickeltisch im Cockpit.

Für diese genderfreundlichen Maßnahmen setzte sich Dacovits ein – kein polnischer Mathematiker, sondern das Defense Advisory Committee on Women in the Services. Diese Damen hingen dem Prinzip an, daß man ein Ding, wenn es mehr als zwanzig Pfund wiegt, auf dem verdammten Lastwagen lassen sollte.

Alle Knöpfe und Schalter in der Rabid Bat sollten in Englisch, Spanisch, Choctaw und Tloxyproctyl beschriftet werden. Letzteres war die Sprache eines obskuren Stammes von sieben Primitiven im Amazonas-Regenwald. Tloxyproctyl bestand aus sieben Wörtern, von denen keines etwas bedeutete. Der Stamm war entdeckt worden, als eines seiner Mitglieder namens Wunxputl auf einem Baumstamm in den Atlantik gefallen und in Miami Beach angeschwemmt worden war. Im Glauben, daß ein Verkehrsflugzeug, das er sah, Gott sein müsse, trat er in die Air Force ein. Das EOST-Programm (Ethnic Outreach and Sensitivity Training) hatte den Rest erledigt.

Als nächstes wandte man sich zweitrangigen Erwägungen zu, wie Geschwindigkeit, Reichweite, Bewaffnung und Tarnung. Kritiker wiesen wiederum darauf hin, daß nichts davon zählte, nachdem afghanische Hochzeiten und leicht bewaffnete Bauern billiger mit Drohnen in die Luft gesprengt werden konnten, die auf jeden Fall wendiger seien als große, laute bemannte Flugzeuge. Tatsächlich arbeitete Raytheon an einer Hochzeitserkennungssoftware, die wie geschmiert lief und nur 1700 % über dem Budget lag. Ein Querdenker im Kongreß schlug vor, daß man die Rabid Bats entlang der Startbahn aufstellen und als Pflanztröge für Geranien verwenden sollte, aber er wurde nicht ernstgenommen.

Lockheed-Martin sagte, daß der Preis des Programms nur etwa 987 Milliarden Dollar betragen würde – fast schon geschenkt. Geschichtsbewußte Kritiker sagten voraus, daß Lockheed-Martin, nachdem das Programm zu weit gediehen sei, um noch aufgegeben zu werden, entdecken würde, daß der Preis… hehe… eher höher sein würde. Dies ist ein Standardteil militärischer Vertragsabschlüsse mit seiner eigenen Abrechnungskategorie.

Ein Prototyp wurde auftragsgemäß gebaut. Frühe Flugerprobungen begannen. Dann wurde vom investigativen Reporter Nickolas Fervently von der New York Times entdeckt, daß die Kanonen der Rabid Bat aufgrund eines Konstruktionsfehlers nach hinten wiesen. Eine Umkonstruktion würde, wie seine Quellen ihm gesagt hatten, etwa 345 Milliarden Dollar kosten.

Es folgte eine Panik. Sie bedrohte den Fluß der Mittel in ausreichendem Maß, daß Lockheeds Generaldirektor E. Johnston Farad eine Pressekonferenz einberief. „Es ist notwendig, die wahrhaft revolutionäre Natur dieses Flugzeugs zu verstehen“, sagte er. „Es ist so stealthy, daß der Feind die Rabid Bat erst entdecken wird, nachdem sie ihre Bombenlast abgeworfen hat. Infolgedessen wird sie ihre Kanonen nur einsetzen, um rückwärts auf einen verfolgenden Feind zu feuern.“ Der Kongreß war von diesem Fortschritt so beeindruckt, daß er den Kauf um vierzig Flugzeuge erhöhte.

Kritiker beharrten weiterhin darauf, daß die Rabid Bat einfach unnötig sei. Moslemische Ziegenhirten würden bereits effizient von Psychopathen abgeschlachtet, die an Bildschirmen im CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia, saßen. Lockheed antwortete, daß die Teile des Flugzeugs durch reinen Zufall in allen fünfzig Bundesstaaten hergestellt werden sollten, was Jobs schaffen würde. Das Flugzeug wurde daher von allen fünfzig Gouverneuren als wesentlich für die nationale Sicherheit angesehen.

Reporter Fervently von der NYT betrachtete argwöhnisch die massive Fabrik, die in West Virginia gebaut wurde, um spezielle Reifen für das Flugzeug herzustellen. Die Produktion würde 431 Reifen jährlich pro Rabid Bat umfassen. Er schrieb eine Kolumne, in der er meinte, daß die Rabid Bat der erste Kampf-Achtzehnradler sein würde. Er wurde als Spinner abgetan. Sicherlich, sagte Lockheed, konnte es nie schaden, genug Reifen zu haben.

Konservative Senatoren erwiderten, daß Fervently Amerika offenkundig hasste und wollte, daß es von Feinden erobert und versklavt würde, die das Land umgaben. Fervently wies darauf hin, daß die Vereinigten Staaten von Mexiko, Kanada und zwei Ozeanen umgeben waren. Mexiko würde nicht Amerika erobern und dadurch seinen größten Drogenmarkt kaputtmachen, und die Kanadier brauchten im Winter Überflugsrechte nach Cancun. Diese Überlegungen stellten das gute Einvernehmen sicher.

Der bekannte Militärwissenschaftler Damian Isby bei der Rand Corporation brachte ein vertrauliches Papier in Umlauf, in dem stand, daß die militärische Irrelevanz der Rabid Bat entscheidend für die Gesundheit der Verteidigungsindustrie und somit für die nationale Sicherheit sei. Für die Rüstungshersteller, sagte er, seien Sieg und Niederlage gleichermaßen ekelhaft, da beide den Kauf von Waffen verringerten. Ein guter Krieg sei ein unaufhörlicher Krieg. Die Rabid Bat, die keinen militärischen Zweck habe, würde das Gleichgewicht mit den Taliban nicht stören und somit Amerika frei halten.

Die Serienproduktion begann. Die Republik war sicher.

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Siehe auch:

Die menschliche Leistungsfähigkeit erreichte vor 1975 ihren Höhepunkt und ist seitdem zurückgegangen von Bruce Charlton
Die Verdummung der U.S. Navy – Eine nationale Schande von Patrick J. Buchanan
Warum Araber Kriege verlieren von Norvell B. DeAtkine
Die Schlacht von Trafalgar…im Jahr 2009
Rote Leitwerke und Lügengeschichten von Paul Kersey
Bomben für eine bessere Welt: Syrien, Überwachung und die Neo-Crocs von Tobias Langdon
Patriotismus und das Militär von Dennis Mangan
Vier Szenarien für den kommenden Kollaps des amerikanischen Imperiums von Alfred W. McCoy

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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