Smith & Wesson M 669: Rostfreie Mini Gun

Smith & Wesson-Pistole M 669, Kaliber 9 mm Para, mit Schlitten aus rostträgem Stahl und Griffstück aus Aluminium (hier mit verlängertem 20schüssigem Magazin).

Smith & Wesson-Pistole M 669, Kaliber 9 mm Para, mit Schlitten aus rostträgem Stahl und Griffstück aus Aluminium (hier mit verlängertem 20schüssigem Magazin).

Von Max Meinrad Krieg, aus Heft 11-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Smith & Wesson hat offensichtlich mit seiner Mini Gun, der kompakten 13schüssigen 9 mm Para-Pistole Modell 469, einen Renner gelandet. Um den Erfolg noch weiter auszubauen, bringen die Waffenbauer aus Springfield, Massachusetts, jetzt auch eine Version dieser Pistole im Stainless-Look auf den Markt. Sie trägt die Modellbezeichnung 669.

Die Entwicklung der kompakten 9 mm Para-Spannabzugpistole Modell 469, Mini Gun, begann bei Smith & Wesson in den Jahren 1980/81, wobei man auf dem 15schüssigen (14 + 1) Modell 59 aufbaute, d. h. dieses verkleinerte. Dennoch darf von einem eigenständigen Typ gesprochen werden, denn die Mini Gun wies eine Reihe von Besonderheiten auf, welche die Ausgangswaffe nicht hatte. Die geänderte Laufführung (die Laufhalterbuchse entfiel zugunsten eines sich selbst zentrierenden Laufs), ein Hahn ohne Hahnsporn und vollkommen unterschiedliche Griffschalen sind die augenscheinlichsten Unterschiede.

Smith & Wesson M 469.

Smith & Wesson M 469.

Am 21. April 1983 wurde das erste, brünierte, Modell 469 mit der Seriennummer A 840 001 ausgeliefert. Als nächstes wurde eine satinierte, vernickelte Version in einer beggrenzten Auflage von 5000 Exemplaren herausgebracht. Von diesem ursprünglich für die amerikanische Großhandelsfirma Ashton Shooting Supplies gefertigten Typ fanden auch mehrere Exemplare ihren Weg nach Europa. Und seit dem 2. Januar 1985, die erste Waffe trug die Nummer TAE 001, wird nun auch eine dritte Variante der Mini Gun, das rostfreie Modell 669, angeboten. (Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, dass Smith & Wesson seit neuestem alle Seriennummern mit einer dreistelligen Buchstabenkombination beginnen lässt.

Smith & Wesson M 469, vernickelt.

Smith & Wesson M 469, vernickelt.

Die neue Mini-Gun-Variante unterscheidet sich von ihrer schwarzen Schwester in erster Linie durch den Verschluss aus rostträgem Stahl. Das Griffstück besteht nämlich, wie bei der 469, „nur“ aus Aluminium, hier jedoch in satiniertem Naturzustand, so dass es farblich vom sandgestrahlten, rostfreien Stahl des Oberteils kaum zu unterscheiden ist. Wir schreiben, dass das Griffstück „nur“ aus Aluminium bestehe, da wir zu wissen glauben, dass viele Interessenten auf eine rostfreie Ganzstahlwaffe gehofft haben. Es gibt doch recht viele Waffenliebhaber, die aus verschiedensten Gründen Leichtmetallteile ablehnen. Die Gewichtsersparnis macht nach unserer Schätzung übrigens nur ca. 150 g aus. Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden, schließlich bietet Smith & Wesson die großen Pistolenmodelle auch in Ganzstahl an!

Smith & Wesson M 669.

Smith & Wesson M 669.

Ein weiterer Unterschied liegt in der nun beidseitig bedienbaren Sicherung. Verfügte das von uns in SWM Nr. 14 (Jan./Febr. 1984) getestete Modell 469 nur über einen linksplazierten Sicherungs- und Entspannhebel (das rechte Gegenstück war allenfalls als Zubehör erhältlich), so wird die beidseitige Sicherung in Zukunft bei allen Pistolen von Smith & Wesson Standard sein. Dieses Angebot entspricht einem aktuellen Trend – siehe z. B. Beretta 92 F, Brünner ČZ 85, Heckler + KochP7M13, etc.

Smith & Wesson-Pistole M 669 mit beidseitigem Sicherungs-/Entspannhebel.

Smith & Wesson-Pistole M 669 mit beidseitigem Sicherungs-/Entspannhebel.

Frühe Smith & Wesson-Pistolen M 469 hatten den Sicherungs-/Entspannhebel nur auf der linken Waffenseite.

Frühe Smith & Wesson-Pistolen M 469 hatten den Sicherungs-/Entspannhebel nur auf der linken Waffenseite.

Die Visiereinrichtung ist ebenfalls nicht genau dieselbe wie beim Modell 469. Trägt diese ein gelb eingelassenes, schwarzes Korn, ist dasjenige der 669 rostfrei gehalten und rot eingelassen. Die brünierte Kimme mit weißer Kimmenumrandung ist jedoch identisch. Es ist unbestreitbar von Vorteil, die Kimme nicht metallfarben zu belassen (dieser Fehler wurde bei den ersten Ausführungen des S & W-Revolvers Modell 66 gemacht) denn das Zielen wird mangels Kontrast recht schwierig.

Es ist klar, dass Smith & Wesson den Herstellern von verkleinernden Pistolenkonversionen, wie Devel oder ASP, mit der Mini Gun den Wind aus den Segeln genommen hat. (Colt hat z. B. mit seiner Officer’s ACP im Taschenformat etwas Ähnliches gemacht.) Die Folge war, dass Devel den Konkurs anmelden mußte. Aufs erste scheint so etwas hart. Doch in unserer freien Marktwirtschaft ist es ja Smith & Wesson (oder Colt) schwerlich zu verbieten, eine Kompaktwaffe selbst herzustellen, wenn dafür die entsprechende Nachfrage besteht. Und zudem ist dies für allfällige Interessenten auch noch von Vorteil, denn die Serienproduktion macht solche Waffen erheblich billiger.

Dass die Smith & Wesson-Pistole M 669 im recht starken Kaliber 9 mm Para eine sehr kompakte Waffe ist, zeigen die Maße eindeutig. Die Länge von 175 mm und die Höhe von 134 mm (ohne Magazinsporn wären es 121 mm) blieben gleich wie beim ersten Modell 469. Die Gesamtbreite nahm des zusätzlichen, rechten Sicherungshebels wegen nur um 1 mm auf 32,5 mm zu (früher konnte man die maximale Breite über die Griffschalen ermitteln). Auch das Gewicht hat mit 735 g nur unwesentlich um 15 g zugenommen.

Smith & Wesson M 669, zerlegt.

Smith & Wesson M 669, zerlegt.

Die Zerlegung der Mini Gun erfolgt auf klassische Art und Weise. Nach dem Entladen der Waffe und der Entfernung des Magazins wird der Verschluss so weit zurückgezogen, bis sich der Schlittenfanghebel nach links herausdrücken lässt. Anschließend wird der Verschluss nach vorn vom Griffstück gezogen, worauf die unter dem Lauf verspreizte Schließfeder (Vorsicht: sie steht unter starker Spannung!) mit ihrer Stange abgehoben wird. Als letztes kann dann der Lauf aus dem Schlitten gezogen werden.

Wir haben die Smith & Wesson 669 in einem praktischen Schießtest ausprobiert. Die Waffe liegt gut in der Hand (sicher besser als die 659) und schießt sich sehr angenehm. Der Rückstoß ist problemlos zu verkraften, obwohl er natürlich wegen des leichten Gewichts etwas stärker ist als etwa bei einer SIG-Sauer 226.

Die Griffschalen erschienen uns etwas zu glatt, bei schweißnassen oder gar fettigen Händen können Probleme entstehen. Wie wir anlässlich der IWA 85 am Stande von Pachmayr hörten, beabsichtigt dieser Hersteller noch in diesem Jahr rauhere Neopren-Griffschalen für die 669 (und 469) anzubieten.

Der Single-Action-Abzug hatte zwar einen etwas rauhen Vorzug, löste sich dann aber bei unserer Testwaffe bei guten 2,1 kg absolut trocken. Auch der Abzugswiderstand von 5,8 kg beim Double-Action-Abziehen ist in Anbetracht der automatischen Zündstiftsicherung ein ansprechender Wert. Die Abzugscharakteristik ist nur deshalb nicht als ausgezeichnet einzustufen, weil der Punkt der Auslösung zu weit hinten liegt. Bei normalen oder gar großen Händen kann der Zeigefinger nicht normal gekrümmt mit dem zweiten Glied abziehen, sondern muss dies mit dem vordersten vornehmen – und das ist doch recht ungewohnt.

Die Visierung bot im allgemeinen keine Probleme, einzig in prallem Sonnenlicht bot das rostfreie, silbergraue Korn trotz der roten Einlage kein ausreichend kontrastreiches Zielbild. Sonst jedoch, auch gerade in der Dämmerung, kamen wir mit der 669 sehr gut zurecht.

Wir verschossen alle in der Schweiz erhältliche Munitionssorten des Kalibers 9 mm Parabellum ohne jede Störung. Auf 25 m beidhändig aufgelegt lagen unsere besten 10-Schuss-Treffer bei 8 cm, für eine Taschenflak eigentlich kein schlechter Wert. Offenbar trägt die geänderte, selbstzentrierende Laufführung hier Früchte.

Original-Magazin (12 Patronen), links; verlängertes S & W-Magazin (20 Patronen), rechts.

Original-Magazin (12 Patronen), links; verlängertes S & W-Magazin (20 Patronen), rechts.

Wem die Kapazität des 12 Patronen fassenden Magazins ungenügend erscheint, dem bietet Smith & Wesson seit kurzem ein 20schüssiges Magazin an. Dieses ist deutlich länger und steht aus dem Griffstück hervor. Als Reservemagazin mitgeführt, bietet es demjenigen, der glaubt, nächstens ein großes Feuergefecht bestehen zu müssen, zusätzliche Sicherheit.

Mit der rostfreien Version der Mini Gun bringt Smith & Wesson eine von den Abmessungen her kompakte und vom Kaliber her potente Verteidigungswaffe auf den Markt, die dem heutigen Trend zu Stainless-Waffen zumindest äußerlich entspricht. Sollte es demnächst wirklich eine Mini Gun geben, bei der sogar das Griffstück aus rostträgem Stahl ist, bliebe kaum noch ein Wunsch offen.

Über Cernunnos

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