Star-Maschinenpistole Z-84

Spanische Star-Maschinenpistole Z-84.

Spanische Star-Maschinenpistole Z-84.

Von H. G. Spinnler, aus Heft 11-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Die spanische Firma Star Bonifacio Echeverria S.A. in Eibar hat vor kurzem unter der Bezeichnung Z-84 eine neue Maschinenpistole vorgeführt, die als Nachfolgemodell für die von der gleichen Gesellschaft hergestellte, bei den spanischen Streitkräften und der Polizei eingeführte Maschinenpistole Z-62/Z-70 gedacht ist. Wir konnten diese Waffe jetzt unter die Lupe nehmen.

Star-Maschinenpistolen gibt es bereits seit den dreißiger Jahren. Damals hatten die Konstrukteure der Firma eine Maschinenpistole im Kaliber 9 mm Largo (Bergmann-Bayard) entworfen, die neben den typischen Attributen ihrer Zeit – Gewehrschaft, Laufmantel, Gesamtlänge um die 85 cm – als Besonderheit eine wählbare Feuerkadenz hatte. Diese SI-35 benannte Waffe – ihr Vorgänger war das nur halbautomatisch schießende Modell IS-34 – konnte wahlweise mit einer Kadenz von 300 oder 700 Schuss pro Minute schießen. Daneben gab es noch die Varianten RU-35 und TN-35, deren Kadenz fest bei 300 bzw. 700 Schuss pro Minute eingestellt war.

Neben dem Kaliber 9 mm Largo wurden sie auch in anderen 9-mm-Kalibern hergestellt. Sie waren in Spanien nie Ordonnanzwaffen, kamen jedoch in beschränkter Anzahl im spanischen Bürgerkrieg zum Einsatz. Die Star TN-35 (mit einem vor dem Magazin liegenden zusätzlichen Pistolengriff) wurde 1942 im Kaliber .38 Super Auto von der amerikanischen Beschaffungsbehörde getestet, jedoch nicht angenommen. Auch die Briten und Deutschen hatten sich für sie interessiert.

Z-45

Mitte des Zweiten Weltkrieges, an dem Spanien trotz seiner Sympathien für die Achsenmächte Deutschland, Italien, Japan nicht teilnahm, entschloß man sich, in der spanischen Armee eine Maschinenpistole als Ordonnanzwaffe einzuführen. Da die aus Freiwilligen bestehende „Blaue Division“, die an der Seite der deutschen Verbände in Russland kämpfte, mit deutschen MP-40-Maschinenpistolen ausgerüstet war und diese Waffen sehr schätzte, wurde die Firma Star von den Militärbehörden beauftragt, eine der MP 40 ähnliche Maschinenpistole für die spanische Armee zu entwickeln.

Es entstand die Z-45, die sich von der MP 40 hauptsächlich darin unterschied, dass sie neben Seriefeuer auch Einzelschüsse abgeben konnte, einen Laufmantel hatte, den Spannhebel auf der rechten statt auf der linken Seite trug, einen Pistolengriff und Handschutz aus Holz statt aus Kunststoff aufwies und so konstruiert war, dass sich Lauf und Laufmantel schnell abnehmen ließen. Ihr Kaliber war das damalige spanische Ordonnanzkaliber 9 mm Largo, die Feuerkadenz lag bei 450 Schuss pro Minute. Die Z-45 wurde bis in die fünfziger Jahre hergestellt und im Kaliber 9 mm Para auch nach Chile, Kuba, Portugal und Saudi-Arabien exportiert.

Z-62

Auch die nächste spanische Ordonnanz-Maschinenpistole stammte von Star. Es war die Z-62, die stark der britischen Sterling L2A3 ähnelte, jedoch eine Magazinzuführung von unten statt von links hatte. Die Z-62 wurde von Anfang an sowohl im Kaliber 9 mm Largo wie in 9 mm Para gefertigt. Die Waffe war mit einem Mechanismus versehen, der verhinderte, dass sich aus ihr bei einem Fall oder Schlag Schüsse lösten. Sie unterschied sich somit vorteilhaft von etlichen anderen Maschinenpistolen mit zuschießendem Verschluss. Die Z-62 hatte einen zweigeteilten Abzug. Drückte man ihn im oberen Teil, erfolgte Seriefeuer, zog man seinen unteren Teil zurück, konnten Einzelschüsse abgegeben werden. Die Feuerkadenz dieser Waffe betrug 550 Schuss pro Minute.

Nach unwesentlichen Abänderungen erhielt die Z-62 in den siebziger Jahren die Bezeichnung Z-70. Ein Modell Z-70B wies einen neuen Abzugsmechanismus auf.

Z-84

Bei der neuen Star-Maschinenpistole Z-84 im Kaliber 9 mm Para scheint zumindest äußerlich die israelische Uzi Pate gestanden zu haben. Sie ist ein zuschießender (aus offenem Verschluss schießender) Rückstoßlader mit klassischem Feder/Masse-Verschluss. Der Verschluss bewegt sich im Verschlussgehäuse über dem Lauf. Er hat die Form eines U-Eisens, und in seinem oberen Teil ist die Auswurföffnung eingefräst.

Der Verschluss der Z-84 (von oben gesehen).

Der Verschluss der Z-84 (von oben gesehen).

Der Hülsenauswurf erfolgt direkt nach oben. In feuerbereiter Stellung ist das Auswurffenster im Verschlussgehäuse durch den zurückgezogenen Verschluss verdeckt. Wird der Abzug durchgezogen, schnellt der zuschießende Verschluss nach vorne und zündet mit dem feststehenden Schlagbolzen die ins Patronenlager eingeschobene Patrone. Wenn der rücklaufende Verschluss dann die Stellung erreicht, wo sich die in den Verschluss eingefräste Auswurföffnung mit dem Auswurffenster im Verschlussgehäuse deckt, wird die Hülse vom Auswerfer hinausgeschleudert.

Blick in den unteren Teil des Verschlussgehäuses.

Blick in den unteren Teil des Verschlussgehäuses.

Der Verschluss ist beidseitig mit einigen Einfräsungen versehen, denen Sicherungsrasten im Verschlussgehäuse entsprechen. Wird der Verschluss mit dem rechtsliegenden Spannhebel langsam nach hinten gezogen, so rastet er während dieses Weges nacheinander in diesen Sicherheitsrasten ein. Erst in der hintersten Stellung lässt er sich mit dem Abzug zum Schießen ausrasten. Diese Maßnahme verhindert, dass es zu einer ungewollten Schussauslösung kommen kann, wenn der Verschluss z. B. nur zum Teil zurückgezogen wurde oder die Waffe auf den Boden fällt.

Bedienungsprobleme

Mit der Z-84 kann sowohl Serie- wie Einzelfeuer geschossen werden. Der Umschaltschieber liegt auf der linken Waffenseite und ist mit dem Daumen gut erreichbar. Der Sicherungshebel liegt hinter dem Abzug und sperrt diesen innen direkt. Er lässt sich nur mit großem Kraftaufwand betätigen.

Der seitlich rechts plazierte Spannhebel liegt recht ungünstig. Um ihn zurückzuziehen, muss man als Rechtshänder entweder mit der linken Hand über die Waffe greifen oder die Z-84 erst in die linke Hand nehmen, um den Hebel mit der rechten Hand bedienen zu können.

Nicht ganz einfach ist auch das Ausklappen der auf der Oberseite des Verschlussgehäuses ruhenden Schulterstütze. Am hinteren Teil des Gehäuses befindet sich ein Knopf, der eingedrückt werden muss, wenn man die Stütze aufklappen will. Dann muss aber noch eine weitere Arretierung gelöst werden, um die Anschlagfläche der Stütze hochzuklappen.

Die Magazine der Star Z-84 sind einreihig, fassen 25 oder 30 Patronen und haben eine recht starke Magazinfeder. Die garantiert zwar eine einwandfreie Zuführung der Patronen, verursacht aber gleichzeitig, dass sich die Magazine nur schwierig füllen lassen. Ein Magazinlader soll sich in Entwicklung befinden.

Zwei Läufe

Die Waffe wird serienmäßig mit zwei Läufen geliefert, einem 210 mm und einem 250 mm langen. Ihre Patronenlager sind mit Längsrillen versehen, die der schnellen Verschlussöffnung dienen.

Die Star-Maschinenpistole Z-84 wird serienmäßig mit zwei Läufen – 210 mm und 250 mm – geliefert.

Die Star-Maschinenpistole Z-84 wird serienmäßig mit zwei Läufen – 210 mm und 250 mm – geliefert.

Die Visierung ist auf der Oberseite des Verschlussgehäuses angebracht. Sie besteht aus einer Klappkimme, die für die Distanzen 100 und 200 m eingerichtet ist. Das vierkantige Korn ist mit einem Stachel versehen, der in der Höhe und Seite verstellt werden kann.

Die auf Distanzen von 100 und 200 m eingerichtete Klappkimme der Z-84.

Die auf Distanzen von 100 und 200 m eingerichtete Klappkimme der Z-84.

Das geschützte (verstellbare) Korn der Z-84.

Das geschützte (verstellbare) Korn der Z-84.

Um die Waffe zu zerlegen, drückt man den Bolzen im Vorderteil des Griffstücks heraus, der den Oberteil des Verschlussgehäuses mit dem unteren Teil der Waffe zusammenhält. Nun lässt sich der Oberteil mit dem Verschluss und Lauf abheben; er ist hinten in das Griffstück eingeklappt. Der Verschluss ist hinten mit einem kleinen Hebel ausgestattet, der ihn im Gehäuse hält. Drückt man ihn ein wenig ein, kann der Verschluss nach hinten aus dem Gehäuse gezogen werden. Nach dem Lösen einer Überwurfmutter kann auch der Lauf entnommen werden.

Star-Maschinenpistole Z-84, zerlegt.

Star-Maschinenpistole Z-84, zerlegt.

Die Star Z-84-Maschinenpistole, die eine maximale Breite von 60 mm aufweist und mit dem 250-mm-Lauf 47 cm lang ist (mit ausgeklappter Schulterstütze 77 cm), wiegt 3,6 kg. Sie besteht aus Stahl und Stahlblech-Prägeteilen, nur die Griffschalen sind aus Kunststoff. Die Waffe ist ungewöhnlich gut verarbeitet, die Metallteile sind grauschwarz einbrennlackiert.

Gute Schießeigenschaften

Der Autor beim Testen

Der Autor beim Testen

Wir waren natürlich gespannt, wie die Z-84 schießt, zumal wir gehört hatten, dass sie auf Grund ihrer Gewichtsverteilung (wie bei der Uzi Schwerpunkt über dem Pistolengriff) beim Seriefeuer gut zu kontrollieren sei. Letzteres können wir nun bestätigen: Im Vergleich zu anderen Maschinenpistolen (Uzi inbegriffen) steigt die Star Z-84 wirklich nur unbedeutend. Auch schoss sie mit allen verwendeten Patronenfabrikaten ohne jedwelche Funktionsstörung.

Mit Thuner 9 mm Para-Patronen konnten – Einzelschuss, aufgelegt – auf 50 m 10-Schuss-Gruppen von 80 mm Durchmesser ermittelt werden. 30 Schuss Seriefeuer konnten auf 25 m im vitalen Bereich der Combatscheibe (64 x 64 mm) gehalten werden.

Über Cernunnos

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2 Antworten zu Star-Maschinenpistole Z-84

  1. Hallo – Cernunnos !
    Wollte Dir die besten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr senden.
    Leider ging das nicht über die Mailadresse, die ich gespeichert hatte.
    Also – auf diesem Wege : Dir und Deinem Team zum Fest und zum Neuen Jahr slles Gute.
    Weiter so gut in der publizistischen Arbeit.
    Britrsag zur Mpi 40 ist leider nicht mehr im Internet.
    Alles Gute vom Achim dem Waffenfreund. ( Hans Joachim Kossack )
    Autodidaktischer Fachautort Handfeuerwaffen
    Deutschland
    06667 Weißenfels
    Thomas Müntzer Straße 17

  2. Cernunnos schreibt:

    Danke, Achim!

    Auch Dir einen schönen Weihnachtsausklang und ein gutes neues Jahr!

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