Imbolc : Das Fest zum Beginn der hellen Jahreshälfte

MorgenlichtVon Lichtschwert (Originalartikel hier), unter Verwendung von Material aus Waltraud Ferraris Buch „Alte Bräuche neu erleben: Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten“.

Beginnend mit dem heutigen Vorabend zum 1. Februar und am 1. Februar selbst, teilweise auch in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar, wird das keltische Fest Imbolc oder Imbolg (gesprochen i-MOLC oder i-MOLG) gefeiert, das ungefähr die Mitte zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-Tagundnachtgleiche markiert. Mit Imbolc endet die dunkle Jahreshälfte nach keltischer Zeitrechnung, und das helle Halbjahr beginnt, das mit dem Herbstbeginnsfest Lughnasad am 1. August und dessen Vorabend endet. Es ist eines der vier großen keltischen Jahreszeitenfeste, zusammen mit Beltane, Lughnasad und Samhain, und war in heidnischer Zeit mit der Göttin Brigid oder Brighid verbunden, aus der in christlicher Zeit die heilige Brigitta von Kildare wurde, deren Namenstag der 1. Februar ist, während das Fest selbst heute am 2. Februar als Mariä Lichtmeß gefeiert wird. Hier ist, was Waltraud Ferrari in „Alte Bräuche neu erleben“ dazu schreibt:

Mariä Lichtmess – 2. Februar

Mariä Lichtmess gehörte zu den wichtigsten Los- und Feiertagen im ganzen Jahr Vor allem Beobachtungen zum Wetter standen dabei an vorderster Stelle. Um die Bedeutung dieses Tages zu erklären, muss man etwas weiter ausholen.

Grundsätzlich fiel auf diesen Zeitpunkt ein Mittwinterfest, das von verschiedenen Völkern in vielen Regionen Europas begangen wurde. Es war einerseits ein Reinigungsfest, andererseits ein Anlass, dem wachsenden Licht, dem Sonnenfeuer und dem damit verbundenen Erstarken des Lebens zu huldigen.

Im keltischen Kalender wurde in der Nacht vom ersten auf den zweiten Februar Imbolc gefeiert. Über die Herkunft dieser Bezeichung herrscht Uneinigkeit. Am wahrscheinlichsten ist die Deutung „rituelle Waschung, Reinigung“. Überlieferungen zufolge war es üblich, speziell Hände, Füße und das Haupt mit Wasser zu reinigen, Haus und Hof zu putzen und anschließend riesige Feuer zu entzünden. Der Tag, an dem dies stattfand, war der Göttin Brighid gewidmet, deren Name so viel wie „die Helle, die Strahlende, die Streitbare“ bedeutet, ähnlich der bereits bekannten Frau Perchta. Brighid war bewandert in Heilkunst und Poesie, sie war die Hüterin des Feuers (weswegen ihr auch die Schmiede unterstanden) und im Speziellen die Hüterin des Herdfeuers und die Schutzherrin gebärender Frauen. Es hieß, Brighid beuge sich über jede Wiege, in der ein Neugeborenes liegt. Die Legende berichtet auch, Brighid besitze einen blauen Mantel, ähnlich dem Firmament. Ihr Symbol ist eine Art Sonnenrad, das heute Brighids Kreuz genannt wird.

Brighidkreuz

Römischen Aufzeichnungen nach war Brighid die große Muttergöttin keltischer Stämme, der Briganten (im Nordosten Britanniens beheimatet) und der mit ihnen lose verwandten Brigantier, deren Siedlungsgebiet am Bodensee im heutigen Vorarlberg lag. Einige Orte in Mitteleuropa erinnern noch heute an ihren Namen, unter anderem die Hauptstadt Vorarlbergs, Bregenz.

Im christlichen Kalender feierte man am 1. Februar das Fest der heiligen Brigitte von Kildare/Irland, die vor allem als Viehpatronin und als Beistand bei Geburten angerufen wurde. Sie wurde auch als die „gälisch-keltische Maria“ bezeichnet, wodurch sich der Zusammenhang zum Lichtmessfest ergab.

Auch bei den Römern gab es um diese Jahreszeit ein großes Reinigungsfest mit Namen februa, wovon sich der Monatsname Februar ableitet. Es wurden Fackelumzüge abgehalten, Räucherwerk entzündet und Lärmbräuche zum Vertreiben der dunklen Winterdämonen eingesetzt.

Im Christentum wurde der 2. Februar dann zu Mariä Lichtmess, der Tag der Reinigung Mariä nach der Geburt Jesu. (Nach biblischer Auffassung galt eine Frau nach der Geburt eines Kindes für eine bestimmte Zeit als unrein.) Die um diese Zeit immer schon üblichen Licht- und Feuerbräuche blieben in Form der großen Kerzenweihe erhalten. Bei einem feierlichen Gottesdienst wird für die Gläubigen der Kerzenvorrat für ein ganzes Jahr geweiht, und diese Lichtmesskerzen gelten auch heute noch als besonders wundertätig. Früher stellte man sie den Gebärenden ans Bett, um die Geburt zu erleichtern und Mutter und Kind vor schlechten Einflüssen zu behüten, bei Gewitter wurden sie zum Schutz angezündet, oder man ließ drei Tröpfchen ihres Wachses in den Brotteig fallen und gab dieses spezielle Brot den Tieren zu fressen, um sie vor Krankheiten zu schützen. In Vorarlberg gab es zu Lichtmess die Kerzenrodel. Sie bestand aus einer Art langer, dünner, wachsbezogener Kerzenschnur, die man zu einem kunstvoll gewundenen Knäuel wickelte. Sie wurde nur von Frauen bei Begräbnissen, bei Gedächtnisgottesdiensten oder auf dem Friedhof verwendet.

Der Lichtmesstag spielte im bäuerlichen Leben eine wichtige Rolle. Die fälligen Abgaben mussten bezahlt werden, was oft mithilfe der im Winter hergestellten Produkte geschah, und die Dienstboten wechselten den Arbeitsplatz. Verließ ein Dienstbote den Hof, musste ihm die Bäuerin ein „Lichtmesskoch“ oder einen „Lichtmesskrapfen“ zum Abschied geben.

In einigen Gebieten der Alpen kommen heute noch die Lichtmeßsänger oder –geiger ins Haus, um ihre Segenswünsche vorzutragen. Als Lohn erhalten sie den Lichtmesskrapfen, Schnaps und manchmal auch kleine Geldspenden. Auch in der Stadt lässt sich der Brauch des Lichtmeßsingens in etwas abgewandelter Form praktizieren. Menschen, die gerne miteinander musizieren und singen, können in ihrer Nachbarschaft von Haus zu Haus gehen. Aber auch an einem öffentlichen Platz, ja sogar in der U-Bahn hört mancher vielleicht gerne gute Segenswünsche, die ihm mit auf den Weg gegeben werden.

Als Lostag für Wetterbeobachtungen war der 2. Februar besonders bedeutsam. Einige Bauernregeln weisen darauf hin:

„Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.“

„Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.“

* * *

Auf Wikipedia heißt es zwar, es gebe keine historischen Belege dafür, daß Imbolc früher außerhalb Irlands gefeiert wurde, aber die sehr ähnliche Tradition des februa bei den Römern legt nahe, daß dieses Fest, wenn auch vielleicht unter anderen Namen, im gesamten keltischen Kulturraum Bedeutung hatte. Es wird deshalb auch vermutet, daß es ein gemeinsames italisch-keltisches Kulturgut war, und angesichts der Bedeutung, die der Wechsel der Jahreszeiten und der Tageslängen für die Menschen in Europa hatte, erscheint es mir durchaus denkbar, daß es überhaupt ein gemeinsames indoeuropäisches Kulturerbe ist. Auf der nachstehenden Karte ist die Verbreitung des Keltentums dargestellt, wobei interessant ist, wo es seinen historischen Kern- und Ursprungsraum hatte (dunkelgrün = frühe Verbreitung um 500 v. Chr., hellgrün = maximale Ausdehnung um 300 v. Chr.). Der hellgrüne Fleck in der heutigen Türkei zeigt den Siedlungsraum des keltischen Volkes der Galater.

Celtic_expansion

Waltraud Ferraris Hinweis bezüglich der Verwandtschaft zwischen den nordostbritannischen Briganten und den Brigantiern in Vorarlberg ist diesbezüglich ebenfalls bedeutsam. Bregenz hieß ja zur Römerzeit Brigantium, woraus dann der heutige Name wurde.

Das Brigidkreuz oder Brighidkreuz wird traditionell aus Binsen oder seltener aus Stroh gefertigt. Hier ist ein Foto von einem solchen Exemplar:

Aus Binsen geflochtenes Brigidkreuz

Aus Binsen geflochtenes Brigidkreuz

Viele Rituale sind mit dem Anfertigen dieser Kreuze verbunden. Man glaubte traditionell, daß ein Brigidkreuz das Haus vor Feuer und vor Bösem schützt, weshalb es in vielen irischen und irisch-amerikanischen Haushalten in der Küche hängt. Da dieser Glaube an den Schutz vor Feuer keinen Zusammenhang mit der christlichen Geschichte um St. Brigitta hat, ist er wohl Teil einer viel älteren heidnischen Tradition, und das Brigidkreuz ist von seinem Ursprung her ein heidnisches Symbol, dessen ursprüngliche Bedeutung im ländlichen Irland vielleicht noch bis ins frühe 20. Jahrhundert verstanden wurde.

Verschiedene Variationen von Kreuzen und radförmigen Kreuzornamenten, Sonnenrädern, Sonnenkreuzen etc. haben offenbar uralte kulturelle Bedeutung unter den heidnischen alten Europäern gehabt, wie auch die unten abgebildeten Rädchenanhänger aus der Bronzezeit belegen:

Bronzezeitliche Rädchenanhänger aus der Urnenfelderkultur (1550 – 1000 v. Chr.), Schweizerisches Landesmuseum Zürich.

Bronzezeitliche Rädchenanhänger aus der Urnenfelderkultur (1550 – 1000 v. Chr.), Schweizerisches Landesmuseum Zürich.

Auch das Kelten- oder Odinskreuz war nicht nur ein Sonnensymbol, sondern versinnbildlichte mit seinen vier Speichen auch die vier Jahreszeiten und somit in weiterem Sinne überhaupt den Zeitenlauf; es gab auch welche mit zwölf Speichen, die dann die Monate symbolisierten. Daß diese Symbolik gerade unter Indoeuropäern entstand, ist naheliegend, nachdem das Rad sehr wahrscheinlich von ihnen erfunden wurde und die Streitwagenräder der alten Indoeuropäer vier Speichen hatten (siehe z. B. Fjordmans Artikel „Haben prähistorische Europäer Fahrzeuge mit Rädern erfunden?“).

In christlicher Zeit wurden die Speichen der vierspeichigen Variante über den Radkranz hinaus verlängert, um dieses Symbol auch weiterhin konform mit der „Political Correctness“ der Kirche verwenden zu können. In irgendeinem Artikel, den ich vorerst leider nicht mehr finde, schreibt Alex Kurtagić sogar ungefähr, daß diese kreuzförmigen Symbole eine uralte, tief verwurzelte archetypische Bedeutung für die Europäer hatten, was mich vermuten läßt, daß das christliche Kreuz als Symbol für das Christentum von der Kirche bewußt eingeführt worden ist, um an diese archetypische Symbolik anzudocken und sie zu überlagern, wie es auch mit den christlichen Feiertagen (z. B. Ostern, Imbolc/Mariä Lichtmeß, bestimmte Rauhnächte, Weihnachten/Jul, Berchtlnacht/Dreikönigstag) gemacht wurde. Das frühe Symbol für das Christentum war ja der Fisch, und die heute bekannte Kruzifixform mit nach oben über den Querbalken hinaus verlängerter Holzsäule war nämlich für Kreuzigungen in der Antike keineswegs typisch, sondern es wurde oft eine einfachere Form mit oben stumpf auf den senkrechten Balken aufgesetztem Querbalken verwendet. Dies ist auch die naheliegendere Variante, nachdem sie einerseits materialsparender ist (die Verlängerung über den Querbalken hinaus erfüllt ja keinen Zweck) und es auch einfacher ist, einen Querbalken oben auf das Säulenende draufzunageln, als die beiden Hölzer mittels Überblattung miteinander zu verbinden. Deshalb vermute ich, daß diese einfachere T-Form bei weitem die häufigere war.

Für diejenigen, die sich ein Brigidkreuz kaufen möchten, habe ich hier drei Links, wo man welche bestellen kann:

Hier bekommt man in Irland hergestellte aus Binsen (ca. 15 cm groß) zur Dekoration im Haus:

Crosog Brigde

Hier im Sunset Store / Irischer Schmuck.de gibt es um € 37 diesen Anhänger aus Silber (Kreuz ca. 25 x 25 mm) inkl. ca. 45 cm langer Silberkette (das Bild ist aber von amazon, wo es denselben Anhänger gibt; jenes auf Sunset Store hatte nur 80 x 80 Pixel):

Brighid-Kreuz Silber

Und hier im „Heidenladen“ gibt es diese Ausführung als Anhänger aus Künstler-Polymer mit einem Durchmesser von ca. 3,5 cm. Die Scheibe der hier dargestellten Version soll laut Seitenbetreiberin in Wirklichkeit metallic-grün sein; es gibt sie auch in Schwarz.

brighid-kreuz

Wahrscheinlich lassen sich im Netz noch etliche weitere Angebote finden.

Ich wünsche euch allen ein schönes Imbolc!

 

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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