AUG 9 mm Para

Der Autor bei Schießversuchen mit dem Armee Universal Gewehr (AUG) im Kaliber 9 mm Para.

Der Autor bei Schießversuchen mit dem Armee Universal Gewehr (AUG) im Kaliber 9 mm Para.

Von Peter Ernst Grimm, aus Heft 5-1989 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Das Armee Universal Gewehr (AUG) der österreichischen Firma Steyr-Daimler-Puch, ein Bullpup-Gasdrucklader im Kaliber 5,56 x 45 mm /.223 Remington, wird in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Eine der interessantesten ist das „AUG 9 mm Para“, eine AUG-Variante, die etwas aus dem Rahmen fällt: statt Gasdruckladesystem gibt es hier einen Masseverschluss, statt Gewehrmunition werden Pistolenpatronen verschossen. Ein Umrüstsatz verwandelt jedes 5,56-AUG in eine 9 mm Para-Waffe.

Das österreichische „Armee Universal Gewehr“ (AUG) im Kaliber 5,56 x 45 gibt es mit 508-mm-Lauf als Sturmgewehr, mit 407-mm-Lauf als Maschinenkarabiner, mit 350-mm-Lauf als Commando-Waffe, mit aufschießendem Verschluß als HBAR-Automat oder mit zuschießendem als leichtes Maschinengewehr. Es gibt Versionen, die wahlweise Einzel- oder Seriefeuer schießen und eventuell einen Schusszahlbegrenzer (Drei-Schuss-Automatik) haben, solche, die zwar nur halbautomatisch funktionieren, aber durch Austausch des Abzugsmoduls in Seriefeuerwaffen umgewandelt werden können (z. B. das „AUG Police“), und andere („AUG Sporter“), die bewusst als reine Halbautomaten konzipiert sind und auf Grund konstruktiver Vorkehrungen nicht in Vollautomaten abgeändert werden können.

Allen gemeinsam war bis jetzt die Kurzbauweise mit in den Anschlagschaft verlegtem Verschluss (Bullpup), die extensive Verwendung von Kunststoff (hauptsächlich glasfaserverstärktes Polyamid 66), das Verschlußsystem (Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss) und das Kaliber (5,56 x 45 mm gleich .223 Remington gleich 5,6 Gew Pat 90). Die vorliegende „AUG 9 mm Para“-Version unterscheidet sich von den bisherigen Ausführungen in zwei grundsätzlichen Zügen: sie ist – wie schon ihre Bezeichnung besagt – für das Pistolenkaliber 9 mm Para eingerichtet, und sie weist diesem Kaliber entsprechend ein vereinfachtes Verschlußsystem auf, einen Masseverschluss, wie er bei Maschinenpistolen üblich ist.

Halbautomatisches AUG 9 mm Para

Dennoch kann man beim „AUG 9 mm Para“ nicht von einer Maschinenpistole sprechen. Zumindest nicht bei der Variante, die zur Zeit in den meisten Schweizer Kantonen frei erhältlich ist, uns freundlicherweise von der Basler Mayer AG für diesen Bericht überlassen wurde und hier beschrieben ist: Sie ist ein Halbautomat mit aufschießendem Verschluss, also eine Waffe, die als Selbstlader Einzelschüsse aus geschlossener Verschlußstellung abgibt. (Ein vollautomatisch schießendes Pendant gibt es auch, man kann es aber nur mit kantonspolizeilicher Sammlerbewilligung erwerben.)

Das „AUG 9 mm Para“ ist 665 mm lang und hat einen 420-mm-Lauf mit 6 Zügen im Rechtsdrall mit einer Drallänge von 250 mm. Es wiegt – ungeladen – 3,70 kg. Die letzten 45 mm des Laufs sind als Mündungsbremse ausgebildet. Der Lauf trägt ein Gewinde zum Aufschrauben eines Schalldämpfers. Das „AUG 9 mm Para“ verwendet die 25 oder 32 Patronen fassenden doppelreihigen Stangenmagazine der Steyr-Maschinenpistolen Mod. 69 und 81.

Die letzten 45 mm des Laufs sind als Mündungsbremse ausgebildet.

Die letzten 45 mm des Laufs sind als Mündungsbremse ausgebildet.

Das vorliegende „AUG 9 mm Para“ hat die AUG-typische, in den Traggriff integrierte höhen- und seitenverstellbare optische Visierung mit 1,5facher Vergrößerung. Das Absehen ist ein feines Fadenkreuz mit einem kleinen Mittelkreis. Auf der Oberseite des ZF-Korpusses ist eine behelfsmäßige offene Visierung angebracht.

Einfache Bedienung

Die Druckknopfsicherung, das wichtigste Bedienungselement neben dem Abzug, dem Spannhebel und dem Magazinhalterhebel, ist mit der Wurzel des Zeigefingers gut erreichbar. Nach links gedrückt, entsichert sie die Waffe – ein roter Punkt weist darauf hin. Ihr quadratischer Kopf hatte recht scharfe Kanten.

Im Unterschied zu anderen bekannten AUG-Ausführungen hat beim vorliegenden „AUG 9 mm Para“ der federnd angelenkte Spannhebel (aus Kunststoff) an der linken Seite des Verschlussgehäuses (aus Leichtmetall) die ergonomisch ausgezeichnet gestaltete Form eines Haifischzahns. Auch er lässt sich jedoch in hinterer Position in eine Ausnehmung drücken, so dass der Verschluss in offener Stellung fixiert werden kann, was z. B. bei der Behebung von eventuellen Ladehemmungen von Nutzen ist. Der Verschluss bleibt übrigens nach dem letzten Schuss nicht offen stehen.

In Anbetracht des kurzen Laufs fehlt beim „AUG 9 mm Para“ die Möglichkeit, den Vordergriff umzuklappen.

Das uns vorliegende „AUG 9 mm Para“ war eine ausgesprochene Rechtshänderwaffe. Das rechts, ziemlich weit hinten liegende Hülsenauswurffenster auf die linke Seite zu verlegen, was für Linksschützen notwendig wäre, damit ihnen im Schulteranschlag die verschossenen Hülsen nicht ins Gesicht fliegen, und was etwa bei den AUG-Sturmgewehren ohne weiteres machbar ist, war hier nicht möglich.

Waffe mit fest installiertem Umrüstsatz

Obwohl das halbautomatische „AUG 9 mm Para“ zur Zeit in der Schweiz als eigenständige Waffe angeboten wird, handelt es sich eigentlich um einen AUG-Halbautomaten mit fest installiertem 9 mm Para-Umrüstsatz. Das bedeutet, dass sich das „AUG 9 mm Para“ von einem gängigen halbautomatischen AUG im wesentlichen nur in der Laufgruppe (Lauf + vorderer Handgriff), dem Verschluss, einem Magazinadapter (der anstelle des 5,56×45-Magazins eingesetzt wird) und dem Magazin unterscheidet.

Jedes AUG kann durch einen aus Lauf, Masseverschluss, Magazinadapter und Magazin bestehenden Wechselsatz auf das Kaliber 9 mm Para umgerüstet werden.

Jedes AUG kann durch einen aus Lauf, Masseverschluss, Magazinadapter und Magazin bestehenden Wechselsatz auf das Kaliber 9 mm Para umgerüstet werden.

Gute Schussleistung aus dem 9 mm Para-Lauf

Die Bullpup-Bauweise mit dem nach hinten verlegten Verschluss gestattet trotz geringer Gesamtlänge die Verwendung eines relativ langen Laufs, die Länge seines gezogenen Teils (inklusive Patronenlager) beträgt 375 mm. Das macht sich natürlich in der Leistung der daraus verschossenen 9 mm Para-Patronen bemerkbar. Ihre Mündungsenergie ist im Schnitt 20 % höher, als wenn sie aus einer gängigen Militär- & Polizeipistole verschossen worden wären. Der Anschlagschaft und die optische Visierung gestatten es auch, die Treffer genauer zu plazieren. Der aufschießende Verschluss fördert die Präzision ebenfalls. Mit dem „AUG 9 mm Para“ waren mit aufgelegter Waffe auf 25 m Entfernung z. B. mit Geco-Patronen mit 123 grs-Vollmantel- oder Bleispitzgeschossen 10-Schuss-Treffergruppen von 35 mm Durchmesser und manchmal sogar darunter zu erreichen. Und das mit einem Abzug, der immerhin 4,0 kg Abzugswiderstand aufwies (jedoch sehr trocken auslöste).

Hinterteil des „AUG 9 mm Para“ mit dem 32 Schuss fassenden Stangenmagazin im Magazinadapter.

Hinterteil des „AUG 9 mm Para“ mit dem 32 Schuss fassenden Stangenmagazin im Magazinadapter.

Schießen mit Leuchtspurmunition

Mit ein wenig Übung lässt sich das „AUG 9 mm Para“ auch sehr gut aus der Hüfte schießen. Genauer gesagt: Man klemmt den Schaft unter die rechte Achsel und passt – als Rechtshänder – mit der linken Hand am Vordergriff die Lage der Waffe seiner Anatomie so an, dass sie stets dorthin schießt, wohin man schaut. Natürlich ist es von großem Vorteil, zum Üben Leuchtspurmunition zu verwenden, man kann die Trefferlage dann laufend korrigieren. Zur Zeit sind auf dem Schweizer Markt Hirtenberger- und Geco-Leuchtspurpatronen des Kalibers 9 mm Para erhältlich.

Während des Schießtests verschoss ich aus dem „AUG 9 mm Para“ an die 400 Schuss ohne eine einzige Störung. Patronen mit jeder Geschossform, auch mit recht heiklen Bleispitz-(Soft Point)-Geschossen, die in vielen Pistolen Ladehemmungen verursachen (mehr noch als die manchmal recht offenen Hohlspitzgeschosse, von denen man das eher erwarten würde), wurden zuverlässig zugeführt. Der Grund liegt wohl hauptsächlich darin, dass im „AUG 9 mm Para“ das Magazin sehr hoch hinauf reicht und der Winkel, unter dem die Patronen zugeführt werden, sehr flach ist. Sie müssen keine hohe Stufe überwinden und keine steile Rampe hinaufgleiten, sondern werden fast parallel zur Laufachse ins Patronenlager geschoben. Dennoch sind nicht alle Patronensorten für das „AUG 9 mm Para“ gleich gut geeignet. So gab es etwa bei den Remington-Patronen mit 115 grs-HP-Geschoss reihenweise Zündhütchendurchschläger, und die Hülsen wurden in völlig verrußtem Zustand ausgeworfen.

Das zerlegte „AUG 9 mm Para“: Das bei der Standardwaffe im Kaliber 5,56x45 übliche Gasdruckladersystem ist hier durch einen einfachen Masseverschluss ersetzt worden.

Das zerlegte „AUG 9 mm Para“: Das bei der Standardwaffe im Kaliber 5,56×45 übliche Gasdruckladersystem ist hier durch einen einfachen Masseverschluss ersetzt worden.

Das „AUG 9 mm Para“ gestattet sehr schnelle Schussfolgen. Der Rückstoß ist trotz des relativ starken Kalibers vernachlässigbar, die Waffe wird kaum aus der Visierlinie geworfen. Das Kampfgewicht des mit einem 32-Schuss-Magazin geladenen „AUG 9 mm Para“ macht ca. 4,10 kg aus, das Gewicht ist ausgezeichnet verteilt, und die Mündungsbremse mit ihren drei nach oben und leicht nach rechts weisenden Schlitzen wirkt dem Hochschlag auch noch entgegen.

Eine ausgezeichnete Waffe

Mit dem „AUG 9 mm Para“ zu schießen, ist reines Vergnügen; die österreichischen „Armee Universal Gewehre“ zählen zum Fortschrittlichsten (und Handlichsten), was es zur Zeit auf diesem Gebiet gibt. Man benötigt nicht einmal einen „ernsthaften“ Grund, um sich eins anzuschaffen. Billig ist dieses Vergnügen jedoch nicht: komplette „AUG 9 mm Para“ werden von der Mayer AG für ca. Fr. 2000,– angeboten. Besitzern von AUGs im Kaliber 5,56×45 kann man mit gutem Gewissen den Kauf eines 9 mm Para-Umrüstsatzes (Fr. 1182,–) empfehlen: Auf kurze Entfernungen kann damit bedeutend billiger – und deshalb auch mehr – geschossen werden. Das Installieren des Umrüst-Sets ist problemlos und einfach (wie das Zerlegen und Wiederzusammensetzen des AUG überhaupt), man muss die Waffe bloß nach jedem Kaliberwechsel neu einschießen.

AUG 9 Para Ballistikdaten

* * *

Das normale Steyr AUG wurde bereits in Teil 15 der SWM-Serie „Sturmgewehre“ von Max Meinrad Krieg beschrieben.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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