Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre

Kleinkaliberpatrone .22 lfb am Verschlußkopf einer Savage Mark II

Kleinkaliberpatrone .22 lfb am Verschlußkopf einer Savage Mark II

Noch ein „ballistischer“ Krisenvorsorgeartikel von Deep Roots (aktualisiert am 28. November 2012 – Infos über die Patrone .22 Winchester Magnum Rimfire).
Nach meinem Flinten-Artikel „Teilchenbeschleuniger möchte ich in diesem Beitrag das Thema „Büchsen“ beleuchten, d. h. Gewehre mit gezogenem Lauf. Hier noch einmal, wie es nach dem derzeit noch gültigen Waffengesetz 1996 diesbezüglich waffenrechtlich wie aussieht:

Halbautomatische Büchsen (Selbstlader)
Diese Selbstladegewehre fallen zusammen mit den Faustfeuerwaffen (Pistolen und Revolver) sowie mit den halbautomatischen Flinten und Repetierflinten, die keine Pumpguns sind (wie z. B. die Marlin Goose Gun mit ihrem Zylinderverschluß und zweischüssigem Magazin) in die Kategorie B – Genehmigungspflichtige Waffen. Für deren Erwerb braucht man eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenpaß. Beide Dokumente erhält man erst ab 21 Jahren; die WBK berechtigt nur zum Erwerb der Waffen sowie zu deren Transport im ungeladenen, nicht zugriffsbereiten Zustand, der Waffenpaß entspricht dem deutschen Waffenschein und berechtigt nicht nur zum Besitz, sondern auch zum Führen der Waffen (und wird nur sehr restriktiv vergeben). Die Zahl der damit zu erwerbenden Waffen ist normalerweise auf zwei begrenzt, man kann jedoch bei der Waffenbehörde um Erweiterung ansuchen. Type etc. der jeweiligen Waffe werden nicht auf dem Dokument vermerkt, sondern liegen nur bei der Waffenbehörde auf. Beim Kauf bei einem Waffenhändler meldet dieser den Erwerb an die Behörde, die das waffenrechtliche Dokument ausgestellt hat, bei Veräußerung von Privat zu Privat (die nur an einen Inhaber eines der vorgenannten waffenrechtlichen Dokumente erfolgen darf) muß der Veräußerer seiner zuständigen Bezirkswaffenbehörde die Veräußerung melden sowie den Namen des Erwerbers und Nummer und ausstellende Behörde von dessen waffenrechtlichem Dokument angeben. Auch Munition für Faustfeuerwaffen (Ausnahme: Kleinkaliber-Randfeuerpatronen) bekommt man nur mit einem der beiden waffenrechtlichen Dokumente!

Repetierbüchsen aller Art, Einzelladerbüchsen, Kipplaufbüchsen und Kombinationswaffen mit mindestens einem gezogenen Lauf
Sämtliche anderen Büchsen, die weder Voll- noch Halbautomaten sind, fallen unter die Kategorie C – Meldepflichtige Waffen. Waffen der Kategorie C können frei ab 18 Jahren erworben werden; wenn der Käufer ein waffenrechtliches Dokument (Waffenbesitzkarte oder Waffenpaß) besitzt, kann er das Gewehr gleich mitnehmen, ansonsten fragt der Händler nach Kaufabschluß erst bei der Behörde an, ob gegen den Käufer kein Waffenverbot besteht, und falls nicht, dann kann die Waffe drei Werktage nach Kaufabschluß („Abkühlfrist“) beim Händler abgeholt werden.

Die Meldung erfolgt in der Form, daß Art, Type, Seriennummer etc. der Waffe in ein Meldeformular eingetragen wird, von dem der Kunde das Original erhält, während eine Kopie beim Händler verbleibt, der sie sieben Jahre lang aufbewahren und den Sicherheitsbehörden auf Verlangen Einsicht gewähren muß.

Bei Weiterveräußerung der Waffe von Privat an Privat braucht man das Gewehr nicht bei seiner Behörde oder sonstwo abzumelden, sondern man muß dem Käufer nur mitteilen, wo man sie beim Kauf gemeldet hat, damit der Erwerber, der die Waffe seinerseits bei irgendeinem Fachhändler melden muß, das hierbei angeben kann. Ob der Erwerber das auch tatsächlich macht, entzieht sich dem Einfluß und der Verantwortung des Vorbesitzers. Das heißt, all diese Meldungen sind für die Behörde eigentlich wertlos, denn sie geben ja nur wieder, in wessen Besitz die Waffe im Zeitpunkt der Meldung gewesen ist. Was nachher damit geschehen ist, ob sie verkauft, verschenkt oder vererbt wurde, ist ja aus der Meldung nicht zu ersehen; die Meldung des neuen Besitzers konnte ja auch bei einem anderen Fachhändler oder auch gar nicht erfolgt sein, und die Meldungen sind nicht miteinander verknüpft. Vor Inkrafttreten der Waffengesetznovelle 2010 in Verkehr gebrachte Waffen der Kategorie C sind daher für die Behörde nicht greifbar, solange sie nicht bei dem von dieser Novelle vorgesehenen zentralen Waffenregister gemeldet werden.

Waffengesetz-Novelle 2010:

Diese wurde zwar bereits am 16. Juni 2010 vom Parlament beschlossen, um der Forderung der EU-Waffenrichtlinie (Beschluß bis spätestens Ende Juni 2010) nachzukommen, wird aber erst dann vom Innenminister per Verordnung in Kraft gesetzt werden, wenn das neue elektronische Waffen-Zentralregister in Betrieb ist, was am 1. Oktober 2012 der Fall sein wird. Zwecks umfassender Information über das neue Waffengesetz siehe den obigen Link; hier sollen nur die zwei wesentlichen Konsequenzen für die Waffen der Kategorien B und C angeführt werden:

Kategorie B:
Hier ändert sich beim Erwerb nichts, außer daß die Meldung an die Behörde vom Händler in Zukunft direkt an das neue elektronische Zentral-Waffenregister übermittelt wird anstatt wie bisher an die für den jeweiligen Kunden zuständige Bezirks-Waffenbehörde. Sämtliche bisher dezentral bei diesen aufliegenden Meldungen über bestehenden B-Waffenbesitz (wo derzeit alles Mögliche von Zettelwirtschaft bis hin zum selbstgestrickten Computerprogramm anzutreffen ist) sollen ebenfalls in dieses neue Zentralregister überführt werden, wo sie dann zusammen mit eventuellen zusätzlichen Informationen über nachgemeldete C- und D-Waffen zu einem Datensatz zusammengefaßt werden.

Kategorie C:
Gemäß der EU-Waffenrichtlinie muß bis spätestens 30. Juni 2014 der Altbestand an C-Waffen vollständig registriert sein, das heißt, jeglicher Altbesitz solcher Waffen muß bei der Behörde nachgemeldet werden; ab Inkrafttreten des Gesetzes sind auch sämtliche Käufe beim Händler zentral zu registrieren.

Warum jetzt noch kaufen; was noch kaufen?
Wer nicht sowieso schon eine Büchse irgendwelcher Art hat, muß bedenken, daß ab 1. Oktober 2012 das neue Waffengesetz mit seiner Nachmeldepflicht in Kraft treten wird. Man könnte sich z. B. jetzt noch schnell ein relativ preisgünstiges Gewehr kaufen, die Übergangsfrist für die Nachmeldung maximal ausschöpfen und hoffen, daß der „Große Crash“ entweder noch vor Mitte 2014 stattfindet oder daß es zwischen der doch noch vor dem 30. Juni 2014 getätigten Meldung der Waffe und dem tatsächlichen Eintritt von „Ragnarök“ zu keinen behördlichen Waffenverboten mehr kommen wird. Denn eines ist ziemlich sicher: Diese umfassende Registrierung aller Schußwaffen dient einzig der Vorbereitung von Waffenenteignungen, sobald einmal alles gemeldet ist, was die Bürger zu melden bereit sind. Einen anderen Sinn hat die Waffenregistratur nicht.

Den Anfang dieser Artikelreihe werde ich mit den Kleinkalibergewehren machen, die am erschwinglichsten sind und wahrscheinlich eine der letzten Salamischeiben sein werden, die einem sukzessiven Waffenverbotsaktionismus und Einschränkungen bei den Schießständen zum Opfer fallen. Befassen wir uns nun mit den Waffen sowie mit Munition und Zubehör.

KLEINKALIBERGEWEHRE

Darunter versteht man Büchsen für Randfeuerpatronen Kaliber .22 lang für Büchse (lfb) oder long rifle (l.r.) bzw. für die längere, stärkere .22 WMR (Winchester Magnum Rimfire). Im Unterschied zu Zentralfeuerpatronen wird diese Munitionsart nicht durch ein zentrales Zündhütchen gezündet, sondern durch einen Zündsatz, der ringförmig in den Rand des Patronenbodens eingegossen ist. Dieser Rand ist bloß eine umlaufende „Falte“ des dünnen Hülsenblechs und wird vom Schlagbolzen beim Abfeuern gequetscht, was die Zündmasse zur Explosion bringt. Das Geschoßkaliber der Kleinkaliberpatronen beträgt .22 Zoll, d. h. ca. 5,6 mm. Neben Gewehren gibt es auch Pistolen und Revolver für diese Munition.

Nun muß man sich aber darüber im Klaren sein, daß das Kaliber .22 lfb das allerunterste Ende des Spektrums der Verteidigungspatronen darstellt, gewissermaßen den Kolibri in der Hand statt der Taube auf dem Dach. Die Mündungsenergie von Hochgeschwindigkeitspatronen in diesem Kaliber (Subsonic- oder Standardpatronen kann man für Verteidigungszwecke überhaupt vergessen, ganz zu schweigen von der .22 kurz) liegt bei Gewehren zwischen 160 und 260 Joule, was verglichen mit den 460 Joule der Pistolenpatrone 9 x 19 mm Luger/Parabellum recht wenig ist. Allerdings relativiert sich dieser Unterschied wieder etwas, wenn man bedenkt, daß ein Vollmantelgeschoß der 9 Para einen menschlichen Körper quer durchschlagen kann und genug Energie wieder mit hinausnimmt, um auch noch einen zweiten Körper zu durchschlagen, falls in beiden Fällen kein Knochen getroffen wurde. Das heißt, daß sie nur einen Teil (vielleicht 60 %) ihrer Energie an den ersten Körper abgibt.

Dagegen ist das Verwundungspotential der .22er-Bleigeschosse, die auch bei Hochgeschwindigkeitspatronen nur verkupfert sind und sich im Ziel verformen sowie ihre gesamte Energie abgeben, nicht zu unterschätzen. Nur Mannstoppwirkung darf man sich von ihnen keine erwarten, außer man trifft das Kleinhirn, wozu man bei Frontalbeschuß je nach Kopfhaltung des Gegners auf die Nasengegend oder zwischen die Augen zielen muß und bei seitlichem Beschuß in den Bereich des Ohrs (kein leichtes Ziel!).

Kleinhirn

Ansonsten wird ein Gegner auch bei einem an sich tödlichen Herztreffer oder einer zufällig durchschossenen Bauch- oder Beinschlagader noch eine Zeitlang handlungsfähig sein, ehe er umfällt. Man muß also in einer Verteidigungssituation darauf eingestellt sein, einen angreifenden Gegner mit etlichen Geschossen vollzupumpen. Noch ein Vergleich: die 160 bis 260 Joule der .22 lfb liegen um die Hälfte bis knapp unterhalb der gut 300 Joule einer einzigen 8,6mm-Schrotkugel aus einer 00-Buckshotpatrone (9 Schrote) und ums 1,5- bis 2,3fache über den 110 Joule einer 6,1mm-Schrotkugel aus einer #4-Buckshotpatrone (27 Schrote), wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die länglichen .22er-Geschosse vom Luftwiderstand bis zum Ziel weniger abgebremst werden als die Schrotkugeln. Wenn man also ein fünfschüssiges Kleinkalibermagazin in einen Gegner leert, hat man ihn im Durchschnitt erst halb so schwer verwundet wie mit einer deckenden Ladung Postenschrot (oder ungefähr so schwer, wie wenn man ihn nur mit der halben Schrotladung erwischt). Im Durchschnitt deshalb, weil der genaue Trefferort sehr großen Einfluß auf die Wirkung hat und Zentimeter darüber entscheiden, ob ein Blutgefäß, ein Nerv, ein Gelenk oder Knochen getroffen wird.

Für dieses schnelle Vollpumpen des Gegners kann man alles unterhalb eines mindestens fünfschüssigen Repetierers (möglichst mit Wechselmagazin) vergessen (wenigstens lassen sich KK-Repetierer aufgrund der kurzen Repetierwege und der Leichtgängigkeit der zierlichen Verschlüsse recht schnell durchladen). Am besten würden sich diesbezüglich Selbstlader eignen, wobei aber das einzige wirklich zuverlässige Modell unter diesen Freizeitgewehrchen der unten abgebildete Ruger 10/22 ist.

Ruger 10-22 birchwood stock

Für diesen gäbe es sogar Nachrüstmagazine wie das 25er-Magazin von Butler Creek (Bild unten), die man anstelle der originalen 10schüssigen, bündig mit dem Schaft abschließenden Schneckenmagazine verwenden kann, sowie Kunststoff-Klappschäfte.

Butler Creek Ruger 10-22 smoke

Nur leider sind Kleinkaliber-Halbautomaten seit dem Waffengesetz 1996 genauso Kategorie-B-Waffen (genehmigungspflichtige Waffen) wie Pistolen, Revolver und halbautomatische Großkalibergewehre und verbrauchen einen Platz auf der Waffenbesitzkarte, weshalb sie niemand mehr kauft und der Handel sie nicht mehr anbietet. Bleiben als praktische Alternative nur Kleinkaliber-Repetiergewehre, von denen ich nachfolgend ein paar vorstelle, zunächst einmal solche mit Zylinderverschlußsystem.

TOZ 78 Luxus, Kal. .22 lfb

TOZ 78 tula22-2

Dieses russische Modell, das laut diversen Internet-Foreneinträgen „viel Gewehr fürs Geld“ bietet, wird zu Preisen um € 280,– angeboten (Frankonia € 279,–, Jagd & Sport € 284,–). Es hat einen 53 cm langen Lauf, ist insgesamt 98 cm lang und wiegt 2,5 kg.

Die Visierung besteht aus einem verstellbaren Balkenkorn mit Kornschutz und einer Klappkimme für 25, 50, 75 und 100 m; 11mm-Prismenschiene für Zielfernrohrmontage vorhanden. Zylinderverschluß mit 2 Auszieherkrallen, fein verstellbarer Druckpunktabzug, Hebelsicherung vor dem Abzug; Nußbaumschaft mit Riemenbügeln.

TOZ 78 detail_1

Wie auf dem Bild oben ersichtlich, gibt es für das TOZ 78 neben dem standardmäßigen, bündig mit dem Abzugsgehäuse abschließenden 5-Schuß-Magazin auch ein 10-schüssiges Magazin. Preise für Reservemagazine:

5 Schuß: € 6,90
10 Schuß: € 9,90

Ceska Zbrojovka CZ 513 Farmer, Kal. .22 lfb

Ceska Zbrojovka CZ 513 Farmer

Dieses Einstiegsmodell des tschechischen Herstellers kostet bei Jagd & Sport (einem Einkäuferring österreichischer Waffenhändler) € 366,–. Es hat einen Buchenholzschaft mit Riemenbügelösen (die Bügel selbst müßte man dazukaufen), eine verstellbare Federblattkimme und ein herausnehmbares 5-schüssiges Magazin (es gibt auch 10-schüssige Ersatzmagazine). Das Korn ist mit einem Kornschutz ausgestattet. Lauflänge 53 cm, Gesamtlänge 99 cm, Gewicht 2,8 kg.

Ersatzmagazine: siehe bei CZ 455

Ceska Zbrojovka CZ 455 Standard, Kal. .22 lfb, .17 HMR oder .22 WMR

CZ-455 STANDARD

Dieses etwas teurere Modell kostet bei Frankonia € 389,– im Kaliber .22 lfb und jeweils € 439,– in den Kalibern .22 WMR und .17 HMR. Für den schon im Basiskaliber höheren Preis bietet es eine 11mm-Prismenschiene für die Zielfernrohrmontage und Riemenbügel sowie einfache Laufwechselmöglichkeit. Die Flügelsicherung sperrt Schlagbolzen und Schloß. Lauflänge 53 cm, Gesamtlänge 98 cm, Gewicht 2,8 kg.

Wie das CZ 513 Farmer hat das CZ 455 Standard einen Buchenschaft und ein 5-schüssiges, herausnehmbares Magazin (es gibt auch 10-schüssige Magazine).

Zubehör für CZ 455:
Wechsellauf CZ 455 Standard, ohne Magazin: € 139,–
Magazine, passend für CZ 455, 452, 512, 513:
.22 lfb, 5 Patronen: € 29,90
.22 lfb, 10 Patronen: € 34,90
.22 WMR, .17 HMR, 5 Patronen: € 39,90
.22 WMR, .17 HMR, 10 Patronen: € 44,90

Savage Mark II-G, Kal. .22 lfb

Savage Mark II G 22lr bolt-action rifle

Dieses amerikanische Modell kostet € 386,–; es gibt daneben auch die Ausführung Savage Mark II-F Synthetic mit schwarzem Kunststoffschaft, die € 348,– kostet (unten mit 5-schüssigem Magazin abgebildet). Beide Ausführungen haben 11mm-Prismenschienen und eine verstellbare Visierung mit Federblattkimme und ohne Kornschutz und sind mit Riemenbügelösen ausgestattet. Lauflänge 53 cm, Gesamtlänge 101 cm, Gewicht 2,2 kg (Mark II-G) bzw. 2,3 kg (Mark II-F).

Savage Mark II-F Sporter 22lr bolt action rifle

Hier noch eine Nahansicht vom System der Mark II-F Synthetic mit zehnschüssigem Magazin:

Savage Mark II-F Detail

Wie man sieht, hat die Savage Mark II eine Schiebesicherung hinter dem Kammerstengel (dem „Repetierhebel“). Reservemagazine kosten € 40,– für die 5-schüssige Ausführung und € 42,– für 10 Schuß.

Nachtrag: Neulich probierte ich mit der Savage Mark II Synthetic (zu der ich bereits in meinen Kommentar Nr. 8 einen Testbericht geliefert habe) die in Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre (im Artikelauszug „Arbeitspferd des britischen Empire“ von John Enright) beschriebene Schnellschießmethode der ANZAC-Soldaten bei Gallipoli (heute Gelibolu) aus. Dabei repetierte ich nur mit Daumen und Zeigefinger, was bei dem zierlichen Verschluß recht leicht geht, und betätigte den mit 1,2 kp (nach meiner Messung) sehr leichgängigen Abzug gleich nach dem Schließen mit dem Mittelfinger. Sitzend aufgelegt sah das auf 50 m mit Remington Yellow Jacket so aus:

Schußgruppe Savage MkII ANZAC-Schießmethode

Dabei hat der innere weiße Kreis einen Durchmesser von 5 cm; die gesamte 11er-Gruppe hat einen Durchmesser von ca. 12 cm. Übrigens habe ich bei dieser Serie wie auch bei einer vorherigen versehentlich elf Patronen ins 10er-Magazin gefüllt, was man zwar zwecks Schonung der Magazinfeder nicht oft tun sollte, aber jedenfalls zeigt, daß das Magazin mit 10 Patronen noch nicht bummvoll ist.

Savage 93 FSS Magnum, Kal. .22 WMR oder .17 HMR

Savage 93FSS Magnum Stainless

Wer es stärker mag, kann zu diesem Modell mit Kunststoffschaft und Lauf, Systemhülse und Verschluß aus Stainless Steel greifen, das von Jagd & Sport um € 523,– angeboten wird. Auch hier gibt es wieder eine Federblattvisierung ohne Kornschutz, Riemenbügelösen und eine 11mm-Prismenschiene. Die Lauflänge beträgt 53 cm, die Gesamtlänge 100 cm und das Gewicht 2,3 kg. Das herausnehmbare Magazin faßt 5 Patronen und kostet in der schwarzen Ausführung € 46,–, in Stainless € 58,–.

Weihrauch HW 60 J, Kal. .22 lfb bzw. .22 WMR

Weihrauch HW 60 J Rimfire

Dieses deutsche Kleinkalibergewehr hat einen 58 cm langen Lauf, ist 106 cm lang und wiegt ca. 2,95 kg. In .22lfb kostet es € 685,–, in .22 WMR € 702,–, und die Ersatzmagazine € 70,–.

Das HW 60 J hat ein Perlkorn mit Kornschutz, ein umklappbares Standvisier sowie eine Prismenschiene mit Zielfernrohr-Montagelöchern und eine seitliche Schiebesicherung. Der Nußbaumschaft ist linksseitig mit einer Backe, mit Gummischaftkappe sowie mit Riemenbügeln ausgestattet. Das Gewehr gibt es wahlweise mit verstellbarem Druckpunktabzug wie hier abgebildet, mit Direktabzug zu 600 g oder 1400 g Abzugsgewicht oder mit Doppelzüngel-Stecherabzug. Für eine „Einsatzwaffe“ würde ich keinen zu leichtgängigen Abzug wählen, denn im Streß eines Ernstfalles erhöht sich die Grundspannung der Muskulatur, was die Feinmotorik beeinträchtigt. 1400 g Abzugsgewicht sind auf alle Fälle schon leicht genug; bei 600 g oder einem eingestochenen Stecherabzug hat man das Gefühl, man bräuchte jetzt bloß ans Abdrücken zu denken, und schon knallt es. Die auswechselbaren Magazine fassen im Kaliber .22 lfb 5 Patronen und in .22 WMR 4 Stück.

Die ebenfalls recht guten Kleinkaliber-Repetierer von Anschütz (Deutschland) und Voere (Kufstein, Österreich) findet man heutzutage leider nicht mehr in den Katalogen und auch bei den Händlern nur mehr selten. Laut Auskunft eines Händlers liegt das daran, daß sie schon recht teuer geworden sind; eigenartigerweise sollen sie aber in Amerika noch gefragt sein.

Neben den soeben vorgestellten Zylinderverschluß-Repetierern gibt es für Randfeuerpatronen auch die etwas schneller zu repetierenden Unterhebel-Repetierer (Lever action rifles). Diese haben auch mehr Magazinkapazität (15 – 19 Schuß), aber natürlich keine auswechselbaren Magazine (mit Ausnahme des ungewöhnlichen Ruger Model 96).

Bei KK-Unterhebelrepetierern mit Röhrenmagazin besteht ein weiterer Grund für die Verwendung von Hochgeschwindigkeitspatronen darin, daß sie mit ihren verkupferten und vermutlich auch aus einer härteren Bleilegierung gefertigten Geschossen eine zuverlässigere Zuführung ermöglichen als die Standardpatronen mit ihren nackten Weichbleigeschossen.

Eine Grundregel für Unterhebelgewehre ist, daß der Zeigefinger beim Repetieren nicht im Abzugsbügel befindet, sondern außerhalb davon bleibt. Nur das verhindert sicher, daß sich beim Schließen ungewollt ein Schuß löst. Und es sorgt dafür, daß einer der peinlichsten Schießunfälle nicht passieren kann – sich beim schnellen Repetieren den Zeigefinger empfindlich zwischen Abzug und Unterhebel zu quetschen. Hier präsentiere ich nun vier Modelle:

Henry Lever-Action „Rifle“, Kal. .22 lfb

Henry Lever action Rifle

Das Standardmodell, das von Frankonia um € 399,– angeboten wird. Lauflänge 47 cm, Gesamtlänge 91 cm, Gewicht 2,4 kg. Verstellbare Federblattkimme und Korn mit Korntunnel, 11mm-Prismenschiene für ZF-Montage; Nußbaumschaft, keine Riemenbügelösen. Röhrenmagazin für 15 Patronen unter dem Lauf. Anders als die aus Westernfilmen bekannten Unterhebelrepetierer für Zentralfeuerpatronen werden Kleinkaliber-Unterhebler wie dieser meistens nicht über eine seitliche Ladeklappe unterhalb der Auswurföffnung geladen, sondern man muß dazu die Magazinfeder samt Zubringer nach vorn aus der Magazinröhre ziehen, in die man dann die Patronen (natürlich mit dem Boden voran, d. h. Geschoß in Mündungsrichtung!) durch die Aussparung an der Unterseite der Magazinröhre einfüllt, worauf die Magazinfeder wieder eingeschoben wird.

Henry Lever-Action „Octagon“, Kal. .22 lfb

Henry Lever Action Octagon Frontier Model

Dieses Gewehr kostet bei Frankonia (natürlich ohne Zielfernrohr und Montage) € 499,–. Es hat einen 51 cm langen, schweren Achtkantlauf, ist insgesamt 98 cm lang und wiegt 2,9 kg. Die Visierung besteht aus einer verstellbaren Federblattkimme und einem einfachen Korn; das Gehäuse hat eine 11mm-Prismenschiene für die Zielfernrohrmontage. Der Schaft besteht aus amerikanischem Nußbaumholz (keine Riemenbügelösen), und das Röhrenmagazin unter dem Lauf faßt im Kaliber .22 lfb 16 Patronen. Es gibt auch Ausführungen in den Kalibern .22 WMR und .17 HMR, für die mir aber keine Preise bekannt sind.

Marlin 39A, Kaliber .22 lfb

Marlin Lever Action 39A 22 lr

Von Marlin, dem großen Konkurrenten der Firma Winchester, gibt es im Kaliber .22 long rifle dieses längere Gewehr, das bei Frankonia € 829,– kostet und mit 61 cm langem Lauf eine Gesamtlänge von 102 cm aufweist und ca. 3,1 kg wiegt. Anders als die beiden vorgenannten Henry-Modelle hat es keinen geraden Kolben, sondern einen mit Halbpistolengriff, was zwar nicht ganz so klassisch-westernmäßig aussieht, aber ergonomisch vorzuziehen ist. Kolben und Vorderschaftring sind mit Riemenbügelösen versehen; ein Riemenbügel-Set kostet je nach Modell ab € 39,90. Auch hier haben wir eine verstellbare Federblattkimme und ein Korn mit Korntunnel; die Prismenschiene ist 12,5 mm breit und nicht fixer Bestandteil des Gehäuses, sondern liegt nur bei, um im Bedarfsfall angeschraubt zu werden. Das Röhrenmagazin faßt 19 Patronen.

Ruger Model 96, Kaliber .22 lfb (und .44 Magnum)

Dieses unkonventionelle, aber ästhetisch ebenfalls ansprechende Unterhebelgewehr mit seinem kompakten, auswechselbaren Schneckenmagazin anstelle der sonstigen fixen Röhrenmagazine kommt leider nicht in den Katalogen hiesiger Waffenhandelsketten vor, daher kann ich hierfür leider keine Preise angeben und weiß auch nicht, ob es bei den Einzelhändlern erhältlich ist. [Nachtrag: Inzwischen habe ich erfahren, daß dieses Gewehr seit Anfang 2011 nicht mehr produziert wird.] Hier eine Seite aus einem Ruger-Katalog von 1996:

Ruger Model 96 Lever action rifles

Hergestellt wird das Model 96 in den Kalibern .22 lfb, .22 WMR und .44 Magnum. Es hat eine Lauflänge von 47 cm, eine Gesamtlänge von 95 cm (.22er-Versionen) und wiegt ca. 2,4 kg (.22er-Versionen). Die Visierung besteht aus einer Klappkimme und einem Messingperlkorn im Korntunnel. Die Schnecken- oder Trommelmagazine ähneln denen des Ruger 10/22 und fassen im Kaliber .22 lfb 10 Patronen, in .22 WMR 9 Schuß und in .44 Magnum (hier abgebildet) 4 Schuß.

Eine seltene Alternative zu den Unterheblern sind Vorderschaftrepetierbüchsen (Pump action rifles); hier ein Beispiel:

Henry Pump-Action „Octagon“, Kaliber .22 lfb

Henry pump action rifle Octagon

 

Angeboten bei Frankonia um € 599,–. 50 cm langer Achtkantlauf, 98 cm Gesamtlänge, Gewicht 2,7 kg. Verstellbare Federblattkimme und offenes Korn, amerikanisches Nußbaumholz, keine Riemenbügelösen, Röhrenmagazin für 15 Patronen.

Im Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“, Ausgabe 11/2000, gab es einen Artikel von Laszlo Tolvaj über eine Ausführung der Henry Pump-Action Rifle mit kürzerem Rundlauf, den ich nachfolgend gekürzt wiedergebe:

Beim Ausdruck „Henry Rifle“ gehen zumindest bei jedem Karl-May-Fan und Wildwest-Enthusiasten einige Lämpchen an, handelt es sich doch bei diesem sagenumwobenen Gewehr um einen der ersten Mehrlader, der zur damaligen Zeit sehr erfolgreich gegen renitente Indianer, Weiße, Schwarze, Nord- und Südstaatler oder sonstige Abweichler eingesetzt wurde. Die Stelle in „Winnetou I“ habe ich allerdings nie kapiert, in der Karl May versuchte, seinen Lesern jenen zur damaligen Zeit revolutionären Mehrlader zu erklären, dessen Magazin aus einer sich exzentrisch bewegenden Eisenkugel mit 25 Löchern bestanden habe – eine Maysche Meisterleistung in Sachen Phantasie, handelte es sich doch beim Henry-Gewehr um einen „schlichten“ Unterhebler mit Röhrenmagazin unter dem Lauf.

Wir wollen uns an dieser Stelle jedoch nicht mit waffenhistorischen Details befassen, zumal es sich beim vorliegenden Henry Rifle nicht um einen solchen Unterhebelrepetierer handelt, sondern um eine sogenannte Pump-Action-Büchse, bei welcher der Repetiervorgang durch ein Zurück- und Vorschieben des Vorderschafts erfolgt. Außerdem beruft sich die in Brookly, New York, ansässige Firma Henry Repeating Arms Co. zwar auf B. Tyler Henry und seine Erfindung, hat aber mit Old Henry nichts gemeinsam. Sie besteht erst seit 1997 und stellt zwar drei verschiedene Unterhebelrepetier-Modelle (das eine nennt sich „Golden Boy“) her, daneben auch das hier beschriebene Pump-Action-Gewehr und eine Variante des halbautomatischen AR-7 unter der Bezeichnung „U.S. Survival“, alle im Kaliber .22. Das Zielpublikum ist somit nicht mehr bei der Kavallerie zu suchen, sondern im zivilen Sektor, vornehmlich bei Vätern, die ihren Sprößlingen mit einem Kleinkalibergewehrchen den Einstieg in die Welt der Feuerwaffen ebnen möchten.

Mit Luftdruckwaffen lassen sich die Grundlagen des Schießsports natürlich auch vermitteln, nach meiner Meinung ist diese Disziplin aber zu akademisch. Ein Zehnjähriger verliert schnell einmal seine Begeisterung, wenn er Passe um Passe konzentriert auf eine bestimmte Distanz auf eine kleine Ringscheibe abgeben muß. Es macht halt einfach mehr Spaß, ab und zu auf Dinge zu schießen, die wegfliegen, wenn man sie trifft, oder zumindest am Kugelfang Staub aufwirbeln. Ein Vorderschaftrepetierer ist dazu ideal, denn man kann mit ihm sowohl präzise Einzelschüsse abgeben, zwischendurch aber auch mal aufdrehen und Dampf ablassen, indem in schneller Folge geschossen wird.

Die Verwandtschaft zwischen dem Henry Pump Action und einem Winchester-Unterhebelrepetierer ist offensichtlich, wenn auch unserem Gewehr der Repetierhebel fehlt: Lauf mit darunter liegendem Röhrenmagazin, schnörkelloser Systemkasten mit rechtsliegendem Auswurffenster, außen liegender Hammer, typischer gerader Schaft. Die Zielvorrichtung am Henry Pump Action ist ebenso einfach gehalten wie einst im Wilden Westen. Vorne ein Balkenkorn, hinten ein gebogenes Stück Federstahl, das sich mit Hilfe einer verschiebbaren Rampe in der Höhe grob verstellen läßt. Da die Kimme in einer Schwalbenschwanzaufnahme befestigt ist, lassen sich seitliche Korrekturen durch Klopfen mit einem Messingstift oder ähnlichen Hilfsmitteln durchführen.

Der Systemkasten aus Aluminium weist auf seiner Oberseite eine rund 115 mm lange Schiene auf. Sie ist zur Aufnahme einer 11 mm-Montage gedacht, worauf sich dann je nach Wunsch Rotpunktvisier, Zielfernrohr oder anderes Gerät befestigen läßt. Diese Montagemöglichkeit ist nicht das einzige Zugeständnis an die moderne Zeit. Visier, die Schellen zum Zusammenhalten von Lauf und Magazin sowie der Bügel um den Abzug sind aus Kunststoff gefertigt, die Schaftkappe besteht wie der Systemkasten aus Aluminium. Zum Schutze des Korns ist zusätzlich ein Tunnel auf den Sockel aufgeschoben. Wem er nicht gefällt, der kann das Blechteil nach hinten abziehen und entfernen.

Ein weiterer Vorteil des Pump-Action-Systems besteht darin, daß das Gewehr sämtliche Munitionssorten vom Kaliber .22 long rifle abwärts verdaut, also auch .22 Long- und .22 Short-Patronen. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und das Röhrenmagazin mit fast einer halben Schachtel (22 Stück) .22 Short gefüllt; das Zuführen klappte einwandfrei, wenn auch die Präzision der Kurzpatrönchen nicht zu überzeugen vermochte. Denn trotz seinem einfachen und robusten Aufbau scheint das Gewehr auf die verschiedenen Munitionssorten unterschiedlich zu reagieren. Aufgelegt auf 25 Meter, maßen die meisten Fünfergruppen zwischen 23 mm (CCI Mini-Mag) und 25 mm (RWS Pistol Match, Geco Rifle). Die CCI Stinger lag mit 24 mm exakt dazwischen, zwei von fünf Patronen zündeten hier jedoch erst beim zweiten Abschlagen. Da wir dieses Phänomen auch schon bei anderen Waffen beobachtet haben, liegt die Vermutung nahe, daß die Stinger einen etwas höheren Impuls des Zündstiftes benötigt. [Anm. D.R.: Mit der CCI Stinger habe ich dieses Problem bisher noch nicht erlebt.] Remingtons Yellow Jacket verdaut das Henry Pump Action bezüglich Präzision auch nicht besonders, denn mit 52 mm waren die Gruppen durchweg doppelt so groß wie mit den anderen Sorten. Und die Shorties von Remington vergrößerten den Kreis nochmals auf 98 mm, obwohl die Abweichung der Geschoßgeschwindigkeiten (jeweils 5 Messungen) lediglich um die 5 m/s betrug!

Patronenleistung in Henry Pump Action Rifle:
Kaliber .22 long rifle:
CCI Stinger 32 grs / 2,07 g Hohlspitz: 461,6 m/s, 221 Joule
Remington Yellow Jacket 32 grs / 2,07 g Hohlspitz: 421,4 m/s, 184 Joule
CCI Mini Mag 40 grs / 2,6 g Solid: 356,4 m/s, 165 Joule
Eley Target Rifle 40 grs / 2,6 g Solid: 325,8 m/s, 138 Joule
Geco Rifle 40 grs / 2,6 g Solid: 304,8 m/s, 120 Joule
RWS Pistol Match 40 grs / 2,6 g Solid: 325 m/s, 137 Joule
Kaliber .22 kurz:
Remington HV 30 grs / 1,9 g Solid: 337,8 m/s, 110 Joule

Der Abzugswiderstand von 1,9 kp erschien uns etwas hoch, um das Letzte an Präzision herauskitzeln zu können, andererseits lernt man damit das regelmäßige, stetige Durchziehen und Auslösen besser als mit einem leichtgängig eingestellten Sportabzug.

Zur Einfachheit des Gewehrs trägt auch sein Sicherungssystem bei. Es gibt keinen Knopf oder Hebel, den man irgendwann zu aktivieren oder deaktivieren vergessen könnte, lediglich ein außen liegender Hammer ist vorhanden. Liegt er hinten, so ist das Gewehr „hot“ und der Repetiermechanismus ist blockiert. Zum Sichern besteht eine Raste im vordersten Fünftel des Hammerwegs. Dann ist nicht nur der Vorderschaft blockiert, sondern auch der Abzug, zudem kann der Hammer den schwimmend gelagerten Zündstift nicht erreichen.

Möchte der Schütze seine geladene und gespannte Waffe entladen, so ist zunächst der Hammer in die Sicherungsraste zu bewegen, indem er mit dem Daumen festgehalten wird, worauf ihn ein kurzer Druck auf den Abzug freiläßt. Nun muß der Abzug wieder losgelassen werden, sodaß der Hammer in der Sicherheitsraste einklinkt. Als Nächstes wird die Messingröhre, welche die Magazinfeder beherbergt, mit einer Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn aus dem Röhrenmagazin entfernt, worauf die verbleibenden Patronen aus dem Magazin rutschen, sofern man es nach unten hält. Zuletzt muß man den Hammer vorsichtig in seine vorderste Position bringen, denn nur so läßt sich der Verschluß öffnen. Ist die Patrone herausgefallen, macht man mit der wieder eingeführten Magazinfeder nochmals eine Ladebewegung und stellt sicher, daß keine Patrone mehr zugeführt wird. Erst jetzt ist das Gewehr wirklich entladen.

Zum Schluß ein spielerischer Tipp für die ganz Schnellen: Da das Gewehr über keinen Unterbrecher verfügt, folgt der Hammer dem sich schließenden Verschluß, sofern der Schütze den Abzug nach der Schußabgabe nicht losläßt. Theoretisch löst sich dabei nach dem Schließen des Verschlusses der nächste Schuß, usw., man kann somit sehr schnelle Schußfolgen anbringen, zumal der Weg des Vorderschafts beim Repetiervorgang wegen der Kürze des Systems nur etwa 4 Zentimeter beträgt. Zielen kann man dabei kaum noch, aber Spaß macht es trotzdem, sofern man es überhaupt schafft, so schnell zu repetieren.

Daten der Henry Pump Action Rifle:
Lauflänge: 471 mm
Gesamtlänge: 928 mm
Gewicht (ungeladen): 2,48 kg
Schaft: Nußbaumholz

* * * * * * *

MUNITION

Hohlspitzpatronen in .22 lfb, ganz und mit aufgeschnittenen Geschossen: CCI Stinger (links), Remington Yellow Jacket (Mitte) und CCI Velocitor (rechts)

Hohlspitzpatronen in .22 lfb, ganz und mit aufgeschnittenen Geschossen: CCI Stinger (links), Remington Yellow Jacket (Mitte) und CCI Velocitor (rechts)

Wie schon erwähnt, sind Kleinkaliberpatronen ballistisch am unteren Ende des für Verteidigungszwecke Brauchbaren angesiedelt, daher interessieren uns hier nur die Hochgeschwindigkeitspatronen dieses Kalibers, am besten mit Hohlspitzgeschoß, die (zumindest in Österreich und der Schweiz) frei ab 18 Jahren erhältlich sind. Hier die Mündungsgeschwindigkeit V0 in Metern pro Sekunde und die Mündungsenergie E0 in Joule für ein paar Patronensorten:

RWS HV Hohlspitz 40 grs / 2,6 g:
aus halbautomatischem Gewehr (selbst gemessen): 355 m/s, 163 Joule
aus Repetiergewehr (selbst gemessen): 356 m/s, 163,5 Joule


Remington Yellow Jacket Hohlspitz verkupfert 33 grs / 2,13 g:
aus Halbautomat Remington Viper (Messung Internationales Waffenmagazin): 436,2 m/s, 202,5 Joule


CCI Stinger Hohlspitz verkupfert 32 grs / 2,1 g:
aus halbautomatischem Gewehr (selbst gemessen): 503 m/s, 261 Joule
aus Repetiergewehr (selbst gemessen): 488 m/s, 246 Joule
aus Halbautomat Remington Viper (Messung Internationales Waffenmagazin): 461,7 m/s, 221 Joule

Alle drei Patronen liefern recht passable Präzision, wobei das sowieso auch von der jeweils verwendeten Waffe abhängt. Ganz allgemein gibt es bei Feuerwaffen zwar innerhalb der einzelnen Kaliber auch Patronensorten, die generell eine gute oder schlechte Präzision aufweisen, aber es kommt auch vor, daß ein bestimmtes Waffenmodell die eine oder andere Patrone gar nicht „mag“, die in einer anderen Waffe wieder recht genau schießt, und umgekehrt. Hier gilt es halt zu probieren. Bei der Remington Yellow Jacket ist aber sowohl mir als auch anderen schon störend aufgefallen, daß immer wieder mal Exemplare davon gar nicht zünden, als ob das Eingießen der Zündmasse überhaupt vergessen worden wäre. Wir murren dann immer, daß wohl der Latino im Remington-Werk wieder an die Siesta gedacht hat, aber jedenfalls verleidet mir das diese an sich recht starke und durchschlagskräftige Patrone, sodaß ich für Verteidigungszwecke die CCI Stinger bevorzuge (bei der Kleinwildjagd in Notzeiten wäre es nicht so schlimm, wenn eine Patrone mal nicht funktioniert; die Krähe, auf die man gezielt hat, wird dann nicht herbeiflattern, um einem ein Auge auszuhacken). Wo ich eben das Thema „Zündversager“ erwähnt habe: es kann sein, daß keine abgebrochene Schlagbolzenspitze oder fehlende Zündmasse schuld ist, sondern daß die Zündung nur etwas verzögert erfolgt. Für den Fall, daß letzteres zutrifft, sollte man einige Sekunden abwarten und dann das Geschoß auswerfen (bei Unterheblern kann man auch den Hahn manuell spannen und nochmals abdrücken). Keinesfalls sollte man dabei das Gewehr in eine Richtung halten, in die es nicht schießen soll, oder gar in die Mündung schauen. Sonst passiert womöglich etwas wie in dem Video Dumb People Shouldn’t Own Guns (Future Darwin Award winner right here), und es muß nicht immer so glimpflich ausgehen!

Die Preise für die einstmals recht billigen Kleinkaliberpatronen ziehen in letzter Zeit an: für Remington Yellow Jackets habe ich zuletzt € 5,90 pro 50er-Schachtel bezahlt (knapp 12 Cent pro Patrone), für RWS HV Hohlspitz € 7,50 / 50er-Pack (15 Cent / Stk.) und für CCI Stinger € 8,30 / 50er-Pack (16,6 Cent /Stk.), alles im Kaliber .22 lfb.

Zum Vergleich ein paar Preise für Patronen .22 WMR:

CCI 40 grs Gamepoint: € 18,10 / 50 Stk.; CCI HP Maxi Mag: € 15, 20 / 50 Stk.; Federal Speer TNT HP: € 17,40. Das ist schon fast das Eineinhalbfache gewöhnlicher Vollmantel-Pistolenpatronen 9 x 19 mm Luger/Parabellum! Von denen kostet z. B. die 50er-Packung Geco Vollmantel 8 g zur Zeit € 13,10. Allerdings reichen auch die ballistischen Werte in die Nähe der 9 Para: Die letztgenannte Federal-Patrone in .22 WMR kommt z. B. mit ihrem 30 grs / 1,94 g schweren Geschoß auf eine V0 von 669 m/s und eine E0 von 436 Joule.

Als weitere Information über die .22 WMR (Winchester Magnum Rimfire) bringe ich hier einen gekürzten Artikel von Hans J. Heigel aus dem „Internationalen Waffenmagazin“ 8-9/2000:

Randfeuerpatrone .22 WMR

Die Schwächen der .22 l.r. bei der Jagd hinsichtlich Rasanz und jagdlich vertretbarer Schußdistanz veranlaßte 1959 die Firma Winchester, eine neue Magnum-Randfeuerpatrone zu entwickeln. Man knüpfte für dieses Projekt an die 1890 für den Vorderschaftrepetierer Modell 1890 vorgestellte .22 Winchester Rimfire (WRF) an und verlieh der neuen .22 Winchester Magnum Rimfire sehr ähnliche Abmessungen, wobei jedoch die Hülse um rund 2,3 mm verlängert wurde. Ferner wurde der zulässige maximale Gasdruck für die neue .22 WMR deutlich höher als für die alte .22 WRF angesiedelt. Während für die .22 WRF der erlaubte Gasdruck nach den CIP-Vorschriften auf 1150 bar festgelegt ist, beträgt dieser Wert zur Zeit für die .22 WMR 1900 bar.

Als Standardgeschoßgewicht wurde für die .22 WMR zunächst 40 grs / 2,6 g festgelegt. Anders als bei der .22 l.r. und der .22 WRF wurden für die .22 WMR von Beginn an Mantelgeschosse eingesetzt. Die ballistischen Leistungen der .22 WMR – im Vergleich zur Standard-.22 l.r. nahezu die doppelte Anfangsgeschwindigkeit bei identischem Geschoßgewicht – gestatten den waidgerechten Einsatz auf Raubzeug bis etwa 100 Meter Schußdistanz. So wurde die .22 WMR aus europäischer Sicht in erster Linie eine Schonzeit- und Raubzeugpatrone, die mit verhältnismäßig wenig Lärm und Unruhe im Revier verbunden ist.

Bereits im Jahr ihrer Vorstellung brachte Smith & Wesson auch schon den ersten .22 Magnum-Revolver auf den Markt. Beim Verschießen aus Kurzwaffen muß jedoch in Abhängigkeit von der reduzierten Lauflänge ein beachtlicher Leistungsverlust in Kauf genommen werden. Frühere Tests mit einem sechszölligen Smith & Wesson „Masterpiece“ belegten, daß bei den 40 grs-Laborierungen durchweg etwa 150 bis 180 m/s bei der Anfangsgeschwindigkeit verloren gehen.

Während über lange Zeit die 40 grs-Laborierungen die .22 WMR-Szene dominierten, allenfalls die 50 grs-Patrone von Federal machte da eine Ausnahme, kommen in jüngster Zeit vermehrt superschnelle .22 WMR-Laborierungen auf den Markt, die durch ihre höhere Geschwindigkeit Schüsse auf noch weitere Entfernungen ermöglichen sollen. Es zeichnet sich jetzt mit der .22 WMR eine Entwicklung ab, die man bereits seit den 70er-Jahren bei der .22 l.r. beobachten konnte, als Patronen wie beispielsweise die .22 l.r. CCI-Stinger oder die .22 l.r. Xpediter von Winchester auf dem Markt auftauchten. Die Leistungssteigerung dieser Hyper-Velocity-Patronen wurde jedoch beim Kaliber .22 l.r. mit einem Verlust an Präzision gegenüber den meisten Standardpatronen erkauft. So stellt sich jetzt auch die Frage, ob die Reduzierung des Geschoßgewichts und die deutliche Erhöhung der Geschoßgeschwindigkeit zu ähnlichen Folgen wie bei der .22 l.r. führen.

Um dies zu untersuchen, wurde eine Ruger-Büchse Modell 77/22 VMBZ mit einem 4-fachen Simmons-Zielfernrohr ausgerüstet. Beim Modell Ruger 77/22 handelt es sich um einen Zylinderverschlußrepetierer, der in den Kalibern .22 l.r., .22 WMR und .22 Hornet in verschiedenen Versionen angeboten wird. Das 77/22-System verriegelt mit zwei Warzen in der Hülsenbrücke. Der zurückversetzte Stoßboden im Kammerkopf umschließt die geladene Patrone im oberen Teil und verfügt über zwei einander gegenüber angeordnete Auszieherkrallen, die eine sichere Funktion gewährleisten. Ein weiteres typisches Merkmal der Baureihe 77/22 ist das herausnehmbare Trommelmagazin, das im Kaliber .22 WMR neun Patronen aufnimmt [Anm. D.R.: ich vermute, das sind dieselben Teile wie für das Ruger Model 96 in .22 l.r. und .22 WMR]. Beim aufgelegten Schießen ist es angenehm, daß das Magazin sowie der Magazinlösehebel in Abzugsbügelnähe völlig im Schaft verschwinden und so keine überstehenden Teile hinderlich sind.

Die Stahlteile des Modells 77/22 VMBZ sind in einem mattgrauen Stainless-Steel-Finish, das Ruger als „Target Gray“ bezeichnet, ausgeführt. In der verwendeten Varmint-Ausführung kommt ein 610 mm langer, schwerer Lauf mit konischer Form zum Einsatz. An der Laufmündung beträgt der Außendurchmesser noch 17 mm. Die 77/22 verfügt über eine sauber zurückgesetzte Matchsenkung. Der Flintenabzug an unserer Testwaffe stand trocken und war werksseitig vertretbar justiert. Der Varmint-Stil der 77/22 VMBZ wird unterstrichen durch den in Brauntönen gehaltenen Schichtholzschaft, der hinten mit einer Gummikappe abschließt und in klassischer gerader Form ausgeführt ist.

So ausgerüstet, ging es mit insgesamt 15 Laborierungen auf den Schießstand, wobei auch die neuen Hyper-Velocity-Patronen von Winchester und Federal mit 34 grs / 2,2 g bzw. 30 grs / 1,9 g schweren Geschossen im Gepäck waren. Geschossen wurde mit Benchrest-Auflagen auf die Distanz von 100 Meter. Dabei zeigte sich sehr rasch, daß je nach Geschoßgewicht erhebliche Abweichungen in der Treffpunktlage zu verzeichnen sind. Man kann diese Tatsache in der Praxis nutzen und eine Patrone für 50 Meter und eine für 100 Meter bei unveränderter Zielfernrohreinstellung zum Fleckschuß bringen.

Anzumerken ist auch, daß natürlich durch eine geringere Querschnittsbelastung bei den leichten Geschossen der anfängliche Geschwindigkeitsvorteil mit zunehmender Entfernung abnimmt. So holen die klassischen 40 grs-Laborierungen bei etwas über 100 Meter Distanz die 30 grs-Laborierungen schon fast ein.

Die Negativ-Erfahrungen bei der .22 l.r. wiederholten sich jedoch mit den superschnellen Patronen im Kaliber .22 WMR nicht. Im Gegenteil, die .22 WMR von Federal mit dem 30 grs / 1,9 g schweren JHP-Sierra-Geschoß war beim Schießen von Schußgruppen zu jeweils fünf Schuß auf 100 Meter die eindeutige Siegerin mit Streukreisen von 29 – 31 mm. Auch die Winchester Supreme mit ihrem 34 grs / 2,2 g schweren JHP-Geschoß konnte mit der Federal nahezu mithalten, mit Schußgruppen von jeweils knapp unter 35 mm.

Die 40 grs-Standardlaborierungen hielten alle noch auf 100 Meter die Zehn der Sportpistolenscheibe (50 mm Durchmesser). Die engsten Gruppen unter den Patronen mit 40 grs-Geschossen wurden mit knapp 40 mm Durchmesser mit den Laborierungen von Hirtenberger und der CCI-HP erzielt.

Sicherlich können diese Feststellungen nur für die betreffende Testwaffe gelten, da bekanntlich jede Waffe auf unterschiedliche Patronen anders reagiert. Festzuhalten ist jedoch, daß die Geschwindigkeitssteigerung durch das Verwenden leichterer Geschosse bei der .22 WMR offensichtlich keine Nachteile bei der Präzision mit sich bringt. Die deutliche Erweiterung des Munitionsangebotes ermöglicht es, für jede Waffe und jeden Einstecklauf eine jagdlich brauchbare .22 WMR-Laborierung zu finden.

* * * * * * *

Wie jede andere gängige Munitionssorte eignen sich übrigens auch Kleinkaliberpatronen als Tauschwährung in Krisenzeiten. Es ist damit zu rechnen, daß dann noch recht viele Leute ein KK-Gewehr haben, zum Beispiel der Bauer, von dem ihr Butter, Eier oder Milch wollt. Für je zwei stärkere .22er-Patronen könntet ihr dann z. B. ein Ei bekommen.

ZUBEHÖR

Magazintaschen
Dies ist im Kleinkaliberbereich ein dürftig bestelltes Feld. Für die 10-schüssigen Magazine könnten Taschen für Kleinkaliber-Pistolenmagazine passen, wie es sie z. B. von Uncle Mike’s gibt, in denen aber die kleinen 5er-Magazine zu tief verschwinden, als daß man sie im Bedarfsfall schnell herausbekäme. Bei Gewehrmodellen, für die es 10er-Magazine gibt, empfiehlt es sich, nur solche als Wechselmagazine anzuschaffen und das mitgelieferte 5er-Magazin als Notnagel in eine Jackentasche zu stecken. Wenn man sich doch für ein Gewehr entscheidet, für das es nur 5er-Magazine gibt, muß man halt anhand der tatsächlichen Abmessungen der Magazine irgendeine Art von Taschen oder Etuis suchen, die sich dafür eignet (Handy-Taschen, sonstige Ausrüstungs-Etuis). Zu bedenken ist auch, daß Ausführungen, bei denen die Deckellasche mit einem Klettverschluß verschlossen wird anstatt mit einem Druckknopf, beim Öffnen ein hörbares Ratschen von sich geben, was in „taktischen Situationen“ unerwünscht sein kann. Bei der Anschaffung von Taschen für Kleinkaliber-Pistolenmagazine ist zu berücksichtigen, daß die Patronen im Kaliber .22 WMR deutlich länger sind als die .22 lfb, weshalb die Magazine hierfür breiter sind und nur in Magazintaschen für .22WMR-Pistolen passen. Bei den Unterhebelrepetierern muß man den Vorteil, 15 bis 19 Patronen auf einmal in der Waffe zu haben, mit dem taktischen Nachteil erkaufen, daß man Nachlademunition nur lose oder in Schachteln mitführen kann. Bei Magazinen ist allgemein zu beachten, daß das wesentliche Funktionsteile von Waffen sind, die schonend behandelt werden müssen. Keinesfalls dürfen die Magazinlippen verbogen oder der Magazinkörper verbeult werden. Verschmutzungen wirken sich ebenfalls negativ auf die zuverlässige Funktion aus.

Zielfernrohre
Hier muß jeder für sich entscheiden, ob er bei einem preisgünstigen Gewehr, das in der Zukunft behördlichen Einschränkungen des Waffenbesitzes zum Opfer fallen könnte, die zusätzlichen Ausgaben für eine Zieloptik tätigen will. Für ein vernünftiges Qualitätsverhältnis zwischen Gewehr und Optik muß man nämlich für das Zielfernrohr annähernd dieselbe Summe veranschlagen wie für die Waffe; hinzu kommt noch der Aufwand für die Montageteile und das Montieren durch den Büchsenmacher, wodurch man für die Zieloptik mindestens noch einmal soviel aufwenden muß wie für das Gewehr selber. Von Ausführungen mit verstellbarer Vergrößerung sollte man für diesen Zweck die Finger lassen, und auch bei fixer Vergrößerung ist mehr als 4-fach schon zu viel des Aufwands für die in Frage kommenden Schußdistanzen bis maximal 100 m. Bei den leichten Kleinkalibergeschossen macht sich selbst auf diese Entfernung jeder Seitenwindeinfluß schon deutlich bemerkbar, und außerdem fällt ihre Fluggeschwindigkeit bis 100 m auf jeden Fall schon unter die Schallgeschwindigkeit. Im transsonischen Geschwindigkeitsbereich nahe der Schallmauer treten Unruhen auf, die das Geschoß zum Schwänzeln bringen und die Streuung ab dieser Entfernung etwas vergrößern. Allerdings ist zu bedenken, daß selbst Kleinkalibergeschosse, wie der Ballistiker Dr. Beat Kneubühl im „Internationalen Waffenmagazin“ feststellte, noch auf die maximale Schußentfernung von etwa 1,5 km genug Energie haben, um in einen menschlichen Körper einzudringen und je nach Schußkanal sogar tödliche Verletzungen zu verursachen!

Gehörschützer
Der Schußknall von Kleinkalibergewehren läßt sich im Freien oder bei sich ins Freie öffnenden Schießständen ganz gut ohne Gehörschutz aushalten, weshalb man im „Einsatzfall“ ohne einen solchen auskommt. Allerdings ist auf gemischten Schießanlagen für Groß- und Kleinkaliber auch mit dem Schußknall von Großkalibergewehren zu rechnen, weshalb dort die Verwendung von Gehörschützern normalerweise vorgeschrieben ist. Preisgünstige, einfache Gehörschützer ohne eingebaute Mikrofone und Lautsprecher wären z. B. Peltor Bulls Eye (€ 26,–) oder Bilsom Leightning LOF (€ 27,50). „Hörende“ elektronische Ausführungen, die normale Geräusche über eingebaute Mikrofone und Lautsprecher an den Schützen weitergeben, Impulslärm jedoch sofort abblocken, wären für die Kommunikation auf dem Schießstand vorteilhaft, sind aber teuer. Der Bilsom Impact Sport kostet z. B. € 135,–, der Peltor SportTac Jagd € 150,– und der Sordin Supreme Pro € 199,–. Hier muß der Schütze selber entscheiden, ob ihm der Komfort auf dem Schießstand diesen Mehraufwand wert ist.

PFLEGE

Um Präzisionsminderung durch Verschmutzung der Züge mit Schmauch und Geschoßabrieb sowie Korrosion durch Verbrennungsrückstände zu vermeiden, sollte die Waffe immer wieder gereinigt werden. Hierfür braucht man einen Büchsenputzstock Kaliber .22, dessen Schaft im Griff drehbar gelagert sein sollte, damit das Reinigungsmittel (VFG-Filze oder Werg) dem Drall der Züge im Lauf folgen kann. Falls man sich die Fummelei mit dem Seidenwerg noch antun will, braucht man einen Werghalter, der auf das Putzstockende geschraubt wird, oder ansonsten einen VFG-Adapter und VFG-Reinigungsfilze, die es in allen möglichen Kalibern ab .22 gibt (in Plastikdosen zu 80 Stk. oder in kostengünstigeren Beuteln zu 500 Stk.).

vfg_22_500 VFG-Laufreiniger

Diese steckt man auf den VFG-Adapter, taucht sie in Waffenöl (z. B. Break Free) und schiebt sie nach Entfernen des Waffenverschlusses von hinten durch den Lauf, ersetzt sie durch frische Filze und wiederholt die Prozedur. Wichtig ist, daß Waffenläufe nach Möglichkeit vom Patronenlager zur Mündung hin gereinigt werden sollen! Bei den hier vorgestellten Gewehren ist das möglich mit Ausnahme der Ruger-Modelle, bei denen die Verschlüsse bei abgenommenem Schaft nach unten aus dem Gehäuse zu entfernen sind, weshalb man hier den Putzstock nicht von hinten durh die Waffe schieben kann. Beim Henry Pump-Action „Octagon“ bin ich mir nicht sicher, aber bei Zylinderverschluß- und Unterhebelrepetierern müßten sich die Verschlüsse generell nach hinten herausnehmen lassen.

Eine Alternative zur Reinigung mittels Putzstock sind Reinigungsschnüre wie z. B. „Hoppe’s BoreSnake“ (im Kaliber .22 um € 19,95) oder „QuickClean“ in ähnlicher Preislage. Diese sind waschbar und eignen sich gut für die unkomplizierte Reinigung „im Felde“ und um Waffen von hinten her zu reinigen, bei denen kein Putzstock von hinten durchgeschoben werden kann. Bei diesen fädelt man das schlanke Gewicht am dünnen Vorderteil der Schnur bei geöffnetem Verschluß durch das Patronenauswurffenster und läßt es durch den Lauf bis zur Mündung gleiten, worauf man die Reinigungsschnur durchziehen kann. Inzwischen gibt es hier auch schon ein deutsches Fabrikat: „BoreBlitz“ von Helmut Hofmann aus Mellrichstadt. Der BoreBlitz besteht aus einer Zugschnur und einem synthetischen Textilkörper, in den vier Reinigungselemente eingewoben sind. Zwei Schwämme können verschiedene Reinigungsflüssigkeiten aufnehmen. Und zwei an den Laufinnendurchmesser angepaßte Gummikugeln sorgen dafür, daß die Schnur den Lauf beim Reinigungsvorgang trockenwischt. Zum leichteren Durchziehen liegt ein Handgriff bei. Den BoreBlitz gibt es in vielen Größen vom .22er- bis zum 12er-Kaliber. Preis im Fachhandel: zwischen € 19,95 und € 21,95.

Die beste Reinigungswirkung erzielt man, wenn man noch auf dem Schießstand eine Vorreinigung des noch warmen, aber nicht mehr heißen Laufs vornimmt. Dieser ist dann bis zur Hauptreinigung zu Hause durch einen Ölfilm geschützt, der bis dahin Rückstände lösen kann. Wie auch bei Faustfeuerwaffenkalibern ist beim Kaliber .22 lfb die Ablagerung von Geschoßabrieb wegen der geringeren Kraft, mit der die Geschosse durch den Lauf getrieben werden, nicht so stark wie bei Zentralfeuerbüchsen. Kleinkaliberpatronen sind darüber hinaus oft gefettet, was den Geschoßabrieb zusätzlich vermindert. Ab und zu sollte man diesen Kupfer- bzw. Bleiabrieb jedoch entfernen. Da dieser vom Waffenöl nicht gelöst wird, braucht man hierfür entweder Bronzebürsten für Kaliber 5,6 – 6 mm, die statt des VFG-Adapters auf den Putzstock geschraubt werden, oder man taucht Reinigungsfilze in ein spezielles Laufreinigungsmittel wie z. B. Robla Solo und schiebt sie durch den Lauf, nachdem man diesen mit trockenen Filzen von Öl gesäubert hat. Kupfer und seine Legierungen (z. B. Tombak) geht blau in Lösung und erzeugt eine entsprechende Verfärbung auf den Reinigungsfilzen, Blei löst sich farblos. Nach der Reinigung mit Robla Solo wischt man den Lauf mit ein paar trockenen Filzen wieder sauber und schiebt ein paar geölte Filze durch. Bei der Verwendung von Robla Solo ist zu beachten, daß dieses Mittel sehr aggressiv ist und Kupfer, Kupferlegierungen (Messing, Tombak, Bronze) sowie Brünierungen angreift, blankem Stahl jedoch nicht schadet. Daher sollte man es von solchen Flächen umgehend wegwischen.

TAKTISCHE UND PRAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN

Wie schon beschrieben, darf man sich von Kleinkaliberwaffen keine Mannstoppwirkung erwarten, auch wenn sie durchaus tödliche Wirkung haben können. Im Verteidigungsfall setzt man sie am besten aus der Deckung heraus ein und sieht zu, daß man den Gegner möglichst auf eine Distanz bekämpft, aus der er einen nicht so schnell erreichen kann, daß er sich nicht ein paar Treffer einfängt und diese auch etwas Zeit zur Wirkung haben (z. B. durch inneren Blutverlust).

In Krisenzeiten besteht der taktische Wert solcher Gewehre neben dem „besser als nichts“ in der Möglichkeit der Unterstützung von Kameraden, die mit wirksameren Waffen ausgestattet sind. Zum Beispiel kann man Gegner während der Ladepausen von Kipplauf-Flintenschützen der eigenen Seite in Deckung zwingen oder allgemein das Vorgehenstempo von Feinden behindern. Gerade in Zeiten ohne gesicherte medizinische Versorgung müssen diese sich ja auch vor nichttödlichen Treffern in acht nehmen. Man stelle sich vor, man hätte einen Kleinkaliber-Steckschuß in einem Schulter- oder Hüftgelenk, oder auch irgendwo im Gesichtsschädelbereich, nachdem einem der Treffer womöglich auch noch ein, zwei Zähne zerschmettert hat – und es gibt kein Krankenhaus, das einen operiert, keinen Zahnarzt, der einen behandelt, und man hat nicht einmal Schmerzmittel zur Verfügung! Auch wird nicht jeder Feind in solchen Zeiten mit einer Schußwaffe ausgerüstet sein, sondern oft nur ein Messer, eine Axt oder sonst irgendeine Hieb-, Stich- oder Schlagwaffe haben. Gegen diese ist man selbst mit einem Kleinkalibergewehr gut gerüstet, sofern man sie nicht zu nahe herankommen läßt.

Wie schon weiter oben unter „Warum jetzt noch kaufen, was jetzt noch kaufen?“ erläutert, kann man sich des langfristigen Besitzes eines jetzt noch im Fachhandel gekauften und dann nachgemeldeten Gewehrs nicht sicher sein. Aber es ist möglich, daß der „Ernstfall“ noch vor irgendwelchen Entwaffnungsaktionen irgendwann nach 2014 eintritt, und bei einer preisgünstigeren Waffenkategorie dürfte solch eine Investition ein vertretbares Risiko sein. Es ist auch wahrscheinlich, daß nicht alles auf einen Schlag verboten werden wird, sondern daß das System sich eine Gruppe nach der anderen vornehmen wird, und in dem Fall dürften Kleinkalibergewehre so ziemlich als letzte drankommen. Außerdem: je mehr Waffenbesitzer es gibt, desto schwerer wird das Regime sich mit Entwaffnungen tun, weil mehr Leute zu entschädigen wären und mehr Wähler verärgert würden.

Außerdem kann man sich auf alle Fälle praktische Erfahrung im Umgang mit Gewehren erwerben, die einem zugute käme, falls man in schlechten Zeiten mal an eine stärkere Waffe kommt. Wer weiß, vielleicht findet ihr ja zum Beispiel eines Tages auf dem Dachboden des verstorbenen Erbonkels ein Großkalibergewehr, sagen wir einen Karabiner 98. Als gesetzestreue Bürger werdet ihr das Ding natürlich den Behörden melden wollen, aber stellt euch vor, es ist Donnerstag nachmittags, am Freitag habt ihr einen unaufschieblichen Termin, und ehe ihr am Montag dazu kommt, eurer staatsbürgerlichen Pflicht nachzukommen, hat übers Wochenende schon Ragnarök begonnen…

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LINKS:
Wissen bewahren von Osimandia
Vorbereitung auf Ragnarök von Fjordman
Den kommenden Crash überleben von Fjordman
Charlton Heston über Waffenbesitz und Political Correctness
Selbstverteidigung ist Menschenrecht von Gerhard Kehr
Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski von P. T. Kekkonen

Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß von Robert Bruce

Interessante Webseiten:

Steyr Scout Tactical Rifle
Pulverdampf – das österreichische Waffenforum (siehe auch Blogroll)
Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich (IWÖ)
proTell – Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht
Liberales Waffenrecht, ein deutscher Waffen-Blog
The Box O’Truth – ein amerikanischer Waffenblog mit vielen Praxistips (siehe auch Blogroll)
British ARmy Rumour SErvice (ARRSE): http://www.arrse.co.uk/

Waffenzeitschriften:
Deutsches Waffen Journal (DWJ)
VISIER – Das internationale Waffen-Magazin
caliber

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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