Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31

Springfield M 1903 mit S-Schaft. Hier ist die Vorderschaft-Greifrille der ursprünglichen Ausführung gut zu sehen. Anscheinend wurde bei diesem Gewehr nachträglich die bei diesem Modell serienmäßig noch nicht vorhandene zweite Entlastungsbohrung an der rechten Seite der Verschlußhülse angebracht.

Springfield M 1903 mit S-Schaft. Hier ist die Vorderschaft-Greifrille der ursprünglichen Ausführung gut zu sehen. Anscheinend wurde bei diesem Gewehr nachträglich die bei diesem Modell serienmäßig noch nicht vorhandene zweite Entlastungsbohrung an der rechten Seite der Verschlußhülse angebracht.

Von Deep Roots

In diesem „Büchsen-Licht“ zum Thema Militärrepetierer werde ich die noch verbliebenen Gewehrtypen aus dieser Sparte behandeln, die dem bewaffnungsinteressierten Leser unterkommen könnten, wenn man von Exoten einmal absieht. Dieser Artikel entstand hauptsächlich auf Grundlage des zweibändigen Werks „Infanteriewaffen gestern“ von Reiner Lidschun und Günter Wollert (ISBN 3-89488-036-8) sowie diverser Artikel im Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ und in „VISIER“.

Die erste Baureihe davon ist das amerikanische Springfield M 1903, das im Jahre 1903 bei den US-Streitkräften eingeführt und in verschiedenen Modellen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und sogar noch von 1950 bis 1953 während des Koreakrieges bei diesen im Einsatz war. Diese lange Dienstzeit war nicht nur darauf zurückzuführen, daß die Umbewaffnung der amerikanischen Truppen auf das neue Selbstladegewehr Garand M 1 nicht im geplanten Tempo machbar war, sondern auch darauf, daß diese Konstruktion von ausgezeichneter Qualität war und sich schon im Ersten Weltkrieg hervorragend bewährt hatte. Insgesamt wurden vom Springfield M 1903 zwischen 1903 und 1944 von allen Varianten etwa 3,2 Millionen Exemplare produziert.

Dasselbe Gewehr Springfield M 1903 mit S-Schaft von links.

Dasselbe Gewehr Springfield M 1903 mit S-Schaft von links.

Das Springfield-Gewehr gehörte zweifellos zu den beispielhaften Waffenkonstruktionen von Anfang des 20. Jahrhunderts, wenngleich die in der US-Fachliteratur häufig vorkommende Einschätzung, es sei das beste Infanteriegewehr aller Zeiten gewesen, eine patriotisch eingefärbte Übertreibung sein dürfte. Allerdings ist lediglich der zweiteilige Schlagbolzen eine amerikanische Konstruktion. Das seinerzeit geringfügig verbesserte Verriegelungssystem ist jedoch eine Mauser-Entwicklung, das Spannstück eine Konstruktion der norwegischen Firma Krag-Jørgensen und das Magazin eine Lee-Enfield-Erfindung. Unbestritten sind allerdings die sehr guten Schußleistungen des Springfield-Gewehrs und die außerordentliche Präzision bei der Fertigung des Systems, auch die gute Oberflächenbearbeitung und Schäftung sowie alles in allem das anspruchsvolle Design.

So konnte man 1941 also auf eine gute Waffe zurückgreifen, die seit ihrer Einführung nur in einigen Details hatte verbessert werden müssen. Das betraf zum Beispiel Schaft und Visier, aber auch neue, mit Materialwechsel verbundene technologische Verfahren. Abgesehen von der 1906 erfolgten Anpassung an die Springfield-Patrone .30-06 mit Spitzgeschoß, war sie konstruktiv unverändert geblieben. Im Prinzip galt dies trotz einiger Modifizierungen ebenfalls für die bis 1944 produzierten Modelle.

Am 5. Dezember 1929 wurde das Springfield-Gewehr M 1903 A1 eingeführt. Die Veränderungen betrafen vor allem die Schäftung. Damals löste der sogenannte C-Schaft den S-Schaft ab. Der Kolben ist etwas länger und von gestreckter Form. Er hat einen vollen, der Hand des Schützen gut angepaßten Pistolengriff. Im Unterschied zu den Waffen älteren Typs befinden sich am Vorderschaft keine Griffrillen.

Etwa 1936 kam eine weitere geringfügige Änderung hinzu. Die Verschlußhülsen sämtlicher ab dieser Zeit hergestellten Springfield-Gewehre M 1903 A1 erhielten eine zusätzliche Bohrung zum Entweichen der Gase, vor allem bei Hülsenreißern. War eine Bohrung von 1/8 Zoll Durchmesser bis dahin nur auf der rechten Seite üblich, so wurde plötzlich auf der linken Seite der Verschlußhülse eine weitere angebracht. Noch heute rätseln die Fachleute, warum das geschah, zumal man bei den später produzierten Gewehren M 1903 A3 und M 1903 A4 wieder auf die zweite Bohrung verzichtete.

Bei diesen am 21. Mai 1942 bzw. am 18. Januar 1943 eingeführten Modellen befindet sich die Gasentlastungsbohrung allerdings nicht auf der rechten, sondern der linken Seite der Verschlußhülse. Der Vorderschaft des Springfield-Gewehrs M 1903 A3 hat keine Griffrillen, der Kolben ist zumeist gerade, bei manchen Waffen aber mit vollem Pistolengriff, bei anderen nur mit einem Ansatz. Für Gewehre des Typs M 1903 A4 wurde zumeist die Schäftung in C-Form mit vollem, selten der Kolben mit nur angedeutetem Pistolengriff verwendet.

03 Springfield 1903 3 Versionen

Die wesentlichen Unterschiede zu den vorher produzierten Springfield-Gewehren sind das neue Fertigungsverfahren für einige Bauteile, das veränderte Visier und der modifizierte Lauf. Laufbänder, Magazinplatten und Abzugsbügel wurden nicht mehr gefräst, sondern im Preß- und Stanzverfahren gefertigt. Sie haben eine geringfügig veränderte Form und tragen ebenso wie andere Metallteile seit damals Spuren der Bearbeitungswerkzeuge.

Das Visier befindet sich weiter hinten auf der Hülsenbrücke, allerdings nur beim Modell M 1903 A3. Das Modell M 1903 A4, ein Scharfschützengewehr, hat keine mechanische Visierung, sondern ein Zielfernrohr mit 2,5fach vergrößernder Optik. Und bis auf wenige Ausnahmen wurden die Gewehre schließlich ab Sommer 1942 mit einem Lauf produziert, der statt vier Zügen nur noch zwei hat. Aus dieser Zeit gibt es aber auch Waffen die einen sechszügigen Lauf haben.

Zu dieser Ausführung mit zweizügigem Lauf noch eine Anmerkung: Beim Lee-Enfield No. 4 Mk I gab es auch ein vereinfachtes Laufmodell mit der Bezeichnung Mark II, das statt der üblichen fünf Züge nur zwei aufweist. Dieses wurde ab 1941 eingeführt und vor allem bei Waffen aus nordamerikanischer Produktion verwendet, aber Anfang 1945 wieder aufgegeben. Bernd Rolff schreibt in seinem Buch „Im Dienste Ihrer Majestät“ zwar, daß dieser Lauf nicht schlechter schieße als der normale fünfzügige, aber ich habe vor einer Weile mit einem Schützen gesprochen, der einmal so ein Gewehr hatte und das mit den üblichen Stahlmantelgeschossen recht unpräzise schoß. Erst als er (als Wiederlader) es einmal mit leichteren Sierra-Matchking-Geschossen mit Tombakmantel versuchte, kam er auf eine recht zufriedenstellende Präzision. Ob das bei den zweizügigen 1903er-Springfields auch so wäre, kann ich nicht sagen, aber es ist zumindest ein Lösungshinweis, falls jemand einmal mit einem derartigen Problem konfrontiert sein sollte.

Für das Springfield-Gewehr M 1903 wurde ursprünglich ein Dornbajonett ausgegeben, ehe es 1905 durch das Messerbajonett M-1905 ersetzt wurde. Als das Garand-Gewehr M1 zur neuen Standardwaffe wurde, war das M-1905 noch immer im Gebrauch und wurde den Zweiten Weltkrieg hindurch und auch danach noch benutzt.

Bajonett M 1905, gestempelt 1942.

Bajonett M 1905, gestempelt 1942.

Das Bajonett M-1905 hatte eine 16 Zoll (40,6 cm) lange Klinge und wurde sowohl für das Springfield M-1903 als auch für den Garand-Selbstlader M1 ausgegeben. Es war vier Jahrzehnte lang im Einsatz, bis während des zweiten Weltkrieges entschieden wurde, es durch ein Bajonett mit 10 Zoll (25,4 cm) langer Klinge bei gleichbleibender Grifflänge von 4 Zoll (10,2 cm). Als erster Schritt wurden viele der im Dienst befindlichen M-1905- und „M-1942“-Bajonette eingezogen und zu einer 10-Zoll-Klinge umgeschliffen. Als sich diese Länge als effektiv erwies, wurde der neue Bajonettentwurf M-1 Mitte 1943 abgesegnet, das dem im Zweiten Weltkrieg produzierten M-1905 sehr ähnlich war, aber eine 10-Zoll-Klinge hatte.

Kurzbajonett M-1 mit 10-Zoll-Klinge für Garand M1, auch auf Springfield M 1903 passend.

Kurzbajonett M-1 mit 10-Zoll-Klinge für Garand M1, auch auf Springfield M 1903 passend.

In der offiziellen militärischen Nomenklatur wurden all diese 10-Zoll-Bajonette M-1 genannt, ob sie nun aus umgeschliffenen 16zölligen M-1905 oder neu mit einer 10-Zoll-Klinge hergestellt wurden. Wie das M-1905 paßt das M-1 sowohl auf das Springfield-Gewehr M 1903 als auch auf das Garand-Gewehr M1. Die korrekte Scheide ist das Fiberglasmodell M7.

Aus schießpraktischer Sicht ist zu sagen, daß die Patrone Springfield .30-06, für die das M 1903 eingerichtet ist, eine sehr leistungsfähige Patrone ist und den Vorteil bietet, die heute wohl am weitesten verbreitete Jagdpatrone zu sein. Hier eine Auswahl gängiger Patronenangebote mit Leistungsdaten (Mündungsgeschwindigkeit und –energie) sowie Preisen aus dem Frankonia-Katalog 2011/12:

.30-06 Springfield (7,62 x 63 mm)

Sellier & Bellot 9,7 g Teilmantel-CE: 880 m/s 3756 Joule € 21,80 / 20 Stk. (Frankonia)
Sellier & Bellot 11,7 g Teilmantel-CE: 805 m/S 3791 Joule € 24,50 / 20 Stk. (Frankonia)
Sellier & Bellot 11,7 g Teilmantel-S: 825 m/s 3982 Joule € 22,40 / 20 Stk. (Frankonia)
Sellier & Bellot 11,7 g Sierra Game King: 786 m/s 3618 Joule € 36,40 / 20 Stk. (Frankonia)
Sellier & Bellot 10,9 g Sierra Match (Hohlsp.-BH): 849 m/s 3928 Joule € 29,00 / 20 Stk. (Frankonia)
Sellier & Bellot 11,7 g Vollmantel: 815 m/s 3886 Joule € 39,60 / 50 Stk. (Frankonia)
Geco 11,0 g Teilmantel: 850 m/s 3974 Joule € 30,00 / 20 Stk. (Frankonia)
Geco 11,0 g Teilmantel Target: 850 m/s 3974 Joule € 71,00 / 50 Stk. (Frankonia)
Remington 11,7 g CoreLokt Soft Point: 823 m/s 3950 Joule € 22,40 / 20 Stk. (Frankonia)
Federal 9,7 g Fusion (Teilm.): 884 m/s 3799 Joule € 27,00 / 20 Stk. (Frankonia)

Der Nachteil dabei ist, daß diese starke Patrone viel Abwärme produziert, was zu kräftiger Erhitzung des Laufs führt. Diese Erwägungen führten auch zu ihrer Ablösung als Militärpatrone durch die .308 Winchester alias 7,62 x 51 mm NATO. Denn man erkannte nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die modernen Pulver es gestatteten, die Hülse zu kürzen, ohne eine zu starke Leistungseinbuße in Kauf nehmen zu müssen. Das gelang hervorragend, und die NATO-Patrone entspricht leistungsmäßig weitgehend der alten .30-06-Militärlaborierung – bei erheblicher Buntmetallersparnis.

Eine zweite Stärke der Springfields ist ihre Schußleistung. Ihr stabiler Mauserverschluß beschert ihnen eine massive Basis für exzellente Präzision. Springfields liegen im Durchschnitt vor Enfield P 17 und No. 4 auf dem Niveau des Schwedenmausers M 1896 Carl Gustaf und der schweizerischen Schmidt-Rubin-Gewehre. Auch die Visiereinrichtungen sind sehr gut. Die offene Visierung des A1 läßt sich stufenlos in Höhe und Seite verstellen; allerdings ist das sehr feine Balkenkorn fast etwas zu schmal. Im Kriegseinsatz dürfte es bei schwachem Licht schnell an seine Erkennbarkeitsgrenzen gestoßen sein. Damals rechnete man eben damit, daß hauptsächlich junge Männer damit schießen würden; an die doch deutlich älteren Augen vieler heutiger Springfield-Käufer dachte man zu dieser Zeit noch nicht. Augenfreundlicher ist das Dioptervisier des A3, das ein engeres Loch hat als jenes der Enfield-P17-Gewehre und in 50-Yards-Schritten höhenverstellbar ist. Außerdem hat es wegen der weiter hinten liegenden Lochkimme eine längere Visierlinie.

Beim Dioptervisier des Springfield M 1903 A3 (links von vorn gesehen, rechts von hinten) erfolgt die Seitenkorrektur über eine Rändelschraube mit Klickrastung, die Höhenjustierung per Treppenschieber in 50-Yards-Stufen.

Beim Dioptervisier des Springfield M 1903 A3 (links von vorn gesehen, rechts von hinten) erfolgt die Seitenkorrektur über eine Rändelschraube mit Klickrastung, die Höhenjustierung per Treppenschieber in 50-Yards-Stufen.

Der aus Stahlblech gefaltete Korntunnel bietet in der ursprünglich ausgegebenen Ausführung (links, 11 mm Durchmesser) ein zu stark eingeschränktes Visierbild. Besser kommt man mit dem größeren „USMC Sight Cover“ (15 mm) zurecht.

Der aus Stahlblech gefaltete Korntunnel bietet in der ursprünglich ausgegebenen Ausführung (links, 11 mm Durchmesser) ein zu stark eingeschränktes Visierbild. Besser kommt man mit dem größeren „USMC Sight Cover“ (15 mm) zurecht.

Der C-Schaft mit seinem starken Pistolengriff übertrifft den geraden S-Schaft deutlich in der Handlage und hilft bei der Beherrschung des Rückstoßes. Beiden Schäften gemeinsam ist allerdings eine relativ starke Senkung, sodaß der Lauf beim Stehendschießen dazu tendiert, zu weit nach unten zu zeigen, und im Liegendanschlag der Kopf zu hoch genommen werden muß. Auch bemängelt mancher an Schwedenmauser Gewöhnte die als etwas zu gering empfundene Vorderlastigkeit und Länge der Springfields für das Stehendschießen. Allerdings sind dies Kritikpunkte aus Sportschützensicht; für reale Gefechtssituationen sind auch andere Kriterien relevant, z. B. Handlichkeit.

Bestückt werden die Springfield-Gewehre außer mit einzelnen Patronen auch mit 5er-Ladestreifen wie beim unten abgebildeten M 1903 A3. Aufgrund der sehr ähnlichen Patronenbodenabmessungen wie die deutsche Infanteriepatrone 8 x 57 IS können anstatt der originalen Springfield-Ladestreifen auch die etwas zierlicheren Ladestreifen des deutschen Mauser-Karabiners 98 k verwendet werden. Ein Daumenloch in der linken Systemhülsenseite für ein leichteres Abstreifen der Patronen vom Ladestreifen ins Magazin wie beim K 98 k haben die Springfield-Gewehre jedoch nicht.

08 Springfield M 1903 A3 mit Ladestreifen

Daten des Springfield-Gewehrs M 1903 A1:
Gesamtlänge: 1097 mm
Lauflänge: 610 mm
Gewicht (ungeladen): 3,94 kg
Kaliber: .03-06 Springfield (7,62 x 63 mm)
Mündungsgeschwindigkeit (mit mil. Standard-Laborierung): 815 m/s
Magazinkapazität: 5 Patronen
Visierschußweite: 2700 yd (ca. 2470 m)

Gallisches Gewehr: MAS 1936

Französisches Infanteriegewehr MAS 1936: oben die Standardversion, unten die Fallschirmjäger-Kurzausführung MAS 1936 CR 39 mit nach vorn unter die Waffe klappbarem Aluminiumkolben. Unter den Vorderschäften sind jeweils die dazugehörigen Nadelbajonette zu sehen.

Französisches Infanteriegewehr MAS 1936: oben die Standardversion, unten die Fallschirmjäger-Kurzausführung MAS 1936 CR 39 mit nach vorn unter die Waffe klappbarem Aluminiumkolben. Unter den Vorderschäften sind jeweils die dazugehörigen Nadelbajonette zu sehen.

Das von der Manufacture d’Armes St. Etienne (MAS) entwickelte Gewehr MAS 1936 war die Infanteriewaffe der französischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkrieges und muß als Gegenstück zum deutschen Karabiner 98 k gesehen werden. Seine Patrone 7,5 x 54 MAS entspricht in ihrer ballistischen Leistung nahezu der heutigen NATO-Patrone 7,62 x 51 mm (.308 Winchester); in der militärischen Original-Laborierung wird sie mit einem 9,0 g schweren Vollmantel-Spitzgeschoß geladen und bringt eine Mündungsgeschwindigkeit von 820 m/s und eine Mündungsenergie von 3026 Joule.

Augenfälligstes äußeres Merkmal der Waffe ist ihr geteilter Nußbaumschaft, den man bei Militärrepetierern selten findet. Die Waffenbauer von St. Etienne hatten durch die Teilung in Vorderschaft (bestehend aus dem eigentlichen Vorderschaft und dem Handschutz, der den Lauf abdeckt) und Schaftkolben mit angedeutetem Pistolengriff das lästige Schaftbettungsproblem der meisten anderen Repetierer umgangen. Auch hinsichtlich Holzbeschaffung und Arbeitsaufwand bringt der geteilte Schaft Vorteile.

10 MAS 1936 P24480

Die Zweiteilung des Schafts bedingte ein entsprechend schweres System, da die Verschlußhülse mit dem seitlich freiliegenden Magazinkasten eine Einheit bildet. Auf der nicht durchbrochenen Hülsenbrücke sitzt das von 200 bis 1200 Meter verstellbare Lochvisier. Um die Entfernung einzustellen, drückt der Schütze die Lochkimme nach unten und läßt sie in die gewünschte Markierung des Schiebers einrasten. Der Hülsenkopf ist rund ausgeführt. Das fünf Patronen fassende Kastenmagazin entspricht bis auf den Magazindeckel der Mauser-Konstruktion. Geladen wird es wahlweise mit einzelnen Patronen oder mit 5er-Ladestreifen. Will man es entladen, kann man einen Drücker am Magazinkasten betätigen, dessen Boden sich dann sofort öffnet.

Der Zubringer zeigt an, ob das geschlossene Magazin leer ist. Allerdings funktioniert diese Anzeige nicht immer zuverlässig. Da das Schloß keinen hinten sichtbaren Schlagbolzen hat, kann von außen nicht festgestellt werden, ob die Waffe feuerbereit ist. Um dies zu erkennen, muß der Schütze den Verschluß öffnen.

Der Druckpunktabzug des MAS 1936 entspricht dem Standard der vergleichbaren Militärrepetierer. Interessant ist die Schloßkonstruktion. Gespannt wird das MAS-System beim Öffnen der Verschlußkammer. Die entsprechende Spannkurve befindet sich im hinteren Bereich des sehr stabil ausgeführten Verschlußzylinders. Die Verriegelung erfolgt durch zwei kräftige Warzen, die in der Hülsenbrücke ihr Widerlager haben und so an der Verschlußkammer kurz vor dem Kammergriff angeordnet sind. Der Auszieher ist als Kralle auf der rechten Kammerseite eingesetzt. Der Stoßboden, d. h. die Stirnfläche des Verschlusses, ist im Verschlußkopf leicht zurückversetzt. Der überstehende Bund, der im geladenen Zustand den Patronenboden umfaßt, wird nur durch die Ausstoßernut und die Auszieherkralle unterbrochen. Eine entsprechende Ausfräsung auf der Kammerunterseite dient als Schloßfang. Zur Herausnahme des Verschlusses muß der Abzug ganz durchgezogen werden. Eine Sicherung ist am MAS 1936 nicht vorhanden.

Was bei der Handhabung des Gewehrs auffällt, ist die Möglichkeit des sehr schnellen Repetierens, was mit der etwas merkwürdigen, aber sehr griffgünstigen Anordnung des Kammergriffs, der recht langen Kammerführung in der Systemhülse sowie der günstigen Anordnung der Verriegelungswarzen hinten am Verschluß zu tun hat, die einen kürzeren Repetierweg ermöglicht.

Die Lauflänge beträgt beim MAS 1936 rund 57 cm. Mit einer Gesamtlänge von 102 cm und einem Waffengewicht von rund 3,8 kg entspricht das Gewehr dem üblichen Standard der militärischen Dienstgewehre des Zweiten Weltkrieges.

Der Vorderschaft im Handschutz wird durch ein Laufband in der Schaftmitte, auf dem gleichzeitig auf der linken Seite die Riemenbügelbefestigung sitzt, sowie durch eine Metallkappe am vorderen Ende gesichert. Die Abschlußkappe des Vorderschaftes ist auch gleichzeitig der Träger des Kornsattels mit Kornschutz. Auf diese Weise ist das Balkenkorn des MAS-Gewehres rund 12 cm hinter der Laufmündung angeordnet, was in der Praxis den Vorteil hat, daß Beschädigungen weniger leicht möglich sind als bei der sonst üblichen Anordnung des Kornträgers im Bereich der Laufmündung.

Mündungspartie des MAS 1936 (hier mit abgeschliffenem Kornschutz) mit unter dem Lauf verstautem Bajonett…

Mündungspartie des MAS 1936 (hier mit abgeschliffenem Kornschutz) mit unter dem Lauf verstautem Bajonett…

Praktisch gelöst ist auch das Problem der Unterbringung und Befestigung des Bajonetts, das sich in einer Art Röhre unter dem Lauf befindet. Das Vierkant-Nadelbajonett wird einfach aus dieser Röhre herausgenommen und aufgesteckt. Sperrklinken in der Mitte des Griffs halten es in beiden Positionen fest. Das 150 g schwere Bajonett ist insgesamt 43 cm lang, wovon 33 cm auf die Klinge entfallen.

…das hier aufgepflanzt zu sehen ist.

…das hier aufgepflanzt zu sehen ist.

13 MAS-36-027

Insgesamt gilt das MAS 1936 als ausgereifte und äußerst zuverlässige Konstruktion, die auch schon weitgehend auf die Fertigung in der Großserie Rücksicht nahm. Über den gesamten Produktionsausstoß sind keine verläßlichen Angaben verfügbar. Man schätzt ihn auf mehr als eine Million Stück. Gewehre und Karabiner aller Typen wurden dann nach dem 22. Juni 1940, dem Tag der Waffenstillstandsunterzeichnung in Compiegne, von den Streitkräften der Vichy-Regierung übernommen, bald auch von der Resistance benutzt und nach Bildung der zweiten Front im Juni 1944 von allen gegen die Wehrmacht kämpfenden französischen Truppen ebenfalls geführt. Auch die deutschen Truppen in Frankreich bedienten sich des MAS-Gewehrs. Sie setzten es in relativ großer Stückzahl bei Kämpfen am Atlantikwall und an der Küste ein. Derartige nach Mai 1940 produzierte Waffen waren mit dem Stempel des Heereswaffenamtes gekennzeichnet.

Neben der Standardausführung gab es noch drei weitere Versionen des MAS 1936: das etwas kürzere und leichtere Modell MAS 1936 CR 39 für Fallschirmjäger mit Klappkolben aus Aluminium, das hinsichtlich Masse und Abmessungen mit der Originalausführung nahezu identische Kleinkaliber-Trainingsgewehr, von dem nur geringe Stückzahlen hergestellt wurden, und die Nachkriegsversion MAS 1936/51 mit einer Vorrichtung zum Verschießen von Gewehrgranaten.

14 MAS 1936 3 Versionen

Daten MAS 1936:
Gesamtlänge: 1020 mm
Lauflänge: 570 mm
Gewicht (ungeladen): 3,78 kg
Kaliber: 7,5 x 54 mm MAS
Magazinkapazität: 5 Patronen
Anzahl der Züge: 4, rechtsdrehend

Nachkriegsversion MAS 1936/51 für den Verschuß von Gewehrgranaten, mit Zubehör einschließlich schwarzer Gummi-Überziehkappe für den Kolben. Daß die Granaten für Zivilisten nicht erhältlich sind, versteht sich von selbst.

Nachkriegsversion MAS 1936/51 für den Verschuß von Gewehrgranaten, mit Zubehör einschließlich schwarzer Gummi-Überziehkappe für den Kolben. Daß die Granaten für Zivilisten nicht erhältlich sind, versteht sich von selbst.

In den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Entwicklung von Militärrepetiergewehren einen Zenit erreicht. So entstanden in den 1930er Jahren Militärrepetierer von höchster Perfektion. Bereits während des Zweiten Weltkrieges erkannten jedoch die Militärs, daß die Repetierer langsam, aber sicher einer Ablösung durch modernere Infanteriegewehre bedurften. Es begann die große Zeit der Entwicklung kriegstauglicher Selbstlader und Sturmgewehre. Zwar blieben die Repetierer auf vielen Kriegsschauplätzen auch lange nach 1945 noch gut vertreten, doch die Streitkräfte der bedeutenden Staaten rüsteten nach dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich auf Selbstladegewehre um. Repetierer wurden in der Regel nur aus vorhandenen Beständen überarbeitet oder für neue Kaliber eingerichtet.

Angesichts dieser Situation gehörte Frankreich zu den wenigen großen Staaten, die sich nach 1945 nochmals mit der Konstruktion eines Militärrepetiergewehres beschäftigten. Man baute auf dem im Zweiten Weltkrieg bestens bewährten Gewehr Modell 1936 auf und übernahm von diesem das System samt Patrone. Für das Einführungsjahr wurde hinter der bisherigen Modellbezeichnung die Zahl „51“ eingefügt. Das so entstandene MAS-Gewehr 1936/51 besitzt in seiner Grundkonstruktion alle Merkmale des Ursprungsmodells von 1936. Die einzige nennenswerte Änderung gegenüber diesem weist das Modell 1936/51 im vorderen Laufbereich auf: Die den Vorderschaft abschließende Metallkappe dient als Aufnahmevorrichtung für mehrere Zusatzfunktionen.

Da ist zunächst einmal das vom Vorgängermodell bekannte Bajonett, das wie bei diesem in einer Röhre unter dem Lauf untergebracht ist. Der über den Vorderschaft überstehende Lauf hat an der Außenseite rundum Ringe wie ein langgezogenes Gewinde. Unmittelbar vor dem Vorderschaftabschluß sitzt eine bewegliche Buchse, die mittels eines Drehknopfes auf der linken Seite der Metallkappe über den Lauf bewegt werden kann. Hierbei wird eine Markierungsleiste für das Abfeuern von Gewehrgranaten sichtbar. Als Zielhilfe beim Einsatz von Gewehrgranaten dient die um 45° hochklappbare Metallschiene mit entsprechenden Aussparungen. Zum Anheben dieser Visierschiene muß, ebenfalls links sitzend, eine Sperre eingedrückt werden. Nach dem Hochklappen rastet die Granatvisierschiene hör- und spürbar ein.

Von dieser Zielhilfe unabhängig ist die für das normale Schießen vorhandene Visierung, die mit jener des Vorgängermodells identisch ist, nur daß das Balkenkorn hier 17 cm hinter der Laufmündung liegt statt 12 cm und einen beidseitigen, oben offenen Kornschutz statt eines Korntunnels hat. Wegen der Ausbildung zum Aufstecken von Gewehrgranaten ist der Lauf um 5 cm länger als beim Modell 1936, wobei allerdings auf der letzten Strecke im Bereich der Laufmündung kein Feld/Zug-Profil mehr vorhanden ist. Die gezogene Lauflänge beträgt daher auch hier wie beim Original 57 cm. Auch die Gesamtlänge ist auf 107 cm erhöht, und das Gewicht beträgt knapp über 4 kg. Zur Schaftverlängerung, aber auch zur Rückstoßmilderung beim (militärischen) Verschuß von Gewehrgranaten gibt es eine überziehbare schwarze Gummischaftkappe.

Schade ist bei diesem interessanten Gewehr, daß dessen Patrone außerhalb Frankreichs eher ein Exot ist; in den Katalogangeboten von Frankonia, Jagd & Sport oder Kettner wird sie nicht geführt. Möglicherweise gibt es von der portugiesischen Firma FNM welche, und ich kann mich erinnern, daß es von einer ex-jugoslawischen Marke Namens „Century“ oder so ähnlich einmal MAS-Munition gab. Falls man einmal ein MAS-Gewehr bei einem Händler findet und sich dafür interessiert, sollte man sich bei diesem Händler erkundigen, ob er Patronen dafür mit einiger Zuverlässigkeit besorgen kann.

Eine Warnung noch an Brillenträger: Dadurch, daß die Lochkimme des Dioptervisiers nicht ganz hinten auf dem System sitzt (siehe auch die Nahansicht einige Bilder weiter oben), kommt man vor allem im Liegendanschlag sowie beim sitzend aufgelegten Schießen von relativ niedrigen Auflagen aus leicht in Versuchung, mit dem Kopf zu nahe an die sehr große Schlagbolzenmutter am Hinterende des Verschlusses zu rücken, um möglichst gut durch das Loch zu spähen. Ich habe auf einem Schießstand einmal erlebt, wie der obere Rand der Schlagbolzenmutter einem MAS-Schützen ein Loch ins Brillenglas schlug, als das Gewehr im Schuß ein Stück zurückstieß.

Schweizer Kracher: Der Schmidt-Rubin-Geradzugrepetierer K 31

Karabiner 31 mit Bajonett und angesetztem Ladestreifen; der Verschluß ist geöffnet.

Karabiner 31 mit Bajonett und angesetztem Ladestreifen; der Verschluß ist geöffnet.

Die traditionell wehrhafte Schweiz bemühte sich immer um moderne Waffen zur Landesverteidigung. Als andere Länder Ende des 19. Jahrhunderts noch mit einschüssigen Gewehren untereinander um die Macht in der Welt kämpften, führten die Schweizer schon Tests mit mehrschüssigen Infanteriegewehren durch. Kluge Schweizer scheuten weder Kosten noch Querdenken, um das Beste an Waffen und Munition für die eigenen Bürger als Verteidiger der Heimat zu beschaffen.

In dieser Denkweise wurde auch die Gewehrentwicklung ständig vorangetrieben. Mit dem Geradzug-Gewehr 1889 von Oberst Rudolf Schmidt, dem Direktor der Waffenfabrik in Bern begann die Ära der schnell repetierenden und präzisen Schweizer Langwaffen. Die Patrone des Gewehrs entwickelte Major Eduard Rubin, der damalige Direktor der Munitionsfabrik in Thun. Mit Zwischenschritten gelangte man schließlich zur Gewehrpatrone 1911 und das dafür eingerichtete Gewehr 11 und dessen Kurzversion, dem Karabiner 31.

Der Karabiner Modell 1911 ist eine Waffe mit Geradzug-Zylinderverschluß, bei dem die Verriegelungszapfen weit vorn, dicht am Patronenlager, angebracht sind. Das integrierte zweireihige Kastenmagazin hat eine Kapazität von 6 Patronen des Typs M 11 vom Kaliber 7,5 x 55 mm Suisse, die auch einzeln geladen werden können. Die Drallänge des Laufes beträgt 270 mm, d. h. das Geschoß dreht sich einmal pro 270 mm Weg. Zur Zielvorrichtung gehört ein Leitkurvenvisier und ein Rechteckkorn mit seitlichem Schutz. Das Visier ist von 100 bis 1500 m Entfernung einstellbar. Für die Schäftung verwendete man anfangs Nußbaumholz, später Buchenholz mit Stahl für den Handschutz. Verschlußhülse und Kammerstengel wurden aus rostfreiem Stahl hergestellt. Unter dem Lauf kann ein Bajonett aufgepflanzt werden. Damals standen Dolchbajonette der Typen M 1889/18 und M 1918 sowie das Sägebajonett M 1914 zur Verfügung.

Der 1931 als Einheitsgewehr eingeführte Schweizer Karabiner 31 ist eine Weiterentwicklung des Schmidt-Rubin-Gewehrs G 11 und dessen kürzerer Karabinerversion K 11 mit Geradzugrepetiersystem. Bei seiner 1928 begonnenen Entwicklung wurde das ursprüngliche Verschlußsystem verbessert, verkürzt und für die ebenfalls 1931 eingeführte neue, ballistisch stärkere Version der Patrone vorbereitet.

Karabiner 31 mit geschlossenem Verschluß.

Karabiner 31 mit geschlossenem Verschluß.

Zwischen den Karabinern von 1911 und 1931 gibt es einige deutliche Unterschiede, zum Beispiel an Verschluß, Lauf, Visier, Magazin und Handschutz. Der Verschluß mit weit nach vorn verlegten Verriegelungszapfen ist beim K 31 erheblich kürzer, der Lauf hingegen um etwa 60 mm länger. Die Verschlußhülse umgibt nicht nur den hinteren Teil des Verschlußzylinders, sondern den ganzen; Verschlußzylinder und Verschlußmutter sind nicht durch ein Gewinde, sondern durch Bajonettverriegelung miteinander verbunden; im Magazin befindet sich keine Spiral-, sondern eine W-förmige Flachfeder. Hinzu kamen weitere Veränderungen, die Handlichkeit und Bedienbarkeit verbesserten. Solche Veränderungen bewirkten außerdem Einsparungen an Material und verkürzten die Herstellungszeit. Daher konnten die Fertigungskosten verringert werden.

Geradzugverschluß des K 31 im Detail: In der Systemhülse (1) stecken noch die zwei Verriegelungswarzen am Kopf des Verschlusses (beim K 11 noch an der Verschlußmitte). Der Hebel (2) gibt den Verschluß (3) zum Herausziehen frei. Die Steuerkurve (4) dreht ihn um 90 Grad, das seitlich angebrachte „Blatt“ (5) sorgt für die Führung. Im Gegensatz zu den beim K 31 aus Aluminium bestehenden Griffhälften (6) waren die braunen Bakelit-Ausführungen des G 11 und K 11 oft brüchig.

Geradzugverschluß des K 31 im Detail: In der Systemhülse (1) stecken noch die zwei Verriegelungswarzen am Kopf des Verschlusses (beim K 11 noch an der Verschlußmitte). Der Hebel (2) gibt den Verschluß (3) zum Herausziehen frei. Die Steuerkurve (4) dreht ihn um 90 Grad, das seitlich angebrachte „Blatt“ (5) sorgt für die Führung. Im Gegensatz zu den beim K 31 aus Aluminium bestehenden Griffhälften (6) waren die braunen Bakelit-Ausführungen des G 11 und K 11 oft brüchig.

Der K 31 ist bei längerem Lauf so handlich und leicht wie der K 11 oder andere Karabiner seiner Zeit. Dies wurde durch die Umkonstruktion des Geradzugverschlusses erreicht. Er ist passend zur Patrone GP 11 stabiler gestaltet und baut trotzdem kürzer. System und Lauf verstärkte das Militär zugunsten der Dauerfestigkeit und Präzision. Bis 1958 blieb er Standardwaffe der Schweizer Armee und wurde dann vom Sturmgewehr 57 abgelöst, das für dieselbe Patrone eingerichtet war. Da der Schweizer Wehrmann gleichzeitig Hüter seiner Militärwaffe und sehr oft auch aktiver Schütze ist, blieben zahlreiche Gewehre 11 und Karabiner 11 zusammen mit dem K 31 über die Jahre im Schützenwesen. In der Schweiz war es früher nämlich nicht nur so, daß der Wehrmann seine Ausrüstung einschließlich Dienstwaffe nach der Grundausbildung mit nach Hause bekam, sondern nach Ende seiner wehrpflichtigen Zeit als Reservist ging die von ihm zu Hause aufbewahrte Waffe auch in sein Eigentum über. Erst als die ersten mit dem Sturmgewehr 1957 ausgerüsteten Soldaten die Altersgrenze für wehrpflichtige Reservisten erreichten, wurde dieser Brauch abgeschafft.

Geradzugverschluß des K 31 im Detail: In der Systemhülse (1) stecken noch die zwei Verriegelungswarzen am Kopf des Verschlusses (beim K 11 noch an der Verschlußmitte). Der Hebel (2) gibt den Verschluß (3) zum Herausziehen frei. Die Steuerkurve (4) dreht ihn um 90 Grad, das seitlich angebrachte „Blatt“ (5) sorgt für die Führung. Im Gegensatz zu den beim K 31 aus Aluminium bestehenden Griffhälften (6) waren die braunen Bakelit-Ausführungen des G 11 und K 11 oft brüchig.

Geradzugverschluß des K 31 im Detail: In der Systemhülse (1) stecken noch die zwei Verriegelungswarzen am Kopf des Verschlusses (beim K 11 noch an der Verschlußmitte). Der Hebel (2) gibt den Verschluß (3) zum Herausziehen frei. Die Steuerkurve (4) dreht ihn um 90 Grad, das seitlich angebrachte „Blatt“ (5) sorgt für die Führung. Im Gegensatz zu den beim K 31 aus Aluminium bestehenden Griffhälften (6) waren die braunen Bakelit-Ausführungen des G 11 und K 11 oft brüchig.

Noch heute treten auf den traditionellen Vergleichsschießen in der Schweiz neben den modernen Waffen in .223 Remington die alten GP 11 schießenden Langwaffen an, und dies oft mit Erfolg. In Deutschland ist der K 31 wegen der ausgewogenen, präzisen Patrone und seines kultivierten Abzuges in Verbindung mit seiner langen, flimmerunterdrückenden Schäftung sowie dem praktischen Visierzubehör bereits bekannt und beliebt.

Das Visierbild ist allerdings gewöhnungsbedürftig fein. Das Korn des G 11 und des K 31 harmonieren in der Breite auf 100 Meter mit dem schwarzen Spiegel der Gewehrscheibe, beim K 11 ist es etwas zu breit. Die Kimmenausschnitte fallen schmal und flach aus; wer es sich zutraut, ändert dies mit der Feile. Das klassische Kimme-und-Korn-Bild ist trotz Kornschutzbacken beim K 11 und K 31 eher etwas für Adleraugen. Gut dagegen sind die lieferbaren Korntreiber und Feinvisiersätze. Das Korn der Schweizer Waffen läuft von vorn links nach hinten rechts mit flachem Winkel zur Laufachse im Kornsockel und läßt sich so sehr fein und kontrolliert in der Seite verstellen. Der Verstellbereich der Schiebekimme, deren Stufung etwas gröber ist als beim deutschen Karabiner 98, beginnt bei 100 m.

Die Schäftung wurde bis zum Korn gezogen und unterdrückt damit gleichzeitig das Hitzeflimmern in der Visierlinie; die Läufe liegen im vorderen Bereich mit Vorspannung am Schaft an. Die Bettung des Systems ist bei den Waffen unterschiedlich. Beim G 11 und K 11 befindet sich das System in einem Aluminiumblock, beim K 31 direkt im Holzschaft. Die sauber auslösenden Druckpunktabzüge sind recht leichtgängig (Abzugsgewichte um 1500 g) und gehören zum Besten, was es bei Militärgewehren gibt.

Die Schweizer Geradzugrepetierer (links K 31, rechts 1911er System) lassen sich durch den Drehring am Schlagbolzen einfach durch Herausziehen spannen und mittels Drehung sichern und entsichern. Steht der Ring senkrecht und ist herausgezogen, ist die Waffe gespannt und schußbereit. In dieser Position kann er auch zum Sichern quergedreht werden.

Die Schweizer Geradzugrepetierer (links K 31, rechts 1911er System) lassen sich durch den Drehring am Schlagbolzen einfach durch Herausziehen spannen und mittels Drehung sichern und entsichern. Steht der Ring senkrecht und ist herausgezogen, ist die Waffe gespannt und schußbereit. In dieser Position kann er auch zum Sichern quergedreht werden.

Bei Fabrikmunition im Kaliber 7,5 x 55 Suisse herrscht zumindest außerhalb der Schweiz leider eindeutig Mangel. Aus der Schweiz kommt die originale Militärpatrone über verschiedene Händler nach Deutschland und vermutlich auch nach Österreich. Sie verschießt ein 175 Grains (11,3 g) schweres Spitzgeschoß mit verzinntem Flußeisenmantel, je nach Produktionszeitraum zum Hülsenmantel hin gefettet, mit offenem Torpedoheck aus einer Hülse mit Berdanzündung. Leader und Prvi Partizan stellen ihre 174 Grains schweren Vollmantel-Boattail-Geschosse aus Hülsen mit Boxerzündung dagegen. Wiederladekomponenten sind ebenfalls erhältlich.

21 Karabiner 31 Nahansicht offen

Die weiter oben erwähnte feine Visierung deutet ja schon auf eine Ausrichtung der Schmidt-Rubin-Waffen am präzisen Scheibenschießen hin, die bezüglich deren Eignung für tatsächliche Kampfzwecke Fragen offen läßt. Dies gilt auch für die Verschmutzungsempfindlichkeit dieses Systems. Dazu eine Anekdote, die mir ein erfahrener Schützenkamerad erzählte:

Er hatte einmal erlebt, wie ein anderer Schütze am Schießstand selber geladene Patronen in seinen Karabiner 31 eingeführt hatte, deren Geschosse nicht sehr tief gesetzt waren, um deren rotationslosen Freiflug zwischen Hülsenmund und dem Beginn der Züge im Lauf möglichst zu eliminieren, eine gängige Praxis beim Wiederladen. Als dieser Schütze jedoch eine bereits in den Lauf eingeführte Patrone wieder herausrepetierte, blieb das Geschoß im Ansatz des gezogenen Laufteils stecken, und die Pulverkörner rieselten ins System. Soweit kann einem das bei jedem Gewehr passieren, wenn man die Geschosse nicht tief genug setzt. Nur war es dem Schützen beim K 31 in diesem Fall nicht möglich, sein System mit den am Schießstand vorhandenen Mitteln wieder ausreichend sauber zu kriegen, daß das Gewehr wieder funktioniert hätte. Er mußte seine Sachen zusammenpacken und heimfahren. Man vergleiche das mit den Lee-Enfield-Gewehren No. 1 Mark III (SMLE), bei deren Entwicklung die Tester händeweise Sand über das System geschaufelt und dann repetiert hatten – und die Waffen funktionierten trotzdem!

Daten des Karabiners 31:
Gesamtlänge: 1107 mm
Lauflänge: 652 mm
Gewicht (ungeladen, ohne Bajonett): ca. 4 kg
Kaliber: 7,5 x 55 m Suisse
Magazin: herausnehmbares Mittelschaftmagazin für 6 Patronen
Visier: Kurven-Schiebevisier von 100 – 1500 m
Mündungsgeschwindigkeit mit Standardmunition: 780 m/s
Preisspanne bei Sportarms (2008): ca. 455 – 545 Euro

* * * * * * *

Links:

Bisher in unserer Reihe Krisenvorsorge erschienen:

Orkspalter: Äxte, Beile, Tomahawks von mir
Teilchenbeschleuniger, ein Flintenratgeber von mir
Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre von mir
Büchsen-Licht (2): Unterhebelrepetiergewehre von mir
Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre von mir
Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre von mir
Büchsen-Licht (5): Preisgünstige Zentralfeuerbüchsen von mir
Büchsen-Licht (6): Mosin-Nagant-Gewehre von mir
Büchsen-Licht (7): Steyr-Mannlicher „Scout“ von mir

Kleine Krisenvorsorge von mir
Soziale Krisenvorsorge von Kairos
Ohne Waffen von Kairos
Kommt die Krise? von Kairos
Improvisierte Organisation von Kairos
Überlegungen zum Verhalten bei Katastrophen von einem unbekannten Autor, der darin seine Erfahrungen mit der Katrina-Katastrophe von New Orleans und seine darauf beruhenden Überlegungen schildert
Ins Herz des Kometen von Arthur Charles Clarke, mit einer Ergänzung von mir

Weitere in diesem Zusammenhang interessante Artikel:

Vereinsgründung: Bürgerinitiative Sicherheit von Dunkler Phönix
Wissen bewahren von Osimandia
Vorbereitung auf Ragnarök von Fjordman
Den kommenden Crash überleben von Fjordman
Charlton Heston über Waffenbesitz und Political Correctness
Selbstverteidigung ist Menschenrecht von Gerhard Kehr
Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski von P. T. Kekkonen

Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß von Robert Bruce

Interessante Webseiten:

Steyr Scout Tactical Rifle
Pulverdampf – das österreichische Waffenforum (siehe auch Blogroll)
Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich (IWÖ)
proTell – Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht
Liberales Waffenrecht, ein deutscher Waffen-Blog
The Box O’Truth – ein amerikanischer Waffenblog mit vielen Praxistips (siehe auch Blogroll)
British ARmy Rumour SErvice (ARRSE): http://www.arrse.co.uk/

Waffenzeitschriften:
Deutsches Waffen Journal (DWJ)
VISIER – Das internationale Waffen-Magazin
caliber

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Deep Roots abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s