Teilchenbeschleuniger 2: Verteidigung mit Kipplauf-Flinten

Bockdoppelflinte Baikal IJ 27

Bockdoppelflinte Baikal IJ 27

Von Deep Roots (Originalartikel hier)

In dieser Fortsetzung zu meinem ersten Flintenratgeber „Teilchenbeschleuniger“ werde ich hauptsächlich auf die praktischen Aspekte der Verteidigung mit Kipplaufflinten eingehen, der wahrscheinlich verbreitetsten Flintenart. Diese wird wohl auch häufiger als halbautomatische und Repetierflinten von Leuten angeschafft oder zum Kauf in Erwägung gezogen werden, die bis dahin eher Waffenlaien waren und nur eine wirksame Schußwaffe für die Selbstverteidigung besitzen wollen. Die ballistischen Ausführungen in diesem Artikel werden natürlich auch für Besitzer anderer Flintenarten interessant sein; Wiederholungen von Informationen, die bereits im ersten „Teilchenbeschleuniger“-Artikel enthalten sind, sollen weitgehend unterbleiben.
Hier zunächst noch einmal kurz die aktuelle Situation bezüglich

ERWERB UND BESITZ VON KIPPLAUFFLINTEN UND FLINTENMUNITION

In Österreich war der Erwerb von Kipplaufflinten bis zum Inkrafttreten des Waffengesetzes 2010 am 1. Oktober 2012 für über 18jährige völlig frei und formlos möglich. Seit 1. Oktober 2012 muß der Neuerwerb solcher Flinten ins elektronische Zentrale Waffenregister des Innenministeriums eingetragen werden; davon abgesehen sind sie immer noch frei ab 18 Jahren erhältlich. Altbesitz von vor dem 1. Oktober 2012 erworbenen Kipplaufflinten (Waffen der Kategorie D) braucht NICHT NACHGEMELDET zu werden (außer bei Weiterveräußerung), man kann sie jedoch jederzeit freiwillig registrieren lassen. Siehe dazu den Leitfaden des BMI zum Zentralen Waffenregister (PDF, 12 Seiten).

Vor dem 1. Oktober 2012 erworbene Kipplaufflinten sind in Österreich also eine Möglichkeit, völlig legal eine nicht registrierte, sehr wirksame Schußwaffe zu besitzen!

Daß es diese Möglichkeit gibt, erstaunt mich immer noch. Sie beinhaltet nämlich für das Regime auch das Problem, daß kaum nachweisbar sein wird, daß eine Waffe aus solchem Altbesitz erst nach dem 1. Oktober 2012 privat den Besitzer gewechselt hat, wenn beide Parteien der Transaktion dazu schweigen oder wenn – in einem Erbfall – der Vorbesitzer nicht mehr lebt.
Oder daß man die Flinte in Wirklichkeit noch besitzt, wenn man behauptet, man hätte sie irgendwann vor dem 1. Oktober 2012 irgendwem verkauft, von dem man nicht mehr weiß, wie der hieß.

Flintenmunition kann in Österreich nach wie vor ab 18 Jahren völlig frei und formlos erworben werden.

In Deutschland gibt es solch ein Schlupfloch nicht, weil dort für den Erwerb von Kipplaufflinten schon bisher eine sogenannte „Gelbe Waffenbesitzkarte“ erforderlich war, weshalb vor dem aktuellen Waffenrecht erworbene Waffen dieser Art schon vorher behördlich erfaßt waren und von den jeweiligen Ordnungsämtern in das neue elektronische „Nationale Waffenregister“ eingetragen werden.

Die „Gelbe Waffenbesitzkarte“ wird für Sportschützen eines nach § 15 Waffengesetz anerkannten Verbandes nach § 14 Abs. 4 Waffengesetz erteilt und berechtigt zum Besitz von Einzelladergewehren mit glatten (Kipplaufflinten) und gezogenen Läufen, Repetierbüchsen, einläufigen Einzellader-Kurzwaffen für Patronenmunition und mehrschüssigen Kurz- und Langwaffen mit Zündhütchenzündung (Perkussionswaffen). Die Anzahl der Waffen ist nicht beschränkt, es dürfen aber in der Regel nur zwei Waffen innerhalb von sechs Monaten erworben werden. Weiters muß die erworbene Waffe in der Disziplin der Sportordnung eines anerkannten Schießsportverbandes zugelassen sein. Der Erwerb muß innerhalb von 14 Tagen bei der zuständigen Waffenbehörde angemeldet werden.

Die Waffenbesitzkarte für Sportschützen berechtigt zum Transport der nicht schußbereiten und nicht zugriffsbereiten Waffen zum jeweiligen Ereignis, also Transport zum Schießstand, und muß dabei zusammen mit dem Personalausweis oder dem Reisepaß mitgeführt werden.

Einen freien Munitionserwerb gibt es in Deutschland nicht; man benötigt dafür entweder einen Munitionserwerbsschein (MES), in den die Behörde die Munition einträgt, die der Berechtigte erwerben und besitzen darf, oder wenn man bereits ein waffenrechtliches Dokument besitzt (Waffenbesitzkarte, bei Jägern für Langwaffenmunition auch der gültige Jagdschein), erhält man die Munitionserwerbsberechtigung durch einen entsprechenden behördlichen Eintrag auf diesem Dokument. Die Munitionserwerbsberechtigung kann nur für bestimmte Kaliber oder Munition aller Art erteilt werden. Zwischen dem Besitz und dem Führen von Munition wird im Waffengesetz nicht unterschieden. Jede Person, die Munition am Mann trägt, besitzt lediglich.

FLINTENBALLISTIK, TEIL 1: STREUUNG UND SCHUSSBILDER VON FLINTEN

Flinten werden unter anderem deswegen gern von Leuten ohne viel Waffenerfahrung oder Möglichkeit zum Üben gekauft, weil sie bekanntlich mit jedem Schuß eine Garbe von Schrotkugeln abfeuern, die eine gewisse Streuung aufweisen, sodaß man meint, dafür keine besonderen Schießkünste zu benötigen, und in einem gewissen Ausmaß stimmt das auch. Flinten streuen jedoch nicht so gießkannenartig, wie Laien sich das oft vorstellen, und man muß auch mit ihnen zielen. Als Faustregel gilt, daß die Schrotladung aus Läufen mit Zylinderbohrung (also ohne Verengung zur Mündung hin) pro Meter Flugstrecke um ca. 2,5 Zentimeter auseinandergeht, zusätzlich zu den 18 mm Mündungsdurchmesser. Wie sieht die Streuung von Schrotschüssen nun in der Praxis aus? Um das herauszufinden und für unsere Leser anschaulich darstellen zu können, habe ich mehrere Versuche durchgeführt.

Für den ersten, dessen Ergebnisse ich hier vorstelle, habe ich eine Anzahl Schrotpatronen der Sorte Rottweil „Waidmannsheil“ mit Papphülsen, nominal 36 g Schrotvorlage und Schrotgröße 4 mm aus einer Bockdoppelflinte Baikal IJ 27 (siehe Titelbild dieses Artikels) verschossen. Auf der nachfolgenden Abbildung ist diese Patronensorte links als Schnitt dargestellt (rechts ein anderes Fabrikat mit Kunststoffhülse und Schrotbecher):

02 Flintenpatronenschnitte

Zur Klärung von Fragen, die sich aus den für diesen Artikel durchgeführten Schießversuchen ergaben, habe ich ein Exemplar dieser Patronensorte sowie je eines von zwei weiteren Jagdschrotpatronensorten aufgeschnitten, um das jeweilige Zwischenmittel zu bestimmen sowie die Schrotkörner zu zählen und auf einer alten mechanischen Briefwaage zu wiegen.
Hier sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen (bei denen ich auch feststellte, daß Schrotkügelchen in dieser Größenklasse nicht so makellos rund sind, sondern ein bißchen unregelmäßig geformt und teils sogar Abplattungen haben):

Rottweil 12/70 Waidmannsheil 4 mm, 36 g:
109 Kugeln mit 34,5 g Gesamtgewicht; Filzpfropfen, Papphülse

Dionisi 12/67 4 mm, 32g:
93 Kugeln mit 31 g Gesamtgewicht; Plastik-Schrotbecher, Kunststoffhülse

Rottweil 12/67 Fasan Jagd 2,7 mm, 28 g:
242 Kugeln mit 27 g Gesamtgewicht; Filzpfropfen, Papphülse

Geschossen wurde bei diesem Versuch mit den Rottweil „Waidmannsheil“ auf jeweils zwei leere, an den Längskanten zusammengeklebte Papierbögen im Format DIN A3 auf Entfernungen (ab der Mündung) von 5, 10 und 15 Metern, und zwar aus beiden Läufen. In der Mündung des unteren Laufes war ein Zylinderchoke eingeschraubt, in jener des oberen Laufes ein Halbchoke, um die Auswirkungen unterschiedlicher Chokes auf die Schußbilder zu ermitteln.

Hier ist das Ergebnis des ersten Schusses – aus dem Zylinderchoke auf 5 Meter:

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 5 m Distanz.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 5 m Distanz.

Hier sieht man, wie der Großteil der 109 Schrotkörner noch als dichter Klumpen das Papier durchschlagen hat und der Rest sich auf einer Breite von 137 mm und einer Höhe von 132 mm verteilte. „ZM“ bezeichnet die Stelle, wo der als Zwischenmittel verwendete Filzpfropfen (siehe Patronenschnitte) eingeschlagen hat.

Eine sehr ähnliche Verteilung ist auf dem nächsten Bild zu sehen, wo auf dieselbe Distanz mit dem Halbchoke geschossen wurde. Dabei fällt auf, daß das Trefferbild hier mit 153 mm Breite und 142 mm Höhe sogar ein wenig größer ausgefallen ist, obwohl der Halbchoke eigentlich eine etwas engere Garbe als der Zylinderchoke bewirken sollte.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 5 m Distanz.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 5 m Distanz.

Auf jeden Fall kann man auf 5 Meter von einer Trefferverteilung (ohne Randschrote) in gut Handteller- oder Bierdeckelgröße ausgehen. Bei dieser Konzentration sind im getroffenen Bereich schwerste Gewebezerstörungen die Folge, aber ein schlecht gezielter Schuß auf die rechte Brustseite würde den Herzbereich unversehrt lassen.

Bei Trefferbildern mit Schrot kann es natürlich von Schuß zu Schuß Abweichungen geben, aber auch auf 10 m war keine Verengung der Garben durch den Halbchoke zu bemerken. Aus dem Zylinderchoke (Bild unten) verteilten sich die Schrote über 23 cm Breite (zwei Randschrote links mußte ich wegschneiden, um das Blatt in DIN A4 scannen zu können) und 215 mm Höhe:

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 10 m Distanz.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 10 m Distanz.

Mit Halbchoke waren es auf 10 m dagegen 22 cm Breite (wieder mußte ein Randschrot ganz rechts außen weggeschnitten werden), aber 223 mm Höhe. Auf diese Entfernung hat die Garbe also normalerweise auf einem DIN A4-Blatt Platz, und der Streukreisdurchmesser von ca. 22 bis 23 cm bedeutet, daß ein einigermaßen gut gezielter Schuß auf die Brustmitte beide Lungenflügel und fast sicher das Herz durchlöchern und Herzkranzgefäße zerreißen würde.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 10 m Distanz.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 10 m Distanz.

Auf 15 Meter verteilten sich die Schrote in beiden Fällen bereits über die vollen 42 cm des Papierbogens, wobei schon ein paar davon danebengegangen sein müssen. Denn von den 109 laut meiner Zählung in Patronen dieser Sorte enthaltenen Kügelchen haben aus dem Zylinderchoke nur 95 das Zielblatt getroffen (verteilt über 37 cm Höhe, siehe unten)…

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 15 m Distanz; B x H = 42 x 37 cm.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Zylinderchoke, 15 m Distanz; B x H = 42 x 37 cm.

…und beim Schuß aus dem Halbchoke-Lauf nur 93, diesmal bereits in einer 43 cm hohen Gruppe:

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 15 m Distanz; B x H = 42 x 43 cm.

Rottweil „Waidmannsheil“ 36 g 4 mm aus Halbchoke, 15 m Distanz; B x H = 42 x 43 cm.

Bei allen sechs Schüssen auf die drei Entfernungen waren also die Streukreise mit dem Halbchoke mindestens so groß wie mit dem Zylinderchoke. Eine mögliche Erklärung dafür könnte mit der verwendeten Schrotgröße und dem fehlenden Schrotbecher zusammenhängen: Ein Schützenkamerad hat mir nämlich erzählt, er hätte irgendwo gehört oder gelesen, daß Chokes bei gröberem Postenschrot eher den gegenteiligen Effekt zu dem hätten, was sie bewirken sollen. Womöglich prallen die schwereren Postenschrote von der Verengung eines Choke weniger zurück, sondern verformen sich eher, sodaß die entstehenden Abplattungen der Kugeln im Flug Unregelmäßigkeiten bewirken.

Vier Millimeter Schrotgröße, wie ich sie bei diesem Versuch verwendet hatte, sind zwar noch kein Postenschrot, aber doch schon größer als die normalerweise bei der Flug- und Niederwildjagd und beim Wurfscheibensport verwendeten Sorten. Und in Verbindung damit, daß die Rottweil „Waidmannsheil“ keinen Schrotbecher hat, sondern nur einen Filzpfropfen, könnten die Schrotkörner sich gerade so viel am Choke verformen und weniger zurückprallen, daß die Garbenkonzentrationswirkung durch den Choke ungefähr aufgehoben wird.

Plastikbecher, wie im Schnitt der rechten Patrone dargestellt, schützen die Schrote nämlich vor dem Kontakt mit der Laufinnenwand und verhindern die Laufverbleiung sowie die Verformung der Schrotkugeln. Filzpfropfen bieten den Schroten keinen Schutz vor Deformation durch die Laufinnenwand; ähnlich wie bei Vorderladern sollen sie den Lauf nach dem Schuß zwischenreinigen und werden dafür mit Fett getränkt. Fettbehandelte Filzpfropfen sind deutlich schwerer als Plastik-Zwischenmittel und erhöhen das Vorlagegewicht. Deshalb bewirkt eine Schrotpatrone mit Filzpfropfen einen stärkeren Rückstoß als Munition mit gewichtsgleicher Schrotvorlage und Plastikbecher.

Bei diesen sechs Schüssen wurden alle abgefeuerten Hülsen – obwohl aus Pappe – problemlos von den Ejektoren ausgeworfen, was nicht selbstverständlich ist (dazu weiter unten mehr).

Bei einem weiteren Versuch, den ich bereits in meinem Kommentar Nr. 29 zu „Teilchenbeschleuniger“ beschrieben habe und der ungefähr die Ergebnisse des oben geschilderten Versuchs bestätigt, wurde die Schrotverteilung von Patronen der Sorte Rottweil Fasan Jagd (12/70, 28 g Nominal-Schrotvorlage, Schrotgröße 2,7 mm, Papphülse) aus einem 50 cm langen Lauf mit Zylinderbohrung auf IPSC-Targets in ca. 15 bzw. 22 Meter Entfernung getestet, wobei ich in die Mitte der IPSC-Targets als Zentrumsmarkierung jeweils eine Zielscheibe im Format DIN A4 (Hochformat) getackert hatte.

09 IPSC Classic Target

Auf 15 m war das IPSC-Target über die volle Breite von 46 cm abgedeckt, während die Garbe (abgesehen von einem einzelnen Randschrot ganz oben) eine Höhe von 51 cm hatte. Insgesamt haben bei diesem Schuß von den 242 in dieser Patrone enthaltenen Schrotkörnern 184 das Target getroffen, davon lagen 78 (also ca. 42 %) auf der DIN-A4-Scheibe.

Auf die 22 m war die Garbe (bis auf ein einzelnes Randschrot ganz unten) 54 cm hoch; insgesamt haben 147 Schrotkörner getroffen, davon 50 das A4-Blatt.

Dabei könnten noch ein paar zusätzliche Schrote in den Löchern der jeweils 8 Flintenlaufgeschosse gelandet sein, mit denen ich die Scheiben zuvor beschossen hatte.

Da das IPSC-Target von seiner Fläche her ungefähr dem menschlichen Oberkörper entspricht, lassen sich diese Werte gut auf eine reale Verteidigungssituation übertragen. In diesem Entfernungsbereich dürfte auch die Eindringtiefe der 2,7-mm-Schrote für Verteidigungszwecke ausreichen, wenn man den weiter unten in diesem Artikel beschriebenen Versuch des Schweizer Ballistikers Peter Pulver mit dem toten Fuchs bedenkt, der auf 40 m mit 3-mm-Schrotkörnern beschossen und von diesen fast ganz durchschlagen wurde. Da müssen 2,7-mm-Kugeln das auf ca. 30 – 35 m schaffen, und auf Entfernungen bis 25 m dürfte ein menschlicher Oberkörper komplett durchschlagen werden (außer vielleicht bei besonders dicker Kleidung). Und 1,35 x 1,35 x 3,14 x 147 (die Trefferzahl auf 22 m) ergeben einen gesamten Querschnitt aller dadurch verursachten Wundkanäle von 841 mm². Ein 9-mm-Geschoß hat einen Querschnitt von 63,6 mm²; das heißt also, eine einzelne Schrotgarbe aus dieser Patronensorte verursacht auf ca. 20 – 25 m bei einem ungeschützten Gegner Gewebezerstörungen in ähnlichem Ausmaß wie ein Feuerstoß aus einer Maschinenpistole mit ca. 13 Treffern!

Dabei hat die Rottweil Fasan Jagd (deren Papphülse nach dem Abfeuern übrigens auffallend schwergängig auszuziehen ist) mit 28 g nicht einmal eine besonders schwere Jagdschrotladung; das Spektrum reicht da allein bei 12/70 bis 36 Gramm, und von Rottweil gibt es sogar eine Sorte mit 40 Gramm (Rottweil Semi-Magnum).

Für einen dritten Versuch habe ich eine Mannsilhouettenscheibe (Hübner-Combatscheibe) auf 21 m Entfernung fünfmal beschossen (drei verschiedene Patronensorten aus zwei Flinten). Dieser Test war als Grundlage für die Ermittlung der maximal zweckmäßigen Schußentfernung für das kampfmäßige Flintenschießen gedacht, was wiederum als Grundlage für die weiter unten beschriebene Versuchsreihe „Sturmabwehr mit der Kipplaufflinte diente.

Drei dieser Patronen wurden aus dem unteren Lauf der Baikal IJ 27 mit Zylinderchoke verschossen:

Remington 4 Buckshot, 27 Kugeln mit 6,1 mm Durchmesser (violett markiert, ca. 50 cm Streukreisdurchmesser, 24 Treffer auf Mannsilhouette)
Remington 00 Buckshot, 9 Kugeln mit 8,4 mm Durchmesser (grün markiert, ca. 42 cm Streukreis, 9 Treffer auf Mannziel)
Dionisi 32 g 4 mm, ca. 85 Kugeln (blau markiert, ca. 50 cm Streukreis, 68 Treffer auf Mannsilhouette)

Zwei Schuß aus Einlaufflinte Baikal IJ 18 mit auf 49,2 cm gekürztem Lauf mit Zylinderbohrung (Treffergruppen beide Male etwas zu hoch):

Remington 4 Buckshot, 27 Kugeln mit 6,1 mm Durchmesser (orange markiert, alle zu weit rechts)
Remington 00 Buckshot, 9 Kugeln mit 8,4 mm Durchmesser (gelb markiert, ca. 40 cm Streukreis, 6 Manntreffer)

10 5 Schrotgarben auf 21 m

Interessant ist hier, daß die Streukreise trotz der zusätzlichen 6 Meter Entfernung mit ca. 40 bis 50 cm etwas kleiner bis kaum größer waren als jene mit den Rottweil-Sorten auf 15 m (und kleiner als mit Rottweil Fasan Jagd auf 22 m), und dies könnte durchaus daran liegen, daß die hierfür verwendeten Patronen sämtlich Schrotbecher als Zwischenmittel haben.

Diese Zielscheibe ist ca. 54 cm breit, und die Breite von einem Ärmelansatz der Mannsilhouette zum anderen beträgt 34 cm; die Silhouette hat somit nur etwa 70 % der Größe eines erwachsenen Mannes und nur die Hälfte von deren Ansichtsfläche. Ein echter Gegner wäre also auf diese Entfernung sehr wahrscheinlich von fast allen Schrotkugeln getroffen worden.

Ein noch früher durchgeführter, vierter Beschußversuch auf solch eine Mannscheibe und auf dieselbe Distanz, aber mit einer kurzen Doppelflinte Baikal MP 43 mit zylindrischen Laufbohrungen hat diese Ergebnisse erbracht:

Remington 4 Buckshot, 27 Kugeln á 6,1 mm:
Linker Lauf: 13 Treffer auf Mannsilhouette
Rechter Lauf: 4 Treffer
Durchschnitt = 8,5 Treffer, Mannsilhouette aber nur ca. 50 % Originalfläche, wären durchschnittlich 17 Treffer auf reales Mannziel in 21 m.

Dionisi 32 g 4 mm:
Linker Lauf: 43 Treffer auf Mannsilhouette
Rechter Lauf: 35 Treffer auf Mannsilhouette
Durchschnitt = 39 Treffer, Mannsilhouette aber nur ca. 50 % Originalfläche, wären durchschnittlich 78 Treffer auf reales Mannziel in 21 m.

FLINTENBALLISTIK, TEIL 2: DIE WIRKUNG VON FLINTENSCHÜSSEN

Ein toter Fuchs diente dem Schweizer Ballistiker Peter Pulver als Testobjekt zur Bestimmung der Eindringtiefe von Schroten. Aus 40 Meter Entfernung durchschlugen die 3 mm großen Körner den Fuchs fast ganz und blieben auf der vom Schützen abgewandten Seite unter der Haut stecken.

Ein toter Fuchs diente dem Schweizer Ballistiker Peter Pulver als Testobjekt zur Bestimmung der Eindringtiefe von Schroten. Aus 40 Meter Entfernung durchschlugen die 3 mm großen Körner den Fuchs fast ganz und blieben auf der vom Schützen abgewandten Seite unter der Haut stecken.

Wie auch bei anderen Munitionsarten gibt es auch bei Schrot und Flintenlaufgeschossen seit vielen Jahren Diskussionen unter Ballistikern und Anwendern um die Wirkung im lebenden Ziel, also beim Jagdwild oder bei einem menschlichen Gegner. Diese Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Wirksamkeit bestimmter Munitionsarten liegen unter anderem auch daran, daß derartige Waffengebrauchsfälle sich der labormäßigen Untersuchung normalerweise entziehen und daß Menschen oder Tiere keine homogenen Zielsimulanzmedien sind wie Gelatine, Tonblöcke oder ballistische Seife, sondern einen komplexen inneren Aufbau aus Muskeln, Knochen, Blutgefäßen, Nerven, Hohlräumen und Organen haben, und oft wenige Zentimeter verschiedene Treffpunktlagen ganz unterschiedliche Folgen bewirken. Im VISIER-Sonderheft 66 „Geschosse und Ballistik“ steht dazu ab Seite 53 im Kapitel „Höhlen-Forschung“ über die Zielballistik im Allgemeinen:

Feine Unterschiede: Die größte Schwierigkeit lässt sich nicht bestreiten – niemand kann Zielballistik in zwei bis drei allgemeingültigen Gesetzen zusammenfassen. Denn was passiert, hängt nicht nur vom Aufbau des Projektils, seiner Masse, seiner Geschwindigkeit und dem Auftreffwinkel ab. Darüber entscheidet auch die Beschaffenheit des Ziels. Will man weiterkommen, muss man die Dinge sortieren: Zunächst gliedert man in Hart- und Weichziele. Beat P. Kneubuehl unterscheidet zudem bei der Wirkungsweise sorgfältig in Wirksamkeit und Wirkungsweise respektive Wirkung von Projektilen. Wirksamkeit ist nach der Definition des Schweizer Ballistikers eine Größe, welche die Wirkungsfähigkeit beziehungsweise das Wirkungspotential ausdrückt und die sich messen lässt. In Bezug auf Weichziele steht Wirksamkeit für das Verletzungspotential. Wirkung erfaßt dagegen die effektiven, tatsächlichen Auswirkungen auf den menschlichen oder tierischen Körper. Nicht nur der Experte Kneubuehl hält es für unsinnig, über konkrete Geschosswirkungen diskutieren oder sie gar messen zu wollen. Sie lassen sich nicht exakt vorhersagen.

Das trifft nicht nur bei unterschiedlichen Treffpunktlagen zu. Erfahrene Jäger wissen, dass vergleichbare Schüsse auf Wild mit derselben Waffe und derselben Laborierung auf die unterschiedlichste Weise wirken. Selbst bei annähernd gleicher Treffpunktlage bricht das eine Stück sofort im Feuer zusammen und bleibt liegen, während bei anderen eine Nachsuche nötig ist. Wundballistiker sind davon überzeugt, dass bei Menschen nicht nur die physische Konstitution, sondern auch die psychische im Einzelfall über die Folgen eines Treffers entscheidet. Damit nicht genug: Außer Adrenalin spielen auch körperfremde Stoffe wie Alkohol eine Rolle. Bei der Niederschlagung des Moro-Aufstandes auf den Philippinen 1898 machten US-Soldaten die Erfahrung, dass die sechs Jahre zuvor eingeführte Patrone .38 Long Colt zu wenig Wirkung gegen die mit Drogen aufgeputschten muslimischen Krieger zeigte – Anlass für die Entwicklung der späteren .45 ACP. Munitionshersteller können also nur die Wirksamkeit ihrer Laborierungen optimieren, aber keine konkrete Wirkung garantieren.

Ein mir bekannter Jäger hat mir vor kurzem zu diesem Thema erzählt, daß Schüsse auf Wild umso stärker wirken, je unerwarteter der Treffer erfolgt. Wenn das Tier auch nur argwöhnisch wird und lauschend und witternd den Kopf hebt, haben Treffer oft eine deutlich geringere Wirkung als sonst, sagte er. Bestätigt wird das durch gleichlautende Ausführungen, die ich in irgendeiner Waffenzeitschrift („Visier“ oder „Deutsches Waffenjeournal“) zum Thema Zielballistik gelesen habe, und dort war auch die Rede davon, daß man das auch auf den Menschen übertragen könne. Wie man auf die Erkenntnis reagiert, getroffen worden zu sein und nun womöglich sterben zu müssen, ist individuell ebenfalls sehr verschieden und völlig unvorhersehbar; das würde wohl jeder von sich selbst erst wissen, wenn es soweit ist.

Auf jeden Fall hat es hinsichtlich der Zielballistik seit der Pionierzeit des Combatschießens doch einigen Erkenntnisfortschritt gegeben, und zur Wirkung von Schrotschüssen steht in „Geschosse und Ballistik“ etwas weiter hinten:

Aus zielballistischer Sicht erzeugt das einzelne Schrotkorn aufgrund seiner Kugelform Schußkanäle, die ähnlich denen eines Flintenlaufgeschosses gerade verlaufen und sich nach hinten hin verjüngen. Dabei legt die Schrotkugel aber das größte Zerstörungspotential direkt nach dem Einschuss an den Tag. Die Eindringtiefe steht dabei in direktem Zusammenhang zur Auftreffgeschwindigkeit und Schrotgröße: Je grober der Schrot, desto tiefer die Eindringtiefe. Auch verursachen viele dicht zusammen liegende Einschüsse in der Regel eine größere Wirkung, als weit auseinander liegende. Dennoch kann letztlich auch ein einziges Schrotkorn (bei entsprechender Eindringtiefe) ein lebenswichtiges Organ oder Blutgefäß zerstören und den Tod herbeiführen.

Und dann ist da noch das, was man beim Ablegen des Jagdscheins lernt: Dem Schrotschuß wird auch bei kleinerem Haarwild (Säugetiere) wie etwa Hase oder Fuchs die Wirkung per Schock-Tod oder Schock attestiert: Dieser Begriff bezieht sich auf das periphere Nervensystem, das sich bei allen Säugetieren über den gesamten Körper erstreckt. Durch das gleichzeitige Erregen zahlreicher Rezeptoren (Sinneszellen) dieses Systems soll eine Art Reizüberflutung entstehen. Eine Schrotgarbe soll demnach für ein multiples Reizen zahlreicher einzelner Nervenenden – ein simultanes Erregen vieler dieser Bereiche – sorgen. All das soll das Gehirn dann nicht mehr verarbeiten können und daraufhin sofort abschalten. Stark vereinfacht gesagt, ließe sich dies mit einem die Sicherungen „heraushauenden“ Kurzschluß vergleichen.

Diese These läßt sich nach der Auffassung des Schweizer Ballistik-Autors Peter Pulver nicht mehr halten. Er stützt sich dabei auf seine Erfahrungen bei der in der Schweiz erlaubten und verbreiteten Rehjagd mit Schrot und Versuche mit Füchsen. Bei diesen Jagden fliehen mit Schrot beschossene Rehe oft große Strecken, während andere bei gleicher Trefferlage sofort umfallen. Pulver führt das blitzartige Zusammenbrechen daher auf Treffer im Rückenmark oder davon ausgehenden Nerven zurück. Dadurch werden die Tiere paralysiert. Sie sind aber nicht sofort tot, sondern verbluten anhand anderer Treffer innerlich. Oft atmen die Rehe noch, sind aber nicht mehr bei Bewußtsein, bis der Tod durch Blutverlust nach einigen Sekunden bis wenigen Minuten eintritt.

Kritiker halten dagegen, daß die Schrote dazu im Allgemeinen nicht tief genug in den Wildkörper eindrängen. Dem widersprechen Erfahrungen von Schweizer Jägern, deren vier Millimeter starke Schrote regelmäßig Rehe auf 30 Meter Distanz komplett durchschlagen. Auch Pulvers Schußversuche mit dem Fuchs widerlegen die Aussagen zur mangelnden Eindringtiefe: Ein bereits toter Reineke wurde dazu mit 3-mm-Schrot auf 40 Meter Distanz beschossen und anschließend untersucht. Dabei lagen die Schrote dann tatsächlich unmittelbar unter der Haut, aber auf der dem Einschuß gegenüberliegenden Seite. Da Füchse dicker sind als Hasen, erübrigte sich ein analoges Experiment mit dieser Wildart. Die Schrote dringen demnach in jedem Fall tief genug ein.

Daß 4-mm-Schrotladungen auf 30 Meter Entfernung ein Reh durchschlagen können,dessen Körperbreite knapp der Tiefe eines menschlichen Rumpfes von vorn nach hinten entspricht, während die 6,1 mm starken Schrote von 4-Buckshot-Ladungen auf offenbar kurze Entfernung (wegen des tief eingedrungenen Zwischenmittels) in Gelatine nicht viel mehr schaffen, nämlich die 27 cm laut der untenstehenden Grafik des Firearms Tactical Institute, deutet schon darauf hin, daß Gelatine den Geschossen offenbar doch einen stärkeren Widerstand entgegensetzt als Muskelgewebe.

Eindringtiefe von #4 Buckshot (27 Kugeln von 6,1 mm Durchmesser), offenbar auf kurze Entfernung, in ballistischer Gelatine („Wad“ ist das Zwischenmittel).

Eindringtiefe von #4 Buckshot (27 Kugeln von 6,1 mm Durchmesser), offenbar auf kurze Entfernung, in ballistischer Gelatine („Wad“ ist das Zwischenmittel).

Und tatsächlich steht im selben, hochinteressanten und sehr empfehlenswerten VISIER-Sonderheft „Geschosse und Ballistik“ auf Seite 85:

Eine andere Frage ist, in welchem Verhältnis die Eindringtiefen in Gelatine und in Muskelgewebe stehen. Für Rehwild und auf 4 ° C gekühlte 10-prozentige Gelatine hat der Schweizer Ballistiker Peter Pulver dieses Verhältnis empirisch untersucht – mit Beschüssen auf eine Reihe von Rehdecken, halben Lungen und ganzen Herzen. Der halben Eindringtiefe in ein Reh entspricht demnach ein gerade 4 cm langer Block.

Da ein Reh laut dem vorerwähnten Jäger aus meiner Bekanntschaft eine Körperbreite von ca. 15 bis 20 cm hat, ergibt sich aus Peter Pulvers Vergleichsversuchen, daß die Eindringtiefen von Geschossen in lebende Körper mindestens doppelt so groß sind wie die Werte für das jeweilige Geschoß bei gleicher Geschwindigkeit in ballistischer Gelatine.

Man kann also davon ausgehen, daß 4 mm starkes Jagdschrot für Verteidigungszwecke auf 30 Meter Entfernung auch schon ausreicht und einen frontal beschossenen menschlichen Torso ohne allzu dicke Bekleidung großteils durchschlägt. Wenn man die 68 Treffer mit Dionisi 4 mm aus meinem oben geschilderten dritten Versuch mit der Hübner-Mannscheibe auf ein lebensgroßes Mannziel in 30 Meter hochrechnet, sähe das so aus:

Knapp eineinhalbfache Entfernung ist ca. halbe Trefferdichte, was bei doppelter Ansichtsfläche des realen Gegners gegenüber der Hübner-Silhouette wieder eine ähnliche Trefferzahl ergeben müßte. Sagen wir, 60 Treffer.

Eine 4 mm große Schrotkugel hat ein Fünftel der Querschnittsfläche eines 9mm-Geschosses, was bei 60 Treffern bedeutet, daß diese zusammengenommen eine ähnliche Summe von Wundkanalquerschnitten erzeugen wie 12 Geschosse im Kaliber 9 mm. Und das mit einem einzigen Schuß!

Die neun 8,4 mm großen Kugeln der Federal Premium 00 Buckshot beim Verlassen des Schrotbechers im Flug; auch bei dieser Patronensorte werden die Kugeln wie bei den Remington-Buckshots durch ein dazwischengepacktes Granulat, das sich hier zerstreut, vor Verformungen geschützt.

Die neun 8,4 mm großen Kugeln der Federal Premium 00 Buckshot beim Verlassen des Schrotbechers im Flug; auch bei dieser Patronensorte werden die Kugeln wie bei den Remington-Buckshots durch ein dazwischengepacktes Granulat, das sich hier zerstreut, vor Verformungen geschützt.

Auf noch größere Entfernungen wird aber die Eindringtiefe mit 4-mm-Schrot zu gering werden, weshalb hierfür entweder die Remington Buckshots #4 mit 27 Kugeln zu 6,1 mm ratsam sind, oder die noch gröberen Postenschrotversionen (entweder die schwer erhältlichen Remington #1 Buck mit 16 Kugeln zu 7,6 mm, #0 Buck mit 12 Kugeln zu 8,1 mm oder #00 Buck mit 9 x 8,4 mm, Bild oben) – oder Flintenlaufgeschosse.

Bei letzteren gibt es zwar eine Anzahl von Typen verschiedener Fabrikate, aber für Verteidigungszwecke dürfte die seit vielen Jahren jagdlich bewährte und im Fachhandel gängigste Rottweil Brenneke mit ihrem 31,5 g schweren Geschoß die beste Allroundwahl sein. Sie liefert eine durchaus brauchbare Präzision, wie die Dreiergruppen auf den beiden nachfolgenden Bildern zeigen, die auf 25 bzw. 22 m Entfernung frei aus der Schulter und praktisch ohne vorherige Übung mit dieser Patrone in der jeweiligen Flinte geschossen wurden:

Drei Brenneke aus Einlaufflinte Baikal IJ-18 mit Leuchtstabkorn auf 25 m (meine ersten Brenneke-Schüsse überhaupt!); gezielt wurde auf den Kreuzschnittpunkt.

Drei Brenneke aus Einlaufflinte Baikal IJ-18 mit Leuchtstabkorn auf 25 m (meine ersten Brenneke-Schüsse überhaupt!); gezielt wurde auf den Kreuzschnittpunkt.

Drei Brenneke aus Bockdoppelflinte Baikal IJ-27 mit Leuchstabkorn auf 22 m.

Drei Brenneke aus Bockdoppelflinte Baikal IJ-27 mit Leuchstabkorn auf 22 m.

Und die Wirkung kann sich ebenfalls sehen lassen – hier steht eine Brenneke-Patrone in dem Loch, das eine Artgenossin in einen Tonblock geschlagen hat (Leser, die „Teilchenbeschleuniger“ kennen, werden sich auch noch an das Bild von dem durchschlagenen Stahlhelm erinnern):

16 Brenneke in Tonblock

Hier ist ein interessantes Video, in dem mit drei Brenneke-Varianten auf drei verschiedene Wandaufbauten geschossen wird (Holzbretter/Dämmstoff, Betonhohlblock und Vollziegel):

Gegenüber den in diesem Video verwendeten Pumpguns und Selbstladeflinten haben Kipplauf-Flinten jedoch den Nachteil, daß man aus ihnen nur jeweils ein- bis zweimal schießen kann, ehe man nachladen muß. Gegen wie viele Feinde (von denen höchstens so viele selber eine Schußwaffe haben dürfen, wie man mit der ersten Salve ausschalten kann) hätte man damit eine Chance? Damit komme ich zum zentralen Kapitel dieses Beitrags, das aus dem Gedanken heraus entstanden ist, eine auf diese Waffenart zugeschnittene Ergänzung zu dem von Dunkler Phönix und mir verfaßten Gemeinschaftsartikel Sturmabwehr: Die Attacke auf den Damm zu erstellen:

STURMABWEHR MIT DER KIPPLAUF-FLINTE

Mitführen des Kanonenfutters

17 Stoeger Coach Gun Rig

Für den Kampf gegen mehr Gegner, als die Flinte Läufe hat, ist die zugriffsbereite Mitführung von Patronen zum Nachladen unerläßlich. Eine Möglichkeit dafür sind Schaftpatronenetuis aus Elastikmaterial wie an der Flinte oben abgebildet, die man über den Kolben ziehen kann und in deren 5 bis 6 Schlaufen man Reservepatronen steckt. Bei Frankonia gibt es eine Ausführung mit 5 Patronenschlaufen um € 9,95 (Art. Nr, 11109-26, Preis 2013/14). Dies ist schon recht brauchbar (und für die Zahl von Schüssen, die man bei einer reinen Sturmabwehr auf maximal praktikable Schußdistanz wie unten beschrieben abfeuern kann, auch ausreichend); allerdings ist dieses Zubehör hinderlich, wenn man die Flinte an der anderen (meist linken) Schulter anlegen will, wie es erforderlich ist, wenn man auf dieser Seite um vertikale Deckungen herum, wie Gebäudeecken, Mauerkanten oder Türstöcke, schießen will. Dies spielt aber nur eine Rolle, wenn man dieses Schießen von der anderen, „schußschwachen“ Seite aus auch ausreichend übt, weil man sonst im Stress eines echten Feuerkampfes wahrscheinlich sowieso von der gewohnten Seite aus schießt und sich dafür halt weiter als ansonsten notwendig aus der Deckung begibt.

Nicht sinnvoll sind dagegen Gewehrriemen mit aufgenähten Patronenschlaufen. Denn die schaukeln im Stehendanschlag meist stark hin und her, und um eine Patrone aus ihnen herausziehen zu können, muß man sie mit der anderen Hand festhalten, mit der man aber auch die Waffe hält, was recht unpraktisch ist.

Viel besser ist es, entweder Patronenhalter zu verwenden, die man auf den normalen Hosengürtel schiebt, wie den unten abgebildeten Shotgun Cartridge Slide #8847-1 für 6 Patronen von Michaels of Oregon („Uncle Mike’s“) um € 25,– (Preis von 2008) oder die olivfarbene Ausführung für 10 Patronen, die es bei Frankonia um € 9,95 gibt (Art. Nr. 120591-26, Preis aus Katalog 2013/2014) – oder ganze Patronengürtel, wie den ebenfalls unten abgebildeten Uncle Mike’s Shotgun Cartridge Belt #8805-1 für 25 Patronen (€ 32,80 im Jahr 2008) oder den olivfarbenen Niggeloh-Gürtel aus Neopren für 17 Patronen (Frankonia Art. Nr. 130902-26, € 42,95 2013/14).

Uncle Mike’s Shotgun Cartridge Belt #8805-1 für 25 Patronen (oben) und Uncle Mike’s Shotgun Cartridge Slide #8847-1 (unten, noch auf dem Kartonträger).

Uncle Mike’s Shotgun Cartridge Belt #8805-1 für 25 Patronen (oben) und Uncle Mike’s Shotgun Cartridge Slide #8847-1 (unten, noch auf dem Kartonträger).

Nicht ideal sind Patronengürtel aus Leder, zumindest nicht bei längerem gefülltem Tragen im Freien bei teils feuchter Witterung: Da kann sich an den Messing-Patronenböden Grünspan bilden, wodurch es beim Laden und Entladen klemmen kann. Außerdem leiern die Lederschlaufen aus, zumindest, wenn der Gürtel feucht wird und dann mit den Patronen drin trocknet.

Auf welche Entfernung ist kampfmäßiger Flinteneinsatz maximal sinnvoll?

Im jagdlichen Bereich gelten 35 Meter schon als Grenzbereich des Flinteneinsatzes; bei der Sturmabwehr mit Kipplauf-Flinten gegen mehrere Angreifer wird man aber wegen der Notwendigkeit des häufigen Nachladens auf größere Entfernungen zu schießen beginnen müssen, um sie alle erledigen zu können, bevor sie einen erreichen.

Wie weiter oben ausgeführt, kann man auf 30 Meter mit 4-mm-Jagdschrot bei guter Trefferlage eine Wirkung erzielen wie mit 10 – 12 Treffern im Kaliber 9 mm Para (Vollmantel; Hohlspitzgeschosse würden aufpilzen und größere Wundkanalquerschnitte erzeugen). Auf 50 Meter wäre die Trefferdichte auf 36 % des Wertes für 30 Meter verringert, und die Eindringtiefe würde nicht mehr für einen Körperdurchschlag reichen.

Von den 27 Kugeln der Remington #4 Buckshot, die auf 50 m ziemlich sicher noch durchschlagen werden, haben beim oben dargestellten Versuch 24 die Mannsilhouette getroffen, die aber nur die halbe Ansichtsfläche eines realen Mannzieles hat. Auf 50 Meter (die 2,38fache Distanz) würde das so aussehen:

24 x 2 : (2,38 x 2,38) = 8,47; sagen wir: 8 Treffer.

Die 6,1 mm großen Kugeln haben nur 46 % des Querschnitts von 9-mm-Geschossen; 8 x 0,46 = die 3,68fache Wundkanalquerschnittssumme. Der Vergleich mit der Wirkung von Vollmantelgeschossen in 9 mm Para ist etwas schwierig: Einerseits werden die Schrotkugeln auf 50 m wahrscheinlich trotz höherer Mündungsgeschwindigkeit schon langsamer sein als 9-Para-Geschosse, andererseits sind sie stumpfer und können sich verformen. Gehen wir vom ungünstigeren Fall aus und nehmen wir die Wirkung von drei 9-mm-Treffern an.

Die 9 Kugeln der Remington #00 Buckshot haben im obigen Versuch alle die Mannsilhouette getroffen, und auch der zweite Schuß aus der Baikal IJ-18 hätte dasselbe Ergebnis haben können, wenn er etwas tiefer gezielt gewesen wäre. Übertragen wir das auf ein real großes Mannziel (d.h. doppelte Zielfläche) in 50 Meter Entfernung:

2 : (2,38 x 2,38) = 35 % der Trefferzahl, x 9 = ca. 3 Treffer, was ungefähr ebenso vielen in 9 mm Para entsprechen dürfte.

Über die Wirkung von 9 mm Para aus der Suomi-Maschinenpistole laut realen Kampferfahrungen schreibt P. T. Kekkonen in Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski:

Die Erfahrung des Winterkriegs lehrte die Maschinenpistolenschützen, Feuerstöße von 2 -3 Schuß abzugeben, und während des Krieges von 1941 – 1944 war bekannt, daß nicht weniger als fünf oder sechs 9 mm – Kugeln eine ausreichende Dosis Medizin waren. Durch kürzere Feuerstöße verwundete Feindsoldaten konnten oft weiterkämpfen, wenn sie sich vom anfänglichen Schock erholt hatten, selbst wenn sich die Treffer nach einer kurzen Weile als fatal erwiesen.

Die Wirkung von Postenschrot auf 50 Meter dürfte also im unteren Bereich des Notwendigen liegen, und die Trefferdichte kann je nach Munition und Flintenmodell auch niedriger liegen, wie die oben geschilderten Versuchsschüsse mit der Baikal MP-43 gezeigt haben (diese niedrigere Trefferdichte bedeutet aber auch eine breitere Streuung, wodurch auch bei schlecht gezielten Schüssen oder beweglichen Zielen leichter zumindest eine gewisse Wirkung erzielt werden kann). Aber auf Grenzentfernung getroffene Angreifer sind jedenfalls schon einmal verletzt, müßten dann in diesem Zustand erst einmal an den Verteidiger heranrennen und sind dann im Nahkampf beeinträchtigt, und es besteht immer die Chance, daß zumindest eine der Schrotkugeln das Herz oder Herzkranzgefäße trifft, wodurch der Angreifer wahrscheinlich während des Heranstürmens zusammenbricht, oder die Wirbelsäule oder wichtige Nerven verletzt. Es ist bestimmt besser, eine Überzahl von Gegner schon auf eine Entfernung zu beschießen, auf die man sie zumindest verletzen kann, als zu warten, bis sie schon näher heran sind. Und wie die oben abgebildeten Schußgruppen mit den Brenneke-Flintenlaufgeschossen zeigen, hat man mit einer einigermaßen präzisen Flinte und einer gewissen Übung eine große Chance, Gegner auch auf 50 Meter mit diesen zylindrischen Bleibrocken zu treffen, die das vierfache Gewicht, den vierfachen Querschnitt und die sechsfache Energie der 9 mm Para haben.

Ich nehme also 50 Meter als ungefähre Grenzentfernung für die Verteidigung mit Flinten an.

Für das Entfernungsschätzen im Gelände bzw. um dieses zu üben, habe ich in „Büchsen-Licht (9): Praxistest Kurzkarabiner FR 8“ übrigens eine buchstäbliche „Daumenregel“ vorgestellt:

Wenn man den Arm mit erhobenem Daumen ausstreckt, so ist dieser etwa 50 cm vom Auge entfernt. Vom Daumennagelansatz bis zur Daumenkuppe sind es (in meinem Fall) ca.18 mm, was bedeutet, daß ein etwa 180 cm großer Mann, der gleich hoch erscheint wie der Daumennagel, ungefähr hundertmal so weit entfernt sein muß, also 50 Meter. Erscheint der Mann etwa halb so hoch, so sind es hundert Meter.

Wie viel Zeit hätte man, um Feinde zu beschießen, die aus 50 Meter Entfernung heranstürmen?

Hier gehe ich von demselben Limit aus, das Dunkler Phönix und ich für Sturmabwehr: Die Attacke auf den Damm ermittelt haben: ungefähr 20 Sekunden.

Je nach Schuhwerk (Sneakers, Stiefel oder Bergschuhe) und Untergrund (ebener Asphalt, Wiese mit mehr oder weniger hoher Vegetation, Waldboden, eventuell bucklig und mit Baumwurzeln durchsetzt) und Gefälle braucht ein durchschnittlicher Läufer vielleicht 12 oder 13 bis ca. 20 Sekunden, um 50 Meter weit zu rennen. Dazu kommt noch der Reaktionsverzug der Angreifer, wenn sie gerade erlebt haben, wie die ersten ein, zwei von ihnen mit einer Flinte niedergeschossen wurden, und sie sich entscheiden müssen: „Stürmen wir jetzt wirklich auf den Kerl zu und erledigen ihn, wobei er wahrscheinlich weitere von uns killt – oder hauen wir ab?“
Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen, und wenn mehrere Leute sich darüber abstimmen müssen, dauert das sicher ein paar Sekunden. Einer allein wird bestimmt nicht spontan ohne die anderen losstürmen und in Kauf nehmen, getötet zu werden, während die anderen sich vielleicht in Sicherheit bringen.

Wie oft könnte man in diesen 20 Sekunden mit einer Kipplauf-Flinte gezielt schießen?

Um das zu ermitteln, habe ich zusammen mit einem Schützenkameraden mehrere Versuchsserien geschossen. Die erste davon schoß der Schützenkamerad mit einer auf 49 cm Lauflänge gekürzten Einlaufflinte Baikal IJ-18 mit Ejektor wie der unten abgebildeten, die aber zusätzlich mit einem Schaftpatronenhalter wie bei der Stoeger Coach Gun zwei Bilder weiter oben (jedoch mit 6 Patronenschlaufen statt 5) ausgestattet war:

19 Baikal IJ-18kDie IJ-18 hat zwar nur einen Lauf, ist aber sehr schnell zu laden, weil man dazu nur den Entriegelungs- und Spannhebel hinter dem Abzugsbügel an den Kolben drücken muß, wodurch das Schloß bereits gespannt ist und der Lauf nach unten kippt. Außerdem braucht man bei jedem Ladevorgang nur mit einer Patrone zu hantieren.

Nahansicht einer Baikal IJ-18 (hier die Ausführung ohne Ejektor, erkennbar am fehlenden Ejektor-Abschalthebel vor dem Abzug); hinter dem Abzug ist der Sicherungsknopf zu sehen.

Nahansicht einer Baikal IJ-18 (hier die Ausführung ohne Ejektor, erkennbar am fehlenden Ejektor-Abschalthebel vor dem Abzug); hinter dem Abzug ist der Sicherungsknopf zu sehen.

Die Baikal IJ-18 hat auch keine automatische Sicherung, die man nach dem Schließen der Waffe wieder entsichern müßte, was man im Stress eines Feuerkampfes leicht vergessen kann. Stattdessen wird sie mit einem Druckknopf hinter dem Abzug gesichert.

Die Ausgangssituation war also: 6 Patronen (Rottweil Spezial Trap 24 g, 2,4 mm) am Kolben, eine im Lauf. Geschossen wurde auf eine Zielscheibe in 21 Meter Entfernung, was knapp der Hälfte der Maximalentfernung von 50 m und somit auch knapp dem Durchschnitt zwischen dieser und der unmittelbaren Nahbekämpfung der herangekommenen Angreifer entspricht.

In 20 Sekunden wurden 5 Schuß abgefeuert, plus ein sechster nach 22 Sekunden.

Die weiteren Versuchsserien habe ich mit einer Baikal IJ-27 wie der unten abgebildeten mit Einabzug und Ejektoren auf dieselbe Entfernung geschossen.

Baikal IJ-27

Baikal IJ-27

Zunächst wollte ich wissen, wie es ist, wenn man weder Patronengürtel noch Patronenhalter am Gürtel verwendet, sondern die Reservepatronen in der Hosentasche mitführt. Die Ausgangssituation war also: zwei Patronen in der Waffe, sechs im Hosensack.

Zunächst kam eine Serie über 15 Sekunden, bei der ich 4 Schuß einschließlich der Anfangsdoublette schaffte, wobei ich aber einmal nach dem Nachladen vergessen hatte, den Sicherungsschieber am Kolbenhals nach vorn zu schieben.

Die zweite Serie ging über 20 Sekunden, in denen ich wieder 4 Schuß abfeuern und danach nochmals anlegen und abdrücken konnte – aber erst da bemerkte, daß ich schon wieder zu entsichern vergessen hatte. (Ich hasse automatische Sicherungen!) Außerdem hatte ich eine Patrone zunächst verkehrt herum aus dem Hosensack gezogen, was weitere Zeit kostete.

Die restlichen beiden Serien (jeweils mit 20 Sekunden Zeit) mit der IJ-27 habe ich dann unter Verwendung des weiter oben abgebildeten Shotgun Cartridge Belt von Unkle Mike’s geschossen; als Patronensorte kam die Rottweil Fasan Jagd 28 g 2,7 mm mit Papphülse zum Einsatz.

Serie 1: 4 Schuß abgefeuert, die nächsten 2 Patronen drin, aber nicht mehr zum Abdrücken gekommen, weil die Zeit um war. Einmal wieder zu entsichern vergessen, die Patronenhülsen wurden nach beiden Doubletten aus dem oberen Lauf nicht ausgeworfen, was zusätzlich Zeit kostete (ich hasse Papphülsen!).

Serie 2: 6 Schuß abgefeuert; immer ans Entsichern gedacht, Hülsen immer ausgeworfen.

Auf gleichartige Versuchsserien mit einer Baikal MP 43 (ohne Ejektoren, was beim Hülsenentfernen Extrazeit kostet) oder einer Baikal Coach Gun (bei der nach dem Laden erst separat die Hähne gespannt werden müssen) habe ich verzichtet. Denn nachdem selbst mit einer Bockdoppelflinte realistischerweise gerade eben sechs Schüsse in 20 Sekunden zu schaffen sind, kann man davon ausgehen, daß man bei solchen Flinten ohne viel Übung nicht über vier bis fünf Schüsse hinauskommt. Bei Flinten ohne Ejektoren ist es wichtig, durch Versuche solche Patronensorten auszuwählen, die sicher leicht auszuziehen gehen und am besten überhaupt von selbst aus den Läufen fallen, wenn man diese mit der Mündung nach oben hält (was jedoch nicht in allen taktischen Lagen möglich sein wird).

Auch haben mein Schützenkamerad und ich bewußt darauf verzichtet, das Nachladen und In-Anschlag-Gehen vorher mit Pufferpatronen wie auf dem nächsten Bild zu üben. Denn es ist zwar klar, daß man durch Training die Fingerfertigkeit beim Nachladen sowie die allgemeine Handhabungssicherheit verbessern und das Entsichern nach dem Schließen einschleifen kann, aber ein gewisses Maß davon wird man allein schon brauchen, um im Stress des Ernstfalles überhaupt sicher auf die 6 Schuß zu kommen, wenn eine Gruppe von Bösewichten mit Messern, Äxten oder Metallrohren auf einen zustürmt. Mehr Übung ist immer gut, und wie z. B. die erstaunlichen Nachladezeiten versierter Revolverschützen zeigen, wird ein sehr trainingseifriger Flintenbesitzer durchaus auch auf acht oder mehr Schüsse in 20 Sekunden unter Ernstfallbedingungen kommen können (wobei Trockentraining zu Hause mit Pufferpatronen zwar gut ist, aber echtes Schießen auch wünschenswert wäre, nachdem man ja auch treffen will). Ich bin jedoch vom durchschnittlichen Normalo ausgegangen, der sich eine Flinte als Verteidigungswaffe gegen Einbrecher oder für die Zombokalypse angeschafft hat und der sich im Alltag seiner jetzigen „Normalität“ auf Dauer nur zu einem mäßigen Trainingsumfang aufraffen wird. Für diese Zielgruppe wollte ich eine ungefähre Abschätzung der Verteidigungschancen gegen mehrere Gegner präsentieren.

Noch einmal: Besser geht’s sicher, aber das kostet – sowohl Zeit als auch Mühe und Munition.

Pufferpatronen im Kaliber 12: hinten die weinrote Metallausführung von A-Zoom Ammo um € 13,95 pro Doppelpack; vorne die transparenten Kunststoffpatronen von Fritzmann um € 6,-- pro Doppelpack.

Pufferpatronen im Kaliber 12: hinten die weinrote Metallausführung von A-Zoom Ammo um € 13,95 pro Doppelpack; vorne die transparenten Kunststoffpatronen von Fritzmann um € 6,– pro Doppelpack.

Sonstige Erkenntnisse und Hinweise

Nachladen zwischendurch, nachdem man nur einen Lauf abgefeuert hat und die verbliebenen Gegner sich hinter eine Deckung verzogen haben (und noch ausreichend weit entfernt sind, daß man die kurze Unterbrechung der Schußbereitschaft riskieren kann), geht auch:
Man öffnet die Waffe, worauf bei Vorhandensein selektiver Ejektoren nur die abgeschossene Hülse ausgeworfen wird (Bild unten)…

23 Ejektoren - selektiver Auswurf

…oder zieht andernfalls (wenn die Flinte nur Auszieher hat) von den ein Stück weit herausgehobenen Patronen die leere heraus, schiebt eine frische hinein, schließt die Waffe und schiebt die Sicherung wieder nach vorn, um weiterschießen zu können. Falls die Feinde ihren Angriff wieder fortsetzen, bevor man mit dem Vorgang fertig ist, muß man eben die halb leere Flinte schnell wieder schließen und hat dann immer noch den einen Schuß wie zuvor, wobei man ebenfalls nicht zu entsichern vergessen darf (Üben!) und daran denken muß, bei Einabzug-Waffen auf den noch vollen Lauf umzuschalten (z. B. bei der Baikal IJ-27 durch Vordrücken des Abzugszüngels) oder bei Doppelabzug auf den anderen Abzug umzugreifen.

Für das Problem mit der automatischen Sicherung (die bei der Coach Gun auf jeden Fall unsinnig ist, weil sie als Hahnflinte ohnehin nach dem Schließen sicher ist, solange man die Hähne nicht gespannt hat) gäbe es die Abhilfe, daß man vom Büchsenmacher die Übertragungsstange entfernen läßt, die das automatische Sichern beim Abknicken bewirkt. Die Waffe läßt sich dann immer noch sichern, aber nur manuell. Ich weiß aber nicht, ob das rechtlich zulässig ist, und man muß jedenfalls darauf gefaßt sein, daß es rechtliche Schwierigkeiten gäbe, wenn es wegen der deaktivierten Sicherungsautomatik zu einem Unfall kommt (z. B. wenn man die Flinte jemandem gibt, der von der Deaktivierung nichts weiß oder sich aus Gewohnheit auf die automatische Sicherung verläßt und vorübergehend vergißt, daß man ihm Bescheid gesagt hat).

Patronen mit Papphülsen sind für Verteidigungszwecke nicht empfehlenswert. Sie neigen dazu, nach dem Abfeuern schwergängig ausziehbar zu sein und sich sogar dem Auswerfen durch Ejektoren zu widersetzen. Bei der Baikal MP-43 ist es mir zweimal sogar passiert, daß Hülsen der Rottweil Fasan Jagd im rechten Patronenlager so festsaßen, daß ich sie mit dem Putzstock ausstoßen mußte. Auch mit den Rottweil Waidmannsheil hat es schon Auswurfschwierigkeiten gegeben. Zwar zeigt der Umstand, daß das Ausziehen bzw. Auswerfen aus dem einen Lauf der Waffe manchmal schwerer geht als aus dem anderen, daß das auch mit der Oberflächenbearbeitung der Patronenlager zusammenhängt, sodaß das Problem bei teureren Flinten mit wahrscheinlich besser geglätteten Patronenlagern vermutlich nicht oder weniger leicht auftritt. Aber Papphülsen können auch unter widrigen Umweltbedingungen wie feuchter Witterung aufquellen und schützen auch das Pulver etwas weniger sicher vor solchen Einflüssen als Plastikhülsen. Ich kaufe deshalb schon seit einer Weile keine Patronen mit Papphülsen mehr und bin dabei, meine Bestände an „Pappenheimern“ durch Aufbrauchen auszuscheiden.

Pufferpatronen sind auch deswegen eine nützliche Anschaffung, weil Flinten zwecks Schonung der Schlagfedern nicht unnötig in gespanntem Zustand aufbewahrt werden sollen und Selbstspannerflinten nur durch Abdrücken entspannt werden können, wofür man besser Pufferpatronen in die Läufen steckt, um wiederum den Schlagbolzen und der Schloßmechanik die Belastungen des leeren Abschlagens zu ersparen.

Gehörschutz ist notwendig, um Gehörschäden durch die Dauerbelastung durch den Schußknall beim Trainingsbetrieb im Freien oder auch nur einzelner Schüsse bei einem Verteidigungsfall in geschlossenen Räumen zu vermeiden. Ohrstöpsel oder Watte reichen im Trainingsbetrieb nicht aus, weil sie nur den Gehörgang verschließen. Der Schalldruck dringt aber auch über das äußere Ohr bzw. die Schädelknochen vor, weshalb nur Kapselgehörschützer sicher schützen. Besonders empfehlenswert sind „hörende“ elektronische Gehörschützer, die mit Außenmikrofonen ausgestattet sind und normale Umgebungsgeräusche sowie Sprache per Kopfhörer ans Gehör weiterleiten, wohingegen Impulslärm elektronisch geblockt wird. Siehe dazu auch Das entscheidende Ausrüstungsstück, das bewaffnete Heimverteidiger immer vergessen von Robert Farago.

Zylinderchoke halte ich bei Verteidigungsflinten für vorteilhafter als Halb- oder gar Vollchoke. Wie die Erfahrungen bei den weiter oben geschilderten Versuche gezeigt haben, bringt ein Halbchoke – vor allem bei Verwendung von gröberem Schrot ab 4 mm – keine Verengung der Schrotgarbe, und beim Verschießen von Flintenlaufgeschossen ist die Präzision aus zylindrischen Läufen normalerweise am besten und wird immer schlechter, je stärker die Mündungsverengung durch einen Choke ist.

* * * * * * *

Siehe auch die folgenden Artikel über Waffen und Selbstverteidigung, zunächst einmal die Waffenbeiträge von mir:

Teilchenbeschleuniger
Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre
Büchsen-Licht (2): Unterhebelrepetiergewehre
Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre
Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre
Büchsen-Licht (5): Preisgünstige Zentralfeuerbüchsen
Büchsen-Licht (6): Mosin-Nagant-Gewehre
Büchsen-Licht (7): Steyr-Mannlicher „Scout“
Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31
Büchsen-Licht (9): Praxistest Kurzkarabiner FR 8
Hülsenfrüchte 1: Schrotpatronen für Faustfeuerwaffen
Orkspalter: Äxte, Beile, Tomahawks

sowie:

Sturmabwehr: Die Attacke auf den Damm von Dunkler Phönix und mir
Ohne Waffen von Kairos
Informationen für Schießwütige – Waffenrecht in der BRD von Dunkler Phönix
Ratgeber: Selbstverteidigung für Frauen von Dunkler Phönix
Zombokalypse von Dunkler Phönix

Das entscheidende Ausrüstungsstück, das bewaffnete Heimverteidiger immer vergessen von Robert Farago
Leuchtpistolen und ihre Wirkungen von Siegfried F. Hübner
Was man alles aus .38-Special-Revolvern verschießen kann von Thomas Hartl
Der Schuss durch die Tasche von Hans-Jörg Signer und Peter Ernst Grimm
Was leisten Kleinkaliberpatronen? von Marcel Geering
Nationales Waffenregister: Alles für die Tonne? von Andreas Skrobanek

Die Wirksamkeit von Polizei- und Verteidigungsflinten von Dipl.-Ing. Manfred Ertl
Moderne Armbrüste von Laszlo Tolvaj
Der Weitschuß mit der Pistole von Beat Kneubühl
Worauf es bei der Schießausbildung von Privatpersonen hauptsächlich ankommt von Marcel Geering
Rasches oder taktisches Nachladen? von René Smeets
Drei Kurze bitte! Zielballistik von Taschenrevolvern in .38 Special und .357 Magnum von Tino Schmidt und Stefan Perey

Die Fechtschule „Alte Kampfkunst“

Was befindet sich in einem Waffenschrank der Taliban? von C. J. Chivers
Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski von P. T. Kekkonen
Kampfeinsatz-Tips von Andy McNab aus „Die Männer von Bravo Two Zero“
Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß von Robert Bruce

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Deep Roots abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Teilchenbeschleuniger 2: Verteidigung mit Kipplauf-Flinten

  1. Deep Roots schreibt:

    Ich habe jetzt im Originalartikel noch eine Ergänzung über das Nachladen zwischendurch nach nur einem abgefeuerten Schuß eingefügt (unter „Sonstige Erkenntnisse und Hinweise“).

  2. Cernunnos schreibt:

    Danke – hab‘ ich nun hier auch übernommen!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s