Wirksamkeit und Gefahren von Gaspistolen

Testen der Verbreitung von Gaswolken aus einer Gaspistole.

Testen der Verbreitung von Gaswolken aus einer Gaspistole.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus Heft 9-1991 des Schweizer „Internationalen Waffenmagazins“.

Tränengaswaffen sind wegen ihrer unsicheren Wirkung und ihres hohen Gefährdungspotentials umstritten. Bei der Verteidigung gegen unbewaffnete Gewalttäter können sie bei richtiger Anwendung jedoch noch zweckmäßig sein.

Unsere Schweizer Leser werden sich vielleicht wundern, daß den Tränengaswaffen hier ein Beitrag gewidmet wird, wo doch in den meisten Kantonen Gaswaffen den gleichen Erwerbs- und Tragevorschriften unterliegen wie die um Klassen wirkungsvolleren scharfen Faustfeuerwaffen. Ganz anders sieht die Situation jedoch in Deutschland aus, wo ihr Erwerb und ihr Führen nur geringen Beschränkungen unterliegt, während zur Anschaffung einer scharfen Waffe eine äußerst schwierig zu erringende Waffenbesitzkarte nötig und eine Trageeerlaubnis für Privatpersonen praktisch unerreichbar ist.

Ob die gestiegenen Verkaufszahlen von Gas- und Signalwaffen auf ein gesteigertes Schutzbedürfnis der Bevölkerung auf dem Hintergrund ständig zunehmender Kriminalitätsraten zurückzuführen ist, mag dahingestellt bleiben. Auffällig ist jedoch die Aussage etlicher Waffenhändler, daß ihre Kunden als Kaufmotiv oft den Wunsch nach einer Verteidigungswaffe angeben. Ein anderer Grund mag sein, daß in einem Land, in dem das Interesse an Waffen und Waffensammeln mit so vielen Restriktionen belegt ist, wie gerade in Deutschland, sich die Nachfrage gezwungenermaßen auf das Gebiet der wenigen freien Waffen verlegt.

Große Verbreitung der Gaswaffen

Die große Verbreitung dieser Waffenart in unserem Lesegebiet läßt es sinnvoll erscheinen, sich mit ihrer Wirksamkeit und ihren Gefahren auseinanderzusetzen.

Das Grundprinzip der Gaspistolen und –revolver ist einfach: Eine kleine Treibladung in der Patrone verschwelt den kristallinen Wirkstoff, meist CS (o-Chlorbenzylidenmalodinitril) und treibt diesen durch den Lauf auf den Angreifer zu. Der gasförmige Reizstoff bewirkt dann bei genügend hoher Konzentration Haut- und Schleimhautreizungen der Augen, der Nase und des Rachens, die bis zur Handlungsunfähigkeit führen können. Dabei bewegen sich die Grenzkonzentrationen, die binnen Sekunden zu Reizwirkungen führen können, zwischen ca. 2 und 10 Milligramm pro Kubikmeter.

Die zentrale Frage bezüglich der Wirksamkeit dieser Waffen ist, ob die Kampfunfähigkeit des Angreifers so schnell eintritt, daß sie verteidigungswirksam wird.

Um dies festzustellen, haben wir die Ausbreitung der Gaswolke vor der Mündung einer Gaspistole mit einer Motorkamera (5 Bilder pro Sekunde) aufgenommen und andere, praxisorientierte Versuche durchgeführt.

Bei der zeitlichen Auflösung des Ausbreitungsvorgangs zeigt sich folgendes: In den ersten 0,5 Sekunden nach der Schußabgabe breitet sich die Reizstoffwolke nahezu explosionsartig bis 1,5 m vor der Mündung aus. Hier hätte ein potentieller Angreifer keine Zeit, sich der Wirkung zu entziehen. Danach verlangsamt sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit schnell durch die Reibung mit der Luft. Nach etwa 1,5 Sekunden kommt die Reizstoffwolke zum Stillstand und breitet sich ungerichtet nach allen Seiten aus.

Bilder von oben nach unten: Verbreitung einer Reizgaswolke nach dem Schuß. Die Marken (Dreiecke) sind jeweils einen Meter voneinander entfernt.

2a Gaswolke

2b Gaswolke

2c Gaswolke

Da ein mit einer Gaswaffe Beschossener bestrebt sein wird, der Gaswolke auszuweichen, ist für die Untersuchung der Wirksamkeit schwerpunktmäßig der Zeitraum maßgebend, in dem die Reizstoffwolke zielgerichtet und mit ausreichender Geschwindigkeit in Schußrichtung strömt.

Wenn sich das Reizstoffgemisch nicht mehr in Zielrichtung bewegt und sich nur noch im Raume verteilt, ist seine Wirksamkeit als Verteidigungsmittel nicht mehr gegeben, da sich die Zielperson dann leicht aus dem Wirkungsbereich begeben kann und weil die weitere Ausbreitung nicht mehr dem Willen des Anwenders unterliegt, sondern von zufälligen Umwelteinflüssen abhängt. Daher sind für die Beurteilung von Gaswaffen und ihrer Munition die maximale zielgerichtete Ausbreitung der Reizstoffwolke, ihre genügend hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit und die zureichende Konzentration die entsprechenden Kriterien.

Die bei unseren Untersuchungen verwendeten 9 mm-WADIE-Zentralfeuer-Gaspatronen enthalten 80 mg CS und produzieren Reizstoffsäulen von ca. 3 m Länge und 1 bis 1,5 m Durchmesser mit genügend reizerzeugender Konzentration. In geschlossenen Räumen, in denen eine oder zwei Gaspatronen abgefeuert worden waren, war die Reizwirkung immerhin so stark, daß der Aufenthalt darin unmöglich wurde.

Nun produziert die geringe Reizstoffmenge in den in Deutschland zugelassenen Gaspatronen (in Frankreich vertriebene Patronen sind z. B. meist beträchtlich stärker) relativ schwache Wirkstoffkonzentrationen, so daß die Wirkung erst mit einer gewissen Verzögerung eintritt. Die entscheidende Frage im Bezug auf die Eignung als Verteidigungsmittel ist aber nicht, ob überhaupt eine Reizwirkung auftritt, sondern ob sie so schnell und mit solcher Intensität eintritt, daß sie einen Angriff beenden kann.

Es ist also zu überprüfen, bis zu welcher Entfernung vor der Mündung sich ein Angreifer der Reizstoffwolke nicht durch einen Sprung zur Seite entziehen kann und wie lange es nach dem Kontakt mit dem Reizstoff noch dauert, bis er wirkt.

Testwaffe: Noris-Derringer

Als Testwaffe verwendeten wir einen glattläufigen Derringer der Marke Noris im Kaliber 9 mm Zentralfeuer. Die Läufe (bzw. Trommeln) von Gaswaffen sind in Deutschland obligatorisch mit Einbaustegen oder Verengungen versehen, damit daraus keine scharfe Munition verschossen werden kann. Verengte Trommelbohrungen, versetzte Läufe oder starke Laufverengungen können die Wirkung reduzieren. Die beiden kalibergroßen Läufe der Testwaffe waren nur mit schmalen Einbaustegen ausgestattet, was eine maximale Wirkung der Gaspatronen versprach.

Noris-Derringer mit zwei 9 mm WADIE-Zentralfeuer-Gaspatronen mit je 80 mg CS-Reizstoff.

Noris-Derringer mit zwei 9 mm WADIE-Zentralfeuer-Gaspatronen mit je 80 mg CS-Reizstoff.

Bei den praktischen Versuchen zeigten sich folgende Ergebnisse: Ab einer Entfernung von ca. 2 m war es dem Angreifer praktisch immer möglich, sich der Wirkung des Reizstoffes durch einen schnellen Sprung zur Seite oder durch Zurückweichen zu entziehen. Bei Kontakt mit der Reizstoffwolke tritt immer eine Reizwirkung ein, allerdings mit einer Verzögerung von einigen Sekunden. Zwar führt diese Reizwirkung zu einer bedingten Kampfunfähigkeit, doch war es bei Entfernungen um die 3 m immer möglich, durch die Gaswolke auf den Schützen zuzustürmen und ihn – im Falle unseres Experiments mit einem Gummimesser – zu attackieren. Alle unsere Versuche wurden in großen, geschlossenen Räumen durchgeführt, bei anderen Umweltbedingungen (bei Wind, im Auto usw.) könnten die Ergebnisse natürlich stark abweichen. Von eigenen Versuchen ist übrigens strikt abzuraten.

Bevor wir zu den möglichen Schlußfolgerungen im Bezug auf den praktischen Einsatz von Gaswaffen kommen, einige Anmerkungen zum Gefährdungspotential dieser Waffen: Die augenärztliche und gerichtsmedizinische Fachliteratur weist eine große Anzahl von Augenverletzungen, hervorgerufen von Tränengaswaffen, aus. Diese Verletzungen beruhen meist auf Schüssen aus kurzer Entfernung ins Gesicht des Betroffenen. Dabei werden Pulverteilchen und unverschwelte CS-Partikel ins Auge eingesprengt. Diese Einsprengung von chemisch aggressiven Substanzen führt oft zu irreversiblen Augenverletzungen, manchmal gar zum Augenverlust.

Die in der Fachliteratur dokumentierten Fälle beziehen sich auf Schußentfernungen bis zu 1,7 m, bei denen unmittelbar ins Gesicht geschossen wurde. Bei zu alten Patronen und dadurch bedingter Verklumpung von Pulver und Reizstoff könnten aber auch bei weiteren Schußentfernungen ernsthafte Augenverletzungen entstehen. Der Beschuß von 0,4 mm starkem Fotokarton zeigte tiefe Einsprengungen bei Schußentfernungen unter 0,7 m und Beschmauchung bei Entfernungen unter 1,5 m. Bei Nahschüssen unterhalb von 20 cm ist mit der Zerstörung der Sehorgane durch Druckeinwirkung zu rechne, bei aufgesetzten Schüssen ist es durch die starke Druckwirkung schon zu Todesfällen gekommen.

Dies bedeutet, daß sich jeder, der eine Gaswaffe verwenden will, Gedanken über die Verhältnismäßigkeit ihres Einsatzes machen muß, um zum Schluß nicht selbst wegen Körperverletzung oder Notwehrüberschreitung vor Gericht zu stehen. Auf das Gesicht des Angreifers sollte man ohnehin nur zielen, wenn seine schwere Verletzung in Kauf genommen werden kann.

Die große Spanne zwischen relativer Wirkungslosigkeit auf weitere Entfernungen und extremer Gefährdung des Augenlichts bei Nahschüssen ist der Hauptgrund, warum Gaswaffen so umstritten sind. Da diese Waffen jedoch weit verbreitet sind und es für die meisten Privatleute in Deutschland kaum andere Alternativen auf dem Sektor der Selbstverteidigung gibt, einige Verhaltensregeln für den Umgang mit ihnen.

Gaswaffen sind nicht geeignet, um einem mit einer Schußwaffe bewaffneten Gegner entgegenzutreten; bei einem Schußwechsel wären die Chancen zu ungleich verteilt.

Bei Konfrontationen, z. B. mit einem unbewaffneten Schläger, können Gaswaffen die Verteidigungschancen etwas verbessern; man sollte als Haltepunkt grundsätzlich den Rumpf des Angreifers wählen, um nicht in eine Notwehrüberschreitungs-Affäre zu geraten.

Wirkungslos auf weitere Distanzen

Schüsse auf Angreifer, die mehr als 3 m entfernt sind, sind wirkungslos. Nur extrem gefährliche Angriffe rechtfertigen jedoch den Nahschuß ins Gesicht des Angreifers.

Da zwischen der Schußabgabe und dem Eintreten einer Wirkung einige Sekunden vergehen, sollte man schnell einen oder zwei Schüsse abgeben und dann entgegen der Schußrichtung davonlaufen. Will der Angreifer seine Attacke fortsetzen, muß er die Reizstoffwolke durchqueren und setzt sich so ihrer Wirkung noch stärker aus.

Die Waffe sollte zugriffbereit (z. B. in einem Holster) geführt werden; für ein Kramen in der Handtasche oder im Handschuhfach des Autos bleibt meist keine Zeit; außerdem geht dadurch der Überraschungseffekt verloren.

In geschlossenen Räumen sollte man Gaswaffen nur dann einsetzen, wenn man sich durch Flucht ihrer Wirkung selbst entziehen kann. In offenem Gelände ist auf Gegenwind zu achten, der die Reichweite nicht nur erheblich verringert, sondern auch verursachen kann, daß sich der Schütze selbst ausschaltet.

Fazit: Gaswaffen sind ein sehr problematisches Verteidigungsmittel, am ehesten noch geeignet, unter Wahrung jeglicher Vorsicht einen Angriff mit brachialer Gewalt abzuwenden. Aber da ist Ausreißen eigentlich noch die bessere Lösung…

* * *

Anhang „Munition für Gaswaffen“:

Anmerkung von Cernunnos: Ergänzende Informationen zu Gaswaffen bringt Manfred Ertl in einem Folgeartikel in IWM 4/92 mit dem Titel „Munition für Gaswaffen“, den ich aber nicht zur Gänze nachveröffentlichen mag, sondern hier nur gekürzt als Anhang anfüge:

Waren vor einem Jahrzehnt nur einige wenige Standardkaliber auf dem Markt, so findet man heute eine breite Palette von Knall- und Gaspatronen, die sich nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in ihrem Aufbau und in dem verwendeten Treibpulver und Reizstoff unterscheiden. Am auffälligsten sind natürlich die Unterschiede im Kaliber und in der Größe.

Hier existieren nahezu analog zur scharfen Munition .22er-Randzünder und größere Patronen mit Zentralfeuerzündung. Auch die Aufteilung in Pistolen-Patronen ohne Rand mit Auszieherrille (Kaliber 8 mm, 9 P.A., .35) und in Revolver-Patronen mit Rand (9 mm, .45 short) zeigt gewisse Parallelen zu den „scharfen“ Waffen.

Dabei läßt sich der Trend zu immer größeren Patronen nicht unbedingt von der Funktionalität her ableiten. Sieht man einmal von den .22er-Patrönchen ab, bereitet es keine Mühe, die gesetzlich zulässige Reizstoffmenge in 8 mm- oder 9 mm-Patronen unterzubringen.

Wozu dann neue Kaliber mit fast doppelt so großem Patronenvolumen? Auch die Vermutung, größere Hülsen können mehr Treibladungspulver aufnehmen und ergeben so eine größere Reichweite, macht wenig Sinn, da der Gesetzgeber den zulässigen Gasdruck für diese Munition je nach Kaliber auf 200 bis 450 bar begrenzt hat.

Außerdem ist es überaus fraglich, ob ein höherer Gasdruck wirklich zu größeren Reichweiten führt. Bei schnellen Gasströmungen aus einer Düse, und darum handelt es sich physikalisch bei dieser Waffenart, bringt eine Druckerhöhung nicht unbedingt mehr Reichweite.

Keine Vorteile für Superkaliber

Auch in praktischen Versuchen ließ sich ein direkter Zusammenhang zwischen Patronengröße und Ausdehnung der sichtbaren Gaswolke nicht feststellen. Weit größer ist hier der Einfluß der jeweils verwendeten Waffe.

Breite des Trommelspaltes, Trommel-Lauf-Versatz und die Art der Lauf-Einbauten wirken sich auf die Ausbildung der Strömung und damit auf die Ausbreitung des Reizstoffes aus. Lediglich die sehr kleinen 6 mm/.22-Kaliber scheinen etwas unterdimensioniert zu sein.

Hier werden weder die zulässigen Reizstoffmengen voll ausgenutzt, noch erreicht die sichtbare Gaswolke aus diesen Waffen die Größe und Reichweite der stärkeren Kaliber. Sieht man also von den .22er-Winzlingen ab, sollte man mehr Wert auf die Wahl der Waffe als auf das Kaliber legen.

Da die größten Patronen nicht unbedingt auch eine bessere Verteidigungswirkung bringen als die 8 mm- oder 9 mm-Kaliber, und in diesen Kalibern leichte, gut verdeckt tragbare Pistolen und Revolver existieren, dürften hier wohl die geeignetsten Verteidigungsmittel zu finden sein.

Da die Kriterien für scharfe Waffen, wie große Lauflänge, hohe Magazinkapazität oder eine lange Visierlinie, bei dieser Waffenkategorie wenig Sinn machen, fragt man sich, wieso ein derartig breites Sortiment – vom Mini-Revolver bis zu Nachbauten von großkalibrigen Magnum-Selbstladepistolen – angeboten wird.

Die Gründe hierfür liegen wohl weniger in rationalen Überlegungen bezüglich des Leistungsvermögens der Goliath-Ausführungen, sondern mehr im Bereich des Sammlertums und des Spaßes an preiswerten, erwerbsscheinfreien Großkaliberwaffen – zumindest in Deutschland; in der Schweiz sind Gaspistolen oder –revolver erwerbsscheinpflichtig.

Neben der Größe ist auch der Aufbau dieser Munition interessant. Hier existieren zwei Haupttypen: die gebördelten Randpatronen 9 mm und -45 short und die mit einer Plastikkappe verschlossenen Pistolenpatronen. Da sich die Sollbruchstellen wesentlich genauer fertigen lassen, als der gebördelte Verschluß, treten bei den Patronen mit Plastikkappen geringere Gasdruckschwankungen auf, was sie besonders für Pistolen geeignet macht.

Ein anderer Vorteil des Plastikverschlusses ist die absolut dichte Abkapselung des Reizstoffes. Der Wirkstoff ist dabei in einer einteiligen Kuststoffhülle untergebracht, die hinten von einer Folie verschlossen ist, welche Reizstoff und Treibladung trennt. Bei gebördelten Patronen bleibt in der Mitte der Faltung immer ein Loch, das mit einem Silikon- oder Wachstropfen verschlossen wird. Ist dieser Tropfen nicht völlig dicht, kann Reizstoff auch bei Raumtemperatur in geringen Mengen verdampfen, was sich nicht nur beim Öffnen der Packung als unangenehmer Geruch bemerkbar macht, sondern bei längerer Lagerung zur Verringerung der Wirkung führt. Aus diesen Gründen fertigt SM Rhöner ab diesem Jahr auch die 9 mm-Rand-Patronen mit Plastikverschluß.

Als Treibladung setzt sich Nitropulver immer mehr durch, da dieses die Waffen erheblich weniger verschmutzt, als das früher stärker verwendete Schwarzpulver.

Einer der Gründe dafür, daß CS das CN heute im zivilen Bereich fast völlig verdrängt hat, liegt darin, daß es bei geringerer Giftigkeit eine bessere Reizwirkung bei niederen Konzentrationen hat.

In der Patrone liegt der Reizstoff als kristalline Substanz vor und wird beim Schuß von der Treibladung verdampft und in Zielrichtung getrieben. Dabei wird der Wirkstoff auf Grund der geringen Einwirkungsdauer der heißen Pulvergase allerdings nicht völlig verdampft, sondern teilweise in Partikelform ausgestoßen.

Was man also als „Gaswolke“ vor der Mündung sieht und auch fotografieren kann, ist eigentlich ein Gemenge aus Rauchteilchen der Treibladung und unverdampften Partikeln des Reizstoffes. Das ebenfalls in der Wolke enthaltene gasförmige CS ist in diesen geringen Konzentrationen unsichtbar.

Die unvollständige Verdampfung ist aber nicht unbedingt negativ zu sehen, da selbst kleine kristalline Partikel größere Reichweiten erzielen als einzelne Gasmoleküle. Der Pferdefuß an dieser Sache ist nur, daß diese winzigen Kristalle durchaus auch Augenverletzungen verursachen können. Ein Beschuß von weichen Materialien, wie z. B. Wachs, zeigt bei einer Entfernung unter einem Meter Einsprengungen von Pulver und CS-Teilchen bis 1,5 mm Tiefe.

* * *

Anmerkung 2 von Cernunnos: Siehe auch den auf „As der Schwerter“ ab diesem Kommentar von Amalek entstandenen Austausch zu diesem Thema.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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6 Antworten zu Wirksamkeit und Gefahren von Gaspistolen

  1. Cernunnos schreibt:

    Dieser Artikel ist zwar schon über zwei Jahrzehnte alt, bietet aber trotzdem auch für heutige Nutzer interessante Informationen, weil sich an der angebotenen Munition seither nicht allzu viel geändert haben dürfte.

    Bei der relativ geringen und verzögert einsetzenden Wirkung eines Reizstoffschusses und der daraus folgenden Notwendigkeit, im Verteidigungsfall mehrere Schüsse abzugeben, halte ich es für ratsam, sich – falls man bei der Verteidigung auf Gaswaffen beschränkt ist – Pistolen mit mehrschüssigem Magazin oder Gasrevolver zu beschaffen. Bloß zweischüssige Derringer wie der im Artikel verwendete bieten ja nur die äußerste Mindestmenge an Patronenkapazität für so eine Situation und empfehlen sich höchstens wegen der noch kompakteren Bauweise. Dafür sind sie aber auch in der Handhabung schwieriger.

    Zu bedenken ist bei der Anschaffung von Gaspistolen auch, daß deren Besitz und Führen im Falle der Umsetzung der aktuell zum Beschluß anstehenden neuen EU-Waffenrichtlinie beträchtlich erschwert werden soll und eine Gleichstellung mit scharfen Faustfeuerwaffen vorgesehen ist. Falls diese Richtlinie durchgeht, muß sie innerhalb von drei Monaten nach Verkündung von den EU-Mitgliedsstaaten in „nationales Recht“ umgesetzt werden!

  2. Amalek/P.H. schreibt:

    es hat sich seitdem auch an der munition etwas geändert.seit ca.1994 wurde in einem europaweitem abkommen der munitionsdruck erheblich geschwächt.hatten die kartuschen bis dato noch einen maximaldruck von 600 bar,so wurde dieser reduziert auf 450 bar.einige hersteller unterschreiten selbst diesen noch in vorauseilendem gehorsam.auch wurden ab 94 keine ptb zulassungsnummern mehr für waffen im cal.8mmk erteilt,da frühe exemplare mit ein wenig geschick umgebaut werden konnten auf das scharfe cal. 6.35 (hier sei gerade die reck pk 800 mit der ptb 196 erwähnt,massiver stahllauf,ungeschwächtes patronenlager,laufsperre ein witz-die fiel oft schon nach wenigen schuß von selbst aus dem lauf).auch die reck marie g5 protektor mit der ptb 12,wobei man unbedingt darauf achten muß das es ein modell aus dem beschußjahr 1974 ist,da diese version quasi eine rückgebaute scharfe waffe ohne laufgewinde für pyromunition ist.der laufinnendurchmesser des massiven stahllaufes beträgt exakt 6.35 mm und die laufansicht hat eine sehr abschreckende wirkung,da die laufsperre selbst bei lichteinfall nicht zu sehen ist.ein rückbau ist spielend leicht zu bewerkstelligen mit dem nötigen werkzeug , wie passender reibahle etc (das soll jetzt keine anleitung oder ein aufruf werden sich diese waffen zu besorgen ,z.b. bei e-gun auktionen,da sie immer noch legal ab dem 18.lebensjahr frei erworben werden können.das verbot beschränkt sich nur auf die herstellung von waffen dieses kalibers).
    ich schweife ab.jedenfalls da waffen mit dem cal.8mm keine zulassung mehr bekamen,wurde damals als ersatz das cal. .315k auf den markt geworfen.dieses cal. glänzt vor allem durch zuführungsstörungen ins kartuschenlager,bei fast allen erhätlichen waffen in diesem kaliber!
    wer mehr infos will,z.b. eine liste mit lohnenswerten ptb nummern,kann sich ja melden.darunter sind sehr schöne exemplare,auch für sammler geeignet,da viele aus den 60-anfang 80er jahren einfach ehemalige scharfe waffen waren die man behelfsmäßig umbaute,oder aber viele teile mit ihren scharfen brüdern die meist paralel produziert wurden , gemeinsam haben.erwähnt seien hier die legendären erma egp75 und erma egr 66x.das waren qualitativ die hochwertigsten schreckschußwaffen.

  3. Cernunnos schreibt:

    Danke für die Zusatzinformationen, Amalek. Ich habe inzwischen einen weiteren Artikel von Manfred Ertl zu diesem Thema in gekürzter Form an den obigen drangehängt. Die Gasdruckbegrenzung auf 450 bar wird darin ebenfalls erwähnt.

  4. Amalek/P.H. schreibt:

    @cernunnos: gern geschehen , keine ursache.bezüglich der munition bei kal.8mmk rate ich im übrigen bei dementsprechender ungeschwächter waffe zu restbeständen der alten munition mit 600 bar.erstens gewährleisten sie ein störungsfreies repetieren der waffe und zweitens lassen sich bei ein wenig begabung nette sachen mit viel abwehrpotential daraus bauen.
    nur soviel am rande.ich wurde vor ca.20 jahren von einer horde eseltreiber und mulihirten an einer tankstelle umzingelt.während das obergroßmaul wie in einem gangsta-filmchen mit seiner nicht durchgeladenen und gesicherten billig 9mm herumfuchtelte und meinen „ich bin stolz ein deutscher zu sein “ aufnäher bewunderte,zog ich kurzer hand meine reck pk 800 (walther ppk klon),geladen mit alter 600 bar munition die mit ätherischem groben vogelsand bestückt war….
    das ende der geschichte-viele alis rannten wie aufgescheuchte hühner davon und der möchtegern gangsta trägt bis heute meine signatur in seiner häßlich visage und wechselt sogar heute noch die straßenseite wenn er mich sieht!

  5. Amalek/P.H. schreibt:

    übrigens dieser norris derringer „twi-nine“ oben im bild,ist äußerst interessant für bastler.er verfügt mit der ptb nr.276 ,gegenüber den nachfolgemodellen „norris twinny“ mit den ptb nr.550 und aktuell 599 , noch über ein komplett abschraubbares laufbündel.mehr sag ich jetzt mal nicht dazu 😉

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