Es ist nicht unmöglich

Josef-Stalin-Fallen-statue

Von Alex Kurtagic, übersetzt von Deep Roots. Das Original It’s Not Impossible erschien am 1. August 2011 im Occidental Observer.

Ich schrieb kürzlich über das Mantra “Schlimmer ist besser“, dem man so häufig an gewissen Rändern der Rechten begegnet. Ich äußerte meine Ansicht, daß dieses Mantra eine Form von Tatsachenverdrängung ist, ein Teil einer therapeutischen Fantasie, wo der Zusammenbruch der gegenwärtigen herrschenden Ordnung auf magische Weise die weiße Vorherrschaft in traditionellen weißen Heimatländern wiederherstellen wird.

Ich fügte hinzu, daß das Mantra benutzt wird, um Untätigkeit zu rationalisieren und die Hoffnung unter jenen aufrechtzuerhalten, die sich als machtlos sehen, die das Gefühl haben, daß sie im liberalen System Verlierer sind und ihnen die kreative Energie fehlt, um etwas dagegen zu tun.

Der Grund ist, daß „Schlimmer ist besser“ nur dann Sinn ergibt, wenn derjenige, der das Mantra ausspricht, Teil einer glaubwürdigen Bewegung ist, die in der Lage ist, aus einem Systemzusammenbruch eine Vormachtstellung zu gewinnen, und aktiv daran beteiligt ist, diesen Zusammenbruch herbeizuführen, um den Weg freizumachen.

Ich argumentierte, das aufgewachte Weiße, wenn wir von einem Systemzusammenbruch profitieren sollen, jetzt für die Welt nach dem Kollaps bauen müssen, weil ansonsten der starke Mann, der aus dem Chaos hervorgeht, wahrscheinlich eine feindliche Fraktion anführen wird.

Ich argumentierte auch, daß politische Macht die letzte Stufe wäre und die Existenz eines wesensverwandten kulturellen Kontexts voraussetzen würde, der diese Macht legitimiert, weshalb unser Kampf heute sich um die Kultur drehen muß – selbst wenn das letztendliche Ziel die rassische Erhaltung ist.

Traurigerweise ist die Vorstellung eines kulturellen Wandels für manche schwierig zu akzeptieren. Sie stellen ihn sich als eine gottähnliche Aufgabe vor, die so riesig ist, daß es absurd ist, wenn irgend jemand überhaupt darüber redet.

Und doch ist es nicht so. Tatsächlich muß man nicht allzu alt sein, um miterlebt zu haben, wie die westliche Kultur von einer entschlossenen Minderheit innerhalb von Jahrzehnten verändert wurde.

Kevin MacDonalds The Culture of Critique liefert dem Skeptiker lehrreiche Hinweise darüber, wie und warum dies getan wurde und wie sehr wenige dieses Bestreben anführten. Antonio Gramscis Prison Notebooks liefert die Gründe der Marxisten und umreißt die Methode.

Theodor Adorno

Theodor Adorno

Zu Hause

Weil die Konsequenzen enorm sind, ist es so leicht zu glauben, daß die Veränderung der Kultur – oder genauer gesagt die Art, wie sie von der herrschenden Interessengruppe konfiguriert wurde, um ihren Interessen zu dienen und ihre Hegemonie fortbestehen zu lassen – enorme Macht erfordert.

Aber das Projekt, so enorm es auch ist, hat eigentlich prosaische Anfänge.

Es beginnt zu Hause, indem der Autor seine Feder zur Hand nimmt, der Maler seinen Pinsel und der Musiker sein Instrument.

Mit der Zeit gibt es ein wachsendes Schaffenswerk, das kraft gleichgesinnter Autoren, Künstler und Musiker, die einander anziehen, beeinflussen und inspirieren, Synergien erzeugt. Netzwerke, Schulen und Traditionen folgen.

Für jemanden ohne künstlerisches oder intellektuelles Talent mag dies simplistisch erscheinen; immerhin grenzt die Schaffung verdienstvoller Werke (der Artefakte der Kultur), ganz zu schweigen von überragenden Werken, für solch eine Person an Magie. Für jemanden mit Talent ist dies jedoch etwas Natürliches. Er/sie mögen extrem hart an ihren Projekten arbeiten, und das Ergebnis mag in Qualität variieren, selbst wenn der Schöpfer sehr überragend ist, aber sich an diesen Projekten zu beteiligen, ist ein Drang, daher kann eine kritische Masse erreicht werden, wenn genug solcher Leute zusammenfinden.

Max Horkheimer und Theodor Adorno

Max Horkheimer und Theodor Adorno

Unter Freunden

Das nächste Stadium ist die Bildung von formellen und informellen Vereinigungen, Clubs und Foren; die Organisierung von Instituten, Zentren, Denkfabriken und Verlagsfirmen; die Gründung von Journalen, Magazinen, Zeitungen und Webseiten, und die Schaffung von Statussystemen wie Preiskomitees, Preisen und Berufshierarchien.

Susan Sontag

Susan Sontag

Wiederum mag dies als leichter gesagt als getan erscheinen, weil gewöhnliche Leute zur Vorstellung neigen, daß jedes dieser Dinge Millionen von Dollars erfordert. Sie stellen sich das vor, weil sie typischerweise nur mit den großen Namen vertraut sind, die ihnen in ihrem täglichen Leben begegnen – den Leuten, die den Reichtum, die Macht und Legitimität etablierter Institutionen genießen, finanziert von einer großen Zahl von Menschen oder ansonsten von Menschen mit einer großen Menge Geld, entweder weil sie zum Mainstream gehören oder weil sie einen Teil der herrschenden Ordnung ausmachen.

Aber wir dürfen uns nicht täuschen lassen.

Sehr viele der Obigen begannen und beginnen damit, daß ein paar (oder eine Gruppe) von Freunden und Kollegen zusammenkommt. Die Finanzierungserfordernisse variieren natürlich, aber viele erfordern nicht viel materiellen Aufwand, um anzufangen, und viel kann erreicht werden, indem man in den Anfangsstadien Zeit oder Fähigkeiten austauscht. Außerdem wird die fragliche Organisation, sobald sie gegründet wurde und die Arbeit als wertvoll wahrgenommen wird, wahrscheinlich andere anziehen, die ihr Talent und ihre Ressourcen mitbringen werden.

Mächtige marxistische und jüdische intellektuelle Bewegungen fingen klein an. Die Bewegung der Freud’schen Psychoanalyse begann in Freuds Studierzimmer mit einer Monographie von ihm über aphasische Kinder. Die Boas’sche Anthropologie begann, während Boas mit Museumskollektionen arbeitete. Die New Yorker Intellektuellen waren nichts weiter als eine Gruppe gleichgesinnter Schriftsteller und Literaturkritiker, im Wesentlichen ein Netzwerk von Freunden und Mitläufern. Und so weiter. Die Millionen, die Macht und der Einfluß kamen später, durch aktive Vernetzung und die Produktion eines unverwechselbaren Schaffenswerkes, geleitet von persönlichen Voreingenommenheiten oder einer Vision. Charismatische Führerschaft spielte eine Rolle, aber nicht immer: Die New Yorker Intellektuellen hatten keinen Führer.

Für diejenigen, denen jüdische intellektuelle Bewegungen als unpassendes Beispiel erscheinen, weil Juden entscheidende Eigenschaften haben, die für sie eigentümlich sind, und jene Eigenschaften eine Rolle beim Erfolg jüdischer Bewegungen gehabt haben, können wir „arische“ Beispiele im Privatsektor finden: Personalcomputer haben die Art revolutioniert, wie wir arbeiten, uns entspannen und kommunizieren, aber Apple Computers wurde von einem jungen Kerl in einer Garage gegründet, und Microsoft von einem Streber an einem College-Campus.

Herbert Marcuse und Fans

Herbert Marcuse und Fans

Mythos und Kritik

Zur Veränderung einer Kultur gehört nicht bloß die Produktion und Konstruktion einer Gegenkultur – dies ist  das, was ich oben umreiße und was wir uns als mystifizierende oder Mythos-Strategie vorstellen können. Es erfordert auch Zerstörung und Dekonstruktion – was wir uns als eine Strategie der Kritik vorstellen können.

Das Ziel der Kritikstrategie ist es, das Establishment zur Selbstzerstörung zu veranlassen, indem man es dazu zwingt, sich selbst auf fundamentaler Ebene in Frage zu stellen – das heißt, nicht bloß die Legitimität seiner Führer oder seiner Macht, sondern seiner zentralen Werte und Ideale.

Dies wird im Allgemeinen erreicht durch Angriffe, die dazu bestimmt sind, die Prinzipien des Establishments zu entmystifizieren, seine Kategorien zu destabilisieren, seine Widersprüche bloßzulegen, seine Kosten zu erhöhen und einen streßvollen Prozeß der Seelenerforschung, Überreaktion und Selbstrechtfertigung zu provozieren.

Zu diesem Prozeß gehören Wissenschaftler, Intellektuelle und ein ständiger Strom einzelner Kampagnen, die von ihrer Forschung und theoretischen Arbeit geprägt und von mannigfaltigen, spezialisierten Aktionsgruppen geführt werden, die sich auf einzelne, gewinnbare Streitfragen konzentrieren.

In anderen Worten, er bezieht eine Form von Guerillakrieg ein: die Amtsinhaber an ihrem schwächsten Punkt zu treffen und schnell zum nächsten Ziel weiterzuziehen.

Dadurch wird das Establishment immer in jeweils einer Sache untergraben, an mehreren Fronten, und das ständig; es erleidet den Tod durch tausend Schnitte – nur daß viele davon selbst zugefügt sind, denn Selbstzweifel führt zur Selbstverstümmelung.

Das Institut für Sozialforschung (die Frankfurter Schule) und der Feminismus folgten Strategien der Kritik, während die Freud’sche Psychoanalyse und die radikale Linke Kritik mit Strategien individueller Mythen kombinierten.

Antirassistische Aktivisten folgen heute Strategien der Kritik.

Strategien der Kritik sind nicht leicht. Herauszufinden, wie man eine Idee diskreditiert, die institutionelle Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz genießt, ist knifflig und erfordert eine anhaltende und hartnäckige Anstrengung wie auch Gerissenheit und Anpassungsfähigkeit. Andererseits befassen Strategien der Kritik sich mit einer bekannten Menge, während Mythenstrategien sich mit unbekannten befassen.

Die Frankfurter Schule

Die Frankfurter Schule

Den Kampf genießen

Die übliche Rhetorik von Aktivisten der Rechten enthält Aufrufe zu Opfern. Der Kulturkrieg wird oft in schlimmen Begriffen präsentiert: ein unbedankter und heroischer Kampf mit vagen und ungewissen Belohnungen, aber mit konkreten und sicheren Härten, wie Verlust von Karriere, Lebensunterhalt, Familie, gesellschaftlichem Status und sogar des Lebens.

Ist es da noch verwunderlich, daß so wenige sich dazu melden?

Tatsache ist, daß es nicht so sein muß.

Wie aus dem Obigen offensichtlich sein sollte, bietet der Kulturkrieg unzählige Schlachtfelder und kann auf unzählige Weise geführt werden. Es gibt für jeden etwas. Was bedeutet, daß diejenigen, die mit dem Status quo unzufrieden sind, zu dem Kampf beitragen können, indem sie ihrer Berufung folgen und etwas tun können, in dem sie gut sind und das sie genießen.

In vielen Fällen sind Elend, Märtyrertum oder ein ungewöhnliches Ausmaß von Heldenmut nicht nötig. Genausowenig ist es erforderlich, daß man bei kreativer Tätigkeit einen politischen Zweck verfolgt. Autoren wie Ezra Pound, Louis Ferdinand Céline und Miguel Serrano hatten klare und kompromißlose establishmentfeindliche Ansichten, aber sie betrieben ihr literarisches Handwerk nicht als Propagandaübungen: sie schrieben, weil sie es genossen, und was sie schrieben, schrieben sie, weil es das war, wozu ihre Inspiration, ihre Interessen und ihre Neigungen sie führten. Pound und Céline hatten nach dem Krieg gewiß ein schweres Leben, aber Serrano genoß eine erfolgreiche Karriere als Diplomat und Schriftsteller.

Und während es keine Frage ist, daß Häresie es oft mit sich bringt, daß sie einen vom Genuß gewisser Vergünstigungen ausschließt, emanzipiert eine erfolgreiche Gegenkulturbewegung sich mit der Zeit von der herrschenden Ordnung, indem sie ihr eigenes paralleles Statussystem schafft.

Kevin MacDonald raubt es nicht den Schlaf, daß er von den jährlichen Nominierungen für den Pulitzerpreis ausgeschlossen ist: er erhielt bereits den Jack London Prize, und auf jeden Fall sind die Leute, die den Pulitzerpreis vergeben, heute so verachtenswert, daß er nicht einmal tot auf einer ihrer Parties gesehen werden wollte.

Glücksrad

Man muß zugeben, daß es von dieser Seite des Konfliktes aus oft so aussieht, als ob die herrschende Ordnung unbegrenzte Macht hätte. Sie hat riesige Ressourcen zu ihrer Verfügung, ihre Lakaien kontrollieren den Zugang zur Machtpyramide, und sie formen und regulieren den Informationsfluß, sodaß sie straflos diffamieren und die große Mehrheit der Menschen unwissend, willfährig und feindlich gegenüber Veränderungen halten können. Mit so vielem zu ihren Gunsten kann es scheinen, als ob sie niemals besiegt würden außer durch die Zeit, und daß das beste, was man tun könne, abzuwarten sei und zu denken: „Schlimmer ist besser.“

Jedoch hat die Erfahrung gezeigt, daß Amtsinhaber viel schwächer sind, als sie erscheinen, weil sie zuviel zu verteidigen haben, zuviel zu verlieren, und nicht genug Flexibilität. Die Erfahrung hat auch gezeigt, daß Dinge sich sehr schnell ändern können, sobald eine kritische Masse erreicht worden ist: jahrzehntelang sah der Sowjetkommunismus aus, als ob er ewig währen würde, aber dann brach er schließlich innerhalb von Tagen und Monaten zusammen.

Das Rad des Glücks dreht sich periodisch, und eines Tages wird es sich gegen die Egalitären drehen. Heute sind sie an der Macht, und ihre Gegner sind im Gefängnis; aber morgen könnten leicht sie im Gefängnis sein und ihre Gegner an der Macht.

Somit läuft alles darauf hinaus, ob diejenigen, die das Überleben der weißen Rasse anstreben, vor dieser Zeit kritische Masse als gegenkulturelle Bewegung gewinnen können.

Als Rasse sind die Weißen überall auf der Welt in ihren traditionellen Heimatländern immer noch Mehrheiten, und sie kontrollieren immer noch immense Ressourcen, einschließlich außergewöhnlichem Talent und Reichtum. In diesem Stadium hängt daher die Frage, ob die Bewegung zur Bewahrung der Rasse Erfolg hat oder scheitert, nicht gänzlich von äußeren, unkontrollierbaren, unberechenbaren Faktoren ab. Unnötig zu sagen jedoch, daß a) dies nicht immer der Fall sein könnte, und b) daß diejenigen, die glauben, daß sie keine Macht haben, überhaupt irgendetwas zu ändern, völlig recht haben.

Es kann sein, daß das System, unter dem wir leben, nicht fallen wird, bevor es seinen Lauf genommen hat, und daß diejenigen, die jetzt an der Spitze sind, wenn man sie sich selbst überläßt, einen Weg finden werden, durch eine Politik des gesteuerten Niedergangs bis jenseits des Punktes durchzuhalten, an dem es für Weiße kein Zurück mehr gibt, aber das heißt nicht, daß man sie nicht stoßen kann.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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