London fühlt die Stärke

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Von Alex Kurtagic, übersetzt von Deep Roots. Das Original London Feels the Strength erschien am 9. August 2011 im Occidental Observer.

Während der letzten paar Tage haben Tottenham und ein paar andere pulsierend multikulturelle Gebiete von London die Stärke der Vielfalt erlebt.

Sie hat die Gestalt von Stühlen angenommen, die Schaufenster zerschmettern, von Molotowcocktails, die Autobusse in Brand setzen, von schwarzen Fäusten, die weiße Gesichter zerschlagen, von anstürmenden Jugendlichen, die Wurfgeschosse schleudern, von Privatunternehmen, die in Flammen aufgehen, und von Polizisten, die ins Spital gehen.

Sie hat auch die Gestalt einer Welle des Sozialismus angenommen, die durch die Hauptstraßen fegte, Reichtum umverteilte, Geschäfte in große piñatas verwandelte, die zur Explosion gebracht wurden, wobei Fernsehgeräte, iPods, Sportschuhe, Mobiltelefone, Schmuck, Chemieprodukte, Teppiche und Schnaps verschiedener Alkoholgehalte und Sorten in Tausenden unregistrierter Transaktionen von den Geschäften an örtliche Anwohner übertragen wurden, zu allen Stunden bei Tag und Nacht, ohne Bedarf nach Unterstützung durch Verkaufspersonal.

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Die Stärke der Vielfalt erlebt man selten in solcher Größenordnung und mit solcher Euphorie, und dies hat die Kommentatoren dazu veranlaßt, über die Ursachen zu theoretisieren. Immerhin hat das Ereignis, das den Multikulturalismus dazu veranlaßt hat, plötzlich seine Muskeln zu spannen – das Martyrium eines schwarzen Kokaindealers und Bandenmitglieds durch die Polizei, der anscheinend Widerstand gegen die Verhaftung leistete und dessen Waffe nachfolgend am Schauplatz geborgen wurde – am Donnerstag letzter Woche stattgefunden, und die anfänglichen Rufe nach Gerechtigkeit haben sich seither zu der freudigen Feier des oben beschriebenen zupackenden Sozialismus entwickelt.

Deutlich erkennbar war die große Kreativität der Theorien, die vorgebracht worden sind. Die frisch gewachsene Muskulatur der Vielfalt ist verschiedentlich der Armut angelastet worden, der müßigen Jugend, exzessiver Verstädterung, der Überbevölkerung, der Entfremdung, den Sparmaßnahmen der Regierung, der Sommerhitze, Twitter, BlackBerry’s Messenger Service, zu vielen weißen Polizisten, der Arbeitslosigkeit, dem Umstand, daß der Bürgermeister der Stadt in Urlaub war, und einer ‚winzigen und nicht repräsentativen Minderheit’ von Schlägern und Kriminellen.

Leider haben besagte Kommentatoren in ihrem Eifer, ihre Originalität und ihr intellektuelles Flair zur Schau zu stellen, in auffallender Weise die erste Erklärung vernachlässigt, die mir in den Sinn kam, was so weit ging, daß ich aus einem Bedürfnis heraus, meine Erheiterung zu steigern, mir ein Szenario vorstellte, in dem all dies das Produkt einer stillschweigend koordinierten Bemühung war, die Konsumenten der Mainstream-Medien in einem Morast alternativer Perspektiven zu ertränken, in der Hoffnung, daß die Auslassung auf diese Weise unbemerkt bleibt.

Nachdem ich im Land der Schafe lebe, umgeben von grünen Hügeln ohne menschliche Siedlungen, fühlte ich mich etwas von der Party ausgeschlossen, daher beschloß ich, bei dem Spaß mitzumachen, indem ich meine eigene Theorie vorbringe:

Könnte es nicht sein, daß die menschliche Biodiversität in den betroffenen Bereichen von London vielleicht etwas mit den sehr eigenwilligen Interpretationen öffentlicher Etikette und Schaffung von Reichtum zu tun hat, deren Zeugen wir über unsere Fernsehschirme geworden sind?

„Jugendlicher“ raubt „Unterdrücker“ aus

„Jugendlicher“ raubt „Unterdrücker“ aus

Ich sage das, weil ich vor etwa fünfzehn Jahren zufällig durch Tottenham in London kam und die Gelegenheit hatte, die Lebhaftigkeit dieser Gemeinde zu verkosten. Im Vorjahr war ich auch durch einen der anderen Bereiche gekommen war, die gegenwärtig von multikultureller Freude durchflutet werden. Die Ladenschilder zeigten eine schwindelerregende Abfolge von Sprachen und Schriftarten; Fleischer boten Fleisch an, das selbst die robustesten Verdauungssysteme herausfordert; Zeitungshändler stellten eine beeindruckende Tiefe der Berichterstattung in den unterweltlichen Regionen des Boulevard- und urdusprachigen Journalismus zur Schau, und Küchenventilatoren an Restaurants verströmten exotische Aromen, die an Kümmel, Reis und gebratenes Geflügel mit einem Schuß Salmonellen, E-coli-Bakterien und Vogelgrippe erinnerten. Gleichwohl war es nicht gänzlich von Fremden besetztes Land, denn sowohl Tante-Emma-Läden als auch Spirituosengeschäfte verrieten ein großes Maß an Anpassung der örtlichen Einwohner an die westliche Ernährung, die ihre ethnische Standardkost mit einer Diät aus kohlensäurehaltigen Getränken, Kartoffelchips, Gemüse und starkem Schnaps ergänzten. Tatsächlich schienen sie hinsichtlich der Auswahl beim westlichen Menü verwöhnt zu sein, den jeder von ihnen, der in westlichem Stil auswärts essen wollte, hatte einen McDonald’s, einen Burger King, eine Pizza Hut, eine Perfect Pizza und eine Domino’s Pizza in Fußmarschdistanz. Kurz, es gab viel von allem und jedem, zusammengewürfelt und verdichtet in einem kleinen und dichtbevölkerten Gebiet, wo man so ziemlich jede Sprache hören konnte (193 werden dort gesprochen), worin gebrochene und stark akzentdurchsetzte Versionen des Cockney nicht enthalten sind.

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Ich sage es auch, weil diese Vielfalt an Formen auch von einer gewissen Rizwana Hamid bemerkt worden ist, die gegenüber der BBC das Phänomen als ein Zusammenfließen von ‚vielen, vielen, vielen verschiedenen Gemeinschaften, die zusammenkommen’ analysiert hat. Und sie übertreibt nicht, denn neben den vielen Kolumbianern, Kongolesen, Albanern, Kurden, Türken, Türkisch-Zyprioten, Somalis und Ghanaern teilen sich 113 ethnische Gruppen diesen Segen.

Das stimmt erfreulich gut mit meinen eigenen Beobachtungen überein, auch wenn diese aus einer Zeit stammen, als die Vielfalt noch nicht auf anabolischen Steroiden war, geliefert von der bereichernden Einwanderungspolitik von Tony Blairs Labour-Regierung.

Der erstaunliche Reichtum an Ethnien wiederholt sich auch auf der Ebene der Banden. Eine davon, Tottenham Mandem, wird von Wikipedia wie folgt beschrieben:

bestehend aus über einem Dutzend angegliederter Gruppen, je nach geographischer Örtlichkeit [einschließlich] Stargang, Bloodline, Broadwater Farm, Reed Road CRIPZ, Bruce Castle Kings, Bruce Grove, Chestnut Black Gang, Ida Bloodstarz, NPK, Philip Lane Boys, Scotland Green, Tower Gardens Black Bandana Gang (New Youngers Set), Stonebridge Mandem (Ermine / Plevna / Stonebridge), Broad Lane, Suffolk & Twyford Goons, [und] Tiverton Piru &  Selby Road.

Diese haben mit psychotropen Freizeitprodukten, die man nicht im Supermarkt findet, stark zur örtlichen Wirtschaft beigetragen. Sie haben auch das Nachtleben mit Geräuschen belebt, die Briten zuvor nur in amerikanischen Westernfilmen und Fernsehkrimis hörten. Das Feuerbestattungsgewerbe boomt.

Offenkundig erzeugt solche Vielfalt und ständige Aufregung unerwartete Synergien, die, wie wir gesehen haben, die Einwohner von Tottenham für stürmische Zurschaustellungen von Ausgelassenheit empfänglicher machen als ihre Mit-Londoner.

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Aber wenn wir nach Ursachen suchen, kratzt dies bloß an der Oberfläche, denn dieses multikulturelle Paradies ist nicht spontan entstanden. Letzteres ist ein Produkt harter Arbeit von britischen Politikern, die seit den 1950ern enthusiastische Befürworter rassischer Vielfalt gewesen sind und eine herausragende Geschichte des Engagements für die Linderung der langweiligen Weißheit dieser Insel durch großzügige und konstante Zufuhr von Farbe begründet haben. Die bei weitem hervorragendste Geschichte hat Tony Blairs Labour-Regierung, die schon früh ein ehrgeiziges Programm in Gang gebracht hat, um ihre Vorgänger in diesem Bestreben zu schlagen, und Einwanderungsmöglichkeiten für die Welt geschaffen und das Innenministerium von der Last befreit hat, die Ankommenden genau zu erfassen. Dies war ein sehr kühner Zug, der viel kommentiert wurde, als er vor einigen Jahren ans Licht kam, und daher haben die Briten ihm viel zu verdanken.

Vielleicht liegt der Grund, warum die Kommentatoren in den Medien die rassische Dimension umgehen und rasseorientierte Analysen vermeiden, in ihrer Erkenntnis, daß die Einwohner von Tottenham ohne das rassische Element um die Aufregung der letzten paar Tage gebracht worden wären. Ich stelle mir vor, daß sie die Weißen nicht erzürnen wollen, denen bisher eine Mitsprache darüber verweigert wurde, auf wieviel Vielfalt sie Anspruch haben.

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Mit gutem Timing hat die unabhängige britische Denkfabrik Civitas verlangt, daß die Kommission für Gleichheit und Menschenrechte abgeschafft wird, und den Standpunkt bezogen, daß es der Körperschaft nicht gelungen ist, bedeutende Gleichheit zu schaffen, und daß sie mit einem Budget von £53.000.000 einen schlechten Gegenwert fürs Geld bietet. Ich stimme zu, da die Freuden des Multikulturalismus bei voller Gleichheit gleichmäßig über das Land verteilt und nicht auf Tottenham und ausgewählte Bereiche von London beschränkt gewesen wären.

Es überrascht nicht, daß die Polizei, der Londoner Bürgermeister und die Regierung sich als unpopulär erweisen, sowohl unter den jubelnden Jugendlichen, die ihre Vielfalt auf den Straßen feiern, als auch unter den engherzigen Weißen, die sich an all der Aufregung stören und sie schnell eingedämmt sehen möchten. Die Polizei hat eine besonders herausfordernde Aufgabe gehabt beim Versuch, ihr ethnisches Sensibilitätstraining (das heutzutage einen umfangreichen Teil ihrer Ausbildungshandbücher ausmacht) gegen ihre prosaischeren Pflichten abzuwägen, wie dem Schutz vor Zerstörung von Eigentum und vor Angriffen und Überfällen auf Fußgänger.

Erstaunt über diese beeindruckende Zurschaustellung der Stärke der Vielfalt, können wir erwarten, daß im Nachspiel dieser Party viele Debatten folgen werden. Die Befürworter der Vielfalt werden sich zweifellos dazu ermutigt fühlen, ihre Anstrengungen zu deren Förderung zu intensivieren und sie über vielfaltslose Gebiete kommen zu lassen, denn die Ereignisse in Tottenham werden ihnen überzeugend demonstriert haben, daß viel mehr davon benötigt wird. Dies trifft sicherlich hier zu, wo ich wohne: es gibt null Vielfalt, und die vergangenen Tage sind in schläfriger Beschaulichkeit verstrichen, mit Dörflern aus der näheren Umgebung, die damit zufrieden waren, die einfachen Freuden der frischen Luft und schönen Landschaft zu genießen, sicher in dem Wissen, daß es ihre Häuser und ihre Geschäfte immer noch geben wird, wenn sie zurückkehren.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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