Verteidigungsschießen: Die Deckungsnutzung im Feuergefecht

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12-2000.

Die Nutzung von Deckungen ist eines der taktischen Grundelemente im Verteidigungsschießen. Für die praktische Umsetzung dieses Prinzips ist es unter anderem erforderlich, die Anschlagsarten hinter verschiedenen Deckungsformen zu beherrschen. Darüber hinaus muss man die Nutzung von Deckungen in jeder Phase des Feuerkampfes in die eigenen Überlegungen mit einbeziehen und in seinem Verhalten berücksichtigen. Durch entsprechende Übungen lässt sich dies in gewissem Umfang automatisieren.

Den Ratschlag, im Feuergefecht, wann immer möglich Deckungen zu nutzen, findet man in vielen Veröffentlichungen über das Verteidigungsschießen. Meist bewegen sich derartige Ratschläge aber im Allgemeinen und nützen dem, der sich nicht ständig intensiv mit dieser Materie befasst, relativ wenig, wenn es um die konkrete Umsetzung in der taktischen Situation oder um die Einbindung der Deckungsnutzung in die Schießausbildung geht. Einfache Sätze wie „Man sollte den Feuerkampf wann immer möglich aus der Deckung heraus führen“ sind zwar den meisten Gebrauchswaffenträgern bekannt, können aber oft nicht in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Verstärkt wird dieses Defizit noch dadurch, dass auch in guten Schießkursen fast immer nur aufrecht stehend ohne Deckungsnutzung geschossen wird. Bestenfalls werden gelegentlich hohe Barrikaden verwendet, um die Deckungsnutzung anzudeuten und den Schuss mit angestrichener Waffe zu üben. Dies ist aber nur ein Sonderfall in der umfangreichen Thematik der Deckungsnutzung und berücksichtigt nur die eigentliche Schussabgabe, wenn man sich gerade hinter einer solchen Deckung befindet. Meist wird dabei auch gar nicht darauf geachtet, wie viel der Körperfläche des Schützen wirklich durch die Deckung geschützt ist, sondern man konzentriert sich oft ausschließlich auf die Waffenhaltung beim angestrichenen Anschlag. Darüber hinaus kann man auch häufig beobachten, dass die eigentliche Schießübung erst beginnt, wenn der Schütze in aller Ruhe seine Schießhaltung eingenommen, mehrfach verbessert hat und ein Zeichen gibt, dass er jetzt fertig ist und mit der Schießübung beginnen kann.

Deckung zum Schutz und zur Vorbeugung

Dies entspricht aber nicht den Forderungen einer praxisgerechten Ausbildung, da es im realen Feuergefecht selten vorkommt, dass man ohne Zeitbegrenzung einen optimalen Anschlag hinter einer längst bezogenen Deckung einnimmt, sondern dass man schnell Deckungsmöglichkeiten erkennt, beurteilt, ob die Führung des Feuerkampfes aus dieser Deckung zweckmäßig ist, schnell den Anschlag hinter dieser Deckung einnimmt und vor allem einen möglichst großen Teil des eigenen Körpers durch die Deckung schützt. Daneben darf nicht vergessen werden, dass Deckungsnutzung nicht erst für die eigentliche Schussabgabe relevant wird, sondern dass sie vor allem in Situationen, in denen noch kein unmittelbarer Kontakt zum Gegner besteht, als vorbeugende Maßnahme bei jeder Bewegung zu berücksichtigen ist.

Nutzung hoher und halbhoher Deckungen

Die Ausbildung dazu muss in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst ist zu lernen, wie man unterschiedliche Deckungsformen bei Bewegungen und zur Schussabgabe nutzt. Für den Anfang reicht es dabei aus, zwischen zwei grundsätzlichen Deckungsformen zu unterscheiden. Die eine Grundform ist die seitliche, hohe Deckung, wie man sie als Mauerecken, Türstöcke etc. findet, und die andere ist die halbhohe Deckung, wie sie Gartenmauern, Motorhauben oder Kisten darstellen. Für beide Deckungsformen muss der Anschlag geübt werden, aus dem man dahinter hervorschießt, und die Körperhaltung, in der man sich an diese Deckungen annähert und aus denen man beobachtet, solange noch kein direkter Kontakt mit dem Gegner besteht.

Dies kann entweder separat geübt oder zu einer Übungseinheit verbunden werden, bei der man sich an die Deckung annähert und den Beobachtungshalt einlegt, um dann auf Kommando oder bei aufklappender Scheibe den Feuerkampf zu führen.

Bei der hohen Deckung, an der man seitlich vorbeischießt, hat sich als Schießhaltung der normale beidhändige Anschlag bewährt. Im Unterschied zum Feuerkampf auf der freien Fläche muss bei der Deckungsnutzung der Schwerpunkt aber so verlagert werden, dass man mit der Masse des Körpers hinter der Deckung steht und sich seitlich nur so weit verschiebt, dass lediglich die Waffe und die Augen exponiert werden. Je weniger der eigenen Körperfläche dabei vom Gegner gesehen und beschossen werden kann, desto besser. Auf kurze und mittlere Kampfentfernungen berühren die Hände bei diesem Anschlag die Deckung nicht oder kaum. Nur bei weiten Kampfentfernungen streicht man seitlich an, um den Anschlag stabiler zu halten. Die früher oft gelehrte Anschlagsart, bei der eine Hand mit abgespreiztem Daumen flach auf die Deckung aufgelegt und die Schießhand oder die Waffe in die Gabel zwischen Daumen und Zeigefinger gelegt wird, hat sich nicht bewährt. Zwar kann man so recht präzise schießen, aber dieser Anschlag ist insgesamt zu langsam und unflexibel.

Einhändiger oder zweihändiger Anschlag

Der schnellste Anschlag für das Schießen hinter seitlich genutzten Deckungen, der auch noch die größtmögliche Körperfläche hinter der Deckung schützt, basiert auf der einhändigen Schießtechnik. Dabei stützt man sich mit der freien Hand gegen die Deckung und exponiert im Feuerkampf nur die Schießhand. Wer diese Technik beherrscht, kann hohe Deckungen recht schnell und effektiv nutzen. Allerdings setzt die Beherrschung dieser Technik ein recht hohes Trainingspensum voraus. Man muss dazu die einhändige Schießtechnik mit beiden Händen recht gut beherrschen und den Wechsel der Waffe von Hand zu Hand automatisieren, je nachdem, ob man sich an einer links oder rechts angelehnten Deckung befindet. Gerade beim Vorgehen in Gebäuden erfordert dieses ständige Wechseln der Waffe schon einiges an Routine und Gewöhnung. Für den normalen Waffenträger wird das nicht erreichbar sein. Für ihn reicht es daher völlig aus, wenn er bei der Nutzung von hohen Deckungen seine Körperhaltung im beidhändigen Anschlag so verschiebt, dass die Masse des Körpers sich hinter der Deckung befindet.

Dies ist einfach zu erlernen und kann relativ schnell als automatisierte Verhaltensweise trainiert werden. Zum Üben der richtigen Körperhaltung stellt man sich am besten so hinter eine Barrikade oder Mauerecke, dass der gesamte eigene Körper aus der Sicht des Zieles von der Barrikade oder Mauerecke verdeckt wird. Die Waffe wird dabei mit der Mündung nach oben vor der Brust eng am Körper gehalten. Schiebt man dann die Waffe an der Deckung vorbei, indem der Oberkörper soweit zur Seite gelehnt wird, dass man die Waffe auf das Ziel richtet, ohne dabei die Fußstellung zu verändern, findet man automatisch den richtigen Anschlag. Dass dabei ca. 0,5 m Abstand von der Deckung einzuhalten ist, ergibt sich beim ersten Üben von selbst. Die Optimierung von maximaler Deckungsnutzung, sicherem Stand und guter Schießhaltung ergibt sich ebenfalls durch das ständige Üben. Dies sollte zunächst trocken, also mit ungeladener Waffe, und dann aber auch im scharfen Schuss erfolgen.

Wird die Schießtechnik aus dieser Deckungsform beherrscht, kann man sich der Annäherung mit Beobachtungshalt zuwenden. Dabei nähert sich der Übungsteilnehmer einer Barrikade oder Mauerecke mit der Waffe vor der Brust so an, wie wenn er in einem Gebäude nach einem Gegner sucht. An der Deckung hält er je nach Abstand zu dieser Deckung die Waffe mit der Mündung nach oben entweder vor der Brust oder neben dem Kopf und exponiert den Kopf nur so weit, dass er das Vorfeld einsehen kann.

Beobachtungshalt mit hoch gehaltener Waffe

Erkennt er dabei keinen Gegner in Form einer Klapp- oder Drehscheibe, setzt er nach einem kurzen Beobachtungshalt die Bewegung fort. Tritt ein Gegner auf, wird dieser je nach Lage aus der Deckung heraus angerufen oder der Feuerkampf aufgenommen.

Unzweckmäßig ist es beim Beobachtungshalt, die Waffe mit gestreckten Armen nach unten zu richten. Diese Waffenhaltung wird zwar oft als sicherer eingestuft als die hoch gehaltene Waffe, führt aber zu Schwierigkeiten bei der Einnahme des Anschlags, wenn ein Gegner überraschend auf sehr kurze Entfernungen auftritt. Aus diesen einfachen Bewegungsmustern ergibt sich für den normalen Waffenträger ein ausreichendes Repertoire für die Nutzung hoher Deckungsformen beim Vorgehen in Gebäuden oder beim Feuerkampf.

Für die zweite Grundform von Deckungen, den halbhohen, gilt Ähnliches, nur dass hier die Körperhaltung anders ist. In erster Linie muss man bei Deckungen dieser Art die Höhe des eigenen Körpers variieren. Man kann dies entweder tun, indem man in die Hocke oder in die Knie geht. Je höher eine solche Deckung ist, desto eher kann der Schutz des Körpers durch ein leichtes Beugen der Knie erreicht werden. Bei niedrigeren Deckungen ist der kniende Anschlag meist zweckmäßiger. Gerade beim knienden Anschlag ist es meist schon auf mittlere Kampfentfernungen sinnvoll, die Waffe zum Schuss aufzulegen, wenn die Form der Deckung dies zulässt. Eine Motorhaube bietet sich dazu in jedem Falle an.

Angepasste Körperhaltung

Auch hier kann man die reine Technik der Deckungsnutzung nach der gleichen Methodik wie bei den hohen Deckungen üben. Man sollte dabei Deckungen in verschiedenen Höhen verwenden, um sich dadurch zur Anpassung der Körperhaltung an die Deckungshöhe zu zwingen. Ziel muss es immer sein, eine solche Körperhaltung hinter der Deckung einzunehmen, dass man das Vorfeld beobachten und mit der Waffe wirken kann, aber dabei möglichst viel des eigenen Körpers vor Beschuss schützt.

Der sichere Umgang mit diesen beiden Grundformen von Deckungen ist schon mehr, als in den meisten Schießkursen vermittelt wird. Für den Anfang reicht es auf jeden Fall aus. Später können die Deckungsformen noch weiter variiert oder durch Sonderfälle ergänzt werden. Ein solcher Sonderfall ist der liegende Anschlag hinter sehr niedrigen Deckungen wie Bordsteinen oder Blumenkästen. Allerdings muss dies im richtigen taktischen Zusammenhang vermittelt werden. In der Regel wird diese Form der Deckungsnutzung nur zweckmäßig sein, wenn die Kampfentfernung sehr groß ist oder wenn man aus einer zum Gegner überhöhten Stellung, wie etwa von einem Garagendach aus, kämpft.

Die Taktik bestimmt die Deckungsnutzung mit

Der liegende Anschlag kann auch hinter einem PKW in Frage kommen, wenn man die Felge und Achse des Fahrzeuges als Deckung nutzt. Voraussetzung ist hier ebenfalls eine entsprechend große Kampfentfernung. Deckungsnutzung ist eben keine reine Frage der Schießtechnik, sondern muss immer im Zusammenhang mit der Taktik gesehen werden.

Dementsprechend ist es auch bei den beiden Grundformen der Deckungsnutzung nicht damit getan, deren handwerkliche Ausführung zu erlernen, sondern man muss sie taktisch richtig anwenden. Auf dem Schießstand wird nur das Prinzipielle und die Anwendung im scharfen Schuss geübt. Die Einbindung der Deckungsnutzung in das taktische Gesamtverhalten übt man am besten in realistischerem Umfeld. Hier kommt es vor allem darauf an, zwei taktische Fragestellungen um die Deckungsnutzung zu verinnerlichen.

Die erste, das Vorgehen unter Feindbedrohung, ohne aber bereits Feindkontakt zu haben, wurde bereits im Zusammenhang mit dem Beobachtungshalt angesprochen. Bisher stand aber das Verhalten und die Körperhaltung unmittelbar an der Deckung im Vordergrund. Im Weiteren muss diese Technik in ein taktisch zweckmäßiges Gesamtverhalten integriert werden. Dazu eignet sich am besten ein Szenario, worin man sich einem Einbrecher im eigenen Haus nähert, den man noch nicht lokalisiert hat, oder worin ein Polizist einen bewaffneten Straftäter im Gebäude verfolgt, ohne ihn schon zu sehen. Das Vorgehen im Gebäude wird dabei in beiden Fällen von Vorsicht geprägt sein und von Deckung zu Deckung erfolgen. Ziel wird es dabei immer sein, sich so zu bewegen, dass man in dem Moment, in dem man auf den Gegner trifft, sich nicht auf freier Fläche befindet, sondern in Deckung. Nach Erreichen einer Deckung wird meist ein Beobachtungs- oder Horchhalt eingelegt, bevor man sich zur nächsten Deckung bewegt.

Ob der Gegner dann aus der Deckung heraus angesprochen oder ob er unter Feuer genommen wird, hängt von der Lage ab. In jedem Fall ist die eigene Position immer stärker, wenn man sich beim Zusammentreffen mit dem Gegner hinter einer Deckung befindet.

Ideale Bewegungslinie ist zu wählen

Bei derartigen Übungen sollten aber nicht nur die Momente betrachtet werden, bei denen man sich im Beobachtungshalt in Deckung befindet, sondern auch der Weg zwischen den einzelnen Deckungen. Dieser ist in der Regel so zu wählen, dass die Abschnitte zwischen den einzelnen Deckungen möglichst kurz sind und dass auch die Bewegungsphasen zumindest in ein oder zwei Richtungen Deckung bieten. Typische Beispiele dafür sind Bewegungslinien entlang von Mauern oder Wänden, die eine Bedrohung von mindestens einer Seite ausschließen. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass Türen und Fenster in einer Mauer Lücken in der Deckung darstellen und entsprechend schnell passiert oder umgangen werden müssen. Eine ideale Bewegungslinie unter Bedrohung sieht immer so aus, dass Gegner nur in dem Bereich auftreten können, den man auch im Blickfeld hat. Dies ist nicht in allen Geländeabschnitten oder Bauwerken realisierbar. Es sollte aber Richtschnur für die eigenen Überlegungen bei der Festlegung der Bewegungslinie zur nächsten Deckung sein.

Ein solches Vorgehen von Deckung zu Deckung lässt sich ohne großen Aufwand in jedem Gebäude oder größeren Garten üben. Dies sollte aber gerade bei Anfängern unter den Augen eines erfahrenen Ausbilders stattfinden, um Fehler zu vermeiden und richtiges Verhalten zu erlernen. Sehr effektiv ist hierzu auch der Einsatz von Simulationswaffen, wie Farbmarkierungspistolen, weil dadurch Fehlverhalten schnell sichtbar wird und das Bewusstsein für die Deckungsnutzung erheblich gesteigert ist. Wer in einer taktischen Übung jeden Moment mit dem zum Teil doch schmerzhaften Treffer einer Markierungskugel rechnen muss, wird fast automatisch nach guten Deckungen Ausschau halten und sich von Deckung zu Deckung bewegen. Ergänzt werden muss diese taktische Ausbildung natürlich durch Übungen auf dem Schießstand.

Hier wird man zwar in der Regel keine so realistischen Verhältnisse schaffen können, wie sie echte Gebäude und Geländeteile darstellen, aber dafür kann auf dem Schießstand das taktische Verhalten mit der Schussabgabe kombiniert werden. Auf einem gängigen 25-Meter-Stand drei oder vier verschiedene Deckungen aufzubauen, ist im Übrigen gar nicht so schwer und erfordert wenig Aufwand. Hohe Deckungen sind in Form von Barrikaden ohnehin auf vielen Ständen für das gebrauchsmäßige Schießen vorhanden oder lassen sich aus einer Preßspanplatte relativ leicht herstellen. Wichtig ist dabei ein großflächiger und schwerer Fuß, damit die Barrikaden nicht umfallen, wenn man dagegen stößt. Mit etwas Geschick lässt sich so sogar ein Türstock mit Tür oder ein Fenster realisieren. Auch eine Autosilhouette, bei der man liegend über die Motorhaube schießen kann, ist für den mittelmäßigen Heimwerker keine unüberwindliche Hürde. Andere halbhohe Deckungen lassen sich aus Styroporblöcken herstellen.

Schießstanddenken beim Training vermeiden

Beklebt man sie mit Strukturfolie, wie man sie mit Mauer- oder Holzdesign in jedem Baumarkt erhält, entstehen dabei sogar ganz realistische Szenarien. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Eine niedrige Mauer mit darauf sitzendem Holzzaun zwingt z. B. zu einer ganz anderen Deckungsnutzung als eine massive Mauer der gleichen Höhe.

Für die Schießübung platziert man mehrere dieser künstlichen Deckungen über die ganze Länge des Schießstandes. Der Schütze startet dann von der 25-Meter-Marke und geht von Deckung zu Deckung nach vorne. Bei den ersten Übungen, bei denen die rein technische Deckungsnutzung im Vordergrund steht, kann immer, wenn er eine Deckung erreicht hat, eine Scheibe aufgeklappt werden, die dann zu bekämpfen ist. Steht keine Dreh- oder Klappscheibenanlage zur Verfügung, kann die Schussabgabe auch auf Pfiff oder Kommando erfolgen. Wichtig ist bei dieser Grundübung zur Deckungsnutzung, dass der Schwerpunkt auf der richtigen Körperhaltung im Beobachtungshalt und bei der Schussabgabe liegt. Die entscheidenden Kriterien dabei sind der Schutz einer möglichst großen Körperfläche durch die Deckung und ein stabiler Anschlag bei der Schussabgabe. Der Schütze wird dabei sehr schnell selber ein Gefühl dafür entwickeln, wann es sinnvoll ist, die Deckung als Waffenauflage oder zum Anstreichen zu nutzen. Man sollte bei dieser Übung nicht vergessen, auch die Wände eines Schießstandes in den Aufbau mit einzubeziehen und den Teilnehmer zu zwingen, auch die Deckung zur Seite und nach hinten zu berücksichtigen. Deckungen nur immer frontal zu nutzen, führt zum Schießstanddenken, bei dem die Richtung der Bedrohung immer durch den Kugelfang oder die Begrenzungen vorgegeben ist und man sich schnell daran gewöhnt, alle anderen Bedrohungsrichtungen zu vernachlässigen.

Wird die reine Technik beherrscht, kann man diese Übung mit einer Lage kombinieren, in der auch die Entscheidung zur Schussabgabe oder zum Ansprechen des Gegners aus der Deckung gefordert wird. Ein ähnlicher Aufbau eignet sich auch zur Schulung in einer anderen Thematik der Deckungsnutzung. Im Gegensatz zur vorigen Übung kommt es hier darauf an, schnell zu entscheiden, ob man bei einer überraschenden Konfrontation mit dem Gegner überhaupt eine vorhandene Deckung nutzt oder den Feuerkampf aus der offenen Stellung führt. Dazu erhält der Schütze den Auftrag, auf dem Schießstand zwischen den aufgebauten Deckungen auf geradem Weg nach vorne zu gehen. Das Kommando zum Schießen oder das Aufklappen der Scheiben erfolgt immer dann, wenn er sich zwischen zwei Deckungen befindet. Er muss dann entscheiden, ob er sofort den Feuerkampf aufnimmt oder schnell die nächste Deckung bezieht. Für fortgeschrittene Übungsteilnehmer sind dabei auch Mischformen möglich, in denen man z. B. eine verdächtige, aber unbewaffnete Person präsentiert, die nach zwei Sekunden weggedreht oder abgeklappt und durch eine identische Mannscheibe mit Bewaffnung ersetzt wird.

An Revolverträger angepasste Übungsabläufe

Das angestrebte Zielverhalten des Übungsteilnehmers besteht dann darin, zunächst nicht zu schießen, in Deckung zu gehen und die Person anzusprechen. Erscheint dann die Angreiferscheibe, deren Präsentation gegebenenfalls durch die Abgabe eines Schusses verstärkt wird, kann der Feuerkampf aus der Deckung geführt werden. Eine andere Variation besteht darin, dass in einer Situation, in der die nächste Deckung für den Schützen zu weit entfernt ist, zunächst ein Gegner präsentiert wird, der aus der offenen Stellung zu bekämpfen ist, um dann nach einigen Sekunden weitere Gegnerscheiben aufzuklappen. Der Schütze muss dann sofort nach dem Feuerkampf aus der offenen Stellung die nächste Deckung aufsuchen, um von dort aus das Vorfeld weiter zu beobachten. Die folgenden Angreifer kann er dann aus der Deckung heraus bekämpfen.

Gerade für Revolverschützen mit ihrem geringen Munitionsvorrat in der Waffe bietet es sich auch an, die Übungsabläufe so zu gestalten, dass nach einer ersten Phase des Feuerkampfes ein Nachladen der Waffe zweckmäßig ist. Auch dazu sollte eine Deckung genutzt werden.

Eine solche Ausbildung in Parcoursform könnte man als Taktik-Drill im scharfen Schuss bezeichnen. Es kann dabei zwar nicht völlig auf das Üben im Originalgelände verzichtet werden, aber es lassen sich so grundsätzliche Verhaltensmuster im Zusammenhang mit der Handhabung der scharfen Waffe und der Schussabgabe einschleifen und automatisieren.

Entfernungsverhältnisse abwägen

Typische Verhaltensmuster, die dabei geübt werden können, sind die Entscheidung, wann es zweckmäßig ist, eine Deckung zu beziehen, dass man auch bei der Konfrontation mit einem scheinbar weniger gefährlichen Gegner eine Deckung bezieht oder dass man auch nach einem erfolgreich geführten Feuerkampf weiter Deckungen nutzt, solange eine Bedrohung besteht.

Lässt sich nicht das ganze Spektrum abdecken, sollte zumindest die Entscheidung zur Deckungsnutzung oder zum Feuerkampf aus der offenen Stellung immer wieder geübt werden. Hier ist einfach ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie lange man braucht, um eine bestimmte Distanz zur Deckung zu überwinden und hinter der Deckung zur Schussabgabe zu kommen. Die wesentlichen Elemente für diese Abwägung sind die Entfernungsverhältnisse zwischen dem eigenen Standort und der nächsten Deckung sowie zwischen dem eigenen Standort und dem des Gegners. Dafür lassen sich aber keine Formeln und Richtwerte aufstellen. Diese Erfahrungen müssen in der praktischen Ausbildung ganz einfach gesammelt werden.

Für einen Grundkurs im Verteidigungsschießen reichen diese beiden Thematiken, vorsichtiges Vorgehen unter Bedrohung, aber noch ohne Feindkontakt, und spontane Deckungsnutzung bei überraschendem Angriff, aus. Spielt man sie immer wieder in unterschiedlichen Varianten durch, vermitteln sie das Handwerkszeug, um Deckungsnutzung richtig und schnell in den meisten denkbaren Situationen in das eigene taktische Verhalten und die entsprechende Schießtechnik umzusetzen.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung können diese Grundfertigkeiten noch durch ausgefallenere Strategien und Sonderfälle ergänzt werden. Ein Beispiel dafür ist der Stellungswechsel von Deckung zu Deckung im Feuerkampf. Taktisch ist dies immer dann erforderlich, wenn die Gefahr besteht, dass bei Konfrontationen mit mehreren Gegnern die eigene Stellung umgangen wird und sich eine Bedrohung von hinten oder der Seite abzeichnet. Dies sind aber Szenarien, die in der reinen Selbstverteidigung kaum vorkommen werden.

Die beiden oben beschriebenen Übungsformen werden in der Praxis ohnehin das Maximum sein, was sich realistischerweise in einem Schießkurs zur Thematik Deckungsnutzung unterbringen lässt.

Schutzwirkung von Deckungsmaterial

Ergänzt werden sollte die Schießausbildung aber auf jeden Fall durch Demonstrationen über die ballistische Schutzwirkung von Deckungsmaterialien. Dies kostet nicht viel Zeit, macht es aber viel anschaulicher, was im Ernstfall wirklich vor Beschuss schützt und was von üblichen Geschossen durchschlagen wird.

Um die Thematik der Deckungsnutzung abzurunden, sollten in den Szenarien, um realitätsbezogen zu üben, auch immer wieder Feindscheiben mit Darstellungen von Gegnern auftauchen, die ebenfalls Deckungen nutzen.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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