Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii

Diese Grube im Mare Ingenii, dem „Meer der Begabung“, hat einen Durchmesser von etwa 130 Meter! Die Bildbreite beträgt 550 Meter, die Beleuchtung kommt von oben rechts. LROC-Bild: NAC M128202846LE; NASA/Goddard/Arizona State University

Diese Grube im Mare Ingenii, dem „Meer der Begabung“, hat einen Durchmesser von etwa 130 Meter! Die Bildbreite beträgt 550 Meter, die Beleuchtung kommt von oben rechts. LROC-Bild: NAC M128202846LE; NASA/Goddard/Arizona State University

Von Nancy Atkinson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Very clever! LRO views huge lava tube skylight in Mare Ingenii erschien im Juni 2010 auf „Universe Today“ (die Kommentare darunter beginnen am 17. Juni 2010) und wurde zuletzt am 24. Dezember 2015 aktualisiert.

Ist dies ein Fenster ins Innere des Mondes und ein Eingang zu einem potentiellen zukünftigen Mondhabitat? Die Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiter hat einen genaueren Blick auf etwas geworfen, das für ein Skylight in eine Lavaröhre im Mare Ingenii (Meer der Begabung), einem der wenigen Mare auf der Rückseite des Mondes, gehalten wird. Dieses Skylight ist riesig – etwa 130 Meter im Durchmesser – und ist wahrscheinlich das Ergebnis einer teilweise eingestürzten Lavaröhre. Aber Mondgeologen erwarteten wirklich nicht, ein ungewöhnliches Gebilde dieser Art in dieser Region zu sehen. Zuvor wurde ein Skylight, oder eine offene Grube, in der Region Marius Hills im Ozean der Stürme auf der Mondvorderseite gefunden, die voller vulkanischer Kuppeln und Rillen ist, wo eine Lavaröhre entstehen könnte. Jedoch werden vulkanische Strukturen dieser Art im Mare Ingenii nicht gefunden. LRO wird definitiv zusätzliche Blicke auf diese Grube werfen.

Das japanische Raumfahrzeug SELENE/Kaguya entdeckte erstmals dieses unregelmäßig geformte Loch, das im oberen Bild mit der Auflösung der LRO-Kamera von 0,55 m pro Pixel zu sehen ist. Die Felsblöcke und der Schutt auf dem Boden der Grube sind teilweise beleuchtet (linker Teil der Grube), entstanden wahrscheinlich an der Oberfläche und fielen beim Einsturz durch die Grubenöffnung.

Der Pfeil zeigt die Lage der Grube. „S“ zeigt einen der zahlreichen lunaren „Swirls“ an, die in dieser Region liegen. Das Bild ist Teil eines Mosaiks der LROC WAC [Lunar Reconnaissance Orbiter Camera Wide Angle Camera?], Auflösung 200 m pro Pixel; Bildbreite 160 km. Bild: NASA/Goddard/Arizona State University

Der Pfeil zeigt die Lage der Grube. „S“ zeigt einen der zahlreichen lunaren „Swirls“ an, die in dieser Region liegen. Das Bild ist Teil eines Mosaiks der LROC WAC [Lunar Reconnaissance Orbiter Camera Wide Angle Camera?], Auflösung 200 m pro Pixel; Bildbreite 160 km. Bild: NASA/Goddard/Arizona State University

Dies könnte aus mehreren Gründen ein wichtiger Fund sein. Lavaröhren sind wichtig für das Verständnis dessen, wie Lava auf dem frühen Mond transportiert wurde, aber sie könnten auch ein Zuhause für zukünftige menschliche Forscher bieten. Diese auf der Mondrückseite wäre ein großartiger Ort, um eine Basis für zukünftige Teleskope einzurichten, die für Beobachtungen von der Rückseite des Mondes aus hinaus ins Universum vorgeschlagen werden. Die Mondoberfläche ist ein harscher Ort, dem menschlichen Körper tut es nicht gut, wenn er der ständigen Strahlung ausgesetzt ist, die in der atmosphärelosen Umwelt des Mondes vorhanden ist. Eine langfristige menschliche Präsenz würde funktionieren, wenn Astronauten den Großteil ihrer Zeit abgeschirmt im Untergrund verbringen könnten. Während das Graben eines ausreichend großen Loches für eine ganze Mondkolonie eine riesige technische Herausforderung wäre, könnten diese Lavaröhren fertige Standorte für eine gut abgeschirmte Basis bieten.

Lesen Sie unseren früheren Artikel über das Loch in den Marius Hills.

Hier ist ein Blick in eine riesige Lavaröhre auf Hawaii. Sie sieht beinahe menschengemacht aus, aber sie ist eine natürliche Struktur, die durch Vulkanismus geschaffen wurde:

Die Thurston-Lavaröhre liegt am Kilauea auf Hawaii.

Die Thurston-Lavaröhre liegt am Kilauea auf Hawaii.

Wie Lavaröhren entstehen: Wenn Lava auf die Oberfläche hinausfließt, kühlt sie an der Oberseite ab und kann ein festes Dach bilden. Das Dach isoliert die immer noch flüssige Lava darunter und ermöglicht es ihr, weiterzufließen, manchmal mehrere Kilometer weit. Am Ende des Ausbruchs kann die Lava vollständig aus der Röhre abfließen und hinterläßt ein hohles Überbleibsel des Flusses, das eine Höhle im Untergrund bildet. Diese Röhre, genannt Thurston Tube, ist etwa drei Meter hoch. [Ergänzung des Übersetzers: Wie Fraser Cain in diesem kurzen Artikel über Lavaröhren erläutert, gibt es eine Röhre am Mauna Loa, die am Ausbruchsort beginnt und dann etwa 50 km bis zum Ozean verläuft.]

*    *    *    *    *    *

Siehe auch:

Lavaröhren sicher genug für Mondbasis von Paul Rincon

Kaguya entdeckt Lavaröhre auf dem Mond von Ryan Anderson

Lavaröhre (Wikipedia)

Lava tube (Wikipedia englisch)

Lunar lava tubes (Wikipedia)

Martian lava tubes (Wikipedia)

Planetary Base Shields von Winchell Chung auf „Atomic Rockets“ (dort bin ich überhaupt erst auf dieses Thema aufmerksam geworden)

Lunar Pits Could Shelter Astronauts, Reveal Details of How ‚Man in the Moon‘ Formed von Bill Steigerwald

There could be lava tubes on the moon, large enough for whole cities von Matt Williams

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Eine Antwort zu Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii

  1. Deep Roots schreibt:

    Außer den Einsturzlöchern, den „Skylights“, muß es zumindest bei einem Teil der lunaren Lavatunnels noch eine Zugangsmöglichkeit geben: die Ausflußöffnungen, durch die sie sich ins freie Gelände entleert haben!

    Auf dem Bild von der Thurston-Lavaröhre sieht man ein Beispiel dafür. Überall, wo die Lava – entweder über eine Schwelle zu stärker geneigtem Gelände oder in ein weites Becken – frei abfließen konnte, ohne beim Erstarren nach dem Versiegen des Lavastroms das Tunnelende zu verstopfen, muß es solche Öffnungen geben, durch die Forscher auf dem Niveau des umgebenden Geländes hineingelangen könnten – eventuell sogar mit Fahrzeugen -, ohne durch einen senkrechten Einsturzschacht hinunterklettern bzw. sich abseilen zu müssen. Auch der Antransport des Materials für Mondbasen, die in den Tunnels errichtet werden sollen, wäre durch Ausflußöffnungen viel einfacher zu bewerkstelligen.

    Solche Öffnungen müßte man allerdings erst finden; aus der Umlaufbahn dürften sie schwerer auszumachen sein als die Skylights. Wahrscheinlich wäre es eine der vorrangigen Aufgaben der jeweils ersten Expeditionen, die sich durch ein Skylight in eine Lavaröhre begeben, deren Ausgang zu suchen, der nur in Richtung des Gefälles sein könnte, falls es einen gibt.

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