Star Dreck XII: Babylon 5

Die Raumstation Babylon 5

Von Deep Roots (post-AdS)

Mit diesem zwölften Artikel der AdS-Reihe „Star Dreck“ schließt sich gewissermaßen ein Kreis, denn als ich mir vor gut sieben Jahren, irgendwann zwischen Ende 2009 und Anfang 2010, die SF-Serie „Babylon 5“, eine meiner Kultserien, wieder einmal angesehen habe (ich war ein „Fiver“, wie die Babylon-5-Äquivalente zu den „Trekkies“ sich nennen), sind mir darin erstmals einige der Propagandaelemente aufgefallen, die mir in weiterer Folge immer mehr bewußt wurden. Dies war für mich der Anstoß, die Serie Star Trek: Deep Space Nine ebenfalls noch einmal komplett durchzusehen und dabei bewußt auf NWO-Propaganda zu achten. Daraus entstand wiederum die Idee, einen Artikel mit dem Titel „Star Dreck“ zu schreiben, in dem antiweißer, antinationalistischer, rassenegalitärer, feministischer und männerfeindlicher Propagandadreck aufgezeigt werden sollte, der uns in Filmen und Fernsehserien als Schluckimpfung mit Stars als Impfköder verabreicht wird und wofür „Star Trek“ besonders exemplarisch ist – wovon sich der Titel ableitete. („Propagandadreck“ heißt nicht, daß die jeweiligen Filme und Serien von der Machart her Dreck sind.) Gemeinsam mit Kairos wurde das dann dahingehend weiterentwickelt, daß es eine in loser Abfolge erscheinende Artikelreihe unter dem Übertitel „Star Dreck“ werden sollte.

„Babylon 5“ ist eine Science-Fiction-Fernsehserie, die von Joseph Michael Straczynski entwickelt und von diesem gemeinsam mit dem jüdischen SF-Autor Harlan Ellison (der den Ruf hat, grob und streitlustig zu sein und auf dem Umschlag eines seiner Bücher als „die möglicherweise streitsüchtigste Person auf Erden“ bezeichnet wird) als „Conceptual Consultant“ zwischen 1993 und 1998 produziert wurde. Die Serienhandlung beginnt zehn Jahre nach dem Ende des interstellaren Krieges zwischen den Menschen und den Minbari und zentriert sich um die acht Kilometer lange Raumstation „Babylon 5“, die von der Erd-Allianz unter Beteiligung der Minbari, der Centauri-Republik und anderer außerirdischer Zivilisationen als neutraler Treffpunkt und Verhandlungsort für Diplomaten, Händler und Reisende und für die Förderung des Friedens in der Galaxis errichtet wurde und im Jahr 2557 in Betrieb geht.

Die Hauptpersonen von „Babylon 5“ in der ersten Staffel: sitzend Commander Jeffrey Sinclair (Michael O’Hare), dahinter stehend von links Sicherheitschef Michael Garibaldi (Jerry Doyle), Vizekommandantin Lieutenant Commander Susan Ivanova (Claudia Christian), Centauri-Botschafter Londo Mollari (Peter Jurasik), Minbari-Botschafterin Delenn (Mira Furlan), Stationstelepathin Talia Winters (Andrea Thompson), Narn-Botschafter G’Kar, Stationschefarzt Dr. Stephen Franklin (Richard Biggs).

Im Laufe der fünf Jahre, die von den Serienepisoden (neben denen es einschließlich des Pilotfilms noch sechs Fernsehfilme gab) dargestellt werden, spielen sich dramatische Entwicklungen ab: auf der Erde etabliert sich ein immer autoritärer agierendes Regime, von dem Babylon 5 sich schließlich lossagt, um bis zur Wiedereinsetzung einer legitimen Regierung als unabhängiger Staat zu agieren; die Narn, ein außerirdisches Volk, beginnen mit aggressiven Expansionsbestrebungen, um sich irgendwann an den Centauri rächen zu können, von denen sie früher lange besetzt gewesen waren, während der Centauri-Botschafter auf Babylon 5, Londo Mollari, seinerseits Schritte unternimmt, um die frühere imperiale Größe der Centauri-Republik, der er nachtrauert, wiederherzustellen. Und es stellt sich heraus, daß zwei der frühesten intelligenten Spezies, der legendären „Allerersten“, immer noch in der Galaxis verweilen und ihre alten Komplotte gegeneinander wieder aufnehmen: eine davon sind die Vorlonen, die mit ihrem Botschafter Kosh Naranek auf Babylon 5 vertreten sind und vorerst als die „Guten“ erscheinen, die anderen sind die sogenannten „Schatten“, die tausend Jahre zuvor von einer Koalition unter Führung der Vorlonen besiegt worden waren und nun zurückgekehrt sind und heimlich ihre finsteren Pläne betreiben, wofür sie auch Londo Mollari und andere führende Centauri sowie die neue Erdregierung manipulieren.

Die unheimlichen Spinnenschiffe der Schatten beim Angriff auf eine Raumbasis der Narn.

Insgesamt ist „Babylon 5“ weniger propagandageladen als die „Star Trek“-Serien, und die Dosierung der darin vorhandenen Propaganda variiert und ergibt auch nicht immer ein eindeutiges Bild, aber es ist dennoch nicht wenig davon drin.

Interrassische Paare

Interrassische Paare unter Menschen oder gar Interspezies-Beziehungen sind im Gegensatz zu „Star Trek“ die Ausnahme und auch meist nur vorübergehend. Da wären zum Beispiel Commander Jeffrey Sinclair und seine langjährige On/off-Freundin, die Weltraumprospektorin Catherine Sakai (gespielt von der Eurasierin Julia Nickson). Die beiden wollen am Schluß der ersten Staffel heiraten, woraus aber nichts wird, weil die Rolle von Jeff Sinclair wegen schwerer psychischer Probleme des Darstellers Michael O’Hare, der paranoide Wahnvorstellungen entwickelt hatte und mit seinen Kollegen nicht mehr klarkam, aus der Serie geschrieben und durch Captain John Sheridan (Bruce Boxleitner) ersetzt wurde.

Catherine Sakai (Julia Nickson) in „Die Macht des Geistes“

Allerdings war diese interrassische Beziehung nicht von Anfang so vorgesehen: im Pilotfilm „Die Zusammenkunft“ hatte Sinclair noch die weiße, rothaarige Frachtraumschiffeignerin Carolyn Sykes als Freundin, deren Darstellerin Blaire Baron diesen Part wegen eines anderen Engagements nicht für die Serie weiterspielen wollte, wodurch erst Julia Nickson in einer gleichartigen Rolle (vom Beruf bis hin zu den Anfangsbuchstaben der Namen!) als Ersatz zum Zug kam. Interessanterweise war ursprünglich geplant, daß Sinclairs Freundin später Z’ha’dum, die Heimatwelt der Schatten, entdeckt, weshalb sie auch ein eigenes Raumschiff haben mußte. Als Jeff Sinclair ab der zweiten Staffel durch John Sheridan (auch hier wieder Initialengleichheit) ersetzt wurde, konnte dessen Frau Anna nicht schon wieder eine selbständige Raumschiffeignerin sein, weshalb sie als Besatzungsmitglied des Forschungsschiffes Icarus nach Z’ha’dum flog und dort mit allen anderen verschwand.

Commander Sinclair (Michael O’Hare) und Carolyn Sykes (Blaire Baron) im Pilotfilm „Die Zusammenkunft“ (ursprünglicher deutscher Titel: „Spacecenter Babylon 5“).

Eine weitere vorübergehende interrassische Beziehung war die zwischen der blonden Stationstelepathin Talia Winters (Andrea Thompson) und ihrem früheren Lehrer beim PSI-Corps, dem Neger Jason Ironheart (William Allen Young). Dieser kommt in der Episode „Die Macht des Geistes“ nach Babylon 5, und dabei wird auch erwähnt, daß sie früher ein Liebespaar waren. Und Dr. Stephen Franklin (Richard Biggs), der in der Episode „Captain Jack“ gemeinsam mit dem Ranger Marcus Cole zum Mars reist, um dort Kontakt mit der Widerstandsbewegung aufzunehmen, entwickelt eine Beziehung zu deren weißer Anführerin Theresa Halloran (Marjorie Monaghan). Zwar bleibt zunächst unklar, wie weit sie dabei gingen, aber als die beiden einander später in der 5. Staffel (Episode „Wann, wenn nicht jetzt?“) wieder begegnen, kommt zum Ausdruck, daß damals auf dem Mars doch Sex im Spiel war und daß sie es zum Abschied noch einmal miteinander treiben wollen, ehe Franklin zur Erde abreist.

„Number One“ Theresa Halloran (Marjorie Monaghan) und Dr. Franklin auf dem Mars.

Interspezies-Beziehungen

Amouröses Interesse zwischen den Spezies spielt in „Babylon 5“ mit einer wichtigen Ausnahme kaum eine Rolle und wird zunächst nur in unernster Form präsentiert. Londo Mollari sieht sich zwar gerne Menschenfrauen an, aber da die Centauri äußerlich (und angezogen!) praktisch wie weiße Erdenmenschen mit etwas anderer Haartracht aussehen, ist das durchaus verständlich und wirkt nicht als Rassenvermischungspropaganda. Außerdem haben die Centauri ganz andersartige Genitalien (bei den Männern sind das zwei Tentakel an den Körperseiten), weshalb Londo sich bei Menschenfrauen ohnehin aufs Gucken beschränken muß.

Anders sieht es bei den diesbezüglichen Gelüsten des Narn-Botschafters G’Kar aus, die auch von seiner diplomatischen Assistentin Na’Toth angesprochen werden („Ihre große Schwäche für Erdenfrauen ist allgemein bekannt.“). Im Pilotfilm möchte er sich mit der damals noch auf Babylon 5 stationierten Telepathin Lyta Alexander (Patricia Tallman) paaren, um Telepathen-Nachwuchs zu zeugen, da Narn keine eigenen Telepathen haben („In jedem Fall müßten wir Ihre Gene mit unseren verschmelzen … das dauert. Außerdem müßten wir das Klon aufziehen, und demzufolge wäre Ihre Bezahlung anteilmäßig geringer. Die direkte Paarung wäre weitaus kosteneffektiver. Also: wie wollen Sie den Akt der Vereinigung vollziehen? Mit oder ohne Bewußtsein? Ich würde ihn gerne mit Bewußtsein vollziehen, aber ich weiß nicht, wo Ihre … Ihre Erregungsschwelle liegt.“) Und in der Schlußepisode „Chrysalis“ der ersten Staffel kommen drei leichtbekleidete Menschenfrauen aus G’Kars Schlafgemach, als Sinclair, den Na’Toth zunächst wegen angeblicher Erschöpfung G’Kars abwimmeln will, ihn in seinem Quartier besucht. Dabei ist es sehr unplausibel, daß so menschenunähnliche Wesen wie die Narn Gefallen an Menschenfrauen finden – ungefähr so unplausibel, wie daß ein Menschenmann sich zu einer Narn-Frau hingezogen fühlt (unten links G’Kar, [Andreas Katsulas], unten rechts seine Assistentin Na’Toth [Julie Caitlin Brown]).

 

Die vorerwähnte wichtige Ausnahme hinsichtlich Interspezies-Beziehung ist die Liebe zwischen dem Stationskommandanten John Sheridan und der Minbari-Botschafterin Delenn, aus der schließlich eine Ehe wird, aus welcher später ein Sohn hervorgeht. Allerdings hatte Delenn sich zuvor einer biologisch-genetischen Verwandlung unterzogen, durch die sie halb menschlich wurde. Diese Verwandlung war ein Ausgleich dafür, daß Jeff Sinclair, der in der Doppelfolge „Ranger Eins / Tausend Jahre durch die Zeit“ nach B-5 zurückkehrt, um mit der kurz nach ihrer Inbetriebnahme auf mysteriöse Weise verschwundenen Vorgängerstation Babylon 4 durch eine Zeitanomalie tausend Jahre in die Vergangenheit zu reisen und die Station als Basis für den damaligen Krieg gegen die Schatten zur Verfügung zu stellen, sich mit Hilfe der Vorlonen in den legendären Minbari-Führer Valen verwandelt hatte. Durch diese Verwandlung erscheint sie fast wie eine weiße Erdenfrau mit einem komischen Dingsbums um ihren Hinterkopf (daß die Darstellerin Mira Furlan mütterlicherseits jüdischer Abstammung ist, ist für den Zuschauer nicht augenfällig).

Delenn und Sheridan im Fernsehfilm „Das Tor zur dritten Dimension“ („Thirdspace“).

Interessant ist übrigens, daß Delenn ursprünglich ein männlicher Minbari hätte sein sollen, der im Zuge der Verwandlung nicht nur halb menschlich, sondern auch zur Frau wird, wobei aber dennoch die Figur in beiden Erscheinungsformen von Mira Furlan gespielt und auch gesprochen hätte werden sollen. Auf diese Information bin ich in The Strange, Secret Evolution of Babylon 5 von Jason Shankel (ja, ich weiß, dieser Name!) gestoßen, woraus ich diesen Abschnitt zitiere (Übersetzung von mir):

„Was wir da haben, ist im Grunde eine Schauspielerin, die einen männlichen Charakter spielt. Frauen *bewegen* sich einfach anders als Männer; die Gesten, die Kopfneigung, das Lächeln, das ist einfach um eine Spur anders… Wenn man sich das fertige Produkt ansieht, betrachtet man einen Mann, aber es stimmt an ihm etwas nicht, und es macht einen ein bißchen unsicher… dieses Gefühl, daß die Augen und das Gehirn irgendwo im Konflikt miteinander sind bezüglich dessen, was man sieht.“ (JMSNews 8/9/1992)

Traurigerweise wird das, was die linke Hand der Dunkelheit gibt, oft von der rechten weggenommen. Aus rein technischen Gründen sollte das, was ein bahnbrechender Moment in der transgenderierten Science Fiction gewesen wäre, nicht sein. Die Stimmänderungstechnologie, die nötig war, um Delenn männlich klingen zu lassen, war der Aufgabe einfach nicht gewachsen, und Straczynski entschied sich schließlich dafür, Delenn eindeutig weiblich zu machen, als die Serie ihre Premiere hatte: „Wir sind nun so ziemlich jede mögliche elektronische Veränderung durchgegangen, und offen gesagt klingt keine davon so überzeugend, wie ich es gerne hätte. Viele davon klingen *okay*, aber wir haben bei dieser Serie eine harte und schnelle Haltung eingenommen, daß ‚okay‘ einfach nicht genügt. Daher beschlossen wir, Delenn weiblich sein zu lassen.“ (JMSNews 12/14/1992)

Es ist schon bezeichnend, daß dieser dem Namen nach anscheinend jüdische Autor Jason Shankel vom Blog „io9“, der von der androgynen Genderqueer-Schnepfe Charlie Jane Anders und ihrer halbjüdischen lesbischen Partnerin Annalee Newitz betrieben wird, das Nichtzustandekommen dieser Transgender-Einlage um Delenn bedauert. Die dafür entwickelte ursprüngliche androgyne Maske für Delenn wurde im Pilotfilm noch verwendet und ab Beginn der Serienepisoden durch eine weiblichere Version ersetzt, durch die Mira Furlans normales Gesicht nur im Augenbrauen- und Nasenwurzelbereich verändert wurde:

Links die androgyne Delenn, wie sie im Pilotfilm erschien, rechts ihr Erscheinungsbild in der ersten Serienstaffel, vor der Verwandlung.

Vermischungspropaganda und Genozid: Schuldkult für Bovi, Freispruch für Jovi

Stärker als im Rahmen direkt dargestellter gemischter Beziehungen wird die Multirassen- und Vermischungspropaganda in „Babylon 5“ auf andere Weise betrieben; zwei Episoden waren offenbar eigens um diesen Zweck herum gestaltet.

Die erste davon ist „Ein unheimlicher Fund“, die vierte Folge der ersten Staffel. Darin kommt ein alter Freund von Dr. Franklin, der Professor Vance Hendricks, mit seinem Assistenten Nelson Drake nach Babylon 5. Die beiden hatten im Auftrag der Firma Interplanetary Expeditions die Ruinen der toten Welt Ikarra 7 nach Artefakten der ausgestorbenen Zivilisation dieses Planeten durchsucht und etliche dieser Artefakte nach Babylon 5 mitgebracht. Diese Gegenstände sind Produkte einer organischen Technologie, und wie sich herausstellt, hatten die Ikarraner nach 7 – 8 Invasionen auf ihrer Welt Cyborgs als Waffen zur Verteidigung gegen zukünftige Invasionen geschaffen und die Gehirnmuster eines ihrer Forscher namens Tular in die Maschinen übertragen. Eines der Artefakte ist ein solcher Cyborg im Ruhezustand und infiziert Nelson Drake, um ihn in eine organotechnische Kampfmaschine umzuwandeln, die dann auf der Station zu wüten beginnt. Nachfolgend gebe ich den Dialog wieder, in dem Dr. Franklin diese Sachverhalte seinem Kommandanten Sinclair erläutert:

Franklin: „Um zu verhindern, daß die Waffe auf Befehle des Feindes reagiert, stellte man ihre Sensoren so ein, daß sie nur der Stimme eines hundertprozentig reinen Ikarraners gehorcht. Und da liegt das Problem, Commander: Was ist ein hundertprozentig reiner Ikarraner, oder auch ein hundertprozentig reiner Mensch? Sowas gibt es doch gar nicht. Eine Irrsinnsidee.“

Sinclair: „Was für Maßstäbe hatte man zur Erkennung eines hundertprozentig reinen Ikarraners festgesetzt?“

Franklin: „Es war die Kombination aus einem religiösen Fanatiker und einem Krieger. Man hatte der Waffe gewissermaßen ideologische Normen implantiert. Es war entsetzlich.“

Sinclair: „Also ist es unmöglich, die Waffe mit vernünftigen Argumenten aufzuhalten?“

Franklin: „Genauso ist es. Bei der letzten Invasion Ikarras wurden elf dieser Maschinen eingesetzt. Logischerweise töteten sie die Invasoren, weil es keine reinen Ikarraner waren. Als diese Aufgabe beendet war, wandten sie sich gegen ihre Schöpfer und töteten alle, die nicht den Normen eines reinen Ikarraners entsprachen. Das heißt, das Töten ging weiter, bis der Planet vollständig entvölkert war.“

Sinclair: „Was wurde aus diesen Waffen?“

Franklin: „Da sich niemand mehr um sie kümmerte, verrotteten sie im Laufe der Jahrhunderte. Bis auf die eine letzte, die nach diesem Programm handelt und einen Gegner töten will, der seit tausend Jahren nicht mehr existiert.“

Hier wird die Propagandastoßrichtung schon klar: Das Konzept der Rassereinheit soll zerrredet und mit Ausrottung und Vernichtung in Verbindung gebracht werden. Dabei ist es doch Blödsinn, daß es keine hundertprozentig reinen Menschen (oder Ikarraner) gibt, denn das ist dasselbe wie die Behauptung, daß es auch keine hundertprozentig reinen Tiger oder Steinböcke gibt. Der Artbegriff ist klar definiert, und es ist völlig unplausibel, daß eine Zivilisation, die zur Schaffung hochentwickelter organischer Technologie fähig ist, bei der Programmierung ihrer Maschinen für die Abwehr außerweltlicher Invasoren keine brauchbare Definition des Feindes und des eigenen Volkes zustande bringt und ihnen stattdessen vorgibt, daß nur ein sehr eng definierter Standardtyp des Ikarraners gut und alles andere zu vernichten ist. Diese propagandistisch motivierte Strohmannargumentation der Serienmacher wird später bei der Konfrontation zwischen der Kampfmaschine, die sich als Tular identifiziert, und Sinclair im Dialog der beiden Kontrahenten fortgesetzt:

Tular: „Ich muß sie [die Ikarraner] schützen!“

Sinclair: „Wie schützen?“

Tular: „Du bist nicht rein!“

Sinclair: „Ja, ich bin nicht rein. Du mußt dich gegen alle wenden, die deiner Ansicht nach nicht rein sind!“

Tular: „Richtig!“

Sinclair: „Und die Ikarraner – wie rein waren die denn eigentlich?“

Tular: „Ganz rein!“

Sinclair (höhnisch): „Was heißt denn das? Jemand hat euch Daten eingegeben, die nur Theorie waren. Daten einer sogenannten hundertprozentigen Reinheit, die gar kein Lebewesen erreichen kann, nicht einmal ein Ikarraner!“

Tular: „Lügner! Ikarra muß geschützt werden!“

Sinclair: „Es gibt kein Ikarra mehr! Nicht so, wie du es gekannt hast. Die anderen Wesen, die dir gleich waren, haben die Invasoren besiegt. Dafür waren sie auch programmiert worden. Sie töteten alles, was ihnen fremd erschien. Aber genau genommen sind alle Völker einander fremd, alle sind deinen Maßstäben nach unrein.“

Tular: „Lüge!“

Sinclair (provokant): „Zu groß. Zu klein. Zu dunkel. Zu hell. Unvollkommen. Alle wurden getötet. Das sinnlose Ausrotten nahm kein Ende.“

Tular: „Neeeiin!“

Sinclair: „Nelson, der durch dich mutiert ist – er hat Ikarra gesehen, nachdem ihr Kampfmaschinen alle Lebewesen auf dem Planeten getötet hattet. Wieso benutzt du nicht sein Gedächtnis? Da kannst du erkennen, was er gesehen hat. Die Bilder befinden sich alle in seinem Gedächtnis. Sieh das, was er gesehen hat. Na los! Sieh hin! Worauf wartest du? Das Gedächtnis kann nicht lügen; du erkennst die reine Wahrheit. Sieh ganz genau hin. Was siehst du?“

Tular: „Eine riesige Wüste.“

Sinclair: „Ja, ganz richtig.“

Tular: „Alles ist tot. Seit über tausend Jahren tot. Ausgerottet.“

Sinclair: „Ja, und diese Wüste ist rein. Eine vollkommene Welt.“

Tular: „Das haben wir getan?“

Sinclair: „Ja!“

Tular: „Nein!“

Sinclair: „Wie kannst du jetzt noch zweifeln? Du und die anderen, ihr habt wie Fanatiker gehandelt, und wer fanatisch alles als fremd ansieht, verwandelt eine blühende Welt in eine Wüste.“

Daraufhin schaltet die Kampfmaschine sich aus Reue selbst ab, baut ihre organisch-technische Substanz wieder ab und hinterläßt den ohnmächtig, aber lebend daliegenden Nelson Drake.

Hier wird weiterhin so getan, als würde das Bestreben eines Volkes oder einer Rasse, sich selbst in seiner Eigenart zu bewahren und seine Selbstbestimmung zu verteidigen, prinzipiell darauf hinauslaufen, alles zu hassen, was fremd und anders ist, und es zu vernichten – und als könnte es keine brauchbare, leicht nachvollziehbare Definition dieses Volkes oder dieser Rasse geben, weil zwangsläufig die allermeisten Mitglieder in der einen oder anderen Weise von einer eng definierten Norm abweichen müssen.

Bei dieser Propaganda wird am Schluß der Episode in einem Dialog zwischen Franklin und Susan Ivanova, dem Ersten Offizier der Raumstation, noch nachgelegt und eine noch deutlichere Verbindung zu heutigen weißen Nationalisten hergestellt:

Franklin: „Die Ikarraner haben damals gegen Invasoren gekämpft wie wir gegen die Minbari. Es gibt da eine gewisse Ähnlichkeit. Zu Hause gibt es eine ständig wachsende Pro-Erde-Bewegung. Fanatische Gruppen, die alles hassen, was außerirdisch ist. Viele dieser Leute sind ausgesprochen militant. Sie glauben, sie müßten unsere Gesellschaft gegen alles schützen, was anders ist als sie. Vielleicht war der Vorfall auf der Station eine Warnung vor dieser Entwicklung.“

Ivanova: „Ich glaube nicht, daß die Menschen so dumm sein könnten. Ein Philosoph hat gesagt, wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist gezwungen, sie zu wiederholen.“

Gleich darauf kommen Sicherheitsleute und teilen den beiden mit, daß alle Fundstücke auf Anordnung der Abteilung Biowaffen im Verteidigungsministerium aus Gründen der planetaren Sicherheit beschlagnahmt und zur Erde transportiert werden. Darauf sagt Ivanova:

„Ich fürchte, da hat jemand die Vergangenheit vergessen. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, Doktor. Ich werde mich mit ein paar Außerirdischen betrinken.“

Da haben wir eine weitere diffamierende und realitätsverdrehende Behauptung der jüdischen Propaganda: seine rassische und ethnische Eigenart bewahren und seine Heimat vor fremder Landnahme und Beeinflussung frei halten zu wollen, ist nicht bloß „böse“, sondern auch noch „dumm“. Und solch eine Aussage wird einer hochrangigen Berufssoldatin in den Mund gelegt.

Die zweite spezielle Anti-Rassereinheits-Episode ist „Ein sterbendes Volk“ aus der 5. Staffel. Darin bittet Franklin die Repräsentantinnen des außerirdischen Volkes der Hyach, ihm medizinisch-genetische Daten über die Hyach zu geben, die er im Zuge seiner Forschungen über die Krankheiten der verschiedenen Spezies braucht. Die Hyach-Botschafterin Tal und ihre Assistentin Kirrin beraten sich über Franklins Ansuchen und äußern Besorgnis darüber, was wäre, „wenn er es herausfindet“, falls sie ihm die Daten geben.

Dr. Franklin und die Hyach-Botschafterin Tal in dem Frachtraum, wo das Geheimnis um die Vergangenheit der Hyach und deren Folgen für ihre Zukunft enthüllt wird.

Nachdem Franklin die erbetenen Aufzeichnungen bekommen hat, wundert er sich darüber, daß diese ebenso wie die in irdischen Datenbeständen vorhandenen nur achthundert Jahre zurückreichen, obwohl die Zivilisation der Hyach siebentausend Jahre alt ist. Daraufhin läßt er den Computer in den Datenbanken aller außerirdischen Spezies nach älteren Informationen über die Hyach suchen. Schließlich stößt er auf eine Videoaufnahme eines Drazi-Raumschiffkapitäns, der erzählt, daß seine Gruppe bei einem Aufenthalt auf der Welt der Hyach Kontakt mit den Hyach-Doh gehabt habe, was selten vorkäme. Die Hyach-Doh seien in ihr Lager gekommen und hätten gebeten, mitgenommen zu werden, was die Drazi gemäß eines Vertrags mit den Hyach verweigert hätten.

Franklin läßt daraufhin den Computer in den Aufzeichnungen aller Spezies mit dem Suchbegriff „Hyach-Doh“ suchen und die Ergebnisse ausdrucken, worauf er sich mit den Ausdrucken in der Hand auf den Weg zu den Hyach-Repräsentantinnen macht. Unterwegs wird er von Kirrin mit vorgehaltener Waffe in einen Frachtraum dirigiert, wo sie von ihm die Herausgabe der Unterlagen fordert, worauf diese Diskussion folgt:

Franklin: „Sparen Sie sich die Mühe, Kirrin. Ich kenne das Geheimnis. Die Hyach-Doh sind alle tot. Es gab bei Ihnen eine parallele Evolution. Auf Ihrem Planeten entwickelten sich zwei intelligente Rassen. Die eine hatte sich vor einer Million Jahre von der Hauptlinie abgetrennt; so etwas gab es auch auf der Erde. Nur: die Hyach-Doh… sind nicht ausgestorben.“

Kirrin: „Richtig. Zuerst kämpften wir gegeneinander um den Lebensraum und die Rohstoffe. Dann fanden wir zu einer Koexistenz. Eine Zeitlang.“

Franklin: „Und in dieser Zeit wurde zwischen den beiden Entwicklungslinien geheiratet.“

Kirrin: „Ja, es war eine große Schande. Und es geschah in all diesen Jahren leider ständig.“

In diesem Moment kommt die Hyach-Botschafterin Tal hinzu und sagt: „Bis vor etwa 1200 Jahren Ihrer Zeitrechnung. Da wurden religiöse Gesetze erlassen. Sie besagten, daß es unmoralisch sei, in eine andere Linie einzuheiraten. Dann… wurde aus ‚unmoralisch‘ ‚illegal‘. Etwas später stand darauf die Todesstrafe. Und dann…“

Franklin: „…wurde entschieden, daß es viel effizienter sei, die gesamte Seitenlinie auszulöschen.“

Tal: „Es dauerte einige Jahrhunderte. Man verfolgte die Hyach-Doh bis in die letzten Winkel unseres Planeten. Es wurden sogar hohe Kopfgeldprämien ausgesetzt, und es wurde ihnen verboten, den Planeten zu verlassen. Sie versuchten es immer wieder, aber auf jeden Raumschiffkapitän, den man bei einem Transport erwischte, wartete die Exekution. 40 Millionen Hyach-Doh… Die Scheiterhaufen mit den Leichen brannten Tag und Nacht…“

Kirrin: „Das alles ist doch Vergangenheit. Wir sind nicht verantwortlich.“

Tal: „Dennoch müssen wir den Preis zahlen, Kirrin.“

Franklin: „Welchen Preis? Sie müssen wissen, daß ich es rauskriege. Welchen Preis?

Tal zu Kirrin: „Gib ihm die Papiere zurück. Tu, was ich sage!“ Dann zu Franklin: „Sehen Sie sich die Zahlen an, die unsere Bevölkerung betreffen.“

Franklin, nach einem Blick auf eines der Blätter: „Ihre Bevölkerungszahl wächst nicht; sie sinkt. Die Geburtenrate ist um 20 % zurückgegangen. Laut dieser Kurve hat Ihre Zahl seit Jahrhunderten abgenommen. Irgendein Glied in der biologischen Kette ist zerstört.“

Tal: „So ist es.“

Franklin: „Sie waren auf die Hyach-Doh angewiesen. Sie brauchten etwas aus der DNS der Hyach-Doh; deswegen auch die Mischehen. Und nun…“

Tal: „Nun sterben wir. Wir haben die Hyach-Doh ausgerottet und damit unser eigenes Todesurteil unterschrieben. Es hat sehr lange gedauert, diese Zusammenhänge zu erkennen, aber jetzt gibt es keinen Ausweg mehr. Wir sind ein sterbendes Volk. Es sei denn, Sie helfen uns.“

Franklin: „Nein.“

Tal: „Sie machen uns für den Tod der anderen verantwortlich.“

Franklin: „Ja.“

Tal: „Obwohl wir zu der Zeit noch gar nicht geboren waren!“

Franklin: „Sie haben geholfen, die Wahrheit zu verbergen, indem Sie die Geschichte verändert haben. Sie haben kurzerhand die Teile, die Ihnen nicht gefallen, entfernt, und damit haben Sie sich zu Mitschuldigen gemacht.“

Kirrin: „Es ist eine Schande für unser Volk, und die wollen wir natürlich nicht offenlegen.“

Franklin: „Es ist Ihre Entscheidung! Trotzdem kann ich Ihnen aus moralischen Gründen nicht helfen. Außerdem: ein so komplexes Problem übersteigt meine Möglichkeiten. Es würde die Mitarbeit vieler Allianzwelten erforderlich machen, um herauszufinden, was in Ihrer biologischen Kette verlorengegangen ist. Und selbst wenn das gelingt, wäre eine Rettung noch nicht garantiert. Ich würde das Ende eines solchen Projektes gar nicht erleben, aber man könnte anfangen. Ohne Erfolgsgarantie. Doch wenn Sie die Tatsachen geheimhalten, wird nichts geschehen, und Sie alle, die Hyach, werden endgültig aussterben.“

Tal zu Kirrin: „Laß ihn gehen.“

Kirrin: „Wirklich?“

Tal: „Ja. Es ist die Entscheidung unserer Ältesten. Ihnen gelang es nicht, unsere Schande anderen Völkern mitzuteilen. Aber jetzt, wo ein Mensch die Wahrheit entdeckt hat, müssen wir auch dazu stehen. Es würde einen viel zu hohen Preis kosten, um das noch zu verhindern.“ Dann, nach dem Abgang von Kirrin, zu Franklin: „Aber vielleicht, eines Tages, finden wir Vergebung für die Taten unserer Vorfahren.“

Franklin: „Ich weiß es nicht. Ich habe nicht das Recht, für die Toten zu sprechen. Vergeben könnten Ihnen allein die Hyach-Doh – die nicht mehr existieren.“

Es ist schon mal von der Biologie her Blödsinn, daß bei zwei sich aus einem gemeinsamen Ursprung auseinanderentwickelnden Rassen die eine ständigen Genaustausch mit der anderen braucht, weil sie sonst Gendefekte erleiden oder gar aussterben würde. Jede Aufspaltung in Spezies oder Unterarten im Verlauf der gesamten Evolution des Lebens auf der Erde ist durch den allmählich immer mehr abnehmenden oder auch plötzlich unterbrochenen genetischen Austausch zwischen zwei Populationen mit gemeinsamer Abstammung zustande gekommen, wodurch die beiden Gruppen sich immer mehr auseinanderentwickelten und schließlich so verschieden waren, daß sie keine gemeinsamen Nachkommen mehr haben konnten. So hat sich das Leben auf der Erde in viele Arten verzweigt, was nicht möglich gewesen wäre, wenn ein unterbrochener Genaustausch zwischen Rassen schädliche Folgen hätte oder gar zum Aussterben führen würde. Hier wird bloß wieder die Lüge von der „genetisch gesunden Rassenvermischung“ propagiert.

Sodann wäre es in einem Fall, wo tatsächlich die eine von zwei Rassen keine Vermischung mit der anderen will und diese los sein möchte, unlogisch, diese sogar an der Flucht von der gemeinsam bewohnten Welt zu hindern und jeden mit der Todesstrafe zu bedrohen, der Angehörigen dieser Rasse dabei hilft. Man wäre doch vielmehr froh, wenn die von selber abhauen. Hier geht es wieder einmal bloß darum, Rassenvermischungsablehner als möglichst böse und grausam erscheinen zu lassen.

Und schließlich haben wir es hier wieder mit dem biblischen Konzept der unbegrenzt erblichen historischen Kollektivschuld zu tun: Ausgerechnet Dr. Franklin, dem „alles Leben heilig ist“, lehnt es aus moralischen Gründen ab, einer Spezies bei der Rettung vor dem Aussterben zu helfen, weil deren Vorfahren vor achthundert Jahren eine andere Rasse auf ihrer Welt ausgerottet haben.

Zudem gibt es hier einen krassen Doppelmaßstab im Vergleich zum Fall der Minbari, die im Krieg gegen die Erde die völlige Auslöschung der Menschheit mitsamt ihrer Welt beabsichtigt hatten, weil bei der ersten Begegnung von Raumschiffen der beiden Spezies die Menschen aufgrund eines von den Minbari verschuldeten Mißverständnisses als erste geschossen hatten, wobei Dukhat, der Führer des Grauen Rates der Minbari und Delenns sehr verehrter Mentor, getötet wurde: Die Minbari, die schon viel länger interstellare Raumfahrt betrieben hatten als die Menschen, hatten zwar schon von letzteren gehört, aber mangels Neugier davon abgesehen, sich näher mit diesen zu befassen und ihre Sprache zu lernen, sodaß bei der ersten Begegnung im Weltraum keine Verständigung möglich war. Bei diesem Kontakt waren die Waffensysteme der Minbari-Kreuzer gemäß der Tradition der Kriegerkaste als Geste der Stärke und des Respekts aktiviert gewesen, was die technisch unterlegenen Menschen als Bedrohung aufgefaßt und aus Nervosität vor den riesigen, fremdartigen Raumschiffen mit Feuereröffnung erwidert hatten.

Zwei der 300 m langen Minbari-Kreuzer.

Nach Dukhats Tod hatten die Minbari von der frisch in den Grauen Rat aufgenommenen Delenn eine Entscheidung darüber verlangt, was nun weiter geschehen solle, denn unter den anderen acht Ratsmitgliedern herrsche ein Patt und ihre Stimme würde den Ausschlag geben. Außer sich vor Wut über den Tod ihres Mentors hatte Delenn daraufhin geschrien, die Menschen seien Bestien, und man solle sie ohne Gnade bis zu ihrem Heimatplaneten verfolgen und zusammen mit diesem auslöschen. Erst in der letzten Abwehrschlacht nahe der Erde hatten die Minbari kurz vor ihrem sicher scheinenden Endsieg von der Ausführung ihres Ausrottungswerks abgesehen, da sie, die an Seelenwanderung glauben, einige menschliche Raumjägerpiloten (als ersten Jeffrey Sinclair) an Bord geholt und festgestellt hatten, daß sie Minbariseelen besaßen.

In der Folge „Gefangen im Cybernetz“ fragt Delenn Franklin, ob er aktiv am Erd-Minbari-Krieg teilgenommen habe. Dieser senkt zunächst den Blick und schaut dann zur Seite, als ob er beschämt wäre, und sagt dann: „Im letzten Jahr, als es für unsere Seite ziemlich schlecht stand, wurden alle Mediziner, die Aufzeichnungen über Minbari besaßen, aufgefordert, sie dem Hauptkommando zu übergeben. Man wollte sie für die genetische Kriegführung nutzen.“

Delenn (irgendwie streng wirkend): „Was taten Sie?“

Franklin: „Ich bin Mediziner, und deshalb ist mir alles Leben heilig. Ich habe rechtzeitig meine gesamten Aufzeichnungen zerstört.“

Delenn (wieder freundlich lächelnd): „Ich danke Ihnen, Doktor.“

Im Film „Der erste Schritt“, der zur Zeit des Krieges gegen die Minbari spielte, wurde das direkt dargestellt: Ein weißer Vorgesetzter verlangte von Franklin, er solle seine medizinischen Daten über die Minbari zur Verfügung stellen, die er doch sicherlich gesammelt haben müßte, nachdem er in seinen Jahren als weltraumtrampender Arzt einmal auch Minbari behandelt hatte, die mit ihrem Raumschiff abgestürzt waren. Franklin antwortete darauf, er sei Arzt, weshalb ihm alles Leben heilig sei und er nicht zulassen werde, daß seine Informationen für biogenetische Kriegführung gegen die Minbari verwendet werden, um sie womöglich auszurotten. Als der Vorgesetzte ihn scharf darauf hinwies, daß die Minbari genau das mit den Menschen vorhätten, wenn sie nicht aufgehalten würden, erwiderte Franklin, das sei ihm egal. Darauf folgte ein Schreiduell zwischen den beiden, bis der Vorgesetzte Franklin unter Arrest stellen ließ.

In diesem Fall hatte Franklin sich also trotz der verzweifelten Kriegslage geweigert, Informationen für die Kriegführung gegen eine Spezies zur Verfügung zu stellen, die wild entschlossen war, seine eigene Spezies samt ihrer Welt zu vernichten, und wird dafür von Delenn (stellvertretend für die Serienmacher) gelobt! Selbsterhaltungsmaßnahmen für Menschen (was das überwiegend weiße Publikum von „Babylon 5“ wohl hauptsächlich auf sich als Weiße beziehen wird) haben also eine viel niedrigere und teils sogar negative Wertigkeit. Dazu kommt, daß die Minbari nach meinem Eindruck auch wieder so eine idealisierende Selbstdarstellung der Juden als überlegene Weltraum-Israelis sind, wie ich es bereits in Star Dreck VIIIa – Star Trek: Die Originalserie bezüglich der Vulkanier festgestellt habe: sie sind eine ältere, weisere und technisch fortgeschrittenere Zivilisation als die Menschen-„Goyim“, betreiben schon viel länger Raumfahrt, sind physisch überlegen durch ihre Langlebigkeit, ihre körperliche Widerstandsfähigkeit, die sie überleben läßt, wo ein Mensch schon gestorben wäre, und ihre größere Körperkraft, die es zum Beispiel Delenns Assistenten Lennier ermöglicht, den Ranger Marcus Cole am Hals zu packen und am ausgestreckten Arm hochzuheben („Fassen Sie mich nie wieder so an!“). Und außerdem ist es bei ihnen im Gegensatz zu den Menschen in Ordnung, wenn sie auf ihrem Planeten unter sich bleiben und so gut wie keine Ansiedlung von Fremden dort zulassen: Jeffrey Sinclair wird nach seinem Abgang von Babylon 5 als erster Erdenbotschafter mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung nach Minbar versetzt, und die Reporterin Cynthia Torqueman von Interstellar News sagt als Einleitung ihres Interviews mit Delenn: „Da es nur wenigen Menschen gestattet wurde, Minbar zu besuchen – würden Sie vielleicht als Erstes Ihren Planeten beschreiben?“

Doppelstandards: „Normale“ außerirdische Chauvinisten, verachtenswerte menschliche Patrioten

Doppelte Bewertungsmaßstäbe hinsichtlich dessen, was Menschen einerseits und Außerirdische andererseits aus Eigengruppenegoismus oder „Rassismus“ tun, kommen in „Babylon 5“ immer wieder vor. Menschen dürfen zum Beispiel im rituellen Kampfsport Mutai nicht kämpfen (Episode „Im Ring des Blutes“); die Außerirdischen lehnen die Teilnahme von Menschen aus Abneigung gegen sie ab, als ob die verschiedenen nichtmenschlichen Spezies einander als weniger fremdartig wahrnehmen würden als die Menschen und einen Block der Ablehnung gegen diese bilden würden). Der Mulatte Walker Smith erkämpft die zukünftige Zulassung von Menschen zum Mutai. Dies wird zwar als erfreuliche Überwindung von Vorurteilen präsentiert, aber es kommt dennoch so rüber, als wäre es Sache der Menschen, die Außerirdischen, die deswegen nicht als verachtenswert dargestellt werden, von der Unbegründetheit dieser Vorurteile zu überzeugen.

Wenn die Narn oder die Centauri expandieren und ihre Feinde zermalmen wollen, wenn G’Kar davon träumt, die Centauri auszurotten und aus ihren Knochen Flöten für die Kinder der Narn zu schnitzen, oder wenn Londo Mollari der imperialistischen Größe seines Volkes nachtrauert und sie mit Hilfe der Schatten wiederherstellen und Welten erobern möchte, dann wird das in der Serie zwar auch als nicht in Ordnung bewertet. Jedoch kommen die beiden Protagonisten und ihresgleichen dennoch als einigermaßen sympathisch oder wenigstens von nachvollziehbaren Motiven getrieben rüber und werden verständnisvoll gezeichnet, statt als so dumm, böse, widerlich, verachtenswert und teils sogar gestört dargestellt zu werden wie patriotische Menschen, die bloß ihre Welt für sich haben wollen und teils noch Groll und Mißtrauen gegen die Minbari wegen deren seinerzeitigem Vernichtungskrieg gegen sie hegen.

Ähnlich ist es bei jenen Minbari, die ablehnend auf Delenns Verwandlung zum halben Menschen reagieren und ihr sagen, sie sei deswegen keine von ihnen mehr, dürfe nicht mehr für die Minbari sprechen oder sei eine Beleidigung für die Reinheit ihrer Rasse: das wird von den Serienmachern zwar auch als nicht ganz die feine Art präsentiert, aber nicht als so verwerflich, wie wenn Menschen daran Anstoß nehmen, und Delenn reagiert darauf bei Minbari zwar ebenfalls betroffen, aber nicht so betroffen und verletzt, wie wenn sie zum Beispiel von der ISN-Reporterin Cynthia Torqueman im Interview darauf angesprochen und bloß gefragt wird, was sie den Angehörigen der vielen Toten des Krieges sagen würde, die es als Beleidigung sehen könnten: in diesem Fall ist Delenn sprachlos, den Tränen nahe, und bittet um Beendigung des Interviews („36 Stunden auf Babylon 5“).

Mit der Abqualifizierung der „fremdenfeindlichen“ Pro-Erde-Leute geht es bereits in Folge 7 der ersten Staffel, „Angriff auf die Außerirdischen“, los (die Autorin dieser Episode ist übrigens Dorothy C. Fontana, die Sekretärin von Star-Trek-Schöpfer Roddenberry und Autorin etlicher Trek-Folgen): Darin werden auf der Raumstation drei Außerirdische mit einem Messer angegriffen und verletzt – die Minbari-Poetin Shaal Mayan und ein junges Centauri-Liebespaar (der Täter soll ja vom Publikum als besonders niederträchtig wahrgenommen werden).

Alle Führungsleute von Babylon 5 bekunden moralischen Abscheu gegen die „Rassisten“ der Home Guard, einer erdpatriotischen und einwanderungsfeindlichen Bewegung. Ivanova wirft die Rose, die ihr früherer Liebhaber Malcolm Biggs, der sie auf der Station besucht, ihr geschenkt hat, angewidert in einen Abfallbehälter, nachdem Biggs als Agent der Home Guard erkannt wird. Commander Sinclair sagt auf Garibaldis Äußerungen über den Zulauf zur Home Guard und anderen derartigen Organisationen: „Die Pro-Erde-Gruppen! Sie nutzen Hass und Dummheit, um die Menschen gegen die Außerirdischen aufzuwiegeln, aber das werde ich hier nicht zulassen. Nicht auf Babylon 5!“

Ein Home-Guard-Sympathisant namens Roberts wird wegen eines blutigen Messers verdächtigt, den Angriff auf Shaal Mayan begangen zu haben, und sagt auf Garibaldis Frage, ob er die Home Guard kenne: „Ja, natürlich. Und diese Leute haben die richtige Einstellung. Es wird Zeit, daß wir Menschen für unsere Rechte eintreten. Die verdammten Außerirdischen machen doch alles kaputt!“

Als Garibaldi seine Leute anweist, Roberts (der in dieser Szene sehr unsympathisch porträtiert wird) wegen unerlaubten Waffenbesitzes (des Messers) ins Gefängnis zu stecken und die Blutspuren auf dem Messer zu analysieren, braust Roberts auf: „Was soll denn dieser Schwachsinn?“

Garibaldi: „Ihr dummes Gequatsche gefällt mir nicht. Und wenn das Blut auf Ihrem Messer von Shaal Mayan stammt, übergebe ich Sie den Minbari – die werden Sie richtig in die Mache nehmen!“

Darauf Roberts: „Wer ist denn nun schlimmer: diese Außerirdischen oder Menschen, die sich bei ihnen einschmeicheln auf Kosten ihrer eigenen Leute?“

Da stimme ich ihm sehr zu, denn daß Garibaldi zumindest seiner Drohung zufolge einen anderen Menschen wegen einer im Gerichtsbarkeitsbereich der Erdstreitkräfte begangenen Tat an eine außerirdische Justiz übergeben will, wäre eigentlich ein Rechtsbruch und soll wohl nur seine Verachtung und Abneigung gegenüber „Xenophoben“ zum Ausdruck bringen (später stellt sich heraus, daß Roberts tatsächlich unschuldig ist).

Die vier Home-Guard-Leute, die auf die Station gekommen waren – sämtlich Weiße! – werden am Ende der Episode geschnappt, nachdem sie versucht hatten, Sinclair für ihre Bewegung zu rekrutieren und zu einem Mordanschlag an einer außerirdischen Botschafterin zu veranlassen. Zum Abschluß gibt es dieses Gespräch zwischen Shaal Mayan, Delenn und G’Kar:

Shaal Mayan: „So viel Hass und Gewalt wegen einer engstirnigen Weltanschauung. So große Dummheit ist für mich unverständlich.“

Delenn: „Die Wege der Menschen sind sehr oft nicht nachzuvollziehen. Aber im Laufe der Zeit gewöhnt man sich an ihre Denkweise.“

G’Kar: „Nur wenn man eine in sich gefestigte Persönlichkeit ist.“ (Das sagt einer, der selbst die Centauri ausrotten will!)

Auch in der nächsten Folge, „Gefangen im Cybernetz“, geht es in dieser Art weiter: Zwei fanatische Erdpatrioten kommen auf die Station und entführen Commander Sinclair, um ihn in einem Cybernetz in eine virtuelle Realität zu versetzen und dort unter Folter nach den Ereignissen während der letzten Abwehrschlacht im Minbari-Krieg zu verhören, als er von den Minbari an Bord eines ihrer Schiffe gebracht worden war, woran er keine Erinnerung hat, weil sie von den Minbari gelöscht worden war. Diese beiden Schurken verdächtigen Sinclair des Verrats an der Erde, weil er auf Bestehen der Minbari zum Kommandanten von Babylon 5 ernannt worden war – und sie sind wie die meisten anderen Schurken und Fieslinge in der Serie schon wieder weiß, ebenso der Sicherheitsdienstmann Benson, der mit ihnen kooperiert, um mit dem Lohn seine Spielschulden bezahlen zu können.

Im Zuge des Verhörs sagt der eine Schurke („Knight Two“) zu Sinclair: „Sie wissen, wie es ist, Commander: Außerirdische Kulturen, außerirdische Einwanderer, Außerirdische, die unsere Erde quadratkilometerweise in Besitz nehmen, Außerirdische auf Babylon 5! Und was sie nicht mit Gewalt kriegen können, das kaufen sie einfach Stück für Stück!“


Sinclair wird in der virtuellen Realität des Cybernetzes von „Knight Two“ (Christopher Neame) gefoltert und verhört.

In der Darstellung von Knight Two werden alle Kniffe angewandt, um ihn nicht nur als böse, sondern auch als unsympathisch und geradezu gestört erscheinen zu lassen: unter anderem öffnet er oft schon vor irgendeiner Äußerung den Mund und läßt ihn auch danach offenstehen (etwas, das mir bei realen Unsympathlern auch schon aufgefallen ist), und er zuckt während des Sprechens völlig unmotiviert mit seinen Blicken hin und her, sodaß dieses Augenrollen den Eindruck einer irren Persönlichkeit erweckt. Sobald man diese Mätzchen als bewußt eingesetzte schauspielerische Kniffe erkennt, werden sie extrem nervig.

Der verhaftete „Knight Two“ wird auf Befehl der Erdzentrale zur Erde abtransportiert.

Bei all dieser Negativdarstellung „xenophober“ Menschen wird in der Serie aber dennoch zuweilen gezeigt, daß Außerirdische ein sehr fremdartiges Wesen haben können: In „Krieger wider Willen“ wird ein menschliches Waisenmädchen namens Alisa Beldon aufgegriffen, das sich als bisher unentdeckte Telepathin herausstellt. Laut Gesetz müßte die Kleine entweder dem PSI-Corps beitreten oder lebenslang Medikamente zur Unterdrückung ihrer Talente nehmen – oder ins Gefängnis gehen. Ivanova, die das PSI-Corps hasst, weil ihre Mutter wegen der Nebenwirkungen der Anti-PSI-Medikamente Selbstmord begangen hatte, will verhindern, daß sie ans Corps überstellt wird, und sucht nach Alternativen. Als Na’Toth das Angebot vorträgt, Alisa Beldon solle nach Narn kommen, um dort Genproben für die Züchtung von Narn-Telepathen zu spenden, schaut Alisa in das Bewußtsein der Narn-Frau, worauf sie sich schaudernd abwendet und sagt, sie müsse nun ruhen. Auf die Frage nach Na’Toths Abgang, wie es in deren Bewußtsein war, sagt sie:

„Es war kalt. Hässlich. Unheimlich. Da war nichts so wie in einem menschlichen Bewußtsein. Ich hatte das Gefühl, in eine unheimliche Höhle zu blicken.“

Kindermund tut Wahrheit kund. Aber Menschen, die nicht wollen, daß solche fremdartigen Wesen sich in ihrer Heimat ansiedeln und dort quadratkilometerweise Land aufkaufen, sind dumme, böse, hasserfüllte, engstirnige, widerliche Psychopathen, die „aus der Vergangenheit nichts gelernt haben“.

Verknüpfung von Patriotismus und Ethnonationalismus mit Diktatur und Überwachungsstaat

Unsympathisches weiße Schweinchen: Präsident Morgan Willam Clark.

Ein Propagandazug in diesem Zusammenhang ist auch, daß die zunehmend repressiver werdende und sich zu einer totalitären Diktatur entwickelnde Regierung von Morgan Clark, der nach der Sprengung des Raumschiffes Earth Force One mit dem amtierenden Präsidenten Luis Santiago an Bord vom Vizepräsidenten zum Präsidenten aufsteigt, mit dem Themenbereich Erdpatriotismus, Einwanderungsgegnerschaft und „Erde zuerst“ verknüpft wird, um in den Köpfen der Zuschauer eine Assoziation zwischen Nationalismus einerseits und diktatorischem Überwachungsstaat andererseits zu erzeugen. Präsident Santiago hatte beabsichtigt, die Einwanderungsbestimmungen für Außerirdische zu lockern, was die Home Guard zu einem Anschlagsversuch motiviert, der aber vereitelt werden kann. Nach Santiagos tatsächlicher Ausschaltung sagt Morgan Clark, bis dahin Vizepräsident, in der Episode „Chrysalis“ bei seiner Vereidigung als Präsident:

„Wir werden uns in Zukunft verstärkt auf die Interessen unseres eigenen Volkes konzentrieren, um es auf die Aufgaben, die die Zukunft bringt, vorzubereiten.“

Der Vorlonen-Botschafter Kosh, der hereinkommt, als Sinclair dies gerade in der Fernsehübertragung ansieht, kommentiert daraufhin: „So fängt es also an.“

Böse Blondine: Julie Musante vom Friedensministerium, Abteilung Nightwatch, eine arrogante, aufdringliche und besserwisserische Schnüfflerin, wird Sheridan vorübergehend als Politischer Offizier zugeteilt und verkündet bei einem Nightwatch-Treffen, daß gewisse „traditionelle Bereiche der Rede- und Versammlungsfreiheit beschnitten werden“ müßten, weil Regierung und Militär von Verrätern infiltriert seien.

Mit Unterstützung und unter Beeinflussung durch das PSI-Corps und die Schatten (was erst allmählich immer mehr erkennbar wird) wandelt Clarks Regime die Erd-Allianz immer mehr in einen Polizeistaat um, in dem die vom Ministerium für Frieden (laut dessen eigenem Vertreter kurz „Minipax“ genannt) geschaffene Organisation Nightwatch unter dem Vorwand, die Erde zu schützen und nach Verrätern zu fahnden, Jagd auf Mißliebige und Dissidenten macht. Dabei baut Nightwatch ein Spitzelnetz aus freiwilligen Aktivisten auf, für das auch viele aus dem Personal von Babylon 5 rekrutiert werden.

Ein unsympathischer Ehrgeizling aus dem Sicherheitsdienst, der nicht zufällig dem jüdischen Klischeebild vom grobschlächtigen „bösen blonden Arier“ entspricht, wird zum Nightwatch-Führungsoffizier auf Babylon 5 und gibt bei Nightwatch-Treffen Befehle aus, die dem Vizechef des Sicherheitsdienstes, Zack Allen (Jeff Conaway, Hintergrund), der wegen des Zusatzverdienstes mitmacht, immer weniger gefallen.

Das Kriegsrecht wird verhängt, die aufmüpfige Marskolonie wird bombardiert, und schließlich sagt Babylon 5 sich mit Rückendeckung durch die Minbari, die bereits über die Rückkehr der Schatten informiert sind, und die Narn von der Erdregierung los und erklärt sich für unabhängig. Es folgt ein Bürgerkrieg, der durch eine Befreiungsoffensive unter Sheridans Führung den Sturz des Clark-Regimes herbeiführt. Clark begeht Selbstmord, um sich der Verhaftung zu entziehen.

Antiweiße Propaganda

Die „Raiders“ genannten menschlichen Raumpiraten, sonstige Verbrecher, unangenehme und arrogante Regierungsfuzzis und Militärs, PSI-Corps-Leute (vor allem Gedankenpolizisten), Home-Guard-Aktivisten, „xenophobe“ Stänkerer und Schläger, Nightwatch-Spitzel und böse menschliche Verschwörer („Büro 13“) werden weit überproportional (gerade nicht ausschließlich) von Weißen oder von für Uneingeweihte weiß erscheinenden Juden gespielt (Walter Koenig, der den PSI-Polizisten und wiederkehrenden Bösling Alfred Bester spielt, ist Jude, und Judy Levitt, die eine der PSI-Polizistinnen spielt, ist im realen Leben Walter Koenigs Frau und möglicherweise ebenfalls Jüdin). Dagegen sind die „Guten“ von gemischter rassischer Zusammensetzung mit teils überproportionalem Nichtweißenanteil, und oft wenden sich „gute“ weiße Frauen gegen „böse“ weiße Männer.

Captain Hall in „Die Befreiung von Proxima III“ befiehlt seiner Flotte die Beschießung von Zivilisten und den Kampf gegen Sheridans Schiffe.

Dieses Muster ist mir beim damaligen Wiederansehen vor sieben Jahren erstmals so richtig in der Episode „Die Befreiung von Proxima III“ aufgefallen, worauf sich meine Wahrnehmung für alles andere zu schärfen begonnen hat: Der Flottenkommandant der Erdallianz im Proxima-System, Captain Hall, der zum Clark-Regime hält und auf Zivilisten im Proxima-System schießen läßt (was aber außer seinem Schiff nur eines der fünf anderen befolgt), ist weiß, während der schwarze Captain MacDougan vom Zerstörer Vesta sich als erster weigert, auf Zivilisten oder auf Sheridans Schiffe zu schießen, und außerdem ein alter Mentor von Sheridan ist und dessen Ethik-Instruktor an der Earth Force Academy war. MacDougans Erster Offizier Commander Philby, der ihm auf Befehl des Flottenkommandanten die Pistole an den Kopf hält (und später von der restlichen Brückenbesatzung überwältigt wird), ist weiß. Die „vernünftigen und guten“ Kommandanten der Erdallianz-Schiffe, die gegenüber Sheridans Flotte kapitulieren, sind: MacDougan, ein Japaner und zwei weiße Frauen, darunter die Stellvertreterin von Captain Hall, die ihn des Kommandos enthoben hatte.

Captain „Mackie“ MacDougan verweigert die Ausführung der illegalen Befehle von Captain Hall und schließt sich Sheridan an.

Ein paar speziell antideutsche Einlagen gibt es bei diesen Negativdarstellungen von Weißen ebenfalls: Der in „Die Heilerin“ zur Persönlichkeitslöschung verurteilte Serienmörder heißt Karl Edward Mueller, ist blauäugig, blond und sieht fies und grausam aus, und der böse weiße Soldat Private Kleist, der in „Die Schlacht um Matok“ mit vielen tausend Soldaten auf Babylon 5 einquartiert wird, stänkert Delenn und später an der Bartheke auch den Starfury-Piloten Warren Keffer an und löst damit eine Massenschlägerei in der Bar aus. (Bei dem Vorfall mit Delenn greift die Powerfrau-Soldatin „Dodger“ Elizabeth Durman ein und schlägt den robusten Kleist fast zusammen.) Ein rein namensbezogenes antideutsches Propagandadetail ist mir in „Alarm in Sektor 92“ aufgefallen: Darin kommen Außerirdische vor, die immer wieder Lebewesen entführen, um sie zu untersuchen. Als ihr Schiff vom Erdenkreuzer Agamemnon und dessen Begleitjägern gestellt wird, stoßen sie alle ihre Gefangenen in den Weltraum. Und diese Wesen heißen „Streibs“, was wohl eine Anspielung auf den berühmten deutschen WK-2-Nachtjägerpiloten Werner Streib sein soll. (Interessanterweise werden sie im deutschen B5-Wikia „Stripes“ genannt, während sie im englischen B5-Wikia-Artikel über diese Episode als Streib bezeichnet werden.)

Dieses Muster ist zwar so ausgeprägt, daß es als offenbar beabsichtigt auffällt, aber es wird nicht ganz konsequent eingehalten, womit vermutlich der Verdacht einer Absicht zerstreut werden soll. Vielleicht haben die Serienmacher (d. h., wohl vor allem der „Conceptual Consultant“ Harlan Ellison) sich gedacht, daß es mehr Nettowirkung bringt, auf eine hundertprozentig durchgezogene Besetzung negativer Rollen mit Weißen (oder scheinbaren Weißen) zu verzichten, als daß aufmerksamere Zuschauer die Masche durchschauen, die dann bei ihnen gar keine Wirkung mehr hätte. Deshalb kommen zwischendurch vereinzelt auch nichtweiße Kriminelle, Nightwatch-Petzer oder Agenten des Clark-Regimes vor.

Auch das Kolonialschuld-Thema wird wieder einmal bedient: In Cynthia Torquemans Interviews mit G’Kar und Mollari in „36 Stunden auf Babylon 5“ wird die historische Beziehung zwischen den Narn und den wie weiße Erdenmenschen aussehenden Centauri wie jene zwischen der Dritten Welt und den europäischen Kolonialmächten dargestellt:

Aus der Sicht der Narn: Etwa einhundertfünfzig Erdenjahre zuvor kamen die Centauri auf den Heimatplaneten der Narn. Die darauffolgenden einhundert Jahren verbrachten die Narn in Knechtschaft. Der Narn-Heimatplanet lag in strategisch günstiger Lage und bot erhebliche Ressourcen. Die Narn, die damals hauptsächlich Landwirtschaft betrieben, waren den Centauri technisch unterlegen und wurden von ihnen besetzt und ausgebeutet, bis sie die Fremdherrschaft durch unbeugsamen Widerstand abschütteln konnten.

Aus der Sicht der Centauri: Die Centauri zivilisierten die Narn, sie lehrten sie Recht und Ordnung. Die Centauri wollten nur das Beste für die Narn, aber die Narn dankten es ihnen nicht, so wurde der Planet von den Centauri verlassen.

„Numinose Neger“ dürfen auch in „Babylon 5“ nicht fehlen

Es fällt auf, daß auch in „Babylon 5“ Neger beziehungsweise Mulatten viel mehr positive Herausstellung bekommen als etwa Asiaten, Latinos oder Orientalen. Im Pilotfilm war der Erste Offizier der Raumstation noch die Eurasierin Laurel Takashima (Tamlyn Tomita), die aber von Straczynski für die Serie durch Susan Ivanova ersetzt wurde. Außerdem war interessanterweise ursprünglich vorgesehen, sie bei einem Verbleib in der Serie anstelle von Garibaldis Stellvertreter Jack zur Verräterin werden und eine entscheidende Rolle beim Anschlag auf Präsident Santiago spielen zu lassen. Ansonsten spielen Asiaten in der Serie eher nebensächliche Rollen.

Dagegen gab es schon im Pilotfilm einen schwarzen – wirklich schwarzen – Chefarzt auf der Raumstation, Dr. Benjamin Kyle (Johnny Sekka), dessen Funktion ab der dritten Serienepisode vom Mulatten Dr. Franklin ausgeübt wird. Dessen Vater, der militärisch erfolgreiche und sehr gebieterisch auftretende General Richard Franklin, kommt in „Die Schlacht um Matok“ als Oberbefehlshaber der auf der Durchreise zu einem Einsatz befindlichen Streitmacht nach Babylon 5 und erzählt seinem Sohn Stephen, daß dessen eine Schwester gerade ihre erste Doktorarbeit schreibt und die andere Schwester ihre dritte.

Der schwarze PSI-Corps-Abtrünnige Jason Ironheart und der schwarze Raumschiffkommandant Captain MacDougan wurden bereits als tugendhafte Schurkensystemverweigerer und als Mentoren weißer Babylon-5-Helden erwähnt; ein weiteres Beispiel dieser Art ist der schwarze Kommandant des Raumkreuzers Lexington, unter dem Sheridan im Krieg gegen die Minbari (Film „Der erste Schritt“) als loyaler Erster Offizier dient.

Jüdisches in „Babylon 5“

Ein raffinierter Imagewerbetrick wird mittels der Vizekommandantin auf Babylon 5, Susan Ivanova (gespielt von der nichtjüdischen, deutsch-irischstämmigen Amerikanerin Claudia Christian), als Sympathieträgerfigur für die Juden angewandt: Wir lernen sie als schöne, sympathische und tüchtige Frau kennen und schätzen, von deren Hintergrund wir zunächst nur erfahren, daß sie aus dem Russischen Konsortium stammt.

Claudia Christian als Commander Susan Ivanova.

Erst in der vierzehnten Serienepisode, „Im Ring des Blutes“, erfahren wir, daß Ivanova Jüdin ist: Ihr Onkel Yossel, der als weise und sympathisch dargestellte Rabbi Koslov, kommt auf die Station, um sie dazu zu bewegen, gemeinsam mit ihm das Trauerritual für ihren verstorbenen Vater nachzuholen, was sie zunächst verweigert. Als sie sich schließlich doch dazu entschließt, sind anscheinend außer Sinclair lauter Juden als ihre Gäste und Freunde dabei. In einer Folge der zweiten Staffel, „Ein Pakt mit dem Teufel“, wird Ivanova beim Anzünden einer Menora gezeigt.

Unsympathische reale Seiten des Judentums werden dagegen auf verkappte Weise mit den Telepathen präsentiert, deren Selbstverständnis gegenüber den „Normalen“ ähnlich ist wie jenes der Juden gegenüber den „Goyim“. In Äußerungen von Byron, dem Anführer einer Gruppe abtrünniger Telepathen, und des PSI-Polizisten Bester kommt immer wieder zum Ausdruck, daß die Telepathen sich für etwas Seltenes, Besonderes und Wertvolles halten, für unendlich bewahrenswerter als die Massenware der Normalen, und daß der Tod eines Telepathen eine viel größere Tragödie als der Tod eines Nichttelepathen ist. In irgendeiner Situation, wo es um eine geplante Sache unter Inkaufnahme des Todes etlicher Nichttelepathen geht, sagt Bester: „Sind doch nur Normale“, und nachdem eine von ihm ausgebildete angehende PSI-Polizistin ihren ersten „Normalen“ getötet hat, fragt er sie: „Ihr Erster?“, was sie lächelnd bestätigt. Man kann sich gut vorstellen, daß hier der jüdische „Conceptual Consultant“ Harlan Ellison und andere jüdische Mitwirkende einschließlich des jüdischen Bester-Darstellers Walter Koenig sich den klammheimlichen Spaß gemacht haben, ihre wahre Einstellung uns gegenüber auf eine Weise raushängen zu lassen, die für ahnungslose Nichtjuden nicht ersichtlich ist.

Darüber hinaus erinnert auch die subversive Kontrollfreak-Mentalität und Arroganz des PSI-Corps sehr an Juden. Passend dazu sieht dessen Symbol wie eine stilisierte dreiarmige Menora aus. Es ist zwar offenbar vom griechischen Buchstaben Psi – Ψ – abgeleitet (der übrigens in theologischem Kontext eine Abkürzung für „Psalm“ ist!), aber dieser hat normalerweise keinen verlängerten mittleren Arm, und die Enden seiner Arme sind nicht so deutlich wie Kerzenhalterungen geformt (unten links das Abzeichen des PSI-Corps, rechts der griechische Buchstabe Psi).

 

Und wo ich schon bei der Symbolik bin: das EA im Logo der Erd-Allianz erinnert vom Umriß her an einen in die Breite verzerrten Davidsstern:

Bezeichnend ist auch, daß die Einheitswährung der Erd-Allianz „Krediteinheit“ (in der englischen Originalfassung „Credit“) heißt.

Einen Monolog mit bedenkenswerten Bezügen zu historischen und möglicherweise zukünftigen geopolitischen jüdischen Bestrebungen gibt es in der Episode „Die Bürde des Imperators“ („The Fall of Centauri Prime“, 5. Staffel). Darin wird die Heimatwelt der Centauri durch eine kombinierte Raumflotte der Narn und der Drazi als Vergeltung für wiederholte centaurische Angriffe gegen zivile Raumschiffe der Interstellaren Allianz bombardiert und schwer verwüstet. Londo Mollari, der als zukünftiger Imperator ausersehen ist, erfährt, daß Teile der Centauri-Regierung einschließlich des Regenten insgeheim von den Drakh unter Kontrolle gebracht worden sind, ehemaligen Helfern der mittlerweile aus der Galaxis verschwundenen Schatten. Die Drakh kontrollieren centaurische Schlüsselpersonen mittels sogenannter Wächter, speziell geschaffener Organismen, die Tentakel und Neuralfasern in Wirtspersonen versenken, um sich von ihnen zu ernähren und sie im Sinne der Drakh zu manipulieren. Die Angriffe auf die zivilen Schiffe sind von den Drakh veranlaßt worden, und der durch die Drakh manipulierte Regent hat die restliche Centauri-Raumflotte vom Heimatplaneten wegbeordert, um diesen vor dem Angriff der Narn und der Drazi zu entblößen. Ein Drakh offenbart sich Mollari und sagt zu ihm, während er aus dem Fenster des Imperatorspalastes auf die brennenden Ruinen der Hauptstadt schaut:

„Die Centauri sind endlich da, wo wir sie haben wollen: Ein besiegtes, hasserfülltes Volk, das von vorne anfangen muß. Ein Volk, das ganz auf unsere Gnade angewiesen ist. Wir können es benutzen und manipulieren, so wie es in unsere Pläne paßt. Der perfekte Nährboden, in dem unsere Saat aufgehen wird. Ganz ruhig – ganz heimlich.“

Diese Szene ist hier in der (kompletten) englischen Fassung dieser Episode ab 5:20 min. zu sehen (zum Ansehen auf den Titel links oben klicken, nicht auf das Pfeil-Icon):

 

Der oben wiedergegebene Dialog beginnt ab 8:50 min. und lautet im Original so:

„You are now what we need you to be: a beaten, resentful people who are left to rebuild, who are left to our good graces… who can be used and guided as we wish to guide you. Perfect ground for us to do our work… quietly… quietly.“

„Böse“ Evolution

Wie Kevin MacDonald in seinem Vorwort zu Worum es in der Einwanderungsdebatte wirklich gehen sollte von Ted Sallis schreibt, war „der erfolgreiche Angriff gegen den Darwinismus die größte intellektuelle Katastrophe für Weiße und ihre Zivilisation.“ Dies beschränkte sich aber nicht bloß auf den Boas’schen Angriff gegen das Konzept der Rasse und dessen Verleugnung biologisch begründeter Unterschiede zwischen Rassen.

Ein Element dabei war auch, daß es gelungen ist, dem Wort „Darwinismus“ als plakativem Sammelbegriff für evolutionäre Thesen ein „böses“ Image anzuhängen, wo man sich „Survival of the fittest“ nur als rücksichtsloses Drüberfahren des Stärkeren über den Schwächeren vorstellt. Zum Teil ist das sicher auch die Schuld von Egoisten und Soziopathen, die diesen „Vulgärdarwinismus“ zur Rechtfertigung ihrer Soziopathien verwenden. Teils dürfte es auch darauf zurückzuführen sein, daß vor allem die frühen „Darwinisten“ das Überleben als entscheidenden evolutionären Faktor hervorgehoben haben und sich diese Vorstellung in der breiten Öffentlichkeit bis heute gehalten hat.

Dabei übersehen aber all jene, die dieses „böse“ Bild vom „Darwinismus“ im Kopf haben, daß auch alle „freundlichen“ Eigenschaften, die wir an uns schätzen – Mitgefühl, Kooperationsbereitschaft, Altruismus – ebenfalls Hervorbringungen der vermeintlich bösen, kalten, grausamen Evolution sind. Wenn Gemeinschaften, in denen diese Eigenschaften ausgeprägter als in anderen vorkommen, dadurch auch besser funktionieren als andere Gemeinschaften, erhöhen sie den durchschnittlichen Fortpflanzungserfolg ihrer Mitglieder und nehmen infolgedessen gegenüber den anderen zahlenmäßig zu. Somit sind diese Eigenschaften evolutionär erfolgreich. Andere solche Eigenschaften sind Fähigkeiten, die eine bessere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ermöglichen, oder organisatorische Fähigkeiten, die das innere Funktionieren der Gemeinschaft verbessern, oder Langlebigkeit, oder kriegerische Qualitäten, die ihrerseits wieder mit den materiellen Mitteln wirkungsvoller eingesetzt werden können, die durch gute wirtschaftliche und technisch-wissenschaftliche Leistung bereitgestellt werden, und so weiter.

Eine Sammlung von Beispielen für die Propagierung des Bildes von der „bösen Evolution“ findet man auch in „Babylon 5“.

In der 18. Folge der ersten Staffel, „Angriff der Aliens, Teil 1“ sagt zum Beispiel Delenn zu Commander Sinclair: „Ohne die Hoffnung, daß das Leben besser wird, daß unsere Nachkommen eine viel friedlichere und reichere Welt erleben als wir, ist das Leben doch sinnlos. Und die Evolution findet ohne Zivilisation statt.“

Etwas später in derselben Episode, als Delenn gerade ihr Quartier betreten will, kommt ihr alter Mentor und Freund Draal überraschend um die Ecke und sagt: „Schnell! Was ist das dritte Prinzip des vernunftbegabten Lebens?“

Delenn (freudestrahlend): „Draal!“

Draal: „Diese Antwort ist falsch. Das dritte Prinzip des vernunftbegabten Lebens ist die Fähigkeit zur völligen Selbstaufgabe; der Wille und das Vermögen, die Evolution und den Selbsterhaltungstrieb zu überwinden für eine Sache, einen Freund, ein geliebtes Wesen.“

Entgegen dieser Darstellung ist solch eine Fähigkeit zur Selbstaufopferung dort, wo sie einen ausreichenden Nutzen für die eigene biologische Gemeinschaft hat, durchaus auch in der Natur zu finden, selbst bei nicht vernunftbegabten Lebewesen wie Ameisen oder Bienen. Sie steht daher sehr wohl mit den Prinzipien der Evolution in Einklang, die folglich hierzu nicht „überwunden“ werden muß. Das, worum es bei dieser Propagandabotschaft geht, dürfte wohl im Satzbestandteil „für eine Sache“ enthalten sein: es soll wohl die Selbstaufgabe für eine Sache schöngeredet werden, die nicht dem Nutzen der eigenen Gemeinschaft dient, z. B. die individuelle oder kollektive Selbstaufopferung bzw. Opferung eigener Interessen für Flüchtlingshilfe, Entwicklungshilfe, NWO-Kriege für „Menschenrechte“ oder Israel, für Multikulturalismus und dergleichen.

In der vierten Folge der 2. Staffel, „Rettet die Cortez!“, macht Captain Sheridan gegenüber Ivanova seiner Verärgerung wegen seiner Beanspruchung für politikerartigen Kleinkram Luft und sagt dabei, wenn die Affen, von denen wir „angeblich abstammen“, gewußt hätten, daß aus ihren Reihen einmal Politiker hervorgehen würden, wären sie auf den Bäumen geblieben, und: „Ich habe schon immer gesagt: Die Evolution bringt niemals etwas Gutes.“

Wie bereits gesagt, hat die Evolution aber auch alles hervorgebracht, was wir an uns und an der Natur als gut und schön schätzen.

Mit den Lumati, die in Episode II/12 „Auf dem Pulverfass“ die Station in Erstkontaktmission besuchen, als Sprachrohren wird „die Evolution“ ein weiteres Mal einseitig mit Hartherzigkeit und rücksichtslosem Verreckenlassen der „Schwachen und Minderwertigen“ selbst unter den eigenen Leuten (hier: der sozial gestrandeten Bewohner der untersten Ebene von Babylon 5) gleichgesetzt, wozu der Lumati-Sprecher sagt: „Das ist Evolution im besten Sinne!“

Und am Schluß der dritten Staffel, wo Sheridan auf Z’Ha’Dum, dem Heimatplaneten der „Schatten“, drei menschlichen Sprechern der Schatten gegenübersitzt (Mr. Morden, Sheridans psychisch umgeformte Frau Anna und ein gewisser Justin), erläutern ihm diese die Ziele der Schatten:

Diese setzen auf eine Forcierung der Evolution der jüngeren Völker, und zu diesem Zweck starten sie in Abständen von Jahrtausenden immer wieder Angriffe und stiften raumfahrende Völker zu Kriegen gegeneinander an. Dies soll einer verschärften Selektion dienen, damit die Schwachen zugrundegehen und die Starken überleben und noch stärker werden.

Dagegen setzen die ähnlich alten Vorlonen, die Konkurrenten der Schatten in der Rolle der Hüter und Lehrer der jüngeren Völker, auf Ordnung, Gehorsam und Disziplin. Und mit Ausnahme von Kosh Naranek, ihrem ersten Botschafter auf Babylon 5, zeigen sie dabei eine sehr autoritäre und hochmütige Haltung gegenüber den jüngeren Spezies.

Mir scheint, daß hier zwei Seiten des Judentums verkörpert werden: die Vorlonen stehen gewissermaßen für den rabbinischen Wesenszug des Judentums, für Kontrollfreakigkeit und Autoritarismus; die Schatten wiederum verkörpern das Revoluzzertum und die Kriegshetzerei der Juden, ihr Zündeln, Spalten und manipulatives Verleiten machtgieriger Herrscher zu Eroberungszügen.

Kosmoglobalistische „New Space Order“

Wie im Großteil der geschriebenen und filmischen Science Fiction der Sparte „Space Opera“ wird Transnationalismus auch in „Babylon 5“ als scheinbar unvermeidlicher Zukunftstrend dargestellt. Die Erdallianz ist ein Zusammenschluß aller irdischen Staaten unter einer gemeinsamen Regierung, der auch alle außeriridischen Menschenkolonien unterstehen. Auch alle in der Serie vorkommenden außerirdischen Spezies sind jeweils in einem einzigen Staatswesen vereint, und es gibt bei ihnen keine verschiedenen Rassen oder Völker, sondern sie betrachten sich als jeweils ein Volk.

Nach der Beendigung des Krieges gegen die Schatten und des Bürgerkriegs gegen das Clark-Regime erfährt der Kosmoglobalismus mit der Gründung der Interstellaren Allianz noch eine Steigerung. Diese ist zwar nur ein loser Dachverband etlicher raumfahrender Spezies, hat aber bereits einen gemeinsamen Präsidenten (Sheridan) und tritt mit den Rangern (einem von den Minbari gegründeten religiösen Kriegerorden), einer teils auf Vorlonentechnologie beruhenden Raumflotte und einem eigenen Geheimdienst als interstellare Ordnungsmacht auf.

Frauen und Genderkram

Babylon-5-Kommandantin nach Sheridan: Captain Elizabeth Lochley (Tracy Scoggins)

Wie in den Star-Trek-Serien kommen auch in „Babylon 5“ etliche kinderlose Karrierefrauen vor, die sich mit Mitte Dreißig oder in noch höherem Alter noch im Kosmos herumtreiben und es mit der Familiengründung offenbar nicht eilig haben:

Jeff Sinclairs Freundin Carolyn Sykes aus dem Pilotfilm fliegt als unabhängige Raumschiffeignerin von einer Welt zur anderen und will Sinclair dazu überreden, aus den Erdstreitkräften auszuscheiden und gemeinsam mit ihr ein größeres Schiff zu kaufen, was auch kein familiengründungsfördernder Lebensstil wäre. Auch ihr Serien-Ersatz Catherine Sakai sucht mit ihrem Raumschiff Skydancer im Auftrag von Konzernen nach Rohstoffvorkommen (ihre Darstellerin Julia Nickson ist 1958 geboren; als die erste Staffel 1994 gedreht wurde, war sie 36 Jahre alt). Dr. Mary Kirkish (Nancy Stafford, geb. 1954 und zur Drehzeit der 3. Staffel 1996 42 Jahre alt), die in „Das Netz der Lügen“ den Führungsstab von Babylon 5 über die Funde von Schattenschiffen auf dem Mars und auf dem Jupitermond Ganymed informiert, ist bis dahin schon seit zwölf Jahren für Interplanetary Expeditions tätig. „Dodger“ Elizabeth Durman (Marie Marshall Schauspielkarriere seit 1985) aus „Die Schlacht um Matok“ ist Berufssoldatin bei den Bodentruppen und verhält sich bei der Begegnung mit Sicherheitschef Garibaldi wie ein klischeegemäßer männlicher Landser, der noch schnell ein Sex-Abenteuer sucht, bevor es in die Schlacht geht, in der sie dann umkommt.

Besonders herausragende Rollenmodelle als hochrangige militärische Arschtreterinnen ohne Familienambitionen sind Susan Ivanova, die anscheinend bis zur Abschiedsfolge in vorgerücktem Alter als General kinderlos bleibt, und Captain Elizabeth Lochley (Tracy Scoggins, geb. 1953 und bei ihrem Debüt auf Babylon 5 bereits 45 Jahre alt), die nach Sheridans Amtsantritt als Präsident der Interstellaren Allianz Kommandantin auf Babylon 5 wird und das zehn Jahre danach immer noch ist.

Eine Tendenz, die mir erst ab der vorvorletzten Serienepisode „Wann, wenn nicht jetzt“ und der vorletzten, „Der letzte Blick zurück“, bewußt wurde, ist die in der Spätphase der Serie zunehmende Ersetzung männlicher Führungsfiguren durch weibliche, die jedoch bereits mit der Amtsnachfolge einer Frau nach dem Selbstmord von Präsident Clark begonnen hatte:

„Number One“ Theresa Halloran, die ehemalige Widerstandsführerin des Mars und nunmehriges Mitglied der provisorischen Marsregierung, kommt nach Babylon 5, wo sie als Nachfolgerin von Michael Garibaldi die Chefin des Geheimdienstes der Interstellaren Allianz wird. Dr. Franklin verläßt die Station, um auf der Erde die Leitung eines xenobiologischen Forschungsinstituts zu übernehmen, und seine bisherige Stellvertreterin Dr. Lilian Hobbs (Jennifer Balgobin) wird Chefärztin der Station. Präsident Sheridan übersiedelt nach Minbar, wodurch Captain Lochley, die schon die ganze fünfte Staffel seine Nachfolgerin als Stationskommandantin war, nun ganz allein das Sagen auf Babylon 5 hat. Und in der letzten Episode „Der Weg ins Licht“ wird John Sheridan von seiner Gattin Delenn als Präsident der Interstellaren Allianz und von Susan Ivanova als Anführer der Rangers beerbt.

In dieser Abschlußfolge gibt es auch eine besondere genderbezogene Symbolik: John Sheridan  besucht auf seinem allerletzten Raumflug vor seinem Tod noch einmal seine alte Station Babylon 5, die nun stillgelegt und gesprengt werden soll. Und erst zu diesem Zweck steht sie wieder unter männlichem Kommando: ein auffallend unsicher wirkendes weißes Männchen begrüßt Sheridan als Leiter der Stillegungscrew. Und es ist ein weißer Techniker, gespielt von J. M. Straczynski selbst, der unmittelbar vor der Sprengung das Licht auf Babylon 5 abschaltet (ab 0:30 min.):

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2 Antworten zu Star Dreck XII: Babylon 5

  1. Deep Roots schreibt:

    Dieser Beitrag wird höchstwahrscheinlich „das Siegel der Star-Dreck-Artikel“ bleiben, denn weitere werde ich kaum mehr schreiben. In den bisherigen Teilen dieser Reihe haben Kairos, Sternbald, Dunkler Phönix und ich bereits viele bekannte Filme und Fernsehserien in diesem Sinne vorgestellt und analysiert, sodaß jemand, der sie alle gelesen hat, auf dieser Grundlage leicht verallgemeinernde Erkenntnisse gewinnen und gleichartige Propagandaelemente auch in anderen Filmen und Fernsehserien erkennen kann. Über die „Star Wars“-Filme könnte man zwar noch etwas schreiben, aber es wäre bloß mehr vom Gleichen. Und die symbolträchtige Zahl Zwölf paßt auch gut für einen Abschluß.

    Symbolträchtig war für mich auch die Szene in dem am Schluß verlinkten Video „Last 5 minutes of Babylon 5“, wo J. M. Straczynski seiner Schöpfung „Babylon 5“, der man bei aller oben angeführten Kritik anerkennen muß, daß sie ein gut gemachtes Herzblutprojekt vieler im Grunde anständiger, wenn auch verstrahlter Mitwirkender war, eigenhändig den Strom abdreht, bevor sie explodiert. Ich erkenne mich darin selbst wieder, denn vor einem Jahr und einer Woche habe ich „As der Schwerter“ gelöscht, ebenfalls mit einem bewußten, andachtsvollen und schmerzlichen Moment des Innehaltens – nun ist’s also soweit! -, bevor ich auf „Löschen“ klickte.

    In diesem Zusammenhang paßt auch gut Ivanovas Schlußmonolog im selben Video:

    „Babylon 5 was the last of the Babylon stations. There will never be another. It changed the future. And it changed us. It taught us that we have to create the future, or others will do it for us. It showed us that we have to care for one another, because if we don’t, who will? And that true strength sometimes comes from the most unlikely places. Mostly, though, I think it gave us hope that there can always be new beginnings, even for people like us.“

    In der deutschen Fassung dieser Episode sagt sie:

    „Babylon 5 war die letzte der Babylon-Stationen. Es sollte keine weitere mehr geben. Babylon 5 hat die Zukunft verändert, und auch uns. Wir haben gelernt, daß wir selbst unsere Zukunft erschaffen müssen, weil es sonst andere für uns tun. Die Station hat uns gezeigt, daß wir füreinander sorgen müssen, denn wer sollte das sonst tun, wenn nicht wir? Wahre Kraft erwächst zuweilen dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Aber mehr als alles andere hat Babylon 5 in uns die Hoffnung erweckt, daß es immer einen Neuanfang geben wird. Sogar für Leute wie uns.“

    Ich glaube und hoffe, daß sich das auch auf „As der Schwerter“ übertragen läßt. Osimandia hat unter uns einmal geschrieben, daß wir mit AdS sicher etwas bewirkt haben, wenngleich es unwahrscheinlich ist, daß wir jemals erfahren werden, daß wir etwas bewirkt haben; vielleicht, meinte sie, haben wir das schon getan und es nur nicht mitbekommen, und es könne auch über mehrere Ecken gegangen sein, wobei wir der Auslöser oder ein wichtiges Glied in der Kette waren. Auch Dunkler Phönix hat gemeint, daß wir wohl recht viel bewirkt haben, was man einerseits an den vielen Rückmeldungen der Leser gemerkt hat, die geschrieben haben, wie sehr wir ihnen geholfen haben (und die meisten melden sich ja gar nicht zu Wort). Und wir hatten auch großen Einfluß auf die im Netz „um uns herum“, die uns alle gelesen haben und von denen etliche bloß zu stolz waren zuzugeben, daß wir recht haben.

    Kürzlich habe ich aber eine Rückmeldung von einem jungen Mann erhalten, für den es eine positive Lebensveränderung gebracht hat, „As der Schwerter“ zu finden (beginnend mit meiner Übersetzung „Game“ – Leitfaden für weiße Nationalisten von Michael Bell) und dadurch mit den politisch-metapolitischen Inhalten und mit anderen rechten Seiten wie Counter-Currents (u. a. Devlin!) bekannt zu werden. Heute ist er verheiratet und hat Kinder (es sollen noch mehr werden), und dieses Familienglück samt den Kindern, die es sonst vielleicht nie gegeben hätte, ist schon ein kleines Stück Zukunft, das durch „As der Schwerter“ in positiver Weise verändert wurde, ein Stück Zukunft, das einer unserer Leser für sich und die Seinen erschaffen hat, damit es nicht andere in negativer Weise tun. Wer weiß, wie viele solcher oder ähnlicher Fälle es sonst noch gibt oder in Zukunft geben wird, von denen wir nie etwas erfahren werden, oder in welcher Weise die von uns geförderten und von anderen weitergegebenen und weiterentwickelten Einsichten noch eine Rolle spielen werden?

    Ihr alle, denen „As der Schwerter“ etwas bedeutet hat: schaut euch das Video noch einmal mit diesem Bezug im Sinn an.

  2. Deep Roots schreibt:

    Welchen Einfluß Kult-Fernsehserien hinsichtlich der Wertebildung und der Prägung gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen haben können, ist beispielhaft anhand des Artikels „On Trump, Godwin’s Law, and Babylon 5“ von Josh Bernhard zu sehen, der davon offensichtlich nachhaltig und tiefgreifend beeinflußt wurde. Nachfolgend zitiere ich die erste Hälfte davon (übersetzt von mir, Link im Text auch von mir eingefügt):

    http://anonym.to/?http://joshbernhard.com/2016/08/on-trump-godwins-law-and-babylon-5/

    Es wird genau niemanden überraschen zu erfahren, daß einer meiner formativen Einflüsse J. Michael Straczynskis Science-Fiction-Roman für das Fernsehen, BABYLON 5, war. Rückblickend betrachtet ist es ein großer Teil dessen, was mich dazu brachte, ein Autor sein zu wollen, und spezifisch ein Drehbuchautor. Es formte auch viele meiner Ansichten über Moral, Ethik, und ja, Politik.

    Einer der Handlungsstränge im Laufe der ersten vier Staffeln drehte sich darum, wie ein ordnungsgemäß gewählter Präsident der Erd-Allianz eine Demokratie langsam in eine totalitäre Diktatur verwandelte, und wie die Bürger ihm mit jeder neuen Maßnahme zujubelten, die ihre Rechte erodierte. Einige seiner Taktiken:

    • Wahlkampf mit einem Programm, „die Erde an die erste Stelle zu setzen.“
    • Erklären, daß er zu den Prinzipien zurückkehren werde, die die Erde groß gemacht haben.
    • Stimmungsmache gegen Außerirdische.
    • Angst vor einem Feind schüren, der darauf aus sei, ihre Lebensart zu zerstören.
    • Er hat Regierungsmitglieder aus dem Amt gejagt und durch Leute ersetzt, die nur ihm gegenüber loyal waren.
    • Die Bürger dazu anhalten, sich gegeneinander zu wenden.
    • Drohung, Journalisten einzusperren, die gegen ihn auftraten.
    • Die geistige Gesundheit Andersdenkender in Frage stellen.
    • Den Patriotismus derjenigen in Frage stellen, die mit seinen extremen Maßnahmen nicht einverstanden waren.

    Sogar als 13jähriger, der das 1997 sah, war mir das nicht zu hoch. Die Parallelen zur Geschichte waren klar, selbst für mich, und keine klarer als die Anspielungen auf Hitlers Aufstieg zur Macht. Ich erinnere mich, daß ich zu der Zeit tatsächlich dachte, die Serie würde manchmal mit dieser Geschichte zu dick auftragen. Ich meine, wir alle haben darüber in der Schule gelernt. Wir sind keine Idioten, wir haben aus der Geschichte gelernt. Brauchten wir wirklich solch eine offensichtliche Parabel?

    Ein paar Jahre später passierte 9/11, und plötzlich sah und hörte ich überall Gerede, das in meinen Gedanken widerhallte. Wo hatte ich diese Art von Rhetorik zuvor gehört? Oh, richtig. Babylon 5.

    Es stellt sich also heraus: ja, wir brauchen absolut Parabeln wie Babylon 5. Wir müssen wieder und wieder an Lektionen aus der Geschichte erinnert werden, denn ansonsten werden wir selbstzufrieden, und wir vergessen, und wir lassen alles noch einmal passieren. Und wieder. Und wieder.

    Was mich zu Donald Trump bringt.

    Seine Ausführungen zu Trump und seine vergleichenden Hitler-Rückblicke lasse ich weg.

    Jedenfalls zeigt sich hier genau der Effekt, der mit dem beabsichtigt wird, was ich in meinem Abschnitt über die Verknüpfung des Themenbereichs Nationalismus/Einwanderungsablehnung mit dem Bösen des Clark-Regimes beschrieben habe. Es ist nicht auszuschließen, daß Josh Bernhard selber Jude ist und solche Ansichten ohnehin aus ethnischem Eigeninteresse hegt, aber es wird bestimmt unzählige verstrahlte echte Weiße geben, auf die solche Botschaften genau diese Wirkung haben.

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