Der präzise Schuß im Verteidigungsschießen mit der Kurzwaffe

Mit wenig Aufwand kann man die Gestalt auf der Zielscheibe mit einer „schußsicheren Weste“ versehen.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 4-1996.

Präzisionsschießen ist im ernstfallorientierten Gebrauch der Schußwaffe sowohl ein methodisches Hilfsmittel zur Erlernung einer guten Abzugstechnik als auch eine schießtechnische Grundfertigkeit für besondere Situationen. In der Ausbildung kommt es darauf an, dafür zweckmäßige Forderungen aufzustellen und das Präzisionsschießen sinnvoll in den gesamten Komplex des kampfmäßigen Schießens zu integrieren.

Schießübungen, welche die Abgabe von gut gezielten und präzisen Einzelschüssen verlangen, gehören erfahrungsgemäß nicht gerade zu den besonders favorisierten Ausbildungsthemen im Verteidigungsschießen. Es gibt aber durchaus Gründe, warum man dieses ungeliebte Thema doch nicht ganz vernachlässigen sollte. Zum einen gibt es auch in der Realität Situationen, in denen der präzise Schuß gefragt ist, und zum anderen ist ein Mindestmaß an Praxis im Präzisionsschießen überaus hilfreich, um die Basis für ein effektives schnelles Schießen zu legen. Letzteres kann man ziemlich deutlich sehen, wenn man Anfänger beobachtet, die mit dem schnellen Schießen beginnen, ohne über Erfahrungen im Präzisionsschießen zu verfügen.

Zwar macht auch dieser Personenkreis am Anfang ziemlich schnelle Fortschritte, wenn es darum geht, eine Mannscheibe auf drei bis fünf Meter Entfernung aus dem Ziehen heraus zu treffen, ab er häufig stellt sich dann auch sehr schnell ein Stadium ein, ab dem weitere Leistungssteigerungen nur noch schwer und langsam erreicht werden. Es zeigt sich immer wieder, daß Verteidigungskursteilnehmer, die über gewisse Erfahrungen aus dem Sportschießen verfügen, hier meist weniger Probleme haben. Dies liegt vor allem daran, daß sich eine korrekte Schießtechnik eben langsam besser erlernen läßt, als wenn man von Anfang an versucht, Schnellziehrekorde aufzustellen. Das Fatale dabei ist aber, daß sich Fehler in der Schießtechnik, wie das Verreißen während des Abziehens, in den einfachen Übungen mit kurzen Entfernungen und relativ großen Zielen noch nicht so deutlich auswirken und daher häufig nicht erkannt werden. Kommen dann andere Schwierigkeiten, wie Streß, zunehmende Komplexität des Übungsablaufs oder eine Verkleinerung der Zielfläche hinzu, addieren sich die Fehler, und die Ergebnisse sehen schlecht aus. In diesem Stadium sind Schießfehler aber oft schon so eingedrillt, daß es ausgesprochen schwierig ist, sie wieder loszuwerden.

Man muß allerdings auch sagen, daß es durchaus Beispiele gibt, wo Schützen zunächst mit dem schnellen Schießen begonnen, danach ihre Präzision gesteigert und auf beiden Gebieten ein hohes Niveau erreicht haben. Die Regel und ein methodisch sinnvoller Weg ist dies aber nicht. Und man muß ehrlicherweise auch erwähnen, daß es Fälle gibt, in denen ein Zuviel an Präzisionsschießen hinderlich ist. Wer über lange Zeit intensiv klassisches Sportschießen nach starren Regeln betrieben hat, kann durchaus Schwierigkeiten haben, sich auf die schnelle und flexible Schußabgabe des kampfmäßigen Schießens umzustellen. Es ist dabei auch relativ unerheblich, ob sich die hier zu beobachtende innere Einstellung zum Schießen aus dem jahrelangen sportlich orientierten Training ergeben hat, oder ob sich gerade die Personen, die eine solche Einstellung zur Schußabgabe mitbringen, durch ihr Naturell bedingt mit größerer Hingabe den klassischen, eher besinnlichen Schießdisziplinen zuwenden. Die Praxis zeigt aber auch, daß die Fälle, in denen ein Zuviel an Präzisionsschießen schädlich war, eher selten sind. Viel häufiger ist man eigentlich mit den Auswirkungen der Vernachlässigung des gezielten Schusses konfrontiert. Diese Beobachtung wird im übrigen auch von Trainern des IPSC-Schießens bestätigt.

Wie präzise soll man schießen können?

Für die Praxis stellt sich somit die Frage, welche Fertigkeitsstufe man im Präzisionsschießen erreicht haben sollte, bevor man sich der schnellen Schußabgabe zuwendet, und welchen Grad an Präzision man in der weiteren Ausbildung anstreben sollte.

Hierzu macht es natürlich keinen Sinn, derartige Präzisionsforderungen in den zwar exakten, aber wenig anschaulichen Größen der Statistik, wie Standardabweichung oder Streuung, anzugeben. Vielmehr scheint dazu ein pragmatischer Ansatz zweckmäßig, der sich aus der Erfahrung und aus einigen wenigen Überlegungen ergibt und der sich mit wenig Aufwand auf dem Schießstand verwirklichen läßt. Dabei wird die geforderte Treffgenauigkeit einfach mit Hilfe einer Fläche beschrieben, die vom Schützen sicher und wiederholbar getroffen werden muß. Die Kernfrage, die sich dann aber stellt, ist, wie groß bzw. wie klein diese Fläche, die in einem bestimmten Stadium der Ausbildung sicher getroffen werden soll, sein darf. Diese Festlegung wird natürlich immer zu einem gewissen Teil willkürlich erfolgen müssen, bzw. auf bestimmten Annahmen beruhen. Die Erfahrung zeigt aber, daß sich bestimmte Forderungen einfach bewährt haben.

So ist es in der Anfängerausbildung eine zweckmäßige Forderung, daß vor dem Beginn der Übungen des schnellen Schießens eine Serie von fünf bis zehn Schuß auf eine Entfernung von 25 Metern sicher in einem Rechteck der Größe 40 x 40 cm plaziert werden muß. Die Größe der Zielfläche ist dabei natürlich nur ein Anhalt und muß nicht auf den Zentimeter genau eingehalten werden, aber derartige weiße Papierscheiben lassen sich eben einfach besorgen und geben gerade dem Anfänger einen besseren Kontrast der Visierung, als die schwarzen Spiegel der klassischen Pistolenscheibe. Eine sichtbare Markierung in der Mitte der Fläche ist hilfreich.

Kopfziel auf 25 m

Forderungen nach einer bestimmten Fähigkeit im präzisen Schießen sind aber nicht nur zweckmäßig für den Einstieg ins gebrauchsmäßige Schießen, sondern lassen sich auch für die Fortgeschrittenen-Ausbildung definieren. Hier stellt sich vor allem die Frage, welchen Grad der Präzision man als Gebrauchswaffenträger überhaupt anstreben sollte. Als pragmatischer Ansatz hierzu erscheint mir die Forderung, ein Kopfziel auf 25 Meter Entfernung im freien Anschlag sicher zu treffen, recht brauchbar. Die Zielgröße in dieser Forderung ergibt sich dabei aus der einfachen Überlegung, daß der Kopf im Extremfall den einzig sichtbaren und und somit bekämpfbaren Körperteil eines gut gedeckten Gegners darstellt. Überlegungen, wie sich die nutzbare Zielfläche verändert, wenn der Gegner eine Waffe in Anschlag bringt oder nur Teile des Kopfes exponiert, um zu beobachten, sind hier nur von akademischer Bedeutung. Für die praktische Ausbildung des präzisen Schusses ist die Zielfläche, die ein menschlicher Kopf abgibt, ein guter Anhalt.

Die Entfernung von 25 Metern resultiert in dieser Forderung daraus, daß ein Ausbildungsziel einerseits eine gewisse Herausforderung darstellen soll und andererseits aber auch für die Masse der Auszubildenden unter realistischen Umständen erreichbar bleiben muß. Dies trifft erfahrungsgemäß auf das Entfernungs-/Zielflächenverhältnis der aufgestellten Präzisionsforderung zu. Außerdem muß eine praxisnahe Forderung für die Ausbildung auch unter den gegebenen materiellen Umständen umsetzbar sein, und die Masse aller Pistolenstände bietet nun einmal eine maximale Schußweite von 25 Metern. Präzisionskriterien, die sich auf Schußweiten von 30 oder 35 Metern beziehen, haben keinen Sinn, wenn die meisten Schießstände keine Möglichkeit zum Üben und Überprüfen dieser Kriterien bieten.

Leistungsabfall bei Belastung und Streß

Anzumerken ist allerdings bei allen diesen Präzisionsforderungen, daß es sich dabei immer um Werte für die Ausbildung handelt, und nicht um Leistungswerte, die in einem realen Gefecht normalerweise erbracht werden. Gerade feinmotorische Fähigkeiten, wie sie für das Präzisionsschießen erforderlich sind, nehmen unter dem Einfluß von psychischer Belastung und Kampfstreß dramatisch ab. Wer unter Trainingsbedingungen auf dem Schießstand das Kopfziel auf 25 Meter sicher trifft, kann nicht erwarten, daß er in einem realen Gefecht die gleiche Leistung erbringt. Es gibt genügend Fälle, wo es geübten Schützen nicht möglich war, eine entsprechende Zielgröße auf eine Entfernung von unter 5 Metern zu treffen.

Nach der Festlegung von Kriterien für die Präzision und der Formulierung entsprechender Ausbildungsziele ist die nächste entscheidende Frage, wie man das Präzisionstraining in die Ausbildung von Gebrauchswaffenträgern integriert. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen einem Training, das nur zum Ziel hat, die Präzision als Grundfertigkeit an sich zu steigern, und der Integration von gut gezielten Schüssen in den Gesamtkomplex des kampfmäßigen Schießens.

Zur Entwicklung bzw. Steigerung der Fähigkeit, mit gezielten Schüssen relativ kleine Flächen zu treffen, wurde bereits gesagt, daß hierin vor der Aufnahme des schnellen Schießens schon eine gewisse Mindestfertigkeit erlangt werden sollte. Die Technik, die dabei für den gebrauchsmäßigen Pistolenschützen in Frage kommt, zeigt zwar manche Parallelen zum sportlichen Pistolenschießen, unterscheidet sich aber in anderen Punkten erheblich. So muß man z. B. den Anschlag im gebrauchsmäßigen Schießen nach anderen Kriterien bewerten als in hochspezialisierten Sportdisziplinen. Den Luxus, die Gewichtsverteilung oder die Beinstellung immer so auszurichten, daß sie die Abgabe von präzisen Schüssen optimal unterstützen, kann man sich in einer bewaffneten Konfrontation nicht leisten. Der Anschlag muß hier vielmehr Bewegungen und Drehungen zulassen, streßstabil sein, die Kontrolle des Rückstoßes schneller Schußfolgen unterstützen und körperlichen Angriffen widerstehen können. Dazu bietet sich ein beidarmiger Universalanschlag wie die Isosceles-Stellung an. Diese ist zwar nicht optimal für die Erzielung höchster Präzisionsleistungen, doch ein derartiger Anschlag ist ein guter Kompromiß in den unterschiedlichsten Situationen, und darauf kommt es im ernstfallorientierten Schießen eben mehr an, als zu versuchen, verschiedenste Techniken, die für die unterschiedlichsten Situationen optimiert sind, anwenden zu wollen.

Start mit dem sportlichen Anschlag

Wer sehr viel Zeit und Munition für seine Ausbildung einsetzen kann, kann am Anfang einen anderen Ansatz wählen, indem er zuerst mit dem sportlichen Anschlag beginnt und dann auf den Combat-Anschlag umsteigt. Das hat methodisch durchaus Vorteile, da die Sportanschläge die Konzentration auf den Vorgang des Abziehens unterstützen, ist aber insgesamt ein recht aufwendiger Weg, der für die Masse der privaten und behördlichen Gebrauchswaffenträger nicht in Frage kommt. Hier stellt sich von der verfügbaren Munition und Ausbildungszeit einfach keine Alternative zum Erlernen des präzisen Schusses im gebrauchsmäßigen Anschlag von Anfang an. Aber auch wenn man beidhändig beginnt, gibt es einige Möglichkeiten, die Konzentration auf den Abziehvorgang zu unterstützen. So kann man sich z. B. im beidhändigen Anschlag zur Schußabgabe seitlich mit der Schulter (nicht die Waffe anstreichen) an eine Barrikade oder Wand anlehnen und so bestimmte Einflüsse, wie das Schwanken des Körpers, eliminieren.

Schwerpunkt auf dem Abziehvorgang

Überhaupt sollte vor allem in der Anfängerausbildung ein deutlicher Schwerpunkt auf den Abziehvorgang gelegt werden. Extrem schlechte Schießergebnisse mit der Pistole sind fast immer auf Fehler beim Abziehen zurückzuführen. Wer beim Abziehen reißt oder ruckt, braucht sich um die Verkantung der Waffe oder einen ungünstigen Lichteinfall auf die Visierung keine Gedanken zu machen, denn gegenüber Abziehfehlern wirken sich all diese anderen Einflüsse nur sehr gering aus.

Der psychomotorischen Fähigkeit, den Druck auf den Abzug kontinuierlich zu steigern, ohne dabei die Lage der gesamten Waffe zu verändern, sollte daher gerade am Anfang eine große Bedeutung beigemessen werden. Verschiedene Übungen dazu finden sich in der entsprechenden Literatur für Sportschützen und können größtenteils auch im Training für das gebrauchsmäßige Schießen angewendet werden. Und auch bestimmte andere Technikelemente des Sportschießens, wie das Nachzielen, die Wahl einer Haltefläche statt eines Haltepunktes oder das Bewußtmachen des inneren Anschlags, sind auch für das gebrauchsmäßige Schießen mit der Kurzwaffe durchaus sinnvoll.

Es gibt im Präzisionstraining von Gebrauchswaffenträgern aber auch deutliche Unterschiede zum sportlichen Präzisionsschießen. So unterscheidet sich z. B. die Wahl des Haltepunktes. Sportschützen lassen in der Regel das Ziel, in diesem Fall den schwarzen Teil des Spiegels, aufsitzen. Die Waffen werden dementsprechend so eingeschossen, daß sie die Mitte des Spiegels treffen, wenn die Visierung gerade den unteren Rand der schwarzen Zone berührt oder wenn zwischen Visierung und schwarzer Fläche noch ein dünner weißer Spalt zu sehen ist. Das hat den Vorteil, daß man so ein relativ eindeutiges und leicht wiederholbares Bild von Visierung und Scheibe erhält, und es sich somit am präzisesten schießen läßt. Würde man den Haltepunkt in die Mitte der Scheibe legen, hätte man innerhalb der schwarzen Fläche keinen sichtbaren Anhalt, wo die Mitte, bzw. die Zehn, wirklich liegt. Das Ganze hat aber den Nachteil, daß es nur funktioniert, wenn die schwarze Fläche immer gleich groß und die Entfernung zum Ziel immer gleich weit ist. Da dies bei den festgelegten Disziplinen des sportlichen Präzisionsschießens gegeben ist, ist dieses Verfahren hier optimal. Auf das kampfmäßige Schießen läßt sich das aber nicht übertragen, denn hier ist weder die Entfernung und die Zielgröße noch die Zielform konstant und festgelegt. Man kommt im gebrauchsmäßigen Schießen also nicht umhin, die Waffe auf Zielmitte einzuschießen und dorthin auch den Haltepunkt zu legen. Das hat zwar den Nachteil, daß man so nicht die bestmöglichen Trefferergebnisse auf der Zehnerringscheibe erzielt, doch das ist ja schließlich auch nicht das primäre Ziel einer Ausbildung im Verteidigungsschießen. Daher empfiehlt es sich auch für das eigenständige Präzisionstraining und in der Anfängerausbildung, helle Ziele zu verwenden, da diese ein klares Visierbild ergeben und das Erlernen oder Verbessern der entsprechenden Schießtechnik vereinfachen. In der realitätsnahen Ausbildung muß der Schütze aber später natürlich mit allen möglichen ungünstigen Einflüssen, wie dunklen Zielflächen oder schlechten Lichtverhältnissen konfrontiert werden.

Ein anderer gravierender Unterschied zwischen dem sportlichen und dem ernstfallorientierten Schießen liegt in der Möglichkeit, seine Waffe auf den präzisen Schuß hin zu optimieren. Die Visierung einer Gebrauchswaffe muß sich eben für das Führen im Holster eignen, auch wenn sie damit den präzisen Schuß nicht optimal unterstützt. Und der Abzug einer Gebrauchswaffe kann nicht auf ein minimales Abzugsgewicht getrimmt werden, wenn man andererseits die ungewollte Schußabgabe im Streß einer realen Konfrontation verhindern will.

Es existieren aber auch Unterschiede in der Betätigung des Abzugs selbst. So sollte sich z. B. ein Revolverschütze von Anfang an (oder doch wenigstens ziemlich früh) daran gewöhnen, auch den präzisen Schuß im Double Action Modus abzugeben. Ein Vorspannen des Hammers würde zwar die Präzisionsleistung verbessern, stellt aber im kampfmäßigen Schießen eine ziemlich praxisfremde Schießtechnik dar. Es ist eine Illusion zu glauben, man würde unter der extremen psychischen Belastung eines Feuergefechts noch im richtigen Moment daran denken, den Hammer vorzuspannen, um einen besonders präzisen Schuß abzugeben. Eine derartige Forderung zu verwirklichen, würde bedeuten, eine immense Menge an Ausbildungszeit in diesen Wechsel des Abziehmodus zu investieren. Und auch dann ist es noch fraglich, ob sich ein derartiger Verstoß gegen den Grundsatz, die Anzahl der unterschiedlichen Technikelemente im kampfmäßigen Schießen zu minimieren, wirklich auszahlt. Übrigens pflegen die Ergebnisse im Präzisionsschießen mit dem Spannabzug gar nicht so viel schlechter zu sein, als immer angenommen wird. Jedenfalls nicht, wenn man sich an diese Art des Schießens gewöhnt hat. In manchen Fällen fällt es im DA-Modus sogar leichter, Abziehfehler zu vermeiden, als im SA-Modus, weil der Schuß mit dem Spannabzug überraschender bricht und man nicht der Versuchung unterliegt, am Druckpunkt eine bewußte Kraftanstrengung zu unternehmen, um den Schuß auszulösen.

Außerdem ist das Präzisionsschießen in der Ausbildung von Gebrauchswaffenträgern ja nicht Selbstzweck, wie im Sport, sondern methodisches Hilfsmittel für die Entwicklung einer guten Abziehtechnik und eine spezielle, aber praxisnahe Fertigkeit für Situationen, in denen kleine Zielflächen getroffen werden müssen. Bei der Anwendung dieser Fertigkeit in realitätsnahen Übungen läßt sich ohnehin keine scharfe Grenze zwischen dem schnellen und dem präzisen Schuß ziehen. Jeder Schuß im kampfmäßigen Schießen sollte so schnell wie möglich und so präzise wie möglich abgegeben werden. Logischerweise braucht man aber für kleine Zielflächen und Ziele in großer Entfernung länger, um die Waffe hinreichend genau auf das Ziel auszurichten, als für nahe große Ziele. Folglich kommt es darauf an, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie lange man braucht, um eine bestimmte Zielgröße sicher zu treffen, um einen wirksamen Treffer in kürzestmöglicher Zeit anzubringen. Dieses Gefühl kann man aber nur durch Übung erlangen. Daher sollten Schießübungen im Verteidigungsschießen immer Teile enthalten, in denen schnell hintereinander auf unterschiedliche Zielgrößen oder unterschiedliche Entfernung geschossen werden muß. Die Verwendung eines Timers kann dabei hilfreich sein.

Ein Beispiel für die Integration des präzisen Schusses in die praxisnahe Ausbildung ist die Verwendung von Mannscheiben mit der Darstellung einer Schutzweste. Eine solche Scheibe läßt sich relativ einfach selbst herstellen, indem man die ungefähren Konturen, die eine Weste abdeckt, aus einfarbigem Papier ausschneidet und auf eine normale Mannscheibe klebt. Es kommt dabei weniger auf den ästhetischen Wert der Darstellung an, solange die Information „Schutzweste“ klar beim Schützen ankommt. Präsentiert man eine solche Scheibe überraschend und animiert die Schützen zum schnellen Ziehen und Schießen, kann man sehr häufig sehen, daß der Besonderheit dieser Scheibe überhaupt keine Rechnung getragen wird und aus Gewohnheit auf die Mitte der Scheibe bzw. auf den Flächenschwerpunkt des Ziels geschossen wird, was in dieser Lage natürlich falsch ist. Derartige unerwartete Aufgabenstellungen machen die Ausbildung nicht nur interessanter, sondern bereiten auch besser auf den Ernstfall vor, als langweilige immer gleiche Übungsabläufe.

In jedem Fall auf die Trefferlage achten

Ein gewisses Maß an Präzision sollte man aber nicht nur in speziellen Übungen fordern, sondern auch anstreben, wenn die Entfernung kurz ist und die ganze Mannscheibe als Zielfläche zur Verfügung steht. Nur von Treffern oder Nicht-Treffern zu sprechen, erzieht sehr schnell zum unsauberen Schießen. Gerade die neueren Auffassungen zur Mannstopp-Wirkung zeigen aber, daß die Trefferlage einer der Hauptfaktoren für die Wirkung des Treffers ist.

Eine Möglichkeit, die Präzision beim schnellen Schießen zu steigern, besteht darin, auf den einfachen schwarzen Silhouettenscheiben bestimmte Zonen gut sichtbar zu kennzeichnen und zu verlangen, daß die Treffer in diesen Zonen liegen müssen. Die Kennzeichnung der Zielflächen kann durch Sprühen mit aufgelegter Schablone oder durch das Aufkleben von ausgeschnittenen Papierteilen erfolgen.

All diese Überlegungen zeigen recht deutlich, daß Fragen des Präzisionsschießens durchaus nicht für Sportschützen reserviert sind, sondern auch im Bereich des ernstfallorientierten Schießens Bedeutung haben. Man muß sie nur richtig gewichten und einordnen.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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