Liebe zu allen ist Liebe zu niemandem

Von Huntley Haverstock, übersetzt von Lucifex. Das Original Love of All is Love of None erschien am 25. September 2017 auf Counter-Currents Publishing.

Ein Mann, der behauptet, alle Frauen gleichermaßen zu „lieben“, ist ein Mann, der unfähig ist, überhaupt irgendeine bestimmte Frau zu „lieben“ – und ein Mann, dessen „Liebe“ keine bestimmte Frau will. Dasselbe gilt für jede Frau, die behauptet, alle Männer zu „lieben“. Jemanden zu lieben, heißt, ihn für das zu lieben, was ihn von anderen abhebt. Wir wollen für das geliebt und geschätzt werden, was uns einzigartig macht.

Und dies bedeutet von Natur aus, daß wir wollen, daß andere in diesem Ausmaß als geringerwertig gesehen werden, weil ihnen bestimmte Eigenschaften fehlen, die wir besitzen – auch wenn dies nicht der bewußte Fokus unseres Wunsches ist. Ohne das Risiko, daß wir diese Eigenschaften nicht aufweisen und somit wie jene anderen werden könnten – unwürdig der Liebe, die wir erlangt haben – verliert Liebe ihre Substanz und wird zu etwas, das eher dem Mitleid entspricht, welches – anders als Liebe – etwas ist, wo niemand jemals ein Selbstwertgefühl empfindet, wenn er es bekommt.

Anders als diejenigen, die uns bloß bemitleiden, werden diejenigen, die uns lieben, zu einem Teil unserer Identität. Dies ist genau deshalb so, weil unsere Identität in einem sozialen Kontext existiert, um uns von anderen Menschengruppen um uns herum zu unterscheiden, selbst wenn es uns zusammen mit anderen kategorisieren mag – und diejenigen, die uns lieben, tun das wegen dem, was uns von jenen anderen unterscheidet. Liebe ist somit in ihrem Kern von Natur aus an Identität gebunden.

Oxytocin, bekannt als „Liebeshormon“ oder „Vertrauensmolekül“ wird bei Umarmungen, beim Sex und anderen Formen intimen körperlichen Kontakts freigesetzt und fördert Bindungen und ein Gefühl der Nähe. Studien haben entdeckt, daß Mäuse, die genetisch so verändert wurden, daß sie zur Reaktion auf Oxytocin unfähig sind, die Fähigkeit verlieren, zwischen Mäusen aus ihrer eigenen Gruppe und Außenseitern zu unterscheiden. Raten Sie mal, was die Wissenschaft im Jahr 2010 entdeckt hat? Hier ist ein interessanter Studientitel: Oxytocin promotes human ethnocentrism [Oxytocin fördert menschlichen Ethnozentrismus]. Nach einer Injektion von Oxytocin waren Teilnehmer mit geringerer Wahrscheinlichkeit bereit, im klassischen Trolley-Problem das Leben eines Individuums zu opfern, um die Leben einer Gruppe zu retten – wenn und nur wenn dieses Individuum ein Mitglied derselben Rasse war. Aber die Teilnehmer blieben völlig zufrieden damit, die Leben von Fremdstämmigen zu opfern. Wie es Crackeds Zusammenfassung der Situation erläuterte, „kurbelte Oxytocin tatsächlich Gefühle der Liebe an; es ist nur so, daß diese Gefühle strikt auf die eigene Gruppe der Person beschränkt waren. Und es ist nicht so, daß es sie Außenseiter hassen ließ. Es ist nur so, daß, wenn sie die Situation als ‚wir gegen sie‘ wahrnahmen, ein stärkeres Gefühl der Liebe zu ‚uns‘ eine schlechte Nachricht für ‚sie‘ ist.“

Eine neuere Studie fand heraus, daß eine Steigerung des Oxytocins Menschen eher dazu bereit macht, zu lügen, wenn dies ihrer Gruppe nützen würde. Die Organisatoren der Studie erklärten, daß Oxytocin eine Verlagerung „vom Eigeninteresse zum Gruppeninteresse“ bewirkt. Es stellt sich heraus, daß Dinge wie Umarmungen, Sex und sogar Schwangerschaft buchstäblich dabei helfen, uns in Rassisten zu verwandeln. Die Autoren dieser Studien kommen zu dem Schluß, daß Oxytocin – der biochemische Motor des menschlichen Bindungsverhaltens selbst – vielleicht doch nicht so großartig ist. Aber wir anderen werden vielleicht keine voreiligen Schlußfolgerungen ziehen wollen, die, wie Nietzsche es ausdrücken würde, so lebensverneinend sind.

Liberale stellen Nationalstaaten gerne als etwas dar, das auf „willkürlichen Linien im Sand“ beruht, und nennen sich selbst als „Weltbürger“ statt als Bürger einer Nation. Warum sollten wir unser Mitgefühl für die Menschheit willkürlich auf Menschen beschränken, die zufällig auf dieser bestimmten Landmasse statt auf irgendeiner anderen geboren wurden? Diese Frage zu stellen, während man sie in diesen Begriffen formuliert, heißt, die offenkundige Antwort vorzugeben: natürlich sollten wir das nicht. Warum würde irgendjemand das tun?

Zur Verteidigung der Brexit-Abstimmung erklärte Theresa May: „Wenn man glaubt, ein Weltbürger zu sein, dann ist man ein Bürger von nirgendwo.“ Aber eine 2016 von GlobeScan durchgeführte Umfrage ergab, daß 43 % der Bürger der Vereinigten Staaten der Aussage „Ich sehe mich mehr als globalen Bürgen denn als Bürger meines Landes“ „sehr“ oder „einigermaßen“ zustimmen, während 56 % einigermaßen oder sehr widersprachen. (Diese Zahlen sind 47 % beziehungsweise 52 % für das Vereinigte Königreich, wo die Brexit-Abstammung stattfand.)

Jedoch ergab eine Studie von 2015: „Je mehr Individuen sich als ‚Weltbürger‘ wahrnehmen, desto weniger wahrscheinlich tragen sie zu kollektiven öffentlichen Gütern bei und desto wahrscheinlicher fährt er ‚per Anhalter‘ mit den Beiträgen anderer Bürger mit.“ Dies ist eine hervorragende Zusammenfassung der Kernthese dieses Essays: Liebe zu allen ist Liebe zu niemandem. Es ist nicht so, daß der „globale Bürger“ im Durchschnitt genauso viel für seine Nachbarn spendet und dann auch mehr für globale Wohlfahrtsorganisationen spendet.

Er liebt einfach seinen Nachbarn weniger. Und diese Heuchelei des „Weltbürgertums“ ist bloß ein Weg, seinen Mangel an Liebe zu seinem Nachbarn in selbstgratulierender Weise zu formulieren. Solchen Individuen wird es schwerfallen, sich der Tatsache zu stellen, daß das Erweisen irgendeiner echten Liebe oder Loyalität in der Welt einfach bedeutet, anderen genau diese Dinge zu nehmen. Sich in irgendeiner sinnvollen Weise wahrhaft an einen romantischen Partner zu binden, bedeutet einfach, anderen Menschen diese Möglichkeit zu nehmen. Auch einen bestimmten Roman oder Film oder eine Fernsehserie oder einen Comic oder ein Videospiel zu lieben, heißt, weniger Aufmerksamkeit den Bemühungen aller anderen zu schenken, die so hart daran arbeiten, diese Formen von kreativen Inhalten zu schaffen, und in diesem Ausmaß anderen die gleiche Wertschätzung für ihr Werk zu verweigern. Und nur jemand, der gar nichts wahrhaft liebt, könnte sich jemals auch nur vorstellen, daß alles – oder jedermann – gleichermaßen zu lieben, überhaupt eine abstrakte Möglichkeit ist.

„Globale Bürger“ mögen in Umfragen erklären, daß sie wollen, daß ihre Nation mehr für die Verringerung der globalen Ungleichheit tut. Aber Konservative, die von Liberalen ständig als solche stereotypisiert werden, die das Ideal vom reichen kapitalistischen Bonzen-Boss fetischisieren, spenden in Wirklichkeit mit größerer Wahrscheinlichkeit aus ihren eigenen Taschen. (Außerdem „stimmten siebzehn der relativ großzügigsten [US-] Bundesstaaten 2012 für Romney, während 15 der 17 am wenigsten großzügigsten sich für Obama zur Wiederwahl entschieden“.)

Diejenigen, die ihren Gefährten und Partnern am meisten zu geben haben, werden die selektivsten bezüglich dessen sein, wem sie diese Rollen gewähren – weil sie am meisten zu verlieren haben. Und nur diejenigen, die wenig als Gegenleistung zu geben haben, werden irgendein Interesse an der Verbreitung der Lüge haben, daß Liebe zu allen möglich ist: dies sind die Leute, die am meisten profitieren würden, wenn denjenigen, die viel zu geben haben, das „Diskriminieren“ verweigert würde (nachdem sie diejenigen sind, gegenüber denen jene, die viel zu geben haben, am meisten Grund zum Diskriminieren haben); und diese Lüge würde, wenn sie geglaubt wird, diejenigen, die viel zu geben haben, dazu veranlassen, niemanden zu diskriminieren. Aber die schlichte Tatsache ist, daß echte Liebe und Loyalität einfach von Natur aus diskriminierend sind.

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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