Eine Tour durch die „Millennium Falcon“ offenbart schreckliches Innendesign

Von Rain Noe, übersetzt von Cernunnos. Das Original A Tour Inside the Millennium Falcon Reveals Horrible Interior Design („They should’ve consulted a human factors person“) erschien am 3. Mai 2018 auf Core77.

Im neuen Star-Wars-Werbevideo mit Donald Glover, das diese Woche veröffentlicht wurde, bekamen wir einen viel besseren Blick auf das Innere der Millennium Falcon, als ihn die vorherigen Filme boten.

Ich habe nicht die volle Hintergrundgeschichte, aber nach dem, was ich mitkriege, hat Lando Kardashian diese jüngere Iteration des Schiffes in eine Art Partyboot/Junggesellenbude verwandelt. Ich habe seine Designentscheidungen beurteilt, und von einem funktionellen Standpunkt stinken sie. Fangen wir an.

Seht euch als erstes die Wände an, die alle Staubfängerfugen haben. Warum schöne, glatte Wände machen, wenn man welche bauen kann, für deren Reinigung man elfmal so lange braucht?

Hier sehen wir den „Mannschaftsraum“, neu gedacht als Lounge, die für die Unterhaltung von Gästen eingerichtet ist.

Hier ergibt besonders eine Designentscheidung keinen Sinn: Diese kreisrunde Bank, aus deren Mitte ein Lautsprecher der Tonanlage ragt.

Und Leute, es gibt einen Grund, warum man kreisförmige Bänke nur an öffentlichen Orten sieht: Sie sind dafür gedacht, daß einander Fremde darauf sitzen, da es unmöglich ist, Augenkontakt mit anderen darauf Sitzenden herzustellen.

Stellt euch vor, wie dieses Ding hier auf diesem Schiff benutzt würde, und in welchem Kontext: Lando lädt euch zu einer Party an Bord ein. Ihr setzt euch auf dieses Ding, aber ihr könnt euch nicht zurücklehnen, weil ihr seinen Lautsprecher nicht kaputtmachen wollt. Also macht ihr es wie die U-Bahn-Passagiere, beugt euch nach vorn und stützt eure Ellbogen auf eure Knie. Mindestens fünf andere Leute sitzen auf der Bank und fühlen sich gezwungen, dasselbe zu tun, jeder schaut nach außen, keiner pflegt Kontakt zu den anderen, und einer von euch Idioten schaut die Wand an. Selbst wenn die Person neben euch mit euch reden wollte, könnte es schwer sein, sie zu hören, nachdem direkt hinter euch ein omnidirektionaler Lautsprecher ist.

Wenn wir zur Bordküche weitergehen, so hat die Kücheninsel betonte Wasserfallkanten, die unvermeidlich zu zerbrochenem Geschirr und Gläsern führen werden. Die drei Zoll um den Rand sind als Abstellfläche unbenutzbar, was bedeutet, daß all diese Extramasse eine völlige Verschwendung von Material ist.

Seht euch die Rillen im Rand der Arbeitsplatte an. Die sind dafür da, daß, wenn man ein Glas Orangensaft verschüttet, die Flüssigkeit durch diese Rillen fließen wird. Sodaß man für die Reinigung nicht bloß den Rand abzuwischen braucht, sondern ein Papierwischtuch zusammenknüllen und auch in diese Furchen hineinwischen muß. Ich wette, daß niemand sich die Zeit dafür nimmt und die Innenseiten dieser Furchen alle klebrig sind.

Seht euch drüben an der Konsole diesen Stuhl daneben an:

Warum ist die Unterseite der Kopfstütze gepolstert? Ich bin nie auf einem Arbeitsstuhl gesessen und habe gedacht: „Der bietet nicht genug Stütze für mein Scheitelbein.“

Dann gibt es noch die Gästekoje. Beachtet, daß es keine Möglichkeit gibt, in das verdammte Ding zu kommen, ohne über all das „Lackleder“ zu klettern. Und könnte man die „Umweltkontrollen“ an einer noch unpraktischer zugänglichen Stelle plazieren? Ich muß mich hinknien und mich umständlich über die Lehne der Sitzbank beugen, um die Klimaanlage in Gang zu bringen?

Mehr über das beschissene Design der Koje – sind die Konturen der Liegefläche dafür entworfen, einem Skoliose zu verschaffen? Und die Nische ist auch oben, unten und an den Seiten gepolstert, vermutlich um einen darin Schlafenden bei Turbulenzen am Himmel eines Planeten zu schützen. Aber es gibt kein Sicherheitsgeländer, das verhindert, daß man aus dem Ding herausfällt und auf diesem hübschen Metalltisch darunter landet. Die Designer dachten also ungefähr: „Wir wollen euch davor schützen, gegen Oberflächen in eurer unmittelbaren Nähe zu stoßen, haben aber kein Problem damit, daß ihr ganz aus der Koje herausgeworfen werdet.“ FAIL.

Nun kommen wir zu Landos Schlafzimmer.

Er ist irgendwie ein schmieriger Typ, daher werdet ihr diesen Raum nicht mit einer Schwarzlichtlampe ansehen wollen. Auf jeden Fall können wir sehen, daß er die neue Amazon Alexa auf dem Tisch links hat. Wir können unter der Annahme, daß er auf dem Bett mit diesem bizarren Sprungschanzending am Ende schläft, auch folgern, daß Lando regelmäßig einen Chiropraktiker aufsuchen muß und nicht auf die Quelle des Problems kommt.

Die „Fitnessecke“ ist vermutlich der Ort, wo er einen Bow-Flex oder sowas aufbewahrt.

Der krasseste Designmangel kommt zum Vorschein, wenn wir in Landos begehbaren Kleiderschrank schauen.

Seht euch die Kleiderstangen und die Kleiderbügel genau an.

Zoomen wir noch näher heran.

Was zum Teufel… Diese Kleiderbügel haben oben keine Haken, sondern geschlossene Schlaufen. Deshalb sind all die Kleiderstangen nur an einer Seite befestigt, statt ein einziges, an beiden Enden befestigtes Rohr zu sein. Wenn man das Cape ganz hinten will, muß man zuerst die fünf anderen davor herunterholen? Die Leute in diesem Universum haben den Hyperantrieb entwickelt, sind aber nicht auf die Nützlichkeit eines Hakens gegenüber einer Schlaufe draufgekommen?

Ich könnte auch über das Cockpit loslegen, aber ich kann die Benutzerschnittstelle nicht zutreffend kritisieren, weil ich nicht wirklich weiß, wie ein Fahrzeug wie dieses gesteuert wird. Wir sehen Han oder Lando nie beim Schalten, daher hat es vermutlich eine Automatik. Ich sage jedoch, daß die „Hyperdrive Controls“ wie das Erste aussehen, das man bei einem Einführungsunterricht an der Drehmaschine herzustellen lernt.

Und zuletzt ist es kein Geheimnis, warum wir das Badezimmer auf diesem Schiff nie gesehen haben. Es ist deshalb, weil der Copilot dieser Kerl ist:

Was denkt ihr, wie der Abfluß der Dusche aussieht, oder auch ein Stück Seife, nachdem dieser lausige Wookie aus der Dusche steigt?

  Rain Noe ist ein in New York City ansässiger Schriftsteller und Industriedesigner.

*     *     *

Siehe auch das Video „What’s inside the Millennium Falcon?“ (7:35 min.), eine computergraphische 3D-Präsentation von Jared Owen, der beruflich solche animierten 3D-Funktionsdarstellungen für mechanische Objekte, Raumfahrzeuge und berühmte Gebäude macht:

…sowie diese „Star Wars“-Filmrezensionen von Trevor Lynch:

Solo: A Star Wars Story

Star Wars, Episode VII: Das Erwachen der Macht

Star Wars: Die letzten Jedi

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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