Kleine Krisenvorsorge

Von Deep Roots, ursprünglich erschienen am 14. Mai 2011 auf „As der Schwerter“ (Titelbild von Osimandia gestaltet).

Es wird wahrscheinlich nicht so sein, daß es einen „Tag X“ gibt, an dem von einem aufs andere alles mit einem Rumms zusammenbricht, worauf Ragnarök folgt und unserer gegenwärtigen Zivilisation zumindest für längere Zeit ein Ende setzt. Viel eher wird es zuvor schon zeitlich und/oder örtlich begrenzte Krisen geben, die vom System vorübergehend wieder unter Kontrolle gebracht werden und welche die letzte Mahnung sein sollten, sich für den wirklich großen Crash umfangreicher auszustatten. Der nachfolgende Text, der auf dem Artikel „Schadens-Begrenzung“ von Robert Cadek in der Waffenzeitschrift VISIER (Ausgabe Juni 1999) beruht, welchen ich für die aktuelle Situation angepaßt, umgemodelt und ergänzt habe, soll als Ratgeber für eine solche „Kleine Krisenvorsorge“ dienen, die dann zur langfristigen „Großen Krisenvorsorge“ ausgebaut werden kann.

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Großstädte ohne Strom, plündernde Horden, das ganze Land im Chaos: das befürchtete man Ende 1999 als Auswirkungen des Y2K-Computerbugs, die zum Glück doch ausgeblieben sind. Viele US-Bürger bereiteten sich damals auf das Schlimmste vor. Sie lagerten Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente ein und machten sich von der öffentlichen Energieversorgung unabhängig, indem sie sich Solaranlagen und Generatoren anschafften. Die Hamsterkäufe erreichten damals einen derartigen Umfang, daß es schon zu Engpässen bei bestimmten Surplus-Artikeln und sogar bei Munitionsarten kam. Die Autonomie vom Staat bedeutet für viele Amerikaner ohnehin das konsequente Weiterleben alter Pioniertraditionen.

Ganz anders hierzulande: Spätestens seit den 1960er-Jahren und dem damaligen Wirtschaftswunder verlassen sich die Bürger verstärkt auf Staatsapparat und Überflußgesellschaft. Die wenigsten Zeitgenossen in West- und Mitteleuropa verschwenden auch nur einen Gedanken an die Anfälligkeit der Energie- und Versorgungssysteme. So wich die teure Lagerhaltung des Einzelhandels schon vor Jahren einem zwar sehr gut funktionierenden Verteilersystem, das aber höchst störanfällig ist. Es genügen ja schon ein plötzlicher Wintereinbruch, ein Hochwasser oder LKW-Fahrerstreik, um Ortschaften oder ganze Regionen von der Versorgung abzuschneiden. Der große französische LKW-Fahrerstreik leerte seinerzeit in Paris ganz schnell die Regale der Supermärkte. Früher reichte es schon, daß sowjetische Politiker mit dem Schuh auf den Tisch hauten, und die Deutschen starteten Hamsterkäufe. Mittlerweile kann sich kaum jemand vorstellen, daß es in Mitteleuropa wieder zum Krieg kommen könnte. Ähnlich hat die lange Zeit von innerem Frieden und Wohlstand den Gedanken an soziale Unruhen, tiefgreifende und anhaltende Wirtschaftskrisen und Epidemien verdrängt. Das soziale System von öffentlicher Sicherheit, Versorgung und Betreuung in Notlagen schien in Deutschland bisher unerschütterbar zu sein: Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn, die Wärme aus der Zentralheizung und die Nahrung aus dem Supermarkt an der Ecke. Wenn es Ärger gibt, ruft man 110 an, bei Feuer und anderen Notfällen 112. Wer krank wird, für den kommt sogar am Sonntag der Notarzt, und stets findet sich Platz im Krankenhaus.

Ein Trugschluß. Denn selbst Länderpolizeien wie beispielsweise NRW oder Berlin zeigten sich in der Vergangenheit schon bei etwas größeren Krawallen personell überfordert – und das zu „Normalzeiten“, wenn alle Energie- und Telefonnetze funktionieren. Gleiches gilt für die Rettungsdienste und Feuerwehren, die schon bei ganz alltäglichen Hochwasserkatastrophen oder Eisenbahnunglücken wie Eschede an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. All das wird in Zukunft nicht besser werden, sondern mit zunehmender Überdehntheit der öffentlichen Finanzen vielmehr schlechter, und die wachsenden Probleme, die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bei ihren Einsätzen mit orientalischen „Neubürgern“ bekommen, dürften bewirken, daß immer schwerer Personal für diese Dienste zu gewinnen sein wird.

Wirklich verlassen kann sich jeder nur auf sich selbst. Das rät sogar das Bundesamt für Zivilschutz (BZS), nämlich in jedem Haushalt einen Notvorrat an Lebensmitteln und vor allem Getränken anzulegen (siehe Tabelle unten). Denn ein gesunder Mensch hält es rund drei Wochen ohne feste Nahrung aus, aber nur maximal vier Tage ohne Flüssigkeit. So sollten immer einige Kisten Mineralwasser oder mit Leitungswasser gefüllte Kanister bereitstehen. Vorausgesetzt, die Behörden geben im Notfall noch rechtzeitig bekannt, daß die Wasserversorgung versiegt, sollte man alle nur erdenklichen Behälter bis hin zur Badewanne mit Wasser füllen. Gegen Keimbildung schützen Micropur-Tabletten aus dem Outdoor-Geschäft. Sie sorgen dafür, daß das Wasser bis zu einem halben Jahr trinkbar bleibt.

Bei Nahrungsmitteln möglichst lang Haltbares auswählen und folgerichtig auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten. In obiger Tabelle fehlen übrigens Nudeln, die getrocknet recht lange haltbar sind, und Mehl, bei dem ich im Supermarkt bis zu einem Jahr in der Zukunft liegende Aufbrauchsfristen aufgedruckt gesehen habe. Dörrobst und Nüsse sind ebenfalls eine Möglichkeit. Den Notvorrat möglichst lichtgeschützt, kühl und trocken lagern. Das Rosten der Konservendosen läßt sich vermeiden, wenn man sie leicht mit Pflanzenöl einreibt. Bei der Auswahl der Lebensmittel gegebenenfalls an zur Familie gehörende Kleinkinder, ältere oder kranke Menschen denken, die einer speziellen Kost bedürfen. Und natürlich darf man auch eventuelle Haustiere nicht vergessen. Eine Extremsituation löst ohnehin schon genug Streß aus, auch ohne einen durch Hunger aggressiven Hund. Man kaufe vorwiegend Dinge, die man auch kalt verzehren kann. Denn schon bei ganz normalen Hochwassersituationen versagt die Energieversorgung mit Gas oder Strom. Und anders als vor 50, 60 Jahren besitzen heute die wenigsten Wohnungen noch Kachelöfen oder Kochmaschinen in der Küche (wer gerade dabei ist, ein Haus zu bauen, sollte unbedingt auch einen zentral gelegenen Kachelofen vorsehen!). Ohne unabhängige Wärmequelle (Campingöfen) wird es sehr schnell kritisch.

Außer den Nahrungsmitteln braucht man auch in Krisenzeiten Hygieneartikel wie Seife, Zahnpaste, Zahnbürsten, Rasierer und Toilettenpapier. Jeder benötigt das eine oder andere Medikament, ein wirklich durchdachtes Erste-Hilfe-Set existiert allerdings in den wenigsten Haushalten. Meistens fehlen im Verbandsschrank Wundgel, fiebersenkende Präparate sowie Schmerz-, Abführ- und Durchfallmittel und Desinfektionsspray. Damenbinden eignen sich nicht nur für ihren eigentlichen Zweck, sondern geben auch sehr gute Kompressen bei stark blutenden Wunden ab. Auch wenn es niemanden zum Arzt macht, sollte ein medizinischer Ratgeber ebenfalls nicht fehlen. Benötigt man selber oder jemand in der Familie ständig ein Medikament, beispielsweise Insulin oder Blutdruckmittel, gehört auch das zur Vorratshaltung. Und gegen Angstzustände können Beruhigungsmittel helfen.

Probleme kann schon das Entsorgen von Fäkalien oder Abfall bereiten. Ein Spülvorgang vergeudet bis zu neun Liter wertvolles Trinkwasser, wenn die Leitungen funktionieren. Glücklich können sich Besitzer von Campingtoiletten schätzen. Sonst muß – wie früher, als es noch keine städtische Kanalisation gab – ein Eimer herhalten. Beim Entsorgen schützen darüber gehäufter Chlorkalk oder Torfmull vor Geruch und Ungeziefer. Die streikende Müllabfuhr bewies in der Vergangenheit mehrmals, wie schnell unsere Gesellschaft im eigenen Dreck versinken kann. Dabei ist das Entsorgen von Abfall aus seuchenhygienischen Gründen bitter notwendig – am besten verbrennen oder vergraben.

An die Bevorratung mit Fahrzeugtreibstoff muß ebenfalls gedacht werden. Man sollte den Fahrzeugtank nie leerer als halbvoll werden lassen, und es empfiehlt sich, sofern von den heimischen Lagermöglichkeiten her machbar, mehrere große Kanister anzuschaffen und in diesen Benzin oder Dieselöl zu bunkern. Ich weiß nicht, wie es mit der langfristigen Lagerfähigkeit von Treibstoffen aussieht, glaube aber, irgendwo gelesen zu haben, daß diese nicht unbegrenzt ist. Zur Sicherheit kann man rotationsweise immer wieder mal einen davon in den Tank entleeren und beim nächsten Tankstellenstop gleich mit befüllen.

Zur persönlichen Schadensbegrenzung braucht jeder Haushalt auch ein entsprechendes Werkzeugset mit Spaten, Säge, Beil, Zange, Brecheisen, Hammer sowie ein Sortiment Nägel, Draht und Schauben. Schweizermesser von Victorinox oder Wenger sind ebenfalls zu empfehlen (für die gibt es praktische Gürteletuis aus Leder). Kommt es zu Krawallen oder Plünderungen, gehen als erstes die Scheiben zu Bruch. Zum notdürftigen Flicken von Glasscheiben eignen sich Klarsichtfolie oder die Bretter aus der heimischen Schrankrückwand. Eine vor das Fenster genagelte Wolldecke hält die Wärme aber viel besser im Raum. Und eigentlich müßte jeder Haushalt über eine Notheizung für fossile Brennstoffe oder Holz verfügen, da die meisten modernen Heizungsanlagen bei einem Stromausfall aufgrund der elektrischen Umwälzpumpen ebenfalls versagen. Wer aufgrund seiner Wohnung keinen Ofen dieser Art aufstellen darf, kann zumindest einen Spiritus- oder Gaskocher mit ausreichend Brennstoff einlagern. Petroleumlampen sorgen nicht nur für Licht, sie bieten im Notfall eine nicht zu unterschätzende Wärmeleistung. Schlußendlich darf die gute alte Kerze natürlich nicht unerwähnt bleiben. Aber in Nichtraucher-Haushalten fehlt es oftmals an Feuer, also einige Päckchen mit Streichhölzern bunkern.

Denn Licht verhindert auch Panik. Daher sollte – gerade auch für Kinder – für jeden Bewohner der Wohnung eine Taschenlampe bereitliegen. Dabei muß es sich keineswegs um eines der energiefressenden Monster handeln, welche gleich vier oder sechs Monozellen fassen, wenngleich diese Stablampen wie z. B. die Mag-Lites, für die es neuerdings ebenso wie für die Mini-Maglites LED-Umrüstsätze gibt, recht viel Licht spenden und sich zur Not auch als Schlaginstrumente eignen. In diesem Fall sollte man aber nicht mit dem Lampenkopf zuschlagen, sondern mit dem Hinterende. Eine gute Bereitschaftshaltung beim Leuchten damit ist daher, sie so über der Schulter zu halten, daß der Lampenkopf an der Kleinfingerseite der Hand herausschaut, der Einschaltknopf mit den Fingern erreichbar ist und der Lampenkörper über die Schulter nach hinten ragt. Aus dieser Haltung kann man gegen einen im Lichtkegel auftauchenden Bösewicht sofort zuschlagen.

Für diese Mag-Lites gibt es die schon im Orkspalter-Artikel erwähnten Gürteltrageringe, an denen man auch Tomahawks, Gipserbeile oder Lattenhämmer tragen kann (bei Äxten kann es mit dem Ringdurchmesser für das Stielende eng werden):

An kleineren Allzweck-Taschenlampen gibt es ein großes Angebot, heute schon häufig mit starken Leuchtdioden (LEDs), wie die diversen Tactical Lights von Walther, die meistens für Lithiumbatterien CR 123 A eingerichtet sind und um die 25 Euro kosten:

Diese Lithiumbatterien sind zwar nicht eben billig (im 10er-Pack kosten sie z. B. bei Kettner € 2,75 /Stk.), bieten aber reichlich Saft und sind originalverpackt bis zu 10 Jahre lagerfähig – also auch ideal für langfristige Krisenvorsorge. Aus diesem Grund kaufe ich nur mehr Lithiumbatterie-Taschenlampen.

Batterien gehören also dazu, wasserdicht verpackt. Sie sind auch für den Kontakt zur Außenwelt hilfreich – nämlich per Transistorradio. Am besten hält man für jedes batteriebetriebene Gerät im Haushalt mindestens einen Reservesatz davon vorrätig, wenn nicht mehr (Batterien bieten sich als weiterer Tauschartikel für längerdauernde Krisenzeiten an). Handfunkgeräte sind wertvoll, um sich bei Ausfall der üblichen Kommunikationsnetze mit Freunden, Nachbarn oder auswärts befindlichen Familienmitgliedern verständigen zu können.

Ein Punkt, den Kairos in seinem Artikel „Kraft durch Freude“ behandelt hat, darf auch bei der Krisenvorsorge nicht vernachlässigt werden. Wie schon weiter oben angesprochen, ist eine Tage, Wochen oder länger dauernde Krisenzeit eine sehr belastende Ausnahmesituation, und wenn all die Alltagsfreuden und Zerstreuungen, die man in normalen Zeiten für selbstverständlich hält, mangels Internet, Radio, TV oder überhaupt Elektrizität nicht mehr verfügbar sind, kann man in ein noch tieferes emotionales Loch stürzen. Daher gehört zur Krisenvorsorge im Sinne der „Stärkung der Truppenmoral“ auch eine Kollektion alternativer Mittel zur individuellen oder gemeinsamen Unterhaltung: Brettspiele, Lektüre, Musikinstrumente samt deren Beherrschung, etc.

Laut BZS kommen jährlich rund 9.000 Menschen bei Bränden um. Viele davon sterben nicht durch das Feuer, sondern beim Sprung aus dem Fenster oder durch Rauch, deshalb sollte man mindestens ein Seil besitzen, wenn nicht – wie in US-Appartementhäusern üblich – eine Strickleiter.

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Siehe auch Überlegungen zum Verhalten bei Katastrophen

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Kleine Krisenvorsorge

  1. Lucifex schreibt:

    Von jemandem, der sich viel mit Krisenvorsorge und Survival befaßt, ist mir das Buch ZOMBOKALYPSE NOW von Thad Thorsen empfohlen worden (Taschenbuch um € 13,64, 249 Seiten, erschienen am 9. April 2020):

    Beschreibung auf der Amazon-Seite:

    Zombies bedeuten das Ende der Welt.Die Krisenvorsorgeindustrie ist eben vor allem dies, eine Industrie, die etwasverkaufen will.Survival-Literatur kopiert sich seit Jahren selbst, ohne wirklich innovativ zu sein,und arbeitet sich an Themen ab wie „Fluchtrucksack“, „Überlebensmesser“ und„Konservendosen“.Statt einer Langzeitstrategie haben wir Krisenkosmetik, mit der man bestenfallseinen zweiwöchigen Stromausfall übersteht.Überleben ist vor allem eine Gemeinschaftsaufgabe.In diesem Buch geht es darum, seine Gemeinschaft stark und widerstandsfähig zumachen.

    Ich bin noch nicht dazu gekommen, es zu besorgen und zu lesen („Kazeitfürnix“ ist derzeit sehr ausgelastet), habe das aber vor. Derjenige, der es mir empfohlen hat, hat mir auch das Vorwort und einen Auszug von weiter hinten übermittelt; hier das Vorwort:

    Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Überleben. Zombies bedeuten das Ende der Welt. Und das Ende der Welt ist gerade ziemlich in: Prepper, Krisenvorsorge, Survival – das Thema ist nahezu überall, was auch einiges über unsere heutige Kultur und Gesellschaft verrät.

    Die hiesige Krisenvorsorgeindustrie ist eben vor allem dies, eine Industrie, die etwas verkaufen will. Survivalliteratur kopiert sich seit Jahren selbst, ohne wirklich innovativ zu sein, und arbeitet sich an Themen ab wie „Fluchtrucksack“, „Überlebensmesser“ und „Konservendosen“. Allen diesen Ansätzen gemeinsam ist, dass sie keine Langzeitstrategien bieten, sondern nur ‚Krisenkosmetik’ betreiben, mit der man bestenfalls einen zweiwöchigen Stromausfall oder so etwas in der Art übersteht.

    Überleben, wie ich es verstehe, ist hingegen Kampf und Überwindung, und es ist nicht damit getan, sich einen Rucksack, ein paar Goldmünzen oder ein Messer zu kaufen. Ich schlage in meinem Buch vor, bei uns selbst anzufangen: Der Mensch der Moderne ist in seinem ganzen Wesen entfremdet von sich selbst. Ich plädiere auf den folgenden knapp 250 Seiten dafür, die Werte und Fähigkeiten, die uns in der Moderne abhandengekommen, die zum Überleben aber unerlässlich sind, wiederzuentdecken.

    Wie ich im ersten Kapitel erläutere, ist Überleben vor allem eine Gemeinschaftsaufgabe. In einem Satz zusammengefasst geht es darum, seine Gemeinschaft stark und widerstandsfähig zu machen. Du hast niemanden? Es gibt nur weniges, das hoffnungsloser ist als jemand, der versucht, sich alleine durch die Zombokalypse zu schlagen: Diese ganze Individualkrisenvorsorge wird nichts bewirken. Schnapp Dir also ein paar Kumpels, denen Du vertraust und leg los: Klettern, Wandern, Schießen, Jagen, Airsoft, etwas bauen. Und das regelmäßig. Es ist noch besser, wenn diese Freunde in Deiner Nähe wohnen. Wenn es soweit ist, wirst Du froh sein, sie um Dich zu haben. Vielleicht kannst Du aus Freunden auch Familienmitglieder machen, indem Du Dich mit ihnen versippst oder andere Familienbande zwischen Euch spannst. Eine große Familie ist genauso wichtig. Wofür sollte jemand sonst überleben wollen? Wozu sollte er es sonst verdienen? Ohne eine solche Gemeinschaft ist das Überleben sinnlos. Im letzten größeren Kapitel (Kapitel vier) greife ich das Thema nochmal auf und beschreibe, wie eine solche Gemeinschaft aussehen könnte.

    Das ist doch ziemlich unsere „Kragenweite“, oder? Und es geht in eine ähnliche Richtung wie das, was Kairos in Soziale Krisenvorsorge schreibt und Dunkler Phönix in An die Survival-Arschgesichter, oder wie ich irgendwann einmal als Deep Roots angeregt habe, daß man sich zumindest im Kopf eine Liste von Leuten im eigenen Umfeld anlegen sollte, die vielleicht nicht unbedingt hinsichtlich Krisenvorsorge mit uns übereinstimmen und uns belächeln würden, weil sie die Notwendigkeit nicht ernst nehmen – auf die man sich aber verlassen könnte, wenn es tatsächlich ernst würde, und die Sachen besitzen, können oder wissen, die dann wertvoll wären.

    Die Stelle „Eine große Familie ist genauso wichtig. Wofür sollte jemand sonst überleben wollen? Wozu sollte er es sonst verdienen? Ohne eine solche Gemeinschaft ist das Überleben sinnlos.“ hat mich an diesen Vers aus dem Havamal erinnert:

    49) Der Dornbusch dort, der im Dorfe steht,
    Ihm bleibt nicht Blatt noch Borke.
    So geht es dem Mann, den niemand mag:
    Was soll er länger leben?

    Und hier ein Auszug, der sich damit befaßt, wie es sich abspielt, wenn man in Gewaltsituationen gerät:

    Ein Überfall lässt sich in drei Phasen einteilen:

    (1) Bewerbungsphase: Man sieht Dich; bist Du unaufmerksam, abgelenkt, unsicher, wehrlos? Glückwunsch, dann bist Du der richtige für den „Job“! – dann bist Du das perfekte Opfer! Um gar nicht erst in diese „Bewerbungsphase“ zu kommen, sei aufmerksam und wachsam und beobachte Deine Umgebung genau. Was passt nicht recht ins Bild, ist ungewöhnlich, eine Bedrohung? Wer beobachtet Dich, schätzt Dich ein, nähert sich Dir?

    (2) Bewerbungsgespräch: Du wirst angequatscht. Wenn Du ins Raster passt, wird man sichergehen wollen, dass Du die für den „Job“ notwendigen Voraussetzungen mitbringst und der erste Blick nicht getäuscht hat. Das kann ein simples „Gib mir Dein Geld“ sein, wahrscheinlich ist aber eine indirektere Eröffnung wie „Hast Du mal ne Zigarette/ Wechselgeld / ‘n Euro?“. Wenn Du jetzt immer noch arglos bist, nicht weißt, was läuft, hast Du den „Job“. Als nächstes wird er Dir ein Messer oder eine Schusswaffe unter die Nase halten und fordern, worauf er wirklich aus ist – oder Dich einfach niederstechen, um es sich einfach zu nehmen. Wenn Du bereits im Bewerbungsgespräch bist, ist es nicht einfach, dort ohne Gewalt wieder herauszukommen. Als erstes solltest Du unmissverständlich ausdrücken, dass Du weißt, was gerade abläuft und dass Du kein leichtes Opfer sein wirst. Du könntest eine eigene Waffe ziehen, wenn Du eine hast, Dich sichtbar auf einen Kampf einstellen, ihm gerade in die Augen schauen – was auch immer, das ihm verdeutlich: Du wirst Dich wehren. Diese Handlungen solltest Du auch verbal unterstützen. Gib ihm keinesfalls eine Antwort und frage auch nicht. Am besten funktionieren Aufforderungen wie: „Hau ab!“. Besser ist ein „Hau ab, verdammt nochmal!“. Übertreib dabei nicht. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen „Hau ab, verdammt nochmal“ und „Hau ab, verdammt nochmal, Du Hurensohn!“ Während ersteres ihn dazu bringen könnte, das „Bewerbungsgespräch“ abzubrechen und sich ein leichteres Opfer zu suchen, könnte ihn letztes eventuell gerade zum Angriff reizen, um sein Gesicht zu wahren und die Beleidigung zu rächen.

    (3) Du hast den Job! Glückwunsch, wenn Du es nicht geschafft hast, den „Bewerbungsprozess“ in Phase 1 (ideal) oder Phase 2 (akzeptabel) zu beenden, hast Du den Job: Du wirst ausgeraubt / vergewaltigt / verprügelt / getötet. An dieser Stelle angelangt, ist der einzige Weg zu überleben, ihm zu geben, was er will (manche tragen zu diesem Zweck Fake-Geldbörsen oder -Handys mit sich herum); oder Du kämpfst.

    Das oben genannte kommt aus Mosby (2015); zum ersten Mal beschrieben hat das, was er als „Interview“, „Einschätzungstests“ oder vielleicht am treffendsten als „Opfereinschätzung“ bezeichnet, Gavin de Becker (Vertraue deiner Angst. Wie unsere Intuition uns vor Gewalt schützt [1997]). De Becker schreibt dazu: „Die Art und Weise wie Kriminelle sich ihre Opfer aussuchen […] ähnelt der des Hais, der ein mögliches Opfer umkreist. Der auf Personen spezialisierte Kriminelle jeglicher Couleur ist auf der Suche nach jemand Verletzlichem, der ihm gestattet, die Situation zu kontrollieren; und so, wie er selbst stetig Signale aussendet, liest er die Signale anderer.“

    Falls jemand von euch sich das Buch vor mir bestellt, könnte er vielleicht hier seine Beurteilung dazu mitteilen?

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