Gedanken von einer Ledercouch über COVID-19

Von Dr. Robert S. Griffin, übersetzt von Lucifex. Das Original Thoughts from a Leather Couch About COVID-19 erschien am 8. April 2020 auf The Occidental Observer.

Anmerkung: Ich schrieb diesen Artikel am 30. März. Nachdem ich ihn fertiggestellt hatte, dachte ich: „Du bist alt und sauer und unqualifiziert, über dieses Thema zu schreiben. Jeder ist an Bord dabei, wie mit dieser COVID-19-Pandemie umzugehen ist, und es muß mit dir etwas nicht stimmen.“ Ich legte den Artikel beiseite. Es ist nun der 1. April, und ich habe ihn noch einmal gelesen und mir gedacht: „Oh, bring‘ ihn raus. Es ist deine Wahrheit, selbst wenn es nicht die Wahrheit ist. Die Leser werden genug wissen, um ihn als das zu nehmen, wofür er gut ist.“ Hier ist er also.

*   *   *

„Ledercouch“ im Titel dieses Artikels bezieht sich darauf, wo ich heutzutage die meiste Zeit in meinem Wohnzimmer verbringe. Ich bin im Ruhestand und geriatrisch alt – 80 nächsten Monat -, und ich besitze nahezu keine Energie, und die Spinalstenose und die Arthritis sind wirklich schlimm, und alles, was ich am Morgen tun kann, ist Frühstück zu machen und das Müsli mit Obst und eine Tasse Kaffee und ein Glas Milch zur Ledercouch zu bringen, um es zu mir zu nehmen, während ich The New York Times auf meinem Laptop lese, verdammt große Sache.

Die Schlagzeile der Times von heute [30. März] lautete: „Während U.S.-Totenzahl steigt, wägt Washington neue Notstandsmaßnahmen ab.“ [Am 1. April lautet sie: „Virus könnte 100.000 bis 240.000 töten, sagen Experten.“] Es ist online, aber was ich die Titelseite der Times nennen würde, enthielt 13 Artikel – jeder davon handelte von der gegenwärtigen COVID-19-Krise. Es gab 11 Stellungnahmen auf der Titelseite – dasselbe.

Dies geht schon seit Wochen so. Die Times hypt diese Sache wirklich. Man sagt mir (ich verlasse das Haus selten, außer ab und zu, um zum Supermarkt zu gehen und Bücher in der Bibliothek zu holen, daher weiß ich es selbst nicht wirklich), daß die Wirtschaftsaktivität heruntergefahren ist und jeder sich zu Hause verkriecht und sich die Hände supersorgfältig wäscht (darin bin ich ziemlich gut) und versucht, das Gesicht nicht zu berühren (da könnte ich etwas Verbesserung brauchen) und sich von anderen Menschen fernzuhalten (meine Spezialität). Die Times sagte, daß Präsident Trump verkündete, daß dieses Arrangement einen weiteren Monat bestehen bleiben wird.

Ich entdeckte, daß eine der bedeutenderen Aktivitäten in meinem Alter, zumindest bis die Demenz einsetzt – oder schlimmer wird, welches immer es ist -, darin besteht, auf dieser Ledercouch zu sitzen und eine Wiederholung meines Lebensfilms anzusehen, die in meinem Kopf projiziert wird.

Eine der sehr frühen Szenen meiner Filmbiographie, ich war wahrscheinlich vier Jahre alt, war, wie ich in Minnesota ein Flugzeug über uns hinwegfliegen hörte und meine Mutter darauf hinwies.

Sie antwortete, im Scherz, wie ich nun erkenne – oder versuchte sie mir boshafterweise Angst einzujagen? – „Das könnte ein deutsches Flugzeug sein, das eine Bombe auf uns abwirft.“

„Eine was?“

„Eine Bombe. Wir sind im Krieg mit den Deutschen.“

Ich wußte zu der Zeit nicht, was eine Bombe war, ein Krieg oder ein Deutscher, und ich beließ es dabei und ging wieder meinen Beschäftigungen nach. Aber aus irgendeinem Grund ist diese Episode über 75 Jahre später in meinem Film.

Was eine Überleitung zu meinem ersten Punkt in diesem Text ist: Keine Bombe ist jemals auf mich abgeworfen worden, weder buchstäblich noch bildlich gesprochen, mein ganzes Leben nicht bis jetzt; diese COVID-19-„Bombe“ hat ihr Ziel getroffen, ich spüre sie. Und, um die Verbindung mit der Filmszene fortzusetzen, ich bin genauso ahnungslos bezüglich dessen, was mit diesem Virus und der kollektiven Reaktion darauf los ist, wie ich es damals 1944 wegen dieses Flugzeugs war.

Das alles soll heißen, daß es für mich in dieser COVID-19-Sache um etwas geht – genug, um mir die Zeit zu nehmen, dies zu schreiben -, aber ich versuche hier nicht den Experten zu spielen. Was ich zu tun versuche, ist die Gedanken eines Durchschnittsbürgers – meine – für eure Begutachtung rüberzubringen. Dies ist, was ich euch sagen würde, wenn ihr euch irgendwie in den roten Lehnstuhl setzen würdet, der sechs Fuß von mir auf dieser Couch entfernt ist.

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Während ich hier Tag für Tag sitze – ist gerade Dienstag oder Mittwoch? -, erkenne ich, welch geringe Verwicklung ich in die großen Ereignisse meiner Zeit auf Erden hatte und wie wenig Wirkung sie auf mich hatten. Es ist der Punkt „Keine Bombe ist mir auf den Kopf geworfen worden“ im letzten Abschnitt. Es gab in den ‘40ern eine Polioepidemie, und meine Mutter sagte mir, im See schwimmen zu gehen sei tödlich schlimm (nachdem man dabei Polio bekommen konnte, so dachte sie jedenfalls), und ich habe mich seither immer vor dem Wasser gefürchtet. Da ist nicht viel. In der Grundschule übte ich, unter meinen Tisch zu schlüpfen, wie der Lehrer sagte, damit ich geschützt wäre, wenn die Russen eine Atombombe auf Saint Paul, Minnesota, warfen. Obwohl ich jetzt nicht sicher bin, wieviel es mir geholfen hätte, unter dem Tisch zu sein, wenn das passiert wäre, und die Wahrheit ist, daß ich nie kapierte, warum genau ich überhaupt unter dem Tisch kauerte. Der Koreakrieg war eine Landkarte in der Saint Paul Pioneer Press, die eine Gefechtslinie nahe der Stadt Pusan ganz unten in Südkorea zeigte, und dann gab es die Landung bei Inchon nahe der Stadt Seoul, und dann trieben die Chinesen uns von dort, wohin wir in Nordkorea gekommen waren, wieder ungefähr dorthin zurück, wo wir waren, als der Krieg anfing, aber was das mit irgendetwas zu tun hatte, hätte ich euch nicht sagen können. Ich mußte nicht in Vietnam kämpfen, weil ich mit siebzehn zur Armee gegangen und wieder aus ihr draußen war, bevor der Krieg eskalierte, und ich wäre sowieso nicht eingezogen worden, weil ich an einer High School unterrichtete. 9/11 war in Manhattan, und ich war in Vermont, unterrichtete an der Universität, ging ins Kino und sah Ballspiele im Fernsehen an. Es gab den Irakkrieg und die AIDS-Krise, und ich könnte andere größere öffentliche Ereignisse aufzählen, aber alles blieb „da drüben“ und war kein Teil meines Lebens. Aber diese gegenwärtige COVID-19-Krise, -Hysterie, dieses beherrschende Thema, wie immer man es nennen soll, ist eine ganz andere Sache. Sie ist nicht da drüben, sondern genau hier.

Mit dem Absturz der Märkte sind Hunderttausende Dollars in meinem Pensionskonto, für dessen Aufbau ich ein halbes Jahrhundert verwendet hatte, verschwunden, puff.

Ich habe eine fünfzehnjährige Tochter, eine Zehntklässlerin an der High School, die in einem anderen Bundesstaat lebt als ich. Trotz unserer geographischen Distanz und meiner Hinfälligkeit stehen wir uns sehr nahe. Sie ist angewiesen worden, von ihren Freunden fernzubleiben. Sie liebt die Schule, und die ist geschlossen. Sie ist eine Elitegolferin. Kein Highschool-Golfteam mehr. Der Country Club, in dem sie spielt, ist geschlossen. Sie hätte nach Augusta reisen und das Masters-Golftournier sehen sollen. Verschoben. Ich bin besorgt, daß ich ihr Golfen nicht werde unterstützen können, das sehr teuer ist, mit den Trainern, der Ausrüstung, der Mitgliedsgebühr im Country Club und den Reisen zu Tournieren, und ihr Kleider und die anderen Dinge zu besorgen, die sie braucht, und das College steht bevor. Ich frage mich, wen das kümmert außer mir.

Ich lebe gegenüber von einem Restaurant, das ich ein paarmal besuchte und wo ich die Bedienung kennengelernt habe. Das Restaurant hat geschlossen. Ich frage mich, wie werden die Leute, die dort arbeiteten, ihre Miete bezahlen, Essen kaufen, Benzin in ihre Autos füllen und für die Leute sorgen, die von ihnen abhängig sind?

Die Bibliothek, die ich besuche, ist geschlossen.

Als ich das letzte Mal in den Supermarkt ging, waren die Regale seltsam leer, und ich bekam eine vage Panik, mehr zu kaufen, als ich brauche, und jetzt gerade habe ich meine Vorräte an Papierhandtüchern und Toilettenpapier überprüft.

*   *   *

Ich habe bemerkt, daß es neuerdings eine zunehmende Zahl von Berichten in den Medien gegeben hat über Leute, sowohl Promis als auch gewöhnliche Leute, die COVID-19 bekommen haben (damit infiziert oder daran erkrankt sind, die Begriffe werden austauschbar benutzt, was irreführend sein kann). Zu den Promis, die mir einfallen, gehören der Schauspieler Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson, der NBA-Star Marcus Smart und der Dramatiker Terrence McNally, der gerade daran gestorben ist. Ich erinnere mich an dieses Muster bei der AIDS-Epidemie – diese Person hat es, und jetzt diese andere, und diese; die Bedrohung wird größer, kommt näher und immer näher.

Diese Enthüllungen über Leute, die sich das Virus einfangen, kommen mir rüber wie Todesurteile, ein Hirntumor oder sowas – oh mein Gott, sie/er hat COVID-19! Ich frage mich, was passiert mit Leuten, die infiziert (oder erkrankt) sind? Ringen sie um Atem, oder was? Wie geht es Tom Hanks und Rita Wilson? Ich weiß, daß sie unter Quarantäne gestellt worden sind, aber ich habe nichts darüber gelesen, daß sie wirkliche Symptome hätten. Der Ballspieler Marcus Smart sagt, daß er sich gut fühlt.

USA Today brachte heute Morgen eine Titelgeschichte mit der Überschrift „CBS trauert um langjährige Journalistin Maria Mercader, die mit 54 am Coronavirus starb.“ Tief im Artikel vergraben fiel mir dieser Satz auf: „Mercader hatte mehr als 20 Jahre lang mit Krebs und damit verbundenen Leiden gekämpft und war seit Ende Februar wegen einer nicht damit zusammenhängenden Sache im Krankenstand gewesen.“ Ist sie an COVID-19 gestorben oder an Krebs und damit verbundenen Leiden? Hat das Virus sie über die Kante gestoßen, so wie es Hepatitits mit an AIDS Leidenden tat? Hepatitis hat sie in Wirklichkeit nicht erwischt; es war das AIDS-Virus. Wäre Maria Mercader gestorben, wenn sie nicht Krebs gehabt hätte? Was ist das Risiko für gesunde Menschen, COVID-19 zu bekommen?

Ich habe gerade nachgesehen und herausgefunden, daß Terrence McNally, der 81 war, Teile seiner Lungen wegen Lungenkrebs verloren und zur Zeit seines Todes mit COPD gelebt hatte, was für gewöhnlich Lungenaufblähung und Bronchitis, Kurzatmigkeit, Keuchen und chronischen Husten bedeutet. Ich erinnere mich nicht daran, in den Berichten über seinen Tod von COPD gelesen zu haben. Hatte es etwas mit seinem Tod zu tun, daß McNally 81 war und nicht 21 oder auch 41, und COPD hatte? War COVID-19 überhaupt ein Faktor, der dazu beigetragen hatte? Starb er mit COVID-19, aber nicht an COVID-19? Macht es einen Unterschied, daß meine Tochter eine gesunde 15jährige ist und daß ich trotz meiner altersbedingten Beschränkungen ein gesunder 79-jähriger bin?

Es gibt in Italien ein großes Problem mit dem Coronavirus, sagen die Medien uns ständig. Wir passen besser auf und machen alles dicht, oder wir werden in riesigen Schwierigkeiten wie Italien sein. Weil ich dies schreibe – ich hätte es andernfalls nicht getan – bin ich online gegangen und habe herausgefunden, daß das Durchschnittsalter der Todesfälle durch das Coronavirus in Italien 79 ist und daß nur 2 % derjenigen, die daran starben, keine Vorerkrankungen hatten. Von den ersten neun Todesfällen durch das Coronavirus in Italien hatten sieben „schwere Pathologien wie Herzleiden.“[1]

Bei weiterem Stöbern online konnte ich keine Sterblichkeitsraten (der Prozentanteil der Leute, die an COVID-19 sterben) nach Alter in den Vereinigten Staaten finden. Ich fand jedoch Daten für China, Südkorea, Spanien und Italien. Für diese vier Länder ist die Sterblichkeitsrate von Kindern unter neun Jahren Null; für die Altersgruppe von 10 bis 19 Null, außer für China, wo sie 0,2 % beträgt (ein Fünftel eines Prozent, zwei von tausend); für die 20-30-jährigen 0,2 % in China und Spanien, keine Daten zu den anderen zwei Ländern, und für die 30-39-jährigen zwischen 0,1 und 0,2 %.

Wie viele ansonsten gesunde Menschen sterben in den Vereinigten Staaten an COVID-19? Ob gesund oder sich unwohl fühlend, wie viele Menschen unter 40 sterben daran? Ich frage nur. Und ich frage mich, wer in den Medien, deren Aufgabe es ist, diese Fragen zu stellen und zu beantworten, es tut. Und wenn sie es nicht tun, warum nicht? Informieren die Mainstream-Medien uns, oder verkaufen sie uns etwas?

*   *   *

Um etwas zu verstehen, hilft es, es mit etwas anderem zu vergleichen. Es gibt zwei naheliegende Phänomene, die man mit COVID-19 vergleichen kann: die gewöhnliche saisonale Grippe und die Schweinegrippepandemie von 2009. Es verwundert mich, warum keiner dieser Vergleiche angestellt wird, oder zumindest springt es mir nicht ins Gesicht.

Laut den Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat es in dieser Grippesaison – vom letzten Oktober bis jetzt, die Saison geht jedes Jahr von Oktober bis April, den Kaltwettermonaten; so weit ich weiß, ist der April nie der Spitzenmonat für Grippe gewesen – 38 bis 54 Millionen Fälle von Grippe gegeben (wahrhaftig!), 17 Millionen Arztbesuche (!), 390.000 Krankenhauseinweisungen (!) und 29.000 bis 59.000 Todesfälle (!). Ich weiß nicht, warum die Schwankungsbreiten bei den Fällen und Totenzahlen so groß sind. Dies ist kein außergewöhnlich schlimmes Jahr bei den Todesfällen. In der Saison 2017/2018 gab es geschätzte 61.000 Todesfälle, und 34.000 in der Saison 2018/2019. Diese Daten können mit einer CNN-Meldung von heute [30. März] über 161.698 Fälle von COVID-19 und 3003 Toten in den Vereinigten Staaten verglichen werden [am 1. April waren es 4.476 Todesfälle]. Warum verursacht COVID-19 diesen riesigen Ansturm auf Ärzte und Krankenhäuser, von dem wir so viel hören, und die Grippe nicht?

Es würde helfen, wenn es von Woche zu Woche eine Tabelle gäbe, die vergleicht, was bei COVID-19 und der gewöhnlichen Grippe passiert, und eine Diskussion darüber. Ist eines der zwei schlimmer als das andere? Erfordert eines davon eine andere Reaktion als das andere? Wie beeinflußt unsere Art, wie wir mit dem einen umgehen, unsere Herangehensweise an das andere? Im Endeffekt lautet die Frage: Ist COVID-19 im Grunde nicht anders als die gewöhnliche Grippe? Hätten die Grippedaten dieser Saison – Krankheits- und Todesfälle – dieselbe mediale und politische Reaktion „Der Himmel fällt herab!“ unterstützen können, die COVID-19 bekommt?

Ein weiterer Vergleich, der für mich vielversprechend aussieht, ist der mit der Schweinegrippepandemie von 2009 in den Vereinigten Staaten. Ich sehe keinen Verweis auf diese Krise im öffentlichen Diskurs um die COVID-19-Pandemie. Zwei Pandemien, warum soll man sie nicht vergleichen? Das CDC berichtet, daß es vom 12. April 2009 bis 10. April 2010 60,8 Millionen Fälle von Schweinegrippe gab, 274.000 Krankenhauseinweisungen und 12.469 Todesfälle.[2]

Wie sind wir mit der Schweinegrippekrise vor nur einem Jahrzehnt umgegangen, und was können wir aus dieser Erfahrung lernen? Ich erinnere mich nicht an die Weltuntergangsszenarien – „Millionen werden sterben, wenn wir nicht drastische Maßnahmen ergreifen!“ – die ich jetzt höre, aber vielleicht habe ich nicht aufgepaßt. Ich kann dies aber mit Sicherheit sagen: Ich unterrichtete damals an einer Universität, und ich verpaßte keine Unterrichtsstunde (jetzt tut meine Universität etwas, das sie Fernlernen nennt), und jedes Restaurant in der Stadt war offen. Mit meinem Pensionskonto ging es in der Finanzkrise von 2008 bergab, aber nichts passierte mit ihm 2009 und 2010. Ich habe gerade nachgesehen: Der Dow ging 2008 um 34 % nach unten, und er ging 2009 um 19 % nach oben und 2010 um 11 %. Nun mache ich mir Sorgen, wie ich meiner Tochter Kleidung für die Schule besorgen und das College bezahlen kann. Was geht vor?

*   *   *

Ich bin besorgt, daß Menschen, wenn sie Angst haben, wie Rennpferde mit Scheuklappen werden: sie können nicht nach links oder rechts sehen, nur geradeaus. Und um das Gleichnis fortzuführen, geradeaus ist die Richtung, in die der Jockey sie treibt, den sie auf ihren Rücken gelassen haben.

Alles, was geschieht, wirkt sich auf alles andere aus, und wenn wir entscheiden, was auf irgendeinem Gebiet zu tun ist, müssen wir die Konsequenzen von allem berücksichtigen, was wir auf anderen Gebieten tun könnten (wir müssen die Scheuklappen abnehmen). Was wird es bedeuten, wenn das, was wir wegen COVID-19 tun, eine wirtschaftliche Rezession oder Depression mit Millionen Arbeitslosen zur Folge hat? Für die Lebensstandards, für das Selbstwertgefühl der Menschen, und für das Maß der Verzweiflung, Depression, Familienzerrüttung, Drogenmißbrauch und Selbstmordraten?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fragten die Kongreßführer Präsident Harry Truman, wie er gleich nach Kriegsende eine Erhöhung von Steuergeldern an das Militär fließen lassen würde, als alle annahmen, daß das Militär verkleinert werden würde und sollte. „Den Leuten eine Heidenangst einjagen“, antwortete er. Damit meinte er, daß die Massen, wenn sie Angst haben, widerspruchslos bei allem mitmachen werden, was die Regierung mit Unterstützung ihrer Verbündeten in den Medien sagt und tut (sich vom Jockey satteln und um die Rennbahn reiten lassen). Die Angst war der Kalte Krieg: Die Russkis kommen! Baut einen Bombenschutzraum, begebt euch in der Schule unter eure Tische, rückt eure Steuerdollars heraus und gebt uns die Macht zu tun, wonach immer uns ist, und ihr werdet in Sicherheit sein.

Korea wurde „Trumans Krieg“ genannt (tatsächlich wurde er als „Polizeiaktion“ bezeichnen, um zu vermeiden, daß er ihn am Kongreß vorbeibringen und eine Kriegserklärung bekommen mußte). Junge Amerikaner, die in der Sache keine Wahl hatten, mußten Nordkoreaner und Chinesen bis auf den Tod bekämpfen – 40.000 von ihnen liegen auf ewig in ihren Gräbern -, bei Wetter mit 25 Grad unter Null, 6000 Meilen von ihrem Zuhause entfernt.[3] Der Jockey reitet.

Ich habe vor Kurzem eine Biographie des WK-II-Generals Curtis LeMay gelesen.[4] LeMay war der Architekt des Brandbombenangriffs auf die Zivilbevölkerung Tokios im März 1945. Sechzehn Quadratmeilen eines der dichtestbevölkerten Gebiete der Welt wurden zu verdrehtem Metall und Schutt reduziert; kein Gebäude stand. Einhunderttausend Menschen – Männer, Frauen und Kinder – wurden verbrannt, gegrillt und erstickt. Eine Million wurde obdachlos. Die Medien feierten LeMays Aktion und den Mann selbst – Ehrungen in der New York Times, er war auf der Titelseite des Time-Magazins, Schulen wurden nach ihm benannt.

Warum die stehenden Ovationen für etwas, das mir Übelkeit bereitete und mich anwiderte, als ich in dem Buch darüber las? Weil der Angriff auf Tokio und die späteren Atombomben, die auf Zivilbevölkerungen in zwei japanischen Städten abgeworfen wurden, notwendig waren, um den Preis an Leben und Geld für eine Bodeninvasion Japans zu vermeiden. Wer entschied, daß wir in Japan einmarschieren mußten? Wo ist unsere Forderung nach bedingungsloser Kapitulation hergekommen? Wo waren der Dialog und die Debatte im Kongreß und in der Gesellschaft allgemein über ein Verhandlungsende des Krieges ohne Japans bedingungslose Kapitulation?

Was in Tokio, Hiroshima und Nagasaki geschah, war barbarisch, es war verrückt. Warum haben Menschen bei diesem Wahnsinn mitgemacht? Besonders wenn sie Angst haben (haben Rennpferde Angst?), können Menschen dazu getrieben werden, so schnell sie können in verrückte Richtungen zu rennen und daran zu glauben. Was nicht definitiv heißen soll, daß es das ist, was jetzt in der COVID-19-Krise vorgeht. Ich sage bloß, daß Massenhysterie möglich ist.

Daß ganz gewöhnliche Menschen ihre Hirne abschalten und ihre Macht aufgeben, hat es während meines ganzen Lebens gegeben. Die Kuba-Krise von 1962, die in einem nuklearen Holocaust hätte resultieren können, war allein Präsident Kennedys Angelegenheit. Wir haben unsere Freiheit nach 9/11 fügsam aufgegeben.

Ich bekomme bei dieser Reaktion auf COVID-19 ein Déjà-vu-Gefühl. Die Mainstream-Medien fachen die Flammen an; Präsident Trump kommandiert das Land herum, als sei es eine Episode von „The Apprentice“. Die Botschaft an uns alle, und das schließt unsere gewählten Vertreter ein: haltet das Maul und stellt die Experten nicht in Frage – wie General LeMay und wie Verteidigungsminister Robert McNamara bei Vietnam, und jetzt das CDC und den Sanitätsinspekteur der Vereinigten Staaten – und gebt uns euer Geld und tut, was euch gesagt wird, und ihr werdet in Sicherheit sein. Zwei Billionen Dollar bisher an Hilfsgeldern; es dauerte etwa zwei Tage, das in Kraft zu setzen. Wie ist das geschehen? Welche Rolle haben eure und meine Senatoren und Kongreßabgeordneten bei der Formulierung dieses Gesetzesentwurfs gehabt? Was haben sie dazu gesagt? Was habt ihr dazu gesagt? Weiß irgendjemand, was in dem Gesetz steht? Wißt ihr es? Habt ihr irgendeine Diskussion über die möglichen Folgen dieses Gesetzes gehört? Da ich von einem fixen Einkommen lebe, neige ich dazu, über Inflation nachzudenken, und ich sorge mich um die Staatsverschuldung. Truman hatte recht: jagt ihnen eine Heidenangst ein.

Krisen machen aus allen öffentlichen Amtsträgern Diktatoren. Das Schulwesen ist in diesem Land Sache des Volkes. Sie wählen einen Schulausschuß, und der Schulausschuß stellt Lehrer und Administratoren an und legt die Politik fest. Pädagogen arbeiten für die Gemeinde und für die Schüler und Eltern in einer Schule. Es sind unsere Schulen, unsere Kinder, nicht ihre. Bei dieser Gesundheitskrise hat es in der Schule meiner Tochter eine Reihe von Erlassen der Schuladministratoren gegeben; keine Erklärungen, keine Begründungen. Kein Unterricht mehr, zuerst bis 23. März, und dann bis 27. April und jetzt bis 19. Juni. Kein Unterricht des regulären Lehrplans bis 20. April, wonach er auf Telebasis unterrichtet werden wird. Warum? Geht euch nichts an. Kontaktiert uns nicht; wir melden uns bei Ihnen. Ich habe das Gefühl, daß die Schulleute einen Kick aus dieser COVID-19-Angst bekommen. Der Journalist H. L. Mencken sagte: „Der Drang, die Menschheit zu retten, ist fast immer eine Tarnung für den Wunsch, sie zu beherrschen.“

Ich bin ein Bürger, kein Untertan. Ich bin ein menschliches Wesen, kein Rennpferd. Ich bin in diesen Tagen schwach und stehe abseits, aber ich habe ein Recht, in diesem Land meine Meinung zu sagen. Und das ist es, was ich gerade getan habe, und jetzt höre ich auf und mache Frühstück und lese die Times. Ich bin die ganze Nacht auf gewesen.

Fußnoten:

[1] Bitte um Entschuldigung; ich kann die Online-Quelle für die Zahlen für Italien nicht auftreiben. Ich bin mir ihrer Richtigkeit jedoch sehr sicher.

[2] Der Wikipedia-Eintrag „2009 Flu Pandemic in the United States.“

[3] Ich empfehle sehr Hampton Sides‘ Buch über den Koreakrieg, On Desperate Ground: The Marines at The Reservoir, the Korean War’s Greatest Battle (Anchor, 2018).

[4] Warren Kozak, LeMay: The Life and Wars of General Curtis LeMay, Regnery, 2011.  Ich habe nach der Lektüre des Buches einen Artikel geschrieben: „On COVID-19 and Curtis LeMay.”

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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