Feuerfall (5): Nach Thumbnail Gulch

Ein Science-Fiction-Roman aus dem Galciv-Universum, von Deep Roots alias Lucifex. Dies ist Kapitel 5 von 17, und es gibt zur Begriffs- und Hintergrunderläuterung auch das Glossar zum „Galciv“-Kosmos.

Zuvor erschienen: (1) Reiter auf dem Sturm, (2) Babylon 6, (3) Puffy & Jack und (4) Nesträuber.

Kapitel 5:   N A C H   T H U M B N A I L   G U L C H

Aus dem Wurmlochportal auf dem innersten Mond Hoori kommend, passierten wir die Shomhainar-Orbitalstation über Ryūjin, dem dritten Planeten von 66 G. Centauri, und näherten uns dem tiefsten Punkt unseres Orbits, während vor uns der zweitinnerste Mond Otohime aufging. Unter uns zog eine Inselkette vorbei, die gerade von den Xhankh kolonisiert wurde. Die Namen für diese Wasserwelt und ihre Monde stammten jedoch von einer Population von Japanern, die von der Galciv ab den Sechzigern auf Inseln weiter nördlich in dem weltumspannenden Ozean angesiedelt worden waren. Diese Japanerkolonie war für die Shomhainar ebenso wie später auf Ryūjin gegründete Kolonien aus anderen nichtweißen Ethnien eine Rekrutierungsbasis für Erdagenten. Wahrscheinlich würden Menschen von Ryūjin auch wichtige Verbindungspositionen einnehmen, falls es zur Aufnahme der Erde in die Galciv kam, dachte ich, als ich die blaue Weite auf dem Konsolenbildschirm der Jeannie betrachtete.

In der vergangenen Woche hatten wir die nötigen Erledigungen auf der Erde durchgeführt und zwei kriminelle Kontakte der Kremsers getötet, während Talitha ihr Wiener Haus verkaufte. In dieser Zeit waren wir von einer Earthin-Gruppe, die alle engeren Geschäftspartner der Kremsers umfaßte – also genau dem Personenkreis, der uns Sorgen machte – zu einer Konferenz eingeladen worden, die auf Nayotakin im Yenkru-System stattfinden sollte. Es ging dabei um die Bildung einer Allianz mehrerer kleiner Akteure, um sich gegen größere Banden behaupten zu können. Uns war klar, daß das eine Kombination aus Rekrutierungsversuch und potentieller Falle war. Dennoch sahen wir keine bessere Möglichkeit, als im Sinne einer Flucht nach vorn teilzunehmen, um sie alle auf einen Schlag erledigen zu können. Nun waren wir vier mit Nouris und der Jeannie zu unserer gegenwärtigen Reise aufgebrochen, mit einem Zwischenaufenthalt auf Babylon 6, bei dem Frido bei Aizharo einen guten Preis für die Hellhawk aushandelte, während ich mit Sirunn redete. Nach ein paar Einkäufen hatten wir das Wurmloch nach Ryūjin passiert, und ich war bis dorthin mit Talitha in der Jeannie geflogen, um dem Schiff die Anweisungen für den autonomen Weiterflug zu unserem nächsten Ziel einzugeben, einer unbewohnten Welt, die um einen fünfzehn Lichtjahre entfernten roten Zwergstern kreist und nur per Warp erreichbar ist.

Auf diesem Planeten, dem Talithas Mann den Namen Daumennagel gegeben hatte, lag Thumbnail Gulch, die Geheimbasis der Kremsers. Nouris war beim Durchsieben der Daten aus der Computeranlage der Jeannie darauf aufmerksam geworden. Die Namensgebungen waren vom geheimen Schlupfwinkel des Schurken Hildemar Dasce in Jack Vances Roman Jäger im Weltall inspiriert. Dasce hatte auf seiner Privatwelt Gefangene festgehalten, und György Kremsers Absicht war es gewesen, sein Thumbnail Gulch als Sammel- und Trainingslager für Sklavinnen vor dem Weiterverkauf zu verwenden. Wir hatten vor, nachzusehen, ob sich dort wirklich keine befanden, wie Talitha angegeben hatte. Außerdem erwog ich, die Basis selbst in Besitz zu nehmen.

Inzwischen war das Schiff fertig instruiert, und wir hatten noch eine halbe Stunde Zeit, bis wir vor der Trennung zum Weiterflug zu Nouris umsteigen mußten. „Wie wär’s mit einem Astrocino?“ fragte ich Talitha, die immer noch ganz in Schwarz gekleidet war.

„Ja, gerne.“

Ich ging von der Computerkonsole zur Kücheninsel, wo eine der beiden Seontu-Maschinen stand, die ich auf Babylon 6 gekauft hatte. Talitha folgte mir, um mir zuzusehen, wie ich Kaffeepulver und Cascaramischung in die beiden separaten Aufbrüheinheiten gab und den Kochtank mit Wasser füllte. Seit dem Essen im Chakarionnis hatte ich dieses Getränk zu schätzen gelernt, für das irdische Kaffeekirschen sich nicht so gut eignen wie die chakarionnischen Sorten, die von irdischen Kaffeesträuchern abstammen, aber gezielt darauf hingezüchtet worden waren, daß die Bohnen und die Fruchthülle sich geschmacklich optimal ergänzten. Meine eigene Abwandlung ist „Astrocino“: Seontu mit Zimt, Milch, Milchschaum und Kakaopulver obendrauf, eine Kombination, die es in der Galciv noch nicht gab, weil die meisten Shomhumans keine Laktosetoleranz besitzen. Ich hatte vor, diese Neuerung auf Flügen mit zahlenden Passagieren anzubieten, die sie vielleicht auch anderswo bekanntmachen würden.

Als die beiden Tassen gefüllt und gesüßt waren, stellte Talitha sie auf ein Tablett, um sie zum Tisch der Sitzecke zu tragen. Dabei hatte ich das einzige Nichtschwarze an ihr vor Augen: die Perlenkette mit dem schwarz-goldenen TG-Medaillon, das am Ansatz ihres Busens ruhte. Als sie sich mit dem Tablett abwandte, fragte ich mich, wie sie es finden würde, wenn sie wüßte, daß diese Initialen auch für sie und mich paßten.

Wir setzten uns einander gegenüber an den Tisch, und Talitha nahm einen Schluck und sagte: „Eine Bitte hätte ich noch. Verrate niemandem etwas von Daumennagel und Thumbnail Gulch. Behalte die Basis für dich, wenn du willst, aber halte sie geheim. Das ist ein Ort, den György und ich für uns hatten, eine ganze Welt für uns allein, und ich möchte nicht, daß irgendwelche Fremden dort herumtrampeln.“

„Ich habe Aufnahmen von anderen gesehen, die dort nicht so glücklich waren wie ihr zwei.“

Sie schwieg und wich meinem Blick aus, indem sie von ihrem Astrocino trank. Dann sah sie mich wieder über ihre Tasse hinweg an.

„Möchtest du mir von eurer Beziehung erzählen?“ fragte ich.

„Wenn du es dir anhören willst?“ Sie stand auf und ging zur Computerkonsole, um deren Fernbedienung zu holen. Dann setzte sie sich wieder an den Tisch, zur Mitte der bogenförmigen Bank, um besser zum Bildschirm hinschauen zu können, der noch den Blick auf den Planeten zeigte. Ich rückte aus demselben Grund an Talitha heran, die ihre privaten Dateiordner durchsuchte und ein Bild auf den Schirm holte.

Sie sammelte ihre Gedanken und begann dann: „Das ist György, in einer Shomhainar-Stadt auf einer Welt der Sontharr. Ich lernte ihn vor drei Jahren kennen, auf einem Donauschiff, als ich in Österreich war, um mich von einer zerbrochenen Beziehung zu erholen. Mein Ex war schwierig und aggressiv und hatte mir ständig ein Unzulänglichkeitsgefühl vermittelt, sodaß ich unsicher war, ob die Probleme nicht auch an mir lagen. Deshalb habe ich ihm die ersten Male verziehen, wo er mich mit anderen Frauen betrog. Ich hatte zwar schon immer eine Schwäche für schlimme Jungs… aber schließlich wurde es mir zu viel.“ Sie nippte wieder aus ihrer Tasse.

„Und György war anders.“

„Ja. Charmant und witzig und kultiviert… er konnte zwar auch fordernd und schwierig sein und sich in zorniges Verhalten hineinsteigern, aber er war ein beherrschterer und liebevollerer Bad Boy. Ich empfand ihn als Erholung gegenüber meinem Ex. Im Jahr darauf heirateten wir, und ich übersiedelte zu ihm nach Österreich.“

„Und daß er nicht der Ärmsten einer war, hat wohl auch nicht geschadet“, sagte ich. „Wie bist du denn in sein spezielles Geschäft hineingeraten? War es nicht schwierig, damit klarzukommen?“

„Das war ein gradueller Prozeß. Weißt du, ich habe neulich über das nachgedacht, was du mir damals gesagt hast. Daß du deshalb darauf verzichtest, mich als Sklavin in Besitz zu nehmen, weil es ein Anfang gewesen wäre, der vielleicht auf einen Weg geführt hätte, den du nicht gehen wolltest. Mein Weg hat so ähnlich begonnen.“ Sie trank ihren Astrocino in einem langen Zug aus, setzte nachdenklich die Tasse ab und sah mich dann wieder an. „Als ich György kennenlernte, besaß er eine Pornoproduktionsfirma mit Studios in Ungarn und Amerika. Deren Besonderheit waren BDSM-Fotos und Videos mit einem speziellen Science-Fiction-Touch, in fantastischen und ungewöhnlich realistischen Umgebungen. Ich wußte zuerst nicht, daß das keine Special Effects waren, sondern reale außerirdische Welten.“ Sie ließ ein anderes Bild erscheinen, das Kremser in einer fremdartigen Stadt zeigte, begleitet von zwei Frauen in exotischer Aufmachung, von denen eine ebenso wie er selbst eine futuristische Waffe trug.

„György in einem dieser Filme“, erklärte sie. „Der wurde in Thansirr gedreht, einer Shomhuman-Stadt auf Chakarionn. Eingeweihte wissen das, aber das gewöhnliche Publikum nicht. Diese Chuzpe war typisch für György, und auch, daß er selbst darin mitspielte. Ich wußte damals auch nicht, daß die Frauen, die vom Studio verwendet wurden, keine bezahlten Models mit submissiven und masochistischen Neigungen waren, sondern versklavte Entführungsopfer. Die da in Grün hatte übrigens besonderes Schauspieltalent, und György hat sie später um einen hohen Preis verkauft.“

„Und wie ging es dann weiter?“

„György hatte mich eingeladen, bei den Dreharbeiten und Fotoshootings dabei zu sein. Es hatte mich erregt, ihm bei dominanten Handlungen mit diesen Mädchen zuzusehen. Ich hatte wieder einen Bad Boy, der diese Seite aber an anderen Frauen auslebte und mich nach seinen Anweisungen als Dominatrix mitmachen ließ. Und weil ich noch an die freiwillige Mitwirkung der Darstellerinnen glaubte, hatte ich keine Gewissensprobleme dabei, auch dann nicht, wenn es ihnen sichtlich mehr ausmachte, als zu erwarten gewesen wäre. So gewöhnte ich mich daran, allmählich bei immer härteren Sachen mitzumachen und die Frauen auch für private Spiele zu uns nach Hause mitzunehmen, angeblich gegen Extrabezahlung. Nach der Hochzeit hatte György mich in die Galciv-Sache eingeweiht, einschließlich der Möglichkeit der Bioregeneration. Ich war dreiunddreißig und hatte meinen ersten Altersschock erlebt, daher erschien mir das sehr reizvoll. Wir unternahmen dann eine erste Reise in die Galciv, noch ohne eigenes Raumschiff, die beeindruckte mich noch mehr. Als ich schließlich dahinterkam, wie es mit der Freiwilligkeit der Models aussah, und daß sie nach Gebrauch für das Studio verkauft wurden, kam ein Ausstieg für mich nicht mehr in Frage. Mit seinen Möglichkeiten, seinem Reichtum und seinem Charisma hatte György mich allmählich in den Rausch dieses Lebens hineingezogen, und ich hatte mich hineinziehen lassen, weil ich auf all das nicht mehr verzichten wollte. Auf die Bioregeneration, die Macht, den Kitzel, den Reichtum, die Reisen. Und seine erotische Magie, die aber auch darauf beruhte, daß er mir schon ab unserem ersten Mal Sex ohne mein Wissen die Lustdroge Siyor verabreicht hatte, was ich erst später herausfand. Du wirst es nicht verstehen können, aber es war so. Oder vielleicht hättest du es irgendwann verstanden, wenn du auch auf so einen Weg gekommen wärst.“

Ich war nicht sicher, was ich von diesen Erklärungen halten sollte. Es schien zwar plausibel, daß es so gelaufen war, und was ich von den Daten und Aufnahmen des Paares kannte, deutete auch darauf hin, aber ich war skeptisch bezüglich dessen, was sie dabei unausgesprochen angedeutet hatte, auch wenn ein Teil von mir es ihr glauben wollte.

„Das Studio war aber bei euren Vermögenswerten nicht dabei“, sagte ich.

„György hat es verkauft, um sich auf den Handel mit Drogen und Frauen zu konzentrieren. Von Letzteren lieferte er auch welche an Shomhumans. Das ist für die zwar illegal, aber die Schutzbehauptung für den Fall einer behördlichen Einmischung war, daß György sie ihnen nur als Prostituierte vermittelte. Andere verkaufte er an Earthins, die sie zum Teil bei sich zu Hause gefangen halten, aber häufiger nach Dhroxharkh bringen. Dort benutzen sie die Frauen in ihren Privathäusern, wenn sie sich auf dieser Welt aufhalten, und in der restlichen Zeit vermieten sie sie an Slavesharing-Unternehmen, die sie Sextouristen zur Verfügung stellen.“

Diese Etablissements waren mir bekannt. Ich hatte sie bei einem Ausflug von Bethyda hinunter auf die Oberfläche von Dhroxharkh gesehen, in einem der aus Lehmbauten bestehenden Wüstenstädtchen, die als Touristenattraktionen errichtet und bewußt ähnlich wie Mos Eisley in Star Wars gestaltet worden waren.

„Eines ist mir aber nicht klar“, sagte ich. „Wenn man sich ansieht, was gewisse Leute auf der Erde hinsichtlich Drogen- und Wirtschaftskriminalität und sexuellem Mißbrauch treiben, und wie sie damit meist durchkommen, dann fragt man sich, warum solche es nötig haben sollten, damit auf andere Welten auszuweichen.“

„Die Leute, um die es hier geht, sind keine solchen Top Dogs“, antwortete Talitha. „Siehst du, Shom-Earth muß bei der Einbeziehung von Erdlingen in das Infiltrationsprogramm berücksichtigen, daß die auch die bioregenerative Lebensverlängerung nutzen wollen. Und weil es auffällt, wenn jemand jahrzehntelang nicht altert oder plötzlich wieder jünger aussieht, müssen diese Leute irgendwann aus dem Umfeld verschwinden, wo man sie kennt. So wie die Unsterblichen in Highlander. Deshalb darf das niemand sein, der so bekannt ist, daß sein Verschwinden öffentliches Aufsehen erregen würde. Und diejenigen, die diese Bedingung erfüllen, sind nicht so mächtig, daß sie auf der Erde weitgehend immun gegen Strafverfolgung sind.“

„Wohin verschwinden die denn alle?“

„Manche verlegen ihren Wohnsitz nach Babylon 6 und agieren dann von dort aus. Andere übersiedeln in die kleinen Kolonien hier auf Ryūjin, wenn sie von einer passenden Ethnie sind. Wieder andere ziehen in eine der selbstregierten Menschenstädte mit Sonderstatus, die für diesen Zweck auf Welten wie Nayotakin oder Hektalassa erbaut werden.“

„Die sind mir ein Begriff.“

Sie ersetzte das Bild auf dem Schirm durch ein anderes, das einen schlanken, schwarzhaarigen Mann zeigte, neben dem sich eine halbnackte schwarzhaarige Schönheit räkelte.

„Das ist Merton Wiener in seinem Penthouse in Mist City. Diese Stadt wurde mit Genehmigung der Galciv von irdischen Bauunternehmern auf Hektalassa errichtet. Sie ist noch recht klein, aber sie wächst immer noch. Die Aufnahme stammt von unserem letzten Besuch, als wir vor zwei Jahren bei einer Geburtstagsparty für Mertons kleinen Bruder dort waren. Die Frau ist Arduinne, seine damalige französische Shiksa. Daß sie mir ein bißchen ähnelt, sagt dir vielleicht etwas.“

„Das tut es. Er ist also Jude, wie ich mir wegen des Namens schon gedacht hatte.“

„Ja. Sein Bruder Morris sieht jüdischer aus als er, und er hat auch krausere Haare.“

„Und György?“

„Er war ebenfalls Jude… und um deiner nächsten Frage zuvorzukommen: nein, ich bin keine Jüdin.“

Als ich sie schweigend und skeptisch ansah, fuhr sie fort: „Das kannst du genetisch testen lassen, wenn wir wieder auf der Erde sind. Mein Vater hat das für sich auch gemacht und war enttäuscht, weil er keine jüdischen Gene hatte. Er war sehr christlich-philosemitisch und hätte gern welche gehabt. Er hat sich auch von Hendricks in Marks umbenannt, um von Juden für einen Marx gehalten zu werden, der seinen Namen ein wenig getarnt hat. Meine Vornamen Talitha und Dominy verdanke ich auch seiner christlichen Einstellung.“ Sie zupfte wieder an ihren Haaren hinter dem rechten Ohr, etwas, das sie schon die ganze Zeit getan hatte, wie mir nun bewußt wurde.

„Und deine Mutter?“

„Die war agnostisch, mit einem leichten Hang zum Paganismus. Ich hatte übrigens auch keine besondere Beziehung zur judeo-christlichen Kultur… vielleicht war manches von dem, was ich später tat, eine Rebellion dagegen.“ Sie hielt inne und schaltete den Bildschirm wieder auf Außensicht. „Nachdem meine Mutter gestorben war, heiratete Dad eine Jüdin, von der er gern noch ein Kind gehabt hätte, das dann jüdisch gewesen wäre, weil dieser Status über die Mutter vererbt wird; aber sie konnte keines mehr bekommen. Mit ihr übersiedelten wir nach New York, wo es mir gar nicht gefiel. Ich hatte Heimweh nach den Bergen und der freien Natur von West Virginia, wo ich geboren wurde.“

„Country Roads, take me home…“

Sie lächelte wehmütig. „Das ist eines meiner Lieblingslieder, so wie auch Take me back to the sweet sunny South. György mochte diese Lieder nicht, überhaupt keine Country- und Folkmusik. Er spöttelte immer darüber, nannte sie hinterwäldlerisch und kitschig.“

„Die kenne ich auch, und ich mag diese Musikrichtung. Vermutlich war sie ihm zu goyish. Und wegen der Berge und der Natur gefällt es dir in Österreich, nehme ich an?“

„Ja. Durch die Kontakte meiner Stiefmutter, die Verwandte in Deutschland und Österreich hat, bin ich schon als Studentin nach Österreich gekommen und später noch mehrmals dorthin gereist. Die Stiefmutter hatte mich auch sonst in mancher Weise beeinflußt, aber nach Dads Tod habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen.“

Ich schaute auf den Bildschirm, wo Nouris zu sehen war, die sich zum Andocken näherte. „Es wird langsam Zeit, daß wir wieder hinübergehen. Wir müssen ja auch noch die Kaffeesachen wegräumen.“

„Du hast recht. Danke, daß du mir zugehört hast.“

„Gerne, Fleur. Dafür bekomme ich dann eine leichtere Todesart, wenn du mit Kaunda und Wiener fertig bist.“

Sie sagte nichts darauf, sondern trug das Tablett mit den Tassen zur Kücheninsel, um sie zu waschen und zu verstauen, während ich die Computerkonsole abschaltete. Dann wechselten wir zu Nouris hinüber, die ich anwies, die Trennung vorzunehmen. Talitha verabschiedete sich, um ihr Quartier aufzusuchen, und bis ich bei Frido in der Zentrale eintraf, war die Jeannie schon außer Sicht. Da sie auf keine Menschen an Bord Rücksicht nehmen mußte, konnte sie mit ihren vollen acht g beschleunigen, während wir uns mit den fünf g begnügten, die Nouris‘ interne Gravoanlage in allen Aufenthaltsräumen kompensieren konnte. Durch unsere etwas höhere Warpgeschwindigkeit würden wir aber dennoch ungefähr gleichzeitig beim Zielplaneten eintreffen.

Das Hinausfliegen von Ryūjin auf unserem neuen Kurs verlief ereignislos, und kurz vor dem Wechsel in den Überlichtwarp verließ ich die Zentrale, um im Salon etwas zu essen. Beim Eintreten war ich überrascht, Julani anzutreffen. Sie saß allein an einem Tisch, hatte eine Flasche von meinem Klevner vor sich stehen und ein Weinglas in der Hand. Die Wandbildschirme waren alle abgeschaltet, bis auf den Abschnitt in Julanis Blickrichtung, auf dem ein schwarzhaariger Mann und eine rothaarige Frau in einer Landschaft aus Bergen, Wald und Wasser zu sehen waren. Julani wollte schon nach ihrem Controller greifen, der vor ihr auf dem Tisch lag, ließ die Hand dann aber sinken. Ich holte mir ein Glas, setzte mich zu ihr an den Tisch und schenkte mir auch etwas von dem Weißwein ein.

„Das auf dem Bild bin ich“, sagte Julani, als ich keine Frage stellte, sondern sie nur ansah. „Es war nach meinem letzten Studienjahr, während einer Forschungsexkursion auf einer Welt im ehemaligen Lwaong-Imperium, ziemlich weit von hier, wo ebenfalls wilde Menschen leben. Der Turm im Hintergrund war unsere mobile Forschungsbasis. Dort begegnete ich Pyetar Foryash, einem der Shomhainar-Agenten, die auf uns Forscher aufpassen sollten. Wir fanden Gefallen aneinander und wurden ein Paar.“

Sie trank einen Schluck und fuhr fort: „Es war meine erste richtige Beziehung… eigentlich sollte ich sagen: meine bisher einzige richtige Beziehung. Pyetar stammt wie ich von Chakarionn, aus derselben Subkultur wie ich, und hat ähnliche Interessen. Nach meinem akademischen Abschluß begleitete ich ihn auf seinen Dienstreisen. Diese konnte ich teilweise für meine eigenen Anschauungsstudien nutzen, teils bildete ich mich mit mitgenommenem Material weiter. Es waren drei wunderbare Jahre… Chakarionn-Jahre.“

„Und warum habt ihr euch getrennt?“

Julani nahm ihren Controller, blendete ihr privates Dateiverzeichnis als Bildschirmausschnitt ein und suchte ein Bild heraus, das sie auf dem Schirm erscheinen ließ. „Ich fand das hier in seinen Dateien“, sagte sie, trank ihr Glas aus und füllte es nach.

Ich betrachtete die Szenerie auf einer weiten, ruhigen Wasserfläche zwischen exotischen Bauten, die mich an jene auf dem zweiten Bild erinnerten, das Talitha mir von György gezeigt hatte. Ich ahnte schon, was es mit der braunhäutigen Frau auf sich hatte, die im Vordergrund in einem offenen Amphibiengleiter saß. „Wo ist das“, fragte ich.

„Das ist der Große Kanal von Thansirr, der Hauptstadt einer Menschenkultur auf Chakarionn. Derselben, aus der Gahoriam stammt. Thansirr liegt am Äquator, und der Kanal verläuft vom Seehafen bis zum Westende der Stadt, wo die Gebäude niedriger sind, sodaß man dort in einem Teil des Jahres Tiharonn untergehen sehen kann. Das ist der Hauptstern in unserem System, um den unsere Sonne Ikaong kreist.“

„Und die Frau?“

„Das ist Pyetars Frau Hanais, die dort zu Hause ist. Ich erfuhr, daß er schon verheiratet war und Kinder hatte.“ Sie sah mich an und fuhr fort: „Ich will aber nicht, daß du etwas Falsches von Pyetar denkst. Du mußt wissen, daß Polygamie bei uns Shomhumans zwar nicht die Regel ist, aber gesellschaftlich akzeptiert wird. Es ist eine Genehmigung dafür notwendig, die vor allem verdienten Männern erteilt wird. Dadurch ist eine Regulierung gegeben, und es ist für Männer ein Leistungsansporn wie die Bioregeneration. Da zusätzliche Ehen nur unter der Bedingung genehmigt werden, daß der Mann mehr Töchter als Söhne zeugt, was mit unseren Möglichkeiten beeinflußbar ist, haben wir einen Frauenüberschuß, sodaß alle Männer mindestens eine Partnerin bekommen können. Verstärkt wird dieser Überschuß dadurch, daß immer wieder ausgewählte Erdenfrauen in die Shomhuman-Population aufgenommen werden. Pyetar wollte mich erst in einer Langzeitbeziehung näher kennenlernen, ehe er mir ein Heiratsangebot gemacht hätte.“ Sie schaltete das Bild wieder weg und wählte aus dem Bordprogramm eine Wechselfolge von Aufnahmen aus verschiedenen Galciv-Welten.

Mit meiner JNWO-geschärften Denkweise vermutete ich als zusätzliches Motiv der Galciv-Führung, daß sie nicht so viele Männer in ihrer Menschenpopulation will, weil Frauen in dieser Hochzivilisation die meisten Tätigkeiten genauso gut ausüben können und leichter beherrschbar sind. Das Wohlverhalten und die Loyalität der Männer, vor allem der fähigeren, erkauft man sich mit der Aussicht auf mehr als eine Ehefrau. Wie ich von Nouris wußte, hatten die Lwaong bei ihrem menschlichen Personal eine ähnliche Strategie angewandt. „Und du wolltest nicht Pyetars zweite Frau werden“, stellte ich fest.

„Nein. Er wollte mit mir zwar einen separaten Haushalt gründen, in unserer eigenen Heimatregion, um zusätzlich zu den Kindern mit Hanais auch welche von unserer… Rasse zu haben; weiße Kinder, wie du sagen würdest. Aber durch meine Befassung mit der irdischen westlichen Kultur hatte ich eine Anhänglichkeit an das monogame Lebensmodell entwickelt. Ich träumte von einer romantischen reinen Paarbeziehung. Auch wegen des negativen Beispiels des Familienlebens meiner Mutter.“

„Was war denn damit?“

„Sie hat wegen schlechter Erfahrungen in festen Beziehungen immer ein ungebundenes Leben geführt und nur unverbindliche amouröse Affären gepflegt. Deshalb hat sie meine Halbschwester und mich nicht auf herkömmliche Weise empfangen, sondern durch Verschmelzung ihrer eigenen Keimzellen mit Keimzellen zweier Erdenfrauen, deren Identitäten sie immer geheim gehalten hat. Dieses Biotech-Verfahren ist eine weitere Möglichkeit für die Galciv, frische Erdengene für ihre Shomhuman-Population zu bekommen und deren Frauenüberschuß zu fördern. In unserer Familie fehlte dadurch eine Vaterfigur, und Mutter war häufig durch ihre Liebeleien in Anspruch genommen. So ein reduziertes und unbeständiges Familienleben wollte ich auch nicht.“

„Ihr lebt da unter einem regulativen Regime, das nicht von euren eigenen Leuten bestimmt wird; nicht einmal von eurer eigenen Spezies. Wie ertragt ihr das?

Sie seufzte. „So wie du es erträgst, unter einem Regime zu leben, mit dem du nicht glücklich bist. Wir müssen es ertragen. Außerdem kennen wir es seit sechstausend eurer Jahre nicht anders, und während dieser Zeit hatten wir dafür ein viel besseres Leben als die Menschen auf der Erde. Wir waren nicht wirklich frei und dienten fremden Spezies, aber wir hatten einige Exekutivmacht in der Galciv und waren gegenüber den primitiven, kurzlebigen Erdlingen privilegiert.“

„Domestiziert, könnte man auch sagen. Das hat Parallelen zu den Janitscharen im osmanischen Reich. Oder zu den Mameluken im arabischen Raum.“

„Die hat es wirklich, obwohl wir keine Sklaven sind, sondern persönlich frei, und nur keine ethnische Selbstbestimmung haben. Aus ähnlichen Gründen haben auch die Lwaong damals die Erde nicht zu einer hochzivilisierten Welt entwickelt und in ihr Imperium eingegliedert. Einerseits wollten sie die Natur der Erde und ihre verschiedenen Soziotope weitgehend im ursprünglichen Zustand belassen. Aber es sollte auch die Teilhabe an der Lwaong-Zivilisation für die Menschen, die ihnen dienten, etwas Besonderes sein, das sie den Lwaong verdankten. Und sie sollten auf die Menschen herabschauen, die in den primitiven Gesellschaften der Erde verblieben.“

„Wie wirksam ist das denn heute noch? So viel schlechter als ihr leben wir ja nicht mehr. Wir haben zwar keine Sternenschiffe und keine Bioregeneration, aber soviel ich bisher mitbekommen habe, ist unser sonstiger materieller Lebensstandard nicht viel schlechter als eurer. Und trotz der Jew World Order sind wir immer noch freier als ihr.“

Julani nickte nachdenklich. „Ja, die Kluft wird kleiner, und das wirkt sich auf mehreren Ebenen aus. Viele von uns spüren mehr oder weniger, wie gezähmt wir eigentlich sind. Bevor das Kunstwort Shomhumans für den Umgang mit Erdlingen eingeführt wurde, hatten wir nicht einmal eine eigene Bezeichnung für uns als Menschen innerhalb der Shomhainar. Auch das wird uns erst dadurch bewußt. Ein Faktor bei unserer Zahmheit ist auch die… Verfeigung, könnte man das nennen – durch unsere potentiell lange Lebenserwartung. Wegen all dem sind wir auch so von euch Erdenmenschen fasziniert, von eurer Literatur, euren Filmen, und deshalb sind Aufnahmen von eurem Wildwestverhalten bei uns so populär. Wir identifizieren uns auf einer gewissen Ebene gern mit dem Erbe, das ihr verkörpert.“

„Wie der Bezug heutiger gezähmter Skandinavier zu den Wikingern. Und so wie denen nach und nach die Runen als angeblich rassistische Symbole verboten werden, könnte ich mir vorstellen, daß auch die Verantwortlichen in der Galciv Sorge haben, daß ihre menschlichen Shomhainar unruhig werden.“

„So ist es. Das ist ein Teil der widerstreitenden Gemengelage von Interessen um die Politik gegenüber der Erde. Manche wollen deshalb die Kontakte zur Erde einschränken. Andere sind für eine rasche Aufnahme der Erde, um die Menschen ganz aus den Shomhainar ausgliedern zu können. Eine andere Fraktion will mehr Erdenmenschen für Aufgaben rekrutieren, für die wir gebürtigen Shomhumans schon zu zahm sind. Wieder andere sind dafür, daß die Shomhumans durch dienstliche Versetzungen tiefer in die Galciv hinein verlegt und stärker verteilt werden. Pyetar ist da selbst innerlich zerrissen: einerseits spürt er auch die Faszination des wilden, freieren Erdlings-Erbes, andererseits hängt er an unserem Exekutivstatus als Shomhainar und will nicht, daß wir ihn verlieren.“

Bei diesen Worten fragte ich mich, was wohl Nouris, die uns bestimmt zuhörte, aus ihren Kanälen über dieses Gezerre wußte. „Jetzt sind wir ganz von deiner Beziehung zu Pyetar abgekommen“, sagte ich. „Ich vermute, dein Kummer wegen der Trennung war der Grund dafür, daß du diesen Job als Shom-Earth-Agentin angenommen hast?“

„Ja. Ich wollte weg, wollte Abstand zu diesem Schmerz. Deshalb habe ich auch so reagiert, als du mich im Chakarionnis danach gefragt hast.“

Ich begann zu verstehen. „Und dein Bekannter von früher, den du zu Hause wegen der Erd-Khenalai kontaktiert hast, war…?“

„Pyetar. Ja. Ich habe ihn wiedergesehen, und das hat alles wieder aufgewühlt. Ich bin noch nicht über ihn hinweg. Kein bißchen.“

Da hast du’s, dachte ich bei mir. Würde sie mir das sagen, wenn ihr Verhalten vor ihrer Abreise wirklich von Gefühlen mir gegenüber motiviert gewesen wäre? Oder hatte sie solche Gefühle gehabt und nur nicht erkannt, daß ich sie erwiderte, und nun, wo ihr altes Verlangen nach Pyetar wiedererweckt war, wollte sie nichts mehr davon wissen? So oder so war mir klar, daß es das Verkehrteste gewesen wäre, mich ihr in dieser Situation schon als Alternative zu präsentieren. Pulver trocken halten und abwarten. Die Ironie dabei war, daß mein Interesse am Erdkhenalai-Mysterium der Grund für Julanis Treffen mit Pyetar gewesen war. Ich beschloß, das Thema zu wechseln, ehe ich in Versuchung kam, einen Fehler zu machen. „Welche Pläne hast du für die Zeit nach der Beratungstätigkeit für mich?“ fragte ich. „Wirst du wieder so einen Auftrag annehmen?“

„Auf keinen Fall“, antwortete sie entschieden. „Ich will wieder als Historikerin arbeiten und dabei die Erfahrungen nutzen, die ich bisher gesammelt habe. Aber ich kann einfach nicht länger Shom-Earth-Agentin sein. Ich würde mich noch mehr an den Verbrechen mitschuldig machen, als ich es bisher schon getan habe. Wenigstens konnte ich meine Schuld dir gegenüber ausgleichen, indem ich dir auf Babylon 6 geholfen habe – oder?“

„Klar, trinken wir darauf“, sagte ich, und wir stießen mit unseren Gläsern an. „Und deine Unterstützung für mich ermöglicht es mir, etwas gegen diese Verbrechen zu unternehmen. György Kremser und zwei seiner Partner werden keine mehr begehen. Und wahrscheinlich werden wir noch weitere ausschalten. Vielleicht hilft dir das.“

„Ja, hoffentlich kann ich dadurch leichter mit meinen Schuldgefühlen fertig werden. Ich frage mich, wie Talitha mit ihrer Verwicklung in Kremsers Verbrechen klarkommt. Anscheinend macht ihr das nichts aus.“

„Da bin ich mir nicht so sicher“, erwiderte ich. „Vielleicht fällt es ihr nur schwerer, ihre Schuld an sich heranzulassen, weil sie schwerer wiegt… Bist du ihr gegenüber deshalb so abweisend, weil du den Eindruck hast, daß ihre größere Schuld ihr nichts ausmacht, während du an deiner kleinen schwer trägst?“

Sie schwieg zunächst und sagte dann, ohne auf meine Frage einzugehen: „Ich würde gern an eurer Aktion auf Nayotakin teilnehmen, um noch mehr von meiner Schuld abzutragen. Ich könnte die Jeannie fliegen und mich in der Nähe bereithalten, um notfalls einzugreifen, bevor Nouris das kann; um euch auszufliegen, falls ihr schnell verschwinden müßt und das Beiboot zerstört wird. Wäre das möglich?“

„Das wäre uns eine große Hilfe“, räumte ich ein, „aber es wird gefährlich sein, und für dich wäre es illegal, auch weil es die Neutralität der Shomhainar kompromittieren würde, wenn es herauskäme.“

„Das bin ich zu riskieren bereit. Bitte laß mich mitmachen.“

„Einverstanden“, sagte ich. „Morgen besprechen wir das mit Frido. Ich hol‘ mir jetzt etwas zu essen. Magst du noch einen Klevner, oder ißt du mit?“

„Nein danke zu beidem. Ich habe schon gegessen, und ich glaube, ich habe schon einen leichten – wie sagt man? – Schwips.“ Sie stand auf und tat ihr Glas in den Spüler. „Ich gehe runter. Gute Nacht.“

„Dir auch.“ Ich holte Brot, Butter und Käse und begann eine Brotscheibe zu bestreichen. Als ich gerade einen Happen abgebissen hatte, kam Nouris‘ Stimme aus den Lautsprechern.

„Es gibt noch eine Option bezüglich der drohenden Loyalitätskrise der Shomhumans, die sie nicht erwähnt hat, weil sie davon nichts wissen kann.“

„Hab‘ ich’s mir doch gedacht, daß du mithörst“, sagte ich, nachdem ich mit dem Bissen fertig war. „Was ist das für eine Option?“

„Die Krisenoption. Die Erde in große Krisen zu stürzen, die den Abstand zwischen den Lebensbedingungen von Erdlingen und Shomhumans wieder vergrößern. Das können inszenierte politische Unruhen, Kriege oder Wirtschaftskrisen sein, oder Pandemien, oder Einschläge von kleinen Asteroiden oder Kometenbrocken, oder Kombinationen daraus. Natürlich werden solche Überlegungen ausschließlich unter Galciv-Spezies und nichtmenschlichen Shomhainar ausgetauscht. Und auch hier gibt es Interessenkonflikte mit denen, die die Erde bald aufnehmen wollen.“

„Na du hast eine Art, einem den Abend zu verderben. Weißt du noch, was ich dir über meine Gedanken am Tag unserer Begegnung erzählt habe? Wegen Riders on the storm?“

„Na du hast eine Art, sowas eine KI zu fragen. Klar weiß ich das noch.“

„Allmählich komme ich mir nicht mehr vor wie ein Reiter auf einem Sturm von Ereignissen, sondern eher wie die Kappe des Reiters, die vom Sturm davongeweht wird.“

*     *     *

Am nächsten Tag ging ich nach dem Frühstück mit Frido in den Flugsimulator für die Beiboote hinunter, um Luftkampfmanöver zu üben. Die Bordgehirne der Boote sind zwar zur autonomen Kampfführung in der Lage, und sie sind reaktionsschneller als ein Mensch und können genauere Flugbahn- und Ballistikberechnungen durchführen. Dennoch wollten wir für den Fall, daß der hinter der Kabine eingebaute KI-Computer durch Treffer ausfiel, nicht ganz aufgeschmissen sein und den Kampf oder die Flucht mit Unterstützung der Hilfscomputer für Flugsteuerung und Ballistik fortsetzen können.

Der Flugsimulator befindet sich unten im Heck, wo die Manipulationen der örtlichen Schwerkraft keine spürbaren Störwirkungen auf den Wohnbereich des Schiffes haben können. Er besteht aus einer Nachbildung des Kabinenvorderteils der Boote, die in einen kugelförmigen Hohlraum eingebaut und in alle Richtungen beweglich ist. So können die Drehbewegungen realistisch nachgestellt werden, und die Beschleunigungskräfte werden durch wechselnde Schwerkraftfelder simuliert. Auf den Sichtschirmen kann jede Außensicht gezeigt werden, für die Bildinformationen vorhanden sind.

Wir hatten schon früher Luftkampfsimulationen gegen irdische Jagdflugzeuge durchgeführt, bei denen die Herausforderung darin bestand, daß unsere Beiboote sich mangels Tragflächen nicht für die klassischen Luftkampfmanöver eignen. Stattdessen mußten wir die Stärken der Beiboote nutzen – ihre Beschleunigung und Steigleistung, ihr Dreh- und Bremsvermögen und ihre Fähigkeit zu abrupten Änderungen des Schubvektors in alle Richtungen -, um die Manöver herkömmlicher Kampfflugzeuge zu kontern und selbst in Schußposition zu kommen.

Diesmal wollten wir jedoch den Luftkampf gegen vergleichbare Maschinen aus Galciv- und Lwaong-Produktion üben, von Bodennähe bis an den Rand der Atmosphäre. Wir setzten uns in die Übungskabine, schlossen die Tür und aktivierten das ausgewählte Simulationsprogramm. Unser Boot schien auf einer Waldlichtung zu stehen, über der tiefhängende Regenwolken unter einem grauen Himmel dahintrieben. Von oben war das leise Prasseln fallender Tropfen zu hören. Alle Systeme zeigten Bereitschaft an.

„Wer steuert als erster?“ fragte Frido. Das war keine triviale Frage, denn für das Wohlbefinden des Copiloten, zu dessen Aufgaben die Rundumbeobachtung und die Bekämpfung von Verfolgern im Rückwärtsfeuermodus der Gauß-Kanone gehörten, war das passive Herumgeschleudertwerden bei den heftigen Schubwechseln und Drehungen noch abträglicher als für den Piloten, der sich vorab darauf einstellen und sich am Steuerhorn festhalten konnte.

„Besser du“, sagte ich. „Dadurch fliege ich die letzte Mission, und meine Magennerven haben bis zum Mittagessen länger Zeit, um sich zu beruhigen.“ Ich bin da empfindlicher als er, wie auch beim Autofahren.

„Okay.“ Er schaltete die Steuerung auf seine Seite und sagte dann: „Noch was, bevor wir anfangen: Ist dir in letzter Zeit etwas aufgefallen? Talitha steht auf dich!“

„Meinst du? Vielleicht tut sie nur so, um mich einzuwickeln, wegen ihrer Rache. Oder vielleicht ist es der Siyor-Entzug. Und so bald nach dem Tod ihres Mannes…“

„Nein, wirklich! Glaub‘ mir, ich kenn‘ das. Ich hab‘ sie beobachtet, wenn du nicht hingeschaut hast. Erst heute wieder beim Frühstück. Du hast wirklich ein Talent dafür, sowas nicht zu bemerken. Wie damals bei der Gabi vom Andy. Oder bei der Tochter von Monika… wie hieß sie noch?“

„Sara. Wenigstens bei Karina habe ich es gemerkt. Da war es auch schwer zu übersehen, so wie sie mich von der Seite angeschaut hat, wenn sie dachte, ich sehe es nicht.“ Listen to the rhythm of the falling rain, telling me just what a fool I’ve been

„Und wie tust du wegen Talitha weiter? Sie gefällt dir doch auch.“

„Ja, attraktiv finde ich sie schon. Aber eigentlich sollte ich auf eine Gelegenheit zum Anbandeln mit Julani lauern, wenn sie ihre jetzige Phase überwunden hat; das hätte mehr Zukunft… Was sagt man dazu: ich stehe auf eine Verbrecherin, die ich umbringen würde, wenn eines der Opfer von ihr und ihrem Mann eine Frau wäre, an der mir etwas liegt.“

„Na wenn schon; fahren kannst du sie ja trotzdem. Und Fuchspassen wegen Julani kannst du parallel dazu immer noch.“

Das war Frido, der Pragmatiker in Frauenangelegenheiten, wie ich ihn seit vielen Jahren kannte. „Mal sehen“, sagte ich. „Aber jetzt starten wir besser, bevor Nouris das simulierte Regenwasser ausgeht.“

„Hast recht. Achtung, es geht los.“ Und damit ließ er das Boot schräg nach vorn wegschießen, knapp über die Bäume hinweg und auf einen Regenschleier zu, der vor uns die Sicht versperrte.

*     *     *

Nach sechs Übungsflügen, bei denen wir uns in den Rollen abgewechselt hatten und viermal abgeschossen worden waren, erholte ich mich in der zweiten Hälfte des Vormittags bei der Besprechung mit Frido und Julani, nach der sie mir mehr über die Shomhumans, ihre Kulturen und ihr Verhältnis zu den anderen, nichtmenschlichen Shomhainar erzählte. Dabei streifte sie ihre persönliche Lebensgeschichte nur manchmal, und ich verschwieg, was ich am Vorabend von Nouris gehört hatte.

Eine knappe Stunde vor dem Mittagessen erschien Talitha in der Galley, um sich von mir gemeinsam mit Julani die Zubereitung von Kaiserschmarrn zeigen zu lassen. Sie hatte zwar zu Hause öfters gekocht, aber noch keinen Schmarrn zubereitet, da ihr Mann das Gericht wegen Laktoseintoleranz nicht mochte. Julani hatte noch gar keine Küchenerfahrung. Während wir darauf warteten, daß der Schmarrn gar wurde, fiel mir eine gewisse wortkarge Spannung zwischen den beiden Frauen auf, die bis zum Ende der anschließenden Mahlzeit mit Frido fortdauerte.

Den Nachmittag verbrachte ich im Salon mit Talitha, die mir anhand der Computerdateien ihres Mannes und aus ihrem persönlichen Wissen Unterricht über das Milieu der kriminellen Earthins und ihrer Partner in der Galciv gab und auch von Györgys Unternehmungen mit ihr bei den Eingeborenen von Delpavo, Kyerak, Hektalassa und Nayotakin erzählte. Dabei fiel mir auf, daß Talitha, die ein schwarzes Schlauchkleid trug, erstmals ihre Perlenkette mit dem TG-Medaillon nicht angelegt hatte. Das Abendessen nahmen wir vor der Zeit ein, zu der Julani mit Frido heraufkommen wollte, um sich wieder Kochunterricht geben zu lassen. Danach gingen wir nach unten und verabschiedeten uns für den Rest des Abends.

Der nächste Tag verlief ähnlich, nur daß Talitha diesmal nach dem Abendessen zu mir sagte: „Wie wäre es, wenn wir das Informationsgespräch in deinem Quartier fortsetzen? Auf die Dateien hast du dort doch auch Zugriff.“

„Und wie lange möchtest du das Gespräch fortsetzen?“

„Bis wir zu müde sind. Bis es Zeit ist, zu Bett zu gehen.“

Das war wieder eine ihrer doppeldeutigen Aussagen, zu denen sie eine Neigung hatte, wie mir schon aufgefallen war. „Okay“, sagte ich, „komm‘ rein.“ Wir waren gerade am Austritt der Wendeltreppe zu meinem Wohndeck angekommen.

„Ich geh‘ nur schnell runter, putze meine Zähne und hole ein paar Sachen…“

„Gut, mach‘ das. Nouris wird dir meine Tür öffnen, sobald du davor stehst.“

Während sie weg war, putzte ich mir selber die Zähne und räumte das Quartier etwas auf. Als Talitha kam und ihre Henkeltasche auf den Tisch der Sitzecke stellte, um ein Etui mit Datenträgern herauszukramen, kippte die Tasche um und fiel zu Boden. Ein dunkelblauer Satinpyjama schaute heraus.

„Jetzt weiß ich, wo du gemeint hast, daß das Zubettgehen stattfinden wird“, sagte ich, als sie die Sachen mit einem verlegenen Lächeln aufhob.

„Ich habe mir gedacht, ich fange schon einmal mit dem Anfüttern für später an, für meine Rache. Darf ich? Oder hast du Angst vor Virginia Marks?“

Das war eine Anspielung darauf, daß ich sie wegen ihrer Heimat manchmal Virginia nannte. Ihre wirklichen Motive waren mir immer noch unklar, aber ich konnte ihr Spiel genauso gut genießen, solange ich gewisse Vorsichtsmaßnahmen traf. Ich beschloß, das Spieltempo zu erhöhen.

„Keineswegs, Fleur“, sagte ich. „Und nachdem ich mich jetzt sowieso nicht mehr auf deine Ausführungen konzentrieren könnte, schlage ich vor, daß wir gleich zu diesem Teil des Abendprogramms übergehen.“

Sie lächelte. „Du gehst es ja ganz schön an. In like Flint, wie man abgewandelt nach der Phrase In like Flynn sagen könnte. Kennst du die?“

„Ja. Aber worauf warten wir noch? Wer zuerst in der Dusche ist, darf sich die Stellung fürs erste Mal aussuchen.“

Beim nun folgenden raschen Ausziehen war Talitha durch ihre Kleidung im Nachteil, und ich war schon fertig, als sie sich nach dem Abstreifen ihrer Strümpfe aufrichtete und ihren Büstenhalter öffnete. Das anschließende gemeinsame Duschen war nicht nur wegen des Wassers belebend, und nach dem gegenseitigen Abtrocknen eilten wir zum Bett. Sie lag schon drin und räkelte sich in Rückenlage, als mir etwas einfiel.

„Eine etwas unromantische Zwischenfrage: wie sieht’s eigentlich mit der Empfängnisverhütung aus? Außer Acht lassen darf man das bei deinem Alter noch nicht.“

Ihre Miene schien sich etwas einzutrüben. „Ich trage ein Spezialpessar aus Galciv-Produktion“, sagte sie. „Das habe ich mir einsetzen lassen, weil György keine Kinder wollte. Dabei hätte ich…“

„Psch… nicht jetzt; darüber reden wir später“, sagte ich, während ich mich neben sie legte, eine Hand nach ihrem Bauch ausstreckte und sie zu streicheln begann. „Denk‘ jetzt nur an das Jetzt. Oder denk‘ eine Weile gar nicht.“

Sie lächelte wieder. „Du hast recht. Aber wenn du mir später wieder zuhören willst… listen to the story, told by Flora, of things she never knew.“

„Gerne, Flora Virginia. Hexy. Dominy. Nouris, einen Sternenhimmel, bitte.“

„Kommt sofort.“ Das Kabinengewölbe wurde dunkel und zeigte einen Sternenhimmel, wie man ihn in westlichen Ländern nicht mehr kennt. Einen mit vielen hellen Sternen vor einem wirklich schwarzen Himmel, über den sich deutlich sichtbar die Milchstraße wölbte. Am noch schwach abendhellen Horizont zeichneten sich schwarze Waldhügel ab, die genauso gut in Österreich liegen konnten wie in West Virginia.

„Was wünschst du dir als erste Stellung?“ fragte Talitha.

„Die klassische Missionarsstellung.“

„Die Siegerpose, wie es dir zukommt. Weißt du übrigens, was Dominy bedeutet? Dem Herrn gehörend. Damit ist im christlichen Sinn natürlich Gott gemeint, aber im Bett mit dir gebe ich ihm eine andere Bedeutung.“ Sie spreizte die Beine und hob die Hände über den Kopfpolster. „Ich bin bereit.“

*     *     *

Es wurde eine unvergeßliche Nacht, und das konnte man auch von den folgenden zwei Nächten sagen. Und von den Morgenstunden, in denen es uns schwerfiel, aufzustehen und uns zum Frühstück zu unseren Schiffsgefährten zu gesellen. Talitha schlief an meiner Seite, und ich wußte, daß ich unbesorgt sein konnte, weil Nouris sie auch im Dunkeln mit ihren Infrarotaugen beobachtete und mich wecken würde, ehe sie etwas anstellen konnte. Ich versank mit ihr in einem Liebesrausch, dem ich nicht widerstehen konnte, zumal ich auch bei Julani keine Anzeichen einer Rückkehr aus ihrer Zurückgezogenheit wahrnahm. An irgendwelche nüchternen Aktivitäten war kaum mehr zu denken. Wir verbrachten den Großteil der Tageszeit im Bett oder im kleinen Whirlpool neben dem Fitnessraum. Wir liebten uns, lagen nebeneinander, redeten und hörten Musik. Mit Frido und Julani trafen wir uns fast nur noch zu den Mahlzeiten.

In dieser Zeit gestand Talitha mir auch, daß sie vor unserem ersten intimen Abend tatsächlich auch von der abklingenden zweiten Phase ihres Siyor-Entzugs getrieben gewesen war. Sie hatte die Einnahme der Lustdroge seit dem Beginn ihrer letzten Reise mit György verweigert, und das erste Mal Sex danach war für sie enttäuschend gewesen. Darauf war die Anfangsphase des Entzugs gefolgt, die typischerweise von einem Abfall der Libido gekennzeichnet ist. Die Reise war von Streit geprägt gewesen, bis die zweite Entzugsphase eingesetzt hatte, in der das sexuelle Verlangen als Gegenreaktion wieder stark ansteigt. Nach der Rückkehr zum Falkenhorst hatte Talitha eingewilligt, für eine Runde Versöhnungssex wieder Siyor zu nehmen, war daran aber durch den Angriff der Ruiz-Bande gehindert worden, und danach war sie von der Droge abgeschnitten gewesen.

So verging die Zeit des Fluges im Warp, der uns vom Universum abschnitt und uns den Luxus ermöglichte, uns so treiben zu lassen. Nach dem Mittagessen des fünften Reisetages gingen wir auf Sublicht, um wieder aus unserer Raumblase hinaussehen und unsere Position bestimmen zu können. Voraus glühte das rötlichweiße Scheibchen von Innes‘ Stern alias Gliese 422, der Sonne von Daumennagel. Links von diesem Zwergstern der Klasse M3,5 war die Sichel des Großplaneten Gliese 422 b auf seinem Orbit am Innenrand der habitablen Zone zu sehen; unser eigentliches, nur venusgroßes Reiseziel verriet sich nur im Infraroten, da es noch weit entfernt war und wir uns ihm von der Nachtseite näherten. Ein kurzer Überlichtsprint brachte uns so nahe heran, wie die Warpblase in der örtlichen schwerkraftbedingten Raumkrümmung bei Überlicht noch stabil sein konnte, dann drosselten wir auf Unterlicht und flogen mit abnehmender Warpfahrt auf den Planeten zu und bremsten gleichzeitig unser Normalraumtempo ab.

Während dieser Annäherung erstrahlte hinter uns die Hitzesignatur der Jeannie, die gerade aus dem Warp aufgetaucht war und nun auch bremste. Die Schiffe tauschten ihre Flugdaten aus, und da ihre Geschwindigkeiten erst angeglichen sein würden, nachdem wir Daumennagel erreicht hatten, entschied ich, daß das Andocken über dessen Nachtseite stattfinden sollte. Danach würden wir noch einen halben Umlauf machen, ehe wir bei Thumbnail Gulch am östlichen Dämmerungsstreifen landeten. Weil der Landeplatz bei der Basis noch nicht fertig war und die Strände in ihrer Nähe ein Schiff wie Nouris nicht tragen würden, wollten wir mit der Jeannie dort hinfliegen. Nouris würde währenddessen autonom in einem uralten Vulkankrater jenseits einer schmalen Bucht aufsetzen und sich dort für alle Fälle bereit halten, den Himmel über uns mit ihren Waffen zu verteidigen.

Inzwischen war Daumennagel im Telebild schon als düsterblauer, wolkengesprenkelter Globus zu sehen. Diese Welt, die mit einer Periode von neununddreißig Tagen sehr langsam rotiert und deren tiefer Ozean, in dem es außer vielen Vulkaninseln kaum Land gibt, viel Wärme zwischen den Hemisphären transportiert, weist andere Wettermuster auf als Planeten wie die Erde. Das Packeis um die vergletscherten Inseln in der Mitte der Nachtseite ist aus dem Weltraum unsichtbar, außer für Infrarotkameras, wenn es nicht gerade vom vorbeiziehenden vereisten äußeren Nachbarplaneten erhellt wird. Daumennagel hat keinen Mond, und die bolometrische Sonneneinstrahlung ist nur gut halb so stark wie auf der Erde. Der Infrarotanteil ist jedoch höher, sodaß die Beleuchtung im sichtbaren Licht noch schwächer ist und unter jener des Mars liegt.

Während ich diese trübe Welt betrachtete, legte Talitha ihre Hand auf meinen Rücken und sagte: „Wir haben bis zur Landung noch genug Zeit, um… uns noch einmal zurückzuziehen. Willst du?“

„Du Unersättliche. Ja, ich will.“

Wir verließen die Zentrale, wo Frido und Julani weiter den Anflug beobachteten. „Gebt sofort Bescheid, wenn sich irgendwas Ungewöhnliches tut“, sagte ich, und beide bestätigten, ehe sich die Tür schloß. Draußen hängte Talitha sich bei mir ein und sagte: „Jetzt wäre ich da drin gern Mäuschen. Ich wüßte gern, was sie über uns reden.“

„Wird schon nichts Schlimmes sein. Nehmen wir den Lift.“

Es wurde ein sehr intensives, leidenschaftliches Beisammensein. Ich wunderte mich, warum sie so war, nahm es aber mit Genuß hin. Als wir uns erschöpft hatten, lagen wir nackt nebeneinander auf dem Bett, Talitha zu meiner Rechten, den Kopf auf meine Brust gelegt. Wir spürten eine leichte Drehung des Schiffes, dann einen sanften, kaum wahrnehmbaren Stoß. Kurz darauf meldete sich Nouris:

„Wollte euch zwei Turteltäubchen nur wissen lassen, daß das Andocken gerade erfolgt ist. Bin schon wieder weg.“

„Das bist du doch nie. Aber danke für die Info.“

Talitha rührte sich leicht neben mir, streichelte mit ihrer Rechten meinen Bauch und summte eine Melodie, die ich als den Skye Boat Song erkannte. Sie begann zu singen:

„Though the waves leap, soft shall ye sleep,
Ocean’s a royal bed.
Rocked in the deep, Flora will keep
Watch by your weary head.“

Dann küßte sie mich auf die Brust und fragte: „Wie lange haben wir noch Zeit, Schatz?“ Ich wandte mich nach links, um meine Uhr von der Ablage zu nehmen, und ehe ich noch die Zeit bis zur Abkoppelung ausrechnen konnte, hieb sie mir mit einem rechten Haken in die Magengrube und sprang vom Bett auf. „Bitte vergib mir“, stieß sie hervor, dann schnappte sie sich meinen Hauptcontroller für Nouris vom Tisch des Computerterminals und rannte – nackt wie sie war – zur Tür hinaus. Ich rappelte mich auf und eilte ihr nach, und als ich am Terminal vorbeikam, fiel mir mein Blaster auf, den ich dort in seinem Holster zusammen mit dem Controller abgelegt hatte, um ihn für die Landung umzuschnallen. Sie hatte ihn liegengelassen… Zwar war nur ein entladenes Magazin angesteckt, das ich erst nachher durch ein volles hatte ersetzen wollen – eine meiner Vorsichtsmaßnahmen -, aber das hatte sie nicht wissen können. Sie hatte die Waffe nicht genommen.

Draußen wurde ich allmählich schneller, so wie ich mich von dem Schlag erholte, der wegen der suboptimalen Richtung nur beschränkte Wirkung gehabt hatte. Ins Gemächt wäre er schlimmer gewesen… „Nouris, wo ist sie hin?“ rief ich.

„Sie läuft die Treppe hinunter und wird gleich zwei Decks tiefer sein. Wahrscheinlich will sie zur Jeannie. Sie hat mir übrigens befohlen, dich nicht rauszulassen, aber ein Controller ist kein allmächtiger Zauberstab. Ich habe einen gewissen Ermessensspielraum – gegenüber Menschen.“

„Interessant zu wissen. Kannst du das Abkoppeln verhindern?“

„Nein, das ist von beiden Seiten aus möglich. Ja, sie läuft wirklich zur Schleuse.“

Ohne an meine Nacktheit zu denken, hastete ich die Wendeltreppe hinunter und rannte zur Andockschleuse, die noch offen war. Die Luke der Jeannie war zwar schon zu, aber solange auf meiner Seite kein Vakuum bestand, konnte ich sie manuell öffnen, da das Schiff mich als seinen Besitzer erkannte. Vom Ringtunnel her sah ich Talitha im Licht der Notbeleuchtung auf der bogenförmigen Sitzbank knien. Sie hatte einen Schiffscontroller in der Hand, den sie aus einem Versteck hinter einer Wandklappe genommen hatte. Sie schaltete ihn ein und schrie: „Idiot – ilgen times ufneg is hork-segan!“

Ich grinste, als ich den Satz erkannte, den sie hier als Autorisierungscode verwendete. Die Wirkung zeigte sich sofort: Die Normalbeleuchtung ging an, die Computerkonsole an der Rückwand aktivierte sich, und ein Hilfskonverter startete. Während das Schiff weiter erwachte, sprang Talitha von der Sitzbank herunter und sah mich. „Jeannie – undock, quick!“ rief sie und wich in die Mitte des Aufenthaltsraums zurück. „Pull away!“

Ich eilte ihr nach. Hinter mir hörte ich, wie die Innentür der Schleuse zuging und das Schiff sich abkoppelte. Sonst schien außer leichtem Schwanken nichts zu passieren, aber ich wußte, daß die Gravoanlage die Beschleunigungskräfte kompensieren konnte. Ich rannte auf Talitha zu, aber sie sprang auf die kreisrunde Bank, wirbelte um die Lautsprechersäule in deren Mitte herum, stieß sich von der Rückwand ab und schoß an mir vorbei auf den Ringtunnel zu, ehe ich sie ergreifen konnte. Ich verfolgte sie, und als ich an der Konsole vorbeikam, sah ich auf dem Bildschirm den Rumpf von Nouris, von dem wir uns mit zunehmendem Tempo entfernten.

Talitha war schon an der Schleusentür vorbei und lief weiter nach hinten, rutschte dann aber aus und fiel vor dem Zugang zur Zentrale hin. Dort holte ich sie ein, packte sie, während sie sich aufrappelte, und zerrte sie wieder nach vorn. Sie wehrte sich wild und sträubte sich mit aller Kraft gegen meine Bemühungen, sie in den Aufenthaltsraum zu schaffen. Sie schlug und trat, wand sich in meinem Griff, wenn ich sie gepackt hatte und ihr die Arme nach hinten bog, und mehrmals fielen wir hin und balgten uns auf dem Boden, bis ich sie wieder auf die Füße zerrte und ein weiteres Stück nach vorn stieß. Während der ganzen Zeit sagte sie nichts. Sie ächzte und keuchte und gab andere unartikulierte Laute von sich, aber sie äußerte kein einziges Wort.

Schließlich waren wir vor der Kücheninsel angelangt. Ich legte Talitha meinen linken Arm von hinten um den Hals und hielt sie so fest, während ich mit der Rechten das Stromanschlußkabel der Seontu-Maschine an beiden Enden aus den Steckern zog. Dann ließ ich sie los, griff in ihre Nackenhaare und drückte ihr den Kopf nach vorn hinunter, sodaß sie niederknien mußte. In dieser Stellung stieg ich mit einem Bein über ihren Nacken, ging selber auf die Knie und klemmte ihren Hals zwischen meinen Schenkeln ein. Nun zog ich das Kabel unter ihren Oberarmen durch, machte einen Knoten und zog es oberhalb ihrer Ellbogen zusammen. Nachdem ich die gesamte Länge um ihre Arme gewickelt und die Enden verknotet hatte, ließ ich Talitha los und stand auf.

„Gib‘ zu, daß du verloren hast“, sagte ich.

„Schwer abzustreiten“, keuchte sie. „Aber es war ein guter Kampf, nicht wahr?“

„In der Tat; die blauen Flecken werden wir noch eine Weile spüren. Aber die Einleitung war ein bißchen heimtückisch. Warum hast du diesen Scheiß gemacht?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Das werde ich dir vielleicht irgendwann einmal sagen können.“

„Komm hoch.“ Ich half ihr beim Aufstehen und führte sie zum Sitz an der Computerkonsole, auf dem ich sie mit dem Beckengurt festschnallte. Dann holte ich den Controller aus dem Ringtunnel und sagte: „Jeannie, erkennst du mich?“

„Ja, Meister. Du bist Draco Flint, mein Besitzer.“

„Die vorherigen Befehle sind aufgehoben. Kehre sofort zur Andockschleuse zurück und kopple dich dort an – und stelle Komm-Verbindung zu Nouris her.“

„Ausführung nicht möglich, Meister.“

„Warum nicht?“

„Aktuelle Befehle haben übergeordnete Priorität.“

Übergeordnete Priorität? Gegenüber dem, was ich dir als dein Besitzer befehle? Wieso? Ist an diesem Controller etwas Besonderes?“ Ich war inzwischen wieder bei Talitha, die von ihrem Stuhl zu mir hochsah und zufrieden lächelte. Nouris war auf dem Bildschirm schon recht klein geworden.

„Dieser Controller ist ein Reservecontroller für die Vergabe an Gäste, Meister“, sagte das Schiff. „Die Priorität kommt von einem Autorisierungscode, den du erst aufheben mußt.“

„Na, wenn’s weiter nichts ist: Idiot – ilgen times ufneg is hork-segan. Und jetzt flieg‘ endlich zurück zu Nouris.“

„Ausführung nicht möglich, Meister. Für die Rückführung des Controllers zu seinem Ausgangszustand gibt es einen eigenen Code.“

Talitha grinste jetzt richtiggehend. „Nein, ich werd‘ nicht singen“, sagte sie schelmisch. Mir kam eine Idee. Rückführung zu seinem Ausgangszustand. Singen. Ich legte den Controller in sein Versteck zurück – hilft’s nix, so schadt’s nix – und intonierte: „Country rooaads, take me home, to the place I belooong…“

„Ungültiger Code, Meister,“ sagte das Schiff ruhig.

„Ungültig – oder nur unvollständig?“ Ich meinte, etwas Beunruhigung in Talithas Miene zu erkennen. Warm, wärmer – heiß?

„Falscher Code, Meister.“

Ich überlegte – was gab es da noch? „Okay neuer Versuch: Take me back to the place where I first saw the light, to my sweet sunny south take me hooome…“

„Code akzeptiert, Meister. Soll ich deine vorherigen Befehle jetzt ausführen?“

„Ich bitte darum.“

„Singen kannst du ja nicht“, sagte Talitha resigniert, „aber deine Kombinationsgabe kann man so lassen.“

Ich legte ihr die Hand auf die Schulter. „Irgendwann wirst du mir einmal erklären müssen, wieso du einen Reservecontroller mit einem Sonder-Autorisierungscode versehen hast, auf dessen Aufhebungscode dein Mann bestimmt nie gekommen wäre. Aber was ich gern jetzt gleich wissen würde: warum hast du meinen Laser nicht genommen?“

„Ich habe dir doch versprochen, daß ich mit dir warten werde, bis ich Kaunda und Wiener erledigt habe.“

„Aber du hättest ihn zumindest auf mich richten und fordern können, daß ich dich ungehindert abhauen lasse.“

Sie schwieg einen Moment und sagte dann: „Daran habe ich nicht gedacht.“ Erst später wurde mir bewußt, welche Doppeldeutigkeit in dieser Aussage schon wieder stecken mochte.

*     *     *

Eine knappe Stunde später flogen wir von Westen auf Thumbnail Gulch zu. Wir saßen zu viert im Außencockpit der Jeannie, Frido und ich vorne, Julani und Talitha hinten, beiderseits des Durchgangs. Talitha war immer noch nackt und nun auch an den Hand- und Fußgelenken gefesselt. Rechts vor uns schwebte der gewaltige Rumpf von Nouris, bereits in aufrechter Lage für die Landung. Unter uns wogte der Ozean, der in diesem flach einfallenden rötlichen Licht eine seltsame dunkle Farbe hatte. Darin verstreut lagen mehrere Vulkaninseln, und von zwei davon stiegen Rauchsäulen auf. Links voraus kam ein Bergmassiv auf einer etwas größeren, schwarz bewaldeten Landmasse in Sicht, von der zwei Landzungen nach rechts ausgingen. Diejenige im Vordergrund war von einer Hügelkuppe überragt, vor der ein mit dunklem Buschwerk überwachsener Krater lag. Dort hinein sank Nouris und setzte nach kurzem Sondieren vorsichtig zwischen den Büschen und Lavabrocken auf. Wir flogen über den Sattel zwischen der Kuppe und dem Höhenrücken links davon hinweg, überquerten die Bucht dahinter und landeten auf dem dunklen Sandstrand an der Südspitze der nächsten Halbinsel.

Das erste, was wir beim Aussteigen sahen, war das Ende eines Felsrückens, der von einem Wald aus seltsamen Bäumen mit verdrehten Stämmen und Ästen und schwarzen Blätterbüscheln bewachsen war. An den Enden mancher Äste wuchs etwas, das wie weiße Zangen aussah, aber eine Art von Blüten war, wie wir später erfuhren. Auch der Unterwuchs war von schwärzlicher Farbe, da die Vegetation hier alle Lichtfrequenzen nutzen mußte. Etwas oberhalb der Strandlinie wurde die Landspitze von einem kurzen Einschnitt geteilt, der zur Ausflußöffnung einer Lavaröhre führte. Etliche Meter in diese Öffnung hineinversetzt war der Lavatunnel durch eine nach vorn umklappbare Panzerplatte nach außen abgeschlossen. Das war der Südeingang der Thumbnail-Gulch-Basis, die wir uns später von Talitha zeigen lassen würden. Rechts davon begann ein aus dem Lavagestein geschnittener Weg, der flach ansteigend zwischen die Bäume führte.

Die freiliegende Sandfläche war relativ schmal, da der Wasserstand nach der gerade ablaufenden Flut noch recht hoch war. Durch die Meerenge zwischen uns und der Insel im Süden floß ein mächtiger Gezeitenstrom, denn der Planet, dessen Rotation gleich lang dauert wie sein Jahr, hatte acht Tage zuvor den Punkt seiner elliptischen Umlaufbahn überschritten, bis zu dem seine Rotation hinter der Umlaufbewegung zurückblieb. Nun drehte er sich hier wieder aus dem Flutberg heraus, und seine Sonne berührte fast schon den westlichen Horizont. Groß und rot hing sie über dem Meer und bewirkte eine Lichtstimmung, die an das Finale von John Boormans Film Excalibur erinnerte, wenngleich sie nicht ganz so düster war. Eine breite Bahn aus roten Lichtreflexen erstreckte sich von ihr bis vor den Strand. Oberhalb der Sonne strahlte der große innere Nachbarplanet als schmale Sichel, gut ein Viertel so groß wie Luna von der Erde aus. Sein einziger großer Mond stand als heller Lichtpunkt über ihm, und noch höher am Himmel leuchtete der eisbedeckte äußere Nachbarplanet wie eine rötliche Version der Venus. Jenseits der Bucht zeichnete sich der Hügelrücken, hinter dem Nouris gelandet war, dunkel vor dem dunstigen Westhimmel ab, überragt von Nouris‘ Bug. Der Himmel über uns war schwarzblau mit ein paar rosigen Wolken.

Frido gab den Funkbefehl zum Schließen der Rampe, und wir wanderten den westlichen Strand entlang nach Nordwesten, in Richtung der Stelle, die Talitha für ihre Bestrafung vorgeschlagen hatte. Ich ging schweigend neben ihr, barfuß wie sie, eine Tasche mit Sachen aus der Jeannie in der Hand. Die Luft trug noch die Wärme des zu Ende gehenden langen Tages, und auf dem nassen Sand des Brandungssaums krochen kleine dunkle Klumpen, exotische Schalentiere, im Schneckentempo dem zurückweichenden Wasser hinterher. Nachdem wir eine Weile gegangen waren, erreichten wir eine Stelle, an der von rechts aus dem Wald ein Stufenweg herunterkam, der zum anderen Eingang der Tunnelbasis führte. Wie vereinbart, blieben Frido und Julani hier zurück und breiteten Sitzmatten auf dem Sand aus, während Talitha und ich allein weitergingen.

Der Strand verlief noch eine Weile nach Nordwesten und bog dann nach Norden tiefer in die Bucht hinein. Dort sagte Talitha: „Siehst du da drüben am Waldrand diesen Baum, der sich auf den Strand hinausneigt? Das ist die Stelle.“

„Ja, ich sehe ihn.“ Und ich erkannte den Platz auch wieder, von einem Video, das ich gesehen hatte, aber das sagte ich ihr nicht. Wir verließen den feuchten, festeren Sandstreifen in Brandungsnähe und schritten auf den bezeichneten Baum zu. Er hing nur leicht über und verzweigte sich in knapp zweieinhalb Metern Höhe, wo der Stamm sich nach oben zu krümmen begann. Von dieser Stelle hing eine Schlinge aus einem Seil herab, das oberhalb der Äste einmal um den Stamm gewickelt und an den Enden zusammengeknotet war. Ich untersuchte es: es war ein dickes Seil aus einem dauerhaften Mischmaterial der Galciv-Technologie, aus glänzenden Metallfäden und irgendwelchen Kunstfasern gewoben. In dem Video hatte György Kremser eine junge nackte Mulattin daran festgebunden und mit einem Strauß schwarzer Pflanzen gestreichelt, und Talitha hatte sie dann unter seiner Regie gepeitscht.

Ich stellte die Tasche ab und band Talithas Hände los, und sie hielt sie vor sich, damit ich ihr die mit einer Kette verbundenen Lederarmbänder anlegen konnte, die nicht in ihre Handgelenke schneiden würden, wenn sie daran zerrte. Dann führte ich sie unter die Seilschlinge und band sie mit über dem Kopf erhobenen Händen daran fest. Als ich mich ihr mit dem Ballknebel näherte, um den sie gebeten hatte, damit sie auf etwas beißen könnte, fragte sie: „Draco… hasst du mich jetzt wegen dem, was ich heute getan habe?“

Ich legte meine Hände an ihre Seiten und antwortete: „Vielleicht würde ich dich dafür hassen, wenn du mich nicht gleich nach dem Schlag um Vergebung gebeten hättest… und wenn ich deshalb nicht gewisse Ahnungen wegen deiner Motive hätte.“ Ich küßte sie. „Still I love my faithless Flora, the Lily of the West…“

Sie erwiderte den Kuß und sagte: „Noch ein Hinweis, bevor du mich knebelst. Die Pflanzen da hinten zwischen den Bäumen… wir nannten sie Nesselkraut. Nimm die Exemplare, die Blüten tragen; die haben nicht nur eine starke Nesselwirkung, sondern steigern danach auch die Schmerzempfindlichkeit der Nerven sehr. Pflück‘ sie ganz unten am Stengel, dort haben sie keine Nesselhaare.“

Ich sah ihr in die Augen. „Jetzt frage ich dich aber wirklich: Warum tust du das? Warum gibst du mir diesen Hinweis?“

Sie schwieg.

„Es ist nicht nur wegen uns heute, oder?“

Sie schüttelte stumm den Kopf. Ich streichelte ihr die Hüfte und wandte mich dem Waldrand zu. Dort gab es dichte Bestände einer schwarzen Pflanze, um deren Stengel herum in schraubenförmiger Anordnung herzförmige Blätter mit gezähntem Rand wuchsen, deren breite Enden nach außen wiesen. Ein Teil davon trug Dolden rosafarbener Blüten, und bei diesen hatte Talitha bezüglich der Brennwirkung nicht übertrieben, wie ich beim Pflücken bemerkte. Mit einem Strauß davon kehrte ich zu ihr zurück, legte die Pflanzen auf den Sand und nahm den Knebel wieder aus der Tasche.

„Ich bin bereit“, sagte sie. „Fang an.“

*     *     *

Als wir langsam Hand in Hand zurückgingen, war Talitha sehr schweigsam und in sich versunken. Ich hatte sie nicht gerade geschont, war aber auch nicht an die Grenze dessen gegangen, was möglich gewesen wäre, obwohl sie trotz der Überwindung, die es sie sichtlich kostete, ihre Beine gespreizt hielt, um mir zu bedeuten: mach‘ weiter. Mit dem Nesselkrautstrauß hatte ich ihre empfindlichsten Stellen verschont, und mit der siebenschwänzigen Peitsche hatte ich ihr auch nicht so viele Hiebe verabreicht, aber mit Pausen dazwischen, damit sie sich länger vor dem nächsten Schlag fürchten konnte. Hinterher hatte ich sie von den Schultern bis zu den Fußgelenken mit einer Hautheilsalbe eingerieben. Während die Salbe einzog, war ich zum Wasser gegangen, um mir die Hände zu waschen. Erst danach hatte ich ihr die Fesseln abgenommen. Sie war überrascht gewesen, als ich ihr grünseidenes Strandkleid aus der Tasche holte. Ganz vorsichtig hatte sie es übergestreift, und dann hatten wir uns auf den Rückweg gemacht.

Als wir bei den anderen ankamen, fand Talitha sich außerstande, sich auf eine der für uns ausgebreiteten Strandmatten zu setzen. Sie wollte zuerst stehen bleiben, ging dann aber vorsichtig in die Hocke. Frido fragte sie: „Wie war’s?“

„Lehrreich“, antwortete sie knapp und schaute dabei auf das Meer hinaus, wo die Sonne noch nicht merklich tiefer gesunken war. Sie würde noch einen ganzen Erdentag brauchen, um ganz unterzugehen, und dann neunzehn Tage lang verschwunden bleiben. Talitha schaute zur Sichel des Nachbarplaneten hoch und sagte: „Wie ein abgeschnittener Daumennagel. Das hat György an Hildemar Dasces Geheimplaneten erinnert und auf die Namensidee für diese Welt und unseren Schlupfwinkel gebracht.“

Ich reichte ihr Spalten von der geschälten Orange, die Frido mir gegeben hatte. „Eigentlich ist das ein zu banaler Name“, meinte ich. „Auch wenn es eine düstere und ein bißchen unheimliche Welt ist, sollte sie einen poetischeren Namen haben. Die Farbe des Meeres erinnert mich zum Beispiel an Homers Phrase von der weindunklen See. Long as the day in the summertime, deep as the wine-dark sea… – kennt jemand dieses Lied?“

Alle verneinten.

„Ich kann euch Videos davon zeigen, falls es jemanden interessiert. Jedenfalls würde mir Winedark als Name für diesen Planeten viel besser gefallen.“

„Mir auch“, stimmte Talitha zu. „Winedark… das hat was.“

Da es nach unserem eigenen Tagesrhythmus auch schon Abend war, packten wir die mitgebrachten Eßsachen aus und machten unser Abendessen zu einem Strandpicknick. Danach blieben wir noch eine Weile sitzen und gingen dann über den Stufenweg hinauf zum oberen Basiseingang. Dieser bestand aus einer fünf Meter hohen und dreieinhalb Meter durchmessenden Wetterschutzkuppel aus durchscheinendem hellblauem Material, die auf einer ebenen Fläche stand, von der ein weiterer Weg ohne Stufen nach Nordosten wegführte. Durch eine Zugangsöffnung ohne Tür gelangte man ins Innere, wo unter einer großen, verschließbaren Falltür eine Wendeltreppe nach unten führte. Wir entsperrten die Falltür mit einem der Controller für die Jeannie, die auch eine Schlüsselfunktion für die Basis hatten. Beim Hinuntergehen erkannten wir, daß sich an dieser Stelle eine Einsturzöffnung in der Lavatunneldecke befand, ein sogenanntes Skylight, das mit einer Betondecke verschlossen und mit der Zugangskuppel überbaut worden war.

Unten angekommen, standen wir in einem durchschnittlich fünfzehn Meter breiten und acht Meter hohen Tunnel mit einigermaßen ebenem natürlichem Felsboden, der Oberfläche des erstarrten Lavastroms, der nach seinem Versiegen diese Röhre hinterlassen hatte. Vom Stiegenabgang nach innen war die Röhre im Naturzustand belassen worden und nur durch eine Gitterwand mit versperrbarem Tor verschlossen. Es bedurfte keiner Erklärungen von Talitha, wofür dieser Teil bestimmt gewesen war.

Zur Südseite hin war der Tunnel mit einer Wand aus einem Synthetikmaterial abgeschottet, in der sich eine Doppeltür befand. Dahinter lag der Wohnbereich, der bis zur Glasfassade im Süden als Kombination aus Loft und Wintergarten hatte gestaltet werden sollen. Davon war erst ein Teil am Südende fertig, mit Bäumchen und Sträuchern in Tongranulatbeeten, beleuchtet von Lampen, dazwischen möblierte Wohnflächen mit Sanitäreinrichtungen und einem Whirlpool. Weiter waren die Erbauer – eine Earthin-Bande, die sich Vaderians genannt hatte – nicht gekommen, als sie von György und Talitha mit Unterstützung von Nouris, Deniz und Maik auf Delpavo getötet worden waren. Danach hatten die Kremsers ihren kleinen Raumfrachter übernommen, den sie später gegen die Jeannie in Zahlung gegeben hatten.

Wir verließen die Anlage durch das Südportal, wofür wir die Panzerplatte vor der Glasfassade wie eine Zugbrücke wegklappten, und ließen uns von Nouris ein Beiboot kommen, um in unseren gewohnten Quartieren schlafen zu können. Nachdem wir Julani und Frido beim Schiff abgesetzt hatten, flog ich mit Talitha im Beiboot zur Westküste der Halbinsel, westlich des Kraters, in dem Nouris gelandet war. Wir wollten vor dem Schlafengehen noch ein wenig im Freien mit uns allein sein. Die Lichtstimmung hatte sich durch die von Westen aufgezogenen hohen Wolkenschichten wieder verändert, war durch deren zusätzliches rosiges Streulicht vorübergehend ein wenig heller geworden. Wir stiegen an einem steil abfallenden steinigen Strand aus dem Beiboot und gingen auf einem uralten, stark erodierten Lavastrom bis an dessen Ende hinaus, den Wogen entgegen, die von Westen gegen diese ungeschützte Küste brandeten. Dort standen wir, Talitha vor mir, von hinten von mir vorsichtig umarmt, und schauten nach Südwesten.

„Tut’s noch sehr weh?“ fragte ich sie. An meinen Händen spürte ich immer noch das Brennen, wo ich beim Pflücken mit dem Nesselkraut in Berührung gekommen war.

„Nicht zu sehr.“ Wieder eine ihrer Doppeldeutigkeiten. Eine Weile schwieg sie und sagte dann: „Was meinst du, kann hier auf Winedark eine nichtmenschliche Zivilisation entstanden sein?“

„Ausgeschlossen. Hier gibt es zu wenig Land und in zu kleinen Flecken verteilt, als daß sich eine intelligente landlebende Spezies entwickeln könnte. Warum fragst du?“

„In den Bergen weiter im Norden gibt es uralte Ruinen aus Lavasteinen, und von diesen gehen Tunnels und Höhlen aus, die wie mit Maschinen geschaffen aussehen.“

„Maschinen?“

„Ja. Ich war mit György dort. Diese Insel ist eine der wenigen größeren, die aus kontinentalem Gestein bestehen, auch wenn hier in der Nähe alles vulkanisch ist. Deshalb sind die Tunnels wahrscheinlich da oben angelegt worden, wegen des leichter zu bearbeitenden Gesteins. Sie sind sehr regelmäßig und glatt, bis auf die ebenfalls sehr regelmäßigen Riefen. Die Vaderians haben sie entdeckt, aber wegen der Lage am Meer zogen sie es vor, ihre Basis in dem Lavatunnel auf der Halbinsel anzulegen.“

„Das müssen wir uns unbedingt ansehen. Ich glaube aber trotzdem nicht, daß das eine einheimische Zivilisation war. Das müssen Besucher von außerhalb gewesen sein.“

Wir blieben noch eine Weile dort, redeten und sahen den Wellen und den Wolken zu, bis uns die Müdigkeit zum Rückflug veranlaßte.

*     *     *

Am Morgen des nächsten Bordtages war Innes‘ Stern schon halb untergegangen, und der innere Nachbarplanet stand tiefer über ihm und war noch ein bißchen größer geworden. Wir nahmen nach dem Frühstück ein Beiboot und besuchten die Ruinen und Höhlen, die Talitha erwähnt hatte. Von den oberirdischen Bauten war nur zerfallenes Mauerwerk aus verwitterten schwarzen Lavasteinen übrig, und sie waren von der Waldvegetation überwuchert, die wahrscheinlich einen Großteil des Verfalls bewirkt hatte. Auch im Tunneleingang war die Felsoberfläche auf den ersten Metern so stark verwittert, daß wir keine Bearbeitungsspuren erkennen konnten, was auf ein jahrtausendelanges Einwirken der Elemente nach dem Einsturz der Vorbauten hindeutete. Weiter drinnen waren die Stollen viel besser erhalten, und zu meiner Verblüffung glichen sie den mysteriösen Erdstallanlagen in der Umgebung der oststeirischen Stadt Vorau, nur daß sie deutlich größere Querschnitte hatten und es auch Kavernen gab. Talitha sagte uns, daß die Faluynhöhlen auf Delpavo, wo die Vaderians getötet worden waren, dieselbe Machart aufwiesen.

An einer Stelle fanden wir einen ringförmigen Tunnel, der durch einen Zugangsstollen mit dem Rest verbunden war. Er war ebenfalls leer, bestätigte aber meine Vermutung, daß die engen, steingemauerten Kreisganganlagen der späteren mesolithischen Kultur im Raum Vorau Produkte einer Art Cargokult sind, wo ihre Erbauer kreisförmige Felstunnel der älteren Kultur, die von uns heute noch nicht gefunden wurden, mit ihren primitiven Mitteln nachgeahmt hatten, ohne über deren Zweck Bescheid zu wissen.

Auf Nachfrage bei Nouris, der wir Videoaufnahmen übermittelten, erfuhren wir, daß den Lwaong und den ihnen dienenden Menschen nicht nur die Stollen um Vorau und Klosterneuburg bekannt gewesen waren, sondern daß sie Anlagen wie diese und wie hier auf Winedark auch im Andenraum und auf manchen außerirdischen Planeten und Monden gefunden hatten. Wegen deren Alters von damals bereits über zwölftausend Jahren hatten sie einen Zusammenhang mit der Besiedlung des zuvor leblosen Planeten Hektalassa und seines Mondes Zirdak mit irdischen Wasserorganismen vermutet, die ungefähr zur selben Zeit stattgefunden hatte, ohne jedoch Beweise dafür oder Hinweise auf die Herkunft der mysteriösen Fremden finden zu können.

Dieses System von Hohlräumen war anscheinend viel weitläufiger, als wir mit unseren Mitteln hätten erkunden können, ohne uns zu verirren, und obwohl es eindeutig mit Maschinen geschaffen worden war, fanden wir kein einziges Stück künstlichen Materials, sondern nur nackten Stein. Ich nahm mir vor, ein anderes Mal besser ausgerüstet nach Winedark zurückzukehren, um das Tunnelsystem weiter zu erforschen. Wir blieben noch bis zur Mittagszeit nach unserem gewohnten Rhythmus und kehrten dann zu Nouris zurück.

Nach dem Essen stiegen wir wieder ins Beiboot und flogen damit zum Weststrand am Anfang des Stufenweges zur Thumbnail-Gulch-Basis. Von dort gingen wir zur Zugangskuppel und dann auf dem stufenlosen Weg weiter, der ostwärts um den Hügel verlief, auf dessen strandseitigem Hang der Eingang lag.

Die Sonne war schon fast ganz verschwunden, und in dem trüben und rot verfärbten Licht wirkte der fremdartige Wald zunehmend unheimlich, aber dennoch faszinierend. Von jenseits des Hügels kam mechanisches Knirschen und Kreischen, und als wir weit genug herum waren, sahen wir vor dem Hintergrund vulkanischer Rauchwolken eine von innen her weiß erleuchtete Staubwolke. Dort waren die autonomen Steinschneideroboter und andere Maschinen dabei, aus der Rückseite des Hügels eine ebene Felsfläche als Landeplatz für Raumschiffe herauszuarbeiten.

An einer Gabelung, wo ein Zweig des Weges sich nach links zum zukünftigen Landeplatz krümmte, folgten wir dem rechten Zweig, der mit geringem Gefälle zum ostseitigen Strand hinunterführte. Auf diesem marschierten wir noch eine Weile nach Nordosten hinauf und ließen dann wieder das Beiboot kommen, mit dem wir zur Mündung eines Baches am Ende der Bucht auf der Westseite flogen. Dieser Bach führte wegen der Regenfälle in der zweiten Hälfte des Planetentages reichlich Wasser, sodaß man in den tiefen Kolken und Gumpen, wo der Bach über Felsbarrieren stürzte, bequem baden konnte. Dies erschien uns sicherer als der Strand des unerforschten Ozeans, von dem wir nicht wußten, welche gefährlichen Tiere darin leben mochten. Hier verbrachten wir ein paar Stunden, bis es Zeit für das Abendessen war.

*     *     *

In den restlichen drei Tagen unseres Aufenthalts auf Winedark verwendeten wir die Jeannie, um in Tagesausflügen Inseln auf der permanenten Sonnenseite zu erkunden. Dabei ließ ich Julani steuern, damit sie Flugpraxis mit dem Schiff erwerben konnte. Wie erwartet, waren die einzelnen Landflecken von sehr unterschiedlichen Lebensformen besiedelt: die größeren, älteren waren in ihrem Inneren biologisch meist Welten für sich, während es dazwischen und auf den kleineren Vulkaninseln Lebensformen gab, die sich über das Meer verbreiten konnten und in ihrer Klimazone überall verbreitet waren. Auf den sonnenwärtigeren Inseln kamen die schwarzen Pflanzen der Dämmerungs- und Flachlichtzone nur an den Schattenhängen der Berge vor und wurden auf der Sonnenseite von einer Vegetation abgelöst, deren Farbe ein dunkles Blauviolett war, da sie nicht so auf die Nutzung des ganzen Lichtspektrums angewiesen war und vielmehr eine Überhitzung vermeiden mußte. Näher am Sonnseitenpol, wo wir nur in Badekleidung aus dem Schiff in die feuchtwarme Luft traten, wies die Vegetation durchwegs Violettschattierungen auf. In diesem Bereich wirkten sich die Sonnengezeiten am stärksten aus, was an extrem breiten Strandflächen, Riffplatten und Wattgürteln zu erkennen war. Noch weiter sonnenwärts in die Zone der ständigen dichten Wolkendecke und der häufigen Stürme drangen wir nicht vor.

In diesen Tagen war es mir eine Erleichterung, daß das Verhältnis zwischen Talitha und mir durch die Ereignisse vor und nach der Ankunft nicht beschädigt worden war. Sie genoß weiterhin das Zusammensein mit mir, schien es sogar zu brauchen, um sich von irgendetwas abzulenken, das sie anscheinend zunehmend bedrückte. Sie litt unter Stimmungsschwankungen, wo sie sich zeitweise zurückzog und dann wieder umso hungriger nach meiner Zuwendung war. Ich hatte mich die ganze Zeit bis dahin immer wieder gefragt, warum sie mich so anzog und ab wann die gegenseitige Anziehung zwischen uns wirklich begonnen hatte. Nun wurde mir zunehmend klar, daß es neben ihrem Aussehen und dem guten Sex auch an Wesenseigenschaften lag, die unter dem Bad-Girl-Anschein verborgen waren und auf die ihr Aussehen hindeutete – und daß es auch wegen des Gefühls war, daß sie mich brauchte. Allerdings wußte ich noch immer nicht, wie ich mit der Schuld umgehen sollte, die sie auf sich geladen hatte, und ich vermutete, daß es auch das war, was sie belastete. Einmal, als ich nachts wach wurde, bemerkte ich, daß sie neben mir leise weinte; sie wollte aber nicht sagen, was sie hatte, und ich wollte sie nicht bedrängen. Trauer um ihren Mann konnte es nicht sein, denn sie erwähnte ihn nur noch in Schilderungen ihrer gemeinsamen Aktionen und trug das TG-Medaillon nicht mehr. So war dieses Problem noch immer ungeklärt, als wir zur Weiterreise starteten.

Fortsetzung: Kapitel 6 – Zur Welt der hundert Meere

Anhang des Verfassers:

Nachfolgend habe ich wieder Infolinks und Videos zum obigen Kapitel gesammelt, als erstes die Infolinks in der Reihenfolge, wie die Begriffe im Kapitel vorkommen:

Ryūjin (japanischer Meeresgott; ein Drache, der Menschengestalt annehmen kann), Otohime (seine Tochter), Hoori (mythologischer Jäger; einer der Vorfahren der japanischen Kaiser; heiratete Otohime), HD 102365 alias 66 G. Centauri (die Sonne von Ryūjin), The Star King / Jäger im Weltall von Jack Vance, Cascara, Löste Laktosetoleranz die indoeuropäische Expansion aus? (Fjordman-Essay), Talitha (Vorname), Dominy (Vorname), Runenentfernung (Essay von Robert Hampton), mein Kommentar über die bei Mäusen bereits gelungene Züchtung von weiblichem Nachwuchs aus Keimzellen, die aus adulten Stammzellen gewonnen wurden; In like Flynn (Redensart), Innes‘ Stern alias Gliese 422 (s. auch Innes‘ Star – Universe Guide; Sonne von Daumennagel alias Winedark, in der Realität die Sonne des 2014  entdeckten Großplaneten Gliese 422 b), bolometrische Helligkeit, Lavaröhre, homerisches Epitheton „wine-dark sea“ (grch. oinops pontos).

Der Satz „Ilgen mal ufneg ist hork-segan“ stammt aus Walter M. Millers SF-Kurzgeschichte Abfallprodukte, die von mir nach der Originalfassung „Blood Bank“ für „Morgenwacht“ übersetzt wurde und in der deutschen Originalübersetzung von Birgit Reß-Bohusch im Taschenbuch Ullstein 2000 – Science Fiction Stories 12 (PDF) ab Seite 126 enthalten ist.

„Karina“, die im Dialog im Beibootflugsimulator erwähnt wird, ist natürlich das reale Vorbild von Catriona Gerling in meinem ersten Galciv-Roman „Ace of Swords: Alles auf eine Karte“. Die blonde Tänzerin in Gelb ganz rechts außen im untenstehenden Video sieht ihr zumindest auf diese Entfernung und bei dieser Bildschärfe sehr ähnlich (das finde nicht nur ich, sondern auch „Frido“), bis hin zum eckigen „arischen“ Kinn und zur Statur:

Wer wissen will, wie das reale G‘schichtl „Me and Katie McGee“ final ausgegangen ist, kann das in der zweiten Hälfte dieses Kommentars von mir nachlesen. („Listen to the rhythm of the falling rain, telling me just what a fool I’ve been“ – siehe das Video von Dan Fogelberg bzw. von den Cascades weiter unten…)

Bezüglich der Vorauer Tunnelanlagen bzw. Erdställe (Beispielbild unten) siehe die Tavernenkommentare ab hier sowie Mysteriöse Höhlen in der Oststeiermark auf orf.at sowie Sub Terra – Tore zur Unterwelt von der Gemeinde Vorau.

Sehr guten Klevner (und andere Weine) gibt es im Weingut Gerngross in Kitzeck im südsteirischen Sausal.

Und hier die Musikvideos, in der Reihenfolge wie oben (eines Tages wird man mir vielleicht nachsagen, ich hätte den Begriff „Space Opera“ zu „Space Musical“ weiterentwickelt):

„Country Roads, take me home“ von John Denver:

„Take me back to the sweet sunny south“ (Duett von Joan Baez und Jeff Shurtleff):

„Rhythm of the Rain“ in der Version von Dan Fogelberg (der übrigens kein Jude war, wie ich auf einer jüdischen Seite bestätigt gesehen habe: sein Vater war Schwede, seine Mutter Schottin):

Dies ist die ursprüngliche Version von den Cascades:

„Flora’s Secret“ von Enya:

„Skye Boat Song“, hier von The Corries:

…und hier von Nana Mouskouri, von der ich das Lied erstmals kennengelernt habe:

„The Lily of the West“ von Peter, Paul & Mary…

…und von Joan Baez…

„Penelope’s Song“ von Loreena McKennitt („Long as the day in the summertime, deep as the wine-dark sea…“), zuerst eine Studioaufnahme mit Bildern und Texteinblendung, wo von der Instrumentalbegleitung der irische Dudelsack (uillean pipes) gut zur Geltung kommt:

…und hier die Konzertaufnahme aus der Alhambra, mit Cellobegleitung durch die schöne Caroline Lavelle:

Und zum Schluß noch das Finale von John Boormans Film „Excalibur“ mit „Siegfrieds Trauermarsch“ von Richard Wagner:

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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