Das entscheidende Ausrüstungsstück, das bewaffnete Heimverteidiger immer vergessen

Von Robert Farago, übersetzt von Deep Roots (Schlußbild von Osimandia modifiziert). Das Original The Critical Piece of Kit Armed Home Defenders Always Forget erschien am 15. Oktober 2014 auf Faragos Seite The Truth About Guns.

In aller Herrgottsfrühe hört ihr etwas durch die Küchentür brechen. Warum ist der Alarm nicht losgegangen? Habe ich vergessen, ihn einzustellen? Keine Zeit, sich darum zu sorgen. Ihr schnappt euch eure Brille und eure Schußwaffe, weckt eure bessere Hälfte und setzt euren Heimverteidigungsplan um. Während das Adrenalin durch eure Adern strömt (wie tausend Eisenbahnzüge), zielt ihr und drückt ab. Und schießt vorbei. Vielleicht. Vielleicht habt ihr ihn getroffen. Wer weiß? Zum Glück gibt der Bösewicht Fersengeld. Aber jetzt hört ihr seine Schritte nicht…

Weil ihr taub seid. Falls ihr eine Faustfeuerwaffe abgeschossen habt, klingeln eure Ohren schmerzhaft und blockieren alle Umgebungsgeräusche. Falls ihr eine Schrotflinte abgefeuert habt, seid ihr stocktaub – ein Zustand, der sich mit der Zeit vielleicht selbst repariert oder auch nicht, und selbst wenn, dann vielleicht nur teilweise. Was soll’s. Ihr habt eine tödliche Bedrohung gestoppt. Ihr habt überlebt. Euer Gehör ist ein kleiner Preis dafür. Nur…

Ein weiterer Schurke kommt hinter euch heran und haut euch mit einem Baseballschläger nieder. Oder sticht euch ein Messer in den Rücken. Oder erschießt euch. Während ihr zu Boden fallt, gilt euer erster Gedanke eurer Familie. Die Bullen werden bald hier sein. Früh genug? Gott, ich hoffe es. Euer zweiter Gedanke: aufstehen und kämpfen! Nur daß ihr es nicht könnt. Und irgendwo in eurem Hinterkopf taucht eine weitere Idee auf: wenn ich ihn nur hätte kommen hören.

Euer Gehörssinn ist ein entscheidender Bestandteil der bewaffneten Selbstverteidigung. Er liefert euch einsatzentscheidende Informationen über Ort, Anzahl, Geschwindigkeit, Größe und Richtung von freundlich Gesinnten und potentiellen Bedrohungen. Falls euer Gehörssinn ernsthaft vermindert wird oder ihr ihn verliert – wie es sicherlich der Fall sein wird, wenn ihr eine Feuerwaffe in eurem Haus abfeuert -, verliert ihr eine enorme Menge Situationsbewußtsein. Warum also solltet ihr?

Bewahrt ein Paar elektronischer Gehörschützer bei eurer Selbstverteidigungswaffe auf. Wenn die K. am D. ist,  setzt sie auf, bevor ihr irgend etwas sonst tut. Sie werden nicht nur euer Gehör im Falle eines defensiven Schußwaffengebrauchs schützen, was den fortgesetzten Gebrauch eures Gehörs während des weiteren Ablaufs der Ereignisse ermöglicht, sondern sie verstärken auch Umgebungsgeräusche. Faktisch geben sie euch ein Supergehör – was eure strategischen Fähigkeiten erhöht.

Das Argument gegen das Aufsetzen elektronischer Gehörschützer während bewaffneter Heimverteidigung: je mehr ihr bei einem defensiven Schußwaffengebrauch zu tun habt, desto größer ist die Chance, daß ihr es nicht ordentlich macht. Ihr wollt nicht, daß der Bösewicht euch beim Herumfummeln mit dem Gehörschutz erwischt. Wenn auch gering, könnte die zusätzliche Zeit, die zum Ohrenschützeraufsetzen benötigt wird, euch hinter die Selbstverteidigungskurve bringen.

Diese Kosten-Nutzen-Kalkulation obliegt euch – nachdem ihr das Aufsetzen der Ohrenschützer geübt habt. In eurem Schlafzimmer. Mitten in der Nacht.

Es ist nicht so leicht, wie es sich anhört: die Kombination aus Adrenalin und Schlaftrunkenheit bringt eure manuelle Geschicklichkeit ganz schön durcheinander. Ihr müßt das Ding in einer bestimmten Weise neben eurem Bett plazieren – sodaß der Ein-Aus-Schalter jedesmal, wenn ihr das Kopfband über eure Birne schiebt, an derselben Stelle ist. Und ja, man kann mit aufgesetzten elektronischen Gehörschützern einen Polizeinotruf absetzen.

Ich schätze, E-Gehörschutz ist das Risiko wert. Euer Gehör in der Hitze des Gefechts zu schützen, könnte euer Leben retten. Und ich weiß, daß das seltsam klingt, aber ich würde einen defensiven Schußwaffengebrauch nicht als gewonnen betrachten, wenn ich die Bösewichte zurückgeschlagen und (mehr) von meinem Gehör verloren hätte. Alternativerweise kauft, falls ihr könnt, eine Dose [einen Schalldämpfer; d. Ü.]. Bedenkt, Schalldämpfer sind immer noch verdammt laut; von einem ist mir Tinnitus zurückgeblieben. Daher… warum nicht sowohl elektronischen Gehörschutz als auch einen Dämpfer verwenden?

Über Robert Farago

  Robert Farago ist der Herausgeber von The Truth About Guns (TTAG). Er gründete die Seite, um die Ethik, Moral, geschäftliche Seite, Politik, Kultur, Technologie, Praxis, Strategie und Gefahren von Waffen und den Spaß mit ihnen zu erforschen.

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Ich (Deep Roots / Lucifex) finde auch: Gehörschützer sind

Siehe auch Gespräch mit einem Gunfighter vom Westernautor Charles Frederick Eckhardt, ein Interview, in dem der ehemalige Sheriff Heck Perez aus der Praxis des ernsthaften Schußwaffengebrauchs erzählt, darunter auch über die Sache mit dem Adrenalin:

„Ich hatte wahrhaftig keine Zeit, mich zu fürchten, solange die Schießerei im Gange war, aber als sie vorbei war, musste ich mich hinsetzen, mir zitterten fürchterlich die Knie, und als sie zu zittern aufhörten, musste ich schleunigst aufs Klo rennen. Das ist auch so etwas, das einem die Filme und das Fernsehen immer verschweigen: Es ist alles andere als angenehm, wenn jemand auf einen schießt.

So geht eine Schießerei in Wirklichkeit vor sich, mein Junge, und nicht, wie das im Film gezeigt wird. Bevor es losgeht, kriegt man einen so trockenen Mund, dass man Watte ausspucken könnte, und man hat einen Klumpen im Bauch wie eine Kanonenkugel so groß. Und dann tut man eine kurze Zeitlang einfach, was man zu tun hat, und danach schlottern einem die Knie und man muss dringend aufs Klo. Solche Details werden in den Wildwestromanen und am Fernsehen immer unterschlagen. Wenn du mal darüber schreibst, dann vergiss nicht, auch das zu erwähnen.“

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In VISIER 6-1988 habe ich diesen Info-Kasten gefunden, den ich euch hier als Scan anfüge:

Über Cernunnos

Mein Blog: "Cernunnos' Insel" https://cernunninsel.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Das entscheidende Ausrüstungsstück, das bewaffnete Heimverteidiger immer vergessen

  1. Cernunnos schreibt:

    Eine Praxiserfahrung mit dem „Supergehör“ durch elektronische Gehörschützer möchte ich an euch weitergeben:

    Eines Abends (es war schon dunkel) hörte ich im Eingangsbereich Geräusche zu mir herauf, als ob jemand hereingekommen wäre. Eine Nachschau ergab, daß doch niemand da war, aber als ich wenig später wieder Geräusche hörte, habe ich den Gehörschützer aufgesetzt und eingeschaltet und bin mit dem geladenen Revolver bis in den Keller hinunter nachschauen gegangen.

    Auch diesmal war niemand da, aber ich habe bei dieser Nachschau die Erfahrung gemacht, daß die verstärkte Geräuschwiedergabe durch die Mikrofon/Kopfhörer-Kombination eine ungewohnt intensive Geräuschwahrnehmung ermöglicht; man hört Sachen, die man sonst nicht bemerkt, z. B. das Rascheln der eigenen Kleidung, irgendwelche normalerweise unauffälligen Hintergrundgeräusche im Haus (z. B. Arbeitsgeräusche des Kühlschranks), und auch das Richtungshören entspricht nicht der natürlichen Wahrnehmung.

    In so einer angespannten Situation kann all das zusätzlich beunruhigend wirken, und es ist etwas, dessen man bewußt sein sollte, um bei einer bewaffneten Nachschau Fehlreaktionen aus Nervosität zu vermeiden.

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