Spacewreck: Kinder der Götter

„Andere Gerätschaften wurden gefunden, wie dieser Landschreiter, die aus dem zerstörten außerirdischen Kolonisationsschiff stammen mußten, aber nun Gegenstände von heiliger Bedeutung waren.“ (Illustration von Tony Roberts)

Original: „Children of the Gods“; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 5 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung

Todesschiff von Alkahera

Das Wrack der Jancis Jo

Die Kriegswelt Alshain

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Die Paquita war eine TTA-Fregatte der Quantum-Klasse, die aus der Mitte des 24. Jahrhunderts stammte. Obwohl hundert Jahre alt, konnte sie die meisten der gegenwärtigen Generation von Mehrzweckschiffen an Leistung übertreffen. Ursprünglich für militärische Geleit- und Aufklärungszwecke gedacht, hatten die Schiffe der Quantum-Klasse jahrelang gedient, bevor sie ausgemustert und für den Verkauf an jeden verfügbar gemacht wurden, der es sich leisten konnte, sie zu betreiben. Es gab wenige Kunden, weil ihre sehr hohe Leistung und beschränkte Frachtkapazität sie nicht für wirtschaftlichen Betrieb geeignet machten. Die meisten derer, die verkauft wurden, gingen an Frachtkonzerne, die nach Schiffen für den Transport kompakter, aber wertvoller Fracht suchten, aber ein paar wurden von Einzelpersonen gekauft.

Chalee Sameth war einer davon. Geboren auf dem erbittert unabhängigen Planeten Asterion II, der etwa dreißig Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Canes Venatici (Jagdhunde) lag, fühlte er sich von der stolzen, aber etwas primitiven Lebensweise seines Volkes eingeengt. Entschlossen, sein Glück anderswo zu finden, erarbeitete er sich seine Passage zur Erde und trat in den Dienst einer der von der TTA betriebenen Frachtlinien ein. [TTA = Terran Trade Authority] Er lernte schnell und war nach ein paar Jahren zum Ersten Flugingenieur geworden, und die Beförderung zum Kapitän war nicht weit entfernt. Aber die Aussicht auf weitere Jahre auf lokalen Fahrten war nicht reizvoll, und er bewarb sich erfolgreich um einen Posten als Navigator auf Tiefraumfrachtern. Leider erwies sich auch dies als weniger befriedigend, als er gehofft hatte, und er begann sich nach etwas umzusehen, das zu seinem Temperament paßte.

Obwohl seine Tüchtigkeit außer Frage stand, hatte seine stolze und wilde Natur seine Dienstakte mit zahlreichen Vermerken gefüllt, die den begehrten Kapitänsrang zu einer eher langfristigen Möglichkeit machten. Die Entscheidung betreffend seine Zukunft bei der TTA wurde schließlich für ihn getroffen. Während er darauf wartete, daß sein Schiff auf einem der großen Frachtterminals in den Menkalinan-Feldern mit der Beladung fertig wurde, wanderte er durch das verrufenere Viertel der Siedlung auf dem Asteroiden und brachte es fertig, in einer kleinen, schäbigen Bar, die in einer Hintergasse versteckt lag, monumental betrunken zu werden. Als er nahezu vierzehn Stunden später aufwachte, war sein Schiff schon lange weg, und nachdem das Nichterscheinen zum Dienst auf einem interstellaren Flug für ein höherrangiges Besatzungsmitglied als schwerer Verstoß behandelt wird, begann er sich nach einer neuen Anstellung umzusehen. Für die meisten Männer ist es leicht, Arbeit auf den Bergwerksfeldern in diesem ungezähmten und mineralreichen Teil der Galaxis zu finden, aber nicht für einen Raumfahrer. Alle Flugjobs sind nur für zugelassenes Personal oder lizensierte Privatbetreiber offen, und Lizenzen sind schwierig und teuer zu erlangen.

Aus diesem Grund sind die Frachttransportraten recht hoch, aber es gibt eine Anzahl von Schiffen, die ohne Lizenzen und zu verhandelbaren Raten operieren. Nach einer oder zwei Wochen war Chalees Geld zu Ende gegangen, und er fand sich in schmuddeligen kleinen Zimmern bei schmuddeligen kleinen Bars wieder, wo er verstohlen mit Fremden flüsterte, bis er eines Tages aus einem davon als Navigator der Grey Lady herausging, eines heruntergekommenen und veralteten Frachters, der eine unter der Hand verkaufte Lieferung von Werkzeugmaschinen zu erledigen hatte. Die Reise war ein Erfolg, und auch diejenigen danach. Es dauerte nicht lange, und Chalee hatte genug verdient, um eine beträchtliche Anzahlung auf eine zernarbte und verbeulte Fregatte der Quantum-Klasse zu leisten, die Paquita, und ein paar Flüge später konnte er es sich leisten, sie so weit wiederherstellen zu lassen, daß sie in besserem Zustand war, als sie es seit langem gewesen war. Drei Wochen nachdem er sie ausprobiert hatte, fand er eine Besatzung und hatte seinen ersten Liefervertrag abgeschlossen. Die Kreditzinsen und die fälligen Raten zwangen ihn, sich für die hochbezahlten Jobs zu entscheiden, bei denen keine Fragen gestellt wurden. Die ersten beiden gingen glatt, und Chalee begann über Verbesserungen nachzudenken, die er an der Paquita vornehmen könnte, aber der dritte Job ging ziemlich schief.

Ein Patrouillenschiff der Bundespolizei rief sie an, als sie sich mit einer höchst illegalen Fracht aus Nuklearsprengmitteln zum Warpsprung bereitmachten. Obwohl wirksam für die Verwendung beim Bergbau, waren sie trotzdem verboten, sofern sie nicht von der TTA zugeteilt waren und unter offizieller Aufsicht verwendet wurden. Wenn die Strafen für die Beförderung unautorisierter Güter dieser Art schon hoch waren, so waren jene für deren Beförderung in einem unlizensierten Fahrzeug etwas, über das man lieber nicht nachdachte.

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Spacewreck: Die Kriegswelt Alshain

Daß die öde Welt Alshain IV einst die Heimat einer technologisch fortgeschrittenen Spezies gewesen war, war aus den vielen verfallenden Relikten ersichtlich, die dort entdeckt wurden. Die kriegerische Natur dieser verschwundenen Spezies wurde durch solche Artefakte wie diese primitive Raketenbatterie veranschaulicht. (Bild von Bob Layzell.)

Original: „The Warworld of Alshain“; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 4 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kürzerer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung, Todesschiff von Alkahera und Das Wrack der Jancis Jo.

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Das Sternbild Aquila oder Adler liegt in der Milchstraße unterhalb jenes des Schwans. Der markanteste Stern in dieser Gruppe ist Altair, der bloße sechzehn Lichtjahre entfernt liegt. Von größerem Interesse für die Terranische Föderation war jedoch der gelbe G8-Zwergstern Alshain, der zweiundvierzig Lichtjahre von der Erde entfernt liegt und sehr ähnliche Eigenschaften wie unsere eigene Sonne hat. Im Jahr 2355 wurde herausgefunden, daß er ein Planetensystem von sechs größeren Körpern besitzt, und eine Expedition wurde zusammengestellt, um diese Welten zu untersuchen.

Drei der umlaufenden Kugeln kreisten zu nahe um Alshain selbst, um bewohnbar zu sein, und zeigten keine Anzeichen von Leben. Die fünfte und sechste waren eng miteinander verbunden und schwangen auf ihren unregelmäßigen Bahnen weit in die Dunkelheit hinaus. Sie waren ebenfalls unbewohnbar, aber aus dem gegenteiligen Grund. Alshain IV war ein ganz anderes Angebot und, obwohl es eine heißere und rauhere Welt als die Erde war, sicherlich in der Lage, menschliches Leben zu tragen.

Sie war gewiß eines näheren Blickes wert, und die Expeditionsflotte drang in das System ein und bezog Station nahe dessen Grenze und im Schatten von Alshain V, während zwei der mitgeführten Aufklärungsschiffe sich in den Orbit begaben, um festzustellen, ob dort intelligentes Leben existierte. Nach einem oder zwei unglücklichen Vorfällen in den frühen Tagen der Weltraumforschung war nun anerkannt, daß Vorsicht unter diesen Umständen bei weitem die beste Politik war. Das plötzliche Erscheinen unerwarteter und unbekannter Schiffe im Territorium einer Rasse mit einer fortgeschrittenen Technologie konnte leicht eine unerwünschte Wirkung haben. Während einer der Aufklärer für den Fall von Schwierigkeiten Position auf halbem Weg bezog, flog der andere näher heran, um die großen Kontinentalmassen abzusuchen, die von warmen, seichten Meeren umgeben waren.

Der größere Teil der Oberfläche schien aus riesigen Wüstengebieten zu bestehen, die von trockenen und schroffen Bergketten umringt und bar jeglicher größerer Formen von Vegetation waren. In den gemäßigteren Breiten bestand das Gelände hauptsächlich aus Buschland, das von Bändern reicheren Bewuchses durchzogen war, die den Weg einer Anzahl träger, schlammbeladener Flüsse markierten. Die Polargebiete waren von extrem dichtem Wald bedeckt, der von vielen großen Gipfeln durchbrochen war, und dort wurden die ersten Anzeichen einer bedeuteten Lebensform entdeckt.

Die verschiedenen Sensoren, die von dem Aufklärer eingesetzt wurden, machten seltsame Unterschiede in der Formation und Zusammensetzung einer Anzahl der isolierten Gipfel aus, während eine nähere Untersuchung darauf hindeutete, daß sie künstliche Bauwerke sein könnten. Zusätzlich schienen die Berge, die diese Phänomene aufwiesen, der Mittelpunkt von etwas zu sein, das nur als irgendeine Art von Straßen bezeichnet werden konnte.

Das Schiff blieb mehrere Tage lang in einer engen Umlaufbahn und hielt eine ständige Beobachtung aufrecht, aber es gab kein Lebenszeichen an diesen seltsamen Orten. Schließlich wurde entschieden, in die dünne Atmosphäre einzufliegen, und nach Auswahl eines der Gipfel flog das Schiff heran. Während es sich näherte, wurde offensichtlich, daß dies tatsächlich das Werk einer sehr kunstfertigen Intelligenz war…

Aus einer Vielzahl von Materialien zusammengesetzt, war ein zusammenhängender Komplex erbaut worden, der den Großteil des steilen Felsens bedeckte, aber von seinen Bewohnern gab es kein Anzeichen. Als das Schiff näherkam, wurde ersichtlich, daß die Siedlung seit langer Zeit nicht instand gehalten worden war und die Elemente ihren Tribut gefordert hatten. Manche Bauten waren völlig zusammengestürzt, und andere würden ihnen trotz ihrer massiven Bauweise folgen. Es gab wenige Öffnungen in den Oberflächen der vielen Gebäude, und der allgemeine Eindruck war der irgendeiner Art Festung. Die Straßen, die strahlenförmig von der Basis ausgingen, wurden von den dichten Wäldern zurückgefordert, und ihre Oberflächen waren von sprießender Vegetation durchsetzt.

Die Informationen wurden dem Rest der Gruppe  zurückübermittelt, und der Aufklärer erhielt Anweisung, weiter nach Süden zu fliegen. Zwei ähnliche Formationen wurden gesichtet, bevor der Dschungel sich auszudünnen begann, aber beide waren im selben Zustand wie die erste, und die ursprünglichen Bewohner schienen wiederum verschwunden zu sein. Der Teppich aus Grün machte allmählich der zähen, gelblichen Vegetation des Buschlandes Platz. Die Landschaft hier wurde von einer Reihe von Plateaus und Bergrücken gebildet, zwischen denen sich vereinzelt Flüsse dahinwanden. Aus dieser Höhe waren mehrere andere Bauwerke zu sehen, die vom umgebenden Land aus kaum auszumachen gewesen wären und alle von niedriger und massiver Bauweise waren, was auf einen Verteidigungszweck hindeutete.

Der Kapitän entschied, eine Landung zu riskieren, und setzte das Schiff nahe einem dieser eindrucksvollen Artefakte auf. Während der Rest der Besatzung die leichte Bewaffnung des Schiffes auf das Ziel richtete, brachen der Kapitän und zwei Männer in einem Landscooter auf. Als sie am Boden neben dem Gebäude hielten, bemerkten die Männer, daß es in der glatten Oberfläche seiner Wände keine Fugen oder Verbindungsstellen gab. Als sie eine kleine Öffnung in der Seitenwand ausmachten, stiegen sie aus und gingen zu etwas hinüber, das eindeutig eine Schießscharte war, aus der die Schnauze eines Waffenlaufs in fortgeschrittenem Zustand der Korrosion hervorstand. Große Flocken von Material fielen davon ab, als der Lauf berührt wurde, aber es war unmöglich, die Natur der Waffe zu bestimmen.

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Spacewreck: Das Wrack der Jancis Jo

Original: „The Wreck of the Jancis Jo; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 3 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, eine Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung  und Spacewreck: Todesschiff von Alkahera.

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Anfang des 22. Jahrhunderts war die Idee gigantischer Siedlerschiffe, die tapfer zu ihren langen Reisen in die wenig bekannten Bereiche des Weltraums aufbrechen, um Aussaat unter den Sternen zu betreiben, neu genug, um beträchtliches Interesse zu erregen. Riesige Menschenmassen strömten zu den Raumhäfen, um zuzusehen, wie die unerschrockenen Abenteurer die massiven Fahrzeuge besteigen, die für den Rest ihres Lebens ihr Zuhause sein sollten, und möglicherweise auch für ihre Kinder. Der Hyperraumflug steckte noch in den Kinderschuhen, und wenige Schiffe waren zur Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit fähig, was bedeutete, daß viele Reisen ganze Generationen dauern sollten, bevor die Bestätigung eines erfolgreichen Fluges auf der Erde empfangen wurde.

Ein solches Schiff war die Jancis Jo, die im Weltraum über dem Marskomplex hing, während sie darauf wartete, sich auf den langen Weg zum G2-Stern Alwaid zu machen, einer Sonne ähnlich unserer eigenen, 365 Lichtjahre entfernt im Sternbild Draco. Von Alwaid war bekannt, daß er eine Anzahl planetarer Begleiter besaß, und eine Vermessungssonde hatte mit nun als primitiv betrachteten Methoden bestätigt, daß einer davon bewohnbar war. Die Jancis Jo war das neueste und ausgereifteste der in den Orbitalwerften des Mars gebauten Schiffe und war in der Lage, die Lichtgeschwindigkeit um eine beträchtliche Marge zu überschreiten, was bedeutete, daß ihre Besatzung den Landeanflug zur Oberfläche in wenig mehr als 270 Jahren beginnen würde.

Sobald der scheinbar endlose Prozeß der Verladung all der für völlige Autarkie nötigen Vorräte und Ausrüstungsgegenstände abgeschlossen war, sagten die 430 Siedler und Besatzungsmitglieder Lebewohl und bestiegen die Raumfähren für den Flug zu ihrem neuen Zuhause. Während der Countdown voranschritt und das große Schiff davonzog, um Abstand von dem Planeten zu gewinnen, bevor es seinen Sprung in den Hyperraum unternahm, tanzten und drängelten sich Hunderte kleinerer Fahrzeuge um den riesigen Zylinder, um einen letzten Blick darauf zu werfen, bevor er aus dem Normalraum verschwand. Innerhalb von Minuten schrumpfte sie zu einem fernen Lichtfleck, als ihre starken Antriebssysteme sie auf Warpgeschwindigkeit beschleunigten, dann war sie verschwunden. Die Schaulustigen und die Verwandten trieben davon, und das Leben kam zur Ruhe, um die Jahre bis zu ihrer Ankunft im Alwaid-System verstreichen zu lassen.

Die nächsten paar Generationen erlebten die Glanzzeit der Kolonieschiffe, und der Abflug dieser enormen Fahrzeuge wurde bald beinahe alltäglich. Die geschätzte Ankunftszeit der Jancis Jo kam und verstrich beinahe unbeachtet, und das Fehlen jeglichen Signals verursachte wenig mehr als ein Geplätscher akademischer Spekulationen. Die Jahre der Zwischenzeit hatten zahlreiche bedeutsame Ereignisse gesehen, und das Verschwinden eines uralten Schiffes schien vor dem komplexen Hintergrund aktueller Angelegenheiten von wenig Interesse zu sein.

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Spacewreck: Todesschiff von Alkahera

Ein bizarrer Anblick bot sich den Augen der Besatzung des Patrouillenschiffes, das ausgesandt worden war, um das stumme Schiff zu untersuchen, das aus dem Hyperraum aufgetaucht war. Jeder Zoll seines Innenraums wurde von seiner mutierten Nahrungsversorgung eingenommen. (Illustration: Robin Hiddon)

Original: „Death Ships from Alkahera“; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 2 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, eine Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung.

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Die Lorac One ruhte auf dem Startplatz nahe dem Bergbaulager auf Gentleman’s Dig, einer kleinen, aber produktiven Gruppe von Asteroiden in den Menkalinan-Feldern. Sie war vor zwei Tagen von Alpha Centauri eingetroffen, mit einer Ablösungsmannschaft, die den Großteil der Reise damit verbracht hatte, trübsinnig über die Aussicht auf ihren achtzehnmonatigen Einsatz an diesem ziemlich trostlosen Ort nachzudenken. Während sie auftankte und Proviant für die Rückreise an Bord nahm, vollendeten die Männer, die jubelnd ihre Ankunft beobachtet hatten, die Übergabe an ihre Ersatzleute und sammelten ihre Sachen für die Reise zurück zu den Spielplätzen des Centauri-Systems zusammen. Das ausgelassene Geschwätz drehte sich fast gänzlich darum, wie viele Credits ihnen zustanden, und um die relativen Vorzüge der anrüchigeren Unterhaltungsmöglichkeiten, die auf sie warteten.

Schließlich war das Schiff bereit zum Abheben, und sie sammelten sich lärmend an Bord, beobachtet von der gedämpfteren Gruppe, die sie zurückließen. Das Heulen der Antigrav-Generatoren stieg ins Unhörbare, und dann schrumpfte zuerst die Basis und dann der Felsenschwarm zu Fleckchen unter ihnen. Die Koordinaten für den Warpantrieb wurden eingegeben, der Flugrechner aktiviert, und das Fahrzeug begann sich in den Hyperraum aufzulösen.

Es war ein Zufall von zehn Millionen zu eins, daß ein außerplanmäßiger Erzfrachter auf dem Weg nach Gentleman’s Dig in genau dem Moment aus dem Warp auftauchte, in dem die Lorac One in ihn eintrat. Das Warpfeld, das um ein Schiff erzeugt wird, wenn es in den Hyperraum eintritt, ist nicht auf die Außenhaut des Rumpfes beschränkt, sondern erstreckt sich bis in einige Entfernung davon. Der Grund, warum Schiffe sich unter konventionellem Antrieb zu ausgewiesenen Sprungzonen bewegen müssen, ist die Sicherstellung, daß keine anderen Objekte unabsichtlich mit dem Schiff in den Warp gezogen werden. Der außergewöhnliche Zufall, den die Lorac One erlebte, beendete die Reise beinahe, ehe sie wirklich begonnen hatte. Sie bockte und trudelte wie verrückt, während ihr Feld sich mühte, den Frachter ebenfalls in den Warp zu ziehen, und der Atomreaktor und die Generatoren gerieten gefährlich nahe an die Überlastung. Aber die kombinierte Masse war zu groß, und nach einem hektischen Moment schlüpfte die Lorac One in den Hyperraum und überließ es dem Skipper des Frachters, sein eigenes Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Erlebnis muß für ihn erschreckend gewesen sein, nachdem seine Detektoren keine Chance gehabt hätten, das hinausgehende Fahrzeug im Moment des Auftauchens aus dem Warp zu erfassen, daher dürfte er keine Ahnung gehabt haben, was ihn so plötzlich im anscheinend leeren Raum herumgeschleudert hatte.

Drei Monate später registrierte eine Verkehrsleitstation nahe Centauri die planmäßige Ankunft des zurückkehrenden Versorgungsschiffes und sandte ein routinemäßiges Überprüfungssignal. Aber es gab keine Antwort von dem stationären Fahrzeug, das in Sichtweite seines Reiseziels hing. Das Signal wurde erfolglos auf einer Anzahl von Frequenzen wiederholt, daher wurde die Kontrollzentrale verständigt, und ein Aufklärungsschiff wurde zur Untersuchung entsandt.

Es dauerte nicht lange, bis die Lorac One durch die Sichtfenster des kleinen Fahrzeugs zu sehen war, und seine Besatzung untersuchte das wachsende Bild sorgenvoll nach irgendwelchen Anzeichen für Schäden. Ihr Rumpf schien intakt zu sein, und man konnte Lichter durch die Fenster glühen sehen, die entlang des unregelmäßigen Rumpfes verstreut waren, einschließlich der größeren im Bereich des Hauptkontrolldecks, aber es gab keine anderen Anzeichen irgendeiner lebenden Präsenz an Bord.

Mit unguter Vorahnung begannen zwei Besatzungsmitglieder in ihre unförmigen Anzüge zu klettern, während sich das Aufklärungsschiff der stummen Form des größeren Fahrzeugs näherte und ein weiteres Besatzungsmitglied das Lasergerät und die Druckabdichtung hervorholte, damit ein Zugang erzwungen werden konnte, falls nötig. Innerhalb von Sekunden ragte der Rumpf der Lorac One über ihnen auf, und der Kapitän manövrierte das Schiff vorsichtig zu dem grünlichen Licht der Kontrollkabine über ihnen hinauf. Plötzlich ächzte er vor Erstaunen, als das kleine Fahrzeug auf einer Höhe mit den riesigen Sichtluken war. Die gesamte Kabine war von einem dichten, pilzartigen Gewächs ausgefüllt, das ein eigenes trübes Glühen auszusenden schien. Verblüfft bewegte er sein Schiff an der Außenhaut entlang weiter nach unten zu einem der kleineren Sichtfenster, aber dort bot sich seinen Augen derselbe Anblick.

Seine Sensoren zeigten an, daß praktisch jeder Quadratzoll des Abteils dieselbe Dichte wie die Kontrollkabine aufwies, zusätzlich zu der ein hohes inneres Strahlungsniveau entdeckt wurde.

Er befahl den beiden Männern, ihre Anzüge gegen schwerere, strahlensichere auszutauschen, bevor sie in die Luftschleuse verschwanden und wieder im Fenster erschienen, während sie die Abdichtung um sich herum errichteten. Bald glühte die kleine Blase unheimlich, als sie sich ihren Weg durch die Außenhaut des Schiffes schnitten. Die Situation wurde klar, als sie sich auf der Suche nach den Männern, die es bewohnt hatten, durch die seltsamen Gewächse hackten. Die Strahlung wurde zu einem größeren Reaktorleck zurückverfolgt, das offenkundig durch die plötzliche und starke Belastung beim Absprung verursacht worden war. Die intensive Strahlung hatte einige der Pflanzen in den Hydroponikbänken auf seltsame Weise mutieren lassen und auch die unglücklichen Passagiere getötet, und das unkontrollierte Gewächs hatte sich über das gesamte Fahrzeug ausgebreitet.

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Nächster Teil: Spacewreck: Das Wrack der Jancis Jo

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Spacewreck: Einführung

Bild zur Geschichte „The Ceres Disaster“; Bildtext von dort: „Entworfen und gebaut zum Nutzen von Fernreisenden und Kolonisten gleichermaßen, beendete die Ceres ein Leben des getreuen Dienstes mit einem Akt höchster Selbstaufopferung.“ (Illustration: Tony Roberts)

Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist das Einleitungskapitel zum Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, eine Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis, woraus ich in loser Folge etliche Episoden für „Cernunnos‘ Insel“ übersetzt habe.

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In einem äußeren Arm unserer Spiralgalaxie liegt ein gelber Stern vom Typ G2, der von einer Vielzahl planetarer Körper umkreist wird, deren dritter die Wiege unserer Spezies war. Hier reiften unsere Vorfahren und vermehrten sich und zogen über die Oberfläche einer von Wasser umgrenzten Welt. Die großen Ozeane und Meere der Erde stellten die erste fremde Umwelt dar, die zu meistern sich der Mensch aufmachte, und der Preis des Unternehmens kann in den Tausenden Fahrzeugen aus fast jeder Periode seiner Geschichte gezählt werden, die über den Meeresgrund verstreut liegen. Ob Opfer des niemals endenden Kampfes gegen die Elemente oder Verluste im Krieg, die Gebeine der Schiffe des Menschen legen stummes Zeugnis für seine Entschlossenheit ab, frei zu sein zu reisen, wohin immer er zu gehen wünscht. In den dunklen, stillen Tiefen liegen kretische Galeeren neben Ostindienfahrern, spanische Galeonen neben großen stählernen Schlachtschiffen des 20. Jahrhunderts, und die Meere fordern weiter ihren Tribut.

Zeit verstrich, und während die Welt kleiner wurde, wurden die Sterne heller und lockten den Menschen zu einem weiteren Horizont mit einer weiteren feindlichen Umwelt, der er sich stellen mußte. Erneut begann er Schiffe zu bauen, die ihn über geheimnisvolle, unerforschte Öden tragen sollten. Zuerst waren die Schiffe leer und wurden hinaus ins Unbekannte gestartet, stießen immer tiefer in die Leere vor, ehe sie zur Oberfläche zurückfielen. Stück um Stück wuchs der Fundus des Wissens, und die Erde wurde von den Utensilien der Weltraumforschung umkreist: Datensammler, Satelliten und ausgebrannte Startraketen. Das Tröpfeln der Information wuchs zu einer Flut, bis sich eines Tages das erste menschliche Wesen in die Nase einer riesigen Rakete quetschte und in den Himmel donnerte, um als Held zurückzukehren. Wohin ein Mensch gegangen war, folgten viele, in zunehmend ausgereiften Fahrzeugen, und um den Beginn des 21. Jahrhunderts umkreiste eine breite Vielfalt von Konstruktionen den Planeten, von Laboratorien bis zu massiven industriellen Forschungseinheiten. Der Mond war zur Heimat einer Schar von Wissenschaftlern und Technikern geworden, und Schiffe fuhren zwischen diesen Einrichtungen und dem Mutterplaneten.

Die nächsten einhundert Jahre sahen die wachsende Industrialisierung des Weltraums und der benachbarten Planeten, begleitet von einer dramatischen Zunahme des Verkehrsvolumens. Chemische Raketen wurden durch eine Anzahl nuklear betriebener Systeme ersetzt, die ihrerseits zu neuen Generationen von ionen- und plasmagetriebenen Fahrzeugen führten, die immer tiefer in den interstellaren Raum reisten.

Dann fand ein Ereignis statt, das den Beginn eines weiteren großen Fortschritts in der Evolution der Raumfahrt markieren sollte. Wenige Jahre nach der Jahrhundertwende war eine unbemannte Erkundungssonde zu Barnards Stern gestartet worden, der unserem System nächsten Sonne, von der man wußte, daß sie einen nichtleuchtenden Begleiter besitzt, und nach sicherer Ankunft befand sie sich in einer Umlaufbahn um diesen öden Planeten. Ihre Entfernung von der Erde betrug 6,2 Lichtjahre. Fünfzehn Jahre nachdem die Barnard-Sonde flammend in die Schwärze geflogen war, wurde ein einzigartiges Fahrzeug in einer Startanlage im freien Fall im Orbit um Jupiter seinen letzten Vorbereitungen unterzogen.

Am 19. April 2121 erreichte der Countdown, der es zum Rendezvous mit der fernen Sonde schicken sollte, Null, und das Schiff verschwand sofort. Im einen Moment lag es noch in seiner Startvorrichtung, ins sinistre Licht von Jupiter getaucht; im nächsten war es verschwunden. Ein wenig mehr als achtzehn Monate später zeichnete die Barnard-Sonde die intakte Ankunft am Ziel auf. Dieses unscheinbare kleine Fahrzeug hatte die Reise mit dem Äquivalent der vierfachen Lichtgeschwindigkeit oder nahezu 670 Millionen Meilen pro Stunde erfolgreich beendet, und das Geheimnis lag in dem Apparat, um das es herumgebaut worden war. Dieses außergewöhnliche Gerät, der Raum-Zeit-Energiepotentialisator (Space-Time Energy Potentializer, STEP), war in der Lage, das Raumzeitkontinuum unter Verwendung eines Massebeschleunigers zu verzerren, um die Widersprüche zu den akzeptierten Gesetzen der Physik zu erzeugen, die auftreten, wenn ein Objekt sich der Lichtgeschwindigkeit nähert. Es manipulierte dann diese Charakteristika, um sich im Raum und in gewissem Grade in der Zeit neu zu positionieren. Der Weg zu den Sternen war nun wahrhaft offen, und die Suche nach anderen Welten, die in der Lage waren, menschliches Leben zu tragen, begann nun ernsthaft.

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Die Gedanken-Falle

Von Clifford D. Simak. Das Original „Junkyard“ erschien im Mai 1953 in GALAXY SCIENCE FICTION; deutsche Übersetzung von Lothar Heinecke aus Ullstein 2000 – Science Fiction Stories 66, 1977 (ISBN 3-548-03323-7).

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Sie glaubten, das Geheimnis enträtselt zu haben. Sie hatten ein paar scharfsinnige Überlegungen angestellt, die entsprechenden Schlüsse gezogen – aber sicher waren sie sich ihrer Sache nicht. Es war dies zwar nicht die Art, in der üblicherweise eine Abteilung des Vermessungsdienstes ihre Arbeit tat. Für gewöhnlich griffen sie ein Problem auf, schüttelten es kräftig durch und ließen nicht locker, bis sie herausgeholt hatten, was herauszuholen war, und konnten abschließend immer mit einer eindrucksvollen Liste von Tatsachen aufwarten. Hier jedoch gab es keine einzige greifbare Tatsache außer der einen, die selbst einem zwölfjährigen Kind als solche erschienen wäre.

Commander Ira Warren machte sich deshalb Sorgen, und er äußerte sich auch in diesem Sinne, als er sich mit Schlappohr Brady, dem Schiffskoch und etwas anrüchigen Kumpan seiner Jugendzeit unterhielt. Die beiden fuhren jetzt schon seit mehr als dreißig Jahren zusammen und konnten, obwohl oder weil sie an entgegengesetzten Enden der Rangliste standen, sich gegenseitig doch Dinge sagen, die sie keinem anderen an Bord sagen konnten oder einem anderen Mann hätten erlauben können zu sagen.

„Schlappohr“, sagte Warren, „ich mach mir Sorgen.“

„Du machst dir immer Sorgen“, gab Schlappohr zurück. „Das gehört nun mal zu deinem Job.“

„Die Sache mit dem Schrottplatz…“

„Du wolltest schließlich was werden“, sagte Schlappohr, „und ich hab dir gesagt, was dann passieren würde. Ich hab dich gewarnt. Autorität – das heißt Verantwortung, und das heißt Sorgen. Damit mußt du dich abfinden. Hm, also es geht um diese Schrottplatz-Geschichte? Ich hab da noch irgendwo eine Flasche stehen. Wie wär’s denn mit einem kleinen Schluck?“

Warren wies den Gedanken weit von sich. „Eines Tages werde ich es dir schon mal besorgen. Ich kann mir nicht denken, wo du das Zeug immer versteckt hältst, aber auf jeder Fahrt…“

„Aber Ira! Nun reg dich bloß nicht unnütz auf.“

„Aber auf jeder Fahrt schleppst du genug totes Gewicht an Alkohol mit, um immer halb beduselt herumlaufen zu können.“

„Es ist Gepäck“, meinte Schlappohr störrisch. „Schließlich darf man doch wohl sein Reisegepäck mitnehmen. Ich hab sonst nicht viel anderes. Ich bringe eben meine Getränke mit.“

„Eines Tages“, sagte Warren heftig, „wirst du erleben, daß man dich deshalb fünf Lichtjahre von Nirgendwo aus dem Schiff hinauswirft.“

Die Drohung war nicht neu und konnte deshalb Schlappohr auch nicht weiter aufregen.

„Diese Sorgen machen dich noch ganz krank“, sagte Schlappohr, „und sie bringen dich auch nicht weiter.“

„Aber unser wissenschaftliches Team hat versagt“, widersprach Warren. „Begreifst du denn nicht, was das heißt? Zum ersten Mal in mehr als hundert Jahren Vermessungsarbeit haben wir Anzeichen gefunden, die darauf hindeuten, daß noch eine andere Rasse außer der menschlichen die Raumfahrt kennt. Und wir wissen nichts darüber. Aber wir sollten es. Bei der Menge des Plunders, der da draußen herumliegt, sollten wir inzwischen ein dickes Buch darüber schreiben können.“

Schlappohr spuckte verächtlich aus. „Du meinst, diese Wissenschaftler sollten es.“

Auf die Art und Weise, wie er „Wissenschaftler“ aussprach, klang es wie ein unanständiges Wort.

„Die sind schon in Ordnung“, sagte Warren. „Die besten, die es gibt.“

„Erinnerst du dich noch an die alten Tage, Ira?“ fragte Schlappohr. „Damals, als du noch ein kleiner Leutnant warst und wir uns ab und zu einen hinter die Binde gossen und…“

„Was hat das mit dieser Sache zu tun?“

„Damals hatten wir noch richtige Männer an Bord. Wir haben uns einen Knüppel gegriffen, uns ein paar Eingeborene geschnappt und ihnen mit dem Knüppel ein bißchen nachgeholfen. Und auf diese Weise haben wir in ein paar Stunden mehr in Erfahrung gebracht als diese Wissenschaftler mit ihren Methoden in einem Monat.“

„Du übersiehst eine Kleinigkeit“, sagte Warren. „Hier gibt es keine Eingeborenen.“

Tatsache war, daß es auf diesem Planeten weder Eingeborene gab noch sonst was zu holen war. Es war ein ausgesprochen armseliger Planet, und er würde auch die nächste Milliarde Jahre nicht viel ansehnlicher werden. Verständlicherweise war der Vermessungsdienst nicht allzu sehr an Planeten interessiert, die erst in einer Milliarde Jahren etwas darstellen würden.

Seine Oberfläche bestand zum größten Teil aus gewachsenem Fels und herumliegenden Gesteinstrümmern. Während der letzten halben Million Jahre waren die ersten primitiven Pflanzen aufgetaucht. Moose und Flechten füllten die Felsspalten und krochen über das Gestein, aber davon abgesehen schien kein anderes Leben vorhanden zu sein. Obwohl, um genau zu sein, man dessen nicht sicher sein konnte, denn keiner hatte sich eingehender für den Planeten interessiert. Sie hatten ihn weder genauer untersucht noch nach Leben geforscht. Dafür war jedermann viel zu sehr an dem Schrottplatz interessiert gewesen.

Ursprünglich hatten sie nicht einmal die Absicht gehabt, hier zu landen. Sie hatten den Planeten umkreist, die üblichen Messungen vorgenommen und die üblichen Angaben in das Logbuch eingetragen.

Dann hatte jemand, der hinter einem Teleskop saß, den Schrottplatz entdeckt, und sie waren gelandet, um ihn sich näher anzusehen, und hatten ein Vexierspiel vorgefunden, das sie fast an den Rand des Wahnsinns trieb.

Sie hatten die Stelle Schrottplatz getauft, und etwas anderes war sie auch nicht. Ringsherum verstreut lag ein Haufen Zeug, das allem Anschein nach Maschinenteile waren, obwohl niemand etwas Bestimmtes sagen konnte. Pollard, der Ingenieur, war über der Aufgabe, einige von ihnen zusammenzubauen, bald verrückt geworden. Schließlich hatte er drei Stücke irgendwie zusammenbekommen, aber klüger war er dadurch auch nicht geworden. Deshalb wollte er sie wieder auseinandernehmen, schon um zu sehen, wie er sie zusammenbekommen hatte. Er bekam sie nicht wieder auseinander. Das war der Moment, wo Pollards Nerven mit ihm durchgingen.

Die Maschinenteile, falls es wirklich Maschinenteile waren, lagen in der ganzen Gegend umher, so als hätte sie etwas oder jemand einfach weggeworfen, ohne sich darum zu kümmern, wohin sie fielen. An einer Stelle des Platzes jedoch lag ein Haufen anderer Sachen, alle fein säuberlich aufgestapelt, und schon dem flüchtigen Betrachter mußte offenbar sein, daß er es hier mit einem Vorratslager zu tun hatte.

Darunter befand sich etwas, was aller Wahrscheinlichkeit nach Lebensmittel waren, obgleich es seltsame Lebensmittel waren (falls das wirklich zutraf), und merkwürdig geformte Kunststofflaschen, die eine giftige Flüssigkeit enthielten, und andere Sachen aus einer Art Material, die vielleicht Kleider darstellten, obwohl es einen kalt überrieselte, wenn man sich vorzustellen versuchte, welche Art Wesen wohl solche Kleidung tragen würde, und Bündel von Metallstangen, die von einer Magnetkraft zusammengehalten wurden statt von Drähten, die ein Mensch benutzt hätte, um sie zu Bündeln zu schnüren. Und dann gab es noch eine Anzahl Gegenstände, für die es überhaupt keinen Namen gab.

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Carsharing, Robotaxis und die angestrebte Abschaffung des privaten Autobesitzes

MORGENWACHT

Von Lucifex

In letzter Zeit ist mir eine starke Zunahme von Online-Artikeln – auf Deutsch und Englisch – aufgefallen, in denen mit dem Argument, Autos würden 95 % der Zeit ungenutzt herumstehen, was nicht nur ein wirtschaftlicher Wahnsinn sei, sondern auch zu viel Raum für Parkinfrastruktur beanspruche, eine Abkehr vom privaten Autobesitz und eine Hinwendung zu Carsharing und autonom fahrenden Robotaxis propagiert wird. Es gebe heute unter jungen Leuten einen zunehmenden Trend weg vom Auto als Statussymbol, und die Letzten, die noch ihren Führerschein machen werden, seien schon geboren. In manchen dieser Artikel wird sogar ein Verbot des Autolenkens durch Menschen gefordert, sobald selbstfahrende Autos ausreichend sicher seien, oder überhaupt ein Verbot des privaten Autobesitzes, weil man sich dann ja ohnehin jederzeit ein Robotaxi per Handy-App herbeirufen könne, wenn man eines braucht. Mit Suchanfragen wie „Autos 95 % der Zeit“ oder „cars parking 95 % of the time“ kann jeder…

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